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ttr.69 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 2l. März 1936

Adel der Leistung.

Äon £)r. Paul Darms.

Ungeheures ist in den drei Jahren des Dritten Reiches geleistet worden. Und doch ist alles nur ein Anfang. Denn das Fernziel, dem alle Leistungen zustreben, ist ein neuer L e b e n s st i l, ist die Erziehung eines ganzen Volkes zu einer neuen An­schauung von sich selbst, seinem Daseinszweck und seiner Umwelt. Die gesamte Kultur des deutschen Volkes bekommt einen neuen Inhalt, und der neue Inhalt die ihm entsprechende Form. Bei so weitge­steckten Zielen ist es nur natürlich, wenn die na­tionalsozialistische Führung auch mit weitesten Zeit­räumen rechnet.

Der erste Schritt zur Erziehung des Volkes ist der, daß es sich in Fragen der Außenpoli­tik als Einheit fühlen lernt. Aber die Erzie­hung kann nicht dabei stehen bleiben, daß sie von Fall zu Fall das Volk zu einheitlicher Stellung- .rahme auffordert, indem sie es immer wieder daran gemahnt, wie seine größtmöglichste Stärke in der Einheit des Staatswillens liegt. Das Volk selbst muß zur Einheit werden und sich als Einheit fühlen auch da, wo kein Anstoß von außen ihm die Gefahren der Zwietracht greifbar vor Augen führt. Denn dann erst, wenn ihm dieser Zu­stand innerer Geschlossenheit selbstverständ- l i ch geworden ist, wird es allen möglichen Anfor­derungen und Gefahren gegenüber, die aus dem Dunkel der Zukunft emporsteigen können, in Form sein. In Form sein heißt, zur Abwehr gerüstet sein, körperlich nicht nur, sondern vor allem auch seelisch, und diesin Form sein" hat Wert nur, wenn es der natürliche Dauerzustand wird.

Daß das Staatsvolk im zweiten Reiche so nicht in Form gewesen ist, das hat zur Folge gehabt, daß es die Feuerprobe des Krieges nur unvollkom­men bestand. Viereinviertel Jahre lang hat es einer zehnfachen Uebermacht den bewundernswertesten Widerstand geleistet, um dann, fünf Minuten vor zwölf, einen Nervenzusammenbruch zu erleiden! Auch im Zweiten Reich hat es nicht an Leuten ge­fehlt, denen nationales Fühlen und nationales Han­deln selbstverständlich war, wenn nationale Werte auf dem Spiel standen; die sich aber im privaten Leben und im geselligen Treiben gehen ließen, und dem lieben Ich und seiner Selbstsucht mehr Spiel­raum zum gelgentlichen Austoben gönnten, als dem dauernden Jnformsein eines Staatsoolkes in der gefährdeten Mittellage Europas zuträglich war.

In den deutschen Kinos läuft zur Zeit ein Film der Klasse la, derTraumulu s" mit Emil Hannings in der Titelrolle. Man hat darum gestritten, ob diese Szenen aus dem geselligen Le­den einer kleinen Stadt der Vorkriegszeit, die der Film wiedergibt, echt seien, oder ob sie ein verzerr­tes Bild der damaligen Zustände gäben. Wer jene Zeit als urteilfähiger Beobachter mit durchlebt hat, der wird zugestehen müssen: diese Szenen sind durch­aus lebensecht. Der Einwand, den man erhoben hat, ein Geschlecht, das so gewesen sei, wie es hier geschildert wird, hätte die ruhmreiche Leistung des vierjährigen Widerstandes nicht vollbringen können, trifft nicht den Kern der Sache. Es ist nicht einzu­sehen, weshalb in Vorurteil und Standesdünkel be­fangene Menschen nicht höchst tüchtige Soldaten sein könnten! An den Kern der Sache werden wir erst herangeführt, wenn wir die geselligen Zustände, wie sie uns der Film lebendig macht, in Beziehung setzen zum Zusammenbruch nach beispiellosem Wi­derstand. Dieser Zusammenbruch erst war in den geselligen Zuständen der Vorkriegsjahre zutiefst be­gründet. Der Traumulus-Film ist in gewissem Sinne der Film vom Kastengeist, der im Zweiten Reiche noch mächtig war, und wenn die echte Dar­stellung seines Wirkens heute als Zerrbild emp­funden wird, so beweist das schließlich nur, wie­weit dem Dritten Reich die Ueberwindunq des Ka­stengeistes bereits gelungen ist. Nicht gegen­einander zu wirken, ist im Dritten Reich die Auf­gabe der einzelnen Schichten der Gesellschaft, son­dern miteinanderzumWohleder Volks­gemeinschaft.

Und parallel mit der Umwertung so mancher

Bum 29. Marz

Öin Wort von Prof Dr. Gustav Davemann

Im Reich der Töne waren über alle politischen und sprachlichen Grenzen hinweg die großen deut­schen Meister die Wegbereiter für eine geistig-kul­turelle Verständigung der Kulturnationen. Adolf Hitler schenkte den deutschen Musikern nach Jah­ren der Zerrissenheit ihre Standesvertretung in der Reichsmusikkammer. Die dadurch bewirkte organisa­torische Zusammenfassung aller künstlerischen Kräfte ist die Grundlage für die Wiederbesinnung auf die aus dem Volkstum entspringenden Quel­len echter Kun st.

Aus tiefem Glauben an Deutschland und aus na­tionalsozialistischem Geiste wird neue deutsche A u n st erstehen, die wieder zur Verständigung der Völker beitragen wird.

Die Kunst kann nur im Frieden gedeihen Unser Führer will uns den Frieden erhalten. Er ringt um jeden deutschen Menschen. Deutscher Musiker, stehe am 29. März zum Führer Deutschlands im Glauben an den Sieg von Wahrheit und Recht!

FrüherLuxus" - heute Vousruudsunk!

Von ^eichssendeie'ter Eugen Dadomovsky.

NSK. Als wir die Macht übernahmen, war auch auf dem Gebiet des Rundfunkwesens der allge­meine Zusammenbruch da. Die Hörerabgänge betrugen 74 v. H. Deutschland hatte weniger als halb so viele Rundfunkhörer wie England und an­dere Kulturstaaten. Die Regierung bezeichnete den Rundfunk offiziell alsLuxus". Die Industrie sorgte durch die von Konzern- und Monopol-Interessen ge­leitete künstliche Hochhaltung der Preise dafür, daß der Rundiunk auch wirklich Luxus blieb.

Die deutschen Apparatepreise lagen um das fünf- bis sechsfache über den Weltmarktpreisen. Da­zu waren die deutschen Apparate leider auch lei­stungsfähig oft nicht mit den außerhalb Deutsch­lands erhältlichen Apparaten vergleichbar.

Hier setzte schon in den ersten Monaten nach der Machtübernahme ein erstaunlicher Wandel der Gesinnungen und der Tatsachen ein. Der Rund­funk wurde zur Sache des Volkes. Die Politik der künstlichen Hochhaltung der Preise wurde mit der Schaffung des V o lksempfängers durch­brochen. Damit wurde der Durchschnittspreis der Rundfunkapparate in Deutschland zunächst auf d ie

überalterten Werte auf gesellschaftlichem Gebiet ist die Entwicklung in der Wirtschaft gegangen. Wenn etwas in der Vorkriegszeitin Form" gewe­sen sei so war die allgemeine Meinung so wäre es die deutsche Wirtschaft gewesen. Unstrei­tig war ihre Entwicklung zu einer erstaunlichen Höhe gediehen, aber was half uns aller Gewinn daraus, wenn die Wirtschaft für die Feuerprobe des Krieges nach dem Kriege nicht in der wünschenswerten Form war? Wie in der Gesellschaft der Kastengeist mächtig war, so war die Wirtschaft beherrscht vom Geiste des Klassenkampfes. DasHerr im Hause fein" war für die führende Oberschicht zu Zeiten maßgeblicher als das Gedeihen der Volks­gemeinschaft. Und die staunenswert durchgebildete Organisation der tragenden Unterschicht war aus­schließlich auf Kampf gegen die kapitalistische Her­renmoral eingestellt. Wo war der Gewerkschafts­sekretär, der, ohne seine Stellung zu riskieren, hätte zugeben dürfen, daß der Kampf nur um des Kamp­fes willen eine Verirrung fei und daß der Kampf der Wirtschaftsschichten gegeneinander nur dann sittliche Berechtigung habe, wenn er geführt werde, um dem Grundsatz zum Siege zu verhelfen: Ge­meinnutz geht vor Eigennutz? An der sinnlosen Wut des Kampfes aller gegen alle, der zuletzt die Wirtschaft wie die Gesellschaft des Deutschen Vol­kes zerriß, vermögen wir abzuschätzen, was das Dritte Reich hier geleistet hat.

Darin liegen Größe und Zuversicht der Entwick­lung dieser drei Jahre. Und art ch dazu wird am 29. März ein Bekenntnis vom Staatsoolke des Drit­ten Reiches verlangt. Das Volk soll sich einmütig zum neuen G e i st e seiner Staatsfüh - r u n g bekennen, der mit Kastengeist und Standes­dünkel und Mammonismus und Klassenkampf ein Ende gemacht und die Bewertung des einzelnen wie der Gemeinschaft ganz auf Leistung ge­stellt hat. Leistung allein adelt im Dritten Reich, das gibt dem Tätigkeitsdrang, der im einzelnen wie in der Volksgemeinschaft lebendig ist, die einheit­liche Richtung. Irgend eine hervorragende Leistung steht auch am Anfang der Ahnenkette, auf die der Adel im Ständestaat seine bevorrechtigte Stellung gründete. Und dagegen ist gewiß nichts einzuwen­

den, daß noch die Enkel auf die Leistung ihres Ahn­herrn stolz sind. Nur wenn sie daraus Vorrechte für sich abfeiten wollen, verträgt sich das nicht mit dem Geiste nationalsozialistischer Volksgemeinschaft. Der Adel, den ein Ahnherr sich erworben hat, muß vielmehr von jedem Enkel neu verdient

Hüter -eutscher Tradition

Der $ührcc beim Geschwader Nichthofen

Deine Stimme dem Führer!

werden, und kann nur verdient werden durch Leistung. Leistung gibt den Wertmesser, der Führernaturen hekaushebt aus dem Einheitsbrei der Mittelmäßigkeit, der unter dem Weimarer Sy­stem das Ziel aller Staatspolitik geworden war. Leistung allein, nicht Geburt und nicht Besitz, ver­leiht den Adel in einem Staate, der den Grundsatz verwirklichen will, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht. Und Leistung allein adelt nicht nur den ein­zelnen, sondern auch das Volk. Der Adel der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Selbst­sicherheit kann nur erworben und erhalten werden durch immer wiederholte Leistung. Solch eine Lei­stung, solch ein bejahendes Bekenntnis zu sich selbst und den neuen Wegen seiner Entwicklung ist es, was am 29. März vom deutschen Volke erwartet wird.

Go sieht der Stimmzettel aus.

Reichstag für Freiheit und Frieden

Wahlkreis____

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Adolf Hitler sieß Zrich Göring Goebbels

Der Stimmzettel für die Reichstagswahl ist in drei Felder eingeteilt. Das obere Feld, das über die ganze Breite des Stimmzettels geht, trägt die AufschriftReichstag für Freiheit und Friede n". Darunter steht in diesem Feld die An­gabe des W a h 1 k r e i s e s. Unter diesem Feld liegen die beiden anderen Felder. In dem größeren linken

steht in der ersten ZeileNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei", in der zweiten Zeile groß und fett gedrucktAdolf Hitler" und in der dritten Zeile folgen die NamenHeß, Frick, Göring, Goeb­bels". Es folgt der Name des jeweiligen Gauleiters. In dem rechten kleinen Feld ist der Kreis zum An­kreuzen angebracht.

Neue Zügen- -Neues Volk.

ZdR. In jedem Jahre beziehen Zehntausende von deutschen Knaben und Mädchen, die eben die Schule verlassen haben, ihre Landjahrheime. Sie kommen aus den industriellen Bezirken, wo Schlot an Schlot steht, aus den Häusermeeren der Groß­städte und bleiben dreiviertel Jahr auf dem Lande. Nach den Worten des Reichsminifters Rust soll das Landjahr jene Gegensätze zwischen Stadt und Land, die infolge demagogischer Auspeitschung zu einem Riß m unserm Volk geworden sind, restlos über­winden.

Im Landjahr wuchs eine neue Form staatlicher Gemeinschaftserziehung heran, die für die Formung einer neuen deutschen Ju­gend unermeßliche Bedeutung haben wirb. Der na­tionalsozialistische Staat schuf sich mit seinen Land­jahrlagern die idealsten Jugenderziehungsanstalten, die Deutschland je besessen hat. Die Erziehung des Landjahres ist Charaktererziehung, die den ganzen Menschen beansprucht. Treue, Kamerad­schaft, Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe, Mut werden nicht gelehrt, aber gepflegt. Die scharfe Zucht des Gemein­schaftslebens bildet weniger den Geist, mehr die Hal­tung des ganzen Menschen, die innere und äußere. Die Ertüchtigung des Körpers wird nicht vergessen. Daneben kommt die nationalpolitische Erziehung zu

Phot.: Landesbauemschati Hess.-Nass»

Landjahr-Jmrge ans Köln bei bäuerlicher Arbeit in Emmershausen im Wciltal.

ihrem Recht und sie kann in der engen Gemeinschaft des Landjahres von einer Tiefenwirkung fein, wie sie fönst nicht mehr erreicht wird.

Jungen und Mädchen lernen auf großer Fahrt bi e Landschaft kennen und gewinnen einen Be­griff von der Größe und Schönheit des Reiches. Sie lernen die Arbeit des Bauern kennen, feine Sorgen, feine Freuden, sie arbeiten mit und ihr Herz hängt bald an Dingen, Tieren und Menschen des Landes.Liebe Mutter, Du fragst, ob ich Heim­weh habe. Nein, Mutter! Zuerst dachten wir ja sehr viel an Zuhanse, aber das war nur in den ersten Tagen. Liebe Mutter, Du glaubst gar nicht, wie schön das hier ist." Sv und ähnlich schrieben die Kinder nach Hause. Sie, deren Großeltern vielleicht selber noch Bauern waren, haben in ihrer jungen Ursprünglichkeit schnell die Liebe zum Lande und zumBauern entdeckt. Sie haben die Stadt vergessen, was hatte sie ihrer, nach Tat, nach echter, durch Zucht gebundener Freiheit, nach kraftfördern­der Arbeit durstenden Jugend auch zu geben?

Wenn sie zurückkehren, diese Jungen und Mädchen,

Hälfte gesenkt. Dazu wurden Zahlungsbedin­gungen getroffen, die auch der Masse der Händler­schaft den Kauf eines Volksempfängers ermöglichten. Die neuen Ideen über den Rundfunk als Sache des Volkes setzten sich mit so elemen­tarer Kraft durch, daß in rascher Folge hundert­tausend, fünfhunderttausend, eine Million und mehr Volksempfänger geschaffen werden mußten.

Der Rundfunkhörerzugang, der 10 Jahre lang nur 400 000 jährlich betragen hatte, stieg auf über 1 Million pro Jahr. Deutschland holte in unerhörtem Tempo die Strecke wieder auf, die es hinter den anderen Ländern zurückgeblieben war. In diesen Tagen haben wir oie Rundfunk­hörerzahl von England erreicht! Damit ist zugleich im Verlauf von drei Jahren die deutsche Rund­funkhörerzahl von 4 Millionen fast verdoppelt worden. Wir zählen am 1. März 7 524 010 Rund­funkhörer, davon sind 584 084 gebührenbefreit, die aus sozialen Gründen keine Zahlunaen zu lei­sten brauchen. Darunter sind auch die Zehntausende, die in allen deutschen Gauen von der Dr. Goeb­bels-Spende einen Rundfunkapparat geschenkt bekommen und damit automatisch von der Gebüh­renzahlung befreit sind.

Rund 2,5 Millionen Volksempfänger sind seit August 1933 geschaffen worden und über 2 Millionen davon sind bereits in die breiten Massen unseres Volkes hinausgegangen und sind heute zum wichtig st en Kulturgut unserer schaffenden Menschen geworden. Aber der Volksempfänger hat nicht etwa die Produktion und den Absatz an gro­ßen Apparaten verdrängt! Im Gegenteil, von 971 000 im Jahre 1932 ist die Industrieproduktion auf 1 887 000 im Jahre 1934 gestiegen, und in allen Jahren hat sich der Volksempfänger als rein zu­sätzliches Geschäft neben den großen Rundfunk­apparaten durchgesetzt. Es sind sogar seit 1933 re­gelmäßig mehr große Apparate abgesetzt worden als im Jahre 1932. Diese gewaltige Mehrpro­duktion hat sich auch in der Beschäftigung und Besetzung der Arbeitsplätze entsprechend ausgewirkt. Heute beträgt die Arbeitsplatzausnutzung wohl über 90 v. H. im Durchschnitt.

Aber auch der Rundfunk selbst hat sich mit sei­nem Sendebetrieb aus der Erstarrung der System­zeit gelöst. An Stelle des von roten Bonzen, Ju­den und Korruptionisten beschmutzten Systemrund­funks mit seinen kapitalistischen Privatinteressen und Aktiengesellschaften ist ein sauberer a n - ständiger deutscher Reichsrundfunk ge­treten. Alle Sender sind heute Reichssender und die Reichsrundfunk-Gesellschaft selbst ist Neichseigen- tum. Zugleich haben die Sender ihre soziale Pasis

verbreitert und ihre Leistungen auf allen künstleri­schen und Unterhaltungsgebieten erhöht.

Gegen 230 000 Sendungen im Jahre 1932 finden heute 5 5 0 0 0 0 Sendungen jährlich statt. Die Zahl der Sendestunden aber ist von 48 000 auf 66 000 gestiegen. So sehen wir im Rund­funk ein getreues Abbild der Entwicklung, die Adolf Hitler auf allen Gebieten des nationalen, kulturellen und politischen Lebens eingeleitet hat und die wir in die Worte kleiden können:

Dank dem Führer haben wir unter Anspan­nung aller Kräfte den deutschen Wagen vom Ab­grund zurückgerissen. Nun geht es in eine freiere und schönere Zukunft. Aber es ist freilich keine Zukunft für Faulenzer. Nichts ist uns in den ver­gangenen Jahren geschenkt worden; und nichts wird uns in Zukunft geschenkt. In unerschütter­licher Gefolgschaftstreue, mit heißem Herzen und leidenschaftlichem Willen aber auch stahlhart und entschlossen werden wir weitermar­schieren.

Der neue Oberspielleiter he« (Schauspiels

Seit dem Weggang Hans T a n n e r t s wurde, wie uns aus dem Stadttheaterbüro geschrieben wird, der Posten eines Oberspielleiters des Schauspiels nicht mehr besetzt. Für die kom­mende Spielzeit hat nun Intendant Schultze- Griesheim für diesen wichtigen Posten den Regisseur und Dichter Theodor H a e r t e n ver­pflichtet. Haerten ist gerade in den letzten Tagen auch bei uns sehr bekannt geworden durch die er­folgreiche Uraufführung feines SchauspielsD i e Hochzeit von D o b e st i" am Hessischen Landes­theater in Darmstadt. Der Dichter gehört zu den stärksten Hoffnungen der jungen deutschen Schrift­steller-Generation. Im Schauspiel bereitet unsere Bühne augenblicklich das DramaDer tolle Chri­stian" von Haerten vor. Theodor Haerten wurde 1898 in Geldern am Niederrhein geboren. Er ent­stammt einer in seiner Vaterstadt alteingesessenen Familie Mehrere Jahre war Haerten als Spiel­leiter im Rheinland tätig und zuletzt wirkte er als Spielleiter in Königsberg. In den letzten beiden Jahren jedoch lebte der Dichter fern vom Theater nur feinem dichterischen Schassen. Durch die Bei ­pflichtung Haertens wird der Einsatz des Stadt­theaters Gießen für die junge Dichtung erwiesen, und die Mitarbeit einer solchen künstlerischen Per­sönlichkeit wird für das Theater wie für die Stadt eine wertvolle Bereicherung fein.

DieWeihe des Speerbluiens".

Der britische Hauptkommissar für das Eingebore- nenmefen im Kenia-Distrikt in Ostafrika, Mont­gomery, ist jetzt von einer längeren Reise in das Land der Samburu zurückgekehrt, nachdem er dort mit den Häuptlingen der wichtigsten Stämme eine Zusammenkunft hatte. Es handelte sich um die Beratung über dieWeihe des Speerblutens", einen alten barbarischen Brauch der Eingeborenen, der in letzter Zeit wieder stark aufgelebt ist und dem zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Nach einer überlieferten Vorstellung muß der heran­gewachsene Jüngling vor seiner Männlichkeitsweihe die Spitze seines Speers in das Blut eines von ihm selbst getöteten Kriegers getaucht haben. Lange Zeit schien diese kultische Uebunq in das Dunkel der Ver­gessenheit zurückgetreten sein. Aber seit einigen Jah­ren hört man wieder von Mordtaten, die' unzwei- selhaft mit derWeihe des Speerblutens" in Zu­sammenhang stehen, und neuerdings sollen sich wie- der rund 50 solcher Untaten ereignet haben. Montgomery machte die Häuptlinge auf den Ernst der Lage aufmerksam und gab ihnen deutlich ju verstehen, daß sie selber jetzt endlich für die Unterdrückung dieses Unwesens und die Bestrafung der Schuldigen sorgen müßten, denn sonst würde die Regierung mit allen ihr zur Versüoung stehen­den Kräften rücksichtslos einschreiten. Der britische Hauptkommissar, der im Gebiet der Samburu in Begleitung einer Wache von 15 Polizisten an kam, erklärte dann:Ich bin nicht hierhergereist, um große Worte zu machen. Die ausgezeichnet bewaff­neten Leute an meiner Seite zeigen euch, was auf dem Spiel steht, sie werden mindestens drei Monate in eurem Lande bleiben, wenn ihr die Mörder nicht zur Verantwortung zieht. Die Kosten für diese Polizeibesatzung müßt ihr bezahlen, und jeder mei­ner Distrikts-Kommissare hat das Recht, eure Ernten und eure Kamele für diesen Zweck zu be­schlagnahmen." Der Sprecher der versammelten Häuptlinge klagte die Angehörigen eines bestimm­ten Stammes der in der letzten Zeit vorgekommenen Untaten an.Die eigentlichen Schuldigen aber sind die jungen Mädchen," fügte er hinzu,denn sie hetzeii die Jünglinge auf, daß sie sich vor der Ver­heiratung ihrer durch dieWeihe des Specrblutens" würdig erweisen und schelten jeden einen jämmer- liehen Feigling, der diesen uralten Brauch nicht befolgen will." Seit Juni des vorigen Jahres ver­suchte man, allmählich die Entwaffnung im Gebiet der Samburu durchzuführen: ein durchschlagender Erfolg war bisher aber nicht zu erzielen.