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Frank VII. erstattete Rechnungsbericht zeigte in finanzieller wie in geschäftsmäßiger Hinsicht ein sehr erfreuliches Bild. Die Vorstandszusammen- setzung ergab folgendes: Einstimmig wurde mit der Vereinsführung der seitherige Vereinsführer Fritz R i e h m beauftragt, der zu seinen Mitarbei­tern im Vorstand bestimmte: als zweiten Vereins­führer Karl Zimmermann, Kassenwart Ludwig Frank VIL, Schriftführer Willi Barschel, Zuchtwarte Ludwig K l i n k e l und Karl E s p i ch, Zeugwart Ernst Schwarz, als Beisitzer Wilhelm S ch m u l b a ch und Heinrich Zück. Nach der Auf­forderung an die Züchter, weiterhin den bisherigen Eifer im Dienste der deutschen Geflügelzucht bei­zubehalten, wurde die Versammlung in der üblichen Weise beendet.

Rüdgcn, 13. Febr. Der hiesige Gesang­vereinConcordia-Harmonie" hielt im Saalbau Balser seine diesjährige Generalversamm­lung ab. Der Dereinsführer erstattete zunächst den Jahresbericht. Die von dem Rechner bekanntgege­bene und nachgeprüfte Jahresrechnung wies einen kleinen Ueberschuß auf. Der Vereinsvorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung erneut in einen Aemtern bestätigt. Drei verdiente Mitglie- )er wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der ge- chäftliche Teil wurde in der üblichen Weise ge- chlossen. Sodann blieb man noch einige Zeit in bester Kameradschaft beisammen.

<£ Reiskirchen, 14. Febr. Heute feiern die Eheleute Karl Petri und Ehefrau Katharine, geb. Morgel, das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist leider schon seit längerer Zeit er­blindet. Sonst erfreut sich das Jubelpaar noch all­gemeiner Gesundheit. Lange Jahre sind sie schon Leser des Gießener Anzeigers.

D Harbach, 12. Febr. Heute lieferte die hiesige Schule zwei Säcke Bucheckern an die NSV. ab, welche die Schüler in den HePbstwochen gelesen hatten. Die Kinder waren damals mit gro­ßem Eifer bei der Sache. Nach Beendigung des Nachmittagsunterrichts zogen sie in unsere aus­gedehnten Waldungen und kamen erst bei einbre­chender Dunkelheit wieder zurück. Sogar bei rau­hem Wetter ließen sie sich von ihrer mühsamen Arbeit nicht abhalten. Auch die Kleinsten beteilig­tem sich eifrig am Lesen und scheuten weder Regen, noch Kälte. Die besten Sammelergebnisse erzielten: Alfred Braun (12,3 Pfd.), Karl Häuser (10,1 Psd.), Willi Zimmer (9,8 Pfd.), Emmi Schmidt (8,1 Pfd.), Albert Wirth (7,7 Pfd.), Elfriede Münch (7,3 Pfd.), Erika Weppler (7 Pfd.) und Marie Schmidt (6 Pfd.). Für ihren Fleiß und ihre Ausdauer wurde ihnen von der Schule ein kleines Geschenk überreicht.

I Garbenteich, 12. Febr. Der hiesige Gesang­vereinVictoria" beging im VereinslokalZum grünen Baum" sein 57. Stiftungsfest. Vereins­führer L. Stein begrüßte die Besucher mit herz­lichen Worten und betonte anschließend die Wich­tigkeit der tatkräftigen Förderung des deutschen Lie­des als eines hohen deutschen Kulturgutes. Seine Ansprache klang in freudig aufgenommenen Sieg- Heil-Rufen auf Führer, Vaterland und deutsches Lied aus. Der Sängerchor unter der Stabführung von Chormeister Sommer brachte hierauf in oor- ttefflicher Weise eine Reihe von Chören zu Gehör, deren Wiedergabe Zeugnis ablegte für die vortteff- liche aesangskunstlerische Schulung im Verein. Am Schlüsse des ersten Teils überreichte der Kreis- walter des Sängerkreises Gießen, Müller, dem Ehrenmitglied des Vereins Heinrich Mohr für 40jährige Sängertätigkeit die vom Deutschen ^Sän­gerbund gestiftete Ehrennadel mit herzlichen ÄZor- ten des Glückwunsches. Der Geehrte dankte für diese Auszeichnung mit herzlichen Worten und berichtete sodann in fesselnder Weise aus seinen reichen Er­fahrungen als Sänger. Im zweiten Teile des Abends wurden die Besucher durch die gute Auf­führung von Theaterstücken und durch vortreffliche musikalische Darbietungen erfreut. Eine Verlosung und Tanz beschlossen den Abend.

V Lang-Göns, 13. Febr. Bei seiner Arbeit in der Scheuer st ü r z t e der Knecht Heinr. Beetz des Landwirtes Wilh. Wagner, Obergasse, von der Leiter so unglücklich, daß er mit einer Ge­hirnerschütterung in die Klinik zu Gießen verbracht werden mußte.

(D Grüningen, 13. Febr. Die hiesige Milch­absatzgenossenschaft versammelte sich am Mittwochabend in der Gastwirtschaft von Müller. Der Direktor der Genossenschaft, Ortsbauernführer Karl M a r st e l l e r, gedachte zunächst des in der Schweiz ermordeten Landesgruppenleiters G u st - l o f f. Sodann erstattete er den Jahresbericht, aus dem man entnehmen konnte, daß die Genossen­

schaft sich im zerflossenen Jahre gut entwickelt hat. Der Kassenbericht des Genossenschaftsrechners Fay zeigte einen Reingewinn, der dem Reservefonds überwiesen wurde. Die Berichte wurden genehmigt und dem Rechner und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die satzungsmähig ausscheidenden Vor­standsmitglieder wurden durch Zuruf wiederge­wählt. Der Genossenschaft gehören 69 Mitglieder an. An die Molkerei Grieb in Gießen wurden im Laufe des verflossenen Kalenderjahres 190 889 Liter Milch geliefert. Die Versammlung beschloß, in Zu­kunft von jedem neu eintretenden Mitglied eine Mark Eintrittsgeld zu erheben. Hierauf wurde in üblicher Weise geschlossen. Bei der zweiten N u tz- und Brennholzversteigerung wurden etwas höhere Preise als früher erzielt. Es kosteten: Buchenscheit 1. Kl. 19 bis 22 Mk., 2. Kl. 14 bis 16 Mk., Kiefernscheit 13 bis 14 Mk., Fichtenscheit 7 bis 12 Mk., Buchenknüppel 15 bis 16 Mk., Hain­buche 1. Kl. 13,50 bis 14,50 Mk., Fichtenknüppel 11 bis 13 Mk., Eichenscheit 15 bis 16 Mk. je zwei Raummeter. Buchenreisig 8 bis 10 Mk. 6 Raum­meter.

<xd Langsdorf, 13. Febr. Heute wurde auf dem hiesigen Friedhof ein manchen alten Soldaten des Gießener Regiments und den ftüheren hessi­schen Parlamentariern wohlbekannter Mann be­stattet: Heinrich Schmidt IV., Ständehausinspek­tor i. R. Er diente zu Ende der siebziger Jahre bei den 116ern, kapitulierte und blieb als Subaltern- Offizier insgesamt 11 Jahre bei dem Regiment. Dann leistete er als Militäranwärter in verschiede­nen Städten Gendarmeriedienst und wurde im Jahre 1901 Inspektor des Ständehauses in Darm­stadt. Dort erlebte er die politischen Geschicke der hessischen Heimat durch mehr als zwei Jahrzehnte aus nächster Nähe. Nach seiner Pensionierung zog er 1924 in das alte Heimatdorf zurück. Hier ver­brachte der treue Beamte noch 12 Jahre wohlver­dienter Ruhe. In seinem ganzen, auf Ordnung, Zucht und Ausgeglichenheit ausgerichteten Wesen, mit seiner straffen Haltung verriet er bis in die letzten Tage hinein, daß er ein Vertreter des deut­schen Soldatentums bester Observanz sei. Ein Schlaganfall machte seinem Leben ein rasches Ende, nachdem er vor etlichen Tagen das 78. Lebens­jahr vollendet hatte. Der Reichsbund ehemaliger Berufssoldaten widmete seinem treuen Kameraden einen ehrenvollen Nachruf.

< Hungen, 13. Febr. Einem hiesigen Metzger- meister, der in den gestrigen Vormittagsstunden ein Rind von dem benachbarten Nonnenroth nach Hungen treiben wollte, entsprang kurz vor dem Hungener Walde das allem Anschein nach wildgewordene Tier und entschwand in wenigen Minuten im nahen Walde. Erst heute nachmittag konnte das Tier wieder eingefangen werden.

(D Hungen, 13. Febr. Die für die Winter­hilfe in der NSV.-.Ortsgruppe Hungen, mit den dazu gehörigen Zellen, durchgeführte Geldsamm­lung vom Eintopfgericht ergab nachstehendes Ergebnis: Von insgesamt 268,25 Mark entfallen auf Hungen 149,65 Mark, auf Langd 19,80 Mark, auf Langsdorf 56,55 Mark und auf Villingen 40,75 Mark. Bei der letzten Brennholzoer st ei- g e r u n g im Hungener Wald, die noch etwa 470 Raummeter Holz zum Verkauf brachte, wurden nachstehenden Preise erzielt: Buchenscheit 1821 Mark, Hainbuchenscheit 1416 Mark, Eichenscheit 1112 Mark, Buchenknüppel 1415 Mark und Hainbuchenknüppel 1415 Mark, Kiefer (Scheit und Knüppel) kamen auf 6 Mark je 2 Raummeter.

A Obbornhofen, 11. Febr. Unser vor kur­zem neu ins Leben gerufener Obst- und Gar­tenbauverein hielt am Samstagabend im Rathaussaale seine erste Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Heinr. Block, wies nach der Begrüßung auf die zur Durchführung kommende Winterspritzung hin, und zwar soll zu Winters Ausgang der Baumbestand rechts des Hexenweges behandelt werden. Der Verein hat bereits eine neue Karrenspritze käuflich erworben. Ferner wurden auf seine Veranlassung eine Anzahl Nistkästen in den Baumstücken aufgehängt. Eine größere Mira­bellen- und Zwetschenanlage wurde durch die Ge­meindeverwaltung in den Kirmeswiesen durch­geführt. Im Mittelpunkte des Abends stand ein Vortrag von Lehrer B e p p l e r vom Obstbauverein Wiestck über das ThemaWelche Anforderungen stellt die neue Zeit an die deutschen Obstwirte?" Um die Obstfreiheit zu erringen, so führte der Red­ner u. a. aus, müssen alle Baumbesitzer bestrebt sein, gewisse Grundforderungen zu erfüllen. Neben einer richtigen Stamm- und Kronenpflege und einer planmäßigen Schädlingsbekämpfung muß als vor­dringlichste Aufgabe eine harmonische Düngung

durchgeführt werden. Alle Kernnährstoffe sind zu verabreichen. Wichtig ist die Gattungswahl bei neuen Pflanzungen. Auch auf die Befruchtungsver­hältnisse der verschiedenen Obstgehölze muß Rück­sicht genommen werden. Eine größere Anzahl guter Lichtbilder ergänzten die ganz auf der Praxis auf­gebauten Ausführungen, die zum Schluß mit rei­chem Beifall belohnt wurden. In der regen Aus­sprache wurden noch verschiedene Anfragen beant­wortet, dabei u. a. die Wahlzucht bei Zwetschen- jungbäumen empfohlen und auf die Anlaae eines Vogelschutzgehölzes am Gänsberg hingewiesen. Der Verein hat eine größere Anzahl Wühlmausfallen zur Weitergabe an die Mitglieder bezogen, um der Wühlmausplage Einhalt zu tun. Wurden doch im letzten Jahre über 30 Jungbäume, teils auch schon solche im tragbaren Alter vernichtet. Im zeitigen Frühjahr soll ein Gemarkungsrundgang ausgeführt werden, der mehr der praktischen Schulung der Mitglieder dienen soll. Die Versammlung wurde in üblicher Weise geschlossen.

Kreis Büdingen.

D Nidda, 13. Febr. Zu der heutigen letzten Holzversteigerung hatten sich etwa 450 Kaufliebhaber eingefunden. Es wurden verhältnis­mäßig hohe Preise erzielt. Im Durchschnitt kostete je Raummeter Buchenscheitholz 1. Klasse 12 Mark, Hainbuche 1. Klasse 10 Mark, Eiche 1. Klasse 7 Mark, 2. Klasse 5 Mark, Ahorn- und Esche je 5 Mark, Fichtenscheitholz 2. Klasse 4 Mark, Buchenstammr knüppel 8 Mark, Astknüppel 7 Mark, Hainbuchen­stammknüppel 9 Mark, Eschenstammknüppel 7 Mark, Ahornknüppel 7 Mark, Eichenastknüppel 3 Mark, Fichtennutzreisig in Schichten je Raummeter 2 Mark, Reiser je Raummeter 0,50 bis 1 Mark.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

£. §ch. in R. Falls die von Ihnen zu Gunsten Ihres Verwandten übernommene Bürgschaft nicht befristet war, auch eine Kündigung der Bürgschaft nicht vorgesehen ist, bleiben Sie bis zur Befriedi­

gung der Gläubigerin aus Ihrer Bürgschaftsur» künde verhaftet; die von Ihnen ausgesprochene Kündigung ist unwirksam, die Bürgschaftsurtunde kann vor Erfüllung der Verbindlichkeiten des Hauptschuldners, für den Sie sich verbürgt haben, nicht zurückverlangt werden.

S. in TL I. Nach § 24 der Verordnung zur Durch­führung des Steuerabzugs vom Arbeitslohn vom 29.11.1934 kann die Tochter nicht Hausgehilfin im Haushalt der Eltern sein. II. Unbebaute Grund­stücke, insbesondere Bauland, sind mit dem gemei­nen Wert zu bewerten. Ob Bauland vorliegt, kön­nen wir nicht beurteilen. Die Entscheidung dar­über, ob Sie gegen den Bescheid Einspruch ein­legen sollen, müssen wir Ihnen überlassen, wir empfehlen Ihnen jedoch, durch Rückfrage bei dem Finanzamt festzustellen, warum das Grundstück als Bauland bewertet ift

Rundfunkprogramm.

Samstag, 15. Februar:

6 Uhr: Choral Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.45: Auf zum Staatsjugendtag HJ.-Sport. 10.15: Schulfunk. 10.45: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11: Haus­frau, hör zu! 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wo­chenende. 13: Nachrichten (auch aus dem Sende­bezirk). 13.15: Buntes Wochenende. 14: Nachrichten. 14.10: Unsere Wochenendgabe: Faschings-, Operet­ten- und Tanzmusik. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: HJ.-Funk. 16: Der frohe Samstag-Nachmittag. 17.40: Aus Garmisch-Partenkirchen: Olympia-Echo. 18: Mit Narrenzepter und Schellenkappe. 18.20: Zeitfunk. 19: Militärkonzert. 19.55: Ruf der Ju­gend. 20: Nachrichten. 20.10: Gemeinschaftssendung Frankfurt-Saarbrücken:Ruck-Zuck". 22: Nachrich­ten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Don Gar­misch-Partenkirchen: Die letzten Meldungen und Funkberichte der IV. Olympischen Winterspiele 1936 10. Tag. 22.40:Ruck-Zuck". 24 bis 2: Nacht­konzert.

Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?

Die Reichsanstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat ihren Januarbericht veröffentlicht. Die rückläufige Bewegung des Ar­beitseinsatzes im Dezember ist nahezu zum Still­stand gekommen. Während die Zahl der Arbeits­losen im Dezember um rund eine halbe Million anstieg, hat sie im Januar dieses Jahres nur um 12 000 zugenommen. Die Ursache für das unver­hältnismäßig starke Ansteigen der Arbeitslosigkeit am Ende des abgelaufenen Jahres waren das vor­zeitige Froftwetter und die Arbeitspause in den Feiertagen. In Januar dieses Jahres sind Außen­arbeiten wieder in Angriff genommen werden. Die bei den deutschen Arbeitsämtern gemeldeten Arbeits­losen betragen rund 2,5 Millionen, das sind etwa 450 000 weniger als im winterlichen Höchstpunkt des Vorjahres.

*

Die Reichsschuldenstatistik gibt nun einen Ueber­blick über die Entwicklung und die Aufgliederung der R e i ch s s ch u l d zum Jahresende. Die gesamte Reichsschuld beträgt ungefähr 15 Milliarden RM., von dieser Gesamtsumme sind folgende Posten inter­essant: die langfristige Schuld, das heißt meistens Anleiheschuld, beträgt zum Jahresende 11,3 Milliar­den RM. Davon entfallen 9,5 Milliarden auf das Inland, und 1,8 Milliarden auf das Ausland. Be­deutsam in dieser Aufgliederung ist das Anleihe­aufkommen im Jahre 1935, daß 1,6 Milliarden Reichsmark betrug. Diese Summ zeigt, daß der deutsche Kapitalmarkt sich in die großen nationalen Finanzierungsprogramme des Reiches hat einspan­nen lassen, und ist ein Beweis dafür, daß es der Finanzgebarung des Reiches gelungen ist, kurz­fristige Verbindlichkeiten, die zumeist aus den gro­ßen Arbeitsbeschaffungsprogrammen stammen, in dieser Höhe in langfristige Anleihen umzuwandeln. Die schwebenden Schulden des Reiches betragen rund vier Milliarden RM. Im Zusammenhang mit dieser Betrachtung der Reichsschuld ist eine Rede des Reichsfinanzmini st ers vor der Bergi­schen Industrie- und Handelskammer aufschlußreich. Der Minister kritisierte die Deflationspolitik von 1931 und betonte, daß die aktive Konjunkturpolitik des Dritten Reiches eine Wiedererweckung der Selbstheilungskräfte der Wirtschaft nach sich ziehe. Die im Interesse der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

aufgenommenen Kredite trugen die Garantie für eine Rückzahlung in sich s e lb ft. Durch die aus- geweitete Produktion und die Belebung der Umsätze ist eine Zunahme des Aufkommens an Reichs steuern zu verzeichnen, die sich bis Ende 1935 auf rund 2,5 Milliarden RM. belaufe und zusammen mit den Einsparungen bei der Arbeits- losenfürsorge eine Verbesserung der Haushaltslage um rund vier Milliarden Reichsmark darstelle.

Das Börsengeschäft in Deutschland ist aus der Stagnation, in der es sich in den letzten Monaten befunden hatte, etwas herausgekommen. Das Kursniveau an den Aktienmärkten hat sich verbes­sert. Dieser Entwicklung kamen ein leichter Geld­markt und die immer noch bestehende Material­knappheit zugute. Vor allem aber find es Dividen­denhoffnungen gewesen, die sich in anziehenden Kursen ausdrückten. Am Montanmarkt hatten die Vereinigten Stahlwerke die Führung. Bei den Ka­belwerken wirkten größere Umgruppierungen an­regend. Bevorzugt wurden weiter die Großbank­aktien. Man schätzt die zu erwartenden Dividenden hier auf 4 v. H. Auch die Daimleraktie erfreute sich größerer Nachfrage, wobei die Börse annimmt, daß bei einer Kapitalerhöhung mit einer Dividende von 5 v. H. zu rechnen fei. Im Vordergrund haben be­sonders solche Werte gestanden, die eine Dividenden­zahlung nach längerer ertragsloser Zeit in beschei­denem Umfange wieder aufnehmen wollen.

In der letzten Zeit sind in steigendem Umfange Meldungen von großen internationalen Anleihen durch die Presse gegangen. Die Ge­rüchte, daß es den Sowjetvertretern in England gelungen sei, eine Anleihe zu erhalten, sind dementiert worden. Einen günstigeren Boden scheinen dagegen die Kreditverhandlungen zwi­schen Frankreich und England gefunden zu haben. Es war die Rede von einem Kredit über 50 Millionen Pfund, das wären etwa 600 Millio­nen Mark. Der französische Staat braucht diesen Kredit, um nicht wieder Kassenschwierigkeiten aus­gesetzt zu sein und um den Franc stabil zu halten. Den Russen scheint es, was bei der schwierigen Geldlage Frankreichs überraschend ist, gelungen zu fein, in Paris eine Anleihe zu erhalten, deren

WMMMWM.

Vornan von H. von Hettennann.

Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

21. Fortsetzung. Nachdruckoerboten!

22. Kapitel.

Wenn es nur erst vorbei wäre! Hans, hast du meine Kleiderbürste gesehen? Ich kann sie nirgends ach, hier--laß nur, ich hab sie schon ge­

funden! Mutti, kann ich nicht das Blaue anziehen? Sieh mal ach Gott, jetzt reißt die Blume ab --bitte, bitte, näh sie mir doch fix mal an, da ist doch die gestopfte Stelle darunter. Ihr habt gut lachen, ihr beiden, aber was der Mensch heute abend verkehrt macht, fällt doch auf mich zurück! So, jetzt noch die Kette gerissen darauf hab ich bloß gewartet--"

Mir scheint, vorläufig machst d u alles verkehrt, mein Kindel", lachte Frau Margret, geschickt die Seidenblume wieder auf die Schulter des zart­blauen Kleides befestigend, das Gretes junge Schlankheit in weichen Falten umfloß. Reizend sah sie aus mit den erregungsoerbuntelten Augen und glühenden Backen.Herr Sellden hat doch schon viele Vorträge gehalten."

Aber doch noch feinen einzigen in Deutsch, Mutti, keinen in Deutsch! Und richttg auswendig gelernt hat er fein bißchen, nur alles so'n paarmal übergelesen. Er hat ja ein fabelhaftes Gedächtnis, aber ich fühl es in den Gliedern: die Sache geht schief, paßt nur auf! Mit welch düsterer Prophe­zeiung sie sich umdrehte und den Bruder ansttahlte!

Hänschen, wie ein junger Gott siehst du aus in dem neuen Anzug! Der Bengel wird immer grö­ßer und hübscher. Schämst du dich denn gar nicht?"

Der schlanfe blonde Junge, dessen Gesicht Frau Margret in seinen festen, entschlossenen Linien an Joachim Drau erinnerte, lachte, völlig unbefangen und gar nicht geschmeichelt.

Wenn du das wenigstens von Muttchen behaup­tet hättest!" meinte er nähertretend.Die sticht uns beide heute noch aus!" Etwas kindlich Bewundern­

des war in dem Blick, mit dem Hans Mervius feine Mutter betrachtete, das Frau Margret bis ins tiefste Herz empfand. Wieder ganz chr eigen!--

Wie hatte das finstere junge Gesicht, das noch keiner Derstellung fähig war, aufgeleuchtet, als sie ihm so ganz nebenbei erzählt hatte, daß Dr. Goe­bel am ersten Juli ausziehen wolle.Er wohnt doch ein bißchen beengt bei uns, möchte gern mehr Räume zur Verfügung haben." So hatten Goebel und sie es ausgemacht.

Kein Mensch erfuhr vom anderen Inhalt jener Unterredung, von des Gelehrten Bitte und Frau Margrets schmerzlich bewegter Absage.Ich kann, ich darf es nicht, mein Freund, der Kinder wegen! Grete würde es wohl verstehen, sie ist älter, reifer als Hans, und hat Sie lieb, aber mein Junge, mein Einziger, würde mich verlassen, den verlöre ich, würde ich Ihre Frau. Helfen Sie mir, ihm Mutter zu bleiben."

Es war eine schwere Stunde gewesen für sie beide. Aber war die Gnade des Muttertums nicht jegliches Opfer wert?

Zärtlich zog Margret Mervius das Haupt des Sohnes zu sich herab, küßte es auf die schöne freie Stirn, die feine Falte mehr entstellte.

Alter Schmeichler, du! Aber ich muß gestehen: es freut mich, daß ich meinen Kücken noch ein biß­chen gefalle. Hab auch mein Bestes angezogen!"

Sehr gerade stand die zierliche Frau, zupfte an ihrem duftigen schwarzen Spitzenkleid herum und hielt hörbar den Atem an, als beide Kinder über sie herfielen.

Ein bißchen zerzaust, ein bißchen erhitzt, lachend und mit roten Backen fuhren die drei auseinander, als es klingelte. Sie wurden von Frau Stalling abgeholt.

Forschend bettachtete Frau Mervius ihre Aelteste, als sie in der Garderobe ablegten. War es der röt­liche Ton der Chiffonfarbe, der Elfe so blaß machte?

Müde, ja leidend sah sie aus, saß still neben der Mutter und antwortete so zerstreut auf deren Fra­gen, daß Frau Margret bald verstummte. Das Kind litt, körperlich oder seelisch, vielleicht beides. Armes Elflein, war es erwacht aus dem Rausch seiner Freuden? Keinem blieb Schweres erspart im Le­ben, es hieß durchhalten--Leise streichelte sie

der Tochter Hand, freute sich, als die ihre Finger festhielt.

Da spürte Frau Margret, wie der schlanke Frauenkörper neben ihr zusammenzuckte, als habe ihn ein elektrischer Schlag durchfahren, der Kopf hob sich, das eben noch so müde Gesicht, das aus­druckslos vor sich hingestarrt, belebte sich auf- strahlend grüßte ihr Blick den Mann, der am vor­deren Saaleingang erschienen war und, zwischen den Samtvorhängen stehen bleibend, den vollen Saal suchend überflog.

Drau Schon hatte er Elfriede entdeckt, lächelte ganz leise, verneigte sich gegen sie, und die Mutter ging dann langsam durch die herumstehende leb­haft schwatzende Menschenmenge auf feinen Platz zu, neben Dr. Goebel, der schon da war. Im Sei­tensaal, erste Reihe saßen sie, ganz in der Nähe und wohl sichtbar.

Zufall oder Absicht? Frau Margret dachte nach. Wie hatte Elfriede gewußt, daß Drau eben den Saal betreten, da der Eingang doch zur Seite lag und sie geradeaus gesehen? Spannen geheime Seelenfäden zwischen den beiden? Armes Elflein, das nicht--nur das nicht!---

Beinahe hätte sie einen Schmerzensruf aus- gestoßen, so fest hatte Grete sie am Arm gepackt. Ohne daß sie es gemerkt, hatte sich die Menge ge­setzt, die Tür auf dem Podium geöffnet. Ein gut­gewachsener Hüne im Frack trat hervor, verbeugte sich und musterte unbefangen die laut klatschenden Menschen. Prachtvolle weiße Zähne blitzten, da er Grete und sie entdeckte und sie in die nochmalige allgemeine Verbeugung mit einbegriff. In dem derbknochigen Gesicht standen ein paar helle Augen mit ruhigem, fest zupackendem Blick. Der schweifte über die Menschen hinweg, sammelte sich--

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der liebenswürdigen Einladung des Vereins für Erd­kunde freudig Folge leistend werde ich heute abend die Ehre haben. Ihnen über meine letzte Forschungs­reise durch das mongolisch-russische Gebiet der Wüste Gobi zu berichten", sprach die klare Stimme, von der Grete gleich erraten, daß sie gut tragen müsse.

Hans stieß die Schwester sacht an.Kannst ge­trost aufhören, für deinen Kleinen da oben zu zit­tern, der hat keine Angst!"

Nein, der hatte wahrlich keine Angst. Frei, ohne Stockung floß die Rede dahin, von der Grete Mer­

vius jedes Wort zu kennen geglaubt, und die nun doch so ganz anders, anders und neuartig schien. Wendungen kamen, die nicht vorgesehen gewesen, kleine humoristische Randbemerkungen in drolligem Deutsch, die die Zuhörer hell auflachen ließen. Nun tiefer Klang in der erzählenden Stimme.In diesem fernen Land, in Fels gebettet und vom Sande vieler Jahrtausende verweht, fanden wir die langgesuchten Spuren des Lebens auf dieser Erde, die es vor vollen zehn Millionen Jahren in Gestalt von riesigen, unserer Vorstellung fast un­faßbaren Tieren bevölkert hat. Furchtbare Kämpfe fanden oft statt zwischen diesen Giganten der Tier­welt um Futterplatz und Tränke, wir fanden Ske­lette, die sich ineinander verbissen hatten und nun, nach Millionen von Jahren, auf ihrem Todeslager gefunden wurden." Und weiter sprach er von den Gefahren jenes Weltteils und vom seltsamen Reiz, den es auf die Menschen ausübte, die einmal dort gelebt, daß es sie immer dorthin zurückzog in das Land der Freiheit und der grenzenlosen Möglich­keiten, da es noch zum größten Teile unerforscht sei.

Gespannt, staunend lauschten sie alle, deren Da­sein innerhalb der schützenden Mauern der Gewohn­heit und des Altbekannten verlief, folgten willig dem Führer in das wunderliche ferne Reich im Osten.

Mit großen Augen sah Grete Mervius zu dem Mann empor, der sie vor nun bald drei Monaten zu feiner Helferin ernannt hatte. War das derselbe Svante Selldän, dessen buntes Sprachgemengsel sie täglich gouvernantenstreng korrigierte, der gutmütig ihre Bleistifte spitzte und auf all ihre Berichte von zu Haufe, auf ihr kleines Tun und Treiben ein­ging, als gäbe es nichts Interessanteres? Wie ein großer unordentlicher Junge war er ihr oft vor­gekommen, stets gutgelaunt, nichts sehr ernst neh­mend. Und war doch der Svante Selldän, der Un­erhörtes vollbracht, den Forscher und Fachpresse begeistert priesen als einen der Größten seiner Zunft--

Ganz klein und geduckt saß die junge Grete da und fühlte sich auf einmal sehr einsam und sehr weit entfernt von dem Mann, den doch nur ein paar Meter von ihr trennten. Das war alles fo merkwürdig und unverständlich...

(Fortsetzung folgt!)