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Kür -en Büchertisch.

Die Mutter Friedrichs des Großen

steht, von Bedeutung ist.

e.

Charakterbild dieser Frauen zu entwerfen, das der, bis zur letzten Seite. Wahrheit nahekommen mag, soweit Akten, Briese,!

Känguruhs, Kopra und Korallen

Die Vliese der Fürstin Marie RadziwE

nicht leicht, aber darum lohnt es auch, mit ihm zu reisen. Bei Port Darwin, dem Hasen des australi­schen Nordterritoriums, betritt er den jüngst entdeck- ten, kleinsten aber auch menschenleersten Kontinent. Als Cowboy auf einer der großen Viehstationen des Nordens lernt er die Probleme Australiens in der Praxis kennen. Die Urbevölkerung, auf der Kultur­stufe der Steinzeit stehen geblieben, anscheinend kaum entwicklungsfähig ist vom weißen Mann in Steppe und Busch zurückgedrängt, wo ihre Reste, dem Un­tergang verfallen, kümmerlich ihr Leben fristen. Aber der weiße Mann hat den Riesenraum des Kontinents nicht auszufüllen vermocht. Auf einer Fläche von der ungefähren Größe der Vereinigten Staaten mit ihren 120 Millionen siedeln kaum sieben Millionen, von denen fast die Hälfte sich in den fünf Großstädten an der Küste zusammengedrängt. Die weiten Steppen des Innern gehören den Riesenher­den der Rinder und Schafe, die von den wenigen weißen Leitern der Viehstationen mit Hilfe von

Fürstin Marie Radziwill: Briefe vom deutschen Kaiserhof 18 8 91915. Mit 31 Bildern. Preis in Leinen geb. 8,00 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. (280) Die Fürstin Marie Radziwill ist Französin, eine geborene Castellane, durch ihre Großmutter, die Herzogin von Dino und Sagan, verwandt mit Talleyrand, dem wandlungsfähigen Außenminister des ersten Napoleon, und der Herzogin Dorothea von Kur­land, der Freundin Jean Pauls. Sie macht diesem Erbe alle Ehre: eine gescheite, hochgebildete Frau, die aber bei allem Interesse für die Politik in wei­ser Selbstbeherrschung darauf verzichtet, selber eine politische Rolle zu spielen, sondern sich bewußt mit kluger Beobachtung begnügt. Als Gattin des Für­sten Anton Radziwill kommt sie 1857 nach Berlin. Die Radziwills, polnisch-litauischer Uradel, mit dem preußischen Königshaus mehrfach versippt, gehören seit länger als einem Jahrhundert am Berliner Hof zum intimsten Kreise der Majestäten. Fürst An­ton ist ein Jugendfreund des Alten Kaisers, seine junge Frau wird bald die Vertraute des Königin Augusta, daraus erklärt sich ihre Einstellung zu Bismarck, den sie bewundern muß, aber nicht lieben kann. Als gebürtige Französin, die zwar eine gute Deutsche geworden ist, mit starkem nationalen Ge­fühl der Zugehörigkeit zu ihrer Wahlheimat und dem preußischen Herrscherhaus, hat sie bei Wilhelm II. von vornherein einen Stein im Brett, denn der junge Kaiser ist emsig bemüht, durch Verbindungen mit der französischen Aristokratie und versönliche Liebenswürdigkeit bei allen sich bietenden Gelegen­heiten den Groll des französischen Volkes über die Niederlage von 1870/71 zu beschwichtigen, eine Politik, die ja auch Bismarck, wenn auch ohne dauerhafte Erfolge, versucht hatte. Der große Charme des jungen Kaisers bezaubert auch die Fürstin Rad­ziwill, aber sie hat einen zu scharfen Blick und ist ein zu aufrichtiger Charakter, um nicht bald die wachsende innere Unsicherheit des Monarchen zu bemerken, der die Hohlheit und Unaufrichtigkeit so vieler Leute seiner engsten Umgebung nicht durchschaut und den unheilvollen Zickzackkurs der Außenpolitik Holsteins und Bülows durch impul­sive Aeußerungen noch verstärkt. So sieht die Für­stin schon um die Jahrhundertwende mit erschüt­ternder Deutlichkeit di« wachsende Isolierung des

A. E. Johann: ... , .

und Korallen, Abenteuer und Erlebnisse in Australien und der Südsee. Mit vielen Bildern und Karten. Preis in Leinen geb. 6, RM. Verlag Ull­stein, Berlin. (262) Als erste Frucht der Aus- beute von einem Bummel durch die halbe Welt hat A. E. Johann seine Erlebnisse in Australien und der Südsee niedergeschrieben. Johann hat seine eigene Art, sich Länder und Völker anzusehen. Er meidet die breiten, viel begangenen Reisewege der Globetrotter, die nichts auslassen, was man gesehen haben muß, aber stets an der Oberfläche haften bleiben Er zieht vielmehr seinen eigenen Pfad, ihn drängt nichts, er hat immer Zeit, zu verweilen, wo er glaubt, daß er einen interessanten Blick tun könnte in die Seele des Landes. Er macht es sich

E. 11. Nozer: Außenpolitik. Geogra­phische und weltanschauliche Zusammenhänge. Ger­hard Stalling-Derlag, Oldenburg i. O. Kart. 4,, in Ganzl. 4,80 RM. (267) Für viele ist die Außenpolitik noch immer eine Art Geheimwissen­schaft. Zwar hat der Führer in den letzten Jahren durch Wort und Tat dem Volk wieder den Blick geöffnet für die großen Zusammenhänge der inter­nationalen Politik, trotzem ist es Tatsache, daß im Gegensatz zur Geisteshaltung der westlichen Länder das politische Denken des Durchschnittsdeutschen in hohem Grad festländisch, ja kleinräumig geblieben ist ein Mangel, den nur eine intensive Aufklä- rungs- und Schulungsarbeit beheben kann. Der Ver­fasser des vorliegenden Buches hat seine Erfahrun­gen als Schulungsreferent in einer Kampfgliederung der nationalsozialistischen Bewegung gewonnen, und man kann sagen, daß die schriftliche Zusammenfas­sung und Verwertung dieses Erfahrungsschatzes schlechthin vorbildlich gelungen ist. Sie ist frisch, lebendig, bringt in gedrängter Kürze doch alles Wesentliche, ohne in den Ton eines Nachschlage­werkes zu verfallen. Auf nur 35 Seiten werden die Grundlagen der Außenpolitik, ihre natürlichen Bedingtheiten und weltanschaulichen Triebfedern, aufgezeigt und an Fällen der Geschichte erläutert. Den bei weitem aber größten Raum nehmen die Beispiele ein, die Sowjetrußlond, England, Frank­reich, Italien, USA., Japan und schließlich Deutsch­land als Träger weltpolitischen Handelns bieten. Die Handhaben des Verständnisses, etwa für die Dölkerbundsliebe der Engländer oder die Deutschen­furcht der Franzosen, sind ausgezeichnet. Sie bergen nebenbei auch für den, der sich viel mit Außen­politik beschäftigt, noch manche Ueberraschung. Man­ches Vorurteil, manche falsche Meinung über die Beweggründe der auswärtigen Politik wird hier berichtigt, und wir lesen dieses Lehrbuch der Außen­politik um so lieber, als es ein Unterhaltungsbuch ist. Ev.

Graf Weftarp: Konservative Po­litik im letzten Jahrzehnt des Kaiser­reichs. Band II. Von 1914 bis 1918. Deutsche Verlagsgesellschaft m. b. H., Berlin SW 11. Preis 12 Mark. (243) Es ist einigermaßen müh­sam, sich überhaupt erst in die politische Atmosphäre dieses Reiches zurückzuversetzen, doppelt mühsam für den Frontsoldaten, der von den politischen Kämpfen der Heimat doch nur ein allgemeines, in den Einzel­heiten verschwommenes Bild erhalten hat, und für den heutigen Leser aus der allem Parlamentarischen so ganz fernen Gegenwart heraus. Und doch muß gesagt werden, daß sich bei dem Buch des Grafen Westarp die Mühe lohnt, weil hier ein Mann zur Feder gegriffen hat, dem es vor seinem Gewissen bitterer Ernst ist mit der Verantwortung für das furchtbare Geschehen dieser Jahre, der zu stolz und aufrichttg, zu vornehm im besten Sinne ist, um auch nur etwas zu beschönigen, was ihm und ferner Partei als Schuld ausgelegt werden konnte. Ohne weiche Klagen und Selbstvorwürfe bekennt er sich zu Irrtümern und Fehlentschlüssen, wo sich solche in seiner zurückgewandten Betrachtung ergeben haben, aber in der großen Linie steht er noch J)«ute zu der politischen Grundauffassung, die die Konserva­tiven über die Aufgabe von Regierung und Volk im Weltkrieg immer und unbeirrt vertreten haben. Sie mußte sie sehr bald in Widerspruch bringen mit der Politik des ersten Kriegskanzlers Bethmann- Hollweg, der es weder gelang, im Innern einen «inziaen starken Valkswillen zu schaffen und suc die Kriegführung einzusetzen, nach nach außen ine gänzliche Isolierung Deutschlands zu D^mbern. Sa schnell es sich herausstellte, daß der Rercds- kanzler nicht die starke Persönlich °,t war die d e Führung sch in der Hand befiel , so sehr mußte eine Debatte über Krieg-Ziele, U-Boote, Emsatz der Flotte u. o., die ohne starke und Mb-wußte Lenkung von oben blieb, ja dort nur

beit, Zerfahrenheit, persönliche Empftndichkeit spürte, die innere Geschlossenheit des Volkes^schwa chen. Geradezu tödlich mußte es aber auf den Si 'Q* willen der inneren Front wirken, als nun lang um­strittene innerpolittsche Probleme wie daspreußi $e Wahlrecht, die Polenpolitik, Vereinsgesetz und schließlich das parlamentarische Regiment in bi« öffc^tliche Debatte gezogen und zu Handelsobjekten zw^en Regierung und Reichstagsmehrheit wur­den Auch hier verhinderte Schwache und ^schluß- lasigkeit der politischen Führung des Reiches eine ganze Tat, die das Volk mit m die volle Verant­wortung hätte hineinstellen aussen, ohne die Len kung aus der Hand zu geben. Sta starker Hand die notwendigen Reformen zu dekretieren, ließ die Regierung sich nach zermürbenden Debatten unzulängliche und halbe Zugeständnisse anden demokratischen Zeitgeist abrmgen, die psychologisch ohne Wert blieben, weil jede von ihnen in ben Augen der öffentlichen Meinung eine Niederlage der politischen Führung des Reichs bedeutete Es ist der tief erschütternde Eindruck dieses Buches, dessen Lektüre durch die peinlich sorgfalttge Zu- fammentragung aller dokumentarisch festgehaltenen Einzelheiten nicht ganz leicht ist, daß das Versagen des politischen Systems in der Hand unzulänglicher Männer es verhindert hat, durch eine starte, un-

Fritz Reck-Malleczewen: Sophie Dorothee, Mutter Friedrichs des Gro- ß e n. Mit 16 Abbildungen. Breis kart. 4,50 RM., Schützen-Verlag Berlin. (257.) Das inter- ehante, wenn auch in Stil und Auffassung oft recht eigenwillige Buch gilt mehr der Ahnensorschuna als dem historischen Portrait. Das Stuartblut wird durch die Reihe der weiblichen Ahnen des großen Preußenkönigs verfolgt, um dieses rätselvollen Man­nes Menschentum zu deuten. EinBuch der Müt­ter" nennt es der Verfasser und er holt weit aus bis zu jener Ahnfrau Maria Stuart, die in der allertiefsten Erniedrigung noch Königin blieb, aber neben einer unerhörten Lebenskraft schon alle An­lagen zeigte, die mit ihren Nachkommen als das dämonische Element in die hausbackenen deutschen Fürstengeschlechter einbrechen. In der weiblichen Ahnenreihe des großen Königs finden wir jo in vielen Farben schillernde Frauen, wie Elisabeth, die Gattin des unglücklichen Winterkönigs, und deren kluge Tochter Soplie, die noch die Geburt des Siegers von Leuthen erleben soll, weiter die Fran­zösin Eleonore d'Olbreux, Frau Herzogs Georg Wilhelm von Braunschweig-Celle, und die geheim­nisumwitterte Staatsgefangene von Ahlden, die ältere Sophie Dorothee, Gattin des ersten engli­schen Königs aus dem Hause Hannover, die ihre Liebe zu dem Grafen Königsmarck mit dreißigjähri­ger Haft büßen muß. Der Verfasser hat versucht, auf Grund sehr eingehender Archivstudien ein

aber die gelbe Welt, vor allem der Japaner, der für seinen gewaltigen Bevölkerungsüberschuß nur hier im warmen Süden den seiner Rasse gemäßen Sied­lungsraum findet. Johanns Reise geht weiter über das glückliche Neuseeland in die entromantisierte Südsee, wo heute überall Chinesen und Japaner schon Fuß gefaßt haben, nach Hawai, dem seltsamen Mischkessel aller Rassen mitten im Pazifik, heute Vorposten Amerikas gegen die japanische Groß­macht. Das Lebensschicksal von ein paar Menschen, wie sie nur diesem Weltenbummler begegnen konn­ten, erhellt die ganze Problematik dieses Meeres künftiger großer Entscheidungen besser, als weit­schweifige politische Auseinandersetzungen es je zu tun vermöchten. Der Verlag kündigt drei weitere Bücher des Verfassers über seine Erlebnisse in Nord­amerika, Ostasien und Jnsulinde an. Wir freuen uns dessen, denn mit Johanns Augen die Welt sehen zu lernen ist ein Gewinn.e

ten erteilt dieses durch Sichtung eines kaum mehr zu bewältigenden Stoffes, durch klare Gliederung und Darstellung aufschlußreiche, das Wesentliche zu­sammenfassende Werk Auskunft Zugleich gibt es als zeitgeschichtliches Quellenbuch wichtige Urkun­den, Verträge, polittsche Reden, grundlegende Ge­setze, Erlasse, Verlautbarurigen maßgebender Män­ner im Wortlaut ober Auszug wieder. Anmerkun­gen heben das neueste Schrifttum hervor und er­leichtern eine Vertiefung in einzelne Sachgebilde.

abhängige Staatsführung mit rücksichtsloser Energie dem Volke den Siegeswillen zu erhalten, der No­vemberzusammenbruch und Versailler Diktat allein hätte verhindern können.e.

Egelhaafs HI st arisch-politische Jahres Übersicht für 1935. Von Otto Lier- manh. Carl Krabbe Verlag Erich Gußmann in Stuttgart. Geheftet: RM. 12., gebunden RM. 14. (242.) lieber die zwischenstaatlichen Beziehun­gen, die deutsche Innenpolitik, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der ausländischen Staa-

Reiches in einer Welt, die sich mehr und mehr zum Vernichtungskampf gegen Deutschland zusammen­schließt. Die Fürstin Radziwill hat ihre politischen Beobachtungen in einem umfangreichen Brief­wechsel mit dem italienischen General Robilant niedergelegt, mit dem sie seit dessen Berliner Aufent­halt als Militärattache enge Freundschaft verband. Die Briefe sind ein Jahrzehnt nach ihrem Tode in vier Bänden veröffentlicht. Aus ihnen hat Paul W i e g l e r, bekannt als Biograph des Alten Kai­sers, die ihm besonders charakteristisch dünkenden ausgewählt und übersetzt. Er hat auch mit guter Kenntnis der kleinsten Einzelheiten den verbinden­den Text geschrieben, so daß man ein sehr geschlos­senes Bild erhält. Es ist mancher Hofklatsch über Kabalen und Intrigen unterlaufen. Die allzu nahe Sicht macht den Blick der Fürstin oft überscharf und die von ihr gezeichneten Konturen gelegentlich er­barmungslos deutlich. Die von Wiegler getroffene Auswahl hat dies eher noch gefördert, wie ja schon seine Kaiserbiographie dazu neigte, zur Erhellung der Atmosphäre das Anekdotische ungebührlich breit herauszustellen. Aber die persönlichen Eindrücke der Fürstin und ihre Beobachtung des großen politi­schen Geschehens geben des Interessanten und Be­merkenswerten genug. Die Sorge um die russischen Besitzungen der Radziwills haben die Fürstin auch an den Zarenhof geführt. In Frankreich unterhält sie, wenigstens noch in den ersten Jahrzehnten, Beziehungen zur Aristokratie, persönliche Freund- schäft verbindet sie mit General Gallifet, dem Kriegsminister, der den Dreyfusskcmdal liquidiert, sie ist aber auch vorurteilsfrei genug, auch mit den Ministern der Dritten Republik, wie dem Histori­ker Hanotaux Beziehungen zu pflegen. Edu- arb VII. lernt die Fürstin in Berlin kennen, auch am Kopenhagener Hof wird sie eingeführt, die Diplomaten aller Welt verkehren in ihrem Palais am Pariser Platz, so nimmt sie an allen politischen Vorgängen regsten Anteil, behält indessen Abstand genug, den Ueberblick über die Zusammenhänge zu behalten. Der Niederschlag in ihren Briefen gibt, im Großen gesehen, sicher ein zutreffendes Bild von der politischen und gesellschaftlichen Atmosphäre am Hofe Wilhelms II. Eine Reihe interessanter und nicht allgemein bekannter Bilder sind eine gern hin­genommene Ergänzung des Bucheq. «-e»

poum unv (vejlyllyte.

Joies Pilsudski: Erinnerungen und Dokumente, Band IV, Reden und Armee­befehle. Essener Derlagsanstalt in Essen. Preis geb. 8,50 «M.. (270) Die von dem Marschall per­sönlich autorisierte deutsche Gesamtausgabe findet mit diesem Band ihren Abschluß. Der erste Abschnitt enthält eine Reihe von Tagesbefehlen aus dem Weltkrieg, die die innige Verbundenheit von Feld­herr und Truppe, ja die polittsche Kampfgemein­schaft der polnischen Brigade am schlagendsten deut­lich werden läßt. Der Marschall und seine Soldaten, das ist wie eine große Familie, die Freud und Leid teilt. Aus der Zeit des polnisch-russischen Krieges sind besonders bemerkenswert die Ansprache in Wilna und der Aufruf an die Ukrainer, weil sie in zwei wesentlichen Punkten polnischer Außenpolitik die Grundauffassungen des Marschalls wiedergeben. Von den späteren Armeebefehlen sei als besonders interessant der zum 100. Todestage Napoleons er­wähnt. Nach 1923 rücken die Probleme des inneren Aufbaues des jungen polnischen Staates in den Vordergrund. Pilsudskis Kampf gegen den Miß­brauch des parlamentarischen Systems sah seinen Höhepunkt im Staatsstreich vom Mai 1926. Seine Vorbereitung hat vielfachen rednerischen Nieder­schlag gefunden. Und auch nachher steht die Reform der Staatsverfassung im Mittelpunkt der öffent­lichen Verlautbarungen des Marschalls. Sie sind gleichsam das politische Testament des Staatsgrün­ders, das auch für uns Deutsche kennenzulernen nicht nur um der Persönlichkeit willen, die dahinter

Deutsche Erzähler.

Edgar Maaß: Verdun. Roman. 295 Seiten. Brosch. 3,80 RM., Ganzleinen 5, RM. Propyläen-Verlag, Berlin, 1936. (263) Wie­der ein Kriegsbuch, ein Buch von Verdun zwan­zig Jahre nachher. Aber die ungeheuere Geschichte dieses Krieges ist von der Generation, die chn mit­erlebte, wohl noch lange nicht zu Ende geschrieben, unddas größte Erlebnis braucht die längste Zeit, in uns auszureifen". Es spricht für den Verfasser und für sein Buch, daß er erst jetzt in Wort und Gestalt zu formen unternimmt, was vor zwei Jahr­zehnten furchtbare, persönlich miterlebte und erlit­tene Gegenwart und Wirklichkeit war. Die sechs Buchstaben des Namens Verdun bezeichnen das furcytbarste Schlachtfeld, den tödlichen Brennpunkt in jenen vier langen Jahren; ja in ihnen ist für uns Deutsche, die dort die Blüte der Nation zum Opfer brachten, ein ähnliches Symbpl für den Krieg über­haupt beschlossen wie in dem flandrischen Namen von Langemarck. Dieses Buch von Maaß ist der schlichte Bericht eines, der dabei war: wie es wirk­lich gewesen ist; aber indem er die Geschichte einer kleinen Gruppe von Männern der MG.-Kompanie des mecklenburgischen R.-J.-R. 90 vor Verdun er­zählt, findet er zugleich den tiefen Sinn jener Wirk­lichkeit: er umschreibt sich mit den Worten Hingabe, Kameradschaft und Opfer; das sind keine leeren Worte und blasse Begriffe, sondern gelebtes, erfüll­tes, in der edelsten Weise vollendetes Leben. So entstand ein Buch der Erinnerung und des Dan­kes, ein Ehrenmal der Gefallenen, in Ehrfurcht und unverlierbarer Verbundenheit errichtet von einem überlebenden Kameraden. Er spricht nach zwanzig Jahren noch die gleiche Sprache wie damals bei Fleury, bei Douaumonf und auf Höhe 304; er be­schwört die Gestalten und Gesichter seiner Kame­raden und die höllische Kraterlandschaft des Schlacht­feldes; noch einmal erlebt er, und wir mit ihm, die übermenschlichen Erschütterungen von Vormarsch, Angriff und Abwehr, von Tod und Vernichtung, jenes stummen Opferganges der abertausend unbe-

Tagebücher, Memoiren psychologische Deutung er­lauben. Die zweite Hälfte des Buches handelt dann von der Frau, die dem Ganzen ihren Namen ge­geben hat, die jüngere Sophie Dorothee, die ihren Vetter Friedrich Wilhelm I. von Preußen heiratet, Stuartblut von beiden Seiten fließt hier zusammen in d-ieser Ehe so verschieden gearteter Menschenkin­der, die nun ein Leben voll stürmischer Konflikte nebeneinander führen sollen. Erst als Königin-Mut­ter soll Sophie Dorothee in Monbijou Erfüllung ihres Sehnens finden, die Ehe bleibt Martyrium. Den Hof Friedrich Wilhelms schildert der Verfasser sehr kraß als Schauplatz übelster Jntriguen, den König selbst als einen armen, von seinen Dämonen des Mißtrauens und der Eifersucht gehetzten, gewalt­tätigen Mann, den beide Hofparteien für ihre Ziele einzuspannen ober zu hintergehen trachten. Des Königs einziger Vertrauter, Leopold von Anhalt- Dessau, kommt schlecht weg. Don den großen staats­männischen Leistungen Friedrich Wilhelms erfährt man nicht allzu viel. Alles wird zugespitzt auf die Abwehr desWestlertums", das der König in den englischen Heiratsprojekten Sophie Dorothees als Gefahr für die preußische Staatsidee sah. Wir lassen es dahingestellt sein, wie weit diese Auffassung des Verfassers zutrifft. Der Versuch psychologischer Deutung mag hier und da zu Einseitigkeiten und Gewaltsamkeiten verführt haben, im Ganzen ist das lebendig, oft allerdings auch gewagt und über­schwenglich desWestlertüms", das der König in den

: Känguruhs, Kopra! eingeborenen Hirten mittels kunstvoll organisierter rki----- nr-fAt-m.. ' Wasserversorgung mühsam durch die lange Dürre­

zeit gebracht werden. Sie sind der Reichtum Austra­liens, des Hauptwolleproduzenten und Fleischliefe­ranten für das Britische Weltreich. Aber die große Politik wird dank der schon skizzierten Bevölkerungs- Verlagerung in den großen Städten gemacht. Hier hat sich eine Industrie entwickelt, deren Arbeiter­schaft, um den hohen Lebensstandard zu erhalten, weder Einwanderung noch Einfuhr von Industrie- Produkten zuläßt. Der weltwirtschaftliche Kreislauf ist auch hier willkürlich unterbrochen, denn die In­dustrieländer, die ihre Erzeugnisse in Australien nicht los werden können, sperren sich natürlich gegen die Aufnahme der australischen Agrarprodukte. Vor den Toren dieses menschenleeren Kontinents steht

kannten deutschen Soldaten. Man spürt, wenn man dieses Buch liest, wie notwendig es war, wie es ein­mal geschrieben werden mußte nach zwanzig Jah­ren; denn das Leben geht weiter und rückt unheim­lich schnell von jener Wirklichkeit vor zwanzig Jah­ren fort. Die Lebenden und Ueberlebenden pflegen auch schnell zu vergessen, und schon wächst die Ge­neration derer heran, die damals erst Kinder wa­ren, oder noch nicht einmal auf der Welt. Aber die Gefallenen haben ein unverbrüchliches Anrecht da­rauf, nicht vergessen zu werden, und die Nation hat die ewige Verpflichtung, ihrer in Stolz und Trauer zu gedenken. Ein Buch wie dieses ist sehr dazu angetan, solche Verpflichtung immer aufs neue in unsere Herzen zu senken. hth.

Ernst Wiechert: Wälder und Men­schen. Eine Jugend. 250 Seiten. 5,50 Mark. Ver­lag Albert Langen/Georg Müller, München 1936. (291) Als Wiechert vor längerer Zeit bei uns in Gießen zu Gast war, las er nicht nur aus seinen Er­zählungen, sondern berichtete auch von Eindrücken und Erlebnissen, Gestalten und Begegnungen aus seiner ostpreußischen Kindheit; was damals gleichsam im­provisatorisch aus dem Gedächtnis vor den Hörern ausgebreitet wurde, findet sich hier nun gesammelt und gehörig geordnet als ein stattliches Buch, ein Stück Selbstbiographie, eine Geschichte der Jugend bis an die Schwelle, wo daswirkliche Leben" beginnt. Manche werden vielleicht überrascht sein, einen solchen Rückblick auf Herkunft, kindliche Um­welt und menschliche Anfänge als das Werk eines Mannes zu finden, der das halbe Jahrhundert seines Daseins noch nicht völlig erreicht hat; meist wird dergleichen eigentlich später geschrieben. Wir können uns auch vorstellen, daß man bei der auf­merksamen Lektüre dieses Buches hier und da in Zweifel geraten mag, wie weit es Wiechert gelun­gen sei, sich mit feiner Darstellung aus dem not­wendigerweise privatesten Umkreise von Erlebnis und Erinnerung zur Allgemeingülttgkeit menschlicher Entwicklung zu erheben. Dieses Problem wird frei­lich bei jedem derartigen Versuch auftauchen; und zweifellos wird es nicht nur für die sehr zahlreichen Freunde von Wiecherts Büchern von Interesse sein, einiges über ihn selbst von ihm selbst zu erfahren; vor allem aber erscheint es aufschlußreich und nicht ohne Bedeutung, die persönlichen Quellen einmal zu erschließen oder doch andeutend sichtbar zu machen, aus denen das spätere Werk erwuchs mit den Gestalten der Magd und der Majorin, des namenlosenJedermann", desTodeskandidaten" und mancher andern noch. Mit verständnisvoller Liebe und auch mit dem leisen, manchmal ein wenig ironischen Humor, den man in fast allen seinen Büchern findet, erzählt Wiechert von den Menschen und Mächten seiner Kindheit und Jugend, von Ur­sprung und Lebensraum, von den großen, tiefen Wäldern der ostpreußischen Heimat, von Eltern und Geschwistern, von den ersten Spielen und den ersten Jagdgängen und von der ersten Liebe natürlich. Auch von der für den Försterssohn aus Kleinort völlig neuengroßen" Welt der Stadt, von Schule und Schulgefährten und der ersten Begegnung mit der Kunst ... dies alles erzählt mit der ruhigen, besinnlichen Klarheit, die Wiecherts Büchern eigen ist. Und ein zarter, wehmütiger Glanz der Frühe, des unwiederbringlichen Paradieses der Kindheit liegt über allen Gestalten und Begebenheiten dieses Erinnerungsbuches. hth.

Die Totenleuchter. Und andere jenfeitige Geschichten. Mit Beiträgen von Eufemia Adlersfelo« Ballefttem, Wolfram Brockmeier, Margarethe Bruch, Lisbet Dill, Liane von Gentzkow, Dorothee Goede- ler, Hertha Heine-Arendt, Marie Schempp und Hans Philipp Weitz. 158 Seiten. B. Behn Verlag, Friedrich Feddersen, Berlin und Leipzig. (298.) Die in diesem Bande vereinigten Erzählungen der verschiedensten Autoren erhalten ihre Beziehung zueinander weder durch Geschlecht noch (Beneration der Verfasser, auch nicht durch irgendein Programm oder eine Tendenz, sondern lediglich durch den Themenkreis, der allen gemeinsam ist: der Ein­bruch einer jenseitigen, überwirklichen Welt in die wirkliche und gegenwärtige bot der Phantasie den weitesten Spielraum, war in manchen Fällen, wo es sich um wahre Begebenheiten handelte, auch ge- wissermahen beglaubigt. So wird man in dem Bande eine spannende und zum Nack^enken an- . regende Lektüre finden, für manchen Leser mag das Buch auch als bloße Stoffsammlung nicht un- intereffant sein. Wenig glücklich scheint uns dis unverhältnismäßige Verteilung der Beiträge; wah» , rend eine Verfasserin 15 verschiedene Arbetten bet- steuern durfte, sind alle andern nur mit je einer Erzählung vertreten: ein kaum gerechtferttates Mitz- Verhältnis, das sich ohne Schwiengketten hatte ver- meiden lallen: das Buch würde dabei nur gewonnen haben.