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Nr. 181 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 5. August 1936

Aus dem Reiche der Krau.

Sommerliches Kinder Abendesten

Die Abendmahlzeit für die kleinen und größeren Kinder muß gerade im Sommer nahrhaft und leicht fein. In der Zeit des frischen Obstes wird die Hausfrau verschiedene Speisen erfinden, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gesund und wohlschmeckend find.

Haferbrei mit Fruchtschnee. Aus Hafer­flocken wird ein Brei gekocht, mit Milch verrührt, ein wenig gesüßt. Dann wird aus Kirschen oder Erdbeeren em Mus bereitet, Zucker kommt hinzu. Das Ganze wird mit dem Schaumbesen gut durch­einandergerührt. Eine Schnitte Vollkornbrot mit Butter ergänzt ein Abendessen.

Nudeln mit Früchten. Die Nudeln werden in Salzwasser gekocht, abgetropft, mit etwas Butter vermengt. Schokoladenpulver wird daruntergerührt, ein wenig Zimt, der für die Verdauung sorgt, dazu­gegeben. Erdbeeren gewaschen, getrocknet, ge­zuckert zieren die Speise und machen sie wohl­schmeckend.

Makkaroni mit Weißkäse in der Form. Makkaroni zerkleinern, kochen, abtropfen. Dann kommen sie in eine feuerfeste Form. Weißer Käse wird mit Milch, ein wenig Salz und Zucker gerührt. Dann eine Schicht weißen Käse auf die Makkaroni geben. Alsdann wieder Makkaroni, wieder Weiß­käse. Zehn Minuten die Speise im Ofen backen.

Grießbrei mit Kirschen. Grieß wird in Milch mit einem Zusatz von Zucker gekocht, in die Form geschüttet, umgestülpt, mit Zucker und Zimt bestreut. Dazu kommen gedünstete Kirschen als Bei­lage.

Kartoffelspeise mit Salat. Dafür ver­wendet man Kartoffeln, die vom Mittag übrig« geblieben find, und gibt einen Rest Bratentunke dazu. Die Kartoffeln werden in Scheiben geschnitten, in die Form gegeben, die Bratentunke darunter mischen und im Ofen zehn Minuten dünsten. Als Beilage Blatt- oder Gurkensalat.

Die Zusammenstellung dieser Speisen ist daher so wesentlich, weil die Gerichte sämtliche Aufbaustoffe enthalten, die der Organismus des Kindes benötigt.

Schü.

Krokantspeise. Zwei Eßlöffel Bienenhonig werden mit 25 Gramm geriebener Schokolade und Linern Teelöffel Kakao verrührt. Ein Eßlöffel Butter, ein Eßlöffel Zucker, ein Viertelpfund feingeschnittene Mandeln oder Erdnußkerne werden miteinander ge­röstet und bis lauwarm abgekühlt. In einhalb Liter fertige Schlagsahne rühre man den mit Schokolade und Kakao gemischten Honig, zum Schluß die gerösteten Mandeln. Don Vanillen- puloer hat man ein halbes Liter Speise gekocht, ine man fast kalt gut mit der fertigen Sahnenspeise vermischt. Kalt anrichten.

Auch im Garten ungezogen.

Wenn die Hausfrau früher in der Küche oder im Garten tätig war, dann ließ sie sich nicht gern vor ihrem Mann fehen. Es ist unergründlich^ warum maN Küchenschürzen einst so abscheulich häßlich anfertigte, aber man tat es. Heute hat die Frau einen kleidsamen weißen Leinenkittel an, den sie schnell in einen Waschzuber steckt und selbst ohne Mühe plättet. Ein noch dunkleres Kapitel war die Gartenarbeit. Man suchte das Aelteste heraus, was sich im Kleiderschrank sand und lief in reichlich erfundenen Auszügen herum, denn: im Garten macht man ja alles kaput. Inzwischen hat die Wissenschaft jene farbechten herrlich waschbaren Stosse erfunden, die wir stundenlang kochen kön­nen, ohne daß sie auch nur etwas ausbleichen, uno damit fand die Mode ein neues Gebiet: Garten-

Diefe Gartenkleider haben den Vorteil, daß wir in ihnen angezogen sind und daß vor allen Dingen unsere Männer uns mit Vergnügen m ihnen sehen. Sie find aus farbechtem knitterfreiem, fast unzer- reißbarem Stoff, je nach unserer Waschlust aus hel­lem oder dunklen Grund bunt gemustert. In diesem Jahr bevorzugen wir Blümchen und Streifen.

Die zweckentsprechende Machart strebt der Mode­linie nach. Im Olympiajahr sind wir sportlich ge- halten. Der Rock hat eine glatte Lime, das Oberteil ist häufig hemdblusenartig, nut kurzen Vermein, spitzem Ausschnitt und kleinem Kragen^ Wollen wir die Gartenarbeit zu einem Lust- und Sonnen­bad benützen, dann lassen wir uns em ärmel­loses Kleid machen, dessen Oberteil fast wie e n Dreieckstuch wirkt. Es läßt vorn Arme und Schul- ter frei und schließt direkt am Hals ab, um einen unregelmäßig verbrannten Ausschnitt zu vermeiden. Den ' Rücken können wir ganz ^eilaßen und^das Tuch nur im Nacken nut einem ^sten Verschluß halten, ober wir schützen den ganzen Rucken gegen Sonnenbrand und lassen auch dieses Teil bis fast zu den Schultern laufen. ., ... . ,

Wichtig ist immer ein breiter weicher Gürtel aus Leder oder Seinen, in einer Farbe, die im Stoff­muster ebenfalls vertreten ist. Gr gibt dem ein­fachen Kleid die Linie. Sehr praktisch und schon

Vernünftiges Spielzeug.

Don Dagmar Köhler.

In Filmen sieht man öfter unvernünftige Väter, die schon am ersten Lebenstag ihres Sprößlings in den Spielwarettladen stürzen, um ein Schaukel­pferd zu kaufen. Mütter lächeln und denken: na ja, was versteht schon ein Mann von Kinderspiel- ze'ug. Und dann heben sie Baby den heruntergefal- lenen Teddybären auf und legen ihn in den Wa­gen. Soll denn das Baby mit einem Plüschtier spielen, das schon so oft auf den Fußboden fiel? Es ist ja unmöglich, so ein Tier zu waschen, genau so unmöglich, wie dem Baby zu verbieten, fein Lieblingsspielzeug in den Mund zu stecken. Das Kleinkind nimmt unwillkürlich alles in den Munb, angefangen beim Beißring oder dem Veilchenwurz, den unvernünftige Mütter in den Wagen hängen, damit das Baby die Milchzähne durchbeißt. Aber alles, was in den Mund gesteckt wird, muß auch sauber sein vor allen Dingen das Kinderspiel­zeug! Nun sind wir in den letzten Jahren immer weitergekommen in bezug auf die Hygiene in der Kinderstube, und der Teddybär aus Plüsch ist dem waschbaren Stofftier gewichen. Auch dieideale" Puppe, wie man sie sich für das Baby wünscht, die Puppe, die weich und schmiegsam ist, die man immer wieder im Wasser säubern kann, ist in den Spielwarenhandlungen aufmarschiert. Es gibt aber immer noch Mütter, die ihren Kindern das falsche Spielzeug geben.

Dor allen Dingen müssen die Spielsachen dem kindlichen Geist angepaßt sein, dem Geist und auch den Körperkräften. Wenn Baby mit einem Stoff­tier spielen soll, dann darf dieses Tier nicht die körperlichen Kräfte des Kindes übersteigen, ein Rie­senbär ist nur eine Last, der Foxterrier in Natur­größe ist dem Kind nur lästig! Das Kleine hat ja nur Spaß an den Dingen, wenn es richtig damit hantieren kann.

Verlegungen an unsachgemäßem Spielzeug sind leider in der Kinderstube schon oft vorgekommen. Kinder, die in der Sandkiste spielten, haben die Blechformen mit dem scharfen Rand in den Mund gesteckt oder sich in den Fuß getreten. Schaufeln mit scharfen Blechbeschlägen wurden von den Kin­dern alsWaffen" benutzt und haben bösen Scha­den angerichtet. Es ist unmöglich, daß die Mutter beim Spiel immer als Wächter hinter den Kin­dern steht, deshalb muß bei der Wahl des Spiel­zeuges darauf geachtet werden, daß die Kinder sich nicht verletzten können.

Kleine Glaskugeln, Knöpfchen oder Tonmurmeln gehören nicht in ein Kinderzimmer, wo noch ein Kleinkind ist, das die Gegenstände in den Mund steckt. Jede Mutter muß deshalb besonders darauf achten, daß die größeren Geschwister den Kleineren nichts von ihrem Spielzeug in den Wagen legen. Eine Anklage wegenfahrlässiger Tötung" wurde kürzlich erhoben, als ein unbeaufsichtigtes Klein­kind an die Schublade herankonnte, wo die Mut- ter ihre Nähnadeln aufgehoben hatte. Das Kind verschluckte ein Päcken Nähnadeln und starb daran!

Kinder sotten nicht mitKüchensachen herumsvielen? Ein Küchenmesser in Kinderhand, eine Fleischhack- majchine ufw hat schon viel Tränen verursacht. Unter Mutters Anleitung sollen die Kinder wohl im Haushalt helfen, aber von Anfang an müssen sie wissen, daß Haushaltungsgeräte nicht zum Spie­len da sind, und daß man sie nur so verwendet, wie sie bestimmt sind.

Richtiges Spielzeug für das Baby das muß immer wieder verlangt werden. Besonders in der 3eit, in der das Kind zahnt, ist es wichtig, die Spiel- Wochen so auszuwählen, daß sie das Kind unbe­denklich in den Mund stecken kann. Man muß sie immer waschen können, denn jedes Baby lutscht an seinen Sachen, und es ist ganz unmöglich, den hygienischen Forderungen der Kinderstube nachzu- kommen, wenn man Spielzeug verwendet, das nicht zu reinigen ist.

Keine komplizierten Formen ie einfacher die Spielsachen sind, desto besser, die Phantasie des Kindes ist so reich, daß es aus einem Holzklotzchen sich ein Königreich baut!

etwas angezogener wirkt ein Kleid mit spitzem Ausschnitt, einer Faltpaprtie über den Schultern, die als kleines Aermelchen den geringsten Teil des Oberarmes bedeckt, mit vier ober fünf großen Knöpfen, vorn geschloffen und zwei breiten Quetsch­falten am Rock. Rechts und links bringen wir zwei große Taschen an, und schon ist das Gartenkleid, der Strandanzug, das Arbeitskleid im Haushalt fertig.

Stoffauswahl haben wir reichlich. Riponette, viele andere Kunstseiden und Musseline, Kretonns und Cloques stehen uns zur Verfügung. Mit drei bis vier Meter Stoff ist das Kleid schnell gezaubert und wir sind in jeder Hinsicht angezogen.

Oas Ofenloch als Kühlschrank

Nichts ist ärgerlicher, als wenn man abends die Entdeckung machen muß, daß die Milch sauer geworden ist. Es sollte einen dran erinnern, daß man Milch, wenn man sie nicht im Kühlschrank auf­bewahren kann, im Sommer nur abgekocht aufheben sollte, denn selbst so ist ihre Haltbarkeit nur be­schränkt. Auch Butter ist gegen Wärme empfind­

lich. Butter sollte man grundsätzlich nicht im Papier liegen lassen, sie schmilzt leicht und wird zu schnell abschmeckig. Wenn nicht anders möglich, sollte man sie wenigstens in einer Tonbutterdose mit Wasser- kühlung aufbewahren, damtt sie einigermaßen strich- fest bleibt. Ebenso sehr wie Butter und Milch leidet das Fleisch unter der Hitze. Fleisch muß sofort ausgepackt und auf eine Porzellanschüssel gelegt werben. Will man es erst am nächsten Tage verwen­den, kocht oder brät man es zweckmäßiaerweise an, damit es nicht abschmeckia wird. Unmittelbar auf Eis darf man dagegen Fleisch nicht legen, da das Eis nicht keimfrei ist. Grundsätzlich sollte man im Som» mer nicht mehr einkaufen, als man bald verbraucht oder wirklich sicher gegen Verderb schützen kann, gleich, ob es sich um Milch, Fleisch, Obst oder Ge­müse handelt. Wer es übrigens noch nicht probiert haben sollte, ein kühler, luftiger Aufbe­wahrungsort ist das O f e n l o ch. Es muß nur gründlich gesäubert werden. Dann kann man die Lebensrnittel, wenn sie mit Gazeglocken ober Zello­phan geschützt sind, getrost hineinlegen, wo sie sich besser als in irgendeiner warmen Speisekammer halten.

Was sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

M

W ' VÄX

Auch für die Sommerkleidung des Herrn hat sich L e i n e n in allen Webarten durckgesetzt.

Wir zeigen nun heute eine einfache Jacke aus grobem, weißem Seinen und zwei Sporthemden zum Selbstschneidern. Die Jacke ist vollkommen ungefüttert, hat große auf­gesetzte Taschen und breite Steppnähte. Der Rücken ist aus einem Stück geschnitten und wird in der Taille durch einen Gummizug lose zusammen- gehalten. Die Knöpfe sind aus weißer Steinnuß, sämtliche Knopflöcher werden mit Schräg st rei- f e n oerfäubert.

Das kurzärmelige Sporthemd links hat den neuen doppelreihigen Westenver- fchluß, schmale Aermelaufschläge und breite Stepp­nähte.

Das Hemd rechts mit den langen Aermeln hat die kurze Knopfleiste der Polohemden über­nommen, feine Manschetten sind mit einer Spitze aufgesteppt.

Die waschbare Leinenkravatte kann leicht in jeder frischen Farbe selbst hergestellt werden, ihre unteren Ränder werden ausgefranft. H.

Frauen kämpfen um den olympischen Sieg

Don Heinz (Kavalier

Fünf leichtathlettfche Wettbewerbe finden bei den Olympischen Spielen für die Frauen statt. Die jüngste von allen wird wahrscheinlich die Zöpfchen tragende Grete Winkels aus Godesberg sein, die noch dabei ist, sich auf das Abitur vorzu­bereiten und später Chemikerin werden will. Sie ist bas Baby ber beutschen Frauenmannschaft, in ihrer Leistungsfähigkeit aber gar nicht babyhaft. Zu Beginn bes vergangenen Jahres kannte sie noch niemand. Sie schwamm über den Rhein und turnte und wurde dann ganz zufällig entdeckt. Nach einem knappen halben Jahr wußte sie, daß sie eine ge­borene Säuferin ist. Von 13,2 hat sie sich im Saufe weniger Monate auf 12,2 Sekunden ver­bessert, sie wurde in die Kernmannschaft ausgenom­men und lief in diesem Jahre mit Krauß, Albus und Dollinger den großartigen Staffelweltrekord von 46,5 Sekunden. Ihre Zöpfe hat sie behalten, der Herr Papa will es so, und sie sieht sehr nied­lich damit aus. Die Godesberger Bürger, denen ber Sport zum Teil noch eine zweifelhafte Angelegen­heit zu sein scheint, waren zuerst entsetzt, als ihre Grete Winkels unter bie Seichtathletinnen ging; jetzt werben sie wahrscheinlich stolz auf sie sein.

Nur wenig älter ist die Amerikanerin Helen Stephens, die auch eine Entdeckung des Jah­res 1935 ist. Ihr Aufstieg ist allerdings noch phan» tasttscher. Denn in ihrem ersten Sauf schlug sie be­reits die weltberühmte Stella Walsh alias Wala» siewicz. Dabei hatte sie sich eigentlich nie mit dem Sauf beschäftigt. Als Tochter eines Far­mers war sie in der Nähe von Fulton, 100 Meilen von St. Souis, aufgewachsen. Sie half dem Vater bei der Arbeit, wenn sie nicht gerade in der Schule war, und wenn sie weder in Der Schule noch bei ber Sand arbeit war, bann spielte sie Baseball. Das ist bas Nationalspiel aller amerikanischen Kinder, unb wie bas auf dem Sande so ist, gab es keinen Sportplatz. Ein Notspielplatz wurde hergerichtet. Jungen und Mädchen spielten gemeinsam, Helen war allen im Sauf überlegen. Ein Trainer beobach­tete sie eines Tages und so wurde sie entdeckt.

Aber wir sagten schon, daß kein Sportplatz in ber Nähe war, und bis St. Souis waren es 100 englische Meilen. So lernte sie unter schwierigen Verhältnissen die Ansangsgründe des athletischen Saufs. Im März 1935 fanden bie amerikanischen Hallenmeisterschasten statt. Helen Stephens lief, siegte und fuhr wieder nach Hause, während bie Welt die Ohren spitzte. Sie war über Nacht eine Weltberühmtheit geworden, lief Weltrekorde, wie es ihr beliebte und hatte nur ein Seid: daß die geschlagene Gegnerin Stella Wala- siewicz verbreitete, sie hätte ihre Zeiten durch Fehl­starts erzielt.

Stella W a l a s i e w i c z hat viel, sehr viel ge­leistet. Sie ist in Amerika, Europa und Asien ge­laufen, 60 Meter, 100 Meter, 200 Meter, 400 Meter, wie es gerade gewünscht wurde, sie stellte Welt­rekorde am laufenden Band auf und war Jahre hindurch das schnellste Mädel der Welt, nur einmal von der Deutschen Käte Krauß ge­schlagen, 1934 in Sondon bei den Frauenweltspielen, sowohl über 100 wie über 200 Meter. Man kann verstehen, daß sie sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen kann, daß nun eine Jüngere kommt, die ihr einen Weltrekord nach dem anderen nimmt. Und dabei faßt sie ihren Sport viel ernster auf als die unbekümmerte Amerikanerin. Der Sauf ist Stella Walasiewiczs große Leidenschaft, der Sieg die Erfüllung ihres riesigen Ehrgeizes. Zwischen Arbeit und Sport bewegt sich ihr Seben, zwischen Amerika, ihrer Wahlheimat, und Europa, sie ist Polin, pendelt sie hin und her. Eine Einzelgänge­rin ist sie, lebt ihr eigenes Leben, bas eingestellt ist auf ben Sieg.. Als sie 1935 mit ihren Kamera- binnen zum Länderkampf PolenDeutschland nach Dresden kam, sah man sie nur einmal abends in ihrer Gesellschaft. Den Tag verbrachte sie allein. Ein Gefühl großen Glücks hatte sie, als sie im vorigen Jahre an Käthe Krauß für die Londoner Niederlagen Revanche nehmen konnte. Diese Käthe Krauß hat sich ihre großen Leistungen schwer er­arbeiten müssen. Sie ist nicht so jung zur Leicht­athletik gekommen wie die meisten ihrer Kamera­dinnen und muß ihre Zeit überdies sehr sparsam verwalten. Sie ist Klavierlehrerin unb muß für ihre Mutter sorgen; deshalb muß sie zuerst an ihren Beruf benfen, an ihren Sport nur nebenbei.

Gisela Mauermayer ist eine ber angenehm­sten Erscheinungen auf bem Sportplatz. Deutscher Typ, fräftig gewachsen, ganz fraulich. Ein Möbel, bas ihre Aufgabe verdammt ernst nimmt und nur an Deutschland denkt. Eine große Könnerin, aber immer bescheiden. Der Beifall ber Zuschauer ist ihr fast peinlich. Don ber Notwendigkeit des Frauen­sports ist sie zutiefit überzeugt. Sie ist Studenttn. Hat klein begonnen und ist auf der Stufenleiter des Ruhms schnell heraufgeklettert. Erst war sie Fünskämpferin, dann wurde sie Diskuswerfe- r i n. Warf einen Weltrekord nach dem anderen. Gewann viel Ehre, blieb sich aber immer gleich. Sie ist deshalb ein Dorbild. Bei den Olympischen Spielen ist die Polin Jadwiga Weiß ihre große Gegnerin. Jadwiga Weiß war bie erste große Diskuswerferin ber Welt. Gisela Mauermayer löste sie ab. Fräulein Weiß würbe in ihrem Beruf schwer beansprucht; zum Training blieb ihr kaum Zeit. Darunter litten bie Leistungen. Man hat ihr sicher­lich Erleichterungen verschafft, bamit sie sich zu ben Olympischen Spielen in Höchstform steigern konnte. Der Erfolg war großartig; jetzt hat sie schon über 46 Meter geworfen.

Kellnerin von Beruf ist bie österreichische Speer­werferin Bauma. Sie ist erst 22 Jahre alt, aber schon eine Könnerin. Ein nettes Möbel ist ferner bie polnische Speerwerferin Kwasniewska, bie sich im Dorjahre beim beutsch-polnischen ßän- berkampf mit ihren beutschen Gegnerinnen so gut vertragen hat. Sie hat sich feitbem beständig ver­bessert, zuletzt über 43 Meter geworfen. So konnte man noch viel erzählen, von Elfriede K a u n unb Luise Krüger, von Tilly Fleischer und Marie Dollinger. Wo beginnen, wo aufhören? Die Leichtathlettnnen sind alles prächtige Menschen, gegenfeitig in Kameradschaft verbunden, unb bie Leistungen ber Spitzenkönnerinnen so groß, baß man aus beiben Grünben froh Darüber ist, sie auf ber Olympischen Kampfbahn zu sehen.