deutschen Messier ehren.* — Der Retchsdauernfüh- rer und Reichsminister R. Walter Darre hat an den Reichshandwerksmeister Schmidt zum Reichs- Handwerkertag das nachfolgende Telegramm gerichtet „Anläßlich des Reichshandwerkertages, an dem teilzunehmen mir aus dienstlichen Gründen leider versagt ist, wünsche ich Ihnen und dem gesamten deutschen Handwerk namens des deutschen Bauerntums ein volles Gelingen dieser bedeutungsvollen Veranstaltung. Möge das wieder erstarkende deutsche Handwerk immer einig gehen mit dem deutschen Bauern, dessen neue Kraft die ideelle Zusammengehörigkeit beider Berufsstände fester denn je zusammenschmiedet zum Wohle unseres deutschen Volkes."
„Die Buchdruckerlunst im Wechsel der Jahrhunderte."
Ausstellung in Frankfurt a. M.
Im Ausstellungsgebäude des Frankfurter Kunstvereins in der Junghofstraße fand die Eröffnung der Buchdrucker-Ausstellung zum Reichshandwerkertag statt. Reichsfachschaftsleiter Räder sprach über Entwicklung, Wesen und Bedeutung der Buchdrucker- tunst. Die Ausstellung habe den Sinn, den Buchdruck als handwerklichen Berufs st and im Wechsel der Jahrhunderte zu zeigen. Alle Bildung sei abhängig von der Vermittlung des ge- druaten Wortes. Deshalb habe der Staat zu allen Zeiten fein Augenmerk auf das Buchdruckergewerbe gehabt. Der Natioualfozialismus habe durch feine Pressegesetzgebung das gedruckte Wort restlos in den Dienst des Volkes gestellt.
Der Redner ging dann auf den Inhalt der Ausstellung ein. Die ausgestellten ältesten Zeitungen, Drucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Werke des Frankfurter Druckers Gülfferich, Privilegien und Verleihungen von Königen und Fürsten aus der Jugendzeit der Buchdruckerkunst, aus heutiger Zeit die künstlerisch wertvollen Schriften der Frankfurter und Offenbacher Gießereien, alles das lege Zeugnis ab von dem kulturellen Wirken der Buchdrucker. Die Schrift unverfälscht im Volk zu erhalten, müsse eine der schönsten Aufgaben bleiben.
Die Ausstellung selbst zeigte eine bunte Vielseitigkeit. Jahrhunderte alte Druckerzeugnisse, wie z. B. „Die alleredelste Erfindung der ganzen Welt, beschrieben und fürgestellt von dem Rüstigen" (Joh. Rist, 1667) oder „Die Ehrenrettung Joh. Gutenbergs" von Joh. David Köhler, „Die Buch-Truckerey in Straßburg", die 42zeilige sogenannte Gutenberg- Bibel, welche noch vor 1455 in Mainz vollendet wurde, zeigten in Schrift und Ausgestaltung viel Interessantes. Ein kleines dramatisches Spiel, betitelt: „Lust- und Freudenspiel, vermittelst welchem junge Personen, so die edle Buchdruckerkunst redlich erlernet, nach Derfließung ihrer Lehrjahre zu Buchdruckergesellen bestätiget und ausgenommen werden, gewidmet", fiel besonders ins Auge. Handschriftliche Auszüge aus dem 17. Jahrhundert wechselten mit feinster und geschmackvollster Gebrauchsgraphik der modernen Gegenwart. Erwähnt seien noch zwei prachtvolle Ausgaben von Hitlers „Mein Kampf" in Leder gebunden. Alles drückte Liebe zum Beruf, Schönheit und ein meisterhaftes Können des deutschen Buchdruckerhandwerks aus.
Tagung der Putzmacherinnung.
Auf einem Appell der Bezirksinnungsmeister und -Meisterinnen im Kegelsporthaus sprach Reichsinnungsmeister Kaiser sich für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Putzmachergewerbes ous. Ursprungszeichen, Modellhut-Ausstellungen und Dorbereitungskurse helfen zu diesem Ziel. Der Nachwuchs müsse gefördert und die Putzmacherin aur Hanvwerksstube zurückgeführt werden. — Die Arbeitstagung am Nachmittag brachte weitere Referate zu fachlichen und organisatorischen Fragen des Putzmacherhandwerks. Es sprachen unter anderem der Organisationsleiter des Reichsstandes des Deutschen Handwerks, Dr. Spitz über „das Handwerk im neuen Staat", stellvertretender Reichsinnungsmeister I. H. S ch ä f e r über „Das Meisterproblem im Putzmacherhandwerk", Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Osnabrück Dr. Bäumer zum Thema „Die richtige Kalkulation im Putzmacherhandwer^, und Propagandaleiter des Putzmacherhandwerks Rolf Rose. Der Abend vereinte die Teilnehmer zu einem Kameradschaftsabend im Kegelsporthaus.
Durch eigene Kraft vorwärts!
Schmidt über die künftige Arbeit.
Ikeichshandwerksmeister
Frankfurt a. SOL, 6. Juni. (LPD.) Auf der gemeinsamen Arbeitstagung der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk und des Reichsstandes des deutschen Handwerks hielt Reichshandwerksmeister W. G. Schmidt eine richtungweisende Rede. Er führte darin u. a. aus: „Das Handwerk führt die nationalsozialistische Ausrichtung mit allen Mitteln weiter, um seine geschichtliche Bedeutung wiederzugewinnen. Im Handwerk weniger denn sonstwo sei eine Trennung der Aufgabengebiete nach Men- jchen und Wirtschaftsführung denkbar. Ich sehe im Zerschlagen des Begriffes .Handwerk' nach einzelnen Richtungen nicht nur den Abstieg des Handwerks, sondern auch einen nicht wiedergutzumachenden Schaden für das wirtschaftliche und soziale Leben des deutschen Volkes. Die Keimzelle einer wahren Volkswirtschaft war, ist und wird immer das Handwerk sein.
Diejenigen, die sich zur Führung im Handwerk eigneten, blieben charakterlich nur gesund, wenn sie mit dem wirklichen Leben des Betriebs aufs engste verbunden seien. Deswegen bleibe der Grundsatz, daß nur der in einer Handwerksorganisation aktiv tätig und führend sein könne, der über den weg des Lehrlings und Gesellen
Weister geworden sei.
Auf dem Gebiete der Marktwirtschaft habe sich das Handwerk ohne Einschränkung auf den Boden der Richtlinien der Reichsregierung stellen können, da es durch eine stetige Preisgestaltung als Verarbeiter am besten gegen Preissteigerungen, als Hersteller immer mehr gegen Preisschleudereien geschützt werde. Bei der Ausfuhr von Handwerkser^eugnissen hätten sich die Ausfuhrförderungsstellen des Handwerks als erfolgreich erwiesen. Auch auf dem Gebiete der inländischen Wirtschaft gehe das Handwerk immer mehr dazu über, sich durch eigene Kraft vorwärts zu arbeiten und den Weg der Zusammenfassung aller Kräfte in geeigneten Selbsthilfeeinrichtungen mit Erfolg zu beschreiten. Es sei möglich gewesen, den Anspruch des Hand-, werks auf Beteiligung an öffentlichen Aufträgen als gerechtfertigt durchzusetzen. Die Reicyszentrale für Handwerkslieferungen und ihre Landeslieferungsgenossenschaften seien als handwerkliche Abschlußpartner anerkannt. Das Ziel sei, Preisehrlichkeit im Wirtschaftsleben zu erreichen und den Grundsatz zu verwirklichen, daß für eine angemessene Leistung ein angemessener Preis zu zahlen sei.
Lebhafte Zustimmung fand eine Ankündigung des Reichshandwerksmeisters, daß mit wesentlicher Unterstützung der Stadt Frankfurt ein „Institut für handwerkspolitik und Handwerkswirtschaft" an der Frankfurter Universität errichtet worden sei, das zugleich Forschungs- und Lehrslätte sein solle. Diese neu gewordene Gemeinschaft zwischen Handwerk und Wissenschaft bedeute einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt, der sich später einmal sehr befriedigend für beide Teile bemerkbar machen werde.
Bei der außerordentlich großen Anzahl von Klein- und Kleinstbetrieben und bei der Unübersichtlichkeit der Verhältnisse im Handwerk seien überbetriebliche Lohnregelungen notwendig. Ans Tarifordnungen im Handwerk könne vorerst nicht verzichtet werden. Die Nachwuchs frage sei für die weitere Entwicklung des Handwerks geradezu ausschlaggebend. Daher bemühe sich die Handwerksführung, durch eine systematische Heranbildung der Lehrlinge und Gesellen nach wohldurchdachten Plänen für die fachliche Ertüchtigung des gesamten Handwerks zu sorgen. Das Ziel jeder Berufserziehungsarbeit sei in der nationalsozialistischen Volkswirtschaft der meisterliche Betriebsführer des Handwerks. „Wir sind bereit, einem Leistungsmenschen die Ehrenstellung eines Betriebsführers einzuräumen. Wir bringen aber auch den Mut auf, denjenigen, die entweder durch mindere Leistung
oder sonstige Mängel nicht zum Betriebsfuhrer geeignet find, den Platz in der Gefolgschaft anzuwei- sen. Die in vielen Handwerkszweigen bereits angewandten Lehrlingszwischenprüfungen müßten reichseinheitlich ausgerichtet und vervollkommnet werden.
Der Reichshandwerksmeister wies auf die unter Anwendung einer Stiftung der Stadt Frankfurt jährlich stattfindenden Meisterwertungen hin, die vor Beginn des Reichshandwerkertages in Frankfurt a. M. jeweils vorgenommen werden sollen, ähnlich dem Reichsberufswettkampf. Die jeweils besten Meisterstücke des Jahres würden prämiiert und als bleibendes Andenken handwerklicher Wertarbeit in der Stadt des deutschen Handwerks ausgestellt werden. Wenn so die Handwerksführung die wirtschaftliche, soziale und berufserzieherische Betreuung des Handwerks in jeder Weise ernst nähme, dann könne sie mit Recht von jedem einzelnen Berufsangehörigen verlangen, daß auch er seine ganzen Kräfte in den Dienst des Aufbaues stelle.
Der Reichshandwerksmeister schloß seine Rede mit dem Dank an die Reichsregierung, vor allem an den Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht, sowie an Reichsorganisationsleiter Dr. L e y für die wertvolle Förderung des Handwerks in den vergangenen Jahren und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das deutsche Handwerk sich der Fürsorge durch den nationalsozialistischen Staat würdig erweisen werde.
Reichstagung des Schlofferhandwerks.
Auf der feierlichen Kundgebung der Reichstagung des deutschen Schlosserhandwerks in Heidelberg begrüßte Reichsinnungsmeister Francois vor allem den badischen Ministerpräsidenten Köhler, die Vertreter der Partei, der Behörden, der Universität und der gewerblichen Organisationen. Er führte dann nach altem Brauch die Vereidigung der neuernannten Bezirksinnungs- m e i ft e r Gütgemann (Rheinland), Kleine (Nordmark) und Berg (Pommern) durch. Ministerpräsi- dent Köhler überbrachte der Tagung die herzlichen Grüße der badischen Staatsregierung. Das Handwerk habe in der Krisenzeit durch seine zähe Selbstbehauptung seine Lebenskraft und seine Notwendigkeit innerhalb der deutschen Wirtschaft bewiesen. Deutscher Handwerksmeister zu sein, bedeutet heute das Tragen eines stolzen Ehrentitels In vollem Selbstbewußtsein könne sich das deutsche Handwerk darauf berufen, daß eine Leistung nur in einer sauberen inneren Haltung geschaffen werden könne. Der Ministerpräsident bewies aber auch sein Verständnis für die Sorgen, die das Handwerk noch drücken und wjes auf die Pläne der Zukunft hin, durch die ein solcher Arbeitsbedarf ausgelöst werde, daß auch das Handwerk voll in die' Belebung des Wirtschaftslebens wird einbezogen werden könne.
Tagung des Schmiedehandwerks.
Die in Saarbrücken stattfindende 2. Tagung des Reichsinnungsverbandes wurde eingeleitet durch eine gemeinsame Tagung mit der Fachlehrerschaft. Oberschulrat Dr. Heb e l (Frankfurt a. M.) sprach über „Bildunasziel und Dildungsaut der Schmiede- Fachklassen". Berufsverband und Berufsschule müßten aufs engste zusammenarbeiten. Berufskönnen, Berufswissen und Berufshaltung ergebe als Einheit die wahre Berufsbildung. Auch die Körperschule dürfe nicht vernachlässigt werden. Reichs- innungsmeister Bischof wies auf die Bedeutung des Schmiedehandwerks hin. Dieses umfasse nicht weniger als 60 000 Betriebe, von denen sich zwei DrittelaufdemLande befinden. Des- halb sei die engste Zusammenarbeit mit der Landbevölkerung und dem Reichsnährstand dringend not- 1 wendig. 4
Weißes Gift.
Von Or. Herbert Mülle*.
„Bai-mien" nennt es der Chinese, „weißes Mehl" zwar, aber es ist weißes Gift, dieses Pulver, das er sich aus der Apotheke des Japaners oder aus der Spelunke des Koreaners holt, eine Mischung von Milchzucker und Morphium, Heroin oder sonst einem Opiumderivat. Er erhält es in einem zusammengefalteten Stück Papier, wie Aspirin oder sonst ein Arzeneimittel und sucht sich ein Plätzchen, wo er es ungestört entfalten und etwas davon aus seine Zigarette streuen kann. Ein paar Züge mit rückwärts geneigtem Kopf, damit das weiße Pulver nicht hinunterfällt, und die Zigarette schleunigst wieder ausgedrückt, um sie noch ein zweites, ein drittes, ein viertes und auch noch ein fünftes Mal verwenden zu können: denn der Tabak ist hier nicht das gesuchte Genußmittel, sondern nur der Träger, der durch sein Glühen und Glimmen das weißs Gift inhalierbar macht.
An sicherem Ort allerdings, bei dem Verkäufer oder im eigenen Haufe, braucht man sich mit ein oder zwei Zügen nicht zu begnügen: man kann die Zigarettenhülse um ein Drittel ihres Inhalts leeren, um sie dann mit dem weißen Gift wieder aufzufüllen und ein Dutzend Züge hintereinander zu tun, oder man kann das Pulver anfeuchten und zu einer Pille drehen, die man auf einem besonderen Rauchgerät raucht. Das Gefährliche aber und das, was die ungeheure Verbreitung dieses Lasters erst möglich macht, ist die Leichtigkeit, mit der sich — trotz angedrohter höchster Strafen — auch in größter Öffentlichkeit doch hier und da ein paar Züge stehlen lassen, ohne daß es bemerkt oder wenigstens angezeigt zu werden braucht. Die chinesische Polizei hat eine sehr merkwürdige Uebung, die die Mitwirkung des Publikums bei ihrer Aufgabe außerordentlich erschwert. Wer einen andern wegen einer Missetat anzeigt oder wer auch nur Zeuge eines Verbrechens oder eines Unfalls wurde, wird sofort in Haft genommen und Stunden, oft Tage lang in Haft gehalten, bis der Fall restlos aufgeklärt ist. Das erklärt so vieles, für das der Neuankömmling in China sofort seine eigene, natürlich falsche Erklärung findet: die Gleichgültigkeit, ja die Gefühlsroheit der Chinesen. Für den, der lange im Lande ist, ist es gar kein Wunder, daß sich unter Hunderten von Zuschauern bei einem Unfall, einem Verbrechen nicht ein Zeuge meldet. Denn was hat der zu erwarten?
Vor einigen Wochen wurde in dem Eingang meines Hauses am hellichten Tage die elektrische Birne aus ihrer Fassung geschraubt und gestohlen. ; Zwei Männer, von denen einer einen Sack trug, waren längere Zeit vor dem Eingang herumgeschlendert. Ein Hausierer mit Süßigkeiten stand mit seinem Handkarren vor dem Eingang, und trotz seines wiederholten Rufens war niemand aus dem Hause gekommen, um seine Waren zu mustern. Die Gelegenheit schien günstig. Schon standen die beiden im Torweg, einer stieg auf den Rücken des andern, und mit geübter Hand war die Birne bald ausgeschraubt. Der Hausierer rührte sich nicht. Aber am Ausgang der Straße standen ein paar Kulis mit ihren Rikschas, und unter ihnen war einer, der mich jahrelang kannte und alle paar Tage jemand aus meinem Hause gefahren hatte. Er erkannte, daß irgend etwas nicht in Ordnung wäre, bat einen andern Kuli, auf feine Rikscha achtzugeben, und kam zu meinem Torweg, um nachzusehen, was die Kerle wollten, die gerade hineingegangen waren. Bei seinem Anblick stieben die beiden davon, der Rikscha- Kuli hinterher. Nach wilder Jagd gelang es ihm, den einen der beiden zu greifen. Es war der mit dem Sack, weil der ihn bei der Flucht behindert hatte.
Ein Polizist kam dazu, und man fand mehr ab» dreißig elektrische Birnen in dem Sack, ein deutliches Zeichen, daß es sich um eine gewerbsmäßig arbeitende Diebesbande handelte. Obwohl die Sachlage absolut einwandfrei feststand, und obwohl der Rikschah-Kuli dem Beamten des zuständigen Poli-
Schleussner
.JMder neue hochempfindliche FEINKORN film!
OLYMPAN
peterchen streift durch den Zoo.
Von Christian Bock.
„Peterchen", sage ich am Telephon, „es ist so ein Wetter heute und es geht so ein Wind, und was uns angeht, so meine ich, wir sollten heute selbander in den Zoo gehen."
Ich habe niemals recht oeglaubt, daß es das wirklich gäbe; ein Mädchen, das wirklich und wahrhaftig Peter heißt. Ich dachte, so etwas gäb's nur in diesen luftig broschierten Romanen, die man gern an O-Zug-Fenstern lieft, aber es gibt so ein Mädchen also gelegentlich im Leben auch: die so heißt und auch so ist; so rasend nett, so hübsch, so gazellenschlank und so, daß man sich unversehens zwischen dem vierten und fünften Stock im Fahrstuhl in sie verliebt.
„Peterchen", wiederhole ich am Telephon (wir hatten inzwischen schon dies und das telephoniert), „es ist so ein Wetter und es geht so ein Wind, und wir gehen mal heute--"
„Du hast gesagt »selbander', hast du gesagt."
„Ja, — und?"
„Wie sollen wir selbander gehen, wo du ha bist und Peterchen ist hier, und es ist alles furchtbar weit auf der Welt."
„Also, Peterchen, ich hole dich ab."
„Ach, wie du denn die zarteste Andeutung also- gleich verstehst, das ist wunderbar."
♦
„Du", sagt Peterchen vor dem Eingang am Zoo und sieht den steinernen Elefanten an, den es da gibt, „so ein Elefant aus Stein ist ja viel schöner als ein Elefant aus — aus--."
„Ja, aus was?"
„Na", überlegt Peterchen, „eben aus ---*
„Aus Elefant."
„Ja, woraus auch sonst? Ich hatte nur vergessen, wie das hieß."
Ach. Peterchen lacht so nett, wenn sie lacht!
Und dann sind wir drinnen im Zoo, und sie möchte gleich zum Elefanten, der aus Elefant ist, ob der nicht vielleicht doch schöner wäre.
Ader dann ist es nur ein kleiner Elefant, der da mit seinem Rüssel in der Frühlingsluft balanciert, das Elefantenbaby.
„Der Elefant", fange ich lehrhaft an, wie wir da stehen, „der Elefant, gehört zu den sogenannten Dickhäutern. Diese aber werden so genannt, weil sie im Gegensatz zu anderen--"
Aber ich merke schon, daß Peterchen nicht zuhört, was ich da unterrichte, und sage also: „Peterchen, du schenkst dem Unterricht nicht die nötige Auf- merksamkett, und dein Interesse an den Dingen der Zoologie läßt einiges zu wünschen übrig."
Aber sie hat wohl keinen Respekt vor mir, sie sagt ohne jede Ehrfurcht: „Nein, so ein richtiger Lehrer wärest du niemals nicht im Leben geworden, ich meine, vor dem man Angst haben würde, und ich hätte bei dir Maikäfer fliegen lassen, das ist gewiß bestimmt."
Einstweilen hatte ich meine Würde eingebüßt.
Wir gingen weiter durch den Zoo, hierhin und dahin, wir strolchten nur so herum, wohin wir wie von selbst tarnen, und mit einem Mal waren wir bann da, wo die Schafe, die Kälber und die Ziegen sind, und Peterchen war gleich mitten unter ihnen und hatte gleich so ein Bählamm in den Armen, kam und hielt es mir hin, als wollte sie's mir schenken. Aber so ein Städter in feinem städtischen Anzug wie unsereins, der muß doch wahrlich erst seine noble städtische Scheu etwas überwinden, ehe er das Geschenk annimmt.
Und Peterchen stürmt gleich weg, wie sie das Geschenk geschenkt hat, und da steht nun der Städter mit seinem Lamm und weiß nicht recht, was er eigentlich damit anfangen soll, und stellt es behutsam wieder auf die Erde. Aber da weiß er dann schon eher, wie er mit Lämmchen umgehen soll und streicht ihm so über das weiche Fell und hockt sich richtig daneben und krault ihm den Wollehals.
Und plötzlich steht neben ihm Peterchen wieder, als hätte sie sich unbemerkt hergezaubert, und sagt so vor sich hin: „Das Bählein ja — aber Peterchen krault ja niemand nicht."
Wenn man dann will, was sie wollte, geht sie wohlerzogen weg, geht da so vor einem her, hoch, wie auf Stöckelschuhen wippend, und spricht damen- hatt über die linke Schulter nach hinten: „Was bitten Sie sich ein, mein Herr!"
Aber die Dame läßt es sick) dann endlich dock) gefallen, daß man ihr den Arm hochherrschaftlicy bietet. So schreiten wir sehr gesittet durch den Zoo, und wo wir an Herrschaften vorüberkommen, sind wir auch welche.
Erst vor den Giraffen wird sie wieder das Peterchen, das sie ist, und freut sich über die hochbeinigen Langhälse, die unbegreiflich weit oben ihren Kopf haben und vom Dachtfirst, als wäre das weiter nichts, ein grünes Blatt herunterrupfen.
Peterchen hat von chnen weiter nichts zu sagen.
aber sie f)at, wie wir weitergehen, die Mütze frech schräg gesetzt und ist auf ihre Art mit sich beschäftigt.
„Peterchen will jetzt ein großes Raubtier sehen, sie will jetzt", sagt sie, „vor etwas Angst haben."
„Hat sie denn keine Angst vor mir?"
„Nein", jagt Peterchen und wartet einen Augenblick und fügt dann doch dazu: „Nicht genug."
Ja, wir müssen also ein Raubtier finden.
„Löwen?"
„Nein, Löwen nicht."
„Vielleicht Hyänen?"
„Nein." Sie schüttelt den Kopf, als wollte sie nicht die sauren Bonbons, sondern die gefüllten.
„Oder einen Bären —"
„Auch nicht, nein."
„Oder ganz was anderes, einen Raubvogel, einen Seeadler ober —"
„Jetzt weiß sie was: einen Tiger will sie sehen!" Wir gehen, Peterchen unb ich, einen Tiger suchen, unb wir finben einen. Der macht feine ewige Runbe hinter ben Gitterstäben, kehrt, immer an genau derselben Stelle, wieder um und geht mit gleichmäßigem federnden Schritt zurück — hin und wieder zurück. Mit dem bunt gefleckten. Fell, unter den Schattenstreifen der Gitterstäbe, die die Sonne zeichnet.
lrS)at Peterchen nun Angst genug?
„3a."
„Und was tun wir bann?
„Hause gehn." Peterchen geht mit Kinbern um unb spricht bann manchmal selbst so wie sie: in halben Sätzen.
„Du solltest", sage ich, „schieres Deutsch sprechen, nicht so ein Wasweihichfürbeutsch."
„Ich spreche das schierste Deutsch, das allerschierste!"
„Vielleicht", bin ich da entsetzlich böse, wie ein Deutschlehrer, „aber wenigstens ein halbes Deutsch ist das. Es ist eine her größten Schanden, daß du so--"
„Schände", sagt sie da. Ich weiß nicht, was es bedeutet.
„Was ist das?"
„Schände. Eine der größten Schände--"
Und Peterchen lacht und ist, wie sie so zur Zoo- Pforte hinausgeht, ich weiß nicht, wie _ — ihr würdet diesem Peterchen alle miteinander über den Jungenskopf streichen wollen. Wenn ihr's meinetwegen dürftet.
Zeitschriften.
— Wie man Flugzeuge bereits in der Luft erkennen kann, zeigt unb beschreibt eine interessante Artikel-Reihe in her „Siren e", die im neuesten Heft besonbers ausführlich unb mit vielen Silbern fortgesetzt wirb. In übersichtlicher Form sind hier bie verschiebenen Flugzeug-Typen verglichen unb einanber gegenübergestellt. Weitere Aufsätze befassen sich mit der Arbeit des Reichsluftschutzbundes im Dienste des Führers, mit einer Schilderung der Armee in China, wo soeben die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, und mit dem Zusammenbruch des abessinischen Heeres.
— Westermanns Monatshefte veröffentlichen in der Junifolge einen Beitrag von Elsbeth Ackermann „Die Sprache her Hand , in dem die Verfasserin an vielen praktischen Beispielen die Handlesekunst erläutert. Gute Wiedergaben nach Pastellen von Curtius Schulten zeigen Bilder aus Norwegen unb Spitzbergen unb verraten ben Zauber her eigenartigen Schönheit unb Herbheit nvrbtscher Lanbschaft. Dr. Walther Linben zeigt, baß in ben brei Jahren bes neuen Deutschlands eine junge Generation völkischer Lyriker herangewachsen ist, bie in verantwortungsbewußter Arbeit am beutschen Schrifttum schafft. Hans Schwarz van Berk schreibt „lieber bie Einsamkeit", unb Ernst Wagner ist mit einem interessanten Beitrag „Wohin reitet her Bamberger Reiter?" vertreten, lieber ben Jnbianerstamm her Maya, her heute in trübseliger Regenerierung nur noch aus etwa 200 000 Köpfen besteht, früher aber ein reiches, mächtiges, auf erstaunlicher Kulturhöhe stehenbes Volk war, berichtet Professor Dr. R. Hennig. In München finbet bie 4. Reichstagung her NS.» Kulturgemeinbe statt, in beren Mittelpunkt eine Aufführung her Reichspuppenbühne stehen wird, die sich „Nationaltheater des Kindes" nennt, lieber sie wird interessant berichtet.
— Der Bergsteiger. Sonderfolge „BernerOberlan d". 2 Mark. Verlag F. Bruck- mann AG., München. — Im Umfang von mehr als 150 Seiten bietet die Zeitschrift eine dem Berner Oberland gewidmete Folge, die das Entzücken aller Naturfreunde sein wird. Auf 48 Kunstdrucktafeln finden wir seltene Photos, die uns eine Vorstellung von der Pracht unb Herrlichkeit her Berge unb Gletscher her Viertausenber-Region vermitteln. Es sind in 30 Beiträgen alle Gebiete behanbelt, mit denen der Alpinist vertraut sein soll, wenn er von seinem Urlaub ben vollen Genuß haben will. Es sinb Wan- bermöglichkeiten einschließlich Tourenangaben ausführlich erörtert, ebenso Angaben über Klima, Ge» > schichte, Flora u. a.


