Einzelbild herunterladen

ssr .täsä » 8iwa'»« ft

** JP e r Gießener Herb st markt lSckau- ^sEnufsmesse) findet vom 20. bis 27 Sept Die Vergebung der Plätze für diese Veran- taltung betrifft eine Bekanntmachung des Ober­bürgermeisters in unsrem heutigen Anzeigenteil ^uf die wir die Interessenten besonders Hinweisen' -^»^"hmarkte in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet hier Rindvieh-MuKvieb^ Der nächste Schweinemarkt wird am Mittwoch, 24. Juni, abgehalten.

** Wiedersehens feier der ehemali- aen 390er in Gießen. Man schreibt uns: ^».-Erstenmal seit dem Weltkriege versammeln sich die Kameraden des ehemaligen Infanterie- Regiments 390 am 20. und 21. Juni zu einem Regimentstreffen in Gießen. Im August 1916 wurde bas Regiment zusammengestellt, die 9./116 wurde 0-/390. Rach zweijährigem Bestände wurde es auf­gelöst Rach 20 Jahren seit der Gründung finden sich die einstigen Offiziere und Mannschaften zu­sammen, um sich wiederzusehen und der toten Ka­meraden zu gedenken. Manch tapferer Sohn der Stadt Gießen hat in den Reihen der 390er fürs Vaterland geblutet, sein Leben dahingegeben Aus diesem Grunde findet am Sonntag, 21. Juni 1145 Uhr, eine Totengedenkfeier am Denkmal des In­fanterie-Regiments 116 statt. Aus naher und weiter Ferne eilen die Kameraden herbei, mancher unter schwersten Opfern. Daher bittet die Leitung der Wie­dersehensfeier die stets opferwillige Gießener Bür­gerschaft um Bereitstellung einfacher Unterkünfte für den 20./21. Juni. Wegen Gestellung von Quar­tieren bzw. Freiquartieren wolle man sich bitte an Studienrat Otto Schad, Gießen, Alicenstr.22, wenden.

Große Strafkammer Gießen.

Wegen Sittlichkeitsverbrechen wurde W. K. aus Heidelbach zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Der H. O. aus Selters und der L. B. aus Lich, die beide auf einer Domäne tätig waren, fuhren im Winter vorigen Jahres mit zwei Pferdewagen in den Wald, um Holz zu holen. Unterwegs spra­chen sie tüchtig dem Alkohol zu, was sie jedoch nicht hinderte, ihre Wagen weiterzufahren. Bei dieser Gelegenheit geriet ein Wagen an einer Böschung ins Rutschen. Als man ihn wieder auf die Fahr­bahn bringen wollte, stürzte der Wagen um, wobei ein Arbeiter getötet wurde. Vom hiesigen Schöf­fengericht wurden die Angeklagten zu je zwei Mo­naten Gefängnis verurteilt. Auf Grund der gestri­gen Beweisaufnahmen wurde auf die Berufung der Angeklagten O. zu 100. und B. zu 250. Mark Geldstrafe verurteilt.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der H. Sch. vom Schöffengericht zu zwei Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Der Ange­klagte fuhr im August v. I. die Kaiserallee hinun­ter und stieß dabei mit einem Motorradfahrer zu­sammen, der schwer verletzt wurde. Auf Grund der gestrigen Beweisaufnahme wurde auf seine Beru­fung der Angeklagte zu 250. Mark Geldstrafe, hilfsweise 50 Tagen Gefängnis, verurteilt.

Amtsgericht Gießen.

Wegen Bettelns wurde der bereits einschlägig vorbestrafte K. Sch. aus Langenstein zu vier Wochen Haft verurteilt. Außerdem wurde die Unterbringung in einem Arbeitshaus angeordnet. 20 Tage Untersuchungshaft werden angerechnet.

Die Handwerker-Radsternschrer in Gießen.

Der gestrige Regen war die einzige unerfreuliche Ueberraschung für die aus Norddeutschland zum Reichshandwerkertag nach Frankfurt a. M. radeln­den Handwerker-Sternfahrer. Er be­dingte auch eine Verzögerung der Ankunft in unse­rer Stadt. Als die Radler bann mit etwa einstün­diger Verspätung in der Marburger Straße an der Abzweigung der Straße zum Friedhof eintrafen, meldeten sie sich schon von weitem mit freudigen Zurufen, und die Kapelle K r e n g e l empfing sie mit frischen Marschweisen.

Kreisbetriebszellenobmann Stein und Kreis­handwerksmeister Stühler ließen die mit dem deutschen Gruß und lauten Zurufen grüßenden Radfahrer an sich vorbeifahren bis zu ihrer Halte­stelle, tauschten dort mit den Führern den Will­kommensgruß aus und besprachen den weiteren Marschweg. Unter Vorantritt der Kapelle Kren- g e l marschierte dann der große, etwa 120 Mann umfassende Zug der Gäste durch die Straßen der Stadt, in der die forschen Marschweisen zahlreiche Neugierige in die Straßen und an die Fenster lockten. Trotz des einsetzenden Regens waren die bereits 500 und teils noch mehr Kilometer gefahre­nen Handwerker gut zu Fuß und frisch und ver­gnügt.

Auf Oswaldsgarten hieß Kreisbetriebszellen­obmann Stein die Kameraden in der Stadt Gie­ßen willkommen und sprach sich anerkennend über ihre Leistungen aus. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß sie in Gießen Aufenthalt nehmen und über Nacht bleiben wollen und machte sie auf den ihnen zu Ehren stattfindenden Kameradschafts­abend aufmerksam. Kreishandwerksmeister Stüh- I e r überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und die der Gießener Handwerker und erinnerte daran, daß wir auch diese seltene Leistung des Handwerks, das viele hundert Kilometer mit dem Rad durch das Reich zum Reichshandwerkertag fährt, um feine Verbundenheit untereinander zu bekunden, dem Führer verdanken, auf den er ein dreifaches Sieg-Heil ausbrachte, in das freudig ein­gestimmt wurde.

Nachdem sie sich in den zugewiesenen Quartieren, die sich zum Teil bei Handwerkern und zum Teil in Gastwirtschaften befanden, erfrischt hatten, kamen sie vollzählig in das mit dem Hakenkreuzbanner und den Handwerksfahnen geschmückte Caf6 Leib, wo sie bei musikalischen Darbietungen des Trios Krengel, ge­meinsam gesungenen Liedern und humoristischer Kurzweil eines Berufskameraden Kremer aus Friedberg einige frohe Stunden im Kreise der zahl­reich vertretenen Gießener Obermeister verlebten.

Was bereits auf dem Durchmarsch durch die Straßen der Stadt die Handwerkszeichen und die Namen der Gaue erkennen ließen, das wurde hier durch die Dialekte und die Bekanntschaften erst klar und über­sichtlich: die Vielfältigkeit der Handwerksberufe und die Zugehörigkeit zu den Gauen Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg, Ost- und Süd-Hannover und Kurheffen. Einige Holsteiner waren bereits feit dem 1. Juni unterwegs, von Hamburg fuhr der größte Trupp am 2. Juni ab, und auf dem Wege durch die schöne Heide, die einen besonderen Eindruck bei ihnen hinterließ, über Celle, Hannover, Göttingen, Kassel, Fritzlar, Marburg, wo sie überall Zuzug erhielten und freundlich aufgenommen waren, blieb Gießen als letzte Station. Mit stolzer Freude meldeten sich ein 64jähriger Mechanikermeister Kurth, der be­reits von Kiel aus mit dabei war, und ein öljähri­ger Schuhmachermeister Denker, der von Hanno­ver kam.

Ihnen allen rief Kreisbetriebszellenobmann Stein zu, daß es eine Ehre für Gießen fei, sie hier be­grüßen zu können. Der Kreiswalter der DAF. Wagner rief ihnen gleichfalls ein herzliches Will­kommen zu und war erfreut darüber, daß der ein­setzende Regen ihre Stimmung nicht beeinträchtigt hatte. Er sagte u. a., daß es etwas Herrliches sei, wenn gleichgesinnte Menschen durch die deutschen Lande zum Reichshandwerkertag fahren, um dort ihren Willen zur Volksgemeinschaft zu bekunden. Auf solche Weise bekomme der Handwerker nicht nur die schönsten persönlichen Eindrücke, sondern er werde auch angespornt, es den anderen an Lei­stungsfähigkeit und Geschäftstüchtigkeit nachzu­machen, damit das deutsche Handwerk sich als Glied der Volksgemeinschaft durch besondere Leistungs­steigerung wieder den goldenen Boden schaffe, der ihm einstmals die gesunde Grundlage bot.

Kreishandwerksmeister Stühler stellte mit Stolz und Freude fest, daß in den Reihen dieser auf so eindeutige Art ihre Auffassung vom national­sozialistischen Gedankengut bekundenden Handwerker sich neben der Jugend auch alte Handwerksmeister befinden, die beweisen, daß sie trotz grauer Haare sich ein junges Herz bewahrt haben. Diesen Alten sprach er seine besondere Anerkennung aus und stellte sie als .Vorbild dafür hin, daß das Handwerk von solchen Meistern noch viel lernen könne. Er wies auf den großen Dank an den Führer hin, den ganz besonders das Handwerk ihm dafür schulde, daß er ihm wieder Brot und Arbeit und dem Volke Ehre und Freiheit wieder geschenkt habe. Das Handwerk könne dem Führer am besten da­durch danken, daß es sich ertüchtige und dem deut­

schen Handwerk wieder das alte Ansehen verschaffe. In diesem Sinne grüßte er den Führer und wünschte den HandwHskern eine gute Fahrt zur Stadt des deutschen Handwerks.

Am Schluß der Veranstaltung sprach Runge (Kiel) den Dank der Gäste für die freundliche Be­wirtung und Aufnahme aus und versprach, Gießen in guter Erinnerung zu behalten. Sein Entschluß, trotz des Regens die Fahrt auf dem Rad fortzu­

setzen, fand freudige Zustimmung. In bester Laune wurden die Quartiere auiaesucht.

Die Verzögerung der Aofahrt am heutigen Mor­gen war der beste Beweis dafür, daß es unseren Gästen gut in Gießen gefallen hat. Bei schönster Morgenhelle verließen die Sternfahrer gegen 6 Uhr die Stadt und setzten ihre Fahrt über Friedberg nach Frankfurt fort.

Das Frühlingskreuzkraut.

Auf der Bürgermeistertagung der Kreis­abteilung Gießen des Deutschen Gemeinde­tages am Donnerstag wurde von verschie­denen Seiten über das massenhafte Auf­treten des schädlichen Frühlingskreuzkrautes Klage geführt. Wir haben uns daraufhin an die Hessische Hauptstelle für Pflanzenschutz in Gießen gewandt mit der Bitte, in dieser Angelegenheit geeignete Ratschläge zu geben. Nachstehend geben wir der fachmän­nischen Auskunft Raum. Die Schriftleitung. Zur Zeit wird vielfach eine Pflanze besprochen, die für den Bauer und Landwirt von Bedeutung ist, das Frühlingskreuzkraut, Frühlings-Greiskraut oder sibirische SBudjerblume (senecio vemalisW.K.). Im Jahre 1781 wurde es zuerst in Rußland er­wähnt und scheint von dorther nach Deutschland eingewandert zu sein. Teils kommt es vereinzelt, teils schon als ganz gewöhnliches Unkraut in den ost- und norddeutschen Provinzen vor und verbreitet sich weiter nach dem Westen hin. Vor acht Jahren war von ihm im Kreise Gießen alsSeltener Pflanzenzuwachs in Oberheffen" die Rede. Doch mar es schon seit 1920 im Kreise Friedberg be­kannt, ohne daß es merklich in Erscheinung trat. Im südlichen Ried soll man sich bereits vor 30 Jah­ren gegen den lästigen Eindringling zur Wehr ge­setzt haben.

Die bis ungefähr V» Meter hohe, behaarte, ästige, gelbblühende Pflanze mit ihren buchtig gezähnten, gelappten Blättern leuchtet von weitem aus dem lückigen Rotklee ober der Luzerne hervor. Hier ist sie nicht zu übersehen. Sie blüht meistens zwei­mal, das erstemal im Mai und Juni, das zweitemal ab September und bringt die Samen zur Reife. Die Frühjahrskeimer bilden in demselben Jahre noch eine Blattrosette, die überwintert, während die überwinternden Samen der Herbstblüher noch' im Herbst des folgenden Jahres vollentwickelte Pflan­

zen liefern. Der Same ist wie bei vielen Korb­blütlern (z. B. Löwenzahn ober Kettenblume) mit einer Haarkrone versehen, vermöge beren er weit fortgetragen werben kann. Wenn man bebenft, baß eine Pflanze ungefähr 2000 unb mehr Samen zu liefern vermag, so rückt allein diese Tatsache die Möglichkeit einer Massenverbreitung in greifbare Nähe. Dazu kommt noch, daß nicht alle Keimstätten wie z. B. Reine, Graben- und Waldränder, Schutt­plätze, Wege- und Bahnstrecken u. dgl. beachtet werben.

Es wäre nachlässig, wenn nicht seiner Verbrei­tung entgegengetreten mürbe. Denn bann hätte ber Bauer außer Heberich und Ackersenf noch ein mei- teres Sorgenkind! Wie bereits vorher erwähnt, findet man das Frühlingskreuzkraut auf Klee- und Luzerne-, seltener auf Roggenäckern. Wie heute nach dem beiweichenden Regen ist es leicht aus dem Boden zu ziehen, alsdann sofort in einen Sack zu stecken und bald zu verbrennen! Verkehrt wäre es, es auf den Weg oder in einen Graben zu wer­fen. Denn feine Samen reifen nach, und die Wei- teroerbreitung würde doch ermöglicht. Auf allen Aeckern, die unter die Hackgeräte kommen, kann es sich nicht behaupten. Neben seines ungünstigen Ein­flusses auf das Wachstum der Kulturpflanzen soll es bei stärkerem Vorkommen unter dem Futter aesundheitsstörend, ja tödlich, wirken. In Rhein- Hessen will man vor Jahren die Beobachtung ge­macht haben, daß sich beim Vieh eine Lebererkran­kung eingestellt habe.

So sollen wie mitgeteilt vor kurzer Zeit in einem Ort in ber Nähe Gießens burch es zwei Schafe unb im Kreise Friebberg brei Kühe einge­gangen sein. Jebenfalls bebürfen solche Fälle bes Nachganges unb ber Klärung.

Wie bem auch sei, jebermann, in erster Linie ber Bauer, achte auf bieses Unkraut und vernichte es, wo er es auch findet.

Dr. H. Heßler.

Lehrlinge stellen ihre Kenniniffe unter Beweis.

Für die Heranziehung eines geeigneten Berufs- nachwuchfes ist nicht nur die richtige Auswahl durch die Berufsberatung der Arbeitsämter von unge­heurer Bedeutung, sondern darüber hinaus muß die Praxis durch die sich aus der Lehre ergebenden Er­fahrungen ihre Auswahl treffen. Neben dem Reichs­berufswettkampf, der jährlich einmal die gesamte schaffende Jugend zum friedlichen Wettstreit um die Leistung zusammenruft, werden von den einzelnen Berufsgrupppen für die Lehrlinge jährlich immer wiederkehrende Prüfungen abgehalten, die eine Auslese der geeignetsten und berufstüchtigsten jun­gen Menschen gewährleisten sollen.

Die Handwerker-Innung ber Schuh­macher für ben Kreis Gießen hatte wie wir am Donnerstag bereits kurz berichteten ihre Lehrlinge. zu einer Zwischenprüfung zum 3. unb 4. Juni nach Gießen einberufen. 42 Lehrlinge tra- Ien am Vormittag bes 3. Juni in ber Schuhmacher­achschule zu Gießen, Liebigstraße, ein, um sich hier er praktischen Zwischenprüfung bes Jahres 1936 3u unterziehen. Es würben Aufgaben, eingeteilt nach ben verfchiebenen Lehrjahren, gestellt. Die Lehr­linge im ersten Jahre hatten ein Paar holzge­nagelte Sohlen mit Absätzen fertigzuftellen, wäh­rend bie Lehrlinge im zweiten Lehrjahre ein Paar genähte Sohlen mit Absätzen anfertigten. Die im letzten Lehrjahre stehenden Prüflinge hatten ein Paar holzgenagelte neue Schuhe anzufertigen.

Es war ein schönes Bild, 42 junge Menschen, vereinigt in einem Saal, bei emsiger Arbeit in frieblichem Wettstreit um bie besten Leistungen sehen zu können. Nach gemeinsamem Mittagessen fanben sich bie Teilnehmer am Nachmittag zur theoretischen Prüfung ein, bie in ber Anfertigung eines Auf­satzes:Wie benfe ich mir meine Zukunft", beftanb. Die Abenbstunden verbrachten bie Teilnehmer ber Zwischenprüfung gemeinsam in ber Jugendherberge

an der Hardt, wo sie sich in kameradschaftlichem Verbundensein beim Singen von Liedern unb Dar­bietungen selbstgespielter Instrumente, zusammen- fanben.

Der zweite Tag ber Zwischenprüfung begann in ber Frühe um 6 Uhr mit einem allgemeinen Wecken, anschließenb würben 20 Minuten Sport unb ein Walblauf burchgeführt. Ein gemeinsamer Marsch brachte bie Lehrlinge zurück in bie Schuh- macher-Fachschule. Dort sprach Pg. Sonntag in einem VortragWerkzeugkunbe" über bie richtige Behanblung der zur Ausübung des Berufes not- wenbigen Werkzeuge. Pg. Wertes von ber Ab­teilung für Arbeitsführung unb Berufserziehung in der DAF. machte anschließenb grunbsätzliche Aus- führungen über bie unbebingt notwenbige Ertüch­tigung ber Jugenb Nicht eine Belastung bürste bie berufliche Prüfung, sei es ber Reichsberufswett­kampf, ober bie Lehrlings-Jahresprüfung, für bie Jugenb barfteüen, fonbern sie müßten erkennen, baß sich bie älteren Berufskameraben trotz starker Inan­spruchnahme gerne im Interesse ber Erziehung eines tüchtigen Berufsnachwuchses zur Verfügung stellen. Immer unb immer wieber muß bas Leben im Rah­men von Prüfungen eine Auslese vornehmen, um so zur Verwirklichung bes Leistungsprinzips zu gelangen. Nur berjenige hat einen Anspruch an ber Gemeinschaft, ber gewillt ist, für biefe Gemeinschaft bie höchsten Leistungen zu vollbringen. Jeber wird in ber Lage sein, zur Höchstleistung zu gelangen, wenn er bie Notwenbigkeit feiner Arbeit im Rah­men ber Gesamtarbeit ber Gemeinschaft erkennt.

Nach einigen Ermahnungen bes Lehrlingswartes Pg. Hugo Henkel, Gießen, unter besten Leitung

Vier seinen Kindern Freude bereiten will, Gebe zum Nachtisch Schram's Pudding

IMiuMWWM

Vornan von Markise Kölling.

Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werbau.

Nachbruck verboten!

33 Fortsetzung

Hans-Hermann ging bleich unb schweigenb zwi­schen Lonne unb Steffens unb hob ben Blick erst, als aus bem Regengrau Lonnes Wagen auftauchte.

Lonne machte eine befehlenbe Bewegung:

Steigen Sie ein!"

Wortlos gehorchte Hans-Hermann. Lonne unb Steffens folgten. Steffens hielt bas unglückselige Paket. Hans-Hermann würbe es heiß unb kalt, wenn er Steffens' und Lonnes Miene sah. Daß die beiden ihn durchschaut hatten, war ihm sonnenklar. Was aber würde nun kommen?

Das Schweigen war unerträglich und legte sich mit immer schwererem Druck auf sein Herz. Und doch wünschte er, die Fahrt bis zurBurg" möchte kein Ende nehmen. Denn die Auseinandersetzung würde noch tausendfach schlimmer sein!

Der Wagen hielt. Lonne stieg als erster aus, Steffens hinter Hans-Hermann.

Wie ein Gefangener, dachte Hans-Hermann ver­zweifelt. Er ahnte nicht, wie grauenhaft recht er mit diesem Gedanken hatte.

Ziehen Sie sich um, Sie sind ja ganz durchnäßt , sagte Sonne zu dem jungen Mann,IN zehn Minu- ten wünsche ich Sie in meinem Zimmer zu sprechen.

Sein Ton war schneidend. Hans-Hermann zuckte zusammen. Konnte Lonne nicht wenigstens vor dem Kutscher das Gesicht wahren? Was sollte der Mann davon denken? Scheu schaute er auf und sah ein höhnisches Grinsen in dem sonst so undurchdr ng lichen Dieneraesicht. Ahnte der Mann etwas? Aber das war doch nicht möglich! Warum also lächelte er so unverschämt? .

Ganz zerschlagen ging Hans-Hermann stin Zimmer. Hatte er doch wenigstens Peggy vorher sprechen, ihr erzählen können, wie der gemeinsam ausgedachte Plan so jämmerlich geschelt^t war! Sicherlich hätte sie bei Sonne em gutes Wort für ihn eingelegt, ihr Einfluß auf diesen war j s h

groß, wie er wußte. Aber nirgends konnte er sie erblicken.

Als er kurz vor Ablauf der zehn Minuten, ehe er sich in Lonnes Arbeitszimmer begab, an ihre Tür klopfte, antwortete niemand. Peggy schien nicht da zu sein. Gerade kam der Diener Martin den Gang entlang.

Wissen Sie nicht, wo Fräulein Trilow ist?" fragte Hans-Hermann hastig.

Martin schüttelte den Kopf.

Weiß ich nicht", antwortete er ausgesprochen unhöflich,aber daß Sie unten im Herrenzimmer erwartet werden, und zwar schleunigst, das weiß ich."

Was für einen Ton erlauben Sie sich", fuhr Hans-Hermann auf. Aber Martin sah ihn nur von oben bis unten an, lachte genau so höhnisch, wie vorhin der Kutscher und ließ Hans-Hermann stehen.

Hans-Hermann faßte sich an den Kopf: War er denn verhext? Die Dienerschaft wußte etwas. Ganz bestimmt. Daß aber Lonne ober Steffens sie ihres Vertrauens gewürbigt haben sollten, vermochte er nicht zu glauben. Es überschlich ihn ein unheimliches Gefühl, als tappte er hier im Haufe plötzlich in lauter Dunkelheit.

Das Herz schlug ihm hart, wie er jetzt bei Lonne eintrat. Da fuhr er zurück. Lonne war nicht allein. Steffens saß neben ihm unb im Hintergrunbe, in einen Sessel geschmiegt, Peggy.

Er starrte sie entsetzt an. Sollte sie vielleicht bei bieser Auseinanbersetzung zwischen Lonne unb ihm babei sein? Unb wie schaute sie ihn an? Die liebe­volle Zärtlichkeit mar ganz aus ihrem Gesicht ge­wichen. In ihren Augen glaubte er benselben höhni­schen Spott zu lesen, wie in benen bes Kutschers unb bes Dieners.

Kommen Sie her", sagte Lonne unb zeigte nach­lässig auf einen Stuhl.Los boch", wieberholte er barsch, ba Hans-Hermann unbewußt zögerte. Hans- Hermann setzte sich stumm. Lonne, mit aufreiaenber Langsamkeit, sich eine Zigarette aus ber golbenen Dose ziehenb, begann:

Sie werben sich boch selbst barüber klar sein, was Sie getan haben, Zeblitz. Ein ganz gemeiner Diebstahl, begangen an Ihrer Kusine unb an uns, benen bie Zeichnungen Ihres Onkels zu treuen Hänben übergeben waren. Ich wollte Sie vor Ihrer Kusine nicht blamieren. Darum habe ich Sie mit

bieser Notlüge herausgerissen. Aber ich habe mir boch jetzt sehr überlegt, ob ick bie ganze Geschichte nicht ber Polizei anzeigen soll."

Um Gottes willen", Hans-Hermann sah Lonne flehenb an.Wenn Sie bas tun, bann bin ich ja"

Geliefert", vollenbete Lonne gleichmütig.Sinb Sie allerbings, mein Lieber. Es gäbe eine hübsche Skanbalgeschichte. Sie sinb ja so viel ich weiß aus sehr guter Familie, haben noch einen alten Vater?"

Hans-Hermann stöhnte auf. Er verbarg fein Ge­sicht in ben Hänben. Er sah nicht, wie Lonne, Stef­fens unb Peggy sich einen Blick bes Einverstänb- nisfes zuwarfen. Diesen Jungen hatten sie so weit!

Wäre Ihnen wohl höllisch unangenehm, wenn wir bie Geschichte an bie große Glocke brächten, was?"

Lonne wartete einen Augenblick. Keine Antwort kam von Hans-Hermann. Er stöhnte nur wieber auf.

Nur unter einer Bebingung wären wir einver- ftanben, bie Sache totzuschweigen."

Jetzt hob Hans-Hermann ben Kopf. Flehenb schaute er Lonne an.

Unb bie Bebingung?" fragte er heiser.

Lonne lächelte:Oh, nur eine Kleinigkeit. Wenn wir", er machte eine Hanbbewegung zu Steffens, uns entschließen, Ihren Diebstahl nicht weiterzu- melben, verlangen wir folgenbes von Ihnen: Völli­gen Gehorsam in allen Dingen, bie Ihnen auf- getragen werben, völlige Verschwiegenheit über alles, was Sie zu tun haben."

Unb was habe ich zu tun?" flüsterte Hans-Her- mann. Angst kroch ihm über ben Rücken. Waren biefe Menschen hier Wahnsinnige, waren sie Teufel, bie ihn quälen wollten, ober waren sie Verbrecher?

Lonne schwieg eine Sekunbe. Dann sagte er so gleichmütig, als hanble es sich um bie Verabrebung zu irgenbünem Spaziergang:Sie haben in be­stimmten Nächten mit einer Motorjacht nach Däne­mark ober Schweben hinüberzufahren. Sie haben nicht zu fragen, wer an Borb ist, weber in bezug auf Menschen noch in bezug auf Labung. Sie Haven zu fahren, verstauben?"

Also Schmuggel", kam es tonlos von Hans- Hermanns Lippen. Jetzt lächelten bie brei. Das Lächeln Peggys schnitt bem jungen Mann ins Herz.

Wenn Sie es mit biefem häßlichen Namen be­zeichnen wollen", fiel Steffens ironisch ein,aber

behalten Sie Ihre Weisheit für sich. Wir raten Ihnen gut, fügen Sie sich. Seien Sie verschwiegen und gehorsam. Wer einmal in unsere Arbeit ein- geweiht ist und versucht, auszubrechen, ber hat nicht mehr viel vom Leben zu erwarten."

Wie ein gehetztes Tier schaute Hans-Hermann auf Peggy. Die beiben Männer bemerkten es. Lonne unb Steffens erhoben sich.

Also, Peggy, unser neuer Freund scheint sich mit dir aussprechen zu wollen. Du wirft ihm schon bc» (tätigen, was wir gesagt haben. Wir lassen euch jetzt allein. Viel Vergnügen."

Ein zynisches Lächeln entstellte Lonnes Gesicht. Langsam ging er mit Steffens hinaus.

Hans-Hermann sprang auf:

Peggy", sagte er verzweifelt,ist das wahr? Hast bu falsches Spiel mit mir getrieben? Peqqy, wie konntest bu?"

So viel ehrliche Empörung, so viel erschütterter Glaube war in seinen Worten, daß die Frau blaß wurde.

Sei still", flüsterte sie und schaute angstvoll nach der Tür,ich kann nichts dafür, ich mußte ja auch. Erst war es ein Spiel für mich, aber bann--ich

habe bich wirklich gern, Hans-Hermann, aber--"

sie legte bie Hänbe mit einer Gebärbe ber hilflosesten Verzweiflung ineinanberwas soll ich tun? Mich haben sie auch so hineingezwungen, weil ich einmal einen Schritt vom Wege ab getan habe."

Unb warum läßt man sich zwingen?" fragte Hans-Hermann wilb.Wenn man boch schon 23er- brecher werben soll, ist es nicht besser, bas erste Uv- recht einzugestehen, als immer weiter hineinzugera­ten? Laß mich, Peggy, mögen sie mit mir machen, was sie wollen. Lieber soll man mich wegen Dieb­stahl einsperren, als baß ich biefen Dinqen meinen Arm leihe."

Er wollte zur Tür.

Da hielt ihn Peggy zurück. Sie umklammerte ihn, ihr Gesicht war kreibeweiß, in ihren Augen war irre Angst.

Tu es nicht, Hans-Hermann, wenn dir bein Leben lieb ist. Sei klug! Die beiben brohen nicht zum Scherz. Ich weiß von vier fünf Ttitgliebcrr. unserer Gesellschaft, bie wollten auck wieber ehrlich werben, sie wollten heraus aus all Dem Jammer.

(Fortsetzung folgt!)