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Montag, y. November Mb

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Nr. 263 Zweites Blatt

sich mit der Wissenschaft von den Briefmarken | Philatelie genannt befaßten. Deutschland weist

Der letzte Brief.

Von Werner Schumann.

heute verläßlicher Schätzung nach 500 000 Sammler auf. Diese Zahl muß zu denken geben. Wenn man hinzufügt, daß es vor Jahren bereits in Deutschland rund »30 Firmen mit je 10 bis 60 Angestellten bei einem Eigenkapital von je mehreren hunderttausend Mark gab, und wenn man heute 5000 Angestellte in organisierten Betrieben des Marken­handels zählt, so gewinnen diese Ziffern noch mehr an Bedeutung. Man kann annehmen, daß im deutschen Markenhandel ein Kapital von rund 2 0 bis 60 Millionen Mark steckt. Die wirtschaft-

war, ist ausgelöscht. Das deutsche Volk kann von uns erwarten die ehrliche und anständige Hand des Menschen, der sich in jedem Augen­blick Rechenschaft darüber gibt, daß, wenn un­sere Grenzen geachtet werden, zwischen uns und Deutschland aber auch jeder Schatten eines Mißverständnisses verschwindet. Für unsere wirtschaftlichen Beziehungen und für unser künftiges politisches Leben werden wir die in­ternationale Rolle Deutschlands in Betracht ziehen. Die Normalisierung unserer Beziehungen zu Deutschland ist eine Frage erster Ordnung für unsere Politik.

Der Redner wandte sich dann Italien zu und erklärte, daß das rumänische Volk dem Duce, der eine große Persönlichkeit unserer Zeit sei, besondere Ach­tung entgegenbringe. Wenn Mussolini kürzlich von einer Zerstückelung Ungarns gesprochen habe, so müsse er, Goga, erklären, daß die Friedens­oerträge für Rumänien eine Gerechtig­keit bedeutet hätten. Italien habe diese Gerechtig­keit anerkannt, als es vor einem Jahrzehnt einen Freundschaftsvertrag mit Rumänien geschlof­fen und das beffarabifche Protokoll an­erkannt habe. Die Haltung, die jetzt Mussolini zeige, beruhe entweder auf einer späten Erkenntnis oder aber auf einer momentanen Verstimmung, die aber in freundschaftlicher Weise innerhalb der lateinischen Völkerfamilie wieder eingerenkt werden könnte.

Das papierne Kleinod

Allerlei von Driefmarkensammeln.

Für den nationalen Aufbruch Rumäniens

Große Kundgebung

der nationalchristlichen Partei gegen Bolschewismus und Judentum.

Marke, ließ die Rädchen vergnügter durchs Haus surren, zaubert ein lustiges Liedchen ihr auf die Lippen, färbte ihre stubenblassen Wangen und glät­tete die nadelfeinen Hautrillen. Das alles sah und verfolgte man schmunzelnd im Dorf.

Der Briefträger, ja, das war ein noch junger, flinker, lieber Bursche. Für jeden fand er den rechten Ton. Der nahm wie keiner sonst Anteil an den Er­wartungen, Freuden und Enttäuschungen seines Be­stellbezirks, der hatte eine seine Rase für Geheim­nisse und ein mitfühlendes Herz für alles, was mit dem so empfindlichen menschlichen Herzen zu tun

Aus aller Welt.

Strafantrag im Wellerer-Prozeß.

Heidelberg, 8. Rov. (DRV.) In dem Pro­zeß gegen den Leiter des Radiumheims Neckar­gemünd, Dr. med. Weiterer wurde die Beweis­aufnahme abgeschlossen. Sein vierstündiges Plä­doyer schloß der S t a a t s a n w a l t mit den Wor­ten: Wenn Sie alles überblicken, so sehen Sie, daß Weiterer aus Geldgier, vermischt mit anderen Mo­tiven, seine Patienten schamlos ausbeutete. Denken Sie aber auch an die seelischen Schädigungen, die er Patienten und deren Angehörigen zufügte. Wenn Sie sich vor Augen halten, daß der Arzt der natürliche Anwalt der Armen sein soll, so können Sie sich ein Bild von der Schwere der Verbrechen des Angeklagten machen. Es muß trotz des ihm von den Sachverständigen zugebilligten Paragraphen 51 Abs. 2 eine harte Strafe ausgesprochen werden auch schon in Interesse des deutschen Aerztestandes. Weiterer war zwar aus derDeutschen Aerzteschaft" ausgeschlossen, doch hat er ihr Ansehen im Ausland schwer diskriminiert. Ich halte eine Gefängnis- (träfe von 3Vr Jahren wegen fortge­setzten Betrugs, zum Teil in Tatein­heit mit Wucher, für angebracht. Die Unter­suchungshaft darf dem Angeklagten nur zum Teil angerechnet werden, da er durch fein Leugnen die Untersuchung aufgehalten hat. Soweit er wegen Wuchers bestraft wird, muß obligatorisch auch eine Geld - und eine Ehren st rafe ausgesprochen werden. Da der Angeklagte außerdem gemeinge­fährlich ist, muß seine Verbringung in eine heil- und Pflegeanstalt angeordnet werden."

Von einem Bullen lotgedrückt.

In I d st e i n (Taunus) wurde der 36 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiter Willi Schmidt im Stalle des Bullenhalters Hermann Schütz von dem Bullen an die Wand gedrückt und auf der Stelle getötet. Dem bedauernswerten Mann war der Brustkorb eingedrückt.

über irgend etwas ganz gegen seine Gewohnheit einmal ernsthaft und angestrengt nachdachte. Sein Herz stand im Wirbelwind nahenden Glücks.

Alma genas. Sie sah nach den leidvollen Wochen verklärter, in sich gekehrter, ja lieblicher aus. In der kleinen Küche stand sie manchmal des Abends, neben der kochenden Suppe, und fühlte erregend den Druck der schweren Hand nach, die damals so zärtlich über ihr haar geglitten war. Warum kam er eigentlich nicht mehr? Er hatte sich in der letzten Woche zurückgezogen hatte ja auch keine Briefe mehr au überbringen. Schade, dachte sie versonnen, er ist doch der Freund des Hauses.

Als er aber nach abermals einer vollen Woche plötzlich wieder auftauchte und gar einen Brief in der Hand hielt, erschrak sie so tief und heftig, daß * ihr alles Blut aus dem Kopfe wich. Einer Ohnmacht nahe, nahm sie den Brief in Empfang, in zitternder Sprachlosigkeit sah sie darauf nieder, während der Beamte aus zarter Rücksicht, wie sie sich hinter­drein erklärte sich schnell zurückgezogen hatte. Ihre Gedanken waren in Aufruhr, ihr Gewissen beunruhigt. War alles wieder gut, hatte sie dem fernen Freund unrecht getan, wenn sie an seiner Treue zweifelte? Konnte er nicht krank gewesen sein, zerschnitten nicht Schiffsunglücke grausam un­zählige Bindungen? Gab es nicht tausend Möglich­keiten, dies lange Schweigen zu erklären? Aber jäh kam Klarheit in ihren Kopf: dies ist der Abschied, eine flaue Entschuldigung sicher und feige Bitte um Verzeihen, ja, dies war der letzte Brief...

In ihrer Aufregung hatte sie nicht einmal be­merkt, daß die Handschrift auf dem Umschlaa gar nicht die des Matrosen war. Staunend entdeckte sie ihren törichten Irrtum.Was für ein närrisches Frauenzimmer bin ich doch geworden", sagte sie sich kopfschüttelnd und nun ganz ruhig,sich von so einem kleinen, armseligen Briefchen aus dem Gleichgewicht bringen lassen!" Und sie entfaltete, nicht ohne Neugier, den großen weißen Bogen und las, immer röter im stubenblassen Gesicht werdend und endlich mit tränenfeuchten Augen, die rührend ungeschickten Worte des Briefträgers Hubert Graf nach, der sie herzlich bat, doch seine Frau zu werden...

Worauf er, der sich in den nächsten Tagen be­greiflicherweise nicht blicken ließ, ein Kärtchen empfing, mit dem ihn Fräulein Alma nebst Tante für den nächsten Sonntagnachmittag zu Kaffee und Kuchen luden, wofürHertha" ihrem Rechtsaußen zweifellos Dispens erteilen werde. Damit ja kein Mißverständnis entstehe, fügten die Damen in Postskriptum hinzu:... um .Herthas' Sieg bei den Kämpfen um die Gaumeisterschaft nach Ge­bühr zu feiern...!"

Jeden Morgen um neun sieht mdn das dunkle Fräulein Alma Klimsch nach dem Briefträger aus­spähen. Sie öffnet das Fenster ihres Wohnstubchens zu ebener Erde, schaut nach rechts und schaut nach links, grab so, als wolle sie einmal zusehen, was es auf der Dorfstraße Neues gäbe. Plauscht wohl auch mit dem alten Kossäten Schmidt, derweil, wie jeder­mann nur zu wohl weih, die Gedanken in ihrem Köpfchen doch eine ganz andere Richtung nehmen. Oder sie tritt in die Tür ihres Backsteinhäuschens, das ihr von den Eltern einst überkommen, und roirft den ewig hungrigen Brieftauben eine Hand voll Krumen vor. Aber seht nur, wie sie durch die halb- geschlossenen Lider nach jener Kolonialwarenecke bei Sidows linst, wo gleich des Briefträgers gelbes Rad auftauchen wird. Denn die nicht mehr ganz junge, keineswegs uninteressante Näherin Alma, die hart­näckig der Mode trotzend zwei Kränze ihres dicken, tiefschwarzen Haares vor den Ohren tragt hat seit Jahren einen Liebsten bei der Marine Leider kann er nur einmal alljährlich auf Urlaub Jammen. Und wann die beiden wähl ans Heiraten denken können, darüber werden fo manche resignierten oder gar spöt­tischen Bemerkungen im Krug oder m den Gesinde- ftuben Hinterm Handrücken ausgetauscht.

Viele Briese hat das Fräulein schon in den zarten Fesseln eines rosa Seidenbändchens. Ihr Gluck ift fhU wie der Dorfteich und leuchtend wie der blanke Hahn auf der Turmspitze der uralten Kapelle, wenn die Sonne darauf steht. Seit sie den Seemann auf einem Hausball des Nachbargutes kennengelernt hat, waltet in ihren Kleidern ein viel bewußterer Geschmack. Obwohl sie Näherin ist und für die Frauen und Tochter der wohlhabenden Bauern dies und das trefflich zu schneidern versteht, trug sie sich selbst immer ein wenig lässig, als habe sie im stillen be­schlossen, als Jungfer durchs Leben zu gehen. Die kecken Mädchen im Dorf wurden auch nie recht warm mit ihr, schon seit der Schulzeit, aber man trug s ihr nicht nach. Dieschwarze Alma" war eben aus anderem Holze, seiner und stiller, oersonnener und dach spürbar im Innern glühend. Und hatte es dach wahrlich nicht leicht, die unmerklich Verblühend-, Bleiche, mit der Nadel in der schmalen Hand oder den Füßen auf dem Trittbrett der ratternden Näh­maschine sich ihr täglich Brot zu verdienen, Die Spuren dieser Tag- und Nachtarbeit trug l>e deutlich im hübschen Gesicht: leicht entzündete Augen und darunter leise Schattenbögen.

Ein Brief aber, mit einer phantastisch bunten

und Körper. Sie war nun wie eine Blume ohne Licht, wie ein Vogel ohne Wind und Himmel, wie eine Biene ohne den süßen Saft der Blütenkelche. Ihr Mädchenherz klopfte ins Leere, ihr bitter oer* zogener Mund sprach das Sinnlose an. Sie mußte sich legen, und da sie in solcher Verfassung außer­stande war, auch nur das Notwendigste zum Leben zu verdienen, tarnen freundliche Nachbarn und brachten ihr Suppe, Brot, Eingemachtes und man­ches gute Stück aus der Räucherkammer. Denn jetzt tat Fräulein Alma plötzlich allen leid, jeder wollte ihr wohl und verwünschte den untreuen Matrosen, der vielleicht inzwischen eine tempera­mentvolle Kreolin gefunden hatte. Der Pfarrer sah nach der Kranken, der Küster, die Nachbarn be­suchten sie, die eine Tante aus dem Nachbardorfe pflegte, es kam auch der tB riefträger hin und wieder und ermunterte sie durch manchen Spaß.

Wenn Sie erst wieder auf den Beinen sind, Fräulein Alma ..."

Sie sah ihn von der dunklen, engen Bettkammer aus an, wie er, gesund und rotbäckig, groß im Türrahmen stand. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn die Uniform nicht wieder vor ihren Augen auftauchte. Sie hatte abgeschlossen und wollte nicht mehr erinnert werden. Die Xante hatte die Wäsche­truhe vor und tat so, als suchte sie etwasWas wird -bann schon groß sein", murmelte Alma ver- brossen.

Sonne, Fräulein Alma, ein bißchen Licht! Schauen Sie nur mal in den Spiegel. Samstags hole ich Sie künftig zum Tanz ab, ja, lächeln Sie nur, und bann die Sonntagnachmittaae...! In vierzehn Tagen fangen boch die Ausscheidungs­kämpfe für die Gaumeisterfchaft an. Unsere ,Hertha' ist in Form, kann ich Ihnen sagen, die müssen Sie sehen. Ja, das wäre was für Sie, da kommen Sie mal auf andere Gedanken. Ich spiele jetzt Rechts­außen, wußten Sie das eigentlich schon?" Er war mächtig in Schwung, der Briefträger Hubert Graf, und sprudelte heraus, was sein Herz bewegte. Alma mußte, wie er so unbekümmert daherplapperte, lachen, es tat ihr irgendwie wohl:Aber woher denn, was verstehe ich schon von eurem Fußball?"

Also, Fräulein Alma, abgemacht?"

Abgemacht." Er versuchte unbeholfen mit der Rechten über ihr in der Mitte gescheiteltes haar zu streichen, aber sie wandte rasch den Kopf, ein wenig verstimmt:Fürchten Sie sich denn vor mir?" fragte verlegen der Briefträger.

Nein, nein! Nicht hier bitte Sie sehen doch die Tant,..."

Froher als sonst fuhr Hubert Graf in die kleine Stadt zurück. Die ihn kannten, bemerkten, daß er

Bukare st, 8. Nov. (DNB.) hier fand eine große Kundgebung der nationalchristlichen Partei statt. Der breite Boulevard Bratianu, auf dem sich der Vorbeimarsch vor den Führern vollzog, war in seiner ganzen Länge von einer riesigen Menschenmenge umsäumt, die den mar­schierenden Kolonnen immer wieder stürmisch zu­jubelte. Unübersehbar war die Zahl der Hakenkreuzfahnen, waren die disziplinier­ten Marschreihen, die, wie es in den zahllosen mit­geführten Schildern zum Ausdruck kam, gegen den Kommunismus, gegen die falsche Demokratie und bas zersetzende Judentum demonstrierten. Einen großen Teil der Kundgeber aus 71 Landeskreisen stellten die an der Spitze der Gruppen marschieren­den Blauhemden in schwarzen Hosen mit Schulterriemen und roter Armbinde mit blauem Hakenkreuz auf Hellem Felde, die straffe und statt­liche Jugendorganisation der nationalchristlichen Partei. Es marschierte der Arbeiter neben dem Kaufmann und Studenten, der Bauer neben dem Handwerker und Städter, hier zeigte sich eine große nationale Volksgemeinschaft. Der Aufmarsch dauerte genau sechs Stunden. Die Kolonnen und die Menge jubelten besonders Cuza zu, dem alten Vorkämpfer des Antisemitismus in Rumänien, der an diesem Tage seinen 80. Geburts­tag feierte und mit Blumen überschüttet wurde. Auch auf Goga, den geschäftsführenden Vor­sitzenden der Partei, wurden immer wieder hurrah- Rufe ausgebracht. Gegen 17 Uhr nahm der ge­waltige und eindrucksvolle Vorbeimarsch des er­wachenden Rumänentums sein Ende. Die Massen marschierten bei bereits einbrechender Dämmerung auf das Sportgelände Velodrom, um ihre Führer zu hören.

Auf der großen Kundgebung im Velodrom sprach Goga zunächst von der Notwendigkeit einer innerpolitischen Erneuerung des Lan­des durch den nationalen Gedanken und wandte sich dann außenpolitischen Fragen zu. Er schilderte vor allem das Weltringen mit dem jüdi­schen Bolschewismus, der Bolschewismus sei noch immer die einzige Gefahr für die Mensch­heit. Diese große Gefahr sei vor allem Rumänien, dem Nachbarn der Sowjetunion, bekannt, lieber den Dnjester herüber ertönten keine Glocken mehr, der nationale Rumäne müsse es als seine besondere Pflicht betrachten, bei jeder Gelegenheit zu sagen, daß Rumänien niemals die Vorhut des fo w j etrusfi f ch en Heeres werden würde. Wir werden mit Sowjetrußland niemals Zusammenarbeiten und keine Pakte mit ihm schließen. Wir werden die Welt und Rumänien nicht mit Hilfe ߣon Blums gegen den Bolschewismus verteidigen können, denn von Leon Blum kann Rumänien nichts erwarten.

Mit der gleichen Aufrichtigkeit müssen wir auch anerkennen, daß sich gegen die bolschewi­stische Krankheit ein großes Volk, nämlich das deutsche Volk erhoben hat, das unter der Führerschaft Adolf Hitlers das führende Volk in der großen Weltfront gegen den Kommunismus geworden ist. Ich habe im Sommer dieses Jahres das deutsche Volk an der Arbeit gesehen und seine Disziplin und seine ungeheuren Leislungsmög- lichkeiten kennengelernt, und ich muh sagen, daß dieses Volk im Kampf gegen den Bolsche­wismus unsere ganze Anerkennung und Dankbarke it verdient. Die Dank­barkeit aller, die den Bolschewismus als Wahn­sinn und Unglück betrachten. (Heilrufe auf Adolf Hitler und Deutschland ertönen immer wieder.) Alles, was früher wie eine scheinbare Gegner­schaft zwischen Rumänien und Deutschland

der als einer der größten Sammler galt, und den man gebeten hatte, dieser Wette standzuhalten.

Die Marke, von der am meisten geredet und geschrieben wird die blaue Mauritius von 1 8 4 7 ist durch einen Fehler so berühmt ge­worden. Am linken Rande, vor der Nase der Kö­nigin Victoria, stehen die Worte POST OFFICE (Postamt), statt der rchtigen POST PAID (Porto bezahlt). Die Marken wurden damals so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen; heute sind die wenigen noch vorhandenen Mauritius die teuer­sten Marken der Welt: das Stück kostet bis zu 80000 Mark.

Briefmarkenkunde als Unterrichtsfach in den Schulen, (und sogar als Studienfach auf Hoch­schulen und Universitäten) gab es bisher nur ver­einzelt. Zweifellos hat dieses Fach Zukunftsaus­sichten, denn die Jugend lernt an Hand von Mar­kenbildern und Sammelalben schneller, eifriger und nachdrücklicher Geschichte, Erdkunde, Mathematik (Währungsverschiedenheiten!). Da die Erinnerungs­und Gedächtnismarken aller Länder die Helden und großen Gestalten der Nation (Hindenburg, Goethe, Washington, Kolumbus usw.) zeigen, außerdem über Reichsgründung, Kolonien. Kriege, Abstimmungs­gebiete, technische Errungenschaften usw. anschauliche Kunde geben, ist der Lehrstoff sehr groß und viel­seitig. Don kulturgeschichtlichen Ereignissen, wie der ersten Eisenbahn, über Wappenkunde der Staaten bis zu den aktuellen Geschehnissen (Trauermarken, Jahrhundertfeiern) vermitteln die kleinen Marken­bilder Eindrücke, wie sie der Unterricht in gleicher Weise oft kaum vermitteln kann vom Sammel­eifer und Befitzerstolz der Jugend ganz abgesehen.

Der Sammler h a n u s in Prag hat feine be­deutende und grundlegende Spezialsammlung von Marken altitalienischer Staaten dem Papste ver­macht. Der Papst hat ungeordnet, daß ein Teil dieser Sammlung, die alle Marken des Kirchenstaa­tes umfaßt, Grundstock eines vatikanischen Postmuseums werden soll, an dessen Gründung und Ausbau hervorragende Persönlichkeiten in aller Welt beteiligt fein werden.

Irrtümer und Fehler auf Briefmarken sind nicht selten und finden bisweilen Liebhaberpreise. So gibt es tschechoslowakische Marken, auf denen die Sonne hinter dem hradschin, also im Norden aufgeht. Bei Schweizer Marken mit dem Tell- fnaben liegt die Bogensehne unter statt auf der Armbrust. Westindische Marken zeigen Kolumbus durch ein ausziehbares Fernrohr blickend, während dieses Fernrohr erst hundert Jahre nach Kolumbus erfunden wurde. Deutsche Jnflationsmarken geben Berghäuer wieder, die linkshändig arbeiten, und Bauern, die ohne Füße pflügen. Auf französischen Marken sät La France gegen den Wind.

Für Sammler nicht alltäglicher Abstempelungen gibt es noch manche Besonderheit: so wurden auf einem Prager Postamt die Sondermarken mit dem Bilde Masaryks an dessen 85. Geburtstag mit einem goldenen Stempel entwertet.

Natürlich werden auch Briefmarken preisgekrönt. Eine Schönheitskonkurrenz für Postwertzeigen in Philadelphia bezeichnete im vorigen Jahre die 1« Dollar-Marke der Vereinigten Staaten, die 1898 herauskam und die Radierung von Mac Whir- tersPrärierinder im Sturm" aufweist, als die schönste Marke der Welt.

Zu den kuriosesten Marken gehören Postwert­zeichen von Lettland, das 1918 nach seiner Neu­bildung die ersten Marken auf die Rückseite deut­scher Generalstabskarten druckte und zwei Jahre darauf als Papier für weitere Marken die nicht fertiggestellten Fünf-Rubel-Scheine des Arbeiter­und Soldatenrates in Riga verwendete.

Briefmarken haben ihre Geschichte und die Sammler ebenfalls. 1912 bemerkte in Philadelphia ein junger Mann in einer Altpapierhandlung einen Sack alter Briefe, die zum Einstampfen bestimmt waren. Er schnitt die Marken heraus und entdeckte erst viel später, welchen Fund er gemacht hatte: feiten ft e Marken aus Öen Jahren 1 845/4 7, die einen Wert von rund 100 0Ö0 Dollar darstellten. Und heute noch gibt es in den Bries truhen alter Familien unentdeckte Schätze von hohem Wert. G. Schake.

Vor noch nicht hundert Jahren 1840 erschie­nen die ersten Briefmarken, und heute befassen sich in aller Welt mehr als sechs Millionen Menschen mit dem Sammeln dieser kleinen Papierstückchen. Schon im Jahre 1900 wurde die Zahl der Sammler auf 950 000 geschätzt, es gab 164 ordentliche Vereine, und in 19 Sprachen erschienen 149 Zeitschriften, die

hatte ...

Fräulein Alma, halloooh, nun lachen Sie mal!", rief er schon von weitem und sprang behend von seinerKarre", um ihr, der vor Freude und leiser Beschämung Errötenden, wie ein Geck mit zwei Fin­gern die Botschaft verschmitzt auszuhändigen. Und Alma sah darauf nieder mit unmerklich zitternden, blassen Lippen, und wenn sie dann eilends in die Stube ging und den Brief fo auf dem Tisch, brennend vor Begier nach seinem Inhalt, liegen sah, traten ihr die Tränen in die entzündeten Augen. Sie kostete die Spannung bis zum Deffnen stets genußvoll aus.

Doch trieb der luftige Postbote auch zuweilen feinen Scherz mit ihr, nicht im unguten, sondern weil er es wirklich gern mochte, das verwaiste Fräulein. Dann stand er und trat wichtig von einem Bein aufs andere und kramte alle feine Postsachen von unterst zu oberst und tat wahrhaftig so als hätte er sich doch geirrt heute ... Sagt's auch keck heraus:

Wirklich schade, wieder mal nichts dabei für Sie, schönes Fräulein."

Ach, schweigen Sie doch, frecher Mensch!"

So ist's richtig, nun bin ich noch der Sündenbock. Aber daß Sie schön sind, Fräulein Alma ..." Und er sah sie spitzbübisch lächelnd an.

Nun aber kein Wort mehr, hören Sie! Sputen Sie sich lieber, junger Mann, andere warten auch auf Post." Und ihre sanften Augen blitzten.

Na, schön", sagte er folgsam und kleinlaut und langte, als sie ärgerlich wegblickte, mit kühnem Griff in die Tasche, um ein Briefchen daraus her- vorzuangeln,sind Sie mir noch bös, Fräulein?"

Da konnte denn Alma freilich nicht mehr mürrisch tun, und sie lachten sich beide. herzlich an. Im Grunde verstanden sie sich gut.

Aber dann kam eine böse Zeit für das kleine Nähfräulein, eine lange, liebearme Zeit, denn der (Strom der Briefe war plötzlich versiegt, und der Zweifel fraß an ihr. Sie würden einige Monate in einem südamerikanischen Hafen bleiben, hatte er noch geschrieben. Uno schwieg. Schwieg Wochen, schrckeg lange Monate. Alma erkrankte an Seele

Sammlerschalter in Neuyork in einem Jahre für 338000 Dollar Po st Wertzeichen verkauft habe, von denen die meisten Marken nicht mehr im Kurs waren.

1934 erschienen 1 7 0 0 neue Marken, davon 542 in Europa das sind 32 neue Postwertzeichen in jeder Woche. Für eifrige Sammler und für solche, diealles haben" müssen, eine schwere und kost­spielige Ausgabe, sich sämtliche Neuheiten zu be­schaffen. Nach dem Stande von Anfang 1935 gibt es insgesamt 6 3 5 2 7 verschiedene Brief­marken. Keine Sammlung weift alle Marken auf. Die größte Sammlung, die des Britischen Museums in London, umfaßt 4000 Bände, worin die meisten Marken sowohl postfrisch (ungebraucht) als auch gebraucht und mit Fehlern und Abarten vorhanden sind.

Tatsächlich stellt diePhilatelie in Zahlen" ein recht romantisches Kapitel in der Weltwirtschaft dar. Allein Deutschland verbrauchte 1933/34 täglich rund 20 Millionen Po st Wertzeichen das sind in der Sekunde nicht weniger als 250 Marken. Die Leistungen einer Briefmarken-Druck- maschine in der Reichsdruckerei in Berlin beträgt etwa 5 Millionen Marken pro Tag. Amerika ver­braucht im Jahre 22 Milliarden Wertzeichen, für 2,2 Milliarden Mark.

1934 wollte der bekannte Philatelist E. I. Lee seine berühmten Sammlungen von Argentinien, die aus 73 Bänden, und von Uruguay, die aus 123 Bänden besteht, verkaufen. Er forderte 80 000 Pfund für die Uruguay-Sammlung und bot jedem Sammler eine Wette von 1000 Pfund an, daß es von keinem Lande eine Sammlung gäbe, die es an Vollständig­keit und Schönheit mit feiner Sammlung aufnähme. Diese Wette hat kein Philatelist angenommen, nicht einmal der verstorbene König von England,

liche Wichtigkeit der Briefmarke jenseits der Dost ist beachtlich. Für die Staatskasse yat die Liebhaberei des Sammelns erhebliche Vorteile: Außer dem Ab­satz der Briefmarken als Frankierungsmittel befaßt sich die Post auch mit dem Verkauf der abgestempel­ten, gebrauchten Marken auf den Postanweisungs­und Paketkarten-Mittelstücken, die meist hohe Fran­katurwerte enthalten, die zunächst den Sammlern entzogen werden, weil jene Abschnitte den Empfän­gern nicht ausgehändigt werden. Diese Marken wer­den später durch diepostalische Derwertungsstelle für Sammelmarken" versteigert ober verkauft. (Ende 1935 wurden in Berlin von der Post 190 Gramm Markenabschnitte für 8 Mark verkauft.) Was diese Nebeneinnahmen" einbringen, ist nicht genau be­kannt. Die Postverwaltung der Vereinigten Staaten gab 1932 in einem Jahresbericht bekannt, daß der