Bücher unter dem Weihnachtsbaum.
burtstag des Präsidenten Svinhufvud lenkt erneut
Roman einer kleinen Stabt
Fröhliche Lebenssahrt eines Diplomaten
— Josef Martin Bauer: Das Haus am Fohlenmarkt. Roman. 343 Seiten. Broschiert 3,50 Mark, Ganzleinen 5 Mark. Im Propyläen-Verlag, Berlin. — (476) — Bauer, 1901 in Taufkirchen in Altbayern geboren, erhielt schon 1930 für seinen Roman „Achtsiedel" den ,^ugend- preis deutscher Erzähler"; später erschienen „Die Salzstraße", „Bäuerliche Anabasis" und „Simon und die Pferde". „Das Haus am Fohlenmarkt" ist der Roman einer kleinen Stadt. Das Thema ist nicht neu, es hat oft genug zur Gestaltung gereizt und spiegelt sich in mancherlei Gestalt und Beleuchtung in unserem und fremdem Schrifttum. Indessen bestätigt sich wieder einmal die häufig gemachte Erfahrung: es kommt nicht darauf an, wie oft ein Motiv oder Thema behandelt wird, sondern darauf, wer es in die Hände bekommt, und was einer aus Eigenem daraus macht. Wenn der alte Stoff an den rechten Mann kommt, wird der Stoff jung und neu wie am ersten Tag; diesen Eindruck macht Bauers Buch, in dem ein Stück dichterischer Chronik einer kleinen oberbayerischen Stadt mit 6000 Einwohnern ausgezeichnet ist. Daran ist versckie- denes bemerkenswert. Bauer hat, so sagt er selbst, früher unter der Kleinstadt, in der er lebte, gelitten; aber je länger er darin lebte und je gründlicher er sie kennen lernte, um so mehr hat er Verständnis dafür und Freude daran gefunden ... am Geschwisterlichen und Menschlichen, das von diesem engumgrenzten und in sich geschlossenen Lebenskreise ausstrahlt; bis er am Ende dieses Buch schrieb „für die ewig geschmähte Kleinstadt". Das ist aber etwa kein biedermeierliches und behäbiges Idyll geworden; man fühlt sich da mehr als einmal an jenen „hinkenden Teufel" bei Lefage erinnert, der die Dächer abhebt und von oben hineinschaut — ins Allerheiligste und Unheiligste. Bauer sieht die Dinge keineswegs durch eine Brille oder einen romantischen Schleier, sondern nah und gegenwärtig, wie sie sind, wie er sie um sich herum geschaut und erlebt hat. Aus seiner Art, die Dinge zu betrachten und darzustellen, ergibt sich der merk
würdige und manchmal fast unheimliche Eindruck, daß der tote, allenfalls statistisch-geographische Begriff „kleine Stadt" ein selbständiges Leben gewinnt: ein kleines Welttheater tut sich auf mit Himmel und Hölle, Traum und Narretei, mit zahllosen Gesichtern, Gestalten und Schicksalen, die alle aus irgendeine notwendige und unentrinnbare Weise ineinander verschlungen und miteinander verknüpft sind. Natürlich ist hier nicht von sechstausend Schicksalen oder Lebensläufen die Rede; aber die zehn oder zwanzig, die da geschildert oder angedeutet werden, erscheinen beispielhaft für viele andere und so gleichsam vervielfacht. Und eben diese Vielheit auf engstem Raum bestimmt den eigentümlichen Charakter der Erzählung, in der auch technisch, z. B. in gewissen leitmotivischen Wiederholungen, der Stofs überschaut, beherrscht und zur Einheit verdichtet ist, so daß in der Tat der Roman einer kleinen Stadt entstand, nicht ein Roman in der Kleinstadt. Daß die Stadt, obwohl sie gewiß für viele andere, ähnliche in Deutschland stehen kann, in Bayern liegt, spürt man bald heraus: Bauer gab seiner Erzählung nicht bloß den ihm eigenen mundartlichen Einschlag mit, sondern auch das, was man Atmosphäre nennt. Und daß hier nicht bloß ein geschickter Stoffsammler und Erzähler am Werke war, empfindet man am deutlichsten an einer Liebesgeschichte, die gegen Ende immer entschiedener in den Vordergrund rückt: auch hier erfüllt sich nur eines von vielen Schicksalen im kleinen Raum und ist nicht von den anderen zu lösen. Aber nur ein Dichter, kein trockener Chronist, konnte in dieser Liebe das schöne Sinnbild finden: verheerendes Feuer legt in einer Schreckensnacht zwölf Häuser am Fohlenmarkt in Asche; ein einziges in der Reihe überspringt der rasende Brand. „Zwei Menschen sind allein, ganz allein diese Nacht lang in dem feuergefährdeten Haus gewesen" —: das junge Liebespaar; und die Liebe „hat mit zarten, kindlichen Händen dem Feuer den Zutritt verwehrt" ...
Dr. Hans T h y r i o t.
durch den energischen Widerstand des finnischen Volkes im Keime erstickt. Don diesen Ereignissen berichtet Erkki Räikkönen in seinem Buch. Es ist ein Beweis dafür, daß unerschrockene Rechtlichkeit und kriegerische Tapferkeit zum Siege führen, wenn an der Spitze des Volkes ein Mann steht, dessen unzerstörbarer Glaube dem Schicksal vertraut, um standhaft und sicher die größten Gefahren zu meistern. Svinhufvud hat in zielbewußtem Kampfe mit leidenschaftlicher Hingabe und rühmenswertem Opfermut seinem Volke die seit Jahrhunderten ersehnte Freiheit und Achtung der Welt erstritten. Der Weg, den er gehen mußte, war voller Gefahren und Abenteuer. Als entrechteter, waffenloser, beraubter Vasallenstaat war Finnland damals der russischen Besatzungsarmee ausgeliefert. Es erlebte die rote Schreckensherrschaft mit ihrem sinnlosen Zerstören und grauenvollen Morden und berief sich vergeblich auf das allen Kulturstaaten verbriefte internationale Recht, bis es — nicht zuletzt dank der entscheidenden Waffenhilfe aus Deutschland — seine Fesseln sprengte und den unabhängigen und selbständigen Staat schuf, als dessen Oberhaupt Svinhufvud gewählt wurde. Eine Fülle spannender und erregender Erlebnisse wird in diesem Buche anschaulich geschildert. Aus ihr ersteht das Werk und die Persönlichkeit Soinhufouds, der die Geschicke Finnlands zu einem guten und glücklichen Ende gelenkt hat. Seine Taten werden fortleben als die Taten eines
Der neue Vroühaus.
— Der Neue Brockhaus, Allbuch in vier Bänden und einem Atlas. Band I: A—E, ermäßigter Dorbestellpreis 10.— RM. für die Ganzleinen» ausgabe. F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig, 1936. — (410.) — Der „Neue Brockhaus" gibt Auskunft über alle deutschen Wörter, auch die alltäglichen und mundartlichen. Wollen wir wissen, woher dieses oder jenes Wort stammt, ob es altes deutsches Sprachgut ist oder zugewandertes aus Nachbarschaft oder Fremde, was die Sprachlehre zu ihm zu sagen hat, wie es im Satz zu gebrauchen ist —, so konnte uns das bisherige Konversationslexikon nur mangelhaft, oft überhaupt keine Antwort geben. Diese Lücke füllt das Allbuch „Der Neue Brockhaus" aus. Durch Verschmelzung von Sach- und Sprachbuch, von Konversationslexikon und deutschem Wörterbuch finden wir in ihm eine neue Buchart, die es bisher in der deutschen Sprache nicht gab. Dabei verwendet das Werk geschickt das „sprechende Bild", das sofort Antwort gibt, wenn wir einen Gegenstand nur vom Sehen kennen und nun gern wissen möchten, wie er heißt, wie ihn der Fachmann bezeichnet. Das unterscheidet das Allbuch von allen anderen Nachschlagewerken unserer Zeit. Darüber sei nicht vergessen, daß wir in ihm ein auf neuester Grundlage bearbeitetes Konversationslexikon haben, das uns gewissenhaft Auskunft gibt, wenn wir uns über Volk und Reich, berühmte Männer und Frauen, Tiere, Pflanzen, Ortschaften, fremde Länder, Technik und Kunst, Volkskunde, Rechtsfragen, Gartenbau und die vielen taufend anderen Ding« unterrichten wollen, die täglich in unserem Blickfeld auftauchen. Der vorliegende erste Band ist ein stattliches Buch mit Tausenden von bunten und einfarbigen Bildern, Karten und Uebersichten.
— Walter Zechlin: Fröhliche Lebensfahrt, diplomatische und undiplomatische Erinnerungen. Preis in Leinen geb. 6,75 RM. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. — (541.) — Das ist das höchst amüsante Erinnerungsbuch eines rechten Lebenskünstlers, der ohne das sonst übliche schwere historisch-politische Gepäck des Mannes, der überall dabei gewesen ist, mit fröhlicher Gelassenheit von seinen diplomatischen Wanderjahren plaudert und uns großzügig teilhaben läßt an einer inneren Harmonie des Lebens, wie sie nur das Ueber-den- Dingen-stehen eines glücklichen Natureis und die Erfahrungen eines vielgereisten Mannes verschaffen können. Die Schüler- und Studentenjahre in Lüneburg, Berlin und Halle wollen in dem ironisch plaudernden Rückblick des Weltmannes nicht den Anspruch des Besonderen erwecken: Kleinstadtidylle und akademische Lebensbilder der „guten, alten Zeit", fortgesetzt in der heiteren Episode der Celler Referendarjahre. Daß auch damals schon aus der Enge eines soliden deutschen Bürgerhauses ein Junge, der das Rüstzeug zum Diplomaten in sich spürte, mit Erfolg in die Weite streben konnte und ohne romantische Hintertreppe, aber auch ohne Beziehungen ruhig und selbstbewußt Sprosse für Sprosse die Leiter der diplomatischen Karriere erklettern konnte, ist ein schönes Zeugnis für die hier einmal bewiesene Unvoreingenommenheit der so viel gescholtenen alten Zeit vor der Jahrhundertwende, in der es freilich nicht immer nach Verdienst und Leistung ging. Der junge Zechlin, der sich am Orientalischen Seminar in Berlin für die Dolmetscherlaufbahn ausgebildet hat, kommt als Dragoman nach Konstantinopel, damals noch unter dem krankhaft mißtrauischen und reformfeindlichen Abdul Hamid Mittelpunkt der Großmachtintrigen um • die Beherrschung des „kranken Mannes". Zechlins Eintritt in die bunte Diplomatenwelt des nahen Orients ist schon von einem Mißgeschick begleitet. Die ihm in Berlin an- vertraute Kurierpost ist ihm unterwegs abhanden gekommen. Alles steht Kopf vom Botschafter bis zum Kanzleisekretär über die Sorglosigkeit des jungen Mannes, den man freilich in Berlin über die Bedeutung seiner Mission aufzuklären vergessen hatte. Aber die Sache geht harmlos aus, das Vermißte langt mit einiger Verspätung an und der junge Diplomat hat seine erste Erfahrung mit dem Orient gemacht. Von dem politischen Leben und Treiben in der alten Türkei, die heute im Zeitalter Kemal Atatürks der Geschichte angehört, weiß Zechlin höchst amüsant und aufschlußreich zu erzählen Dom Hintergrund hebt sich schon der Beginn
Land der Franken.
— Herbert Günther: Franken und die Bayrische O st mark. 263 Seiten mit 85 Aufnahmen. Ganzleinen 3,75 RM. Atlantis-Derlag, Berlin. — (568) — Dieser neue Band in der Reihe der Heimatbücher des Atlantis-Verlags erschließt eine der landschaftlich und kulturell reichsten und schönsten Gegenden unseres Vaterlandes. Sie ist bezeichnet nicht allein durch so erlauchte und vertraute Namen wie Nürnberg, Würzburg, Bamberg, Bayreuth, Rothenburg und Dinkelsbühl; auch die minder geläufigen und bekannten kleinen Städte, die abseitigen und malerischen alten Nester erhalten hier den ihnen gebührenden Platz. Die zahlreichen, sehr guten Aufnahmen machen Lust zum Reisen und Wandern, und der Text vertteft und vervielfältigt diese Anregungen, weil er dem Leser zum Bewußtsein bringt, wie er, auf einer Reise ins Land der Franken, allenthalben nicht allein uralten Kulturboden berührt, sondern auch auf Schritt und Tritt auf den Spuren großer deutscher Persönlichkeiten wandelt, welche vor ihm dieses Land betreten und erschlossen haben: es war ein glücklicher Gedanke, dies aus einer bunten Fülle von Zeugnissen, von Beschreibungen, Gedichten und Briefstellen zu belegen. Das Verzeichnis der angeführten Schriften nennt etwa Arndt und Bismarck, Eichendorfs und Wackenroder, Kleist und E. T. A. Hoffmann, Ludwig Richter und Sttfter, Wagner und Reger, den Fürsten Pückler und den Grafen Platen, die Markgräfin von Bayreuth und Henriette Feuerbach. Günther hat aus großer Belesenheit mit Geschick und feinsinnigem Verständnis feine Quellen durchforscht und ausgezogen. Man findet in seinem Text nicht nur eine gehaltvolle Begleitung des Bilderteils, man lernt auch ganz nebenbei auf die anmutigste und zwangloseste Art eine Menge und empfangt über das rein Landschaftliche hinaus eine Fülle von Anregungen geschichtlicher, kulturhistorischer und literarischer Art.
Dr. Hans T h y r i o t.
— Der schöne deutsche Süden. Die Seele unserer Heimat in Bildern. Das Land der Franken, Bayern, Schwaben und Alemannen abseits der großen Verkehrswege. 108, zum Teil mehrfarbige Kunstdrucktafeln von Hermann Gradl. Text von Ludwig Ankenbrand. Geschenkleinen 4,80 RM. Walter Hädecke, Verlag, Stuttgart-dl. — (580) — Dieses Buch scheint uns sehr geeignet zu sein, die Wander- und Reiselust des Beschauers anzuregen und auf verhältnismäßige und leicht erreichbare, leider aber noch vielfach unbekannte oder übersehene Ziele zu lenken. Es muß wieder einmal gesagt werden, wie unendlich reich unsere Heimat an eigentümlich schöner Landschaft und an köstlichen Schätzen bodenständig-alter Kultur ist; das scheint eine Binsenwahrheit zu sein, aber man kann sich immer wieder davon überzeugen, wie wenig von solchen landschaftlichen und kulturellen Schätzen den meisten von uns wirklich zum inneren Besitz geworden ist. Wer dieses Buch durchblättert, wird es betätigen; es führt den Beschauer in den deutschen Süden vom Main bis zum Bodensee hinunter, ins Land der Franken, Bayern, Schwaben und Alemannen, und zwar mit Bedacht nicht (oder doch nicht in erster Linie) zu den großen Kostbar- feiten und Berühmtheiten, die jeder kennt oder die jedermann ein Begriff sind. Aber abseits der großen Straße liegt noch unendlich Vieles, das kaum minder schon, eigentümlich, charaktervoll und in einem tieferen Sinne sehenswert ist. Wir denken beispielsweise an die alten, kleinen, unberührten Nester am Main, an Dettelbach, Frickhausen, Ochsenfurt, Marktbreit, Sulzfeld; an die Spessart- täler; an die Städte am Bodensee; und auch der Schwarzwald, das Voralpenland, der Bayerische Wald sind noch viel weniger wirklich bekannt und (immer abseits der Hauptverkehrslinien) erschlossen, als man annehmen möchte. Der Nürnberger Maler Hermann Gradl ist der rechte Mann, einem Lust au machen, solche versteckten Schönheiten aufzusuchen und kennenzulernen; in seinen Bildern ist die Seele, die stille Schönheit und unvergängliche Anmut dieser deutschen Landschaften eingefangen. Man hat Gradl einen Romantiker in unserer Zeit genannt; mit Recht; er ist selbst Mainfranke von Geburt, und wenn er seine eigentliche, engere Heimat in seinen Bildern vor uns aufbaut, dann fühlt man, daß er mit dem Herzen am Werke ist. Seine Gemälde und Zeichnungen weisen allenthalben ihre eigene Handschrift auf, aber wer den Blick dafür hat, wird auch erkennen, daß in ihnen eine gute und reine Tradition echter Heimatkunst und deutscher Landschaftsmalerei bewahrt wird. Ludwig Ankcnbrand führt den Leser liebevoll un> verständnisvoll in das Wesen der Landschaft und in die Welt des Künstlers ein.
Dr. Hans Thyriot
die Aufmerksamkeit auf den siegreichen Kampf, den I großen Staatsmannes, der sich mit furchtlosem Her- Finnland vor fast 20 Jahren unter Führung Soin- zen und eiserner Willenskraft wie ein Held jur das hufvuds gegen den Bolschewismus geführt hat. Die- Wohl und die Ehre feines Vaterlandes geschlagen ser erste Versuch der roten Brandstiftung wurde hat.
Politik und Geschichte.
— D i e Randbemerkungen Friedrichs des Großen, gesammelt und erläutert von Georg Borchardt. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion in Potsdam. — (537) — Im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin-Dahlem gibt es viele schwere Folianten aus den Jahren 1764 bis 1786. Jeder der über 1000 eng beschriebene Seiten starken Bände enthält einen Jahrgang von „Extrakten", die die Minister und Kabinettsräte aus der täglichen Post für den König anfertigten. Auf die freie halbe Seite setzte der König dann mit eckiger, „wie mit dem Krückstock gehauener Schrift" seine berühmten Randbemerkungen, die Marginalien. Was drängt sich nicht alles in ihnen zusammen! Es ist der Alltag des Königs, sein Arbeitstag, der um drei und vier Uhr morgens im Sommer, um fünf Uhr im Winter begann und mit einer beispiellosen Arbeitslast angefüllt war. Diese Randbemerkungen geben uns wie kein anderes Dokument Einblick in die Tätigkeit des Regierens. Was Grillparzer von den berühmten Konoersationsheften Beethovens, dem Derständigungsmittel des tauben Meisters mit der Umwelt sagte: „Hier ist der Augenblick verewigt", das gilt ebenso von Friedrichs Randbemerkungen. Es sind Ausrufe, Einfälle mannigfaltigster Art, wohlerwogene, aus einer staunenswerten Sach- und Menschenkenntnis heraus zu Papier gebrachte Einwände, Vorschläge und Verfügungen und ebenso impulsiv hingeworfene Worte, bissige Sarkasmen über die Dummheit oder Aufdringlichkeit der Antragsteller, schlagkrästtg pointierte Einwande, folgenreiche Eingriffe in die ungenau ober schwerfällig arbeitende Verwaltungsmaschmene, spotttsche Schlaglichter auf Menschen und Ereignisse, gnmmig- bumorvolle Aphorismen, warmherzige Appelle an Herz und Vernunft, Beweise höchster Staatsklugheit und landesväterlicher Fürsorge daneben auch autokratisch-eigenwillige Gebote und Verbote Zeug- niste eines universalen, im Fuhlen und Denken wahrhaft großen Menschen. Sie tn einer sehr glücklichen und aufschlußreichen Zusammenstellung der Oeffentlichkeit zugänglich gemach zu haben, ist das Verdienst von Georg Borchard. Der kommentierende Tert ist aus das Notwendigste beschrankt, der König spricht selbst. Und niemand wird sich dem Reiz dieses Unmittelbaren entziehen können.
— D r. K a r l B a r tz: E n g l a n d s W e g nach Indien Schicksalsstunden des britischen Welt- reich». Mit 24 Bildern. Preis in Ganzleinen 6R0 TOart Verlag Ullstein, Berlin. — (560) — Wer britische Politik verstehen will, darf nicht europa- ische Maßstäbe anlegen. England, das ist nicht die Insel am westlichen Rand Europas und englische Poli ik ist nicht europäische Politik. Rings um den Indischen Ozean liegt jene gewaltige Landermasse, vergleichbar" dem alten römischen Imperium um das Mittelmeer. Wie dort Italien, so ist hier Indien der Mittelpunkt, und hier liegt das zweite und das arökere England. Dieses Riesengebiet )u sichern, Aas vom Suezkanal bis nach Kapstadt, über Jnsel-
Für die Frau.
— Don tapferen, heiteren und gelehrte n Hausfrauen. Don Else Boger- Eichler, mit einem Vorwort von Frau S ch o l tz- Klink, Reichsfrauenschaftsführerin, mit 21. Ab- bUbungen. Preis in Leinen 2,80 Mark. I. F. Lehmanns Verlag, München. — (504) — Wie sah es im Haushalt früherer Zeiten aus? Wie bewältigte bis Hausfrau unb Mutter ben Alltag mit all feinen kleinen unb großen Mühen, wie gestaltete sie ihr Heim, wie erzog sie bie Kinber, wie leitete sie bie Hausgemeinschaft? Geschichtliche Forschung, Sage, Selbstzeugnis in Briefen, Lebensbeschreibungen unb Dichtung finb die Quellen, nach benen in diesem Buch einige Hausfrauengestalten bargefteUt finb. „Die Hausherrin vor 3000 Jahren", „Hauswirt- schastliches aus ber Eisenzeit", „Landnehmerin Unn" geben Kunde von ben Pflichten unb Aufgaben ber orau als Vorsteherin bes häuslichen Lebens zur Zeit unserer germanischen Vorfahren. Don Dürers Hauswesen unb von Frau Rat Goethe als guten Müttern unb Erzieherinnen voll Lebensweisheit unb Frohsinn wirb uns berichtet, weiter von ber gelehrten unb nicht minber tüchtigen Doktorin Dorothea Schlözer, von Helene von Kügelgen, ber Hausfrau in Kriegsnot, von Gabriele von Bülow unb anberen. Im Schlußwort zeigt Frau Dr. V o r w e r ck, die Leiterin ber Abteilung Volkswirtschaft — Hauswirtschaft in ber Reichsfrauenführung, auf, wie heute bie Hausfrau unb Mutter in neuer Würbe unb neuer Verantwortung steht, weil nicht nur Haus unb Familie, sonbern bie Volksgemeinschaft sie verpflichtet.
— Kiehnle-Kochbuch. 2405 Original-Rezepte mit ben verschiedensten Nationalgerichten. 343 Bilder, 12 Wochenspeisezettel für bas ganze Jahr. Zahlreiche Rezepte für vegetarische Speisen, Rohkost, Kranken- und Diätküche. Mit Anhang: Drei Festtafeln, kaltes Büfett, Tee- unb Kaffee tisch, Serviettenfalten, praktische Ratschläge über Führung des Haushaltes. 48 Kunstbrucktafeln in Ganzleinenband, Preis 9 Mk. 106. bis 117. Taufend ber Jubiläums-Ausgabe. Walter Häbecke Verlag Stuttgart. — (566) — Im Kiehnle-Kochbuch ist jeher Handgriff genau erläutert, alle Angaben sind leicht verständlich unb alle Forderungen neuzeitlicher Ernährungshygiene erfüllt. Man ist also jeher Sorge um bas Gelingen ber Speisen enthoben. Immer kann abwechslungsreich unb sparsam gekocht werden, für festliche Gelegenheiten finbet man eine reiche Auswahl von Rezepten unb Vorschlägen. Nun bringt -bie Jubiläums-Ausgabe vor allen Dingen auch zahlreiche Rezepte für vegetarische Speisen, Rohkost, Kranken- unb Diätküche sowie Speisezettel darüber. 2405 erprobte unb bewährte Original-Rezepte bringen alle erdenklichen Speisen von ber einfachen Küche bis zur festlichen Tafel. 343 Bilder, teils mehrfarbig, naturgetreu, ergänzen das Wort. Die verschiedensten Nationalgerichte finb ausgenommen. Wochenspeifezettel fürs ganze Jahr finb beigegeben, ebenso Vorschläge für Festessen aller Art. Wesentlich ist auch ber Teil über Klein- backwerk, Kaffee- und Teegebäck. Das Einmachen von Obst, Gemüse unb Fleisch, bas Zubereiten von Brotaufstrich, Marmelabe, Gelee, Säfte, Liköre, Weine usw. wirb eingehend erläutert. Nach einer Anleitung im Tischdecken und Serviettenfalten wird in der Haushaltunaskunde alles gesagt, was die Hausfrau über die Führung des Haushaltes wissen muß. Diese Jubiläums-Ausgabe wird in ben Händen unserer Hausfrauen reiche Früchte tragen.
ber großen Auseinanberfetzung über das türkische Erbe in Europa ab, bie bas Vorspiel zum Weltkrieg werben sollte. Das ist an bem Buch überhaupt besonbers fesselnb, bie stete Verbinbung bes diplomatischen Alltagslebens mit ben großen politischen Vorgängen ber Dorkriegs-Aera, gesehen mit bem nüchternen, an ben Wirklichkeiten bes politischen Lebens geschulten Auge eines Mannes, ber sich keinen Illusionen hingab unb auch ben Orient einer falschen Romantik zu enttleiben versteht. Wie sehr uns bas auch heute noch unb immer wieder not tut, hat ja ber Abessimenfelbzug ber Italiener uns gelehrt. Zechlin ist nach mehreren Jahren als Dragoman in Kairo beutscher Geschäftsträger in Addis Abeba gewesen, als ber alte Menelik angeblich noch lebte unb Ras Täfari als junger Fürst noch in Harrar refibierte. Zechlin entwirft von ben kulturellen, wirtschaftlichen unb politischen Zuständen Abessiniens ein nicht grabe vorteilhaftes Bild, das seltsam absticht von ben romantischen Vorstellungen, bie man in Europa im allgemeinen von bem Lanbe bes „Löwen von Juda" hegte. Die englische Pro- paganba hat bann bas ihrige bazu beigetragen, biefe falschen Vorstellungen zu erhalten, bis bie Siege ber italienischen Waffen unb ber italienischen Technik bie wahren Zustänbe in Abessinien schonungslos bloßlegten. In Tetuan, der Hauptstadt Spanisch-Marokkos, würbe Zechlin vom Weltkrieg überrascht unb bamit als einziger deutscher Diplomat in einer politisch heißumstrittenen Zone vor eine ebenso delikate wie lohnende Aufgabe gestellt. Er schneidet hier ein höchst interessantes Kapitel Kriegsgeschichte an, das in ber Oeffentlichkeit so gut wie unbekannt geblieben ist unb auch heute noch nicht bas volle Tageslicht verträgt. Der Kampf um bie öffentliche Meinung im neutralen Auslanb for- berte auch von ben deutschen Diplomaten ben vollen Einsatz. Vieles früher Versäumte galt es unter erschwerten llmftänben nachzuholen, mancher Sieg für bie deutsche Sache konnte erfochten werben, aber mit Zusammenbruch unb Nieberlage vernichteten auch hier bie Wogen bes Hasses ber Entente unb bie Sucht, am Kriegsgewinn teilzuhaben, bie Keime freundschaftlichen Verständnisses. Dieser Aus- klang ber biplomatischen Erinnerungen im neutralen Spanien knüpft seltsam lebenbig an bie Gegenwart an, wie überhaupt bas Buch alles andere ist wie tote Vergangenheit, sondern voll fröhlich-heiterer Lebensbejahung, uns auch bie politischen Dinge mit ben unromantischen, klaren Augen des welt- erfahrenen Diplomaten zu schauen lehrt.
Fr. W. Lange.
drücken nach Australien im Süden, im Norden über Arabien bis an Chinas Grenzen reicht, ist eine Hauptaufgabe britischer Politik, bie Weltpolitik ist. Engländer, bie Vaterlanosliebe unb Draufgängertum, Geschäft und Politik, Verschlagenheit unb Tapferkeit miteinanber oerbanben, sicherten bas reiche Indien für England. Männer wie Clive und Hasttngs wurden oft Abenteurer genannt unb stauben als Angeklagte vor ihren Parlamenten, aber im Grunde waren sie Staatsmänner von Format, bie fast unbemerkt vom englischen Volk Indien eroberten, erst als es schon englisch war, wurde es bas A unb O ber englischen Politik. Nach bem Kriege war Englands Machtfülle größer benn je. Der Seeweg war gesichert, die Landwege standen unter englischer Kontrolle. Der neue Weg nach Indien, ber Luftweg, würbe Englanbs neue Sorge. Niemand vermag in bie Zukunft zu blicken, wer aber aus ber Vergangenheit lernen will, kann von ihr erfahren, baß Englanb mit ber Sicherheit ber Wege nach Indien als Weltmacht steht unb fällt, und baß es jederzeit bereit war, zum Schutz dieser Macht alle seine Kräfte einzusetzen.
— Erkki Räikkönen: „Svinhufvud baut Finnlan b." Abenteuer einer Staats» grünbung. Mit zehn Bildern unb einer Karte. In Leinen gebunben 7,50 RM. Verlag Albert Langen Georg Müller, München. — (445.) — Der 75. Ge-


