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Nr. >82 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Donnerstag, 6. August 1956

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Bericht aus Madrid.

Von unserem Ech.-Berichterstaiter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Madrid, 31. Juli 1936.

In diesem Augenblick weiß ich noch nicht, auf welchem Wege diese Ausführungen Madrid, den Operationsmittelpunkt der linksrepublikanischen spa­nischen Regierung verlassen können, um der deut­schen Öffentlichkeit ein Bild von der wirk­lich e n L a g e innerhalb des Machtbereichs der spa­nischen Kerenski-Regierung zu geben. Sämtliche tele- araphischen und telephonischen Verbindungen mit manischen Provinzstädten und mit dem Auslande stehen, soweit eine solche Möglichkeit überhaupt vor- hnnden ist, unter scharfer Kontrolle der staatlichen Zensurbehörden. Versuche, dem Ausland Mitteilungen zu machen, die nicht genau den von der Regierung ausgegebenen Verlautbarungen ent­sprechen, ziehen strengste Bestrafung nach sich. Va­lencia ist zur Zeit das einzige Tor, durch das die Regierung in Madrid einen unregelmäßigen und unsicheren Personen- und Postverkehr mit dem Aus­land unterhält. Alle anderen Küstengebiete und Häfen sind, soweit sie sich nicht in Händen der Mi­litärgruppe befinden, durch die unter dem Macht- einsluh der Aufständischen stehenden Landesteile von der Hauptstadt abgeschnitten, so daß zweifellos von einer Einkreisung Madrids gesprochen wer­den kann. Diese Einkreisung trägt jedoch nicht den Charakter der Planmäßigkeit; sie ist kein fester Sing, vorläufig noch keine Schlinge, die enger ge­zogen wird und den Madrider Machthabern allmäh­lich den Hals zuschnürt. Die hauptsächlich nach den Landesgrenzen zu liegenden Stellungen der Mili­tärgruppe sind zu sehr zerrissen, die Volksfront­haufen zu stark in den feindlichen Gürtel eingedrun- aen, so daß man zur Stunde einen wirklichen Er­folg där Einkreisungspolitik noch nicht feststellen kann.

Madrid hat schwere Tage hinter sich und es ist noch nicht abzusehen, was für ein Schicksal die Bevölkerung und die nicht unter dem Schutz frem­der Kriegsschiffe stehenden Ausländer noch erwar­tet. Die Ungewißheit über den Stand der militä­rischen Operationen, über den etwaigen Ausgang des Bürgerkrieges, die zahllosen Gerüchte über an- qebliche Erfolge hüben und drüben, über das en> sezliche Morden eines von niedrigen Instinkten ge­loteten Untermenschentums, die Ungewißheit über das Schicksal zahlreicher rechtseingestellter Perso­nen, die verhaftet, verschwunden sind oder sich ver­steckt haben, üben einen moralischen Druck auf jeden Menschen aus, der schier unerträglich ist. Man kann erleben, daß ein Mensch dreimal am Tage vollständig in seiner Stimmung umschlägt. Aus Grund irgendwelcher Gerüchte ist er morgens felsenfest von dem Sieg der Militärs und der bal­digen Befreiung Madrids überzeugt, mittags hört er im Gespräch mit Freunden genau das Gegenteil und sieht sein Ende nahen, wobei die amtlichen Rachrichten, die die Regierung unermüdlich im Rundfunk verbreitet, das ihrige tun, und einige Stunden darauf gewinnt er durch Berichte, die ihm unter Umständen sogar von den aus der Sierra zlirückkehrenden Milizsoldaten gegeben werden, wie­der eine zuversichtliche Haltung.

Es ist wohl bei keinem Bürgerkrieg so viel ge­logen worden wie in diesem. Die Nachrichten, die über den Madrider und über die Militärsender gegeben werden, sind so widersprechend, daß es fast unmöglich ist, durch Gegenüberstellung der Behauptung ein halbwegs klares Bild zu ge­winnen. Es wäre aber falsch, wollte man nur der Madrider Regierung allein den Vorwurf der Ver­breitung tendenziöser Nachrichten machen. Nach weinen Erfahrungen beim Abhören der unter Militärkontrolle stehenden Sender kommt diesen auch ein Anteil an den Falschmeldungen zu. Acht Tage nach dem Fall der Madrider Kasernen, von bem die Bevölkerung im Stadtinnern nur das bumpfe Dröhnen der Kanonen und das Einschla­gen der Fliegerbomben vernommen hat, wurde von einem Militärsender noch die Nachricht verbreitet, boß sich die vom Norden vorstoßenden Truppen bes Generals Mola bereits mit der aufständischen Garnison der Madrider Kaserne de la Montana vereinigt hätten, daß Madrid in der Hand der nationalen Truppen sei und in der Hauptstadt nur noch in der Nähe des Verkehrspalastes Schießereien flattfänden, wo sich die Ueberreste der regierungs- treuen Elemente verborgen hielten. Die Mimste- riert seien von Militärfliegern in Schutt und Asche gelegt worden. Die Haltlosigkeit dieser Behaup­tungen konnte jeder Besitzer eines guten Radio­apparates in Madrid nachweisen. Derartige Falsch­meldungen trugen naturgemäß nicht dazu bei, Die rechtlos gewordenen national eingestellten Bevolke- . rungskreise zu ermutigen.

Wie der entsetzliche Bruderkampf in Spanien auch ausgehen mag, so ist der Madrider Re­gierung ein gewisses Geschick nicht abzustreiten, bas sie in der Beeinflussung der Oeffer.tlichkeit be- öiefen hat. Durch die fortlaufende gesetzgeberische Arbeit, die regelmäßigen, Vertrauen erweckenden Rundfunkberichte über die Lage in ^n Kampf­gebieten, ferner durch die zweifellos geschickt av- pefaßten Rundfunkreden einiger Minister und ihres Präsidenten Giral, durch die Einschränkung Der Rechte der roten Miliz und die Schutzbestimmungen gesen rechtswidrige Haussuchungen und Veryas- turgen hat die Regierung Giral eine Kaltblutig- lii: an den Tag gelegt, die sehr stark zur Beruhi­gung der Bevölkerung und zur Aufrechterhaltung bti Ordnung, soweit das im Rahmen der Verhält­nisse möglich war, beigetragen hat. Die Regierung, deren Mitglieder keine Marxisten, sondern Llnks- bürg erliche sind, hat wiederholt betont, daß sie

Oie spanische Militärgruppe meldet Beginn des erneuten Vormarsches aus Madrid

Lissabon, 6. Aua. (DNB. Funkspruch.) Ge­neral Queipo de Llano hat im Rundfunk bekanntaegeben, daß er sich persönlich von der vollständigen Ruhe in Cordoba über­zeugen konnte. General Mola sei mit den Vor- lereitungen für den Endkampf beschäf­tigt, der in wenigen Tagen beginnen werde, lieber die Kampftage teilte der General mit, daß nationalistische Abteilungen aus Granada auf dem Weg von Malaga nach Monte Frio marxi­stische Formationen vernichtet hätten. Nach erbitterten Kämpfen sei es den Streitkräften der Militärgruppe gelungen, die Ortschaft Bra - c a n a zu besetzen, wo zahlreiches Kriegsmaterial und Munitionsoorräte in ihre Hände gefallen seien. Die Roten hätten 200 Tote auf dem Kampfplatz zurückgelafsen. Schließlich gab General Queipo de Llano noch bekannt, daß sich nun 6 0 0 0 Mann Stoßtruppen auf dem spanischenFest- l a n d befänden, die aus Fremdenlegionä­ren zusammengesetzt seien.

WieDiario Lisboa" erfährt, sollen Madrider Miliztruppen am Mittwoch versucht haben, den linken Flügel der vor der Hauptstadt stehenden Streitkräfte General Molos einzukreisen. Der Ver­such sei mißlungen und die rote Miliz sei nach einem heftigen Kampf zurückgeworfen wor­den, wobei sie 600 Tote verloren habe. In die Hände der Militärgruppe seien 60 Gefangene, zwei Tanks und 14 Kraftwagen gefallen. Der Bericht­erstatter des Blattes meldet weiter, daß General C a v a l c a n t i zur Verstärkung der vor Madrid stehenden Streitkräfte der Militärgruppe 3500 Mann heranführe.

Der Sonderberichterstatter desDaily Tele­graph", Sir Percival Phillips, erfährt aus zuver­lässiger Quelle in Gibraltar, daß der Vormarsch der National! st en von Sevilla nach Madrid am Mittwochfrüh begonnen habe. Cine Streitkraft von etwa 5000 Mann habe die Stadt in den frühen Morgenstunden auf Lastkraft­wagen und in Prioatautomobilen in Richtung Badajoz als erstem Ziel verlassen. Eine zweite Kolonne schlage zunächst den Weg nach Norden ein, um einige in kommunistischen Händen befindliche Ortschaften zu nehmen. Später sei beabsichtigt, g e - meinfam hie Stadt Merida z u be­setzen, die ebenfalls noch in der Gewalt der Kommunisten sei. In dem Bericht heißt es weiter, daß die Säuberungsarbeiten im Tal des Guadal­quivir bereits beträchtliche Fortschritte gemacht hät­ten und daß es gelungen sei, eine ganze Reihe von Dörfern von Kommunisten völlig zu befreien.

Francos Truppenverschiffungen aus Marokko.

Zwischenfall in Gibraltar.

London, 6. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach Berichten aus Gibraltar ist die Verschiffung von Truppen des Generals Franco von Ceuta in Spanisch-Marokko nach Algeciras in vollem Gange. Dabei kam es am Mittwoch während eines Feuer- qefechts zwischen einem Kriegsschiff der Madrider Linksregierung und Flugzeugen der Nationalisten zu einem Zwischenfall, der in England in­sofern einige Erregung auslöste, als wegen eines ähnlichen Zwischenfalles vor etwa acht Tagen aus­drücklich Protest erhoben und mitgeteilt worden war, daß im Wiederholungsfälle zu besonderen Schutzmaßnahmen geschritten werden müsse.

Dieses Mal krepierte eine von einem spanischen Regierungszerstörer abgefeuerte große Granate in unmittelbarer Nähe des Flüchtlingslagers a u f dem Rennplatz von Gibraltar, in dem etwa 800 britische Untertanen untergebracht sind. Weitere 400 Meter von dieser Stelle entfernt be­findet sich der Standort des Gordon-Hochländer- Regiments. Die Granate riß einen sechs Meter breiten Krater auf, doch wurde glücklicherweise niemand verletzt. Im Verlaufe des Feuer­gefechts schlugen die Flugzeuge der Nationalisten den Zerstörer in die Flucht, so daß der Truppen­transport, der mit zwei Passagierdampfern durch­geführt wurde, unbehindert oonftatten gehen konnte. Es handelt sich um insgesamt 2000 Mann.

Der britische FrachtdampferM e d o n" (5900 Tonnen) wurde beim Passieren der Meerenge von Gibraltar durch die Bombenabwürfe

eines spanischen Regierungsflugzeu­ges gefährdet. Vier Bomben fielen in unmit­telbarer Nähe des Dampfers ins Meer. Sie galten einem U-Boot der Militärgruppe, das jedoch un­getroffen entkam. Zwei britische Wasser­flugboote, die von Algier nach Gibraltar flo­gen, wurden von Kriegsschiffen der spanischen Re­gierung beschossen, weil diese die Flugboote für solche der Militärgruppe hielten. In Gibraltar mußte der regierungstreue ZerstörerLe - p a n t o" Zuflucht suchen, nachdem er von fünf Flugzeugen der Militärgruppe mit Bomben beworfen worden war. Eine Bombe hatte das Luftabwehrgeschütz des Zerstörers getroffen. Nach- dem der Zerstörer einen Schweroerwundeten im Lazarett von Gibraltar abgegeben hatte, verließ er den Hafen wieder, um der Internierung zu ent­gehen.

Einer Hölle entronnen.

Furchtbare Erlebnisse deutscher Spanien-Flüchtlinge.

München, 5. Aug. (DNB.) Unsere deutschen Flüchtlinge aus Spanien haben in den letzten Tagen und Wochen so viel Grausiges erlebt, daß es uns in unserem neuen Deutschland unglaublich erscheint, daß derartige Zustände in einem europäischen Lande überhaupt denkbar sind. In Spanien macht sich unter dem Einfluß bolschewistischer Propaganda ein hemmungsloses Untermenschentum breit.

Im Wartesaal des Münchener Hauptbahnhofes, in dem den Flüchtlingen der erste festliche Empfang auf deutschem Boden bereitet wird, sitzt ein jun­ger Deutscher und ist kaum fähig, einen Bissen zu essen. Vor wenigen Tagen erschien in später Nachtstunde vor dem Hause seiner Familie in Bar­celona ein Trupp bewaffneter Anarchisten. Sie schlugen die Haustür ein, ergriffen feinen 65jährigen Vater, seine Mutter und seinen Bruder. Die Frau wird von den verhafteten Männern getrennt, es ge­lingt ihr, durch die Herausgabe von Schmuckstücken vorläufig noch ihr Leben zu retten. Sie wird auf einen Lastwagen gestoßen und abtranspor­tiert. Bis heute weiß der überlebende Sohn nicht, ob feine Mutter noch am Leben ist. Die überwältig­ten beiden Männer werden in den Hof geschleppt, der Vater mit drei Schüssen niederge st reckt, sein achtzehnjähriger Sohn mit Gewehrkolben buchstäblich erschlagen. Der Ueberkbenbe mußte diese grauenvolle Szene von einer Dachluke aus mit beobachten. Die Horde plünderte daraufhin das ganze Haus. Zwei Tage mußte sich der junge Deutsche versteckt halten, bis es ihm gelang, den Hafen zu erreichen, um auf einen deutschen Dampfer zu kommen, der unter dem Schutz des Panzerschiffes Admiral Scheer" die Flüchtlinge aufnahm. Das ist ein Fall unter vielen. Kaufleute, Ingenieure, An­gestellte werden wahllos niedergemacht. In der Millionenstadt Barcelona wurden jämtliche KirchenundKlö ft ergepl ändert und an­gezündet, Mumien an den Gittern aufgespießt, die Sarkophage gewaltsam geöffnet und die Gebeine auf die Straße geworfen.

Unsere deutschen Volksgenossen, denen es gelungen ist dieser Hölle zu entkommen, sind dankbar, ihr Leben gerettet zu haben. Sie mußten ihre Woh­nungen von heute auf morgen verlassen. Es war ihnen auch nicht möglich, ihre Ersparnisse mitzuneh­men, da die Banken meistens seit Wochen geschlos­

sen sind. Vollkommen mittellos kommen täglich ganze Familien in Deutschland an. Gestern mittag ist wieder ein Flüchtlingszug mit 380 Per­sonen, darunter 210 Frauen und Kinder, in Mün­chen eingetroffen. Es ist eine Ehrenpflicht des deut­schen Volksgenossen, diesen Menschen zu helfen. Auch die kleinste Gabe ist ein Beweis deutscher Schicksalsverbundenheit. Gebt Spenden für den Hilfsausschuß für Spanien-Deutsche, Berlin W. 35, Tiergartenstraße 4a ober bei ber nächsten Spar- unb Girokasse. Auch bie Geschäftsstelle bes Gie­ßener Anzeigers nimmt Spenben entgegen.

Marxistische Greueltaien.

Revolutionstribunale in Madrid.

Scheiterhaufen in Barcelona.

2Imfterbam, 5. Aug. (DNB.) DasDagblad" von Norbbrabant veröffentlicht einen erfchüttern- ben Bericht über bas Blutbab von Mabrib. In bem Bericht, ber burch einen Sonberkurier über Lissabon an bas Blatt gelangt ist, heißt es, bie Tribunale, beren Mitglieber burch bie marxi­stischen Gewerkschaften ernannt werben, arbeiten Tag unb Nacht. Der Berichterstatter, ber in unmittelbarer Nähe einer Kaserne wohnt, hört jeben Morgen bas Geknatter ber Salven ber Exekutionskommanbos. Die Namen ber Hingerichteten werben nicht bekannt gegeben, boch werben die grauenhaft verstümmelten Lei­chen ber Erschossenen zur Schau gestellt, angeblich mit ber Absicht, bie Bevölkerung einzu- schüchtern. An bem Fuße einer hohen Mauer, an ber noch beutlich Kugeleinschläge zu sehen waren, lagen bie Leichen ber Opfer auf einem Haufen, meift in Offiziersuniform ober im Priesterkleib. Die Leichen ber Frauen waren völlig entfleibet. Große Lachen von Blut bebeck- ten ben Boben. Unter ben Anwesenben, bie im stummen Grauen an biefem Leichenfelb Darüber» zogen, befanden sich Frauen, Mütter, Schwestern, ja selbst Kinber von Verhafteten, bie unter ben Toten ihre Angehörigen suchten. Die Wächter, rohe Burschen in offenen Waffenröcken, hatten bie An­weisung, auf Wunsch bie Leichen ber Angehörigen zu zeigen. Mit Fußtritten würben bie entseelten Körper aus bem großen Haufen herausgestoßen.

keinesfalls bie Rolle einer Kerenfki-Regierung spie­len wolle. Ihre Kalkulation ist jeboch falsch, benn es besteht wohl kein Zweifel barüber, baß sie, wenn bie Jbeale Lenins ober Bakunins siegen sollten, sehr balb von ber Bilbfläche verschwinbet. Die Waffen, bie bie Linksbürgerlichen bem Volk, b. h. anarchosynbikaliftischen Pistoleros, ben halbwüchsi­gen Burschen unb jungen Mäbchen ber roten Ju- genborganifationen u. a. in bie Hanb gegeben haben, werben sich eines Tages gegen bie Ver­antwortlichen f e I b ft wenben. Die unglück­liche Ehe zwischen ben Anhängern ber Moskauer Umsturzlehre unb ben Vertretern ber gemäßigten Linken, bie nur bas Mittel zum Zweck finb, wirb sich bitter rächen. Ein Sieg ber Regierung würbe noch keine klare Lage schaffen, fonbern e r ft ben Entscheibungskampf unter ben Li n - k e n selbst einleiten, ber sich aHerbings unmittel­bar an einen Regierungssieg anschließen unb mit ber enbgüUigen Ausschaltung bes linksbürger- licben Einflusses enb<m könnte.

Wenn man bie Möglichkeiten eines Sieges, bie für Regierung und Militärgruppe bestehen, gegen­einander abwägt, so schneidet die letztere am gün­stigsten ab, vorausgesetzt, daß Waffenlieferungen in größerem Umfange von Paris oder Moskau nicht erfolgen. Der größere Teil des spanischen Volkes steht innerlich hinter der nationalen Bewegung. Wenn bas in ben unter bem Einfluß ber Mabriber Regierung stehenben Provinzen auf ben ersten Blick nicht ber Fall zu fein scheint, so liegt bas nur an ber Terrorherrschaft einer zu allen Grausamkeiten bereiten, stark anarchistisch burchsetzten Minberheit Wenn eine unüberlegte Aeußerung schon ben Kopf kosten kann, wenn Mangel an marxistischer Begei­sterung sofortige Entlassung, Nichtauszahlung bes Monatsgehalts, Streichung ber Pensionsbezüge usw.

nach sich zieht, wenn ein Wort zugunsten ber Auf- stänbischen, eine anonyme Anzeige wegenrepu­blikanischer Unzuverlässigkeit" bie sofortige Einker­kerung bewirken kann, so wirb sich jeher national- gesinnte Spanier hüten, seinen Gegnern burch Her­vorkehren seiner vaterlänbischen Ueberzeugung eine Waffe in bie Hanb zu geben.

Die Polizei (Guarbia Civil, Guarbia De Asalto) befinbet sich ebenso wie ein Teil ber Armee, ber scheinbar noch regierungstreu ge­blieben ist, in einer ähnlichen Lage. Mit wenigen Ausnahmen bürste ben Angehörigen ber bewaff­neten Macht bie anarchistisch-kommunistische Parole Abschaffung von Heer unb Polizei, Bewaffnung bes Volkes!" unb ihre zwangsläufige Folge klar fein. Es mürbe jeber Logik entbehren, wenn bie Guarbia Civil, beren Beamte bei ber Oktoberrevo­lution 1934 am meisten unter bem Terror ber roten Volkshaufen gelitten haben, sich heute aus voller Ueberzeugung hinter die Regierung unb ihre roten Milizscharen stellen würbe. Sie übt zum großen Teil passiven Wiberstanb, greift kaum in bie Kampfhanblungen ber Regierung ein und bleibt ebenso wie zahlreiche Regimenter der Armee m ben Kasernen Offene Auflehnung wäre unklug, da bie Aussichten auf Erfolg in Anbetracht ber Wachsamkeit ber roten Miliz in ben von ihr be­herrschten Stäbten gleich null finb, unb em zusam­menhangloser Aufstanbsversuch nur ein entsetzliches Blutbab im Gefolge haben mürbe. Dagegen sind die Gerüchte von bem Uebedaufen geschlossener Formationen Guarbia Eivil, bie in ben Kampf gegen bie Ausstänbischen eingesetzt würben, durch­aus glaubwürdig.

Wie steht es nun mit der Zuverlässigkeit der V o l k s f r o n t m i l i z . desbewaffneten Volkes ? Wie hoch ist ihr militärischer Wert einzuschatzen?

Es steht zunächst fest, baß ihr eine moralische Kraft innewohnt, bie nicht unterschätzt werben barf. Wer bie fanatische Begeisterung, ben Siegestaumel ber Menge nach ber erfolgreichen Beschießung ber Ma­briber Kasernen gesehen, wer beobachten konnte, mit was für einem kriegerischen Uebermut Hunberte von zum Teil in Lumpen gehüllte Gestalten in re­quirierten Luxusautos unb Lastwagen an bie Front fuhren, ber gewinnt bie Ueberzeugung, baß biefe roten Volkshaufen, bie fein Parbon kennen, gut ausgebilbeten, aber moralisch weniger gefestigten Truppen erheblich zu schaffen machen können. Aber mit Begeisterung allein gewinnt man feinen Krieg. Die Ausrüstung ber Miliz ist außerorbentlich bürf» tiq. Die Fußbefleibung besteht burchweg aus Binb- fabenfchuhen, fo baß bie erstenDerwunbeten", bie nach Mabrib zurücktransportiert würben, sich Blasen an ben Füßen gelaufen hatten unb baburch kampf­unfähig geworben waren. Die ärmliche Kleibung ber Miliz, bie meistens aus blauen Schlosseranzügen besteht, bas Kampieren im Freien währenb ber fal­ten Nächte in ben Bergen, bie vollstänbig unge­wohnte Hanbhabung ber Waffen, bie größere Treff­sicherheit bes feinblichen Feuers unb bie baburch verursachten großen Verluste, unb nicht zuletzt bie bemoraüfierenbe Wirfung ber Luftangriffe haben bas ihrige getan, um bie Begeisterung sehr bald zum Abflauen zu bringen. Die Zeit arbeitet für bie Militärgruppe, bie nicht nur über eine ungleich bessere militärische Führung verfügt, fonbern aud) mit einer roirffameren Unterstützung burch bie Be- oölferung rechnen fann. Alles hängt inbes davon ab, ob Frankreich bem Einfluß Moskaus erliegt unb bie spanische Regierung mit Waffen unterstützt, ober ob es vor ber ungeheuren Verantwortung, bie es bamit auf sich nehmen würbe, zurückschreckt.