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Kyffhäuser"-Kreisverband Gießen unter neuer Führung.

Gommer-Verbandstag des Kreisverbandes Gießen des Deutschen Reichslriegerbundes ^Kyffhäufer-.

Reichstriegertag 19 3 6 in Kassel hin- gewiesen. Nähere Anweisungen werden rechtzeitig bekannt gemacht. Durch die Werbung in den Ka- radschasten ist die Adolf-Hitler-Freiplatz- spende stark gefördert worden.

Bei der Erledigung organisatorischer Fragen wurde die Unterteilung des Kreises in fünf Ge­biete festgelegt, die eine regere Bearbeitung aller wichtigen Fragen erleichtern soll.

Der Kreisverband Gießen des Deut­schen Reichskriege r^bundes ,^yffhäu> I e r* hielt am gestrigen Sonntagvormittag in dem Mit dem Hakenkreuzbanner und den alten und neuen Bundesfahnen geschmückten Saale des Katho­lischen Vereinshauses zu Gießen seinen diesjährigen Som m'e r - D e r b a n d s t a g ab, der außeror­dentlich gut besucht war.

Der neue Kreisverbandsführer, Oberstleutnant a. D. R a i t h (Gießen) eröffnete den Verbandstag mit dem Gruß an den Führer. Hierauf sprach Bezirksführer Anttsgenchtsrat Stumpf

Bad-Rauheim.

Er gedachte zunächst der Toten, die in letzter Zeit dahingegangen sind, und schloß in dieses Gedenken die gefallenen Kameraden des großen Krieges und die Gefallenen der Bewegung ein. Besonders ge­dachte er des verstorbenen Bezirksführers, Oberft a. D. K ö t t f ch a u (Bad-Nauheim), der zugleich Kreisführer des Kreisverbandes Gießen war und widmete seiner umsichtigen und erfolgreichen Ar­beit, seiner aufrechten und selbstlosen Persönlichkeit als Soldat und Mensch einen herzlichen Nachruf. Zu Ehren dieses ersten Bezirkssührers des ,Lyft- Häuser"-Bezirksoerbandes und der übrigen Verstör- benen erhoben sich die Dersammetten von den Plätzen.

Bezirksführer Stumpf führte dann weiter aus, daß der Landesverbandsführer den Oberstteutnant a. D. R aith in Gießen als neuen Kreisfuhrer des Kreisoerbandes Gießen berufen hat. Eingehend stellte der Dezirksführer dann die Aufgaben und Anforderungen, die ein solches Amt an den Führer und seine Gefolgschaft stellen, heraus. Er soll nicht nur das kameradschaftliche Leben anregen und pflegen, sondern auch fördern und zu höheren Zielen führen. Autoritäre und autoritative Tätigkeit mit sozialer Arbeit, dem Dienen an der Kamerad­schaft und dem Kameraden, zu verbinden, das ist das schwerste des Amtes: denn nur dadurch vermag der Führer das lebendige Leben in den Kamerad­schaften zu heben und zu fördern. Die Voraus- segungen für solche verantwortungsvolle Arbeit sind die Treue, das gläubige Wollen, die Hingabe an die viele Kleinarbeit und das lebendige und persönliche Verhältnis zu den Kameradschaftsführern und den Kameraden. Ilm solche Aufgaben meistern zu kön­nen, braucht der Kreisführer das Vertrauen der Führung, das diese ihm bereits ausgesprochen hat, und auch das der Gefolgschaften, um das er sich bemüht. Im Sinne der soldatischen Auffassung des Führertums verpflichtete der Bezirksführer den neuen Kreisführer Oberstteutnant a. D. Raith und führte ihn damit in sein Amt ein.

Mit Dankesworten für die herzliche Begrüßung und feierliche Einführung sprach dann

Kreisverbandsführer tRaiff,

über seine Bereitwilligkeit zur Pflichterfüllung, wie sie für einen alten Soldaten selbstverständlich ist. Und für seine Kameradschaften betonte er, daß sie alle zum Bezirksführer in Treue und Pflichter­füllung stehen, wie die alten Soldaten immer zu ihren Führern gestanden haben. Weiterhin sprach er die Hoffnung aus, daß die alten Soldatentugen­den alle diejenigen Volksgenossen im Kysfhäuser- bund einigen und zusammenführen mögen, die noch nicht den Weg zum Bunde gefunden haben.

Mit besonderer Freude begrüßte er den Ehren- fuhrer, Kamerad Professor Kraemer, und gab bann einen Ueberblick über die von ihm vorgesehene Arbeit, als deren Grundlage er allem anderen vor­an das geiftige und innere Leben der Kamerad­schaften zu stellen gewillt ist. Die alte Soldaten­treue hat ihren prakttschen und realen Wert im Leben des Volkes wieder erhalten, und sie erfordert das Zusammenstehen aller alten Soldaten. Aus diesem Zusammenstehen ergibt sich auch die Not­wendigkeit der Zusammenarbeit, wie sie mit allen anderen Soldaten- und Regimentskameradschaften »rstrebt werden soll. Er rief alle alten Soldaten zur Mitarbeit auf, damit sie ihr Eigenleben als Soldaten zum Wohle des Volksganzen gestalten und beweisen, daß die alten Soldaten noch da sind.

Mit besonderem Dankeswort an den Kameraden Hugo Hartmann (Gießen) für die Mitarbeit schloß er seine Ausführungen mit einem Appell an alle alten Soldaten zur Mitarbeit am neuen Staate.

Aus der Fülle feines eigenen Fronterlebnisses an der persischen und der türkischen Front verstand es Oberstleutnant a. D. Raith, den Wert der Luft- roaffe nachzuweisen. Seine Ausführungen über die Bedeutung der Luftwaffe liehen die Unterschiede zwischen den Jahren des Weltkrieges und der heuti- jen Zeit erkennen und begeisterten für die Weit- icht und die Fürsorge des Führers, der dem deut- chen Volk feine Wehrmacht wieder geschenkt und ihm seine Ehre wiedergegeben hat.

Landesfinanzamtsdirektor Lindenstruth

sprach dann über Dersicherungsfragen. Ganz besonders wurde auf rege Beteiligung am

Kreisschießwart Klein

berichtete über das Schießwesen, das sich im Kreise Gießen in bester Ordnung befindet, so daß der Kreis hinsichtlich der Meldungen und Erfolge an erster Stelle im Landesverband steht. Die neue Schießordnung erfordert gesteigerte Leistungen und darum ebenso treue Pflichterfüllung wie bisher.

Bezirksführer Stumpf

dankte Kreisschießwart Klein besonders für seine großen Verdienste und sprach auch dem Kreisverband seine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus.

Nach Erledigung organisatorischer Fragen wurde der Kreisverbandstag durch den Kreisführer mit dem Treugelöbnis zum Führer geschlossen.

Heimatvereinigung Schiffenberg.

Die Heimatvereinigung Schiffenberg hielt am gestrigen Sonntagnachmittag auf dem Schiffenberg ihre Hauptversammlung ab.

Nach Begrüßung der Besucher durch den Dereins- führer, Dberforftmeifter Nicolaus, erstat­tete der Schriftführer der Vereinigung, Rek­tor i. R. D. Müller den Tättgkeitsbericht. Er verwies dabei auf die im abgelaufe­nen Jahre durchgeführten Veranstaltungen, er­wähnte die Schenkung des Limesgeländes von Geh. Rat Sommer, das mit einem zugehörigen Acker 3199 Quadratmeter umfaßt, und berichtete über die zur Verschönerung der Umgegend des Schiften- bergs durchgeführten Maßnahmen. Hierzu gehöre auch die zusammen mit dem Verkehrs- und Der- schönerungsverein vorgenommene Neudeckuna der Ahutzhütte auf der Theodorsruhe. Auch das Forst- amt Schiftenberg habe, zum _Ieil auf Anregung der Heimatvereinigung, Verschönerungen und Ver­besserungen in der Umgebung des Schiffen- berges veranlaßt. Weiter hab^ die Heimat- oereinigung die maßgebenden Stellen auf die Beschädigungen hingewiesen, die teilweise unbedacht, teilweise aber mit Absicht verursacht würden. Es sei Pflicht der Waldbesucher, die Behörden in dem Bestreben, die Naturschönheiten zu erhalten, zu unterstützen.

Der Bericht erwähnte schließlich noch den von der Heimatvereinigung auf dem Schiffenberg durch­geführten Wandschmuck.

Die Rechnungsablage erfolgte durch den Rechner der Heimatoereinigung, H. Kirchner. Während die Einnahmen des Vereins im abgelaufenen Jahre 243,90 Mark betrugen, beliefen sich die Ausgaben auf 243,47 Mark. Der Voranschlag für 1936/37 sieht in Einnahme und Ausgabe 250 Mark vor. Die Mitgliederzahl betrug zu Beginn des Dereinsjah- res 260, ausgetreten, verzogen und gestorben sind zusammen 29, neu eingetreten 22, so daß bie Ber­einigung am Schluß des Dereinsjahres 253 zählte.

Im weiteren Verlauf der Versammlung berich­tete der Dereinsführer über die für Juni vorge­sehene feierliche Uebergabe des von Geh. Rat Som­mer der Heimatvereinigung zum Geschenk gemach­ten Limesgeländes, die an der .Deutschen Wacht"

in Obersteinberg erfolgen soll. Bei dieser Gelegen­heit soll auch die Uebergabe des Geländes an der Deutschen Wacht" an die Gemeinde Watzenborn- Steinberg stattfinden. Gleichzeitig werden zwei von Geh. Rat Sommer gestiftete Gedenktafeln mit den InschriftenDem Andenken der Chatten" und Stiftung für Dolksvorträge für deutsche Geschichte' an dieser Stelle ihrer Besttmmung übergeben. An­schließend ist eine weitere Feier an dem Barbaren­stein vorgesehen, bei welcher eine dritte Gedenktafel (ebenfalls eine Stiftung von Geh. Rat Sommer) geweiht werden soll. Für die in der Nähe des Limesgeländes geplante Blockhütte liegen Entwürfe bereits vor. Die finanzielle Unterstützung des Ver­kehrs- und Verschönerungsvereins und anderer Or- ganifationen steht in Aussicht. Inmitten der Block­hütte soll ein großer Tisch aus Stein hergestellt werden, auf dem die Landkarte des Limesgeländes ausgehauen werden soll.

Dereinsführer Nicolaus betonte dann noch­mals die Bedeutung der von Geh. Rat Sommer erfolgten Schenkung. Die Heimatvereinigung fei nicht nur Grundbesitzerin geworden, sondern habe eine Tradition übernommen, die sie pflegen müsse. Geh. Rat Sommer habe der Heimat durch die Erhaltung des Limesgeländes einen großen Dienst erwiesen, es vor Einebnung bewahrt und als Denk­mal deuftcher Geschichte erhalten. Dafür gebühre ihm besonderer Dank. In Anerkennung der auf dem Gebiet der Heimatpflege geleisteten Dienste und in Anbetracht der hochherzigen Schenkung an die Hei­matvereinigung beschloß die Versammlung ein­mütig, Geh. Rat Sommer zum Ehrenmitglied zu ernennen.

Geh. Rat Sommer dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und betonte, daß er auch weiter zur Mitarbeit bereit sei.

Anschließend an die Versammlung fand eine Fa­milienzusammenkunst statt. Neben musikalischen Darbietungen erfreute Frau Steiner, Hausen, begleitet durch Pfarrer Steiner, durch den Vor­trag mehrerer Lieder, während Rektor i. R. M ü l - l e r mit einer Reihe von Anekdoten aus der Schule aufwartete.

Oberheffen.

Ratsherrensihung in Schotten.

X Schotten, 30. April. Gestern abend fand eine Sitzung d e r Ratsherren im Rathaus statt. Dor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Bürgermeister dem verstorbenen Ehrenbürger der Stadt, Geh. Reg.-Rat S ch ö n f e l d , anläßlich sei­nes'100. Geburtstages einen Nachruf.

Die Rechnung des städtischen Krankenhauses aus Rj. 1934 wurde vorgetragen: sie schließt mit 66 600 Mark ab und hatte ein gutes Ergebnis.

Der Voranschlag des Krankenhauses für Rj. 1936,

der sich in Einnahmen und Ausgaben mit je 66 500 Mark beziffert, wurde angenommen.

Das HotelPosthäuschen" gelangt am 16. Juni zur Versteigerung. Zwischen dem seitherigen In­haber W. S ch l ä r b und dem neuen Pächter Heinr. Straub wurde ein Vertrag abgeschlossen, der bei dem mitspielenden Jnteresie der Stadt die Billigung der Ratsherren fand. ,

Für die NSD.-Freiplatzspende wurde ein ange­messener Betrag bewilligt.

Mit dem hiesigen Turn- und Gesangverein wird ein Abkommen getroffen, das die beiderseitigen

finanziellen Beziehungen regelt. Für das Schüler­turnen und die öffentlichen Veranstaltungen wird die Turnhalle zur Verfügung gestellt.

Die neuen Steuerausschlagsätze für die Gemeinde­umlagen im neuen Rj. 1936 haben überall eine Senkung erfahren und wurden von den Ratsherren gutgeheißen. Ebenso wurde dem Erlaß einer Filial- und Warenhaussteuer, die einen 200 v. H. Zuschlag vorsieht, zugestimmt.

Die Gederner Straße wird an der scharfen Kurve am Stadtausgang erweitert, das notwendige Ge­lände wird von der Stadt gestellt.

Der an Pfingsten stattfindende Prämiierungs­markt und die Verlosung wurde besprochen.

Mit Sieg-Heil auf den Führer wurde die Sitzung geschlosien.

Von der Reichsautobahn.

J) Alsfeld, 2. Mai. In der Gemarkung Alsfeld wurde mit den Erdarbeiten für die Her­stellung des Straßenkörpers für die R e i ch s a u t o - bahn begonnen. Es handelt sich um die Aushebung des Bodens. Die Arbeiten werden ausgeführt von den Firmen Tappe in Idstein (Taunus) und M a g e r in Liederbach (Kreis Alsfeld). Jeder Unter­nehmer hat je nach Forftchreiten der Arbeiten eine Kolonne von 60 Mann zu stellen. Mit den erforder­lichen Bauwerken wird zu einem späteren Zeitpunkt begonnen werden. In dem im Zusammenhang mit der Erbauung der Reichsautobahn eingeleiteten Feldbereinigungsverfahren wird gegen- roärtig die Bonitierung der Grundstücke durch die Dollzugskommission vorgenommen.

Der Motorsturm S/M. 447 im Reichswettkampf des TlSKK.

Arn vergangenen Dienstagabend wurden bei dem Motor sturm 5 / M 147 Lich-Hungen im Rahmen des Reichswettkampfes des NSKK. die Leistungsprüfungen 6 und 7 von NSKK.- Führern aus verschiedenen benachbarten Einheiten abgenommen. Die Leistungsprüfung 6 umfaßt das Verhalten des Kraftfahrers im Straßenverkehr und Hilfsdienst. Sie wird in Gestalt eines Planspiels durchgeführt und soll dartun, inwieweit der NSKK.- Mann die Reichsstraßenverkehrsordnung beherrscht; ob er sich sicher im Straßenverkehr bewegen kann und ob er bei etwa eintretenden Unglucksfällen von schneller Entschlußkraft und Handlungsfähigkeit ist. Denn von chm wird verlanat, daß er beispiel­gebend in der Beachtung der Verkehrsdisziplin ist und daß er durch einwandfreies Verhalten auch erzieherisch auf andere Verkehrsteilnehmer ein­wirken kann.

Mit dieser Prüfung war gleichzeitig eine schrift­liche technische Prüfung verbunden, bei der 5 Fra­gen beantwortet werden mußten. Hier sollte fest- gestellt werden, ob der NSKK.-Mann auch wirklich mit der Technik seines Fahrzeuges so vertraut ist, daß er plötzlich auftretende Schäden selbst erkennen und schnell beheben kann. Darüber hinaus soll er aber auch imstande sein, andern mit Rat und Tat zur Sette zu stehen.

Neben diesen beiden theoretischen Prüfungen läuft noch eine praktische Leistungsprüfung, bei Der die handwerklichen Fertigkeiten des NSKK.-Mannes im Vordergrund stehen. Hierbei kommt es ganz auf die Schnelligkeit an, mit der die einzelnen j)ani)» griffe ausgeführt werden; kann doch der NSKK.- Mann in eine Lage kommen, wo eine Entscheidung nur von wenigen Minuten abhängt.

Bei dieser praktischen Prüfung wurde der Sturm in 4 Gruppen eingeteilt, die nacheinander Reifen» wechsel, Radwechsel, Kerzenwechsel und Düsen- wecysel vornehmen mußten. Da heißt es geschasst, wenn man in wenigen Minuten den Schlauch aus­wechseln soll, um die Höchstzahl der Punkte zu er­reichen. Hastig wird mit 2 Montterhebeln gearbei­tet, um die Decke von den Felgen zu losen. Dann wieder den Schlauch hineingezwängt und zum Schluß noch 50 Stöye mtt der Handpumpe. Zwei Minuten, 29 Sekunden war die beste Zeit, eine außerordentlich gute Leistung. Jetzt die 2. Ausgabe:

Abends als Letztes

Chlorodont

-dann erst ins Bett!

Nachdruck verboten!

6. Fortsetzung

den großen

kelnd auf

wachte streng darüber, daß man auch nicht einen vergaß. Basen und Tanten, mit denen man sonst kaum einmal im Jahr zusammenkam, mußten aus­gesucht werden. Ueberall fragte man Benedikts das gleiche, überall mußte sie dasselbe antworten.

Ich komme mir schon vor wie ein Grammo­phon", klagte sie eines Abends Onkel Preysing, schade nur, daß ich nicht eine Platte auf die Walze legen und mir so diese ständigen Wiederholungen erfparen kann. Ach, wenn ich nur erst in Oevens- hoe wäre!"

Ich glaube, du freust dich mehr als mein Junge!" meinte der alte Oberst.Hans-Hermann sieht die Geschichte mit einem lächelnden und einem weinenden Auge an."

Laß ihn nur erst dort fein, dann wird er übers ganze Gesicht lachen!"

Benedikte war davon überzeugt, jeder mußte doch glücklich sein, diese Riesenstadt hinter sich zu haben. Sie zerfraß einem ja die Stille zu sich selbst.

Die letzten Tage vor der Abreise waren mit den verschiedensten Besorgungen ausgefüllt. Don Oevens- höe her hatte ihr Fräulein Giesecke einen genauen Bericht über das Haushaltsinventar gegeben. Und es stellte sich heraus, daß da noch so einige Dinge waren, die Benedikte dringend brauchte. Zu alldem kam ferner die Umstellung der Garderobe. Auch hierzu hatte Fräulein Giesecke dringend geraten. Wenn Benedikte auch gewöhnt war, an freien Sonn- oder Feiertagen bei Wind und Wetter in die Natur hinauszulaufen es lag doch ein Unter­schied darin, ob man nach ein paar Stunden wieder in den behüteten Umkreis der Großstadt zurück- kehrte, oder ob man weite Märsche auf Oevenshöe machen, ob man in feinem Gemüsegarten bei gutem und schlechtem Wetter arbeiten wollte. Feste Schnürstiefel, ein dicker Delmantcl, ein neuer Trai- ningsanzug, Wollstrümpfe (das Entsetzen Frau Agathes) waren nötig. Dazu mußte man auch für falte Tage und Herbstregen mit dem Notwendig­sten gerüstet sein, und des weiteren durfte es an Haus- und Arbeitskleidern nicht fehlen.

Wie eine Bauernmagd wirst du aussehen", jam­merte die Mutter, als Benedikte mit ihren Blau­druck-Schürzen und ihren einfachen Wollsachen ankam.

(Fortsetzung folgt!)

ohne alles Eigenleben. Das Eigenleben begann erst nach Geschäftsschluß, wenigstens hatte es dann erst zu beginnen.

Herr Ditzer schien Benediktes Gedanken zu ahnen. Er lächelte. Sein Bulldoggengesicht war jetzt gerade­zu menschlich.

Ja, ja, Fräulein Zedlitz, man macht sich über die Menschen, mit denen man tagaus, tagein zu tun hat, so feine Gedanken. Man gewinnt dabei eine Vorstellung von ihnen. Und was Sie anlangt, so ist mir schon lange klar: trotz Ihrer geschäftlichen Tüchtigkeit sind Sie hier fehl am Ort. Dort oben an der Ostsee werden Sie glaube ich inner­lich bester gedeihen. Also, alles Gute und lasten Sie einmal hören, wie es Ihnen geht. Er reichte ihr die Hand. . ± _. .

Benedikte war geradezu verwirrt. Wie anders Ditzer plötzlich war, so menschlich, so aufgeschlossen. Sie wurde ein wenig rot. Vielleicht hatte sie ihm in Gedanken oft Unrecht getan.

Vielen Dank, Herr Ditzer. Und ich wurde mich freuen, wenn Ihr Weg Sie einmal nach Oevenshöe führte."

Alles möglich, alles möglich, Fräulein Zedlitz, dann schaue ich gern einmal, was Sie da fo tun und treiben."

Herr Ditzer nickte ihr zu, dann blickte er nach der Uhr und hatte sofort wieder fein strenges Bull- doggengesicht. , ., _ ,

Höchste Zeit, ich habe ja gleich Konferenz , murmelte er.

Er rollte feine umfangreiche Gestalt den Korridor entlang.

Benedikte eilte an ihre Arbeit.

Jetzt erst, nachdem Herr Ditzer Bescheid wußte, erzähtte Benedikte in der Mittagspause ihren Kölle- ginnen von der Veränderung ihres Lebens.

Das gab ein Hallo, ein Fragen und Ueberlegen, ein Bedauern und Beneiden und auch Bemitleiden. Je nach der inneren Einstellung all der jungen Mädchen hier, war BenediktesLandzukunft ein Gegenstand der Sehnsucht oder der Abneigung. Aber Benedikte freute sich innerlich: die meisten waren doch so eingestellt, daß sie ihre eigene Freude teilen konnten. Es war schön und erschütternd zu­gleich, zu sehen, wie wenig all diesen Mädchen hier der Großstadtbetrieb entsprach.

Ein eigenes Häuschen und ein Stückchen

Garten"

Und jeden Tag Blumen*

Und selbst sehen, was man schafft, und nicht immer nur tote Auslagen und tote Waren und »hier, gnädige Frau' und »dort, gnädige Frau'"

Selber wissen, wozu man da ist und warum man arbeitet", so schwirrte es durcheinander.

Benedikte, werden Sie auch Bienenstöcke haben?" wollte die kleine dunkle Grit wissen.

Benedikte lachte:

Warum denn Bienenstöcke, Grit? Esten Sie so

gern Honig?"

Ach, das ist es nicht." Grit errötete,nur fo eine Kindheitserinnerung. Mein Großvater war ein berühmter Bienenzüchter und alle Ferien fuhren wir zu ihm aufs Land. Und dann kam er von den Bienenstöcken, und es summte immer so. Im Som­mer aßen wir das Frühstück regelmäßig unter der großen Linde. Und zum Gründonnerstag gab es den ersten Honig", sehnsüchtig schaute sie in die Ferne, als sähe sie dies alles vor sich: das Land, den großen Baum, in besten Krone es von tausend geschäftigen Bienen summte, und die Sonne fun- ' ' der durchsichtigen Bernsteinfarbe des

Benedikte lachte, eigentlich wider ihren Willen, hellauf. Die Vorstellung, sie konnte in Oevenshöe vielleicht irgendeinen kleinen Kramladen aufmachen, war geradezu belustigend. Wenn Herr Ditzer ahnte, wie glücklich sie war, all diesem, was auch nur im entferntesten mit ihrem erzwungenen Berus zu tun hatte, entgehen zu können!

Nein, Herr Ditzer, ich habe ein kleines Bauern- gutchen geerbt. Das heißtGut" klingt eigentlich zu großartig, ein Haus mit einem Stückchen ©ar­ten und Acker. Dort will ich hinziehen und will das Fleckchen Boden bewirtschaften."

Ach so ist das! Da beglückwünsche ich oie aber sehr, Fräulein Zedlitz. Das ist freilich etwas ande­res. Wo liegt denn Ihr Gütchen, wenn ich fragen darf?"

2In der Ostsee, Herr Ditzer. Ganz einfam. Es ist"eine kleine Insel mit ein paar Dörfern, ganz weltabgeschieden."

Herrn Ditzers Gesicht wurde nachdenklich:

DÜiee Land", er feufjte leicht aus,ich bin als Junge einmal jroei 3aljre an der Ostsee gewesen nach einer schweren Krankheit. 2ch besinne mich noch sehr genau. Es war schon da oben. Ich gehe noch manchmal in den Ferien hm. Zuweilen habe ich beinahe gewünscht Herr ^tzer machte eine resignierte Handbewegung

nicht immer alles fo, wie man es sich ttainm. Jedenfalls, Ihnen wünsche ich alles Gute^ Fraulern Zedlitz. Ich glaube, Sie sind em Mensch, der für so etwas paßt." ,, ,

Benedikte schaute den Personalchef erstaunt an.

Wieso konnte Ditzer das wissen? Was wußte er überhaupt von seinen Angestellten? Schließlich» doch nur, ob sie pünktlich waren und nms sie lüfteten. Das war es ja, was mit dazu beigetragen 9° * ihr ihren Beruf so überaus schwersallen zu lasse . dies Eingeordnetsein Nummer sein, irgenvem Wesen mit bestimmten, genau umriffenen Ausga

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Roman von Marlise Köllinq.

Urhederrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

Honigs.

Ich weiß zwar nicht, ob ich Bienenstöcke haben werde, Gritlein" Benedikte legte^ber kleinen Kollegin den Arm um die schmalen Schultern, aber wenn Sie mich einmal besuchen, Honig wird es auch geben. Ob ich Ihnen dazu auch die Linde feroi-'ren kann, weiß ich nicht. Ich habe ja keine Ahnung, was auf meinem Grund und Boden wächst."

Als Benedikte am Abend das Geschäft verließ, hätte sie bereits ein Hotel auf Oevenshöe haben müssen, um all die Mädels unterzubringen, die sich für ihren Urlaub bei ihr hatten anmelden wollen. Aber sie wußte, so würde es ja nun nicht werden. Grit würde vielleicht kommen, das feine, zarte Ding, und drei, vier andere. Bei den meisten aber würde es gehen, wie immer:Aus den Augen, aus dem Sinn!"

*

Der Tag hätte die doppelte Anzahl Stunden haben müssen, damit alles geschasst werden konnte. Da waren bis zu Benediktes Abreise noch Besuche reihum bei den Verwandten zu machen, die Mutter