Mr. 258 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, ly. Oktober 1936
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Ein stattliches Wohnhaus erstand am Platz an der Curtmannsstraße.
In schlichten Formen wurden Wohnhäuser im Schwarzlachgebiet gebaut.
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Ecke Bismarckstraße - Nahrungsberg.
Blick über die neuesten Häuser im Ostmarkenviertel an der Licher Straße.
Viele freundliche Häuser bilden die neugeschaffene Fröbelsttaße. (Aufnahme [8]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Die Jahnstraße mit den Häusern der Baugenossenschaft 1894, j
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Dieser Rückschau auf das Wachsen der Stadt und die dabei erreichten Verbesserungen der Wohnkul-
das aus und
stätte Seltersberg und der Orthopädischen Klinik, dazu gleich noch ein ganz neues Stadtviertel an Stelle des damaligen einsamen „Siedlers in der Wüste", der dort als Bahnbrecher für die Bebauung wirkte und mit Recht als Ortsältester des neuen Stadtteils anzusehen ist. Wir erfreuen uns dort oben auch an dem stattlichen Bau des Studentenhauses und denken mit Unbehagen an die Unzulänglichkeiten seines Vorgängers am Burggraben,
verhältnismäßig schnell die wachsende Stadt den Landschaftscharakter umgestaltet. Die Straßenbahn hat dort auch bereits ihre Schienen weiter nach Osten hin gestreckt, und vielleicht dauert es nur noch wenige Jahre, bis dort der Wald noch stärker als bisher der Herrschaft der Baumeister das Feld räumen muß. — Im Schwarzlachgebiet war die Entwicklung ähnlich. Auch dort wollte jahrelang kein Mensch wohnen. Die Gegend wurde von man-
heute mehr denn je zuvor in das Feld hinausstrebt. Das Eichgärten-Gebiet, die Gegend am Nahrungsberg und nach dem „Nizza" zu, anschließend „Am Hegstrauch", das Gelände am Aulweg und am Wartweg, jenseits der Lahn „Sachsenhausen", insbesondere der Leimenkauterweg, ferner an der äußeren Marburger Straße, und viel-
Den Aufgaben der neuen Zeit und ihren Zielen auf dem Gebiete des Wohnmesens wird durch diese Bauten unserer wachsenden Stadt Gießen in guter Weise gedient. In diesen Wohnungen finden Men- schen ihre Heimstatt, die nun sicherlich mit ihrer Wohnweije und -ihrer Geltung zufriedener fein
Umfangreiche Wohnhaus-Neubauten unternahm die „Mibau" am Wartweg.
straße im Eichgärtengebiet, ebenso nach dem Nizza zu, teilweise auch am Wartweg. Selbst da, wo man aus bau- und finanzwirtschaftlichen Gründen mehrere Familien unter einem Dache im Hausbau vereinigen muß, wird Wert darauf gelegt, daß die Familien die Möglichkeit haben, ihren Wohnbezirk für sich zu besitzen und dadurch gewissermaßen Eigenheim-Wohner zu werden. Und mit Genugtuung ist hervorzuheben, daß man jetzt auch bei der Wohnraumbeschaffung für minderbemittelte Volksgenossen in den Häusern am Leimenkauterweg alles vermeidet, was -geeignet wäre, diesen Wohnhausbauten den unangenehmen Charakter von „Notwohnungen" unseligen Angedenkens zu geben. In diesem Zusammenhänge sei der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die Stadtverwaltung bald die Möglichkeit haben möge, die vor etwa einem Jahrzehnt geschaffenen Wohnbaracken an der oberen Kaiserallee zu beseitigen, die man doch nur als Verschandelung des Straßenbildes bezeichnen muß.
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tur vieler Volksgenossen wollen wir nun einen kurzen Blick auf die Gegenwart folgen lassen. Hier können wir _bie erfreuliche Feststellung
leicht schon in nicht zu ferner Zeit wieder Schwarzlachgebiet sind die Stätten, von denen die Stadt sich in die Landschaft hinein reckt streckt. Erfreulicherweise wird dabei darauf gesehen, daß keine Wohnbauten errichtet werden, deren sich unsere Stadt einmal zu schämen hätte. An manchen Stellen kommt auch der Eigenheimbau stark zur Geltung, so insbesondere bei den Wohnhausbauten der Baugenossenschaft 1894 an der Jahn-
aber trotz aller Hemmnisse und Raumnöte mit — gleichen Liebe und Freudigkeit für den Studiker gearbeitet wurde, wie jetzt in dem neuen und größeren Heim am Leihgesterner Weg. — Und war's nicht ebenso mit dem sog. Professoreneck? Jahrelang wollte auch dort kein Mensch bauen, bis sich schließlich eine Familie, die durch ihr ganzes Leben mit Baum und Strauch, mit Acker und Pflanze, mit Blumen und mit dem Schaffen in der
Stadt und Land berühren M, = Neubauten sm Leimenkauterweg.
Gießen, die wachsende Stadt.
Zahlreiche neue Straßen, neue Häuser und viele schöne Wohnungen
chen als „kalt" bezeichnet, anderen war sie zu weit von der Stadt abgelegen. Beides war unbegründet, nur ein falsches Vorurteil. Eines Morgens aber, vor etlichen Jahren, erschienen die Werkleute des ehrsamen Bauhandwerks in der Verlängerung des Asterwegs nach dem Rodtberg zu, mit Volldampf ging es an die Arbeit, und schon nach wenigen Monaten standen die Häuser mit zahlreichen Kleinwohnungen im Rohbau fertig da. Und dann wuchs auch an dieser Stelle die Stadt immer mehr. Heute sehen wir dort zahlreiche schmucke Häuser, die Kleinwohnungszwecken dienen und in denen sich viele Volksgenossen wohlfühlen, die vorher irgendwo in der Enge der Stadtmitte, oder in irgendeiner Mansardenwohnung allerlei Unbill einer baulich mangelhaften und räumlich sehr dürftigen Kleinwohnung hatten ertragen müssen. Die wachsende Stadt ist diesen Familien zum Wohltäter geworden. Sie hat ihnen die Möglichkeit gegeben, zu annehmbaren Preisverhältnissen eine Wohnung zu beziehen, die hygienisch einwandfrei und mit neuzeitlicher Ausstattung versehen ist, die ihren Bewohnern die elementaren Voraussetzungen einer gesunden Wohnweise in Gestalt von viel Sonne, Licht und Luft bietet, dazu in vielen Fällen noch ein Stückchen Gartenland aufweist, mit dessen Hilfe die Familie ihre Küchenwirtschaft bereichern und den Geldbeutel des Hausvaters schonen kann und die schließlich auch hinsichtlich der Ruhe den berechtigten Wünschen Erfüllung bringt. Alles Vorteile, die von den Bewohnern geschätzt werden.
freien Gottesnatur eng verbunden war, ihr Haus^o-^«. lumicu u.u
am Heyerweg baute. Sie blieb dort ein paar Jahre^machen, daß unsere Stadt an zahlreichen Stellen ganz allein, etwa in der Rolle eines „Waldläufers", <**“L.....** ..... *“ x CKAfS
fühlte sich aber wohl dabei und erlebte dann, daß sie mit ihrem Hausbau an dieser schönen Stelle unseres Stadtgebietes bahnbrechend gewirkt hatte. Denn immer mehr fand dieses Eck Bauliebhaber, und heute ist auch dort ein neuer Stadtteil mit schönen Wohnhäusern der überzeugende Beweis dafür, wie
Die Zeit, da in Gießen die Misthaufen vor den Haustüre/r lagen und die Straßen ein über- i aus holperiges Pflaster aufwiesen wie im verlassensten Winkel der Welt, liegt mehrere Jahrzehnte weit hinter uns. Vor unseren Augen haben wir auch nicht mehr das Bild, daß die Stadtgrenze identisch ist mit dem Laufe des Schorgrabens und das Gaswerk und alle weiter nach Süden und Osten gelegenen Bauten „im freien Feld" stehen. Jene Gießener Zeit lebt heute nur noch in der Erinnerung weniger alter Gießener, die uns Nachfahren mancherlei darüber berichtet haben, die in mancher Beziehung jene altväterliche Zeit gemütlicher fanden als unser Leben mit seinen vielfältigen Fortschritten in der Technik und auf dem Gebiete des Verkehrs, die aber dennoch zugeben, daß jene Gemütlichkeit und Romantik des Kleinstadtlebens der Zeit um die Jahrhundertwende in vielerlei Dingen einen Wandel zum Besseren eben nur durch die technischen und kulturellen Fortschritte erfahren hat. Es ist immer so: die wachsende Stadt zwingt die Kleinstadt-Romantik und die Enge des Gemeinschaftslebens ihrer Bewohner immer stärker in den Hintergrund und macht sich, allen konservativen Stimmungsregungen ungeachtet, den gesunden Fortschritt der öffentlichen und privaten Lebensgestal- tung zu eigen. Die wachsende Stadt marschiert nach ihrem eigenen Gesetz, das sich gestaltet nach dem Rhythmus des Lebens und der Menschen ihrer Zeit.
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Dieses eigene Gesetz des Werdens und Wachsens der Stadt kommt in vielfältiger Weife zum Ausdruck. Ein kleines Beispiel: Unter den Führern unserer Straßenbahnwagen befinden sich heute noch zwei Männer, die einst auf dem Gießener Pferdeomnibus den „Hafermotor", das Pferd, lenkten. Diese beiden Veteranen unseres Gießener Verkehrswesens wissen mancherlei interessante Erlebnisse des gemütlichen Fahrens mit dem Omnibus zu berichten, sie werden aber auch den Annehmlichkeiten des neuzeitlichen Verkehrsmittels, der Straßenbahn, in vollem Maße gerecht. Und wie es mit der Entwicklung von dem Omnibus zur Straßenbahn ging, so vollzog sich auch die Wandlung vom holprigen Straßenpflaster und den Misthaufen vor der Tür zu den modern ausgebauten Straßenzügen mit Kanalisation und Sinkkästen, mit glatter Asphaltdecke auf dym Bürgersteig und der Fahrbahn, mit schön gestalteten Gartenanlagen und angenehmen Ruhebänken inmitten der Hast des flutenden Verkehrs, mit Parkplätzen für die Kraftfahrzeuge und — vielleicht als Errungenschaft in allernächster Zelt — mit Springbrunnen an verschiedenen Stellen der Stadt. Fürwahr, eine erhebliche Aenderung des Gesichts der Stadt, entstanden aus dem eigenen Gesetz ihres Wachstums, aus den Fortschritten der Technik und der Aufwärtsentwicklung aller kulturellen Einrichtungen.
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Am stärksten kommt der Wandel der Zeit im Wachstum der Stadt auf dem Gebiete des Bauwesens zum Ausdruck. Noch vor IV2 Jahrzehnten konnten wir Gießener auf diesem Gebiete io etwas wie eine „gute alte Zeit" um uns herum sehen. Nur einige Beispiele: An der Stelle, an der wir heute den großen Bau des Finanzamtes und des Versorgungsamtes sehen, hatten wir vor etlichen Jahren noch die „Freude" einen freien Platz als Ablagerungsftätte für Mull und ähnliche „Schönheiten" des Lebens zu bemerken, das Finanzamt aber befand sich in den düsteren Räumen der Alten Klinik, heute Liebigbau genannt. — Auf der „Schönen Aussicht", oberhalb des Lechgesterner Weges, war alles, abgesehen von dem ummerlichen Notbehelf des damaligen Hauses der Studentenhilfe, öd und leer; heute haben wir dort die repräsentativen Bauten des Physiologischen Instituts, der Heil- .....


