llr. U6 Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Nein Wald!
Viele taufend Morgen Wald fielen 1934 in Deutschland dem Feuer zum Opfer! Eine Waldfläche, c groß etwa wie zwei Staatsoberförstereien! Viele iillionen an Wert gingen dem deutschen Volke da» urd) verloren, besonders schwer ins Gewicht fallend i einer Zeit, wo Regierung und Forstwirtschaft einmütig bestrebt sind, unsere Holzproduktion zu oer- xrößern.
Forscht man nach den Ursachen dieser Waldbrandkitastrophen, so wird man seststellen, daß in mehr als 'äv. H. der Fälle bodenloser Leichtsinn einzelner Volksgenossen die Schuld trägt. Immer wieder ist es he- noch glimmende Streichholz, die ausgeklopfte pfeife, der sorglos weggeworfene Zigarren- oder ^igarettenstummel, oder aber auch das schlecht ge» tote Lagerfeuer, das solche Waldbrände hervorruft. (5 sind nicht immer die naturfremden Städter, es ist richt immer die unbesonnene Jugend, die auf Ausfugen und Wanderfahrten leichtsinnigerweise Feuer crilegt. Auch bei der Landbevölkerung gibt es Uebel- Kter, und mancher Waldbrand ist dadurch entstan- t?n, daß beim Verbrennen von Reisig, Unkraut oder leim Brennen von Rasenasche nicht ausgepaßt rurde, so daß bei ungünstigem oder umspringendem Oind das Feuer plötzlich in den benachbarten Wald iineinlief.
Der große Schaden, der 1934 auf solche Weise am Rutschen Walde entstand, hat die Regierung veran-
Das Dankopfer der Kation muß zur Großtat des deutschen Volkes werden!
lifjt, sehr scharfe vorbeugende Maßnahmen zu er- (reifen, weil sie nicht zusehen konnte, wie durch Un- cchtsamkeit Einzelner der deutsche Wald in Flammen cjfging. So wurde das Errichten von Zelten und .agerstätten im Walde ohne besondere Erlaubnis Erboten, das Anzünden von Feuer und das Rauten auch auf öffentlichen Wegen, oder den freigege- I?nen Lagerstätten unter Strafe gestellt.
So notwendig und nützlich die strenge Verordnung 5inächst war, wird auf die Dauer Unheil vom Walde <rst dann ferngehalten werden, wenn jeder Dolks- c'nosse begriffen hat, daß unser Wald deutsches < olksgut ist, für das wir alle zu sorgen haben, wenn r in dem Wald nicht mehr den Besitz eines Fremden lrht, der ihn nichts angeht, wenn er in dem kon- t ollierenden Grünrock nicht den Feind sieht, der ihn ;trgern will, sondern ihn zu unterstützen bereit ist. ■ (ind mir erst so weit, daß jeder, ob jung oder alt, p aus der Stadt oder vom Lande, mit aufpassen 1 Ift aus „seinen" Wald, dann können wir wieder x>trost am Lagerfeuer unseren Toback rauchen, und ' e> wird doch dem Wald kein Schaden geschehen. 2ann erst wird die Waldbrand-Verhütungs-Aktion hr „Arbeitsgemeinschaft für Schpdenverhütung" mit tm Reichsnährstand und dem Reichsforstanit den (»wünschten Erfolg haben.
Erzieht euch gegenseitig zur äußersten Sorgfalt, tonn sind die 10 Gebote der Waldbrandoerhütung lald gelernt, die da lauten:
1. Raucht niemals im Walde zu Zeiten, wo es erboten ift; ist es aber erlaubt, fo gewöhnt euch taran, jedes abgebrannte Streichholz und jeden (tummel mit dem Spazierstock mindestens zehn Zentimeter tief im frischen Boden zu beerdigen inb diesen festzutreten!
2. Macht niemals Feuer da, wo leicht brenn» bres Zeug in der Nähe ist. Meidet insbesondere lie Nähe von Schonungen und von jungem Nadel- , s^lz. Meidet aber auch Flächen mit trockenem Gras ber gar Reisig!
3. Macht Feuer nur auf wundem Boden oder icachdem ihr den Bodenüberzug sorgfältig entfernt fabt. Am besten auf einem breiten Weg oder in e ner Kiesgrube!
4. Löscht das Feuer sofort, wenn stärkerer Vind aufkommt und wenn Funken fliegen!
5. (Solange das Feuer, brennt, muß für Wache
Zwischen den Zelten.
NSG. In den nächsten Tagen werden die Zeltlager der HI. an den schönsten Plätzen des Gaues wieder eröffnet und gewähren Taufenden und aber Taufenden Jungen die Möglichkeit, sich von harter Arbeit zu erholen, sich zu entspannen, neue Kräfte zu sammeln und den Geist der ewig jungen Kameradschaft zu erleben.
Hier und da sind Zweifel entstanden und haben sich Bedenken erhoben, ob in so vielen Lagern — es werden 22 errichtet — und bei einer derartig großen Anzahl von Jungen — jeder achttägige Lehrgang faßt 200 Kameraden zusammen zum einen —, eine reibungslose Verpflegung sichergestellt, zum andern für jeden einzelnen wirklich die notwendige Sorgfalt aufgebracht werden kann, um ihm diese acht Tage zu einem Erlebnis werden zu lassen.
Um alle diese Bedenken zu zerstreuen und alle Eltern von vornherein jeder Sorge zu entheben, haben wir die Gauamtsleitung der NSV. ausgesucht, die ja in engster Zusammenarbeit mit der HI. die Betreung der Zeltlager in ihre Hände genommen hat, und uns mit dem stellv. Gauamtsleiter Graf und seinem bewährten und umsichtigen Mitarbeiter, Pg. Linnenkohl, über alle wesentlichen Fragen unterhalten.
Die Verpflegung wird, antwortete man uns, von der NSV. als Gefamtorganisation sichergestellt. Jeder Kreis tritt nach seinen Kräften für die Durchführung dieser schönen Ausgabe ein. Die Lager werden jeweils von der Kreisamtsleitung betreut, in deren Bereich sie liegen. Bewährte Amtswalter nehmen die regelmäßige Herbeischaffung der Verpflegung in die Hände und verwalten die Re- feroelager, die mit den notwendigen Vorräten an- gefüllt sind.
Bei der reichhaltigen K o st wird jede Schematisierung vermieden. Sie richtet sich nach der Jahreszeit und trägt dem kräftigen Hunger Rechnung, der da draußen in der freien, frischen Luft nur allzu rasch aufkommt. In der Hauptsache gibt es kräftige Eintopfgerichte. Morgens und abends Brot und gute Zukost. Auch für frisches Gemüse wird gesorgt und frisches Fleisch jeweils aus der Umgegend herbeigeschafft. Frische Milch ist stets vorrätig, abwechselnd wird dann Kakao, Kaffee und Tee getrunken. Für Leckereien ist kein Platz!
Die Köche, die während der Dauer des Lagers für das leibliche Wohl der Jungen sorgen und denen peinlichste Sauberkeit über alles geht, sind
meistens Berufsköche und besitzen besondere Erfahrung in Großküchen an Speisekesseln. Selbstverständlich sind sie vorher auf ihren gesundheitlichen Zustand ärztlich untersucht worden. Ihre Küche ist mit allen notwendigen Geräten ausgerüstet, sogar eine Brotmaschine und ein Fleischwolf sind vorhanden. Die regelmäßigen und reichhaltigen Mahlzeiten bewirken erstaunliche Gewichtszunahme, doch setzt sich durch die dauernde Bewegung im Freien und durch den planmäßigen Sport kein faules Fett an, sondern es ist eine allgemeine Muskelstärkung und eine Kräftigung des Körperbaues zu beobachten.
Die Wasserversorgung war eine Hauptfrage bei der Errichtung der Lager. Hier sind keine Kosten gescheut woden, um einwandfreies, sauberes Koch- und Trinkwasser zu stellen.
Die sanitären Einrichtungen der Lager sind für jeden Zwischenfall gewappnet. Der Sanitätsraum enthält zwei Feldbetten, eine reichausgestattete Lagerapotheke und die notwendigen Mittel zur ersten Hilfe. Er dient als Unterkunft für leichtere Erkrankungen. Täglich besucht der HJ.- Arzt das Lager, in das, wie schon bekannt, nur vorher ärztlich untersuchte Jungen ausgenommen werden.
Ist es nicht beruhigend, gu wissen, daß während der vorjährigen Zeltlager nur 0,2 v. H. leichtere Erkrankungen zu verzeichnen waren. Das sind weniger als bei einem Aufenthalt zu Hause ober in den sogenannten Sommerfrischen. Kein Wunder bei der Kost, dieser gesunden Lust und dem gesunderhaltenden Sport. Einwändsreie sanitäre Anlagen sind selbstverständlich und werden desinfiziert. Das alles trägt zum Erfolg der Lager bei.
Nimmt man noch hinzu die vielen Spiele und den vielseitigen Sport, der den Tageslauf ausfüllt, das Marschieren und das Streifen im Gelände, das Baden und Schwimmen im See oder am Flußufer, fo nimmt es nicht wunder, frische, fröhliche, sonnengebräunte Jungen, die das Lager zu einer Kameradschaft geschmiedet, heimkehren zu. sehen.
Mit Vergnügen stellen Lehrer, Meister und Betriebsführer fest, baß bie Jungen kräftiger, aufmerksamer, stolzer geworben sinb, unb mit Freu- ben nehmen bie Eltern wahr, baß ihre Söhne verträglicher, orbentlicher anspruchsloser, babei selbstbewußter, kurz, baß aus „Muttersöhnchen" „Kerle" geworben sind.
gesorgt werben. Ein guter Spaten muß immer zur Hand sein.
6. Minbestens eine Stunbe vor bem Weitermarsch muß bas Feuer sorgfältig burch Aufschütten von Erbe gelöscht werben. Man kann sich nicht oft genug überzeugen, baß es auch wirklich aus ist.
7. Bemerkst bu im Walb einen Branb von solchem Ausmaß, baß bu ihn nicht selbst sofort unb sicher löschen kannst, so hole im Eiltempo Hilfe unb benachrichtige womöglich ben Förster!
8. Sinb mehrere Personen ba, so läuft nur einer (aber nicht ber Dümmste), während die anderen mit grünen Zweigen versuchen sollen, das Feuer auszuschlagen.
9. Bei größerem Feuer bewaffne dich so schnell wie möglich mit einem guten Spaten oder mit Axt unb Säge unb stelle bich
10, schweigenb bem Leiter ber Branbbekämpfung zur Verfügung!
Dornotizen.
lagesfalenber für Dienstag.
NSG. „Kraft burch Freube": 17.30 bis 18.30 Uhr, Kinbergymnastik, Frankfurter Straße 60 (Gartenhaus); 20.30 bis 21.45 Uhr, fröhliche Gymnastik unb Spiele im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr (für Mäm ner unb Frauen), 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen), Schwimmen im Dolksbab; 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs; 18 bis 19 Uhr unb 19 bis 20 Uhr, Tennis. — Stabttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Pygmalion". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der
SDie deutsche Rrbeitofront n.9.=6cmcinf(haft „firaft Öurdi freube
Kurier des Zaren". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lockenköpfchen".
Stabttheater Gießen.
Heute von 20 bis 22.30 Uhr Erstaufführung bes Gesellschaftslustspieles „Pymalion" von Vernarb Shaw. Die Spielleitung liegt in ben Hänben von Wolfgang Kühne. Mitwirkende: Damen: Decker, Henckell, Markgraf, Schubert-Jüngling unb Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Lindt, Lüpke unb Schorn. 31. Vorstellung im Dienstag-Abonnement.
Volkstanzkreis.
Der nächste Uebungsabenb bes Volkstanzkreises finbet Freitag, 22. Mai, abends, im Haus ber Arbeit statt. Beginn wie üblich.
Vorwegenfahrl vom 19. bis 26. 2Nai.
Diese Fahrt ist gesperrt. Es können keine Anmel- bungen mehr entgegengenommen werben.
NSLB.
Abteilung Höhere Schule.
Fachschaft „Neuere Sprachen".
Nächste Sitzung ber Arbeitsgemeinschaft am Freitag, 22. Mai, 16 Uhr, in ber Oberrealschule Gießen.
Oie blaue perle.
Bilder aus der Türkei von Alfred Thunert.
Ja, eine ganz gewöhnliche blaue Glasperle muß e> sein!
Manchmal sinb es auch mehrere, hintereinander oufgereiht auf gäben von Hanf ober mit fieber» är«einen verknüpft zu ben oerschiebensten Mustern inb Bänbern. Und warum muß es gerade eine t-laue Perle sein? Denn es ist eigentlich erstaun- l'ch, daß ber Türke nicht auch bas wunberovlle satte (frün — bie heilige Farbe seines Propheten Akohammeb — zur Farbe seines Amulettes gemacht Hit. Aber eine Erklärung bafür bleibt ber Trimer fgulbig: es Hilst gegen ben bösen Blick! Das ist bie Dielfagenbe Antwort. Erst wenn man längere Zeit in Orient gelebt hat, bemerkt man so nach unb nach, wie mannigfach unb in welcher Weise die biaue Perle als Schutz gegen Unglück Anwendung finbet. Für ben durchreisenben Auslänber gibt es je fo viele Sehenswürdigkeiten zu bewundern, ba feilen biefe kleinen blauen Perlen gar nicht auf. Unb bvch finben wir sie- überall.
Kaum sinb wir mit unserem Schiff im Hafen augelangt, fo begegnet sie uns zum erstenmal: sie figt an ben breiten Riemen ber lebernen Tragkissen, llelche bie Lastträger (Hamalo), bie sicb uns mit y- oßem Wortschwall, unterstützt von sprechenben 2»m- und Handbewegungen, anpreisen, zum besse- r n Transport von oft sehr fchweren Lasten tragen. M ben fieberbänbern, roh mit Schnur befestigt, fnben wir sie, bie blaue Perle.
Rach mehr ober minber angenehm verlaufener ^Dllkontrolle sinb wir glücklich im Auto unterge- b'acht, ba fällt unser Blick abermals auf solch einen llnglücksverhüter: ben Knopf bes Kühlers schmückt ene Kette blauer Perlen. Man könnte mir vielleicht e itgegenhalten, baß bieser Aberglaube nur möglich i im Innern Anatoliens, wo bie alten hochbeini- g n, ausrangierten Forbautos noch ihr klappriges Znfein fristen. Sie sinb ja wirklich oft eines gut» g meinten, aufmunternben Blickes bebürftig. Nein, ii Stambul, selbst auf ber Perastraße, wo sich ber Lutoverkehr oft in beängftigenbem Tempo abfpielt, jähren bie mobemften Autos nicht ohne bie Schutz- p rlen. Benutzt man eine Droschke ober im Vor- -itoerkehr eine Thalika (ßanbauer), leuchtet auch i» rt von ber Blesse ber Pferbe ein Bünbel blauer Irrten ober um ben Hals ber Tiere sinb breite S?tten geschlungen.
Unsere Füße sinb bestaubt von einer längeren Wanberung unb wir suchen nach einem Schuhputzer. Dieser hat uns schon längst bemerkt, er sitzt im Schatten einer großen Platane dicht an bem Gitter, bas sich um eine Moschee zieht, unb sucht burch lautes Klopfen mit ber Bürste auf seinen Schuhputzkasten unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Währenb er arbeitet, haben wir ja nun etwas Zeit, ben Burschen bei seinem Handwerk zu beobachten. Die Deckel ber Näpfchen mit schwarzer, brauner unb roter Cream sinb fein blank geputzt unb spiegeln wie ber Messinqbeschlag seines Kastens bie Sonne roiber. Unb sehen, wir genauer hin, bann finden wir auch bie blaue Perle, bie als Kette fein säuberlich um bie Stütze gebunden ist, auf bie wir unseren Fuß zum Putzen stellen.
Die Sonne lacht vom blauen Himmel unb lockt zu einem Ausflug nach ben Prinzeninseln. Was macht es ba für Spaß, womöglich in größerer Gesellschaft einen Eselritt zu unternehmen. Die schmucken Tiere in grauem, weißem unb braunem Fell scharren ungebulbig ben Boben. Schnell hat man mit bem Eselsjungen pasalik gemacht — bas ist bas Verhanbeln über ben Preis — unb im kräftig rüttelnben Trab zieht bie Eselkavalkabe ab. Nur keine Angst, mein Reiter, bir kann nichts passieren: bein kleiner Eschek (Esel) trägt stolz ein ganzes Gehänge von blauen Perlen vorn auf ber Brust, biefes schützt auch bich vor etwaigen Gefahren. Für besondere Fälle sind außer bem Halsschmuck noch einiae Perlen mit blauen unb roten Bänbern in ben Schwanz gebunben, was bu beim Umroenben mit Beruhigung feststellst.
In ber Ferne sehen wir etwas blinken, es ist ber Subii, ein Wasserträger, ber mit lauter Stimme bir bie Vorzüge seines Wassers anpreist. Der Mann hat recht, benn was schmeckt köstlicher als ein frischer Trunk vom Kaischdag ober vom Sultan-Achmet- Quell! Der Wassermann trägt auf bem Rücken brei nach oben hin kleiner werdende blinkende Messing- öder Nickelkugeln, in denen sich das Wasser befindet. Er neigt sich vorne über, um dein Glas zu füllen. Hell klingen dabei die Glöckchen und Messingplättchen, bie bie obere Kugel krönen. Unb siehe ba, auch zwischen biesen leuchtet wieber eine blaue Perle.
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Wer nach Stambul kommt, muß auch ben Blumenbasar gesehen haben. In enger Straße, über« bacht durch Schatten spendende Zeltbahnen, sind bie
Blumen in Töpfen unb Kästen ausgestellt. Dort ist auf einen Stab, ber einer seltenen Blume eine Stütze gibt, eine Hummerschere ober ein ausgeblasenes Hübnerei gesteckt. Dieses sinb speziell für Pflanzen gute Schutzmittel, aber auch hier hängt an einem Hybiscusstrauch eine blau" Perle, die in köstlichem Kontrast zu ber glutroten Blüte steht.
Jebes Tier bekommt seine blaue Perle, sei es bas burch bie Straßen mit hoher Holzkohlenlast wan- kenbe Kamel ober ber Wasserbüffel, von dessen Stirn sich das Blau besonders gut abhebt. Der schneeweißen Angorakatze ist eine Perle in das rosa Halsbändchen geknüpft, jede Kuh, jedes Kälbchen und Schäfchen hat neben der hellklingenden Glocke blaue Perlen am Halfter. Warum soll das kleine Kind im Wagen durch ein Armband nicht geschützt sein, wenn die Mutter eine blaue Perle als Anhänger um ben Hals trägt? Als in bem kalten Winter 1929 meine Frau mit unseren Kin- bern in Deutschlanb war, ließ ich eines unserer Schäfchen scheren unb meine anatolische Arbeitsfrau spann Garn unb strickte köstlich warme Strümpfe für bie Kinber unb meine Frau. Als die Arbeiterin sie mir brei Wochen vor Weihnachten strahlenb überreichte, bamit sie pünktlich zum Fest einträfen, ba hatte sie natürlich auch blaue Perlen angeheftet.
Auch einen kleinen Esel hatte ich im Stall, es war ber ausgesprochene Liebling meiner Frau. Sie war mit ben Kinbern nach Deutschlanb gefahren unb bort schwer erkrankt, so baß ich monatelang in größter Sorge um sie war. In bieser Zeit roeibete wie üblich mein Vieh auf einem nahen Hang, barunter auch mein kleiner Esel, August genannt. Eines Abenbs kam mein Arbeiter ganz entsetzt angelaufen unb sagte mir, baß ber Esel in einen nahen Brunnen von zehn Meter Tiefe gefallen fei. Als ich zu dem Brunnen kam, war das Tier tot und nichts mehr zu helfen. Ich war noch ganz erschüttert von bem Vorgefall"nen. als mich meine türkische Nachbarin, eine alte Frau, anrebete: „Du mußt nicht traurig fein, dein totes Tier hat das Unglück von deiner Familie genommen." Vier Tage später erhielt ich von meiner Frau einen Brief, in bem sie mir schrieb, baß sie auf bem Wege zur Besserung unb abenbs aus bem Krankenhaus entlassen sei — es war genau zur Stunbe, ba ber Esel in ben Brunnen gefallen war. Da fiel mir ein, baß ich zum Glück meinem Esel keine blaue Perle umgehängt hatte. Kann man ba nicht auch abergläubisch werben?
Dienztag, 19. Mai (936
Es spricht Professor Dr. Fischer über „Die nor« bisch-germanische Grunblage ber englischen Kultur". Gäste willkommen.
Wirtschastskundliche Studienfahrten der DAi?.
In allen Gauen bes Reiches werben jetzt bie wirtfchaftskunblichen Stubienfahrten, bie vom Amt für Arbeitsführung, unb Berufserziehung ber Deutschen Arbeitsfront geschaffen würben, burchgeführt. Diese wirtfchaftskunblichen Stubienfahrten sinb eine Spitzenleistung nationalsozialistischer Berufserziehung. Allen Teilnehmern bieser wirtschaftskunb- lichen Stubienfahrten wirb bie Gelegenheit geboten, bas Wirtschaftsleben ber beutschen Gaue in seiner Vielgestaltigkeit kennenzulernen, benn biefe Fahrten führen ben beutschen Arbeiter in bie beutschen Werke unb zeigen ihm hier, wie bie Verrichtung jebes Teiles ber Arbeit unbebingt wichtig unb notwendig ift. In lebendigster Form wird durch das Erleben einer wirtschaftskundlichen Studienfahrt ber organische Zusammenhang ber vielgestaltigen beutschen Wirtschaft erkannt.
Jebe sorgfältig vorbereitete Fahrt wirb burch ihre Vielgestaltigkeit überraschen unb bem Teilnehmer eine Menge Anregungen bringen. Mit ben Kame- raben ber Arbeit ber besichtigten Betriebe werden Kameradschaftsabende ben Teilnehmern ber Fahrten bie Möglichkeit bieten, in ber sachlichen Arbeit begonnene Kamerabschaft im fröhlichen Beisammensein zu vertiefen unb zu erweitern. Sv sinb bie wirtschaftskunblichen Stubienfahrten ein wesentliches Mittel ber Berufserziehung, benn einmal vermitteln sie ben Wissensstoff in anregendster unb grünblicher Form, zweitens sinb sie ein wesentliches Mittel ber Erziehung zur beutschen Volksgemeinschaft.
Der Gau Hessen-Nassau wirb in ber Zeit vom 8. bis 13. Juni eine Reihe wirtschaftskunblicher Stubienfahrten burchführen, so für die RBG. „Chemie", „Holz", „Druck und Papier". In der Zeit vom 24. bis 29. August wird RBG. „Stein unb Erbe" eine Fahrt burchführen. lieber biefe Fahrten erteilt bie Kreiswaltung ber DAF., Abteilung für Arbeitsführung unb Berufserziehung, Schanzenstraße 18, Auskunft. Fahrtenpläne sinb auch hier zu erhalten.
Land und Leute Südamerikas.
Die Ortsgruppe Gießen bes VDA. veranstaltete am Samstag unter ber Leitung von Kreisfchulrat Nebeling im Realgymnasium einen Vortrags- abenb, bei bem Dentist Weiß aus Hungen über ,„Lanb unb Leute in Sübamerika" sprach. Von zahlreichen Bildern unterstützt gab er, ausgehend von ber Stadt Buenos Aires, eine interessante Schilderung dieses dünn besiedelten Landes, bem sogen. Silberlanb, in bem Viehzucht unb Lanbwirt- schäft bie Hauptsache sind. In bem fruchtbaren Argentinien haben sich sehr viele Deutsche nieberge- lassen, aber ber unerbittliche Kampf um bas Dasein hält unter ihnen eine starke Auslese, fo baß nur bie Besten unb Tüchtigsten sich burchzusetzen vermögen. Der Vortragenbe schilberte in anschaulicher Weise einen solchen Kamps bes Sieblers in dem Gran-Chaco-Gebiet, wo ber Kolonist sich unter ungeheuren Anstrengungen in ben Urwalb hineinarbeiten, Wege unb Lanb verschaffen kann, bas bann in Fülle vvrhanben ist. Ohne Gelb ist auch bort kein Brot zu haben, unb es erforbert, wie überall, eine Unsumme von Mut, Energie unb Lewillen, um sich burchzusetzen. Den bort lebenben Deutschen fehlen bie Schulen unb Kirchen, bie Bollwerke bes Deutschtums, ohne bie sie bem Volke verlorengehen. Wie wichtig ihr Vorhanbensein ist, zeigte der Rebner an einzelnen anberen Städten unb Staaten, in benen bas Deutschtum sich mit beren Unterstützung erhalten konnte. In seinen weiteren Ausführungen zeigte er Bilber aus bem süb- lichen Brasilien, bas mit feinen schönen unb mober- nen Stäbten unb Ansieblungen unb burch seine Fruchtbarkeit viele Tausenbe von Deutschen ange- lvckt hat, bie hier vielfach ein auskömmliches unb einflußreiches Leben führen. Ihnen allen bas Deutschtum zu erhalten, ist bie wichtigste Aufgabe bes beutschen Volkes, unb mit Freube stellte ber
Oie nahrhafte Krähe.
Die Krähe — bie ja währenb bes Weltkrieges in Deutschlanb auf mancher Speisetafel erschien — ist heute im amerikanischen Staate Oklahoma eine Art Volksnahrungsmittel aeroorben, nachbem amerikanische Wissenschaftler festgestellt zu haben glauben, daß die Krähe das nahrhafteste Wildgeflügel ist und ihr Fleisch einen hohen Hundertsatz wichtiger Vitamine enthält. Zudem sind die Krähen- gerade in Oklahoma sehr billig, weil sie für bie Landwirte eine wahre Plage barstellen. Sogar der Gouverneur bes Staates gab kürzlich ein öffentliches Festessen, bei bem Krähenbraten aufgetragen würbe, ber sämtlichen Teilnehmern gut geschmeckt haben soll.
Eine Iran leitet einen !?uh-allklnb.
Die einzige junge Dame, bie einen Fußballklub leitet, ist Mrs. Margaret Smith, ber „Meister" eines Fußballklubs im Norben Conbons. Ihr Vater war ehrenamtlich Sekretär bes Klubs; doch mußte er oft auf Geschäftsreisen gehen. Dann besorgte feine Tochter ganz allein sämtliche Angelegenheiten bes Klubs. „Nicht immer interessierte ich mich so sehr für bas Fußballspiel", erzählt sie selbst. „Dann tat ich es, weil ich meinem Vater helfen wollte. Ich begleitete ihn zu Fußballwettkämpfen, um zu beobachten, wie unsere Mannschaft spielte. Allmählich fing ich auch Feuer und bin nun eine leidenschaftliche Liebhaberin des Spiels." Sie besorgt alles, was man von einem guten Klubleiter verlangt. Sie wählt die Spieler aus, — sie hat sogar eine besonders glückliche Hand in der Auswahl 'zusammenpassender Spieler; sie berät mit ihnen bie Kampfmethoben, bie gerabe im Augenblick erforderlich sind, unb sie ermuntert sie burch Zurufe von ber Tribüne. Eine ber Aufgaben, für bie sie be- fonbers geeignet ist burch ihre fiiebensroürbigfeit unb Kunst ber Menschenbehanblung, ist bie „Los- eifung" ber Spieler, bie natürlich alle voll beschäftigt im Beruf stehen unb bie für bestimmte Termine frei zu machen sinb. Ihr Verein, ber vor vier Jahren seine Spiele mit ein paar ortsansässigen Fußballspielern begann, ist jetzt überall rühmlich bekannt. „Früher riefen wir überall an, um anbere Klubs zu Partnern zu bitten, jetzt klingelt man jedoch uns an", erklärt Mrs. Smith stolz. Einer ihrer Mittelstürmer kommt regelmäßig aus Holland herbeigeflogen, um für diesen rührigen Klub zu spielen.


