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Nr.191 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Montag, 17. August 1936

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Festlicher Ausklang der XI. Olympischen Spiele.

Oie Olympische Flagge in imposanter Schlußfeier im Stadion eingeholt. Das Olympische Jener erloschen. Oer Führer wohnt auch den letzten Wettbewerben bei.

Sieg der Idee.

Die W^tkämpfe der Weltjugend sind beendet, die Flagge mit den fünf Ringen ist niedergeholt, das heilige Feuer aus Griechenland verlöscht und der eherne Klang vom Glockenturm des Reichs- fportfeldes verhallt. In einer feierlichen Schluß­kundgebung haben sich noch einmal alle Nationen der Erde zusammengefunden, um ihr Bekenntnis zum olympischen Gedanken und zur olympischen Tat zu erneuern, so wie es der Wunsch und Wille des Wiedererweckers der Wettspiele war:Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Ge­schlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutigeren und reineren Menschheit." Die Hundert­tausend im Stadion und die Millionen an den Lautsprechern in aller Welt, die den großen Festakt miterlebten, spürten wohl alle in diesen Augen­blicken He seltsame, läuternde Kraft der roinen Idee, welche den Menschen manchmal sternenweit über Sorgen und Mühsal des Alltags emporhebt. Unfaßbar xlnb unbegreiflich stand minutenlang das ferne Traumbild eines goldenen Zettalters der Menschheit vor unseren Augen, und wir gelobten still in unseren Herzen, unser Leben dem Dienst am Guten und Schönen, dem Dienst am Frieden zu weihen.

Müssen wir noch fragen, warum der festliche Ab­schluß der Olympischen Spiele so edle und tiefe Ge­fühle in unserer Seele erweckte? Schon der äußere Verlauf der XI. Olympiade gibt eine überzeugende Sfntroort. Kein störender Mißklang trübte die Freude dieses Festes. Darum waren die symbolischen Handlungen am Ende des sechzehntägigen Kamp­

fes auch keine bloße Geste, keine leere Phrase, son­dern der letzte wahre Höhepunkt der Berliner Spiele. Wohl selten hat die Flamme der olympi­schen Idee so rein gebrannt wie in den vergangenen Wochen, wohl selten ist sie so verehrt worden wie von dem deutschen Volk. Das entlegenste Dorf im Norden und Süden, im Osten und Westen des Rei­ches stand im Banne des olympischen Geschehens, und alle Volksgenossen in Stadt und Land haben sich reichlich bemüht, dem großen Völkerfest äußeren Glanz und innere Würde zu verleihen. Die Füh­rung des Staates, schon durch ihr Dasein für den friedlichen Wettkampf der Völker eintretend, scheute keine Kosten und keine Mühen, um einen vollkom­menen Rahmen für die Spiele zu schaffen.

Die deutschen Sportler aber über sich selbst hin­auswachsend, lieferten den schönsten und größten Beitrag zum Siege der olympischen Idee. Nicht die überraschende Zahl der von ihnen eroberten Gol­denen, Silbernen und Bronzenen Medaillen, son­dern der Geist, der sie beseelte und mit dem sie um den Sieg gekämpft haben, machte sie zu wahren Vorkämpfern eines unvergänglichen Ideals, eines Ideals, nach dem sich feit Jahrtausenden Geist, Leib und Seele in vollendeter Harmonie offenbaren soll. Dieses Bewußtsein, mit allen Kräften des Körpers und des Geistes ritterlich um ein gemein­sames Ziel gerungen zu haben, beherrscht auch alle anderen Mannschaften, die als Gäste aus fremden Ländern zu uns gekommen sind. Darin nur liegt der hohe und bleibende Gewinn dieser begeisternden Tage, daß sie der Welt gezeigt haben, wie jedes und auch das kleinste Volk sich ohne Waffen und Blutvergießen unvergänglichen Ruhm erwerben kann.

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Der Führer und Reichskanzler wohnte auch am letzten Tag den großen Schwtmmkämpfen im Olympia-Schwimmstadion bei. Links neben dem Führer Generalfeldmarschall v. M a ck e n s e n , rechts Reichsminister Dr. Frick und Brigadeführer Schaub. In der zweiten Reche Stabschef Lutze, Staatssekretär P f u n d t n e r und Reichsminister Darrs; hinter dem Stabschef Lutze Relchsmintster Dr. Frank. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der letzte kampstaa

Die letzten Wettbewerbe.

Große Erfolge der deutschen Reiter.

Reichssportfeld, 16. Aug. (DNB.) Den Schluhtag der XI. Olympischen Spiele 1936 über­strahlte herrlichster Sommersonnenschein. Die letzten olympischen Wettbewerbe waren den Reitern Vorbehalten, die am Vormittag das Jagdsprin­gen der Vielseitigkeitsprüfung und am Nachmittag das Ringen um den Preis der Nationen mit der Rekordbesetzung von 54 Reitern aus 18 Natw- nen austrugen. Die glücklichen Kartenbesitzer der Schlußfeier hatten sich schon in den frühen Morgen­stunden fast vollzählig eingefunden, um auch nicht einen Augenblick des ereignisreichen Tages zu ver­säumen. So vollzog sich der Anmarsch der Hundert- tausend am Nachmittag, als alle Stehplätze des Unter- und Oberringes Kopf an Kopf besetzt waren, wurden es sicher noch mehr wie immer ohne die geringste Stockung. Zug auf Zug brachten Bahn und Untergrundbahn, Wagen auf Wagen, Omm- buffe und Straßenbahnen, in endloser Kette die Kraftwagen die Massen heran. Wie am Eröffnungs­tage harrten in den Toren der olympischen Stadt noch viele Hunderte auf Einlaß, in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Karte für das Stadion zu bekommen.

Unter atemloser Spannung verfolgten die Be­sucher der olympischen fiampfftatte die einzige Prüfung des Vormittags, das Jagdsprin­gen der Military, das den deutschen Helfern einen mit stürmischem Jubel auf­genommenen Doppelerfolg brachte. Mit 34,7 punkten holte sich Hauptmann Ludwig S t Ub­bendorf auf der ostpreußischen Stute 71 urmi den Einzelsieg vor dem Amerikaner Kapitän Thomsen auf Jenny (£amp und dem Danen Kapitän L u n d l n g auf Jason. Mit großer Ueberlegenheit sicherte sich Deutsch­land auch den M a n n s ch a f l s s i e g vor Polen und England.

In der Mittagspause glichen das Maifeld und die Nebensportplätze einem Feldlager, nur day es statt der Feldküche Rucksackverpflegung gab. Cmc Stunde vor dem Beginn marschierte e in 25 a - taillon der Leibstandarte in rneifeem derzeuq mit klingendem Spiele in den Hof des Suo- tores. Die olympische Kampfstätte hotte sich 'ozwl- schcn bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Auch die Ehrengäste, als einer der ersten Generaloberst Göring und die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees in feierlichem Schwarz mit der goldenen Amtskette fanden sich ein. Der Prä­sident Graf B a i l l e t - L a t o ur trug den tra­ditionellen Gehrock und Zylinder. Die Besucher ha - ten bei der sommerlichen Hitze meist ihre Ueberklei- der abgelegt, und so zeigten die steilen Range em überaus buntes und farbenfrohes Bild. Den Mit- telblock der Nordseite füllten in festlichem Weiß das Olympische Symphonieorchester und die 1000 Mitglieder der gemischten Chore. Auf dem Mai- feld fuhr die Artillerieabteilung mit den salutbat- terien auf. In elegantem Fluge umkreiste ein Segel­flieger die Olympische Stadt. , .

kurz vor 15 Uhr künden brausende Heilrufe das (Eintreffen bes Führers an, der

am S Übtor die Front des Lhrenbataillons der Leibstandarte abschreitet und das Stadion ge­rade in dem Augenblick betritt, als am höchsten olympischen Siegesmast die deutsche Flagge bei der Siegerehrung für den Schwergewichtsboxer Runge emporsteigt. kaum sind die National­hymnen verklungen, begrüßen den Schirmherrn der XL Olympischen Spiele Jubelstürme des Willkommen, die erst abebben, als der nächste Wettbewerb der Spiele, das große Jagdsprin­gen um den preis der Rationen, angekündigl wird.

Im Olympia-Stadion wurde der Führer von dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Ko­mitees Graf Baillet-Latour und dem Prä­sidenten des Organrsationskomitees Dr. L e w a l d empfangen. Außer feiner ständigen Begleitung sah man neben dem Führer in der Ehrenloge König Boris von Bulgarien, den greifen General- feldmarschall v. M a ck e n s e n , der diesem schwie­rigen reiterlichen Wettbewerb als alter Kavallerist mit ganz besonderer Anteilnahme folgte, ferner den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß. Dem feier­lichen Schlußakt wohnten außerdem fast die gesamte Reichsregierung, das Führerkorps der Bewegung, die hohe Generalität und Admiralität, das Diplo­matische Korps und die zahlreichen olympischen Gäste aus dem In- und Auslande bei.

^as Jcndsvringen.

Auf die Minute pünktlich nahm um 15 Uhr das große Jagdspringen um den Preis der Nationen mit 54 Teilnehmern {feinen Anfang. Unter Mtemloser Stille verfolgten die Besucher die außer^ventlich schwierige Prüfung, deren Verlauf sie dank der ausgezeichneten Unterrichtung durch die Lautsprecher und das Programm sehr gut zu folgen vermochten. Erst nach absolviertem Kurs dankten mit schöner Unparteilichkeit die 100 000 für die hervorragenden Leistungen von Pferd und Reiter. Immer wenn sich nach der Bewälttgung eines der schwierigen Sprünge irgendwo eine Hand zum Beifall regte, schwirrte gebieterisch ein St! durch das gewaltige Oval, so daß es der Sprecher kaum einmal nötig batte, um Ruhe zu bitten. Aber wie mit einem Schlage setzte nach dem letzten Hindernis bei jedem Reiter prasselnder Beifall ein. Im ersten Durchgang schnitt am besten der belgische Hauptmann Ganshof van der Meersch auf Ibrahim" mit nur 8 Fehlern ab. Im zweiten Durchgang wurde diese Leistung von Oberleutnant Kurt Hasse auf der wundervollen holsteinischen FuchsstuteThora" mit nur 4 Fehlern übertroffen. Ein Sturm des Jubels belohnte den hervorragen­den Ritt unseres erfolgreichen Turnierreiters.

Nachdem durch den rumänischen Oblt. R a n g auf ..Delphis" im dritten Durchgang noch einmal em großartiger und fast fehlerloser Ritt gezeigt den war, konnte die Entscheidung um die Gold- und Silbermedaille erst durch einen St i ch kamp s übererschwerteHinderniss e fallen. Ober­leutnant Hasse aufThora" rittauf Zeit . hatte allerdings vier Fehler zu verzeichnen. Dadurch, daß dann der Rumäne sehr langsam ritt, »ehler vermeiden wollte, aber trotzdem vier Fehler machte und viel Zeit verloren hatte, fiel die Goldene Me­daille auch in der Einzelleistung an Deutschland,

jie Silberne an den Rumänen Die Bronzene Me­daille fiel an den ungarischen Hauptmann von P l a 11 h y auf Selloe auf Grund der besseren Zeit vor Kapitän van der Mersch (Belgien), der den Schimmel Ibrahim im Stichkampf ebenfalls ohne Fehler über alles sechs Hindernisse gebracht batte, während Dakota unter Captain Raguse (USA.) vier Fehler im Stechen gemacht hatte.

Die letzten Sieaercbrunoen.

Langsam senkt die Abenddämmerung ihre ersten Schleier herab. Bluttot geht der Sonnenball hinter den Kiefern der Freilichtbühne unter. Im Sprung­garten haben die Reiter ihren Stichkampf um die Olympischen Medaillen beendet. 100 000 sind noch voll Freude und Stolz über den deutschen Doppelsieg in dem schwierigen Springen um den Großen Preis der Nationen erfüllt und stehen unter dem Eindruck der herrlichen Bilder, die Rei­ter und Pferde in diesem gigantischen Kampf boten, der den sportlichen Teil der XI. Olympischen Spiele abschloß.

Scheinwerfer flammen auf und umspielen mit ihren Lichterbündeln noch einmal das olympische Tuch, das in schwachem Abendwinde flattert. Zum letzten Male stehen die Sieger der letzten Wettbe­werbe auf dem Podium vor der Ehrentribüne und schauen leuchtenden Auges zu den Fahnen ihrer Länder an den alles überragenden Siegesmasten, während sich die 100 000 von den Plätzen erheben, um die Sieger und Siegerinnen und die Nationen, denen sie angehören, zu ehren. In mächttgen Akkor­den brausen die Lieder der deutschen Nation bei der Ehrung der deutschen Reiter empor, die in allen Wettbewerben die Goldmedaille erringen konnten und nun hoch zu Roß vor der Ehrentri­büne aufreiten. Aber auch den tapferen Unterlege­nen zollen die Massen stürmische Anerkennung, und sie bekunden damit, daß sie den tieferen Sinn der olympischen Idee begriffen haben, nach der es wohl Sieger, aber keine Besiegten gibt. Mit einem Son­derbeifall wird dabei Oberleutnant Conrad

Freiherr von Wanaenheim bedacht, der mit gebrochenem Schlüsselbein trotz eines erneuten Sturzes fein Springen zu Ende ritt und so den deutschen Mannschaftssieg sicherstellte. 33 mal stieg das deutsche Freibeitsbanner am höchsten Sieges- mast empor, und Damit ist zum erstenmal fest Drei Jahrzehnten Amerika in der Zahl der errunge­nen Goldmedaillen von Deutschland über­troffen worden.

Die letzten Siegerehrungen galten besonderen Leistungen in der A l p i n i st i k; hier fielen sie dem Schweizer Professor Dyrenfurth und feiner Frau zu, sowie in der Aeronautik, und zwar hier gleichfalls dem Schweizer Schreiber.

Die Schlußseier.

Die Abschiedsstunde ist gekommen. Andächtiges Schweigen löst den lauten Jubel ab, als die olym­pischen Fanfaren sie ankündigen. Es wird auch schon im grellen Licht des Scheinwerfers die Fahne Deutschlands unter dem Marathontor sichtbar, den Zug der Sieger in die Kampfstätte zu führen. Ihnen folgen die Fahnen der Länder in den be­leuchteten Jnnenraum, während der riesenhafte Block schon in tiefem Dunkel liegt und nur das Olympische Feuer seinen flackernden Schein auf die hohen Steinwände des Marathontores wirft. Um mehr als eine Stunde hat sich der auf 19.30 Uhr angefetzte Schlußakt durch den Kampf der Reiter verzögert, aber die Besucher haben das gern in Kauf genommen. Und nun spenden sie zum letzten Male den Fahnen und damit der Jugend der Wett und den Siegern der XI. Olympischen Spiele 1936 aus übervollem Herzen den Beifall, mit dem sie ihre Kämpfe dankbar begleitet haben. In umge­kehrter Reihenfolge als beim Einzug marschieren die Fahnen vor die Ehrentribüne, Griechenlands Banner bildet diesmal den Schluß, es steht am linken Flügel, die deutsche Fahne am rechten Flügel, dazwischen in der Reihenfolge des deutschen Alpho bets die aller teilnehmenden Nationen.

Dank an DenWand.

Der Präsident des ZOK., Graf Baillet- Latour spricht die Schlußworte:

,,Nachdem wir im Hamen des Internationalen Olympischen Komitees dem Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler und dem deutschen Volke, den Oberhäuptern der Sfaöt Berlin und den Veranstaltern der Spiele wärm st en Dank ausgesprochen haben, erklären wir hiermit die Wettbewerbe der XI. Olympiade für beendet und laden nach alter Sitte die Jugend aller Länder ein, in vier Jahren s i ch in Tokiozu vereinen, um mit uns die Feier der XII. Olympiade zu begehen. Wöge sie in Frohsinn und Eintracht verlaufen und so die Olympische Flamme leuchten durch alle Ge­schlechter zum Dohle einer immer höher stre­benden mutigeren und reineren Menschheit."

Zur gleichen Zeit erscheinen an der Anzeigetafel die Worte Pierre de Coubertins:Möge die Olympische Flamme leuchten durch alle Geschlechter zum Wohle einer immer höher strebenden, mutige­

ren und reineren Menfchheit". Mädchen des Ehren­dienstes taten in langer Reihe vor die Fahnen und heften den Siegeslorbeer und ein Erinnerungs­band an die XI. Olympiade in Berlin daran. Das LiedDie Flamme lodert" klingt auf, gefangen von mehr als 1000 Sängern und Sängerinnen. Dann erklingt das Kommando:Hol nieder Flagge!", während Scheinwerfersäulen die Feier­stätte in einen gewaltigen Dom verwandeln. Die Kanonen dröhnen, und langsam sinkt, während Chor und Orchester den Fahnenabfchied anstimmen, das Olympische Banner nieder, die heilige Fahne, die die Kämpfer zum Siege begeistert hat.

Während die Fahnenträger unter der Ehren­tribüne das Stadion verlassen und fünf weiß­gekleidete Fechter das Olympische Banner lang­samen Schrittes vor die Ehrentribüne tragen, erlischt unter dem dumpfen Dröhnen der olympischen Glocke in der neunten Abendstunde das Olympische Feuer.

Nach einer Minute stillen Gedenkens geleiten acht Fechter mit den blitzenden Säbeln in Der Rechten die Olympische Flagge vor das Rednerpult, wo der