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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Wanderfahrten

über»

Sch.Zim.,tl.W.Zntr.-

' Wasser,täglich 4Matzlzeit.,reichlich ' u.gut.Eiy.Fischereien.Pensionsvr.

Heiz , lern, 4 Mahlz.

3.50 KelneNebensp.

2.8(M* keine Nebenk. LsL.A.Lsrnier.

Bes.: Ernst CreQ.

Besucht deutsche Bäder u. Sommerfrischen

Vogelsberg! Schlier­bach b.W.i.Brachttal, gr. Laub- und Nadel- wäld. Frankfurter Hof

Sine Einladung an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus Gießen uL)berh.

Gießen Lindener Mark Rindsmühle Gießen.

Wir beginnen unsere Wanderung an der Uni­versitäts-Bibliothek und folgen dem vom VHC. Gie­ßen vor drei Jahren neu angelegten roten T, das uns zum Erdkauterweg, am Gailschen Tonwerk vor­bei auf lauschigen Waldschneisen der Lindener Mark zur Theodorsruhe bringt. Hier erfreuen wir uns von der Schutzhütte an dem prachtvollen Blick auf den Schiffenberg, gehen auf unserem seitherigen Weg gelben Punkten nach bis zur nächsten Schneise, wo die Zeichen nach links abbiegen, wir indes geradeaus weiterschreiten. Nach einiger Zeit zweigt nach links ein Fußpfad ab, der uns alsbald zur Nikolausquelle, einer hübschen Anlage mit einigen Ruhebänken, bringt. Vom nahen Waldrand bietet sich ein schöner Blick über ausgedehnte Wiesengründe nach den um­liegenden Dörfern. Nicht weit von der Quelle führt in westlicher Richtung durch den Wald ein Weg auf­wärts, dem wir bis zur vierten Querschneise folgen, diese nach links einbiegen und nach kurzer Zeit die Rindsmühle, wo wir Rast machen können, erreichen. Den Heimweg nehmen wir auf der Leihgesterner

friedliche Dörfchen Hausen, drei Ningwälle über­steigend, hinauf zum Gipfel des Hausberges, von dessen Turm man eine prächtige Rundschau genießt. Das Zeichen leitet uns weiter bergab durch hübsche Waldung an der Pilgramseiche vorbei nach dem 420 Meter hoch gelegenen schmucken Taunusdörfchen Bodenrod mit zwei guten Gasthäusern. Nunmehr folgen wir grünen Strichen über Weiperfelden im Solmsbachtal nach dem reizvoll gelegenen, von einer Burg überragten Kleeberg mit ebenfalls guter Unter­kunft. Schwarze Punkte geben uns von hier auf schönen Waldwegen, am gastlichen Forsthaus Butz­bach vorbei, das Geleite bis zu unserem Endziel Butzbach. Wanderzeit 6 Stunden.

Neu, gemütlich, freiliegend,Bade-, Trink-JLiegekuren, Halle, Spiel­wiese, Wald, groß. Schwimmbad, Wochenend. Garage. Pro-q spekt.Ia.V ollverpflegung M.

Straße, die uns durch den Bergwerkswald wieder nach Gießen bringt. Gesamtwegdauer 3% Stunden. Butzbach Hausberg Vodenrod Kleeberg Buhbach.

Viele, die von fern über allen Bergen des Oben» waldes den Melibocus sehen, denken an lange Waldwege, die sie dort oben schon gewandert sind, an einsame Burgruinen, an windumwehte Türme, an das verwegene Umhersteigen auf den Felsbrocken, die dort in den Buchenwäldern liegen rote Heber» bleibsel einer Gigantenfchlacht. Mancher denkt an Ferientage in Lindenfels und Lützelbach, an die Lauben und Terraffengärten von Jugen­heim, an das Rauschen der Wälder und das halb- pergeffene Schloß Heiligenberg, in das einst Prinzen und Zaren ihren bunten Hofstaat verleg­ten. Die ganze Bergstraße entlang zieht sich das Weiß und Rosa der frühlingkündenden Baumblüte. Die kleinen alten Städte, oft durch Alleen mitein­ander verbunden, find wie eine lockere Kette freund­licher Häusergruppen, deren rote Dächer bald als kräftige Farbtupfen im zarten Pastell des Blüten­meeres stehen, bald fast darin verschwinden. Dieses Ländchen unmittelbar südlich des Mains ist eine weite Ebene, angelehnt an den waldigen Abhang des Odenwaldes, der höher als früher erscheint, seit die Reichsautobahn an ihm entlangführt. Denn diese liegt wohl ein wenig tiefer als die Bahn.

Diese Ebene mit dem noch von Schilf und Urwald bewachsenen Ried geht jenseits des Stromes in das rheinhesfische Weinland über. Nah am Odenwald liegt das stille, von Parks umschlungene Darmstadt; das viel ältere Worms ist dem Strome näher, doch auf der anderen Seite. Dort lebt noch die Siegfriedsage mit ihrer tragischen Jagd im Odenwald. Man sieht aus den Wäldern die Türme der alten Stadt wie eine Arche am Htm- mel schweben. Auf den Stufen dieses Domes war es, wo Brunhild und Kriemhild sich stritten...

Zwischen Worms und Darmstadt, an einem der Bauerndörfer im Ried, steht die letzte Vorhalle des K l o st e r s L o r s ch , das einst zu den berühmtesten Kulturstätten des Abendlandes gehörte. Weit über das Gebirge hinweg reichte in verschollenen Jahrhunderten die Macht der fränkischen Könige. Kaiser Karl jagte in den unermeßlichen Forsten, die sich noch heute bis nach Frankfurt erstrecken. In Michelstadt und in Seligenstadt baute Ein­hart, der Schwiegersohn Karls, sich an, und die Grafen von Erbach, die dort noch heute ihre Schlösser bewohnen, gelten als seine Nachkommen.

Natur und Geschichte geben dem Odenwald feine Besonderheit, seinen Dörfern und Städtchen ihr eigenes Behagen. Einsame Kirchen stehen in den Wäldern, manche nur noch an ihren Grundmauern erkennbar. Finstere Schluchten führen in unbe­rührte Gegenden, besonders dem Neckar zu. Den­noch ist der Odenwald keine abgeschlossene Insel. Er ist zugänglich von vielen Seiten. Reichgegliedert, füllt er feinen Raum zwischen Rhein, Main und Neckar aus. Nur an einer Stelle ist er nicht von den glänzenden Bändern der Flüsse und der Eisen­bahn umschlossen, nämlich zwischen dem Katzen­buckel, der sich über Eberbach hinter dem Neckar erhebt, und dem am Main gelegenen Städtchen Miltenberg.

Wer von Frankfurt kommt, sieht den Sockel des Odenwaldes am deutlichsten. Wälderstriche stehen noch zwischen den Aeckern, auf denen Korn und Mais gedeihen. Den Saum der Dörfer bilden Obstwäldchen und Bohnengärten. Die Fachwerk­häuser und die Brennholzstapel vor den Türen ver­raten das Waldland. Auf -rod und -Hausen enden die Dorfnamen hier, nicht anders als drüben an der Nahe und an der Mosel. Die Landstraßen slie-

3m Lande zwischen Alain und Rhein

Irühlingsfahrt zum Odenwald.

Für Erholungsuchende:

II Frei-Schwimmbad, Liege- [ | wiesen, Park und Wasser |U

eine Herberge gefunden in einer alten, kleinen Stadt, wenn am Morgen der Frühlingsregen leis und ein wenig schwermütig niedergeht, wenn der Strom zart verschleiert liegt, wenn die Glocken ge­dämpft vom Turm erklingen, wenn man seinen Wanderschritt sachte wieder auf das Pflaster setzt, wenn man in die ach so rührend bunten Fenster der Kleinstadtläden schaut, dann überkommt es uns plötzlich: Ach, wer nun eine Weile fahren könnte mitten im Strom, mit einem Floß, mit einem Boot. Und wenn das nun gelingt. Wenn man Glück hat. Wenn der Flößer näher ans Ufer fährt und wir springen auf das Floß und fahren mit zu Tal, einen Tag, zwei Tage. Wie schön! Die Nebelschleier verlieren sich. Die Sonne bricht sich Bahn. Ein blauer Frühlingstag steht plötzlich über uns, gol­den ... Lerchen jubeln fern über den Aeckern der

Mattage im Aeckattal.

Don £oni prügel.

Man möchte das abgegriffene Wortlieblich" mit einer neuen Sinnhaltigkeit begaben, wenn sich an einem Maientage vom Rhein her das Neckar­tal auftut. Wie könnte man es auch anders benen­nen: Die sauber begrenzten, lichtbraunen Aecker, die Wiesen wie zur Feier hingespreitet, von spät blühenden Pfirsichen übertupft, der streifige Raps im Tal, von einem Gelb, das breit zu lachen scheint, und die vermittelnd ähhebenden Waldkappen auf den Bergköpfen: dies alles immer huldigend nah um die Mitte, das ist der Fluß, versammelt.

Gut ist es, ein Auto zu haben. Es kann sich auf der knappen Straße dicht beim Fluß halten und braucht keine der Merkwürdigkeiten auszulassen, die hier allerwärts am Wege liegen. Keineswegs darf man sich die frühlingsgrünen Wälder vorenthalten lassen. Man geht aufwärts unterm jungen Laub, das jetzt noch durchscheinend ist. Steht im Heidel­berger Schloßhof zwischen den rötlichen Ruinen der immer noch imposanten Palastfassaden: wo die schwelgenden Blicke von den porzellanblauen himmelgefüllten Fensterrahmen nicht minder ange­zogen werden, als von der edlen Linienführung der Architektur, vom plastischen Schmuck.

Folgt man dem magischen Zuge der Himmels­bläue hinaus auf den Altan, so verschwimmt die hemmlungslose Breite der Rheinebene zur Linken, indes sich dieserhand das Flutzband des Neckars um die Hügel schlingt.

Stift Neuburg liegt bunt überm Blühenden. Dörfer formen sich aus Villen und Gärten. Bei Neckar­gemünd fährt man, ins eiserne Gerüst der Brücke gespannt, zur anderen Neckarseite hinüber, wo eine breitere Straße den Fluß geleitet. Drüben schieben sich die Hügel jetzt bis ans Ufer heran.

Burgen auf den Bergkämmen ziehen immer mit einher. Um Neckarsteinach wachsen die Raub­ritternester derLandschade" aus dem Wald, über Hirschhorn das Stammschloß der Hirschhörner Edlen.

Man fährt in Hirschhorn förmlich durch die Kirche. Denn da stellt sich in den winkelseligsten Gassen plötzlich ein Torturm breitbeinig über den Weg und schluckt das erstaunte Fahrzeug in den dunklen Ra­chen. Im Vorübergleiten sieht man aber doch noch die kleine Pforte seitwärts, und nun kann man es nicht unterlassen, von der Straße weg mit einem Schritt in der Empore der dämmerigen Kirche zu stehen: so innig hat sich die Kirche in den Schutz des Stadtturmes begeben.

Auch ist es gut, bei dem neuen Stauwehr eben einmal den Fluß zu queren und den schmalen jen­seitigen Feldwed ein Stück mit dem Neckar hinab­zulaufen. Da wird man erfreut fein von der saube­ren Gliederung Hirschhorns zur Burg zu, die ihrer­seits mit Wehrmauern wie mit schirmenden Armen herunterlangt.

In Eberbach kann man das alte Viereck der Stadtbefestigung noch an vier Türmen erkennen. In der ehemaligen Wehrmauer aber haben sich die Fachwerkhäuser breit gemacht, hochgegiebelte Bür­gerbauten mit der bewahrten Überlieferung aleman­nischer und fränkischer Holzbauweise.

Eine freiere Weite des Blicks nach dem Engen, ganz auf sich Gestellten des Neckartals läßt sich, fo man will, von der Feste S t o l z e n e ck erlangen. Dazu quert man oberhalb Eberbachs den Fluß und hat auf der Burgwanderung Weile, den jungen Wald inniger zu erleben. Hier wird man auch, an der Schwelle zum Walde, mit den Dbftbäumen ver­trauter. Die Kirschen müssen ja schon ausgeblüht haben (bald stehen sie korbweise auf dem Markt vor der Heiliggeistkirche in Heidelberg).

Man klettert aus dem stimmungsvollen, ganz in Grün verwilderten Schloßhof von Stolzeneck, schließ­lich noch im Leib der mächtigen Schildmauer, die sich hier wahrhaft wie ein Schutz und Schild vor der Burg aufpflanzt, zur höchsten Plattform. Und da schaut man dann von oben in die Wälder hinein. Die lichten Laubkronen lassen noch die Anemonen vom Waldboden durch ihr Gitterwerk heraufscheinen. Vom Nahen aber geht die Versenkung zur Ferne, so wie sich die Hügel des Neckargebirges wellig hintereinander lagern.

Reisewinke.

Zeppelinfahrten für 100 Mark.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" wird am Freitag, 22. Mai, von seiner vierten diesjährigen Südamerikafahrt zurückkehren und zum erstenmal auf der Heimreise von seiner Ueberseefahrt auf dem neuen Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main bei Frankfurt landen. Anschließend daran wird das Luftschiff entweder am Freitagabend oder am Samstagmorgen von Frankfurt aus nach Fried­richshafen übergeführt werden. Wie die Paffage- abteilung der Deutschen Zeppelin-Reederei Frank­furt mitteilt, können an dieser Fahrt von Frankfurt am Main nach Friedrichshafen Fahrgäste teilneh­men, und zwar zu einem Einführungspreis von 100 R M., dem bisher niedrigsten Preis einer Zeppelinfahrt. Eine Wochenfahrt in das schöne Bodenfeegebiet läßt sich auf diese Weise mit dem unvergeßlichen Erlebnis einer Zeppelinfahrt ver­binden, die für manchen Fahrtteilnehmer den Wunsch nach einer Ueberfeereise mit dem Zeppelin wachrufen dürste. Da die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze sehr beschränkt ist, die Nachfrage aber infolge des geringen Fahrpreises sehr stark sein dürfte, ist eine möglichst schnelle Platzbelegung bei der Deutschen Zeppelin-Reederei oder bei den großen Reisebüros zu empfehlen.

In den folgenden Monaten werden einige weitere Uebersührungsfahrten der beiden LuftschiffeGras Zeppelin" undHindenburg" zwischen Frankfurt und Friedrichshafen stattfinden, an denen ebenfalls Fahrgäste nach beiden Richtungen hin teilnehmen können.

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ßen hell durchs Feld, zwischen den stämmigen Bäu­men der Alleen leuchtet das Grün der Wiesen. Die Pappeln einer fernen Anhöhe erinnern an Zy­pressen, fast zaubert die Kulisse von dunkelblauen Bergen ein Stück südländische Landschaft am Ho­rizont hervor. Dichter, urwüchsiger werden die Wäl­der in der Höhe. Schon liegt ein Tal von einer solchen lieblichen Größe unter dem weiten Himmel vor uns, daß es den überraschten Wanderer für die Mühe des Aufstiegs belohnt. Die Schutzhütte dort oben ist mit dem Gesicht zur Ferne gerichtet. Radfahrer haben es sich bequem gemacht, sie kochen ab, sie suchen die Herrlichkeit ringsum mit ihrer Strahlenfalle einzufangen.

Die Landstraßen kreuz und quer im Odenwald sind gut, sie sind eine Kurzweil für die Radfahrer, die ihre Räder bergauf schieben, um dann in mühe­loser Fahrt wieder abwärts zu gleiten. Es geht durch Wälder und Dörfer, es geht durch langgezo­gene, von Weiden besetzte Täler, es geht in ein Städtchen mit dem Schild am Eingang:Bitte ruhig fahren". Das gilt den Autofahrern; sie sollen die beschauliche, erholsame Ruhe nicht stören. Denn man ist hier in Bad König, an Kleinheit ein Dorf, in Wirklichkeit ein Kurort mit Badhaus, mit kiesbestreuten Gärten und buntgedeckten Tischen in der warmen Frühlingssonne. Ein Lädchen zeigt Elfenbeinschnitzereien, ein anderes bunt- glasierte Töpfe, die im Gewerbefleiß dieser Gegend ihren Ursprung haben. Kräftiger Holzgeruch strömt von den Sägemühlen in der Nähe der Bahngeleise herüber.

Ganz im Herzen des Odenwaldes liegt Michel­stadt mit seinem altertümlichen Marktplatz vor dem dreitürmigen, auf den hölzernen Unterbau ge­stützten Rathaus und dem Wirtshausschild mit den drei Hasen, die zusammen nur drei Ohren haben und doch jeder einzelne fein Paar. Eine uralte Allee verbindet das Städtchen mit dem F ü r» ftenauer Schloß und feinem hochgeschwunge- nen, in der ganzen Kunstgeschichte bekannten Mauerbogen. Hügelig sind die Wiesen da draußen; man stößt beim Graben auf römische Ziegel, noch vor kurzem fand man dort eine Bildsäule des Merkur. Hier ragt eine kleine unscheinbare Kirche, die Einhartsbasilika. Das alte Gemäuer steht mitten in einer satten Bauernlandschaft. Wie ein Gesicht mit blinden Augen und schmalem, hochgezogenem Mund schaut es unter seiner Haube von Weinlaub über die Wildnis der Gräser.

Ungeheuer ist der Blick von den Höhen über Land und Himmel. Der Heiligenberg über Ju­genheim ist nicht der einzige seines Namens. Am Neckar steht ein anderer, gleichsam als letzter Pfo­sten des Gebirges. Sein Haupt ist von einem ur­alten Ringwall umschlungen, und dort hoch über düsteren Wäldern wurde ein Feierplatz gebaut, eine Arena von solcher Geschlossenheit, daß das Spiel der Menschen hier schon von der Großartig­keit des Rahmens weihevolle, festliche Prägung erhält. Je höher man die Stufen des körnig glitzern­den Steins hinansteigt, die rötlich find wie das Heidelberger Schloß jenseits auf der anderen Seite des Tales, desto unendlicher wird die Ebene, die das Auge nach Westen hin überblickt. Es ist, als spüre man im fernen Schimmer des Rheines den magnetischen Zug des strömenden Wassers zwischen Alpen und Nordsee. Da unten reihen sich die Städte, die Dome, die Fabriken. Aber kein Lärm bringt in das große, ruhige, frische Brausen der Odenwaldhöhe^ Alfons Paquet.

W ist es gerade Zett!

Don Karlernst Knah.

Unser deutsches Land ist eine Frühlingsheimat wie kaum ein anderes. Wem das Glück zuteil wird, in die frischgrünende, aufblühende Natur zu fahren, findet sie herrlich, wohin er sich auch wendet. Wun­der sind ringsum, eins immer köstlicher als das andere. In Thüringen schimmert zart das junge Laub der Birken und das erste blanke Buchengrün. Am ostpreußischen Strand betupfen sich die lichten Uferwälder weithin mit Schlüsselblumen, Anemonen und Leberblümchen. Oder der Blick aus dem O-Zug- Fenster schweift über niedersächsische Fluren, auf denen die Saat in grünen und bräunlichen Farb­tönen leuchtet. Kräftiger Erdgeruch füllt die Luft. Im Harz setzen sich die Tannen hellgrüne Spitzchen, wie Leuchter, auf das Russisch-Grün der alten Nadeln.

Wir wissen nicht, ob die tiefe Verbundenheit der germanischen Mythen von Gott und Natur mit den Jahreszeiten, und vor allem mit dem Frühling, aus diesem ewigen Erlebnis sich erklärt, ober ob um­gekehrt ber nordische Mensch in seinem faustischen Drange das Gleichnis des Frühlings mit besonderer Stärke erkannte und dauernd ergriff.

Wir fühlen nur: ohne den deutschen Frühling erschiene uns unser Leben leer. Er ist uns ein Sinn­bild, das alle Erscheinungen, alle Verhältnisse des Daseins deutungsreich bestrahlt. Als große Fuge klingt er durch unsere Dichtung, unsere Musik, unsere Malerei. Sein Gleichnis schimmert über dem para­diesischen Zustand, den wir Kindheit nennen, über dem Begriffjunger" Völker, über allem, was Morgen" ist, Aufbrechen und Neuwerden. Wer in den deutschen Frühling fährt, der kann Verse von Hölty und Goethe, von Uhland oder Agnes Miegel im Herzen haben; er mag an ein Bild von Hans Thoma denken, ein Kind etwa, spielend auf bunter Wiese, ober es mag ein göttlicher Satz von Beetho­ven in ihm klingen überall begegnet er dem Erlebnis: Frühling, während er selbst es wieder empfindet, auf einer Matte in den bayerischen Bergen, in einem Schwarzwaldtal ober an einem märkischen See, silbern unb jungfräulich verschleiert.

Eine Reise, eine Wcmberung in den Frühling ist eine Herzstärkung, die durch alle zweiundfünfzig Wochen des Jahres anhält. Zu keiner anderen Zeit plaudert der Bach fo heiter, sind die Blumen fo hold, ist der Wald so schön. Die farbige Welt er­scheint schuldlos und rein. Es ist allesfrisch und neu unb mit Bedeutung auch gefällig". Die Natur bietet für bas Prunkstück ihrer Jahressymphonie den Ueberschwang ihrer Phantasie auf* sie spielt ihr perlenbstes Allegro, ihr süßestes Pastorale, ihr tem­peramentvollstes Pizzicato. Sie prangt ein paar Wochen im Sonntagskleid, sie spart keine Farbe ihrer Palette, sie kleidet selbst die bescheidensten ihrer Kinder in Samt und Seide, sie brennt ein, ach, nur kurzes, aber dafür auch unbeschreiblich herrliches Feuerwerk der Farben und Formen, der Düste und der Lichter ab. Suche den Frühling auf! Bist du jung der Glückstraum der Jugend ist am schön­sten im Lenz. Bist du alt der Traum umfängt dich wieder im Frühling. Lass' keinen ungenauen vorüberziehen!

Fränkischer Frühling.

Don Emil Baader.

Ein Wagen kam angefahren unb nahm mich mit. Trug mich über viele Hügel, burch manche Dorf- schaften, burch Markflecken unb kleine Stäbtchen ins Taubertal und dann ins Maintal. Irgendwo habe ich den kleinen Wagen verlassen und bin zu Fuß weitergetippelt durch den fränkischen Frühling. Und wenn Regen übers Land kam, linder, zarter Früh­lingsregen, dann habe ich mich in ein Dorfwirts­haus gefetzt zu einem Glas Apfelmost, in eine Fischerkneipe zu Wertheim, ober in einen Bummel­zug zu fränkischen Bauern ober Bäuerinnen, lieber» all aber war ich im feierlich schönen wald- und bergumrahmten Maintal. Jener Teil des Maintals war's, darin zu wandern ans Herz greift, weil man selbst so klein ist in diesem Tal.

Es fahren Flöße im Strom, gelassen und traum­haft. Dann kommen Schleppzüge, schwerbeladen.. Sie fahren stromaufwärts. Sie lassen sich Zeit. Es kommen Dörfer. Sie haben nur eine einzige Straße: zwischen Wasser und Bergen. In den schmalen Gärtchen blühen rosarot die Aprikosen. Ein blei­grauer Himmel hängt überm Dorf, überm Strom. Es ist Frühling. Das Land duftet stark. Aber der Frühling ist fehr verhalten. Die Sonne hält sich hinter dicken Wolken verborgen. Bachstelzen sitzen auf dem Geländer der Haslocher Mainbrücke. Hoch in der Luft fliegt ein Fischreiher. O, zu wandern in dieser Landschaft, diesem Mainfrühling, das ist etwas Eigenes. Kilometerweit gewahrt man nichts als die Wasserfläche des Stromes und darüber die Wälder.

Jenseits des Stromes fahren auf gutgepflegten Landstraßen in wilder Jagd die Kraftwagen aus den großen Städten. Aus Frankfurt kommen sie und aus Aschaffenburg, nach Würzburg fahren sie, nach Bamberg und Nürnberg. Die Wagen fahren durch das große Tal des erwachenden Frühlings. Aber die Insassen atmen den Duft des Landes nicht. Sie atmen den Duft des Maines und der frifch- gepflügten Aecker nicht. Sie mögen nur ahnen, wie schön und groß das weltferne Waldtal ist zwischen Spessart und Odenwald!

Manchmal kommt es mich an, abzuzweigen vom Wanderweg im Tal. Irgend einen Weg zu begehen, der in die roten Wälder am Hang führt, zu den roten großen Steinbrüchen, ober hinauf auf das Plateau, wo menschliche Siedlungen liegen; von wo man weit hineinschauen kann in das große Wald­tal. Aber mit magischer Gewalt zieht es den Wan­derer wieder hinunter an den Strom, hinunter in die Dörfer im Tal.

Wenn man nach langer Wanderschaft irgendwo

Ebene. Drosseln jubeln aus den Uferwäldern. Schlehenbüsche stehen auf einmal in blendendem Weiß fern an den Hügeln. Nicht nur die kleinen rosa Aprikosenbäume stehen in Blüten. Plötzlich, je mehr wir Odenwald- und Spessartberge verlassen, steht alles in Blüten.

Aus dem Land des schwermütigen Waldfrühlings sind wir fachte gekommen in das Land des heiteren Wielen- und Mattenfrühlings, in das Land der Fröhlichkeit. Man verläßt irgendwo das Floß, dieses gelassene Fahrzeug des Traumes. Irgendwo steht ein kleiner Bahnhof, wo wir auf ein Züglein war­ten, das uns" geschwätzig und pustend fortträgt aus dem weiten Mainland in die große Stadt, die nicht weiß um die Wunder des Waldfrühlings, um den Zauber der Traumfahrt auf den alten Wassern des guten Stromes.

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