Nr. 114 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Somstög, lb.Mi 1936
f
W W
OW
™ " ** w ~
“!r
zÄ^Ä/'-z
/ ' ' ■ < /
WRL |
■tf£J
Die Schau des deutschen Bauerntums
3. Reichsnährstands-Ausstellung in Frankfurt a. M
Dreschmaschinensätze und Ackermaschinen.
Pressebesuch in der Maschinenschau.
ganz neuartigen Musikinstrumentes ist, in Gemein-
Der Bauernhof im letzten Bauabschnitt.
In schmucker Bäuerinnentracht in der Maschinenschau.
Moderne Molkereimaschinen im Aufbau.
Überstellung von guten
Ein schönes Bienenhaus, » Ausnahmen [7j: Photo-Pjaff.)
Erstklassige Leistungskühe.
binettstück zu bezeichnen, legentlich der Turniere
Las bei dem Besucher s usw. Langgestreckte 2ru
Probierstuben usw. ist nicht. minder interessant. Wenn wir in Oberhessen den Weinbau auch nur an dem in Flaschen zu uns kommenden Erzeugnissen kennen, so wird der Ausstellungsbesucher aus unserer Provinz doch unzweifelhaft mit derselben gespannten Aufmerksamkeit diesen Teil der Schau durchwandern, wie er auch den übrigen Sonderabteilungen gern seine Zeit schenken wird. Recht vielseitig und lehrreich ist es ferner in den vielen andern Ausstellungshäusern und auf den großen freien Ausstellungsplätzen. Wir erwähnen hier, gewissermaßen nur als Stichworte, das „Haus der Düngun g", das „Haus der Pflan -
Durch die Fahnenstraße gelangt man von dem ständigen Festhallengelände hinüber zu dem Freigelände jenseits der
wirtschaftlichen Betrieben, wie auch an den 23er« arbeitungsstätten der landwirtschaftlichen Produkte zu zeigen.
Wer nach dem stundenlangen Rundgang und den reichhaltigen Schaumöglichkeiten an der etwa 18,5 Kilometer langen Ausstellungsfront das verständliche Bedürfnis nach einer Erfrischung seiner körperlichen Kräfte empfindet, hat in den Erfrischungsstätten gute Gelegenheit zur Stärkung. Erfreulich ist es, daß die Äusstellungsleitung für den Verzehr gebundene Preise festgesetzt hat, bei deren Ausmaß ein gerechtes Verhältnis zwischen den Betriebs- und Gestehungskosten einerseits und
schaftliche Maschinen einher, kurzum: überall regte sich alles, emsig schaffend wie in einem Bienenhaus, war das hohe Lied der Arbeit bis in den späten Abend hinein das herrschende Gesetz an allen Ecken und Enden des riesigen Ausstellungsplatzes.
Den ersten starken Eindruck von dem gewaltigen Aufbauwerk dieser Schau empfingen die Pressemänner bereits in der Festhalle, wohin der Weg zunächst führte. Wer sich den riesigen Kuppelbau in seiner Alltagsverfassung vergegenwärtigt, wird ihn jetzt nicht wiedererkennen. Hier ist das „Reichs- nährstandshaus" eingerichtet, d. h. es wird bis zum heutigen Samstagabend zum Abschluß gebracht werden. In der Mitte befindet sich ein Ehrenhof, in dem am morgigen Sonntag die feierliche Eröffnung der Ausstellung in Gegenwart des Reichsbauernführers Darre ftattfinben wird. Arn Donnerstagnachmittag konnten die Pressemänner bei ihrer Umschau an dieser Stätte zufällig einen Teil der Eröffnungsdarbietungen hören, der packend und eindrucksvoll von dem Komponisten der Bauernkantate, der gleichzeitig auch Erfinder eines
z e n z u ch t", die „Lehrschau der Unfallverhütung", das „Haus der Milchwirtschaft" mit seinen drei Unterabteilungen, die Molkereimaschinenschau, die Milchkosthallen, in der man für 10 Pf. einen Becher frischer Milch genießen kann, dazu aber auch ein Butterbrot mit Käse erhält, zu dem die Butter und der Käse als Ausstellungsprodukte verwendet werden.
Die Reichsbahn ist in einem eignen Stand in der Nähe der milchwirtschaftlichen Ausstellungs- unb Kosthallen vertreten und zeigt viel interessantes Material. In diesem Bezirk hat auch die in Oberhessen recht stark vertretene Bienenwirtschaft ihren Platz gefunden; man sieht hier moderne Bienenhäuser, die unseren Imkern besonderen Anlaß zum Verweilen geben werden. Nicht vergessen sei auch der Hinweis auf einen großen Ausschnitt der M a s ch i n e n s ch a u, der sich auf dem Festhallen- gefänbe selbst befinbet, währenb ber größere Teil biefer Abteilung auf bem Freigelänbe jenseits bes Bahnkörpers, bas zur Erweiterung ber Ausstellung hinzugenommen würbe, untergebracht ist.
große Freube auslöst. Auch an dem Bauerngarten wird man seinen Spaß haben, insbesondere werden hier die Frauen gern verweilen wollen.
Die Lehrschau des Weinbaues mit dem Ausschnitt der Rebenpflanzungen, den Winzerhallen, den Weinkellern mit den großen Fässern, den
seiner Zweckbestimmung, eine Lehrschau im besten Sinne des Wortes zu fein, in vollendeter Weise zugeführt wurde. Es ist im Nahmen einer Schilderung der Gesamtschau nicht möglich, auf alle Einzelheiten so umfassend einzugehen, wie jeder Ausstellungsteil es an sich beanspruchen könnte. Aber die Feststellung sei hier vermerkt, daß sicherlich jeder Besucher dieses Erbhofes sich beglückwünschen würde, wenn er einen solchen Besitz, selbstverständlich in der natürlichen Größe, sein eigen nennen könnte. Schon der Bauernhof für sich ist geradezu als ein Ka
Unfere engere Heimat steht unmittelbar vor der in ihrem Gesichtskreis stattfindenden Eröffnung der Reichsnährstands-Ausstellung in Frankfurt a. M. Aus Oberhessen werden viele Volksgenossen und Volksgenossinnen mit den Sonderzügen oder unter Ausnutzung der verbilligten Fahrkarten der Reichsbahn, aber auch mit Kraftomnibussen usw. der großen Stadt am Main ihren Besuch machen, um die einzigartige große Schau in Augenschein zu nehmen. Diese Veranstaltung des Reichsnährstandes ist für das ganze Rhein-Main- Gebiet ein so überragendes Ereignis, wie man es hier feit langen Jahren nicht mehr erlebt hat. Aber auch für das ganze Reich ist diese 3. Reichsnährstands-Ausstellung eine Schau, die nicht nur ihre Vorgängerinnen weit übertrifft, sondern als die größte Ausstellung dieses Jahres überhaupt anzusehen ist. Kein Wunder, daß sich bei dieser Sachlage das Interesse ganz Deutschlands, zahlreicher fremder Länder, und besonders die stark interessierte Aufmerksamkeit West- und Süddeutschlands, vor allem des Rhein-Main-Gebietes, dieser Veranstaltung zuwendet
chor des Arbeitsdienstes den Teilnehmern an der Eröffnungsfeier zu Gehör gebracht werden wird. Und dann konnte man in dem Reichsnährstandshaus eine Fülle von Darstellungen über die kulturpolitische Mission des Bauerntums sehen, zu denen jedes deutsche Land in vielfältiger Weise bei» gesteuert hat. Dem Besucher wird hier eine Reichhaltigkeit der Aufklärung durch Bild- und Modell- ÖarfteUungen, durch landschaftliche Eigenheiten in mannigfaltigsten Formen usw. gezeigt, die ihm die große Bedeutung unseres Bauerntums als Fundament des deutschen Volkes überaus eindrucksvoll
sehen will, denn sonst kann es ihm passieren, daß er trotz stundenlangen Verweilens doch nicht alles in Augenschein genommen hat und ein Gesamteindruck dann nicht gegeben ist. Aber die Anordnung der einzelnen Gruppen ist so übersichtlich und glücklich getroffen, daß man auch bei verhältnismäßig kurzem Zeitaufwand doch ein sehr aufschlußreiches Bild erhält und schließlich mit einem starken Gesamteindruck diesen Teil der Ausstellung verlassen kann. Großzügig aufgemacht ist ferner das Haus der Elektrizität, das dazu bestimmt ist, die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Kraft- stroms in den bäuerlichen und in den großen land»
Eisenbahn, das in seinem überwiegenden Teile ausschließlich für die Tierzucht hergerichtet ist, daneben aber auch noch große Abteilungen der M a f ch i n e n s ch a u, die Vorführungsringe, die Bahn für die Reit- und Fahrturniere und für Sondervorführungen, sowie das Haus der Elektrizität enthält. Hier kann man in den Ständen der Tiere ganz prächtige Exemplare der deutschen Tierleistungszucht sehen. Am Donnerstag war davon nur ein erster Ausschnitt zu erblicken, denn die Haupttransporte der Tiere aus allen Gegenden des Reiches sind erst im Laufe des Freitag und bis zum heutigen Samstagmittag eingetroffen. Was man aber am Donnerstag an Pferden, Rindern und Schweinen bereits sehen konnte, war bei der Höchstwertigkeit des Tiermaterials geradezu überwältigend. Mit freudiger Bewunderung wurden diese prächtigen Vierfüßler in Augenschein genommen, und sie werden zweifellos auch den vielen Besuchern der Ausstellung während der ganzen Dauer der Schau einen der stärksten Eindrücke bieten. Großartig sind weiterhin die umfangreichen Bauten für Vorführungs- zwecke, sowohl bei der Tierprämiierung als auch bei der Darstellung ge-
Die Presse des Rhein-Main-Gebietes und der an- c, „ grenzenden Landesteile hatte am Donnerstag- schäft mit einem etwa 150 Mann starken Sänger
nachmittag Gelegenheit, diese Ausstellung zu einer zweiten Vorbesichtigung während des Aufbaues zu besuchen. Wer acht Tage vorher das riesige Ausstellungsgelände aufmerksam um sich blickend durchwandert hatte, mußte bei diesem zweiten Besuche staunend und bewundernd die gewaltige Arbeitsleistung anerkennen, die im Verlaufe einer einzigen Woche dort von mehreren Tausend Männern und bei einem besonderen Teile der Schau auch von den Männern des Arbeitsdienstes vollbracht worden war. Was sich acht Tage vorher meist erst in ganz großen Umrissen, ja zum Teil erst andeutungsweise oder auf dem Papier der Planung angekündigt hatte, das sah man an diesem Donnerstag bereits stark ausgebaut und in flottem Fortgang der Arbeiten emporwachsen. Ueberall regten sich in emsigstem Schaffen Tausende von Händen, rollten Fahrzeuge aller Art hin und her, wurde mit dem Spaten und dem Hammer, mit Hebeln und Transportrollen geschafft, gewaltige Lasten getragen oder in schwierigem Arbeitsgang mühsam rollend fortbewegt, zogen prachtvolle Tiere von den Ausladestellen zu ihren Ständen, ratterten hinter den Zugmaschinen große und kleine, schwere und leichtere landwirt
vor Augen führt.
Von hier aus führte der Weg wiederum zu dem Kernstück der Ausstellung, dem „B a u e r n h o f i n der Erzeugungsschlacht". Ueber diesen Teil der Schau haben wir im Gießener Anzeiger Nr. 105 oom 6. Mai bereits berichtet. Jener Schilderung können wir heute hinzufügen, daß der Bauernhof mittlerweile durch die weitere Vervollständigung des Aufbaues noch mehr das Gesicht eines nach jeder Richtung hin vollendeten bäuerlichen Besitztums gewonnen hat und in der wirksamen Gegen- ' und schlechten Beispielen
bünen für die Zuschauer, ein prächtiger Ausbau in Form eines griechischen Tempels, der den Preisrichtern, der Äusstellungsleitung und der Musik als Aufenthaltsplatz dient, geben den Bauten noch eine besonders schöne Note. Daß es auch an zahlreichen anderen Einrichtungen nicht fehlt, die den Zweck haben, den Besuchern eine gute Uebersicht über alle Darbietungen zu ermöglichen, sei der Vollständigkeit halber hier registriert. Wer z. B. die Tribünenplätze nicht in Anspruch nehmen will, hat Gelegenheit, von Stehplätzen aus in vortrefflicher Uebersicht über das ganze Gelände den Darbietungen folgen zu können.
Beim Gang durch die Tierstände kann man die erfreuliche Feststellung machen, daß nach jeder Richtung hin für das hochwertige Tiermaterial in vortrefflichster Weise gesorgt ist. Alles, was die neuzeitliche Entwicklung auf diesem Gebiete zu leisten vermag, kann man hier verwertet und in der angrenzenden Maschinenschau noch besonders ausgestellt sehen. Unter diesen Umständen ist es selbstverständlich, daß die Tiere sich während der ganzen Ausstellungsdauer ständig in bester Verfassung befinden werden, so daß sie sich bei den täglichen Vorführungen der preisgekrönten Exemplare immer in mustergültiger Weise den Augen der Besucher präsentieren können.
Den gleichen guten Eindruck wird der Besucher bekommen, wenn er die angrenzende Maschinenschau durchwandert. Auf dieser einzigartigen Schau sind von 420 Firmen rund 6500 Maschinen der verschiedensten Arten für die Zwecke der Landwirtschaft und der verwandten Betriebe zur Schau gestellt. Dabei ist es besonders interessant zu hören, daß jede Maschine nur in einem einzigen Exemplar gezeigt werden darf, also nicht etwa eine Ansammlung von gleichen Typen in vielfältiger Zahl zugelassen ist. Hier heißt es für den aufmerksamen Besucher, seine Augen nicht etwa einem kleinen Ausschnitt allzu sehr zuzuwenden, wenn er alles


