Dienstag, lZ. Oktober 1936
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 2^0 Drittes Blatt
Die erste Iieichsstraßensammlung
oder der
sie find eins.
die Parole des Führers und folgen
das Winterhilfswerk.
nesfaal.
Stadtthealer Gießen.
wollen Sie einen guten eindruck macken?
Urlaubsfahrten.
Z.O
Verpflegung) 39 RM.
inkreich.
Nachdruck verboten!
22 Fortsetzung.
Ijl
Die öeutfdie Arbeitsfront n.9.=0cmeinfdiaft „firaft burdi freuöc
Jeder hitst dem WHW.!
Opferspenden vom Lohn oder Gehalt sind an das W i n t e r h i l f s w e r k des Deutschen Volkes, Kreisführung Wetterau in Gieren, Postscheckkonto Ar. 23 633, oder aus dessen Bankkonto 6100 bei der Bezirkssparkasse Gießen zu überweisen.
«NSG. Der Arbeiter der Stirn und der Faust, der täglich seinen Beruf für das Volk ausübt, will als erster in diesem Jahre im Winterhilfswerk 1936/37 für alle die, die noch Not und Hunger kennen, einsatzbereit sein.
Wo in der Welt gibt es noch einmal ein Bei-
Das Deutsche Volksbildungswerk in der NSG. „Kraft durch Freude" bringt im Monat Oktober folgende Vorträge und Veranstaltungen:
Am 16. Oktober, abends 8.30 Uhr, in der Aula des Gymnasiums Eröffnung des Volksbildungswerkes im Kreise Gießen.
22. Oktober, abends 8.15 Uhr, im Hörsaal des Kunstgesch. Instituts. Oberh. Geschichtsoerein: Prof. Dr. Bechtel spricht über „Raumforschung, angewandt auf das Lahngebiet".
26. Oktober, abends 8 Uhr, in der Aula der Universität. Goethe-Bund: Kundgebung aus Anlaß der „Woche des Deutschen Buches". Robert Hohl- b a u m und Josef Weinheber lesen aus eigenen Werken. . ..
27. Oktober, abends 8.30 Uhr, in Lang-Gons: Prof. Dr. S e f s 0 u s „Fragen aus der deutschen Ernährungswirtschaft". (Lichtbildervortrag.)
29. Oktober, abends 8.30 Uhr, Dorfgemeinfchafts- abend Londorf: Prof. Dr. Meyer-Bark- Ha u f e n „Das Deutsche Bauernhaus". (Lichtbildervortrag.)
Oer Patenwein fand guten Absatz.
Im Verlaufe der Werbung für den Verbrauch deutschen Weines wurden in Gießen von dem Patenwein 44150 Liter, gegenüber 40 599 Liter un Vorjahre, ausgeschenkt. Der Verbrauch stellt in diesem Jahre also eine lOproz. Steigerung gegenüber dem Vorjahre dar. Von den 44150 Litern Paten» wein entfallen auf den Wein aus Gau-Odernheim 39 750 Liter, auf den Tropfen aus Oppenheim 4400 Liter.
** Silberne Hochzeit. Am morgigen Mittwoch, 14. Oktober kann das Ehepaar Herman Goß, Gartenstraße 3 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen.
** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 10. Oktober verstorben in Gießen: Gießener: 1. 10.: Eva Maria Schober, 26 Jahre alt, techn. Lehrerin, Wilhelmstraße 14; '3. 10.: Heinrich Hof, Reichsbahnzugführer i. R., 74 Jahre alt, Wilsonstrpße 10; 5. 10: Heinrich Wilhelm Hochstadt, Verwaltungsinspektor, 42 Jahre alt, Gnauthstraße 34- 7. 10: Johann Pflicht, Steuerbetriebsassistent i. R.,' 71 Jahre alt; Liebigstraße 103; 7. 10.: Fried- rich Wilhelm Ernst Riebel, Res.-Lok.-Führer i. R.,
Den Abschluß der diesjährigen Sommer-Urlaubsfahrten bildet die Fahrt nach Berlin vom 21. bis ' -. Der Teilnehmerpreis (einschl. Unter-
Der Arbeiter, er hat bitter empfinden müssen, was es heißt, Hunger zu haben, Not und Elend mitzumachen; er will mit ehrlichem, freudigen Herzen seine Kräfte für diese Sache dem deutschen Volke zur Verfügung stellen. Die Arbeiterschaft will cn diesem Tag nicht nur dem deutschen Volke, sondern der ganzen Welt zeigen, wie stark sie heute nach knapp 4 Jahren ausgerichtet ist und daß sie nur von dem «einen beseelt ist, dem Volke, in dem sie leben, in friedlicher Arbeit zu dienen.
Und so wird auch im Gau Hessen-Nassau die erste Reichs-Strahensammlung von Erfolg sein und zeigen, daß die ganze Arbeiterschaft für diese Sammlung zur Stelle ist. Er, der Arbeiter, wird am 17. und 18. Oktober dich auffordern, deutscher Volksgenosse, zu opfern, damit die Gemeinschaftsleistung, die der Führer von uns fordert, von Erfolg gekrönt ist.
Spendet alle am 17. und 18. Oktober dem Arbeiter das Opfer für das Winterhilfswerk!
eben auf den Tag, wo ich den Betrieb hier satt kriege. Da kann er lange warten. Es sei denn —" „Was?" Das Aepfelchen sitzt auf dem Großvater- stuhl, die letzte Errungenschaft von daheim, und ist leibhaftig gewordene Neugierde. Das Thema John Herbing ist rasend interessant.
„Daß wir heiraten."
„Heiraten?" Liefet denkt einen Augenblick angestrengt nach, aber dann sagt sie: „Ich finde, daß der nicht so aussieht, als ob er heiraten will. Verlieb dich man nicht zu toll, du hast bloß das Nachsehen."
Da schlägt draußen die Ladenklingel an und holt sie hinaus zu einem Viertel Pfund Butter und sechs Brötchen. Hanna Brandes sieht ihr gedankenvoll nach. Sie denkt an Paul Laverenz und findet eine merkwürdige Aehnlichkeit der Auffassungen bet ihm und Liesel. Er hat sie aus der Erkenntnis seines Verstandes und der Beobachtung und Liesel Gottschalk aus dem primitiven Instinkt der Frau heraus. Beide haben sie Unrecht, — recht hat nur sie, weil sie ihn liebt. . . .
Sie atmet tief auf und fährt in den Kittel. Dann geht sie in den Laden und stellt sich neben Liesel auf. Sie hört gerade noch, wie das Aepfelchen zusammenrechnet und hat dann Gelegenheit, einen Mann in blauem Monteuranzug zu fragen, was er will. Flasche Milch mit Halm und zwo Schrippen. Der Verkauf klappt, und Hanna ist stolz, sie braucht nicht einmal Liesel zu fragen, was das kostet, denn der Mann legt das Geld abgezählt auf den Glasteller. Als sie wieder allein sind, muß Liesel Preise nennen und ihr zeigen, wie man Wurst schneidet.
Heute abend Wiederholung des ersten Operetten« Erfolges der neuen Spielzeit „Der Bettelstudent", Operette von Carl Millöcker. Spielleitung: Paul Wrede. Musikalische Leitung: Hans Hampel. Anfang 20 Uhr; Ende 23 Uhr. Dienstag-Miete. 4. Vorstellung.
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Buch. .
In diesem Augenblick hielt der Zug mit einem leichten Ruck. Im Gang entstand ein Gewühl von hin- und herhetzenden Reisenden. Schließlich kam ein Herr ins Abteil. Er legte seinen Koffer ins Gepäcknetz und wollte wieder hinausgehen.
„Verzeihung!" sagte da die Lesende, welche Station haben wir? Der Herr nannte, sich umdrehend, eine Stadt — worauf die junge Frau bestürzt aufsprang, ihr Täschchen über die Schulter hing, Willi!" rief und aus dem Abteil stürmte. Mit einer Verwünschung stopfte der junge Mann „Illustrierte" und Bleistift in seine Rocktasche, packte eine große Reisetasche und eine Mappe und hastete mit unverständlichem Gemurmel hinterdrein.
Gleich danach zog der Zug an. Ein älterer Herr lochte belustigt auf. „Na", sagte er, „da haben sie ja Glück gehabt! Vor lauter Rätselraten , er schüttelte den Kopf, „wären sie beinahe sitzen geblieben!
„Ich hätte mich nicht so examinieren lassen! betonte eine jüngere Dame, und ihre Nachbarin pflichtete ihr bei. Vom Rätsellösen war das Gespräch
hältst."
„Und dein glücklicher Verehrer Herbing? Dem gefällt das wohl, wie?"
Hanna Brandes bekommt einen roten Kopf.
„Er hat gelacht, als ich es ihm erzählt habe. Er hat seinen Besuch in Aussicht gestellt und will nur von mir bedient werden. Er nimmt die ganze Geschichte von der humoristischen Seite und wartet
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Omnibusfahrten.
Am Sonntag, 18. Oktober, finden folgende Omnibusfahrten statt: 1. Wiederholung der Fahrt nach Wiesbaden. 2. Fahrt nach Frankfurt zur Besichtigung des Weltflughafens. Der Fahrpreis wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Anmeldungen können umgehend noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden.
Am Samstag, 31. Oktober, 2. Sondervorstellung im Stadttheater Gießen, „Der B e t t e l st u d e n t". Die Karten können ab sofort bei den Betrieswarten und auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bestellt werden.
Der Missionskursus zu Gießen.
Der Missionskursus des Oberhessischen Vereins für Basler Mission nahm am gestrigen Montagabend im Johannessaal, der dicht gefüllt war, seinen verheißungsvollen Anfang in Fopm eines schlichten Begrüßungsabends. Der evangelische Kirchengesangverein Gießen (Dirigent Herr Nebeling) machte sich durch den exakten Vortrag zweier Chöre, am Anfang und am Schluffe, um den Abend verdient. Dekan a. D. G u ß m a n n, der Vorsitzende des Oberhessischen Vereins für Basel, begrüßte die zahlreich Erschienenen, insbesondere den zur allgemeinen Freude erschienenen Vorsitzenden des Landeskirchenausschusses der eo. Kirche Nassau- Hessen, Oberkirchenrat Zentgraf, den Vertreter der Propstei Oberhessen, Propst Knodt-Gießen, den Vertreter der theol. Fakultät, Prof. R u - d 0 lph, den Vertreter der Gesamtgemeinde Gießen Pfarrer A u s f e l d-Gießen, dann den Vertreter des Dekanates Gießen, Dekan Sattler- Wiefeck
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Sie kennen die Parole des Führers und folgen gerne, ihm verdanken sie heute ihr inhaltsreiches Leben, ihm verdanken sie heute alles, als Arbeiter dieses schaffenden Volkes sehen und schauen zu dürfen. Er, der Führer, er hat ihnen das gegeben, was man ihnen mit Unrecht vorenthalten hat. Es ist ein mächtiges Bekenntnis zum Führer, zu feiner Arbeit, wenn es heißt, die schaffende Front, die Arbeiter oder die Soldaten stehen im Kampf für
„Das ist ja schrecklich! Du kannst es natürlich fabelhaft. Scheiben wie ein Blatt, -r- aber dir fehlt trotzdem eine Maschine, mein Kind."
Mir fehlt mehr als eine Maschine, mir fehlt vor allem das Geld, um mir diese Bequemlichkeit zuzulegen, Geliebte," antwortet Liesel gelassen und putzt ihre langen Messer an einem Tuch ab.
„Dann paß mal die nächste halbe Stunde allein auf deinen Laden auf!" Hanna zieht sich wren Kittel wieder aus, setzt ihre weiße Mutze auf und geht noch einmal ins Zimmer zurück. Mit einem Buch kommt sie wieder. „Ich muß unbedingt mal in die Leihbücherei, das Luch „Agnes und Florian" ist längst fällig."
spiel, daß Millionen von Arbeitern sich in ihrer Freizeit für das Wohl ihrer Mitmenschen einsehen? Gleich, ob Betriebssichrer oder Ingenieur in der Fabrik beschäftigte Arbeiter,
wurde von verschiedenen Seiten beleuchtet und abgegrenzt. Da Vertreter beider Geschlechter in fast gleicher Zahl vorhanden waren, und die lange Stille vorher den Redefluß aufgestaut hatte wie Wasser hinter Wehren sich sammelt, sprudelten jetzt die Gespräche hin und her, und die Gesichter strahlten einander wohlwollend und munter an.
So dankten sie doch alle zuguterletzt, wenn auch nur heimlich im Herzen, dem albernen Reisegefährten, daß er mit seiner überstürzten Flucht die lastende Stille von ihnen genommen und ihnen eine so heitere Stunde geschenkt hatte. P. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
NS.-Lehrerbund, Geschichtliche Arbeitsgemeinschaft, 17.30 Uhr im Seminarzimmer der Oberreal- schule. — Stadttheater, 20 bis 23 Uhr „Der Bettelstudent". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Verräter". — Lichtspielhaus, Bahnhofltraße: „Der Bettelstudent". — Oberhessischer Verein für Basler Mission. 20.30 Uhr: Beginn des Missionskursus im Johan-
fie also nicht sonderlich zu fesseln, da sie sich so kaltblütig die Portionen im voraus abmessen konnte. Unterdessen hatte sich der junge Mann, das Haupt nachdenklich in die aufgestützte Linke gelegt, über die Zeitung auf der kleinen Tischplatte gebeugt, wobei Daumen und Zeigefinger seiner Rechten ruh- los den Silberstift drehten. Vier Gesichter, ihm gegenüber, und zwei auf der gleichen Sitzseite, die nicht wußten, wohin mit ihren Augen, ahnten eine unterhaltsame Ablenkung und schmunzelten hinüber. Man brauchte nicht mehr so angestrengt nach der Landschaft, in den Wagengang oder auf seine Fußspitzen zu blicken.
„Einen Städtenamen!" sagte plötzlich der junge Mann, als frage ein Lehrer einen Schüler und drehte sich nach seiner Frau um. „Mit fünf Buchstaben", fügte er feiner Frage hinzu.
Sie sah einen Augenblick aus ihrem Buch auf und sagte: „Mainz — Trier — Essen ..." „Mit l am Schluß", unterbrach er sie kopfschüttelnd. „Das Schluß-L liegt fest!"
„Memel!" sagte die Frau, ein wenig errötend, da sie mit einem Blick sah, daß alle Gesichter an ihr hingen.
„Danke!" jubelte der junge Mann und malte die Buchstaben in die betreffenden Quadrate ein.
„(Eine Giftschlange mit drei Buchstaben!" verlangte er eine Weile danach, wobei er seine Stimme fast zum Flüstern dämpfte, weil er auf einigen Gesichtern ein Lächeln sah.
Die Frau ließ sich in ihrer Lektüre nicht stören. „Ein deutscher Dichter mit sechs?" drängte er und tippte er Leserin mit seinem Silbernagel auf das
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Draußen ist sie. Sie geht nicht gleich zur Bücherei, sie sucht in den Straßen nach einem Haushaltungsgeschäft, und als sie es am Wittenbergplatz gefunden hat, ersteht sie eine schöne Schneidemaschine für Liesels Würste und Schinken. Man soll sie umgehend in die Molkerei Gottschalk, Augs- durger Straße 10, schicken; nun erst sucht sie Leonhardt im Wolde auf.
„Sie dachten wohl, ich sei mit Florian durchgegangen?", begrüßt sie ihn lebhaft. Sie geben sich die Hand wie alte Bekannte, und Hanna kommt einer Frage zuvor. „Mit diesem Florian kann man wirklich durchbrennen, vielleicht hätte ich es heute auch fertig gebracht. Eine Liebesgeschichte, aber sie ist gut."
„Früher hätte ich keine Einstellung dazu finden können, heute kann ich es. Weil John da ist!", denkt sie.
Sie bleibt lange in der kleinen Bücherei, ab und zu kommt ein Kunde, jeder hat andere Interessen, und es ist zu bewundern, wie genau der junge Sturmführer Bescheid weiß. Er ist in Uniform, wirkt noch schlanker als sonst. Er ist überhaupt eine Augenweide, findet Hanna Brandes. Frisch, gesund, vergnügt und liebenswürdig. , Der Laden muß ja gehen. Dann sind sie wieder allein, und Leonhardt im Wolde holt ein neues Buch.
„Keine Liebesgeschichte, Fräulein Brandes. Ein Stück aus dem Leben eines jungen Menschen. Ein gut Stück Kampf, ein klein wenig Glück und Erfolg und eine ganz große Bescheidenheit. Das macht das Buch aus."
Leonhardt im Wolde legt es in die gepflegte Frauenhand und tut es mit voller Absicht. Es steht ihm so aus, als habe dieses elegante Mädchen mit dem etwas hochmütigen Gesichtsausdruck nicht allzu ■ tief in die neue Zeit hineingefuhlt, vielleicht ist ste ganz spurlos an ihr vorübergegangen. Hanna bläh t tert und lieft im Buch herum. Dann sieht sie auf.
„Sie meinen, daß es mir gefallen wird?"
1 „Gefallen? Ich weiß nicht. Aber vielleicht ist es
1 Es bleibt minutenlang still. $)anna ift ehrlich zu 1 sich selbst, sie weiß genau, was der Morni von ihr l sagen will, und sie gesteht ihm auch unumwunden - das Recht dazu zu.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Toter wird lebendig
Es klingelte. Als stünde der leibhaftige Gottseibeiuns draußen, so fuhr Frau Hase zusammen, als sie die Tür öffnete. Da stand aber bloß der Gasmann und sagte, er wolle den Zähler nachsehen ... „Ich denke, Sie sind tot?" faßte sich Frau Hase endlich. „Vorgestern war doch schon einer hier, der sagte, er wäre Ihr Nachfolger! Und 5 Mark 80 hat er auch kassiert!"
Es war alles Schwindel. Das Gaswerk hatte langst eine Warnung einrücken lasten. Und gestern stand schon zu lesen, daß der falsche Gasmann inzwischen auf frischer Tat ertappt sei!
Bloß Hases wußten von nichts ..
Tja - hätten sie Zeitung gelesen!
Die warnt beizeiten: Sieh dich vor, sonst hau'n dich Gauner übers Ohr'
bald in größere und wichtigere Bezirke vorgestoßen. 27. Oktober Das Verhältnis von Mann und Frau zueinander l kunft und 5
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oer Rätsellöser.
Er hakte einen Fensterplatz im Abteil. Da konnte er, wie in allen O-Zugwagen, ein Brett waagrecht aufklappen wie zu einer kleinen Tischplatte. Auf diesem Tischchen vor ihm lag die „Illustrierte".
Als sich der Zug in Bewegung setzte, zückte er seine Brieftasche, entnahm ihr einen silbernen Bleistift und drehte bedächtig die Mine auf fchreibfertig. Danach flüsterte er seiner schönen Nachbarin, die jung wie er und wahrscheinlich seine Frau war, etwas zu, worauf diese lächelnd aus ihrer Handtasche ein Buch zog und darin zu lesen begann. Sie hatte den Band ungefähr in der Mitte aufgeschlagen, wo als Buchzeiger eine beschriebene Ansichtskarte lag. Jetzt schob sie den Zeiger einige Seiten dahinter, wo, wie ich bei ihrem Blättern bemerkte, ein Kapitel zu Ende war. Die Lektüre schien
„Natürlich sind sie. Wer soll denn auch hier । stehen und den Leuten die Wurst und den Käse ab- I säbeln?"
„Na, eben ich, du kleines Schaf!" meinte Hanna 1 gelassen. Sie geht an Liesel vorbei ins Wohn- । zimmer. Dort setzt sie ihren kleinen Koffer ab und packt ihn aus. Viel ist nicht darin. „Drei weiße Kittel hat mir Ida genäht, sie hat schrecklich gern wissen wollen, wozu ich die brauche, da habe ich ihr endlich gesagt, daß du sie haben sollst. Sonst hätte die gute Seele ja doch der Schlag gerührt, geheult hat sie genug, als sie hörte, daß ich weg wollte."
„Mir will das auch gar nicht in den Kopf, Hanna! Ich wäre da doch nicht gleich auf und davon gelaufen —, ich —"
„Du bist ja auch nicht daheim geblieben, als dem Bruder heiratete. Und das war nur der Bruder, hier ist es mein Vater. Du brauchst gar nicht zu stöhnen. Hier sind ein paar bequeme Schuhe, fo ganz bin ich ja auf das Hinter-dem-Ladentisch- stehen nicht geeicht. So ganz ernst brauchen wir das ja unter uns auch nicht zu nehmen, Liefe!. Auf Gehalt verzichte ich großzügig, ich volontiere erst mal in Milch, Käse, Wurst."
„Wenn du doch nur mal vernünftig reden wurdest, jetzt schneist du mir einfach hier herein und erklärst, Verkäuferin bei mir werden zu wollen. Als ob es ja nun für dich, wenn du durchaus arbeiten willst, nicht was Vernünftigeres gäbe!"
Liefe! Gottschalk ist wütend, sie fühlt sich veralbert, und das konnte sie schon als Schulmädchen nicht ausstehen. Aber Hanna Brandes läßt sich nicht stören.
„Es gibt eben nichts Vernünftigeres für mich. Paul Laverenz hat mir ein diesbezügliches Kapitel gelesen, und ich habe es akzeptiert. Ich leugne nicht ab, daß er mich doch in sein Lektorat gesteckt hätte, wenn er wüßte, daß ich hier bei dir in die Lehre hehe. Ich bitte mir aus, daß du reinen Mund
Das ist eine Wandlung, die ich freudig begrübe, Hanna. Ich will nicht fragen, was dich letzten Endes dazu bewogen hat, ich will mich nur an Tue Tatsache halten.
Wenn du den Wunsch hast, das Haus zu — verlassen, so will ich dir nicht hinderlich sein, im Ge- aenteil, ich will alles tun, um deinen Wünschen nach eigener Bequemlichkeit gerecht 3" werden. Hanna, Kind -" Es ist ein warmer Klang in der Stimme des Anwalts, er faßt feiner Tochter um die Schultern, er weiß um den Ernst dieser Stunde und ist Hanna dankbar dafür, daß sie das einzige Hindernis aus dem Weg raumt das Melanie Morholt und ihn getrennt hielten, ihren Widerstand.
Er will viel für feine Tochter tun, er spricht von einer kleinen Wohnung und von Ida, die sie versorgen soll. Er schenkt ihr das blaue Mercedes- Kabriolett und sagt zum Schluß:
„Ich weiß, daß ich mich auf dich verlassen kann, $ Ganz versteht Hanna den Sinn dieser Worte nicht, sie sagt überhaupt nicht viel zu dem, was ihr Vater ihr anbietet. Sie hat ihre eigenen Gedank n und Pläne, sie sehen ganz anders aus und wurden ihrem Vater viel von der Freude an ihrem Entschluß nehmen, wenn er sie kennen wurde.
11. Kapitel.
„Du willst doch nicht behaupten, daß das dein Ernst ist!" Liesel Gottschalk fuchtelt so aufgeregt mit dem langen Wurstmesser.
daß Hanna Brandes sich zwei Schritte zuruckzieht.
„Natürlich ist das mein Ernst! Bitte lege mal das Messer aus der Hand. Du sollst überhaupt nicht so forsch mit deinen Händen reden, ste sind noch • immer nicht ganz gesund."
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Roman von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G.m.b.H., Berlin SW 68
und die Kreisvorsitzende des Verbandes der eaang. kirchlichen Frauenhilfen im Kreise Gießen, Frau K r e u d e r-Gießen. Er betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß, weil es sich um die Abhaltung eines kirchlichen Kursus handle, auch nur die Vertreter der kirchlichen Organisationen als Ehrengäste eingeladen worden seien. Letztere richteten in der ' vorgenannten Reihenfolge herzliche Worte an die Versammlung, immer den inneren Zusammenhang zwischen Kirche und Mission betonend. Nach Mitteilung einiger geschäftlicher Dinge und nach dem Vortrag des Schlußliedes des Kirchengesangvereins, dem der Vorsitzende den gebührenden Dank für feine Mitwirkung aussprach, wurde der harmonisch verlaufene Begrüßungsabend geschlossen.
6,1 Grad Kälte!
In diesem Jahr haben sich früh Temperaturen um den Gefrierpunkt eingestellt. Die bisherigen Temperaturen des Oktober waren viel zu niedrig. In der Nacht zum Montag ist es sogar zu N a ch t f r ö st e n gekommen. Die Flugplatz-Wetterwarte hat eine niedrigste Temperatur von minus 6,1 Grad festgestellt. Das Observatorium auf dem Kleinen gelt) berg meldet minus 2 Grad. Danach war es in den tiefer gelegenen Gegenden kälter als in den Gebirgslagen. In den Tälern, besonders im Niddatal, kam es zu starker Re if bitt) ung.
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