Zwiespältige Stimmung in Paris
Addis Abeba, 5. Mai, (DNB.) Tag und Nacht fahren immer wieder deutsche Such - k o l o n n e n auf mit Maschinenpistolen ausgerü- teten Lastwagen in die brennende Stadt, um deutsche Staatsangehörige und Schutzgenossen des Deutschen Reiches, wie Öesterreicher, Schweizer, Ungarn und Bulgaren, von denen einzelne eine wahre Schreckensnacht verlebten, auf die Gesandtschaft zu bringen. Eine deutsche Kolonne unter Führung des besonders unermüdlichen deutschstämmigen polnischen Staatsangehörigen Nadel rettete am Dienstagfrüh den bereits totgeglaubten Abgesandten des Internationalen Roten Kreuzes Dr. Ju not-Genf sowie den französischen Journalisten Sommeres vom „Journal des Döbats", die sich drei Tage lang gemeinsam mit Abessiniern im Keller eines zusammengestürzten Hauses gegen plündernde Banden verteidigt hatten und brachten sie auf die französische Gesandtschaft.
Durch Feuer und Raub haben fast sämtliche deutschen Staatsbürger ihr in jahrelanger aufreibender Kolonialarbeit erworbenes Vermögen re ft los verloren, wenn auch noch einige deutsche Privathäuser, die durch eingeborene Diener verteidigt werden, unversehrt sind. Die deutsche Gesandtschaft befindet sich im bestmöglichen Verteidigungszustand und bietet daher den Reichsdeutschen und Schutzgenossen volle Gewähr für Erhaltung von Leib und Leben. Auch fremde Staatsangehörige wie Niederländer und Tschechen sowie viele Griechen und Armenier glaubten auf der deutschen Gesandtschaft besser geborgen zu sein als anderswo und baten u m Aufnahme, die ihnen in weitgehender Weife gewährt wurde. In den Eingeborenen-Hütten, die zum Gesandtschaftsbereich gehören, fanden etwa 300 geängstigte abessinische Frauen und Kinder Unterschlupf. In dem Hause des Geschäftsträgers werden täglich 120 Personen, Deutsche und Nichtdeutsche, verpflegt. Dem österreichischen Feldküchenchef sowie den unermüdlichen, stets hilfsbereiten Frauen der deutschen Kolonie gebührt höchster Dank. Don einigen hartgesottenen Afrikanern abgesehen, die in ihren Zelten wohnen, befinden sich sämtliche Flüchtlinge in den Gebäuden der Gesandtschaft in Notquartieren.
Als am Montagnachmittag ein A n griff p l ü n-
Keine Sprechchor-Aufführungen bei HZ.-Veranstaltungen.
Berlin, 5. Mai. (DNB.) Der Reichsjugend- Pressedienst veröffentlicht folgende Anordnung des Reichsjugendführers: Ich habe, he* sonders in letzter Zeit, einigen Veranstaltungen der Hitler-Jugend beigewohnt, die von S p r e ch - ch ö r e n umrahmt waren. Ich muß leider offen gestehen, daß die meisten dieser Darbietungen u n - zureichend waren. Abgesehen davon, daß der gute Wille des Verfassers solcher Sprechchöre meistens im Widerspruch zu seiner Gestaltungskraft steht, halte ich Sprechchöre dieser Art für u n ■ jugendlich, um nicht zu sagen undeuts^ch. Um zu verhindern, daß Menschen, die an sich tüchtige Volksgenossen sein mögen, sogenannte „Dichtungen" auf die Öffentlichkeit loslassen, obwohl ihnen die Natur jede künstlerische Fähig- k e i t versagt hat, ordne ich für alle Dienststellen der nationalsozialistischen Jugend mit sofortiger Wirkung an:
1. Sprechchöre dürfen bei Veranstaltungen der Hitler-Jugend bis auf weiteres nicht mehr aufgeführt werden. Als Umrahmung unserer Feiern werden in Zukunft nur noch Lieder u n b andere musikalische Darbietungen, die dem Stil der deutschen Jugend entsprechen, verwendet.
2. Dichtungen werden bei den Veranstaltungen der nationalsozialistischen Jugend ausschließlich von Einzelsprechern vorgetragen.
Singt die Lieder eurer Vorfahren und eurer lebenden Kameraden und kämpft in der Hitler- Jugend für eine ehrliche deutsche K u n ft.
Gez.: Baldur von Schirach.
Kein HI-Oienst am Muttertag.
Der diesjährige Muttertag findet wie üblich am zweiten Sonntag im Mai, also am 10. d. M. statt. Da das Deutsche Frauenwerk den Muttertag mit starker Betonung des Charakters eines Fa- • rnilienfestes vorbereitet und durchführt, ist der 10. Mai nach einer Mitteilung des Reichsiugend- Pressedienstes für alle Gliederungen und Formationen der HI. d i e nst f r e i.
die Warschauer Universität einzudringen. Sie Polizei konnte diesen Versuch aber verhindern. Eine Gruppe der Ruhestörer zog durch einige Straßen und zertrümmerte die Fensterscheiben in bew Schriftleitungen des „Czas" und des „Goniec Warszawski".
Die deutsche Kolonie verteidigt sich in vorbildlicher Kameradschaft gegen plündernde Banden.
Die Gesandtschaft Zuflucht für viele fremde Staatsangehörige.
Das Wahlergebnis und die Währung in Frankreich
Oer englische Fragebogen.
London, 6. Mai. (DNB. Funkspr.) Ueber den Fragebogen an Deutschland erfährt „Times", er werde voraussichtlich Donnerstag oder Freitag dem britischen Botschafter in Ber - l i n zur Weiterleitung an die deutsche Regierung zugestellt werden. Der Fragebogen werde vorläufig ni'cht veröffentlicht werden. „Daily Telegraph" schreibt, daß Großbritannien die Gelegenheit, von Deutschland eine wirkliche Aufklärung über eine Anzahl von Fragen in bezug auf den deutschen Vorschlag zu erhalten, nicht durch eine rücksichtslose öffentliche Erörterung von vornherein gefährden wolle. Die Regierung habe deshalb beschlossen, das Schriftstück nicht zu veröffentlichen.
Oie Meinschiffahrt.
Die Zentrallomrnission vereinbart einen Modus vivendi.
Berlin, 5. Mai. (DNB.) Die Zentralkommission für die Rheinschiffahrt hat vom 21. April bis 4. Mai 1936 in Straßburg getagt. Abgesehen von der Erledigung laufender Verwaltungs- und Gerichtssachvn ist es der Kommission gelungen, nach langjährigen schwierigen Verhandlungen der Verwirklichung ihrer Aufgabe, die Mannheimer Akte vom 17. Oktober 1868 einer Revision zu unterziehen und den gegenwärtigen Verhältnissen der Rheinschiffahrt anzupassen, erheblich näherzukommen. In Anbetracht gewisser Meinungsverschiedenheiten, die noch nicht völlig ausgeglichen werden konnten und die sofortige Zeichnung einer neuen Akte verhindert haben, ist von der deutschen und der französischen Abordnung ein Modus vivendi vorgeschlagen worden. Er dient dazu, die Anwendung der Bestimmungen der geplanten Akte in Kürze sicherzustellen: ausgenommen sind einige Punkte, die durch die zur Zeit geltenden Vorschriften geregelt werden. Der Modus vivendi ist von den Bevollmächtigten Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und der Schweiz gezeichnet oder paraphiert worden. *
Wenn es auf diesem schwierigen Gebiet gelungen ist, einen Schritt vorwärts zu machen, so ist dies dem deutsch-französischen Zusammengehen zu verdanken. Es hat sich auch hier gezeigt, daß nur der beiderseitige gute Wille vorhanden zu sein braucht, um zu Vereinbarungen zu gelangen, die nicht nur für Deutschland und Frankreich von Nutzen find, sondern einem größeren Kreise zugutekommen.
der französischen Währung würde als sofortiges Gegengewicht Ueberwachung der Preis- geftaltung, Schaffung eines Währungsausgleichsfonds und Bindung der Währung an ein bestimmtes Goldgewicht erfordern. Derartige Reformen könnten aber von einer Zwischenregierung nicht durchgeführt werden.
Französische Goldtransporte nach London.
London, 5. Mai. (DNB.) Infolge des starken Linksruckes bei den französischen Wahlen und der damit zusammenhängenden Befürchtungen in der Währungsfrage trafen am Montag ungewöhnlich große Mengen Gold aus Frank- reich in London ein. Allein die in den Lufthäfen Heston und Croydon angekommenen Goldmengen werden auf über zwei Millionen Pfund geschätzt. Vielfach wurden in London Sonderflugzeuge f ü r den Transport von Barrengold von Frankreich nach England gechartert. Eine dieser Maschinen traf mit über einer Tonne Gold an Bord in London em. Zwei andere Ladungen waren schon vorher in Londoner Banken deponiert worden. Auch an dem Transport französischen Goldes von Frankreich nach Belgien und Holland waren britische Flugzeuge beteiligt.
Schweizer Besorgnisse
Genf, 5. Mai. (DNB.) Zu dem Sieg der Volksfront in Frankreich schreibt die „Gazette de ßaufann e", auch vom außenpolitischen Gesichtspunkt aus könne man diesen Ruck nach links nur beklagen. Denn anstatt Europa zu beruhigen, trage er die Gefahr neuer Spannungen in sich. Frankreich nähere sich immer mehr dem Bolschewismus und werde immer fester entschlossen fein, die Moskau gegenüber übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Stalin könne sich dazu gratulieren. Auch die Schweiz müsse sich allmählich beunruhigen. Die Leute, die noch vor kurzem gemeint hätten, Frankreich würde sich nicht von den bolschewistischen Ideen anstecken lassen, und die noch jetzt darauf vertrauen, daß die Schweiz durch eine besondere Gnade vor der Moskauer Gefahr bewahrt Hiebe, müßten sich allmählich eines Besseren besinnen, seitdem nach Spanien nun auch Frank re i ch den Parteien der roten Revolution die Zügel in die Hand gebe.
Oer Oberbürgermeister von Athen beim Führer.
Berkin, 5. Mai. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing den Oberbürgermeister von Athen Kotzias. Vorher stattete Oberbürgermeister Kotzias in Begleitung des königlich-griechischen Gesandten dem Reichsaußenmini, st e r einen Besuch ab. Anschließend wurde er von Reichsminister Dr. Goebbels und von Ministerpräsident Generaloberst Göring empfangen. Den Montag benutzte der Oberbürgermeister, um die kommunalen Einrichtungen der Reichshauptstadt zu studieren. Am Nachmittag stattete er dem erkrankten Reichssportführer von Tscham- m e r - O st e n in Hohenlychen einen Besuch ab. Dienstag abend war der Oberbürgermeister Kotzias Gast der Stadt Berlin.
In einer Unterredung stellte Bürgermeister Kotzias fest: Welch umwälzende Veränderungen zwischen dem deutschen Menschen von heute und dem von vor fünf Jahren. Heute ein frohes, freies, junges und selbstbewußtes Volk, das sich seiner Aufgabe bewußt ist, das — im Herzen (Europas gelegen — seine geschichtliche Mission als Block der Ordnung und des Frie- d e n s vorbildlich erfüllt. In den Augen der deutschen Menschen und der deutschen Arbeiter vor allem, leuchtet die Freude und leuchtet der Stolz, schaffen zu dürfen und zu einer Volksgemeinschaft zu gehören, die zu allen anderen sagen darf: Kommt und seht, was wir geleistet haben! U eber- all in Deutschland wird gearbeitet und man weiß, daß diese Arbeit heute wieder einen Sinn bekommen hat. so wie jü auch der 1. Mai — in anderen Ländern ein Tag der Klassenkämpfe — im Deutschen Reiche mit einem neuen, einem höheren und edlen Sinn erfüllt worden ist. So froh ist der deutsche Mensch in seinen Feierstunden, so ungezwungen glücklich, daß es auf mich geradezu ansteckend gewirkt hat und ich mitgerissen wurde von der Ursprünglichkeit dieser Freude. Und überall ist die Jugend mit dabei und am Werke. Eine Bewegung und ein Volk, die sich so fest auf die Jugend stützen und verlassen können, werden nicht untergehen. Diese große Wandlung, die auf meinet Deutschlandrerse überall sichtbar wurde, verdankt das deutsche Volk allein seinem Führer, ohne dessen klare Erfassung des Notwendigen und ohne dessen zielsichere Leistung das neue Deutschland seinen Weg nicht gefunden hätte und gegangen wäre.
Parisien", haben auch die Sanktionen, die den Krieg verhindern oder aufhalksn sollten, keine Daseinsberechtigung mehr. Der Duce beseitigt sie durch seine Erklärung ganz von selbst. Kein Artikel der Völkerbundssatzung laste es zu, die Sühnemaßnahmen gegen ein Volk aufrechtzuerhalten, das sich nicht mehr im Krieg befinde oder nachträglich den Sieger zu bestrafen. Das abessinische Reich Meneliks bestehe nur noch aus Ruinen. Der Gesamtheit der Amharas und der Negerstämme werde Italien seine Schutzherrschaft auferlegen.
Der „Petit Parisien" hebt dann besonders hervor, daß die Italiener bei ihrem Vorgehen ausdrücklich auf die Belange d e r französi- schen und der englischen Einfluß zone in Abessinien Rücksicht genommen hatten, und schließt: Frankreich begreife, daß man Italien jetzt in den Kreis von Stresa zurückführen müsse. Und hoffentlich werde England das ebenfalls begreifen. Es fei auch zu hoffen, daß Eden in Genf in der nächsten Woche nicht versuche, einen in Ohnmacht gefallenen Negus wieder auferstehen zu lassen, sondern vor allem daran denke, die Zusammenarbeit mit Italien wieder anzuknüpfen, die das unerläßliche, hauptsächliche Unterpfand einer Wiederherstellung der europäischen Sicherheit sei.
Paris, 6. Mai. (DNB. Funkspruch.) lieber die Haltung, die Frankreich in der abessinischen Frage in Zukunft einnehmen wird, gehen die Nachrichten auseinander. Aus der Umgebung des Quai d'Orsay verlautet, daß man die Rede des Duce dort ruhig und kaltblütig betrachte und eine vom Balkon vor einer im Siegesrausch befangenen Volksmenge gemachte Beteuerung — die, daß Abessinien künftig italienisch sei und bleibe — n i ch t wörtlich nähme. Sollte nämlich Italien Abessinien einfach als Kolonialgebiet schlucken, so würde eine derartige Lösung ebensowenig die Z u - stimmung der englischen und der französischen Regierung wie auch des Völkerbundes finden. Man glaube daher in London wie in Paris eher, daß Mussolini in dem Friedensvertrag mit Abessinien die gleichen Beziehungen herstellen wolle, die England und den Irak verbinden. Der Irak habe dabei sogar die Möglichkeit, Völkerbundsmitglied zu werden, wie es gegenwärtig auch Abessinien ist.
Während also diese Erklärung das W e i t erbe st e h e n des abessinischen Reiches besagt, stellt sich der halbamtliche „P e t i t P a r i s i e n" auf den Boden der militärischen Tatsachen und nimmt die Mussolinische Erklärung „Abessinien ist von nun ab italienisch" wörtlich. Da Mussolini den Krieg für beendet erklärt hat, so heißt es im „Petit
Zwei arabische Gtreikführer verhaftet.
Jerusalem, 6. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Oberkommissar von Palästina sprach dem arabischen Streikcomitä seine Mißbilligung des Versuches, die Bevölkerung Palästinas im Sinne des Streikmanifestes der beiden Streikführer Hassan Sidky Dajani und Saleh Abdu zum Steuer st reik aufzurufen aus. Er kündigte die Verhaftung dieser beiden Streikführer an und verlangte ein öffentliches Ab- rücken der übrigen Ausschußmitglieder von dieser Aktion. Alle öffentlichen Versammlungen, die zu Demonstrationen führen würden, würden verboten, und wiederholte das Einverständnis des britischen Kolonialministers zum Empfang einer arabischen Delegation in London. Die beiden Streikführer Hassan Sidky Dajani und Saleh Abdu wurden inzwischen verhaftet. Das restliche Streikcomitö ist zu einer neuen Beratung zusammengetreten.
wenn auch noch nicht in Frankreich, eingesetzt. Am 11. Mai soll in Genf die nächste Ratstagung beginnen. Auf dem Programm steht einerseits die Möglichkeit neuer Sanktionen gegen Italien und andererseits die Behandlung der Fragen, die sich aus dem deutschen Schritt vom 7. März ergeben haben. Man sieht, das Programm ist recht veraltet, jedenfalls haben die auf der Tagesordnung stehenden Punkte einen völlig neuen Inhalt bekommen, sowohl durch den italienischen Sieg über Abessinien als auch durch den erweiterten deutschen Friedensplan, der gegenwärtig das englische Kabinett so stark beschäftigt. Vielleicht liegt hier das Stichwort, das nach der Liquidierung des alten Völkerbundes und seines abessinischen Schützlings den europäischen Völkern einen neuen Weg in die Zukunft zeigt. Lord L o t h i a n hat es in der Weise formuliert, daß er die Herausnahme der Kriegsverpflichtungen aus der Dölkerbundssatzung forderte und ein starkes Deutschland als die beste Gewähr für den Frieden und für gesicherte Verhältnisse in Europa bezeichnete.
Der Einzug der Staliener in Addis Abeba
Asmara, 6. Mai. (Vom Kriegsberichterstatter des DNB.) Der Einmarsch der italienischen Truppen in Addis Abeba vollzog sich, soweit bisher bekannt wurde, ohne Zwischenfall. Bereits zehn Kilometer vor der Hauptstadt kamen den Truppen zahlreiche Bewohner entgegen, die den Soldaten unter Freudenkundgebungen Blumen überreichten, in die Hände klatschten und Trommeln schlugen. Die Bevölkerung begleitete den Marschall Badoglio dann unter Freuderufen bis zur italienischen Gesandtschaft, wo er Wohnung nahm.
Der Einzug der italienischen Truppen hat dem Räuberunwesen, unter dem die Bewohner seit Tagen zu leiden hatten, ein sofortiges Ende gesetzt. Es gelang überraschend schnell, die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Auch die zahlreichen Brände konnten zum größten Teil gelöscht werden. Am Dienstagabend brannte noch das Gebäude der katholischen französischen Mission. Ueber den Umfang der Verheerungen kann man sich noch fein abschließendes Bild machen. Sicher ist, daß die Amerikanerin Sta- bin bei dem Aufruhr den Tod gefunden hat, doch scheint die Zahl der Todesopfer auch unter den (Europäern noch größer zu sein. Kurz vor dem Einzug Badoglios drangen bereits italienische Pioniere in die Stadt ein, um die lebenswichtigen Betriebe sicherzustellen. Sie scheinen jedoch große Verwüstungen angetroffen zu haben. Auch Sie große Rundfunk-Station, die ebenfalls von italienischen Truppen besetzt wurde, ist vorläufig noch außer Betrieb.
Während des Einzugs der Truppen überflogen gegen 200 italienische Bombenflugzeuge die Stadt und gingen dann auf dem Flugplatz nieder. Badoglio dankte im Garten der italienischen Gesandtschaft dem Fliegergeneral R a n z a besonders herzlich für die wertvolle Mitarbeit der Luftwaffe nicht nur bei den Kampfhandlungen, sondern auch bei der Versorgung der marschierenden Truppen und der Einnahme der abessinischen Hauptstadt.
Paris, 6. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die m- nerpolitische Lage und die Währungsfrage stehen im Mittelpunkt der (Erörterungen der Pariser Morgenpresse. Das Kabinett Sarraut will sich möglichst passiv verhalten, um den Kurs der neuen Kammermehrheit nicht unnötigerweise festzulegen. Wie sich die Regierung Sarraut verhält, falls in der Zeit bis zum Zusammentritt der neuen Kammer und dem dann erfolgenden Uebergang der Regierung an die Volksfront Ereignisse eintreten sollten, die eine Betätigung des Regierungsapparates erfordern, ist noch nicht geklärt. Für das „Journal" stxht fest, daß Präsident Lebrun etwa am 2. Juni eine Persönlichkeit der sozia- l i st i s ch e n Partei mit der Regierungsbildung betrauen wird. Im „Petit Parisien" erklärt der Sozialist Paul Saure : Wir bilden die Regierung mit den anderen Volksfront- Parteien. Wenn nötig, ist die sozialistische Parsei sogar bereit, allein bas Kabinett zu bilden
Im „Populaire" erklärt Leon Blum, die Volksfront sei gegen eine Finanz- und Währungspanik. Das „Oeuvre" bezeichnet d i e Höhe b e s Goldabflusses der letzten drei Tage mit IVz Milliarden Franken. Der „Populaire" will wissen, daß nicht nur Kriegsmarineminister PIötri und. Landwirtschaftsminister The liier, sondern anscheinend auch Finanzminister Regnier für den sofortigen Rücktritt des Kabinetts in der Kabinettssitzung eingetreten seien. Offenbar hatten sie den Wunsch, die Verantwortung für die Ereignisse bis zum Kabinettswechsel auch schon der neuen Mehrheit zu übertragen. Aus den Blättern geht hervor, daß die Bank von Frankreich nicht das Vertrauen der Volksfrontkreise genießt.
Die Maßnahmen der Regierung Sarraut zur Verteidigung des Franken bis zum Regierungs- roedjfel scheinen auf die Möglichkeiten abgestellt zu sein, die die Bank von Frankreich treffen kann, also Diskonterhöhung, um die mit geborgten Geldern durchgeführten Spekulationen auf Abwertung des Franken abzuwürgen. Finanzminister Regnier ist gegen eine Sperre der Goldausfuhr und eine Devisenkontrolle, da seiner Ansicht nach solche Maßnahmen zur Abwertung führen würden, die die Regierung nicht wünscht. Trotzdem plant man eine Erschwerung des @olöan = f auf es dadurch, daß über die Person des Käufers Auskünfte eingeholt werden. (Eine „Ausrichtung"
Oie Ehrengabe der Beamtenschaft dem Führer überreicht.
Berlin, 5. Mai. (DNB.) In ber Reichskanzlei fand die Uebergabe des Geburtstagsgeschenkes ber deutschen Beamtenschaft, einer auf Pergament handgeschriebenen Wiedergabe des Buches „M e i n K a m p f", an den Führer und Reichskanzler statt. Der Reichsbeamtenführer, Pg. Herrn. Neef, erstattete dem Führer Bericht über die Entstehung des Werkes und gab künstlerische und technische (Erläuterungen der Ehrengabe. Sie soll die gläubige Gefolgschaftstreue und tiefe Dankbarkeit der deutschen Beamtenschaft zum Ausdruck bringen und den unvergänglichen geistigen Wert des Werkes „Mein Kampf" in unvergängliche äußere Form kleiden. Wie das Buch des Führers ein hohes Lied unermüdlicher Arbeit für das deutsche Volk ist, so wolle die deutsche Beamtenschaft in ihrer Gabe den Geist gläubiger Bejahung ihrer Ausgabe an der Volksgemeinschaft versinnbildlichen.
Der Führer sprach dem Reichsbeamtenführer und der gesamten deutschen Beamtenschaft seinen herzlichen Dank aus. (Er besichtigte eingehend das Werk, das im Kabinettssaal seinen vorläufigen Platz erhalten hat, und ließ sich die an der Her- ftellung beteiligten Künstler und Handwerker vorstellen. Der Führer traf die Anordnung, daß das ihm durch die Beamtenschaft dargebrachte Werk einen Ehrenplatz im Führerhaus z u München erhalten soll.
beruh er Banden auf die deutsche Gesandtschaft vermutet wurde, war in kurzer Zeit alles abwehrbereit. Aus allen Fenstern schauten Maschinengewehre und Maschinenpistolen. Einzelgruppen versahen den Außendienst in fürsorglich angelegten Schützenstellungen. Trotz höchsten Alarmzustandes sorgten die Frauen ruhig für das Abendessen: Goulasch mit Reis. Ein Angriffsversuch erfolgte jedoch nur auf die benachbarte belgische Gesandtschaft, die mit Leuchtraketen die englische Wachtruppe zu Hilfe rief. Die englische und die französische Gesandtschaft stehen mit der deutschen Gesandtschaft zur gegenfeitiaen Hilfeleistung in ft ä n b i g e r brahtloser Verbi n b un g Die am Westranbe von Abbis Abeba gelegene beutsche Hermannsburger Mission zieht es vor, ihr (Eigentum an Ort unb Stelle zu verteidigen, was tapfer und erfolgreich geschieht. Die Mission wurde in der Nacht zum Dienstag von den bewaffneten Lastwagen der Gesandtschaft, mit ber sie in ftänbiger Botenverbinbung steht, besucht unb in bester Verfassung befunden. Die Derteidi- gungsmannschaft würbe durch einen befonbers erprobten MG.-Schützen ber Gesanbtschaft verstärkt. Im übrigen setzen bie Missionsbrüber ihre Arbeit, die Pflege verwundeter Abessinier, tapfer fort. Dem bereits eingetretenen Mangel an Medikamenten wird aus den Beständen der Gesandtschaft abge- bolfen.
Die Hochschulunruhen in Warschau.
Warschau, 6. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Senat ber Warschauer Technischen Hochschule beschloß, bie wegen ber Stubentenunruhen am 2. und 4. Mai angeordnete (Einstellung der Vorlesungen' bis auf Widerruf aufrechtzuerhalten und setzte gleichzeitig einen Disziplinarausschuß zur Feststellung der an den Unruhen Schuldigen ein. Don der Studentenschaft wird betont, daß die letzten Zusammenstöße durch bas Auf tauchen jüdisch-kommunistischer Stoßtrupps an der Technischen Hochschule her- oorgerufen worden seien. Dienstag versuchten derartige Stoßtrupps, die nicht nur aus Studenten, sondern auch aus mit Schlagringen und Schlüsseln bewaffneten jüdischen Arbeitern bestanden, auch in


