Hr.180 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
vienrtag, 4. August 1936
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einbrechender Dunkelheit
Aus der Provinzialhauptstadt
Der Keuerwehrtag in Lollar
und einen Teil des Festzuges der Feuerwehren am
hren des Kreises Gießen Nachmittag. Links: Steigerübung der Lollarer der zeigen einen Ausschnitt aus Wehr. (Aufn.: Neuner) Rechts: Freiw. Gailsche Feuer-
und demnächste auch in Berlin ihr urwüchsiges Spiel zeigen wird.
Der weitere Verlauf des Nachmittags brachte neben Musik und Tanz noch eine kühne artistische Darbietung. Der Artist, der einen hohen Mast aufgestellt hatte, zeigte der großen Menschenmenge einen Zahnkraftakt und sorgte abschließend für eine Sensation, indem er sich an einem schräg gespannten Seil von der Höhe seines Mastes, mit den Zähnen das eigene Körpergewicht an einem Knebel haltend, auf langer Bahn rasch zur Erde gleiten
Die Aufführung des Laienspiels „Es Kroagekneppche" der Wetterauer Spielschar. (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)
ließ. Auch er fand starken Beifall. Die Darbietung erinnerte sehr an die Zeiten, da die Familie Knie von Markt zu Markt und von Stadt zu Stadt zog
man nicht hinter dem Ladentisch stand. Man konnte Salz- und Tannen- und Höhenluft atmen: man konnte im Moos liegen und sich blaue Finger und rote Münder holen bei den Heidel-, Him- und Erd- beeren: man konnte sich — wenn man welches hatte — den Wind durchs Haar wehen und die Sonne und Sterne auf das Fell scheinen lassen, man konnte die Stunden ausfüllen, indem man Spaziergänge machte und badete und dabei an die nächste Abfütterung dachte und an sonst nichts.
Wahrhaftig, ich hatte das fast vergessen. Und nun sah ich auch, daß meine kleine Freundin ganz andere Augen hatte als vorher. Sie sah aus, als hätte sie heute grüne Wiesen und blauen Himmel, rote Dächer und weiße Wolken zu verkaufen.
Manchmal fällt es doch verteufelt schwer, nicht neidisch zu sein: da sie wohl sicherlich um sieben Uhr nicht ganz mutterseelenallein vom Geschäft nach Hause geht, so hätte ich mir heute gewünscht, der zu sein, dem sie von all dem Wald und Himmel, von allen diesen Wolken und Wiesen erzählt. Ich hätte ihr ja als Gegengabe von dem erzählen können, was inzwischen in der Stadt geschehen ist.
Doch ich denke: der junge Mann, der sie abholt, wird ja wohl noch besser wissen, was er ihr nach so langer Trennung zu erzählen hat. D.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria - Palast, Seltersweg: „Wir sind vom Schottischen Infanterie-Regiment".
Personalwechsel im Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Außer den bisher genannten Mitgliedern scheidet auch Kurt Lüple nach gütlicher Lösung seines
machten.
Gestern fand der neue „Gießener Wäldchestag' mit einer Nachfeier seinen Abschluß.
M.-Sommerfest - Gießener Mdches-Tag
Zur Festwoche „Freizeit und Erholung".
Sie war in Urlaub.
Ich habe eine kleine Freundin. (D bitte, nicht als ob!) Wenn wir uns sehen, trennt uns ein breiter Derkaufstisch, sie dahinter, ich davor. — „Bitte, Sie wünschen?" fragt sie. — Na schön, und dann wünsche ich mir etwas für mein Geld. Und wenn wir uns auf der Straße begegnen, dann grüßen wir uns freundlich wie gute Geschäftsbekannte; ich aber denke dabei jedesmal angestrengt nach, was ich mir wieder einmal „wünschen" könnte.
Vor vierzehn nun war sie plötzlich weg, war einfach nicht da, wohin sie gehörte. — Krank? — Ich wußte es nicht. Eine andere bediente mich, die auch recht nett war, aber meine Wünsche waren nicht besonders lebhaft. Ich hätte fragen können: „Entschuldigen Sie, ist das Fräulein, das sonst immer hier ist, krank?" — Aber ich fragte nicht. Warum eigentlich? Wenn es sich um eine alte Frau gehandelt hätte, dann hätte ich doch sicherlich keine Bedenken gehabt zu fragen ... Komische Welt, das.
Ich hatte noch ein paarmal „Wünsche" in der Zwischenzeit, aber es dauerte genau 14 Tage, bis sie wieder so erfüllt wurden, wie ich es wünschte. — „Sagen Sie", meinte ich vorsichtig, „Sie waren doch wohl nicht krank? Sie sind ja so braun." — „Nein, ich war nicht krank." — Sie lächelte. — Pause. — „Ich war in Urlaub", sagte sie dann, „im Schwarzwald."
Ja so, richtig, daran hatte ich gar nicht gedacht. Es gab ja auch noch einen Schwarzwald, und es gab einen Odenwald und eine Rhön und einen Vogelsberg, eine Hardt und einen Spessart, und es gab sogar bayerische Berge, und die Ost- und die Nordsee plätscherten und rauschten wohl auch I noch. Man mußte also gar nicht krank sein, wenn
In Verbindung mit der Feier des 60jährigen der Herbstverbandstag der Freiwilli
Bestehens der Freiwilligen Feuer- gen Feuerweh--"'/'" ®rö,tdS wehr Lollar fand am vorigen Sonntag in statt. Unsere Bilder zeigen ..... ...--v—-- — v v ~ „v ' /Of~t mr
Lollar -- wie gestern von uns bereits berichtet — der Uebung der Lollarer Feuerwehr am Vormittag wehr Gießen im Festzug. (Aufn.: Pfaff, Gießen.)
Wetterauer Mundart tat ein übriges, um den volksverbundenen Charakter des Spiels zu vertiefen. Die Darsteller spielten ebenso frisch und einfach wie das Stück war, gaben sich so natürlich, daß es eine helle Freude war, dabei zu sein. Das verzweifelte Suchen des Bauern nach seinem „Kroagekneppche", die lustiae Auseinandersetzung der Bäuerin mit den Lebensgewohnheiten in Stadt und Land, die derb-witzigen amtlichen Ankündigungen des Gemeindedieners und der Redeschwall des wahren Jakobs — das alles löste viel Lachen aus tiefstem Herzensgrund und große Freude aus. Dankbarer Beifall wurde der kleinen Spielschar zuteil, die noch am gleichen Abend in Dortelweil auftrat
Es war keine Mühe gescheut worden, dem neuerstandenen „Gießener Wäldches-Ta g", in der Form eines Sommerfestes der Volksgemeinschaft, schon von vornherein den Erfolg zu sichern. Die Kreiswaltung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und der Festwirt haben es an nichts fehlen lassen und alles getan, um für die Gäste aus der Stadt und der Umgebung (aus Krofdorf, Wißmar, Launsbach und Heuchelheim hatten sich auch viele Festbesucher mit Kind und Kegel zum Hauptfesttag, Sonntagnachmittag, eingefunden) einen angenehmen Aufenthalt zu schaffen und einige unterhaltsame Stunden zu bereiten.
Trotzdem der Wetterbericht für das Wochenende wenig tröstlich lautete, hatte man selbst dieses Risiko auf sich genommen, obwohl man wußte, daß bei schlechtem oder gar Regenwetter nichts zu hoffen gewesen wäre. Der Unternehmungsgeist der Veranstalter wurde aber von Petrus gewürdigt. Ein prächtiger, nicht zu heißer Sonntagnachmittag war der schönen Sache günstig. So setzte auch bald ein lebhafter Zustrom der Besucher ein. Gerne nahm man an den Tischen unter Zelten Platz, lauschte der Musik eines Teils des Musikzuges der Standarte 116, der auch eifrig zum Tanz aufspielte. Von der Gelegenheit zum Tanz machte die Jugend auf den beiden großen Flächen reichlich Gebrauch. Für die Kinder gab es Karussell und Kasperltheater, mit begehrlichen Augen umstrichen sie den großen Zuckerstand, auf dem allerlei angenehme Sachen ausgebreitet waren und guten Absatz fanden. Ein B'atwurststand war ebenfalls gut besucht. Dem zum Volkssport gewordenen Schießen wurde von der männlichen Jugend ausgiebig gehuldigt.
Im Mittelpunkt des Sonntagnachmittags stand eine Aufführung der Wetterauer Spielschar aus Friedberg, die den witzigen kleinen Schwank „Es Kroagekneppche" von „Unkel Kuneroad" (Oberstudiendirektor P h i l i p p s - Friedberg) zur Aufführung brachte. Von einer einfachen, aber trotzdem recht originellen Szenerie wurde ein Spiel gezeigt, unmittelbar dem Leben abgelauscht und so lebens- wahr dargestellt, daß wohl kaum einer der nach Hunderten zählenden Zuschauer auch nur den Blick von der Aufführung wenden wollte. In den Versen kam viel schlichter und wahrhafter Humor zum Ausdruck, der weitab von jeglicher „Stimmungsmache" lag. Die hübsche und unverfälschte
und ihre Seiltänzerkunststücke zeigte.
Der Rest des Tages war ausschließlich dem Tanz gewidmet, der die Jugend bis in die Nacht hinein beisammenhielt, während die Familien sich bei “ ..... auf dem Heimweg
machts mi öffentlich — dees
ihr
verärgerte Großmama wieder
die
do weiter, Leut unterhalten und mag i net."
Am Schnittpunkt zweier Straßen, in den Berten um die Au, vor einem Gaschaus, war es dem Gemischtwarenhändler Dieringer am Mittwochabend geschehen: im Verlauf eines Wortwechsels hatte die Faust eines Betrunkenen seine Nase gestreift. Resultat: ihm blutete die Nase und der andere verschwand blitzartig.
Wie es so geht: die hilfreichen Straßengänger, die drei Minuten vorher unsichtbar gewesen waren,
milie versteckt sich hinter Zeitungen und gibt sich Mühe, so unhörbar wie möglich zu bleiben.
Da wendet sich Ursula, die grübelnd in sich versunken gewesen war, plötzlich zu Großmama und sagt strahlend im Ton treuer Geschäftigkeit:
„Das Bohnerwachs hat solche schöne Büchsen! Da werd ich mal die nächste, wenn sie leer ist, zurückstellen — geln's, gnädige Frau?"
Sie wartet vergeblich auf die erhoffte Zustimmung. Großmama geht rasch auf ein anderes, mehr gegenwärtiges Thema über.
umringten Dieringer plötzlich mit lästigen Teilnahmebezeigungen. Drohungen gegen den abwesenden Täter erfüllten die Luft. Mutmaßungen, wes Standes und Art der — gelinde gesagt — Unhöfliche sein möge, gaben erwünschten Unterhal
meidliche.
„Ich lasse mich doch verbrennen!", sagt die alte Dame eigensinnig. Sie sagt es so gereizt, daß ein Unbeteiligter annehmen müßte, die Familie wollte ihr diesen Genuß durchaus nicht vergönnen. Aber die Familie trinkt friedlich Kaffee und denkt nicht entfernt an Maßnahmen solcher Art.
Die alte Dame ist empört, daß kein Widerspruch erfolgt. Niemand fleht sie an, das schmerzliche Thema fallen zu lassen. Nicht einmal die alte Ursula, die dienend aus und eingeht und das Recht hat, an der Unterhaltung teilzunehmen, legt gemütvoll Verwahrung ein.
Großmama schießt einen grimmigen Blick über die Brille und setzt zu einem neuen Vorstoß an:
„Aber eine Urne will ich nicht! Das sage ich gleich! Für eine alte Frau wie ich ist eine Urne nichts als Firlefanz und außerdem —"
Jetzt kommt Teils Geschoß. .
„— und außerdem soll sich wegen mir niemand Ausgaben machen. Eine gewöhnliche Blechbüchse für das bißchen Asche — und weg damit!'
Da, endlich, rührt sich wenigstens die treue Ursula.
„Aber gnädige Frau", begehrt sie in ihrem etwas weinerlichen Tonfall auf, „wo nehmen wir denn dann gleich eine Blechbüchse her?"
Die alte Dame stutzt. Diese Stimme des Herzens scheint nicht ganz ihrer Erwartung zu entsprechen. Ihr Gesicht verzieht sich ein bißchen. Die Fa-
Schwärmerei von einer Atelier-Wohnung.
Don Christian Bock
Wie ein Kerl, der umhergeht und mit seinem Mädchen prahlt, der jedem, den er in den Straßen trifft, mit Worten, die er aus den Wolken holt, erzählt, wie wundersam sie ist — so gehe ich seit Tagen herum und halte jeden an, den ich sehe, umarme Leute, die ich gar nicht kenne und sage ihnen: „Herr, eine Atelier-Wohnung habe ich gemietet — so eine Wohnung haben Sie noch nicht gesehen!" und wenn ich erst einen Menschen gefunden habe, auf den ich einreden kann, lasse ich ihn nicht mehr weg, ich schleppe ihn an einen Tisch, ich nehme irgendein Papier und Blei und „Setz dich hin, Bruderherz!" — dann male ich ihm den Grundriß der Wohnung auf mit schwärmerischen Strichen.
„Dies also", sage ich, „ist der Atelier-Raum, fünf Meter fünfundzwanzig mal fünf Meter siebzig — so groß" (und ich sehe aus meiner Zeichnung auf und mache eine Handbewegung, die die Horizonte mißt). „So — hier vorne," male ich weiter, sind nun drei quadratische Fenster, rundherum von einem einzigen breiten Holzrahmen eingefaßt, und hier oben links also sind die beiden schrägen Atelier-Fenster. Ich will einen Sessel haben mitten darunter — tags, mein Herr, schwimmen die Wolken darüber weg von Ost nach West oder wie der Wind weht, und jeden Tag ein Mal werden Sie mich mit einer Leiter auf dem Dache sehen, die großen Fensterscheiben blank zu putzen, daß der Him- mel herein kann ohne Hindernis, daß nicht alle zwölf Monate des Jahres gleich grau vorubergehn im blinden Glas, daß mich nicht die Jahresmiete ^Und nachts und abends hängt der brüderliche Mond in den Fensterrahmen, man kann ihm Guten
Heute hatte es -----n— —....
einmal mit ihrem letzten Willen. Die Familie fitzt beim Nachmittagskaffee und ergibt sich ins Unoer-
tungsstoff.
Eine unangenehme Geschäfttgkeit umbraust den peinlich berührten Dieringer.
Nun gut, eine Weile hielt er, während er mit dem Taschentuch den sprudelnden roten Quell zu dämmen versuchte, dem Ansturm stand. Dann ober wurde ihm soviel Teilnahme unangenehm. Indem er die so geräuschvoll um ihn Besorgten mit dem einen Arm zurückschob, stieß er, immer noch die verletzte Nase betupfend, verdrossen hervor: „Gehts mir Hamm uns ganz privat
Grüße aus München.
Von Peter Scher.
Unerforschte Gebräuche einem Fremden vorzuführen, hat immer besonderen Reiz. Als wir unseren Berliner Freund in Zenzis, der Kellnerin, Ob- Hut hochbeglückt sahen, waren wir gerührt, obgleich wir das schon öfter erlebt hatten. Am zweiten Tag, als wir uns an den Tisch setzten, erinnerte sie sich auf der Stelle, daß er am Tage zuvor eine Brezel, statt einer Semmel genommen hatte. „Wunderbar!", jubelte unser Berliner Freund vor Freude, sich endlich wieder einmal persönlich behandelt zu sehen. , . _.
Noch dem Braten zündet er sich eine Zigarette an und rauchte behaglich, um sich für die Süßspeise neuen Appetit zu machen. Als die Kellnerin ihn rauchen sah, tauschte sie einen verständnisinnigen Blick mit ihm und verschwand.
„Seht ihr", sagte er vergnügt, „sie bringt den Nachtisch nicht gleich angeschleppt, weil sie sieht, daß ich rauche. In Berlin spielt sich alles maschinell ab. Wirklich angenehm, einmal ganz persönlich behandelt zu werden."
Die Zigarette war zu Ende.
Wer nicht kam war die Zenzi.
Unser Freund wurde unruhig. Jetzt hatte Die Süßspeise wirklich da sein können! Er trommelte nervös auf den Tisch und reckte den Hals. Keine Zenzi war zu sehen. Schließlich steckte er fid) nod) eine Zigarette an. Er rauchte haltig, zusehends verfinsterte sich sein Gesicht.
„Mein Appetit ist weg!", sagte er tief gekränkt.
Da kam die Zenzi. ,, ,r , .
„Was ist denn mit meiner Süßspeise? , begehrte er aust .. . ,, .
„Wia dees?", fragte die Zenzi mit dem unschul- digsten Gesicht, ja fast ein wenig beleidigt, „Sie warn doch schon beim Rauchen da hab i mir denkt, Sie rnögn nimmer —"
Abend wünschen, so nahe ist er hier, man kann ihm Reden halten, wenn man will, und kann Gedichte auf ihn machen, wenn er aus den Wolken kommt, und ich werde ihn oben am Atelier-Fenster immer mit „Herr" anreden, den Mond: Guten Abend, Herr Mond! — Ja, welcher sentimentale Bursche hat eigentlich diesen Lumpenhund zu einer Frau gemacht?"
Und wenn ich mich nun umsehe nach solcher Frage, was der Mitmensch dazu sagt, dem ich hier meine Wohnung erkläre, da hat sich vielleicht der Mitmensch längst hinter meinem Rücken zur Tür hinausgedrückt, weil es ihm zu fade mar, meiner Verrücktheit höflich zuzuhören, aber es tut ja nichts.
So einer ist es auch nicht wert, sage ich euch, und ich male schon allein an meinem Grundriß weiter. Er soll ruhig gehen, der Herr Mitmensch, und soll ruhig draußen auf der Straße den Leuten Zeichen machen, daß drinnen einer sitzt, der einen Sparren im Kopf hat.
Den Atelier-Raum habe ich euch erklärt, nicht wahr, und nebenan gibt es noch einen Roum, einen kleineren, in dem ich, müde von der Welt, schlafen will.
Und es sollen in beiden Räumen, hier und da, sehr alte Möbelstücke stehen, Schränke, die schief vor Alter sind, die in den Angeln knarren, wenn man ihre Türen öffnet, dickbauchige Truhen, die ganz und gar von Würmern zerfressen sind, und Tische mit einer groben rauhen Haut — ich will keine Tische, in denen man seinen Bartwuchs spiegeln kann, und meine Gäste sollen nicht „Euer Gnaden" zu mir sagen, weil alle Tischflächen so vornehm glänzen. Es werden auch manchmal Flaschen daraufstehen mit lustigen runden Bäuchen, und wenn mein Gäste gegangen sind, dürfen sie meinethalben sagen „Der Wein war schlecht" — aber sie müssen es loben, daß man beim Trinken die Beine auf den Tisch legen durfte.
Jetzt aber, Bruder Mitmensch, kommt das Wunderbarste. Wir sind hoch im fünften Stockwerk, wie du weißt, und wenn du nun durch das kleinere Zimmer gehst, so kommst du unversehens durch eine □reite Tür auf einen Dachgarten. Man sitzt im Freien mitten unterm Himmel, man sieht beinah den Horizont, die Sonne, wenn sie scheint, spaziert dir geradewegs auf den Schädel, und aus den Blumenkästen ringsherum blühen die Monatsrosen und Pelargonien, falls du Monatsrosen und Pelargonien gepflanzt hast. Und abends kommen die langen Schotten über den Dächern herauf und kühlen deine Schläfen.


