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Deutsche kehren heim... nach ISO Jahren

Ehemalige deutsche Kolonisten aus Rußland siedeln in Mecklenburg.

Von K. von Philippoff.

Es ist schwer, Suckwitz zu erreichen, diese Ort­schaft überhaupt ausfindig zu machen. Man muß erst die ausführliche Generalstabskarte zu Hilfe nehmen, um festzustellen, daß das Dorf Suckwitz etwa 12 Kilometer südlich von Güstrow in Mecklen­burg liegt. Vor wenigen Jahren war diese Ge­meinde noch ein Gut, so daß sie nicht be­sonders bezeichnet wurde. Dann aber liegt Suckwitz so weit weg von jeglichem Verkehr, und die nach Suckwitz führenden Straßen sind so schlecht, daß man dorthin nicht kommt, ohne daß man etwas Wichtiges vor hat. Ich hatte etwas Wichtiges vor. Suckwitz ist nämlich eine Ortschaft, die von ehe­maligen deutschen Kolonisten besiedelt ist, und diese Siedler zu besuchen, war eben meine Aufgabe.

Zunächst etwas Geschichtliches über die Leute: vor etwa 150 bis 180 Jahren boten manche ßan« bestelle Deutschlands ein trostloses Bild: Oester­reicher, Franzosen, Russen, hatten die deutschen Lande zu einem Tummelplatz für ihre Kriegszüge gemacht. Der Siebenjährige Krieg war eben zu Ende, Dutzende von Dörfern waren zu Trümmern geworden, deutsche Bauern wurden ihrer letzten Habe beraubt und an den Bettelstab gebracht

In Rußland herrschte damals die große Kai­serin Katharina, die als Prinzessin Sophie- Auguste-Friederike von Anhalt-Zerbst gekommen war und den späteren Kaiser Peter III. geheiratet hatte. Die machthungrige Frau stürzte ihren Ge­mahl vom Thron und wurde selbst alleinherrschende Zarin aller Reußen. Glückliche Feldzüge erweiter­ten die Grenzen Rußlands im Westen,'Süden und Osten. Im Süden wurden von den Tataren-Chanen riesige Steppengebiete abgenommen, die völlig men­schenleer waren, obwohl sie den furchtbarsten Bo­den aufwiesen, den es gibt, die berühmteSchwarz­erde".

Kaiserin Katharina hörte von dem Elend, das ihre Landsleute in der Heimat leiden mußten und wußte, daß die Steppen erst dann fest an das üb­rige Reich gekettet werden konnten, wenn der Pflug des Ackerbauern sie zum ersten Male aufwühlen würde. Sie gestattete den freien Bauern aus Tei­len Rußlands, die Steppen zu besiedeln, sie gab riesige Ländereien an ihre Höflinge und Generale, aber immer noch gab es freies Land in Ueberfülle. Deshalb rief sie deutsche Bauern aus Preu­ßen, aus Bayern, aus dem Rheinland und aus Sachsen, sie sollten mit Vieh und Ge­räten kommen, sich auf den sehr reich bemessenen Grundstücken ansiedeln und dreißig Jahre frei von jeglichen direkten Abgaben bleiben. Tausende von deutschen Bauern folgten dem Rufe dieser deutschen Herrscherin und zogen in riesigen Karawanen nach Südrußland, nach der Wolga und nach Sibirien.

Fleiß, technisches Können und Privilegien brach­ten bald die deutschen Kolonisten zu beträchtlichem Reichtum, lieber Hunderte, ja manchmal über Tau­sende von Morgen fruchtbarsten Bodens verfügte ein jeder Hof; trotz russischer, sogar mongolischer Umgebung blieben sie ihrem Volkstum treu. Fern von der alten Heimat erklangen in Sibirien und an der Wolga deutsche Lieder, das Wort Gottes wurde in deutschen Kirchen gepredigt, deutsch wa­ren auch die Schulen, welche die Kinder besuchten.

Der Weltkrieg verlief ziemlich schmerzlos für die deutschen Kolonisten, man ließ sie feinen Militär­dienst leisten, aus Angst, daß sie überlaufen wür­den, und sie lebten ja auch zu weit weg von der Front, um in Spionageverdacht zu stehen. Erst das bolschewistische Regime brachte Unglück über sie. Die kommunistische Doktrin verlangt die Vernichtung des selbständigen Bauernstandes. Zunächst versuchte man die Bauern, und vor allen anderen die deutschen Kolonisten, durch Steuerdruck sich gefügig zu machen. Aber als die Bauern es immer wieder verstanden, der eisernen Steuerzange zu entkommen, verfügte die Regierung, eine allgemeine Kollektivierung der Bau­ernwirtschaften durchzuführen, jedeDorfkollektive" sollte einem oder mehreren kommunistischen Agenten unterstehen, welche die vollständige Ablieferung von Ernl^rträgen außer dem sehr sparsam bemessenen

Existenzminimum und die regierungstreue Ge­sinnung der Bauern überwachen sollten. Wer sich nicht fugen wollte, der wurde den Millionen anderer zugeteilt, die unter unmenschlichen Verhältnissen im hohen Norden Exportholz bereitstellen.

Während die russischen Bauern schutzlos der Ty­rannei der Kommunisten preisgegeben waren, flehten die deutschen Kolonisten die deutsche Regierung um Schutz an. Durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes gelang es, einige Tausend von der insgesamt mehr als eine Million betragenden deutschen Kolo- niftenbeDÖIferung aus Rußland zu befreien, und man fangt jetzt an, sie in Mecklenburg anzusiedeln. Die erste Siedlung dieser heimgekehrten deutschen Siedler ist m Suckwitz, eine andere heißt Schossin und be­findet sich unweit Wittenburg ebenfalls in Mecklen­burg.

.Ach begab mich zum Gemeindevorsteher, damit er mich bei den Siedlern einführe. Er erklärte sich gern dazu bereit und betrat die Wohnung des angesehen­sten Siedlers, eines ehemaligen Volksschullehrers, die wie die meisten anderen Siedl^rwohnungen aus einer ehemaligen Scheune umgebaut worden ist. Ich stand vor einem schmächtigen alten Herrn mit weißem Kinnbart. Seine Familie, eine Frau und sechs Mäd­chen, befand sich gerade beim Essen. Ich redete ihn russisch an. Unbeschreiblicher Schrecken zeichnete sich auf seinen abgezehrten Zügen, er dachte wohl, ich sei ein bolschewistischer Spitzel selbst im national­sozialistischen Deutschland haben die verschüchterten, armen Kolonisten ihre Angst vor dem kommunisti­schen Terror bewahrt. Erst nach langem Zureden des Gemeindevorstehers machte er auf mein Befragen einige Angaben über sich.

Er wurde seines Amtes in einem kleinen sibirischen Dorfe deshalb enthoben, weil er der Aufforderung, sich vorn Christentum loszusagen, selbst unter Be­drohung mit einer Pistole nicht Folge geleistet hatte. Man warf ihn in ein furchtbares Gefängnis, wo es von Ungeziefer wimmelte. Seine schwangere Frau wurde mit den sieben Kindern nach Nordsibirien ver­bannt, wo sie in einem Gefangenenlager Holz fällen mußten. Dort, in der Verbannung, wurde die jüngste Tochter geboren. Endlich wurde durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes der größte Teil der Fa­milien wieder vereinigt und ihr freier Auszug nach Deutschland gewährt. Freilich sind die beiden Söhne dieses körperlich zusammengebrochenen Menschen in der Verbannung als Geiseln geblieben.

Jedes Siedlungshaus offenbart eine Tragödie, wie sie noch kein Dichter beschrieben hat. In einem Hause lebt ein Ehepaar, das seine eigenen Kinder durch Hungersnot verloren hat, und fremde Kinder an sich genommen hat, deren Eltern wegenVerheimlichung von Getreidevorräten" erschossen worden sind; in einem anderen Hause lebt eine Frau mit Kindern, deren Mann noch immer in der Verbannung schmachtet ...

Beinahe nackt sind diese Leute nach Mecklenburg gekommen, ihnen wurde das Notwendigste zur Ver­fügung gestellt. Der Gemeindevorsteher muß sich aber wundern, mit welchem Fleiß und welchem Eifer sich die Siedler auf ihre Arbeit geworfen haben, denn sie wissen, daß die Scholle, die sie bearbeiten, ihnen und den Kindern gehört und gehören wird, und daß keineExekutivabteilung" der Roten Armee oder der GPU. ihnen die Früchte ihrer Arbeit wegnehmen wird.

Noch immer hört man ihrer Sprache an, woher ihre Vorfahren stammen, denn die Kolonisten hatten vor 150 Jahren ihre Wohnsitze landschaftlich aufge­schlagen, hier die Sachsen, dort die Rheinländer usw. Manche haben sogar Verwandte in Deutschland ge­funden, denn unter den Kolonisten wurde seit jeher Tradition und Familienkunde gepflegt.

Morgens, kaum hat sich der Horizont gerötet, eilen sie alle, Mann wie Frau, auf ihre Felder, um das Tagespensum zu schaffen, man muß viel arbeiten, weil man noch vieles anzuschaffen hat, neue Kleider, welche die jetzigen Lumpen ersetzen sollen, Holz für die neu zu bauenden Scheunen, neue Geräte, um die Scholle besser zu bebauen ... Und inzwischen ziehen

sie ihre aus Rußland mitgebrachten Pelze an, um sich vor feuchten Nachtfrösten zu schützen.

Wenn sie abends müde nach Hause kommen, laben sie sich an einer guten Tasse Tee, der mit einem echtenSamowar", einer russischen Teemaschine, zu­bereitet wird, und bis in die Nacht hinein umgeben sie den rührigen Gemeindevorsteher, der ihnen ge­wissermaßen Unterricht in praktischer Siedlungskunde erteilt. Diese armen Siedler, die so viel Trauriges hinter sich haben, müssen in ihrer neuen und zugleich

Reichssendeleiter Hadarnovsky spricht im Gau Hessen-Nassau.

NSG. Arn Montag, 22. Juni, spricht Reichssende­leiter Hadarnovsky in dem Werk Höchst der IG.-Farben auf einer Großkundgebung vor. über 8000 Arbeitern über den Volkssender 1936. Reichs- sendeleiter Hadarnovsky wird in dieser Kundgebung über all die Erfolge, die bisher in der Volkssender- aftion erreicht wurden und über die Kultur im Volk sprechen. Die Kundgebung, die um 16.30 Uhr beginnt, wird vom Werkorchester und dem Werks- chor der IG.-Farben umrahmt.

Hochbetrieb

auf dem Flughafen Rhein-Main.

LPD. Frankfurt a. 5J1., 18. Juni. Am Don- nerstaa herrschte draußen auf dem neuen Flug- und Luftschiffhafen Hochbetrieb, da zum ersten Male beide Luftschiffe in Frankfurt weilten. Mor­gens um 7.25 Uhr traf zunächst das Luftschiff Hindenburg" aus Friedrichshafen mit 77 Passa­gieren an Bord auf dem Luftschiffhafen ein und machte am Ankermast fest. Nach kurzem Aufenthalt startete es jedoch schon wieder um 8.10 Uhr mit neuen Passagieren zu seiner Deutschlandfahrt, von der es um 19.08 Uhr wieder in Frankfurt eintraf.

Um 17.40 Uhr landete dannGraf Zeppelin" auf feiner Rückfahrt von Südamerika auf dem Flughafen, nachdem er zuvor längere Zeit über der Stadt des deutschen Handwerks und seiner Um­gebung gekreuzt hatte. Bereits um 17.55 Uhr ver­ließ er schon wieder Frankfurt zu einer Werk- stättenfahrt nach Friedrichshafen. Von hier wird das Luftschiff bekanntlich am 23. Juni wieder nach Frankfurt kommen und am 24. Juni nach Süd­amerika starten.

Die Tatsache, daß die beiden Luftschiffe am glei­chen Tage nach Frankfurt kamen, hatte dazu ge- führt, daß schon vom frühen Morgen an ein star­ker Verkehr nach dem Luftschiffhafen einsetzte, der sich am Nachmittag noch erheblich steigerte. Tau­sende von Volksgenossen strebten dem Flughafen zu, um die Luftschiffe zu sehen. Auch die Reichs­bahn hatte dem starken Verkehr nach dem Flug­hafen dadurch Rechnung getragen, daß sie den Zug­verkehr auf der Strecke FrankfurtMitteldick ver­stärkte.

Autofchau des RSKK.

NSG. Frankfurt a. M., 18. Juni. Im Hause Technik auf dem Ausstellungsgelände in Frankfurt eröffnete Brigadeführer Prinz Richard von Hessen eine Ausstellung, die von dem Wunsch getragen ist, der Bevölkerung und den NSKK.- Männern, die zum Tag des NSKK. nach Frankfurt kommen, einen Ueberblick über den Stand des Kraftfahrbaues zu geben. Mit Hilfe der Behörden und der Händler dürfte dies auch vollauf gelungen sein.

Eine Zusammenstellung historischer Fahr- zeuge zeigt Wagen der Frankfurter Adlerwerke seit 1900 und der Opelwerke in Rüsselsheim a. M. seit 1886 bis zum heutigen Tag.

Eine Auswahl aus dem städtischen Fuhrpark bringt die Motorstraßenkehrmaschine mit Staub­sauger, wie wir sie bisher nur aus Witzblättern kannten, Wagen der Kehrichtabfuhr mit inländischen Treibstoffen, einen vielseitigen Hilfsgerätewagen und außerordentlich gut ausgerüstete Kraftfahrzeuge der Feuerwehr.

Die Deutsche Reichsbahn zeigt ihren schnellen Autobahnschnellomnibus und geländegängige Last­

alten Heimat sehr viel lernen und müssen sich den neuen Verhältnissen gemäß völlig umstellen, ange­fangen mit den Maßen und Gewichten, bis zur Ba­dendüngung, dem Rechtsleben und dem Mecklen­burger Platt.

Manche von den Kindern besuchen trotz ihrer zwölf und dreizehn Jahre noch die erste Volksschulklasse, denn in Sowjetrußland, demParadies der Ar­beiter", mußten sie, statt die Schule zu besuchen, den Eltern helfen, im Urwald Bäume zu fällen.

kraftwagen mit bestbedachter Ausrüstung. Der Culemeyer-Ueberlandtransportwagen trifft ein, so­bald er seine Transporte für die beiden zur Zeit in Frankfurt a. M. weilenden Zeppelinluftschiffe beendet hat.

Ganz in Rot leuchtet die Schau der Deutschen Reichspost. Da finden wir einen Rundfunksförungs« wagen, der dem Störschutz dient. Ein gelände- gängiger Kraftomnibus erregt besondere Aufmerk­samkeit, weil er für den Fahrdienst auf der Strecke BerchtesgadenObersalzberg eingesetzt wird. Das fahrbare Postamt ist schon von anderen großen Veranstaltungen her bekannt. Postkurswagen kann­ten wir bisher nur im Reichsbahnverkehr; im Zeit­alter der Reichsautobahnen wurde auch der Kraft­postkurswagen geschaffen.

Pläne, Bilder und Modelle zeigen den Stand des Baues der Straßen des Führers.

Im weiten Rund finden wir dann die Ausstel- hing der Personenkraftwagen und Motorräder, wie wir sie uns wünschen. Mancher Wunsch wird hier geweckt, manche Wahl unter den verschiedenen ge­zeigten Modellen getroffen werden. Des Interesses der motorbegeisterten Bevölkerung ist die Ausstel­lung sicher.

Oie ersteReichSaufobahn-Gaststäife'" Deutschlands eröffnet.

LPD. Mannheim, 17. Juni. In Mannheim wurde in unmittelbarer Nähe der Reichsautobahn die ersteR e i ch s a u t o b a h n - G a st st ä 11 e" er­öffnet. In der Gaststätte ist gewissermaßen ein kleines Verkehrsmuseum eingerichtet. Man sieht dort in Vitrinen Modelle des ersten Fahrrades des Freiherrn von Drais und des ersten Autos von Carl Benz (beide Erfinder lebten in Mannheim), eines alten römischen Weinschiffes und der ersten Eisenbahn. Auch derJäger aus Kur Pfalz" sowie alte Zinngeräte, geschnitzte Leuchter, Ampeln und anderes Handwerksgut fehlen in dieser Schau nicht.

ITundfunkprogramm.

Samstag, 20. Juni.

6.00 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. Bunte Morgenmusik des Rundfunkorchesters. 8.10: Gym­nastik. 8.30: Zum Staatsjugendtag:Pimpf, hör zu!" Die sieben Schwertworte: 3. Jungvolkjungen sind treu. 10.00: Schulfunk. 11.00: Hausfrau hör zu! 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12.00: Buntes Wochenende. 13.00: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Wetter­bericht. 13.15: Buntes Wochenende. 14.00: Nach­richten. 14.10: Liebe, du Himmel auf Erden! Heitere Schallplattenplauderei. 15.00: Volk und Wirtschaft. 15.15: HJ.-Funk. 16.00:Froher Funk für alt und jung". Allerlei Allotria zum sommer­lichen Wochenende. 18.00: Militärkonzert. 19.30: Zeitfunk. 19.55: Ruf der Jugend: 20.00: Nachrich- ten Der Volkssender 1936 ruft! 20.10: Volks- sender 1936. IV. Sendung des Reichssenders Frank­furt. 22.00: Nachrichten (anschließend aus dem Sende­bezirk). 22.20: Bericht vom Vorabend des Tages des NSKK. 22.30: Aus der Festhalle zu Frankfurt am Main: Großkonzert (2. Teil) der zusammen­gefaßten Musikzüge des NSKK. 23.30:Sonn- wendfeier an Oberschlesiens heiligem Berg, dem Annaberg". 24.00 bis 2.00 Uhr: Nachtkonzert.

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