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Nr. 269 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)

Montag,.November 1936

LangemaMeier der Gießener Siudenienschast.

Langemarck-Symbol und beilige Verpflichtung für die deutsche Jugend, Ge­denken an den Opfergang der jungen Helden, Selbst­verständlichkeit für die ganze deutsche Nation! Langemarck ein Ruh­mesblatt auch in der Ge­schichte der Deutschen Stu­dentenschaft, Erhaltung des Geistes von Lange­marck dauernde Pflicht.

Ein ernster Herbstmor­gen mit spärlicher Sonne sieht die Jugend angetre­ten, straff diszipliniert, vor einem Denkmal, das an den Heldentod der ge­fallenen Brüder und Ka­meraden erinnert. Alter, Kriegsgeneration, Jugend und Zukunft des deut­schen Vplkes stehen ver­eint unter siegreichen Fahnen und gedenken in berechtigtem Stolz einer Jugend, die ihr Höchstes, das Leben, ein­setzte für die gesamte Na­tion. Soldaten und Kämp­fer der Bewegung haben

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Die Gießener Studenten ehrten die Gefallenen von Langemarck am Denkmal der gefallenen 116er auf dem Landgraf-Philipp-Platz.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

sich zusammengefunden als Repräsentanten eines wiedererstandenen starken und geeinten Reichs.

Der gestrige Sonntagvormittag wurde für die Teilnehmer an der Langemarck-Gedenkfeier der Gießener Studentenschaft auf dem Landgraf-Phlipp- Platz vor dem Gefallenendenkmal zu einem starken Erleben. Fahnenabordnungen standen im Kreis um den würdig geschmückten Steiü, und zahlreich waren die Vertreter, die Abordnungen, Ehrengäste und die Gießener Bevölkerung zur Feierstunde erschie­nen. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 eröff­nete mit einer dem Ernst der Stunde angepaßten Weise das Gedenken. Dann sprach der Leiter der Gießener Studentenschaft,

Hochschulgruppenführer pg. Alb. Trank

Er führte u. a. ungefähr folgendes aus: Wir sind heute zusammengekommen, um einen Tag der Be­sinnung und einen Tag des Dankes zu begehen, einen Tag des Dankes an diejenigen Kameraden, die bei Langemarck ihr Leben ließen, damit Deutsch­land lebe. Ich danke Ihnen allen, daß Sie ge­kommen sind, um mit uns der Kameraden von Langemarck zu gedenken und eine Stunde der Ein­kehr zu halten. Ganz besondere Freude ist es für uns, hier unter unseren Ehrengästen einige Mit­kämpfer von Langemarck begrüßen zu können. Sie wissen wohl am besten, welch heldenmütiger Geist die jungen Bataillone beseelte, als sie mit dem Deutschlandlied auf den Lippen in die feindlichen Feuergarben stürmten. Es ist viel und oft über Langemarck gesprochen, es ist oft besungen und ge­feiert worden, und ich will nicht der Tatsache er­neut gedenken nein, wir wollen uns heute noch einmal klar und bewußt werden, was uns Lange­marck heute und in alle Ewigkeit zu sagen hat. Langemarck ist Symbol für die soldatische Haltung deutscher Männer, für das unbedingte Gefühl höchster Pflichterfüllung, für die heiße und nie ver­sagende Vaterlandsliebe, für deutsches Heldentum. Langemarck hat uns gezeigt, aus welchem Schrot und Korn der deutsche Student ist, und wir wollen voll Genugtuung feststellen: dieser Geist von Lange­marck lebt auch heute in unserer Jugend. Lange­marck ist geblieben in der studentischen Jugend über jene Zeiten hinweg, in denen Vaterland und Heimat, Mut und Heldentum, Opfersinn und Tatkraft nichts weiter darstellten als abstrakte Begriffe. Langemarck ist geblieben über Versailles und Rheinlandbesetzung, über Poung-Plan und Dawes-Plan. Langemarck hat yelebt im 9. November 1923, hat gelebt in Männern wie Schlageter und Horst Wes­

sel, hat gelebt in all denen, die das Dritte Reich erkämpft haben. Langemarck aber soll und wird ewig ein Mahnmal für uns sein, und zwar immer dann, wenn wir wankend und weich werden, wird immer dann ein Mahnmal sein, wenn Deutsch­lands Jugend nicht zusammensteht wie ein Mann, um zu leben und zu kämpfen für unser höchstes Gut, für Deutschland. So wollen wir denen von Langemarck danken und ihnen geloben: Ihr steht in ehernen Lettern in der Geschichte unseres Volkes geschrieben und seid Ansporn und Glaube alle Zeit. Deutschland grüßt euch und dankt euch für eure Opfer und ist stolz auf euch. Deutschland ist wieder frei und stark geworden. Ihr aber, Kameraden von Langemarck, seid nicht umsonst gefallen. Horst Wessel steht bei euch, und wir rufen euch zu: Deutschland lebt heute, morgen, immerdar!

Nach diesen Worten spielte die Kapelle das Lied vom guten Kameraden, und der Studentenführer legte am Gefallendenkmal im Namen der Studen­tenschaft einen Kranz mit dem Symbol des Dritten Reiches nieder.

Ein Musikstück leitete über zur Uebertragung der Langemarck-Gedenkfeier in der Deutschlandhalle in Berlin. Nach der Langemarck-Kantate sprach der Reichsjugendführer, daran anschließend der Gauleiter des Traditionsgaues München, Pg. Wagner.

Nach Beendigung der Berliner Feierstunde kam das Gelöbnis der Gießener Studentenschaft auf den Reichsstudentenführer und auf den Führer und Kanzler des deutschen Volkes.

pg Trank

führte dazu folgendes aus: Der Geist von Lange­marck war Einigkeit, Geschlossenheit und Einsatz­bereitschaft. Ich glaube, wir können den Männern von Langemarck keinen größeren Dank abstatten, als den, daß wir nunmehr in einer Front marschie­ren mit dem neuen Führer des ganzen deutschen Studententums an der Spitze für unser geliebtes Vaterland. So geloben wir unserem Reichsstuden­tenführer Dr. Scheel unverbrüchliche Treue und niemals wankend werdende Gefolgschaft. Damit aber dieser Geist von Langemarck in uns Form und Inhalt bekommt, geloben wir dem Manne, der den Geist eines neuen Langemarck in die Herzen der deutschen Jugend brachte, ewige Treue.

Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied endete nach dem Abmarsch der Fahnengruppe die in allen Teilen würdig verlaufene Gedenkfeier.

SOZchreAlpenveremsarbeiNnGießen-Obecheffen

Am Samstag beging die Sektion Gießen-Ober- heffen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenver­eins in schlichter und würdiger Weise die Feier des 50jährigen Bestehens der Sektion. Am Nachmittag fand in der Aula des Gymnasiums eine

Testsihung

statt, zu der sich neben den Mitgliedern de. Ver­eins auch zahlreiche Ehrengäste eingefunden hatten. Die Feierstunde wurde von Frau Elfriede Fischer (Flügel) und Herrn Reinhard Mürrle (Violine) mit Max Regers Präludium für Violine und Kla­vier in schöner Weise eingeleitet. Anschließend sprach Frl. W e y l einen Prolog, der der 50jährigen Arbeit der Sektion gewidmet war.

Sektionsführer W r e d e hielt sodann die ein­leitende Ansprache, in der er in großen Zügen über die Entstehung und das Wirken des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, sowie über die großen und idealen Aufgaben der Vereinigung sprach. Er erinnerte an die Gründung des Oester­reichischen Vereins in Wien und an die im Jahre 1869 in Münschen erfolgte Gründung des Deutschen Vereins, ferner an die Vereinigung der beiden Ver­eine im Jahre 1873 in Bludenz, von der dann in jahrzehntelangem Wirken eine außerordentlich fruchtbare Arbeit zur Erschließung des Alpenge­biets mit ihren vielfachen Aufgaben erfolgte. Mit rund 200 000 Mitgliedern in 460 Sektionen und 515 allgemein zugänglichen Hütten, über 100 Sek­

tionshütten, sowie einem Wegenetz in den Alpen von rund 30 Kilometer ist der Verein zu einem bedeutenden Faktor für die Alpen geworden. Der Redner erinnerte sodann an die Verständigung zwischen Deutschland und Oesterreich und die damit wieder gegebene Möglichkeit zum Besuche aller Teile der Alpen. Seine Ansprache klang aus in dem freudig aufgenommenen Sieg-Heil-Gruß an den Führer. Die beiden ersten Verse der Nationalhym­nen wurden dann gemeinsam gesungen.

Professor Dr. B o e ck hielt sodann die Festrede, in der er zunächst an die im August 1886 von Mit­gliedern vorgenommene Gründung der Sektion Gießen und an den ersten Vorsitzer der Sektion, Professor G a r e i s, erinnerte. Zehn Jahre später zählte die Sektion bereits 124 Mitglieder, ihre Tätigkeit erstreckte sich neben der Pflege des Be­suchs und des Interesses an den Alpen auch auf die Pflege der heimatlichen Wanderungen, auf Vor­träge usw. Weiter erinnerte der Vortragende an die im Winter 1896 aus einem Teil der Sektion Gie­ßen entstandene Gründung der Sektion Oberhessen, sowie an die Tätigkeit in beiden Sektionen. Er verwies in diesem Zusammenhänge auf die Be­richte imGießener Anzeiger", die fortlaufend über die Arbeit der beiden Sektionen Mitteilungen mach­ten. Von besonderem Interesse waren Angaben des Redners über die Entstehung der Gießener Hütte in den Kärntner Tauern, wobei besonders der Ver­dienste des damaligen Vorsitzers der Sektion Gie­ßen, Prof. Hedherich, gedacht wurde. Im März 1911 tauchte der Gedanke auf, in den Alpen eine Hütte zu bauen, im Sommer 1911 wurde in den Kärntner Tauern die Baustelle erworben, an der sich seitdem die Gießener Hütte befindet, die mit einem Aufwand von rund 27 000 Mark gebaut und völlig schuldenfrei Ende 1912 fertiggestellt war. Am 24. August 1913 fand die feierliche Einweihung der Hütte statt, wobei Professor H e d d e r i ch als ihr Schöpfer die Festrede hielt. Seine Verdienste um dieses Werk wurden dadurch anerkannt und geehrt, daß ein schöner Aussichtsplatz in der Nähe der Gießener Hütte den NamenHedderichs-Ruh" er­hielt. Der Vortragende machte sodann auf das An­wachsen der Mitgliederzahl in der Gießener Orga­nisation der Alpenvereinsfreunde aufmerksam, wies kurz auf die Unterbrechung der Vereinsarbeit wäh­rend der Kriegsjahre, sowie auf die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit hin und hob weiter als besonders bedeutsam die im Januar 1935 erfolgte Verschmel­zung der beiden Gießener Sektionen zurSektion Gießen-Oberhessen" hervor. Nach einem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder der Sektion schloß der Redner seine Ausführungen mit herzlichen Wünschen für die Weiterarbeit der Sektion Gießen- Oberhessen für die Erschließung der Alpen, die Ver­tiefung der Beziehung zwischen den Deutschen hüben und drüben dc^ Grenze, sowie zum Segen der deutschen Volkstu'risarbeit.

Herzliche Glückwünsche wurden der Sektion Gie­ßen-Oberhessen sodann von einem Vertreter der Sek­tion Frankfurt a. M., der zugleich auch im Namen des Hauptausschusses und des Verwaltungsausschus- ses des Hauptvereins sprach, ferner von einem Vertreter des DeutschenBergsteigerverbandes, und von einem Sprecher des Vogelsberger Höhenklubs in Gießen und von einem Vertreter des Skiklubs Gießen dargebracht. In sämtlichen Ansprachen wurde die Arbeit der Gießener Alpenvereinsfreunde wäh­rend der verflossenen fünf Jahrzehnte mit herzlichen Worten der Anerkennung gerühmt.

Sektionsführer W r e d e brachte den herzlichen Dank der Sektion für diese Ehrungen zum Aus­druck. Sodann teilte er mit, daß laut Beschluß bes Ältestenrats die Gießener Sektionsmitglieder Kauf­mann und Bücherrevisor V a u b e l, Oberstudienrat i. R. Prof. Trapp und Amtsgerichtsrat Jöckel in dankbarer Würdigung ihrer 40jährigen Mitarbeit in der Sektion Gießen-Oberhessen zu deren Ehren­mitgliedern ernannt wurden. Die Mitteilung und die damit verbundene Beglückwünschung der drei anwesenden Herren wurde von der Festoersammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Nachdem Frau Gertrud W e y l Franz Schuberts LiedDem Unendlichen" unter Begleitung von Frau Fischer am Flügel als schöne Bereicherung der Feier zum Vortrag gebracht hatte, sprach Sektions­führer Wrede das Schlußwort, in dem er die 50jährige Arbeit der Sektion als 50 Jahre Bau­tätigkeit an der großen deutsch-österreichischen Volks­gemeinschaft bezeichnete und den Willen der Sektion Gießen-Oberhessen zur weiteren Arbeit an diesem Werk betonte. Damit will die Sektion Gießen- Oberhessen treue Hüterin des gesamtdeutschen Ge­dankens und gute Betreuerin der Alpenvereins- ideale sein.

Oer Testabend.

Am Abend hatte die jubilierende Sektion mehr als vierhundert Mitglieder und Gäste zu einem zünftigen Hüttenabend in den Räumen des Clubs versammelt. Der Festsaal war mit viel Grün und bunten Bändern liebevoll ausgeschmückt. Ein fast lebensgroßes Modell der Gießener Hütte und der riesige, lustig bemalte Prospekt im Hintergrund verdeutlichten sinnreich das gewünschte Lokalkolorit. Unter Mitgliedern und Gästen herrschte die zünf­tige Bergsteigertracht vor. Krachlederne und Wa­denstrümpfe, Mieder und Dirndlkleid beherrschten das Bild. Der TirolerRote" und die Maßkrüge mit Löwenbräu versinnbildlichten auch in der leib­lichen Atzung den Charakter des Festes. Von Herrn Nieren vom Stadttheater poetisch eingeführt, begann dann der Aufstieg der bewährten Alpinisten der Sektion zur Gießener Hütte mit Bergstock, Spitzhacke, Rucksack und Seil, nicht immer wird so lustige Musik die letzten hundert Meter so erleich­tert haben, wie heute am Jubiläumstage. Vor der Hütte entwickelte sich dann ein lustiges Treiben, das schnell auf den ganzen Saal Übergriff, zumal noch eine Reihe hübscher Einlagen, von Herrn Nieren frisch und munter angekündigt, für allge­meine Erheiterung sorgten. Ein gemeinsam gesungenes Festlied, von Richard Trapp gedichtet, lustige Schnadahüpferl des Wurzel-Sepps, hübsche Tanzeinlagen der drei Solotänzerinnen des Stadttheaters (ein gemütlicher Aelpler, der sehr flott getanzte Radetzky-Marsch und ein anmutiger Straußscher Walzer) fanden starken Beifall. Be­sondere Begeisterung rief aber die leibhaftig in Person erschienene Geiß des Hüttenwarts hervor, die dem Sektionschef einMeckerer-Buch" über­reichte für die Spezialwünsche besonders eigen­williger oberhessischer Dickschädel. Eine reich aus­gestattete Tombola, erinnerungsvolle Lichtbilder und Filmstreifen von Wanderungen der Sektion in Nah und Fern und schließlich der Tanz als Seele aller Feste ließen die sorgfältig vorbereitete und wohlgelungene Jubelfeier in fröhlichster Stim­mung erst in den frühen Morgenstunden harmonisch ausklingen.

Lungmädel sammeln Kleinkinderwäsche.

Die Jungmädel unserer Stadt traten am Sams­tag recht nachdrücklich in Erscheinung. Während des ganzen Vormittags waren sie unterwegs und auch am Nachmittag sah man noch viele mit ihren Handwagen bei eifriger Sammeltätigkeit. Vormit­tags sah man sie in schö­ner Geschlossenheit sin­gend durch die Straßen ziehn und hinter den marschierenden Gruppen wurden die schön ge­schmückten und mit Auf­schriften versehenen Wa­gen hergezogen. Die Sam­meltätigkeit wurde nach dem Werbeumzug mit großem Eifer aufgenom­men. Unser Bild zeigt die Mädchen bei der Vor­bereitung und Schmückung der Handwagen.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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Aus her Provinzialhaupistadt.

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Ansich. del Gietzener Hütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Sektion Gießen- Oberhessen, 2239 Meter, mit ©offener Scharte und Säuleck, 3080 Meter.

Montag früh.

Noch ruht die Stadt im Schutze der Dunkelheit. Das Licht der Laternen brennt unentwegt, aber es wird eingehüllt von den Dunstschwaden des Früh­nebels, der sich kühl und feucht herniedersenkt. Aus der Richtung des Bahnhofs dringt der schrille Pfiff einer Lokomotive, ihm folgt das bekannte Rattern fahrender Züge. Es klingt eigenartig und wirklich­keitsfern angesichts der düsteren, morgenstillen Stunde, in der alles Leben verbannt zu sein scheint. Doch es ist die erste Regung des Werktages, der eine neue Arbeitswoche einleitet.

Denn im Bahnhofsgelände begegnen sich die ersten Frühzüge. Mit hellerleuchteten Abteilen glei­ten sie über die Schienen, durchdringen Dunkel­heit und Nebeldunst und tragen ihre Insassen zur Stätte ihrer beruflichen Pflicht. Spärlich ist die Unterhaltung in diesen Abteilen. Kaum, daß einmal ein Wort fällt. Die Nüchternheit des anbrechenden Montags gebietet die Schweigsamkeit wie ein un­geschriebenes Gesetz. Gelegentlich sitzt auch ein ver­späteter Sonntagsgast zwischen den Männern im Arbeitskittel, aber er wirkt beinahe stilwidrig und nimmt sich aus wie ein Bruder Leichtfuß in der Runde ernster und wortkarger Gesellen.

In der Stadt wird es allmählich lebhafter. Stra­ßenbahnen kommen surrend und klingelnd ihres Weges, Omnibusse lassen ihre riesigen Scheinwerfer spielen und die Lampen der Radfahrer gleiten über die Straße wie tanzende Irrlichter. Zuerst sind es nur wenige Fußgänger, aber je mehr es auf sieben Uhr zu geht, um so größer wird die Schor, die über

die Bürgersteige eilt und hastig die Straßen über­quert. Worte werden auch hier nicht viel gewechselt. Den Kragen hochgeschlagen, die Hände in den Taschen vergraben, ziehen sie dahin.

Aber das Erlebnis des Sonntags schwingt in ollen nach. Das ist es, was dem Montagmorgen seine besondere Note gibt. Und je nachdem dieses Er­lebnis friedlich oder geräuschvoll, heiter ober betrü­bend war, beschäftigt es den einzelnen. Gewiß, er äußerst sich jetzt noch nicht darüber, aber in der Frühstückspause wird er es wohl tun, denn die Frühstückspause am Montag hat ihren eigenen Reiz. Sie ist erfüllt von persönlichen Mitteilungen, von Berichten, von Tagesereignissen, von Sportnach­richten, kurz, von all jenen Geschehnissen, die der Sonntag so vielgestaltig abrollen ließ.

Vorerst ist es freilich noch zeitiger Morgen. In­dessen schickt sich der Werktag an, den verklungenen Sonntag gänzlich zu verabschieden. Und wenn es auch in der kurzen Zeitspanne zwischen sieben und acht Uhr noch einmal etwas ruhiger aus den Stra­ßen wird; um acht Uhr tritt der Montagmorgen in feine vollen Rechte. Dann läuft die Maschinerie des Alltags wieder in gewohnter Weise und sputet sich, einen Wochenabschnitt zu erfüllen, der sich wie ein gewaltiger, den Rhythmus der Arbeit kündender Brückenbogen von einem Sonntag zum anderen spannt. ' H. W. Sch.

Vornotizen.

Tageskalender für TNonlag.

Stadttheater: 20 UhrDer Bettelstudent" (nur für Militär). Gloria-Palast, Seltersweg:Eine