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punkt sei die Festigung der Zusammengehörigkeit zwischen Frankreich und Belgien zu begrüßen. In beiden Landern hänge diese Zusammenarbeit in starkem Maße von der inneren Politik ab. In beiden Ländern bereite man sich auf Wahlen vor, und in beiden Ländern stehe man vor schwer­wiegenden Fragen in der Wirtschaftskrise. Belgien werde den französischen Führern wertvolle Winke über die unangenehmen Nachwirkungen der Geldentwertung geben können.

Homme Libre" glaubt weiter behaupten zu können, daß Belgien durch die angebliche schwere Gefahr einer Niederlegung der entmilitarisierten Rheinlandzone bedroht sei. Mutig habe es immer wieder, ohne seinen eigenen wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten Rechnung zu tragen, stets alle Opfer ge­bracht, um seine' Nationalverteidigung zu sichern. Diese aber sei ein Teil der französischen, und aus diesem Grunde hoffe man in Belgien, daß Frank­reich wenigstens seine Handelsmöglich­keiten erleichtern werde. Bei den Be­sprechungen mit Flandin würden wirtschaftliche Fragen in enger Verbindung mit den politischen stehen. Es käme darauf an, auf Grund der Sicher­heit beider Länder eine realistische Politik zu be­treiben.

Bor einem Koalitions-Kabinett in Griechenland.

Athen, 13. Febr. (DNB.) Unter Vorsitz König Georgs II. tagte ein Kronrat, an dem neben Mini­sterpräsident Demerdzis die Führer fast sämtlicher Parteien teilnahmen. Der König wies auf die ge­spannte internationale Lage hin, die es nicht ge­statte, wiederum zu Neuwahlen zu schreiten. Es wurde die Möglichkeit einer Regierungsbildung unter Teilnahme der Volkspartei, der Veniselisten und der Partei Metaxas' erörtert. Hierbei ergab sich zwischen Tsaldaris und Sophulis eine so weitgehende Uebereinstimmung, daß sofort Verhandlungen über die Regierungsbildung eröffnet wurden. Es verlautet, daß als Minister­präsident Demerdzis in Betracht kommt. Metaxas ist als Kriegsminister, Maximos als Außenminister vorgesehen.

Tokio über die Zusammenstöße an der mongolischen Grenze beunruhigt.

Tokio, 14. Febr. (DNB. Funkspruch.) In Tokio ist man über die schweren Zusammenstöße an der mongolischen Grenze westlich des Buir-Sees st a r k beunruhigt. Es heißt, der Zusammenstoß sei unter dem Einsatz modernster Waffen wie Tanks und Flugzeugen erfolgt, und zwar von beiden Seiten aus. Anscheinend sei ein Bataillon eines japanischen Truppenverbandes auf heftigen Widerstand bei einer gleich starken mongolischen Truppenabteilung gestoßen. Die Mongolen sollen angeblich von Sowjetrussen angeführt gewesen sein, und von sowjetrussischen Flugzeugen unter st ützt. Die weitere Ent­wicklung sei nicht zu übersehen, da die mongolische Abteilung Verstärkungen heranziehe. Die Presse spricht von einemKrieg ohne Kriegser- k l ä r u n g", nachdem seit dem Scheitern der Grenz­verhandlungen im vergangenen Jahre jede Be­ziehung zwischen Hsingking und Urga abgebrochen sei.

Katholikenfeindliche Kundgebungen in Schottland.

London, 14. Febr. (DNB. Funkspruch.) In Edinburgh kam es erneut zu schweren religiösen Unruhen. DieGesellschaft für prote­stantische Aktion" veranstaltete eine Protest­kundgebung gegen eine Versammlung des katho­lischen Lourdes-Verbandes, auf der über wundertätige Ereignisse gesprochen wurde.

Tausende von Protestanten hatten sich vor der Sitzungshalle aufgestellt und protestierten zunächst durch laute Niederrufe. Als der Erzbischof Mac- d o n a l d eintraf, wurde sein Wagen sofort von der feindseligen Menge umringt. Ein großes Polizei­aufgebot mußte den Erzbischof in die Halle gelei­ten. Eine Gruppe von Kindern, die in Begleitung einer Nonne eintraf, wurde von der Menge mit Pfui-Rufen bedacht. Die Kundgeber schleuderten große Steine gegen den Omnibus, in dem die Kin­der saßen. Als die Protestanten einen Zug bilden wollten, wurden sie von berittener Polizei ausein­ander gesprengt. Viele eilten die Hannoverstraße entlang und stürzten sich auf einen katholischen Priester, der von der Polizei in Sicherheit gebracht werden mußte. Anschließend fand auf einem freien Platz eine große katholikenfeindliche Kundgebung statt.

Trauerfeier für die Todesopfer des braunschweigischen DerkehrSunglückS.

Unter allgemeiner Anteilnahme der Bevölkerung fand die Beisetzung der sechs Todesopfer des schwe­ren Verkehrsunglücks vom vergangenen Samstag statt. In der großen Montagehalle der Vereinigten Signalbauwerkstätten überbrachte Reichsleiter Dr. Ley den Toten die letzten Grüße der DAF. Gene­ralinspektor Dr. Todt erinnerte an das große Werk der Reichsautobahn, an dem die Toten mitge­schafft haben. Wenn das gewaltige Werk einst voll­endet sein werde, dann werden die Kinder und Kindeskinder der Toten mit Stotz davon sprechen, daß der Ahn dereinst für dieses Werk sein Leben gab. Wenn dereinst die Straßen nach dem Willen des Führers vollendet sind, so könne sich kein an­derer ihr Erbauer nennen als der deutsche Arbeiter, der, wenn es sein mußte, sein Letztes für das Werk gab. Dann verlas Dr. Todt die Namen der sechs Toten. Während leise die Klänge des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes den Raum durchfluteten, trugen Männer der DAF. ihre sechs toten Kame­raden auf die Wagen, die sie zur letzten Ruhe brachten. In langem Zuge folgten die umflorten Fahnen, viele Kränze, an der Spitze die des Füh­rers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Mit den nächsten Angehörigen der Toten gingen Dr. Ley, Dr. Todt, Ministerpräsident Klagges und andere Leidtragende. Die letzte Ruhestätte der Toten ist umstellt von fackeltragenden Arbeitsdienstmännern. Langsam sinkt ein Sarg nach dem anderen in das gemeinsame Grab, und leise klingt durch die abend­liche Trauerstunde das Lied vom guten Kameraden.

Der Rostocker Mordsall praetorius im Eesfeld-prozeß.

Die Zeugenvernehmung im Seefeld-Pro­zeß wurde vom Schweriner Schwurgericht in Rostock fortgesetzt. Es wurden die Zeugen zum Mordfall Praetorius gehört. Der Mord an dem elfjährigen Schüler Praetorius ist der neunte Fall in der schauerlichen Mordserie. Der Junge verschwand am 22. November 1933 und wurde erst am 4. Oktober 1934 an der Warnow im Schilf tot aufgefunden. Auch seine Leiche lag in üblicher Schlafstellung. Aus dem Notizblock des Angeklagten ergibt sich, daß sich Seefeld zu der Zeit, als der kleine Praetorius verschwand, in der Rostocker Gegend aufhielt.

Die Mutter des ermordeten Praetorius schilderte den Jungen als gesundes und artiges Kind. Ihr < Alfred fei ein leidenschaftlicher Zigarettenbilder- sammler gewesen. Ausfällig ist, daß bei der Leiche solche Bilder gesunden wurden. Die Mutter hält es für möglich, daß er aus das Versprechen hin, solche Bilder zu erhalten, mit dem Täter mitge­gangen ist. In diesem Zusammenhang muß wieder­um die Mahnung an Eltern und Er­zieher gerichtet werden, den Kindern einzuschär­

fen, nichts von Fremden anzunehmen. Einige Tage vor seinem Verschwinden, so bekundete Frau Praetorius weiter, habe ihr Sohn ihr er­zählt, daß er von einem alten Mann Zigaretten­bilder geschenkt bekommen habe.

Aus die Frage des Vorsitzenden an den Ange­klagten, was er dazu sage, antwortete Seefeld mit seiner üblichen Redensart, daß seine Person nicht in Frage komme. Auf Vorhaltungen des Vor­sitzenden wich Seefeld wiederum aus und er­klärte, daß er damals nicht in Rostock gewesen sei. Als die Befragung durch den Vorsitzenden im­mer energischer und bestimmter wurde, beschränkte sich Seefeld wieder auf seine üblichen Redens­arten.

Später begab sich das Gericht zur Besichti­gung des Tatortes jenseits des Warnow- Flusfes, wo zunächst die Begegnung der als Zeu­gen erschienenen Familie mit dem auf dem Prome­nadenweg entgegenkommenden Angeklagten wieder­holt wurde. Anschließend suchte man den Fundort der Knabenleiche auf. Auf die Frage, ob der An­geklagte diese Stelle als den Tatort wiedererkenne, antwortete Seefeld, daß seine Person nicht in Frage komme. Am Freitag wird die Verhand­lung in Schwerin fortgesetzt.

Der Hochstapler von Maklakow erneut vor Gericht.

Die 16. Strafkammer des Berliner Landgerichts hatte sich mit dem 56jährigen, schon 17mal wegen der verschiedensten Betrügereien vorbestraften Hochstapler Nikolaus Salvator August von Maklakow,Fürst von Galitzin", zu beschäf­tigen. Wegen verschiedener Fälle von Unter­schlagung, Betruges im Rückfalle und Privaturkundenfälschung verurteilte die Strafkammer Maklakow zu 2 Jahren 4 Monaten Gefängnis. Die Verhandlung enthüllte em Bild von den wechselvollen Lebensschicksalen eines Mannes, dem ursprünglich eine glänzende Laufbahn offengestanden hatte. Maklakow war ursprünglich russischer Gardekavallerie-Offizier gewesen, hatte sich dann zur Reserve versetzen lassen und juristische Studien betrieben. Als er sich verleiten ließ, ein Theater zu gründen, geriet er in riesige Schulden. Zweieinhalb Jahre trieb er sich im Auslande um­her. In Zürich wurde er wegen Zechschulden zu 6 Monaten Arbeitshaus verurteilt. Er behauptet, Doktor der Rechte und Honorarprofessor an der Petersburger Hochschule gewesen zu sein. Nach der russischen Revolution kam Maklakow mit anderen zaristischen Offizieren von der Ukraine aus nach Deutschland. Hier begannen seine zahlreichen Straf­taten. In erster Ehe war er mit einer russischen Prinzessin verheiratet, seine jetzige Frau lernte er durch Schriftwechsel aus der Strafhaft kennen. Bei den ihm jetzt zur Last gelegten Straftaten handelt es sich darum, daß er ein ihm leihweise überlassenes 17bändiges wissenschaftliches Werk in einem Leip­ziger Hotel verpfändete und außerdem Zechprelle­reien in Berlin beging, wobei er sich auch Urkun­denfälschungen zuschulden kommen ließ.

Das Gericht, das den Antrag der Staatsanwalt­schaft auf Unterbringung in eine Heil- und Pflege­anstalt ablehnte, betonte in der Urteilsbegründung, daß es sich bei Maklakow zweifellos um einen phantastischen Lügner und Psycho­pathen handele. Es sei aber zu hoffen, daß er durch seine jetzige Frau wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen werde. Darum sei die Strafe nicht übermäßig hoch bemessen worden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Rundfunk überträgt am Samstag, den 15. Februar, von 10.45 Uhr bis etwa 12 Uhr über alle deutschen Sender die Eröffnung der In­ternationalen Automobil- und Mo­

torrad-Ausstellung aus den Berliner Aus­stellungshallen am Kaiserdamm.

Konsistorialpräsident D. Loyke (Magdeburg) ist zum 1. März zum weltlichenVizepräsiden- ten des Evangelischen Oberkirchen­rates in Berlin ernannt worden. Seit dem Jahre 1920 steht er im Konsistorium der Provinz Sachsen an leitender Stelle. Als Vorsitzender des Provinzialausschusses für innere Mission hatte ihn die Universität Halle-Wittenberg zum theologischen Ehrendoktor ernannt.

In Warschau wohnte Reichsminister Dr. Frank auf Einladung des Präsidenten des polnischen Ober­gerichtes einer Verhandlung dieses Gerichtes bei. Mittags fand ein Empfang mit Frühstück beim Justizminister Michalowski statt. Nachmittags weilte der Reichsminister zum Tee beim Außen­minister Oberst Beck. Am Abend ist Dr. Frank nach Krakau abgereift.

König Fuad von Aegypten hat die ägyptischen Unterhändler für die bevorstehenden Verhand­lungen mit England ernannt. Die 13köpfige Abordnung wird von dem Führer der Wafdpartei, Nahas Pascha, geführt. Die Abordnung hat alle Vollmachten zum Abschluß und zur Unterzeichnung eines Freundschafts- und Bündnisvertrages mit Großbritannien.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeork Frankfurt.

Der von England über Westdeutschland sich er­streckende Hochdruckrücken wird weiter abgebaut. Während an seinem Westrand in West- und Mit­teldeutschland sich das heitere Wetter in starken nächtlichen Frösten und verhältnismäßig milden Mittagstemperaturen noch fortsetzte, zeigen Nord- und Mitteldeutschland überwiegend bewölktes Wet­ter mit Temperaturen nahe 0 Grad. Die vom At­lantik ausgehende Wirbeltätigkeit verstärkt sich, wird jedoch ihren Einfluß auf unser Wetter nur lang­sam ausdehnen.

Aussichten für Samstag: Dunstig und vielfach wolkig, aber im allgemeinen noch trocken, ausgeglichene Temperaturen, nachts nur noch leichte Fröste, östliche Winde.

Aussichten für Sonntag: Ueberwiegend bewölkt und strichweise auch leichte Niederschläge, Temperaturen um 0 Grad.

Lufttemperaturen am 13. Februar: mittags 2,1 Grad Celsius, abends0,1 Grad; am 14. Februar: morgens6,2 Grad. Maximum 3,2 Grad, Mini­mum heute nacht6,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Februar: abends 0,9 Grad, am 14. Februar: morgens1,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1,3 Stunden.

Winferfporf-Welkernachrichfen.

Vogelsberg. Hoherodskopf: heiter, 8 Grad, 12 cm Gefamtfchneehöhe, fein Neuschnee, Pulver­schnee, Ski im Walde gut.

Schwarzwald. Feldberg: heiter, 2 Grad, 80 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, verharscht, Ski und Rodel sehr gut.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen

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