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Nr. 55 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheffen)

Donnerstag, 5. Marz 1956

Die großen (privaten!) amerikanischen Ueber- landlinien geben täglich gegen Mittag ein bestimm­tes Läutezeichen, bas bedeutet, daß jedermann her­hören soll. Dann wird die genaue Zeit durchgesagt und sämtliche Mitteilungen, die irgendeiner der zerstreut wohnenden Farmer unter die Leute ge­bracht wissen will.Wer etwas zu verkaufen hat oder tauschen will, wende sich an die Zentrale. Ebenso wer geschulte Arbeitskräfte sucht und wer etwas verloren oder gefunden hat. Wenn es brennt oder sonst ein Unglück eingetreten ist, Anruf beim Amt! Dringende Fälle werden sofort durchgesagt; andere am darauffolgenden Tag."

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Amerikanischer Snobismus bedient sich sehr selt­samer Symbole der Vornehmheit. Eine möglichst kleinstellige Autozulassungsnummer zu haben ist ein gesellschaftlicher Vorrang. Eine Loge in der Metro- politan-Oper hat ihre Geschichte so gut wie ein Sitz in der Akademie der Künste. Bei Wohltätig­keitsoeranstaltungen, wenn sämtliche Logen zum Verkauf stehen, dünkt es einem Neureichen glor­reich, in der Loae der Familie Astor zu sitzen. So wie bekanntlich die Neuyorker große Summen da­für geboten haben, um die Autonummer 1 zu be­sitzen, gibt es dort auch Leute, die ihren Ehrgeiz darein setzen, als Letzte im Telephonbuch zu stehen. Neben dem Originalitätswert versprechen sie sich davon wohl auch geschäftliche Vorteile. Nur so ist es erklärlich, daß man Namen wie Zzyns, Zzyx, ja sogar Zzzyzyvos dort lesen konnte. Bei näherer Nachprüfung erwiesen sich alle mit Zz beginnenden Namen als erfunden.

Zur Entstehungsgeschichte desTraumulus".

Es wird nicht allgemein bekannt fein und die Besucher des gegenwärtig in Gießen laufenden Syndicat-FilmsT r a u m u l u s" interessieren, daß die Tragikomödie, welche die Grundlage für das Drehbuch bildete, auf eine tatsächliche Begebenheit zurückging. Arno Holz hatte zusammen mit dem Straßburger Verteidiger Oskar I e r s ch k e einen Fall dramatisiert, der sich seinerzeit in der kleinen Stadt Schlettstadt im Elsaß zugetragen hatte. Dazu bemerkt dieDeutsche Allgemeine Zeitung":Ehe das TheaterstückTraumulus" seinen Rundlauf über die deutschen Bühnen angetreten hatte, hatte die Oeffentlichkeit die Vorgänge durch den Gerichts­bericht erfahren. Oskar Jerschke hat sie in seiner Eigenschaft als Straßburger Verteidiger aus un­

mittelbarer Nähe erlebt, und es war die Außer­gewöhnlichkeit der psychologischen Verflechtungen, die ihn nicht mehr losließ, sondern ihn zwang, nach seinem glänzenden Plaidoyer im Gerichtssaal sich ein zweites Plaidoyer vor der Weltöffentlichkeit von der Seele zu schreiben. So entstand sein 1904 gemeinsam mit Arno Holz verfaßtes Drama. Die Vorgänge aber, die sich im gesellschaftlichen Rah­men der kleinen Gymnasialstadt Schlettstadt zy- getragen hatten, wurden schon in den benachbarten Gymnasialstädten Colmar, Hagenau, Buchsweiler usw. als etwas ganz Ungewöhnliches und Einmali­ges empfunden... Niemand hat weniger als der alte VDSt.-er Oskar Jerschke daran gedacht, die Schilderung eines nur durch seine ausnahmsweise Einmaligkeit erregenden und ergreifenden Falles zu einem gemeingültigen Urteil über die damalige Lehrer- und Schülerschaft zu erweitern."

Zwei Schimpansen gehen in die Schule.

Mick und George, zwei drei Jahre alte Schim­pansen, sind der Stolz des Londoner Zoos, und alle Besucher freuen sich an dem klugen Spiel der beiden Tiere. Jetzt aber beginnt auch für sie der Ernst des Lebens, denn ihre menschlichen Betreuer und Erzieher haben sich entschlossen, Mick und George in die Schule gehen zu lassen, damit ein­mal was Tüchtiges aus ihnen wird, wie man so schön sagt. Vor allem soll den gelehrigen Tieren eine bestimmte Art der Zeichensprache beigebracht werden. Sir Richard Paget, eine Autorität auf dem Gebiet der Sprech- und Stimmkunde, ist eigens dazu ausersehen worden, das Experiment mit Mick und George zu überwachen. Natürlich wird das mit aller nur erdenklichen Geduld ge­schehen, und den Schimpansengehirnen sollen keine allzu großen Anstrengungen zugemutet werden. Zu­nächst will man sich auf die Erlernung zweier ein­fachen Zeichen beschränken. Das eine kündet an, daß sich die ersehnte Nahrung bereits auf dem Wege befindet und daß bald Essenszeit ist. Die Freunde von Mick und George zweifeln nicht dar­an, daß dieser Teil des Experiments sehr schnell Erfolg haben wird, während man wegen des zweiten Teils noch einige Zweifel hegt. Die beiden Schimpansen sollen nämlich auch noch lernen, ein Zeichen zu verstehen, das ihnen befiehlt, die Tür zu schließen. Es werden noch mehrere Monate ver­gehen, ehe man sagen kann, ob diese Versuche ge­lingen werden und ob Mick und George gute Schüler sind.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Die Friedenspfeife.

Volksgemeinschaft beim SA -Eintopf!

Es gab einmal einen Mann wie er hieß, weiß ich nicht mehr, und es war auch schon vor dem Kriegs glaube ich der vertrat die Ansicht, man müsse sich in die gute Literatur hinauf­lesen. Schade, daß ich die einzelnen Stufen dieser Literaturleiter nicht mehr aufzählen kann, aber daran erinnere ich mich noch sehr gut, daß es dabei auch eineStufe Karl May" gab.

Ob allerdings alle Buben und Mädchen, die heim­lich und mitunter auch unheimlich ihren Karl May lajen, das in dem Bestreben taten, sich hinaufzu­lesen, möchte ich vorsichtshalber ein wenig fraglich lassen; wahrscheinlich wären wir Deutsche in die- ,sem Falle eine so ziemlich komplett und einmütig hinaufgelesene Nation. Aber daß der Karl May, genanntOld Shatterhand", immer sehr spannend war, das weiß ich nun wirklich bestimmt.

Dieser Ansicht müssen wohl auch die vier Buben meines Freundes T sein, denn sie haben ihren gut­mütigen Vater dieweil der Kleinste nur erst ge­rade die Sütterlinschrift lesen kann so weit ge­bracht, daß er ihnen gelegentlich einmal einenKarl May" vorlieft. (Zur Zeit sind sie anWinnetou", Band III.)

Nun spielt wie jeder gebildete Mensch weiß in Karl Mays Jndianerbüchern die Frie­denspfeife eine große Rolle. Sie macht unter viel Rauch- und Redewolken die Menschen im Hand­umdrehen zu Freunden und Brüdern. Sind die Buben meines Freundes T nun zwar auch Brüder vom Blut her", so machen sie gleichzeitig dem schönsten Jndianerstamm alle Ehre, sind wie Hund und Katze gegeneinander, ober wie Sioux und Apachen, und das Kriegsbeil ist gewissermaßen immer ausgegraben und hat keine Zeit zum Ein- roften. Weshalb ich mir so dachte:Und denen liest der alte Schote ausgerechnet noch Karl May vor!"

Aber siehe da: eines Tages sind die Buben brav und noch bräver, sind sogar am allerbrävsten, einig, einmütig, hauen sich nicht, spielen zusammen usw. Was alles der Mutter T natürlich auffällt, so daß sie am Abend den Jüngsten ihrer Lieblinge (JndianernameDer duftende Hirsch") entsprechend lobt und sich freudig darüber ausläßt, daß sie heute alle vier so brav gewesen seien.

Da führt sie derduftende Hirsch" an den Ofen und zieht hinter ihm eine von Vaters alten Pfei­fen hervor, deren Kopf vollgestopft ist mit zerhack­ten abgebrannten Streichhölzern.Weißt du, Mutti", sagt er,wir haben doch heute auch die Friedenspfeife geraucht."

... Als mir die Mutti X das erzählte, fiel mir der Mann mit feinemHinauflesen" wieder ein. Sollte dieser Karl May vielleicht doch ...? Schön, ich werde mal abroarten, ob der Friedenszustand unter den Jndianerstämmen der Familie T anhält. Tut er das, dann werde ich als verantwortungs­voller Vater sehr wahrscheinlich ... Denn wir haben zu Hause auch so ein paarJndianerstämme", und eine alte Pfeife habe ich soviel ich weiß auch noch irgendwo umherliegen. D.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerslag.

NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik (nur für Frauen) im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Gloria-Palast, Seltersweg:Traumu- lu5". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Liebes­leute". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 15 bis 17 Uhr Gedächtnis-Ausstellung Hans-Ewald Kleine.

Der Spielplan des Sladttheaters am heldengedenkiag.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Der Spielplan des Stadttheaters am kommenden Sonntag ist der Würde und der Bedeutung dieses Tages in Erinnerung an die gefallenen Helden des großen Krieges angepaßt: Am Sonntagoormutag findet von 11.30 bis 12.30 Uhr im Rohmen der

Telephon von A bis Z.

Unsere Gießener SA. versammelt sich am kom­menden Sonntagmittag geschlossen in den Stürmen zum Eintopfessen in zahlreichen Gast­stätten unserer Stadt. Die SA.-Kameraden erwarten dazu viele, möglichst alle Volksge­nossen und Volksgenossinnen, um gemeinsam mit ihnen das letzte Eintopfgericht des Winterhilfswerks 1935/36 zu verzehren.

Dieses Gemeinschafisefsen der SA. und der Bevölkerung soll allen Teilnehmern einige Stunden der Kameradschaft bringen.

nicht nur ein gutes, schmackhaftes Eintopfessen auf den Tisch zu bringen, sondern sie werden sich auch bemühen, der Tischgemeinschaft von SA.-Uniform­trägern und Zivil die Zeit ihres gemeinsamen Er­lebens des letzten Eintopfsonntags so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Gaststätten, in denen die SA.-Kameraden und die Männer und Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung gemeinsam speisen werden, sind durch grüne Plakate von auhen- hcr sichtbar kenntlich gemacht.

Denn man will nicht nur in der kurzen Essenszeit die guten Beziehungen zwischen unserer Gießener SA. und der Bevölkerung erneut sichtbar zum Aus­druck kommen lassen, sondern man hofft auch auf feiten der SA.-Kameraden, daß sich an das Mit­tagsmahl noch eine Stunde kameradschaftlicher Unterhaltung anschließen wird. Die SA. wird es sich dabei», angelegen sein lassen, die in ihrer Mitte weilenden Männer und Frauen den vorbildlichen Kameradschaftsgeist in den Stürmen der SA. ein­drucksvoll erleben zu lassen.

Der kameradschaftliche Opfergeist der SA.- Männer wird u. a. auch darin feinen Ausdruck finden, daß einigen hundert besonders hilfsbe­dürftigen Männern, Frauen und Kindern unserer Stadt die kostenlose Teilnahme an dem Essen ermöglicht wird.

Die Gastwirte werden alles tun, um den Eintopf- Mittagsgästen zu dem Preisevon75 Pfennig

Beim Eintopf der SA. wird es Erbsen­suppe mit Fleischeinlage geben. Es wird angestrebt, dieses schöne Gericht in sämtlichen Gießener Gastwirtschaften auf den Tisch zu bringen. In den nachstehend verzeichneten, von der SA. be­suchten Gaststätten wird diese Erbsensuppe mit Fleisch gegessen: CafL Ebel; Frankfurter Hof; Caf6 Leib; Gambrinus; Stadt Wetzlar; Zum Auerhahn; Zum Löwen; Schützenhaus; Germania; Pvftkeller; Bayri­scher Hof; Boller; Soldan; Krokodil; Hopseld; Hotel Schütz. Männer und Frauen, die sich an dem Mit­tagessen beteiligen wollen, mögen sich sofort in einer der vorgenannten Gaststätten anmelden. Die Parole für den nächsten Sonntag lautet also: Alle treffen sich mit den SA.-Kameraden beim Eintopf- Essen und bekunden dadurch in schöner Geschlossen­heit ihre Verbundenheit mit den politischen Soldaten des Führers Adolf Hitler und ihre Gefolgschafts­treue zum Führer selbst!

regelmäßig wiederkehrenden Sonntag-Morgenver­anstaltungen des Stadttheaters eine Erinnerungs­und Weihestunde für die Gefallenen des Weltkrie­ges statt. Diese zweite Morgenveranstaltung sieht an Darbietungen vor: Vorspruch, Sonate X für Violine und Klavier in c-moll von L. van Beet­hoven op. 30 Nr. 2, Dichtungen von E. W. Möl­ler, Hch. Lersch, E. Bertram, W. Flex, Kriegs­riefe gefallener Studenten, vier ernste Gesänge von Joh. Brahms op. 121. Ausführende: G. Bley (Bariton), A. Neuhaus und H. Rosenthal (Rezi­tation), A. Rein (Violine), E. Bräuer (Klavier). Für die Stammabonnenten ist der Eintritt frei! Abends von 19 bis 21.30 Uhr das historische SchauspielDer Kanzler von Tirol" von Josef Wenter. Die Spielleitung liegt in den Händen von Kurt L ü p t e. Die Vorstellung ist außer Abonne­ment. Kleine Preise.

Handarbeitsausstellung in der Aliceschule.

Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wird eine Handarbeitsausstellung in der Aliceschule an­gekündigt. Näheres in der Anzeige.

NE>B., Ortsgruppe Mitte.

Betr.: Kohlen-Abrechnung.

Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat Februar 1936 gültigen Kohlen-Gutscheine der Serie E sowie der Serie S (Sonderausgabe 30. Januar 1936), und zwar beide getrennt, am Donnerstag, 5. März 1936, abends 8.30 Uhr, bei der NSV.-Geschäftsstelle, Kaplans- gasse 18, mit Firmenstempel versehen, unter Bei­fügung gleichfalls getrennter Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unbedingt einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. März strengstens untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit ver­lieren.

Die deutsche Arbeitsfront xy#. N.6.-6emeinfehaftKraft Öurth frcuöc"

Urlaubsfahrt 6/36 nach AllgäuPfronten vom 21. bis 29. März. kosten 36 Mark.

Die Allgäufahrten des Gaues Hessen-Nassau sind schon zur Tradition geworden. Wo gibt es aber

auch einen schöneren Urlaub, als im Reich der bayerischen Berge. Stolz aufragend blicken Roß­berg, Schlicke, Himpel mit ihren schneebedeckten Häuptern auf die lieblichen Häuser im Tal. Kleine und große Ausflüge führen die Teilnehmer in das seltsame Reich phantastischer Bergriesen. Die Fahrt bietet einen selten schönen Urlaub. Schluß der An­meldung: 17. März.

Feierstunde der Arbeit am Heldengedenktag.

Am Heldengedenktag, 8. März, 16 Uhr, hält die Deutsche Arbeitsfront, NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" im Cafe Leib, Gießen, eine Feier­stunde der Arbeit ab. Der bekannte Arbeiterdichter Max Barthel erzählt aus seinem Leben und lieft aus eigenen Werken. Die Feierstunde wird umrahmt durch Sprechchöre und Gesang der Werk­scharen. Eintrittspreis 20 Pf. Vorverkauf: Kreis­dienststelleKdF.", Schanzenstraße 18.

Monatsprogramm März 1936.

Das neue Mvnatsprograrnrn ist auf der Kreis­dienststelle zum Preis von 10 Pf. erhältlich.

SportamtKraft durch Sreube".

heute folgende Kurse:

Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen). Von 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Reiten. Don 21 bis 22 Uhr, Univerfitäts-Reit- inftitut, Brandplatz.

Achtung! Einrichtung von Schach­kursen! Volksgenossen, welche Interesse an der Erlernung des Schachspiels haben, melden sich auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18.

Schachturnier! Von Karfreitag bis Oster­montag findet in Frankfurt im Palmengarten ein Schachturnier statt, an dem alle Volksgenossen teil­nehmen können. Es wird in folgenden Klassen ge­spielt, in die sich die Teilnehmer selbst eintragen können: 1. Anfänger; 2. Fortgeschrittene; 3. gute Spieler; 4. starke Spieler. Anmeldungen zu diesem Turnier nehmen die Geschäftsstelle sowie die Sport­werbewarte der Ortsgruppen und Betriebe ent­gegen. Fahrtkosten werden nicht vergütet. Als Preise stehen Ehrenpreise zur Verfügung.

hineinsprechen und durch die Muschel am anderen Ende die Stimme der Hauptstadt hören konnten.

Laßt Euch die Handwerkskarte zeigen!

Das Handwerk hat jahrelang einen fast aus­sichtslosen Kampf gegen die kämpfen müssen, die ohne Fachausbildung, ja ohne geringste Kenntnis von handwerklichen Dingen ein Handwerk begannen und bann als Pfuscher und Nichtskönner ihre Kund­schaft schädigten. Dazu kam die unsichtbare Armee der Schwarzarbeiter, jener Auchhandwerker, die unter restloser Mißachtung aller für den selbständi­gen Handwerker bestehenden Vorschriften durch ihre Schundarbeit den Ruf des Handwerks gefährdeten. Dem Wunsch des Handwerks nach einem Gesetz, das den Beginn eines handwerklichen Betriebes von der Ablegung der Meisterprüfung als höchstem und letztem Beweis handwerklichen Könnens ab­hängig machte, wurde in der liberalistischen Zeit stets der Grundsatz völliger Gewerbefreiheit ent­gegengesetzt.

Erst der Führer gab dem deutschen Handwerk eine neue, auf dem Leistungsgrundsatz aufgebaute Zukunft. Er bestimmte durch die 3. Handwerks­oerordnung vom 18. Jan. 1935, daß ab 24. Jan. 1935 nur der ein Handwerk beginnen kann, der nach abgelegter Meisterprüfung oder im Besitz der Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen in die bei jeder Handwerkskammer geführte Handwerksrolle eingetragen ist.

Jeder, auch der vor dem 24. Jan. 1935 Einge­tragene, erhält als Beweis feiner Eintragung die Handwerkskarte ausgefertigt, deren Besitz ihn als selbständigen Handwerker ausweist. Wer die Handwerkskarte nicht besitzt, ist kein selbständiger Handwerker. Führt er gleichwohl handwerkliche Arbeiten aus, so tut er das als Schwarzarbeiter, als Saboteur an der 3. Handwerksoerordnung. Er hat empfindliche Strafen Geld- und Hafstrafen zu ge­wärtigen. Wer einem solchen Schwarzarbeiter einen Auftrag erteilt, macht sich der Beihilfe am Verstoß gegen die 3. Handwerksoerordnung schuldig. Des­halb muß sich jeder davon überzeugen, ob sein Handwerker, dem er einen Auftrag erteilen will, die Handwerks­karte besitzt. Wer die Handwerkskarte nicht vorweisen kann, darf keinen Auftrag bekommen! Nur wer die Handwerkskarte besitzt, ist berechtigt, handwerkliche Arbeiten auszuführen. Verlangt da­her in jedem Falle die Vorzeigung der von der Handwerkskammer ausgefertigten, mit Lichtbild versehenen Handwerkskarte!

Ruhegeldanspruch für Gemeindearbeiter!

§ 1 der Ruhegeldordnung des Rhein-Mainischen Bezirksarbeitgeberoerbandes der Gemeinden und Kommunalbehörden e. V. gibt dem Arbeiter nach zehnjähriger ununterbrochener Dienstzeit Anspruch auf Ruhegeld, wenn er u. a. wegen eines körper­lichen Gebrechens oder wegen Schwäche feiner kör­perlichen oder geistigen Kräfte dauernd arbeits­unfähig im Sinne des § 1255 Adf. 2 RVO. ge­worden ist und deshalb aus dem Arbeitsverhältnis ausfcheidet.

Der Anspruch des Arbeiters auf Zahlung von Ruhegeld entsteht sonach in dem Augenblick, in dem er wegen dauernder Arbeitsunfähigkeit aus dem Arbeitsoerhältnis ausscheidet. Anderseits löst der Eintritt der dauernden Arbeitsunfähigkeit nicht schon für sich allein den Ruhegeldanspruch des Ar­beiters aus. Es ist denkbar, daß beide Teile trotz eingetretener Invalidität des Arbeiters das Ar­beitsoerhältnis zunächst noch weiter bestehen las­sen. Der Arbeiter genügt unter Umständen noch einigermaßen den Anforderungen feines Arbeits­platzes und wird weiter beschäftigt, obgleich er schon dauernd Invalide" ist und womöglich schon den Jnvalidenrentenbescheid erwirkt hat, oder er setzt die Arbeit zunächst nur tatsächlich aus, ohne förm­lich entlassen zu werden.

§ 1 der Ruhegeldordnung schreibt ausdrücklich als weiteres Erfordernis des Ruhegeldanspruches vor, daß der Arbeiter aus einem der angegebenen Gründe aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist. Hierfür genügt es noch nicht, daß der Arbeiter

23on Dans B Wogenseil.

Als in Afrika die ersten Ueberlandlinien gelegt wurden, verursachten nicht nur die Giraffen be­trächtlichen Schaden dadurch, daß sie sich an den Drahten schuerten oder auf ihren fluchten mitten hineinrannten, sondern auch in Mittelarabien er­hoben religiöse Eiferer heftigen Einspruch geaen diesesTeufelswerk". Sie wandten fid) mi(L^,ehr Bitte um Beseitigung an den König Ibn Saud. Der König fällte daraufhin folgenden salomonsichen Urteilsspruch:Wenn der Fernsprecher wirklich em Werk des Scheitans ist, so soll er "er chwmden. Aber wir wollen erst die Probe darauf machem Ist er Teuielswerk, o werden die heiligen Worte des Korans sicherlich nicht durch di- Drahte weit», geleitet werden. Lassen sich tue fldligen_ ffiort «Der burchfaaen so kann er eben o gewiß fein Teufels- werk lein'" Also wurden zwei Mullah- ausgewahlt und der ein- ans Ende der Leitung in den Saud- schen Palast gesetzt, der andere ans andere Ende Jeder Mullah vernahm eene ihm durch> den^Dr^h vom anderen Ende her oorgelesene K°r°nsielle Ach diese Weise wurde jedermann siberzeugt, daß d Fernsprecher eine nützliche Einrichtung sei.

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Das kleine spanische Dorf Viela am Südhang der Pyrenäen sollte auch eine Fernleitung bekommen. Ingenieure und Facharbeiter legten b e Drahte über gefährliche Pässe, die selbst gew .

SU begehen sch-ch-w ^e Bewunderung und^B°E geifterung war darob einhellig, cm i 9 Einweihungsfeierlichkeit wurde Mtirn . vorher schon bewegten sich ganze Pi g; z g. die schneebedeckten Höhen und ergofl f rf) $ ins Dorf es waren Bauern aus der Umgegenu, die gekommen waren, um das TSu^berwer ^zu sehen Am Morgen des auserwahlenTag » « ten sie, die Dörfler und dle Schuljugend eine feier^ liehe Prozession, die vom Bürgermeister un Priester in ihren prächtigen Gewändern an^h^ wurde. Die Prozession marschierte durch den. tojn bis zu der Lelephonzentrale, wo nur ^ie wemg n Bevorzugten, für die genügend SßlaÖ war, sehen konnten, wie der Pnester App mjt Schaltanlage mit Weihwa ser besprengte und^ m feierlichen lateinischen Worten segnet Dann >muroe gefeiert und getanzt. Die Leute werntenvor Freuoe und umarmten einander auf ben Str B 'Trichters weil sie in das eine Ende eines schwarzen Trichters

Der Dienst am Kunden ist jetzt in Berlin fo weit gediehen, daß man unter anderem das Amt anrufen und bitten kann, Tage später daran erinnert zu werden, daß die Frau Gemahlin Geburtstag hat, ober baß man eine wichtige Verabrebung einhalten muß, ober daß bie Einkommensteuer-Abrechnuna fällig ist. Auch in Englanb kann man telephonisch beim Amt anfragen, wie ber Wetterbericht lautet; man kann sich zur oorbeftimmten Stunbe telepho­nisch wecken lassen; es wirb einem auf Anruf vom Amt ein vertrauenswürdiger Mann ins Haus ge­schickt, der Hund ober Baby ausführt.

Oesterreich hat eine begrüßenswerte Einrichtung bahin getroffen, baß an den einzelnen Apparaten eine Schaltscheibe angebracht ist. Verläßt ber Teil­nehmer sein Haus ober Büro, so stellt er die Scheibe mittels einer besonderen Vorrichtung auf bie Stunbe seiner vermutlichen Rückkehr. Jeber Anrufenbe er­fährt so automatisch, wann der Abwesende wieder zu Hause ist.

Amerika geht wie könnte es auch anders fein! noch weiter. Der Kundendienst hört nicht mit ber Verbindungsstrecke auf. Ein Beispiel: Es ist Sams­tag abenb. Ein Telephonteilnehmer in Winnipeg, im Staate Manitoba, möchte unter allen Umftanben seinen Sohn erreichen, ber am anberen Tag, am Sonntag, sich in San Franzisko nach bem Fernen Osten einschiffen will. Das Fernamt beginnt bannt, bei ben verschiedenen Hotels in San Franzisko Um­frage zu halten; bann erscheint in ben Lichtspiel­theatern ein Aufruf auf ber Leinwand: Achtung! Achtung! Ist Mr. Soundso aus Winnipeg anwesend? Sämtliche Radios wiederholen die Anfrage. Tags darauf, am Sonntag, soll sie auch in den Kirchen von den Kanzeln herunter verkündet werden... Aber das ist nicht mehr nötig. Denn kurz vor Mitternacht hat das Fernamt das Handgepäck des jungen Mannes in einem kleinen Hotel der Alt­stadt entdeckt. Jetzt scheint alles einfach Wenn der junge Mann heirnkornrnt, um fein Gepäck zu holen, soll ihm ber Portier sagen, er machte bas Amt m Winnipeg anrufen. Aber unglücklicherweise vergißt ber Portier, seinen Auftrag rechtzeitig auszurlchten. Er erinnert sich seiner erst, als ber junge Mann bas Haus schon verlassen hat. Em Pollzelauto jagt bem Mietauto mit dem vielgesuchten Hotelgast nach bis zum Hafen, wo er gerade noch vor zlbgang des Schiffes der Stimme feines Vaters lauschen kann!