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Kiang zu schützen. Diese resignierte Stimmung steht aper im Widerspruch mit dem jetzt von der oritischen Regierung beschlossenen Aufrüstungspro­gramm. Gegen wen anders, als gegen Japan kann sich ein Programm richten, das den Bau von 200 neuen Kriegsschiffen vorsieht? Vielleicht sind die Engländer entschlossen, im Fernen Osten lediglich eine Verteidigungsstellung zu beziehen und ihre wirtschaftlichen Interessen unter Verzicht auf poli­tische Vorrechte so gut es geht, zu schützen. Aber daß die­ser Schutz mit größter Energie durchgeführt werden soll, beweist die weitere Befestigung von Singa- p o r e und desMaltas des Stillen Ozeans", des Flottenstützpunktes R a b a u l auf der Insel Neu- Guinea.

In England weiß man aber auch, daß England allein zu schwach ist, um die Abwehr gegen Japan erfolgreich Durchzuführen und daß man daher auf Bundesgenossen angewiesen ist. Es ist also natürlich, daß die britische Politik in Bahnen ein­lenkt, auf denen sie sich mit S o w j e t r u ß l a n d zu treffen vermag. Man darf als gewiß annehmen, daß die englische Politik, bevor sie der bolschewisti­schen Lockung für ein Zusammengehen nachgab, sich um die willkommenere Rückendeckung bei dem dritten Partner an Ostasien, bei der verwandten nordamerikanischen Union, bemühte. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß in den Reden amerikanischer und englischer Staatsmänner nach dem Abbruch der Handelsbeziehungen zwischen Moskau und Washington inzwischen sind sie freilich wieder ausgenommen worden der nahe Abschluß einer angelsächsischen Allianz als bevor­stehend durchklang. Die Gründe, warum dieses na­türliche und in beiden Ländern populäre Bündnis nicht zustande kommen kann, liegen wahrscheinlich ausschließlich in den eigenartigen volitischen Ver­hältnissen der Union, in der gewisse demokratische Lehren, verbunden mit jeweils mächtigen wirtschaft­lichen und finanziellen Mächten, die Führung einer einheitlichen und vorausschauenden Außenpolitik erschweren. Jedenfalls ist man in London schon seit etwa einem Jahre zur Ueberzeugung gekom­men, daß der europäische Einfluß, das heißt, die englische Stellung im Fernen Osten nur durch eine weitgehende Interessengemeinschaft mit Sowjetrußland gerettet werden kann.

Es ist nicht anzunehmen, daß die schweren Be­denken, die gegen eine solche Anlehnung sprechen, der englischen Politik verborgen geblieben sind. Sie bat lange der französischen Diplomatie mit Unbehagen zugesehen, wie sie Moskau immer näher in die Ordnung der europäischen Dinge hineinzog, und ihren Einfluß dahin geltend gemacht, daß wenigstens formell der Charakter einer Ver­schwörung gegen Deutschland abgeleugnet werden konnte. Daß dies von jetzt ab, wo die Fäden zwi­schen London und Moskau dicker geworden sind, noch viel schwieriger sein wird, ist klar. Dies zeigt auch der Elan, mit dem soeben in Paris die alten Paktgeschäfte wieder ausgenommen wurden in der Hoffnung, daß nun der englische Widerstand gegen die europäischen Konzeptionen Barthouscher Erb­schaft zu brechen sein werde. Das feststehende Ziel der englischen Politik in Europa ist Ruhe und Sicherung des Friedens auf eine lange Zeit, denn eben dies erfordert die Beschäftigung Englands mit seinen außereuropäischen Interessen. Soweit die Zusammenarbeit mit Frankreich und Sowjetrußland, das ja in der abessinischen Frage England sehr beflissene Sekundantendienste ge­leistet hat, diese Ruhe gewährleisten kann, wird sie England willkommen sein; sollte das Komplott Moskau-Paris aber diese Linie überschreiten und au einer Bedrohung des europäischen Frie­dens, d. h.-Deutschlands übergehen, so würde ihm die englische Unterstützung kaum zur Verfügung stehen. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die triumphierenden Melodien, die jetzt in der deutsch­feindlichen Presse erklingen, bald leiser werden und der Erkenntnis Platz machen, daß, so lange das Fragezeichen des abessinischen Krieges über Europa steht, die deutsche These von derUnreife der Lage" richtig, weil zwingend ist.

Daß England heute andere gewichtige Bedenken gegen eine Verständigung mit der Sowjetunion vor­läufig zurückstellt, nämlich deren unterminierende Tätigkeit in den Ländern des Nahen Ostens, in Syrien, Transjordanien, in Palästina, im Irak und Afghanistan, ja selbst in Arabien, also in allen Län­dern mit mohammedanischer Bevölkerung und lebens- wichtigen englischen Interessen, entspricht einem un­ausgesprochenen aber geschichtlich beglaubigten Grundsatz englischer Politik, die ohne System das am nächsten Liegende Problem erfaßt und die dafür tauglichen Mittel ohne große Bedenken, wie sie sich in anderen Fragen auswirken könnten, ener­gisch einsetzt. Bei solcher Betrachtung vermindert sich das Gewicht der Hoffnungen, die offenbar viele Gegner Deutschlands in diese neue Orientieruna der englischen Politik setzen. Daß aber für Deutschland gewisse Gefahren darin liegen, wenn England seine europäische Politik vorwiegend unter dem Gesichts­punkt seiner überseeischen Befürchtungen regelt, ist nicht zu verkennen; aber es wird vor seinen not­wendigen Ausflügen an die afrikanischen und asiati­schen Grenzen des Empire immer wieder zurück­kehren müssen in das immerhin europäische Mutter­land, das heute weniger als je übersehen kann, daß es ein starkes Deutsches Reich gibt!

Gin Kompromiß in der Oelsrage?

Englische Zusicherungen an Italien?

London, 8. Febr. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" schreibt, der italienische Botschafter in London, Grandi, sei gebeten worden, dem fa­schistischen Großrat beruhigende Versiche­rungen zu übermitteln. Diese Versicherungen bezögen sich besonders auf die Oelsperr e. Gewisse Dölkerbundsstaaten hätten erwogen, ob es nicht möglich wäre, die Oelausfuhren nach Italien auf den normalen Friedensverbrauch au begrenzen. Man könnte dann sagen, daß der Dölkerbuno zwar dem italienischen Volk keine Strafmaßnahmen auferlege, es aber doch ablehne, einen Angriffskrieg durch die Lieferung erhöhter Mengen von Betriebsstoff zu unterstützen. Die französische Regierung habe in Rom nachge­fragt, ob Italien eine solche Oelfontingentierung als militärische Sühnemaßncchmen betrachten würde Auch Grandi sei aufgefordert worden, in Rom dar- auf hinzuweisen, daß eine Sühnemaßnahme dieser Art nicht als feindselige Handlung be­trachtet werden sollte. Das britische Kabinett habe beschlossen, die Empfehlung des Genfer Sachver­ständigen Ausschusses abzuwarten. Dann werde sich möglicherweise zeigen, daßim gegen­wärtigen Abschnitt der Weltorganisation für den Frieden" keine Form der Oelbeschrän- k u n g wirksam gemacht werden könne.

Am zweiten Tag

-ei -en IV. Olympischen Winterspielen

Bei schönstem Wetter großes Interesse für -ie Eishockeyspiele un- den Abfahrtslauf der Skisportler.

Ga r m i s ch-Pa r tenkirchen, 7. Febr. (DNB.) Am zweiten Tage der Olympischen Winterspiele hatte das heftige Schneetreiben aufgehört. Sehr zur Freude der Wettfahrer und auch der Eissport­ler war das Thermometer in der Nacht auf 6 Grad unter Null gesunken. Am Freitag lag das Land im schönsten Wintersonnenglanz, und nun erst erlebten die Besucher aus aller Welt, die schon frühzeitig wieder zu den Kampfplätzen unterwegs waren, die ganze Schönheit dieses Fleckchens deutscher Erde.

Unter starkem Besucherzuspruch wurden d i e Eishockeyspiele im Eisstadion und a u f dem Rießer See fortgesetzt. Im Eis­stadion holten sich Kanada und Amerika den zwei­ten Sieg; Kanada über Lettland mit 11:0, Amerika über die Schweiz mit 3:0. Auf dem Rießer See schlug die Tschechoslowakei Belgien mit 5:0.

Es spricht für die Begeisterung der Schlachten­bummler, daß sie dem er st en Skiwettbe­werb der Winterspiele, dem Abfahrtslauf für Frauen und Männer, in Hellen Scha­ren zuströmten. Schon in den ersten Morgenstun­den rückten sie mit und ohne Skier zum Kreuz­joch, wo sich 1719 Meter hoch der Start zur Ab­fahrt befand. Die Kreuzeckbahn hatte einen Massen­betrieb zu bewältigen. Auf allen Teilen der Ab­fahrtsstrecke, die im steten Wechsel über Wiesen­hänge, steile Buckel, Wald und weite freie Flächen führte, hatten sich dicht vermummt die Schau­lustigen eingefunden. Mit Spannung verfolgten sie den schwierigsten Lauf, bei dem die Teilnehmer durch Fähnchen gebildete Pflichttore zu passieren hatten, um allzu große Schußfahrten zu vermei­den. Den Beginn machten die Käuferinnen. Die Hoffnung der Deutschen, Christ! Cranz, hatte das Pech, zu stürzen. Immerhin erreichte sie noch den 6. Platz. Die b e ft e Zeit fuhr die Nor­wegerin Laila Schou-Nilsen mit 5:04 Minuten. Aber schon an zweiter Stelle kam eine Deutsche, Lisa Resch, die nur 4 Sekunden mehr gebrauchte, wie sich überhaupt unter den ersten sechs, die durch das Ziel gingen, vier Deutsche befanden. Bei den Männern war ebenfalls ein Norweger, Birger Ruud, der Beste. Hier fuhren die Deutschen Pfnür und Lantschner nach ihm die beste Zeit. Der Wettbewerb selbst wird zusammen mit dem Vorlauf nach einem komplizierten Punktsystem gewertet, bringt also allein noch keine Entscheidung.

Die zahlreichen Besucher aus nah und fern, die überwiegend am Vormittag dem Abfahrtslauf bei­gewohnt hatten, fanden in den Nachmittagsstunden Gelegenheit, die weiteren Eishockeyspiele zu sehen. In den Spielen siegte Oesterreich über

Polen mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1), Ungarn über Frankreich mit 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) und Eng­land über Schweden mit 1:0 (1:0, 0:0, 0:0). Man kann jetzt schon sagen, daß die Ungarn sich bis zur Vorentscheidung durchgekämpst haben, ebenso wie Kanada am Vormittag.

Am Abend hatten sich im Eisstadion mehr als 8000 Zuschauer, unter ihnen die Reichsminister Dr. Goebbels und Heß, Reichsleiter Rosen­berg, Stabschef Lutze, Staatssekretär P f u n d t- ne r, der italienische Unterstaatssekretär Ricci und der Kommandeur des VII. Armeekorps, Gene­ralleutnant von Reichenau, eingefunden. Auf dem Programm stand das zweite Spiel der deutschen Mannschaft, die diesmal Ita­lien zum Gegner hatte. Nach einem rassigen Kampfe blieben die Deutschen mit 3:0 Sieger. In jedem Drittel erreichten sie einen Torerfolg. Die Torschützen waren Schibukat, I a e n n e rf e und R. Ball. Der verdiente deutsche Erfolg wurde mit begeistertem Beifall ausgenom­men. Aber auch den tapfer unterlegenen Jtalie- nern zollten die Besucher unparteiisch ihre Aner­kennung.

Dr. Goebbels in der KdF-Halle.

Garmisch - P a r t e n k i r ch e n, 7. Februar. (DNB.) In der KdF. - Fe st halle erschien Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und nahm, freudig begrüßt, mitten unter den schaffenden Volksgenossen Platz. Bald darauf erschollen wieder tausendfältige Heilrufe: Dr. Goebbels und feine Gattin waren am (Eingang des Saales erschienen. Nur mühsam, Schritt für Schritt, kamen sie vorwärts. Immer wieder mußte Dr. Goebbels stehen bleiben, mußte er grüßen und Hände schüt­teln, die ihm entgegengeftredt wurden. Dann wurde ein buntes Unterhaltungsprogramm abgewickelt: eine reizende Kindergruppe aus dem bayerischen Oberland mit Trachtentänzen, Schuhplattler, Jod­ler undGstanzln"-Sänger. Reichsminister Dr. Goebbels, der am Schluß den Mitwirkenden für ihre schönen Leistungen herzlich dankte, wurde in der Pause von Hunderten vonUnterschriften­jägern" umringt, deren Wünsche der Reichsminister nach Möglichkeit erfüllte. Ausländer, die dem Abend beigewohnt haben, meinten, bisher hätten sie nur in den Zeitungen gelesen, daß die führen­den Persönlichkeiten von Staat und Partei immer wieder von dem Jubel der Volksgenossen umringt würden. Heute hätten sie es mit eigenen Augen er­leben können, diese wirkliche Volksgemeinschaft, die alle Volksgenossen im Reiche verbindet.

Wenn -er

inter ausgeblieben wäre

Technische Wunder bei den Olympischen Spielen.

Von Joachim Boehmer.

An den herrlichen Leistungen, die die Sport­kämpfer aller Staaten in den bayerischen Bergen voll­bringen, hat auch die Technik einen hervorragen­den Anteil. War schon die Beförderung der großen Teilnehmermassen auf Eisenbahnen und Kraftwagen eine Aufgabe, die den vollen technischen Einsatz Der Verkehrsunternehmungen erforderlich machte, und hat schon die Post durch reibungslose Abwicklung des ungeheuren Nachrichtendienstes über Kabel, durch Funk und auf dem Briefwege Glanzleistungen voll­bracht, so treten diese Leistungen in technischer Be­ziehung doch nur würdig neben die, die sich mit den eigentlichen Olympischen Spielen befassen.

Da ist zunächst einmal mit der Laune des Wetter­gottes zu rechnen, gegen die die Technik eingesetzt werden muß. Es wäre ja widernatürlich gewesen, wenn in den Februartagen auf den olympischen Plätzen der Winter ausgeblieben wäre. Aber viel hätte nicht gefehlt und die Sportler hätten an Stelle von Eis und Schnee Anemonen und Veilchen vorgefunden. Selbst mit einer der­artigen Wetterlaune haben die deutschen Gastgeber gerechnet. Man hatte ein 60 Meter langes und 30 Meter breites Kunsteisstadion geschaffen, das auch noch bei einer Witterung mit 10 bis 15 Grad über Null den Wettkampf gestattet hätte. (Eine fertige Kunsteisbahn sieht nicht anders aus als ein zugefrorener Teich. Aber was für Geheimnisse stecken unter der dünnen Eisschicht! Die Ingenieure haben eine große Betonplatte darunter gelegt, in der ein langes Rohrnetz liegt, durch das sich als Kältemittel eine Ammoniaklösung bewegt. Pumpen sorgen dafür, daß sich die Kältelösung schnell durch den 20 Kilometer langen Strang be­wegt und die Betonplatte so stark abkühlt, daß das aufgegossene Wasser binnen kurzem gefriert. Eine ständige Nachkühlung ist natürlich schon deshalb erforderlich, damit in den Sportpausen die Eisdecke wieder neu gegossen und damit geglättet werden kann.

Einer der Hauptanziehungspunkte der Winter­spiele sind die Kämpfe aus den Sprung- schanzen. Auch hier hat die Technik große Ar­beit geleistet. Es sieht so einfach aus, wenn der Springer über die Schanze saust. Aber daß die Form und Neigung der Sprungschanzen bis ins Kleinste mathematisch berechnet werden müssen und daß das Sprunggelände durch zusätzliche Bauten hierfür hergerichtet werden muß, überlegen selbst die begeistertsten Zuschauer nicht. Von Der Form der Schanze hängt das Leben der Springer ab. Denn sie erreichen nicht nur Geschwindig­keiten von 100 Kilometer in der Stunde, sondern springen auch so hoch herunter, wie Kirchtürme über die Stadt hinausragen (45 Meter). Wenn nicht bei derartigen Leistungen nicht nur Haltung des Springers, sondern vor allem auch Neigung und Form Der Bahn in vollem Ein­klang zueinanderstehen, vermag ein Mensch die Ver­antwortung für die Kämpfer nicht mehr zu tragen. Die große Sprungschanze in Garmisch ist schon seit zwei Jahren fertig und tausendfach erprobt. Die Rechnungen der Baumeister haben sich als richtig erwiesen.

Das Entscheidende bei allen Sportkämpfen ist die Feststellung der b e ft e n ß e i ft u n g, fei es nach Zeit, nach (Entfernung, nach Höhe oder nach Körperhaltung. Hierüber in den einzelnen Fällen zu urteilen, steht zwar den Schiedsrichtern zu, aber die Technik kann es noch besser. Nicht etwa, weil die Richter sich von nebensächlichen Dingen beein­flussen lassen könnten, sondern einfach deshalb, weil die menschlichen Sinnesorgane für viele Kontrollen

zu träge arbeiten. Wer vermag mit dem Auge einen Unterschied zwischen xmei Zehntel-Sekunden oder gar Hundertstel-Sekunoen festzustellen? Wer kann zuverlässig behaupten, ob zwei Kämpfer tat­sächlich gleichzeitig durchs Ziel gingen oder ob nicht Der eine doch einen Bruchteil einer Sekunde früher war? Diese (Ermittelungen sind aber für die Austragung der Sportkämpfe ausschlaggebend. Alfo muß die Technik helfen und die menschlichen Sinne verstärken. In vielen Fällen tut der photo­graphische Apparat gute Dienste. Ost jedoch arbeitet er nicht fein genug, um den zeitlichen Ab­lauf einer Sportleistung erkennen zu lassen.

Daher hat die Technik besondere Zeitnahme- gerate geschaffen, die alles sehen und aufschrei­ben, was auf dem Kampfplatz vor sich geht. Von jedem der Läufer, die in dichter Folge durchs Ziel gehen, schreibt der Apparat die Zeitkurve auf und gibt auf Bruchteile von Sekunden genau an, wann das Ziel erreicht wurde. Wichtig für die Nutzarbeit dieser Geräte ist, daß sie leicht von einem Ort an den anderen gebracht werden können und von keiner fremden Energiequelle abhängig sind. Außer einem komplizierten Uhr- und Schreibwerk befindet sich darin nichts weiter, als einige Taschenlam­penbatterien, die im Bedarfsfall schnell und überall ersetzt werden können. Von der Skibahn her führt ein Luftdruckschlauch zu dem Gerät. Star­tet der Läufer, so treten die Uhren in dem Meß- gerät in Tätigkeit, elektrisch gesteuert, damit keiner­lei Zeit oerlorengehen kann. Natürlich muß auch die Erreichung des Zieles mit dem gleichen Gerät gemessen werden. Also ist eine elektrische Leitung für die Uebertragung der Messungen nötig, oft mehrere Kilometer lang, wenn Start und Ziel weit von einander entfernt sind. Aber immer ist dafür Gewähr gegeben, daß das Zeitnahmegerät auch in demselben Augenblick, wo der Kämpfer das Ziel erreicht, zum Stillstand kommt. Es ist also eine automatische Stoppuhr mit fern­seherischen Begabungen, die sich unbeeinflußbar in den Dienst des Sportkampfes stellt.

Daß außerdem zahlreiche technische Vorrichtungen für die Befehlsübermittlung an mehrere Stellen, für die Bekanntgabe von Kampf­er g e b n i f f e n an die Zuschauer und für die Be­dienung der Zeitungen aller Länder erforderlich find, ist angesichts der technischen Vollkommenheit unseres Nachrichtenwesens uns schon allen zur Selbstver­ständlichkeit geworden.

Unruhen auf (Sansibar.

London, 8. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf Sansibar, der dem früheren Deutsch-Ostafrika vorgelagerten britischen Insel, waren Hunderte von Arabern in Aufruhr geraten wegen einer neuen Regierungsverordnung, die sich gegen die Verfäl­schung von Copra (Kokosnußkern, der zur Seiden- hcrftellung verwandt wird) richtet. Die Araber schlugen zunächst einen britischen Aufseher mit Sä­beln nieder und ließen ihn schwer verwundet lie­gen. Dann griffen sie mit Säbeln den stellvertreten­den Polizeipräsidenten, den Provinzialkommissar und einen Bezirkskommissar an. Auch diese wur­den schwer verletzt. Ein weiterer Polizeioffizier wurde getötet. Die Araber verwüsteten Das Postamt und richteten großen Schaden an. Die Polizei, die hundert Mann Verstärkung aus Dares­salam erhalten hat, zieht durch die Straßen.

Neue Neichsbürgschasten für den Kleinwohnungsbau.

Berlin, 7. Febr. (DNB.) Durch ein neues Rcichsgesetz ist die bisherige Bürgschaftsermächtigung von 150 auf 250 Millionen Mark erhöht worden. Gleichzeitig haben der Reichsminister der Finanzen und der Reichs- und Preußische Arbeits­minister die Ermächtigung erhalten, in Zukunft den Bürgschaftshöchstbetvag durch einfache Verordnung zu bestimmen. Durch die Erhöhung ist die Möglichkeit gegeben, weiterhin den Kleinwohnungsbau durch Beschaffung nachstelliger Hypotheken auf dem privaten Kapitalmarkt wirksam zu fordern, billige und gute Wohnungen und Eigenheime für die wirt­schaftlich schwachen Volksgenossen zu schaffen und da­mit auch den Arbeitsmarkt wirksam zu unterstützen. Inzwischen hat der Gesamtbetrag der durch den Reichsbürgschoftsausschuß und die Landesbürgschafts- ausfchüsie übernommenen oder beschlossenen Reichs­bürgschaften eine Höhe von rund 175 Millionen RM.

Lebendige Nvlksgeschichle.

Seit sich das deutsche Volk in Kriegs- und Nach­kriegsnot wieder auf seine ursprüngliche volkliche und kulturelle Gemeinschaft besann und m allen seinen Gliedern ungleich mehr als zuvor Volks- und Volkstumsgeschichte ge­pflegt wird, wurde zugleich offenbar, in welchem Maße rein staatliches Denken das Gefühl für die volklichen Zusammenhänge getrübt hat. Auch die Wissenschaft hatte vielfach über der Geschichte der Staaten die Geschichte des Gesamtvolkes vergessen oder vernachlässigt. Aus diesem Tatbestände ergab sich gerade für die Wissenschaft die Aufgabe, die verschiedenartigen Geschichtsbilder, die im deutschen Volksraum auf Grund der besonderen staatspoliti- schen Entwicklung geprägt wurden, in einer höheren Einheit auszugleichen und zu einer lebendigen Er­kenntnis unserer Volksgeschmste als Ausdruck dieser Einheit zurückzufinden. In ihrer zwingenden Not­wendigkeit hat der Wiener Historiker Ritter von S r b i k diese Aufgabe in einer Reihe von Vor­trägen herausgestellt, die er in der Berliner Uni­versität gehalten hat.O e st e r r e i ch s Stel­lung in der deutschen Geschichte", so lautete das Gesamtthema, und im Mittelpunkt der Darstellung des Wiener Historikers stand natur­gemäß die Aufsplitterung des deutschen Denkens, die die innere Zersetzung des alten Reiches be­gleitete, stand derdeutsche Dualismus", die entscheidende Wendung, die der deutschen Ge­schichte durch den Kampf zwischen Preußen und Oesterreich, zwischen Friedrich dem Großen und Maria Theresia aufgezwungen wurde.

Schwer lastet die Verantwortung auf dem Hi­storiker, der den gesamtdeutschen Gedanken in sich trägt, das rechte Maß in der Beurteilung der Geschehnisse zu finden, die ebenso reich an zerstören­den wie an aufbauenden Kräften für das deutsche Gesamtvolk geworden sind. Das Ganze des deut­schen Volkes, nicht der staatliche und konfessionelle Teil, müssen der Bewertung zugrunde liegen". Von diesem Gemeinschaftsstandpunkte aus schilderte Ritter von Srbik die geschichtliche Entwicklung, räumte er mit Vorurteilen und Irrtümern auf, und die ewige Wahrheit der Geschichte stand ihm zur Seite. Denn die realpolitische und geschichtsbildende Bedeutung des preußischen Friedrich und der Kai­serin zu Wien, die gewaltigen Kräfte des deutschen Volkes in ihrer Ganzheit offenbaren sich ja erst dann, wenn nicht die eine ober andere Seite verabsolutiert wird, sondern wenn durch umfassende Wertung der tragenden Persönlichkeiten, die auf beiden Seiten schöpferische deutsche Menschen waren, auch im verhängnisvollen und ttagischen Zu­sammenprall der Kräfte und den aus ihm gebore­nen Folgen ein gemeinsamer Sinn gesucht und aus ihm die Ausgabe der Zukunft gedeutet wird, dieUmwege der Geschichte" dennoch zu meistern.

Auch die geheimnisvolle Größe des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wuchs noch einmal in dieser Darstellung, die mit Karl V. und Ferdinand I. begann, anschaulich empor. Denn dieses Reich war noch zu einer Zeit, als die territoriale Sonderentwicklung seine ursprüngliche Einheit längst aufgelöst hatte, traft der ihm inne­wohnenden Idee imstande, sich selbst und das Abendland vor dem Einbruch der Türken zu retten und zugleich den französischen Reichsfeind im Westen, wenn auch unter schmerzlichen Verlusten, in Bann zu halten. Und wenn wir in Fri edrich dem Großen den notwendigen Schöpfer einer neuen festen Staat­lichkeit inmitten einer zwangsläufigen Auflösung der überlebten Formen des mittelalterlichen Reiches be­greifen, einer Staatlichkeit, die kraft ihrer inneren Stärke über sich selbst hinauswuchs und die starke Grundlage zu einem neuen Deutschen Reiche bilden konnte, wäre das preußisch-deutsche Werk möglich gewesen ohne das schöpferische Erbe, das das alte Reich den Nachfahren hinterließ, ohne die Reichs­idee, Die die deutschen Habsburger beseelte, ohne den Prinzen Eugen, der mit Hilfe aller deutschen Stämme die Türken schlug und auch Frankreich niedergerungen hätte, wenn nicht, an­ders als im Osten, Frankreich gegenüber der son­derstaatliche Eigennutz dem Kaiser den Endsieg aus der Hand geschlagen hätte? Und wie konnten wir über den deutschen Dualismus die machtpolitische und kulturschöpferische Leistung Preußens und Oesterreichs vergessen: die Ausweitung unserer Dolksgrenzen im Osten und Südosten, die hier wie dort nicht möglich gewesen wäre, wenn dynastisches Machtstreben und Hausmachtpolitik nicht zugleich Dienst am Volke und Volkstum gewesen wäre. Erst wenn wir die geschichtlichen Großen Preußen und Oesterreich eingefügt in die Gemeinschaftsbahn un­serer Volksgeschichte werten, werden wir uns klar, warum die R e i ch s i d e e, als das alte Reich selbst endgültig zerschlagen worden war, nicht starb, daß sie in den Freiheitskriegen mächtig auf­flammte und auch den Bruderkrieg des 19. Jahr­hunderts überdauerte, wird uns auch klar, daß ge­rade dieseReichsidee" es war, die den deutsch-öster­reichischen Soldaten im Weltkriege befähigte, bis zum Aeußersten durchzuhalten, ohne daß hinter ihm, wie hinter den Reichsdeutschen, ein wirkliches Deutsches Reich als Vaterland gestanden hätte.

So gestaltete der Wiener Historiker im Rückblick auf die Vergangenheit in großen Zügen ein gesamt- deutsches Geschichtsbild, entwickelte er an seinem Thema die wesentliche Zielsetzung der Wissenschaft: deutsche Volksgeschichte zu schreiben und zu vermit­teln und so das Wissen um Wesen und Sein unseres Gesamtvolkes zu vertiefen. Seine Darstellung ent­hüllte zugleich die durch die Erfahrungen der Ge- schichte erhärtete Notwendigkeit, durch die Ausprä­gung eines solchen einheitlichen Geschichtsbildes der volklichen Einheit über alle Umwege der (9e< schichte hinweg zu dienen.