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ßinKöniglicher Kaufmann"

Warenabkommen mit Mandschukuo.

Berlin, 2. Mai. (DNB.) Zwischen dem Deut­schen Reich und Mandschukuo wurde ein Waren- abkommen geschlossen, dem keinerlei politische Be- deutung zukömmt. Es schließt auch nicht eine politi- sche Anerkennung des mandschurischen Staates ein. Das Abkommen sieht vor, daß die Bezahlung der deutschen Einfuhren aus Mandschukuo die vornehmlich Sojabohnen betreffen (aber auch

schafters in Berlin, dessen Gewährsmann sein bel­gischer Kollege ist, erfahren, dem König von der Wahrscheinlichkeit eines deutsch-französischen Krieges gesprochen,Er beobachtet", heißt es in dem Be­richt,daß die französische Politik, weit entfernt, die aufgeregten Geister im Innern zu entmutigen, seit gewisser Zeit bestrebt ist, bei jeder Gelegenheit Deutschland zu verdächtigen und ihm gehässig ent­gegenzuarbeiten, und er ist überzeugt, daß die Revancheidee nicht aufhört, den französischen Geist zu beherrschen." Diese Stimmung, fügt der Bot­schafter hinzu, sei zum Teil zurückzuführen auf die Prahlereien und Hetzereien der französischen natio­nalistischen Zeitungen, die die Politik der Regie­rung bloßstellten. Fügt man diese Begründung ein, so bekommen die Worte des Kaisers einen ganz anderen Klang: nicht Angriffs wille, son­dern berechtigte Besorgnis vor einem Angriff spricht aus ihnen. Die Auslassung die­ser Sätze kennzeichnet aufs neue die Absicht der französischen Regierung und Poincarös, den Kaiser und die deutsche Politik in üblem Lichte erscheinen zu lassen.

Richt minder lehrreich sind die Akten über die militärischen Vorbereitungen, daß der russische und französische Generalstab regelmäßige Besprechungen über die Führung des Krieges gegen die Mittelmächte abhielten, und daß darin die Verbesserung der strategischen Bah- nen Rußlands eine große Rolle spielt, weiß man längst, jetzt erfahren wir im einzelnen, daß Joffre, der französische Oberbefehlshaber, im

Sie Offensivpolitik Rußlands und Frankreichs vor dem Kriege.

Von Professor Gustav Roloff.

Seiner Energie war die 1890 erfolgte Grün­dung der Deutschen Ostafrika-Linie, die den Dienst mit Postdampfern versah, zu ver­danken. Der Krieg in Südwest sah die Firma C. Woermann auf der Höhe ihrer Leistungsfähig­keit, sie übernahm sämtliche Transporte.

Am 14. Juli 1910 berichteten die Zeitungen, daß sich Adolph Woermann aus Gesundheitsrücksichten zur Ruhe gesetzt habe. Es war kein langer Lebens­abend, der ihm nach den schweren Jahren rastloser Arbeit vergönnt war. Im Frühjahr 1911 ver­schlimmerte sich sein Leiden, am 4. Mai 1911 schloß er seine Augen. Was er seiner Vaterstadt und seinem Vaterland war, sagte klar einer der unend­lich vielen Nachrufe.Er war der wagemutigste, opferfreudigste Reeder. Holt die Flagge auf Halb­stock, ihr Hanseaten. Der größte Hanseat ist tot!"

Das war Adolph Woermann, derKönigliche Kaufmann".

Dr. Leh eröffnet den Lehrbetrieb aus der Ordensburg Vogelsang.

Burg Vogelsang (Eifel), 3. Mai. (DNB.) Am Sonntag traf Reichsorganisationsleiter Dr. Ley auf der Ordensburg Vogelsang in der Nordeifel ein, um den Lehrbetrieb zu er- öffnen. Dr. Ley wurde vom Kommandanten der drei Ordensburgen Vogelsang, CrössinseS und Sont­hofen, Staatsrat Schmeer, begleitet. Dr. Ley begab sich auf die große Freiterrasse, auf der die 500 Teilnehmer des ersten Lehrganges, die Jun- k e r, wie sie fortan heißen, in ihren neuen kleid- samen Uniformen angetreten waren. Im Fechtsaal der Burg svrach Dr. Ley über das Ziel der natio- nalsoziallstlschen Schulung. Für alle Männer wer- den diese drei Jahre auf unseren Burgen das größte Erlebnis ihres Lebens sein. Meine nächste Aufgabe ist es, d i e Lehrer für die Schulung zu prüfen und hier besonders strenge Maßstäbe anzulegen, damit Ihnen, meine Kameraden, in jeder Weise auf sportlichem und geistigem Gebiet nur die besten Grundlag en gegeben werden. Wenn ich.Sie, meine Männer, ansehe, dann weiß ich, daß unsere Grundsätze, nach denen wir Sie ausmuster­ten, richtig sind. Sie sind äußerlich gleich und werden auch innerlich in kurzer Zeit z.leich sein Auf jeder Burg, auf Vogelsang, Crossinsee in Pommern und Sonthofen im Allgäu werden Sie je ein Jahr verbringen. Nach diesen drei Jahren kommen Sie noch ein halbes Jahr nach Ostpreußen auf die Marienburg. Dr. Ley beglück­wünschte die 500 Männer des ersten Lehrganges als die ersten Parteigenossen, die als Nachwuchskorps der Politischen Leiter das neue Führertum Deutschlands bilden werden. Er stellte noch ein­mal die Schwierigkeiten und Anforderungen vor ihre Augen, versicherte ihnen aber, daß sie als Politische Leiter berufen seien, an den großen Fra- gen, die Deutschland noch zu lösen hat, aktiv mit­zuarbeiten.

Wechsel im Präsidium des Reichslustschuhbundes.

Berlin, 2. Mai. (DNB.) Der Reichsminister der Luftfahrt Generaloberst Göring hat dem Antrag des Präsidenten des Reichsluftschutzbundes General­leutnant a. D. Grimme auf Enthebung von dieser D i e n st st e l l u n g mit dem 29. April ge­nehmigt. Als Nachfolger ist der bisherige Vizepräsident und Chef des Stabes General- leutnant a. D. von Rocques zum Präsidenten des Reichsluftschutzbundes berufen worden. In einem Schreiben hat Generaloberst Göring die großen Verdienste besonders anerkannt, die sich Generalleut­nant a. D. Grimme um den Ausbau des Reichsluft­schutzbundes und des Selbstschutzes im Luftschutz er- worben hat. Als Zeichen seiner Anerkennung hat Generaloberst Göring ferner dem scheidenden Prä- sidenten fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandt und angeordnet, daß Generalleutnant a. D. Grimme zum Ehrenprä- sidenten des Reichsluftschutzbundes ernannt wird.

Aeichstreffen der Altveteranen in Bad Ems.

Wie in den Vorjahren veranstaltet der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) e. 23. auch in diesem Jahre vom 25. August bis 3. September ein fteicfjst reffen d e r Altveteranen, das diesmal in Bad Ems stattfinden wird. An Veran­staltungen sind u. a. vorgesehen außer Führungen durch die Kureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten des Bades Ems eine Rheindampferfahrt nach Kob- lenz-Ehrenbreitftein und St. Goar, ein Aufmarsch von Abordnungen des Landesverbandes Westmark mit Vorbeimarsch vor den Kämpfern der Einigungs- kriege, und als Höhepunkt und Ausklang der Ver­anstaltung eine Sedanfeier am 1. September am Niederwalddenkmal bei Rüdesheim. Den Teilneh- mern sowie den etwa notwendigen Begleitpersonen einzelner Altveteranen wird eine 50prozentige Gr- mäßigung auf den Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt gewährt. Der Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes, Oberst a. D. Reinhard, hat alle Gliederungen des Bundes zur tatkräftigen Unterstützung aufgerufen.

Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht.

Worte des Gedenkens an Adolvb RS.

jungKöniglicher Kaufmann" gab, den Ireitfchft» öen größten Vertreter deutscher Macht im Aus und nannte. Dieser bedeutenden Persönlichkeit jetzt au gedenken, da sich sein Todestag, der 4. Mai 19ti 25-J^Ie I?hrt, ist Pflicht, denn Adolph Woer- Erf,fbaxrLnA vergessen werden, verdankte Deutschland doch ihm den Besitz der Kolonie Ka- merun und die Verbreitung des deutschen Ein- slusies an der ganzen westafrikanischen Küste °

4)ie m Hamburg ansässig gewordene Familie Woermann stammte aus W e st f a l e n 1837 wurde in Hamburg die Firma C. Woermann be- gründet, und zwar zu dem Zweck, für das in Biele- Ud seit Jahrzehnten blühende Leinenhaus rm* C$miHafn" d" Anfuhr der Leinwand

nach Mittel- und Südamerika zu übernehmen Der ffnrr" bCr Hamburger Firma war der 24jährige Carl Woermann. Sem Unternehmungsgeist baute hm. Leinenexportgeschäft bald zu einem Handels- baus aus, das m immer stärkerem Maße sich dem Ucberseehandel zuwandte. So war es in ft »in» foelbftDerftänblidjfeit, bafi zehn Jahre später. 1847 Earl Woermann das erste eigene 6 Ai ff die Eleonore Woermann", ausrüfteti?. In günftiger 0lP£? . es aufwärts, 1852 wurde das gfie Afrika-Schiff m Fahrt gefetzt, 1868 d i e e r st e Niederlassung i n Kamerun, damals noch Cameroons genannt begründet. Als dann 1880 Carl Woermann die Augen scklok nn* ßeben voller Arbeit, aber auch voller Erfolge, hatte r Pe-^ens [ein Lebenswerk feinem zweiten Sohn Adolph übergeben können.

Seit 1874 war Adolph Woermann, gebo- ren am 10. Dezember 1847, Teilhaber der Jäter- ha^en Firma So war er bestens vorbereitet auf die großen Aufgaben, die feiner nach dem Tode des Vaters harrten. Im Gegensatz zu diesem, der aus r11?1196 nsfe- ,tn? Ausland gekommen war, hatte ^° ph -!runblich bas Aus,°nd--,-,chäft kennen fle. lernt. Sechs Jahre hatte er im Ausland gelebt: so konnte er später als Abgeordneter im Reichstag, als man dort den törichten Vorwurf erhob, die Hamburger Chefs der großen Ueberfeehäufer schick- keu nur ihre Angestellten ins tödliche Klima, sie selbst blieben zu Hause, mit Fug und Recht er- - ern:Fast die sämtlichen Chefs der Häuser, die im Asrikahandel tätig sind, sind ein Jahrzehnt oder noch langer m Afrika gewesen. Die Chefs gehen auch heute noch hinaus."

1882 eröffnete das Haus Woermann die erste regelmäßige deutsche Dampferlinie nach W e ft a f r i f a , denn dort lagen die Hauptinter­essen. Seit Jahren hatten sich die Woermannschen Niederlassungen vermehrt und steigenden Absatz ge­habt, so daß Adolph Woermann, von dieser günstigen Grundlage ausgehend, dem Reichskanzler Fürst Bis­marck den Erwerb der Gebiete an der westafri­kanischen Küste, soweit sie noch nicht von den anderen Kolonialmächten besetzt waren, vorschlagen konnte. Bismarck interessierte sich dafür, die deutsche Regie- rung fragte bei der Handelskammer in Hamburg an, welche Wünsche der Westafrikahandel habe. Ein ein- gehendes, von Adolph Woermann verfaßtes Gut­achten wies auf die Dringlichkeit des Landerwerbs hin. Bismarck empfing Woermann zum Vortrag, der dann feine hierbei §um Ausdruck gebrachten An­sichten nochmals in einem Schreiben an den Reichs- kanzler niederlegte. Diese Niederschrift wurde dem als Reichskommissar nach Westafrika auf derMöve" entsandten Dr. N a ch t i g a l mitgegeben, der von den Küstenstrichen bei Duala Besitz ergreifen sollte. Und Adolph Woermann hatte die stolze Freude, als Erster am 17. August 1884 dem hochverehrten Für­sten melden zu können, daß Dr. Nachtigal am 14. Juli 1884 in Duala, in der späteren Kolonie Kamerun, die deutsche Flagae gehißt habe. Neun Tage darauf traf der englische Konsul Hewett dort ein, der für England das Land erwerben sollte, aber die wenigen Tage Vorsprung hatten dank der bis ins einzelne gehenden Vorarbeit des Hamburger Hauses unter Führung ron Adolph Woermann ge­nügt, Deutschland zum Ziele kommen zu lassen.

Außer der Leitung seiner immer größer werden­den eigenen Unternehmungen, des Handelshauses und der Reederei, war Woermann Vorsitzender der Hamburger Handelskammer (seit 1884, Mitglied seit 1879), 1884 wurde er in den Reichstag gewählt, dem er bis 1890 angehörte. Hier trat er energisch für die Errichtung von staatlich unterstützten P o st - dampferlinien nach Afrika ein, so erklärte er im Reichstag:Es wäre geradezu ein Unrecht, wenn wir heute nicht rüstig auf diesem Wege wei­ter schreiten wollten, um von diesem Kontinent so viel in unseren Besitz zu bringen, wie wir können."

Das Urteil über die Offensiopolitik Rußlands und Frankreichs wird bestätigt durch ihr Verhält­nis zu dem Staate, der schließlich den Weltbrand zum Ausbruch gebracht hat. Man weiß heute, daß Serbien nach der Erwerbung der südslawischen Gebiete Oesterreich-Ungarns trachtete und versuchte, durch Aufreizung der Bevölkerung die Autorität der Wiener Regierung zu untergraben und den habsburgischen Staat allmählich zu zermürben, eberrfo, daß die Belgrader Politiker nichts mehr fürchteten als eine Befriedigung der nationalen Wünsche der Slowenen, Kroaten und Serben, wo­durch diese mit neuer Anhänglichkeit an die Dynastie und den habsburgischen Staat hätten erfüllt wer­

geringere Mengen Wolle, Häute usw.) zu 75 v. H. in Seoifen, zu den restlichen 25 v. H. in Reichs- marf erfolgen wird. Die Reichsmarkbeträge werden besonderen Konto gutgeschrieben und von Mandschukuo durch den Bezug deutscher Waren Surd) ?"fe Regelung ist eine roefent- A, Erleichterung der Wirtschaftsbeziehungen er- roinnöen'?a blc Einfuhr aus Manschukuo bis- tjcr zu 100 vH mit Devisen bezahlt werden mußte. FM Jahre 1934 bezogen wir aus Mandschukuo Waren im Werte von 73,5 Millionen Mark, denen eme deutsche Ausfuhr im Werte von 6 Millionen Mark gegenuberftanh. Für das Jahr 1935 lauten öie entsprechenden Zahlen 46,2 und 4,9 Millionen JJtarr. Es kann erwartet werden, daß das neue Abkommen bald eine fühlbare Steigerung der Han­delsbeziehungen bringen wird.

Parlameniseröffnung in Japan.

Sai' <®5158- Funkspruch.) Unter >charser militärischer und polizeilicher Absperrung Oes gesamten Parlamentsviertels fand am Montag- oormittag die feierliche Eröffnung der beiden japa- Nischen Kammern, Oberhaus und Unterhaus, durch den Kaiser statt. Zum ersten Mal in der Parla- mentsgeschichte Japans hat die Botschaft des Kai- strs besondere politische Vorgänge berührt. Der Kaiser hat^ sein Bedauern und feine -trauer über d i e Februar-Vorgänge ausgedruckt und das ganze Volk aufgefortiert, ge= meinfam für den nationalen Frieden Japans ein* Ulehen Die von der Regierung vorgelegten 32 Gesetze lassen deutlich den Willen ju inne- ren formen erkennen, wie zum Beispiel ein Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schul- dei^ sowie em Gesetz, das die Stellung der lebens- wichtigen Industrien unter Staatskontrolle vorsieht, ferner em 23erbot aller ungesetzlichen Druckschriften und scharfe Ueberwachung radikaler Bewegungen und Organisationen.

August 1913 selbst nach Petersburg ging, um sich von den Fortschritten zu überzeugen, und höchst befriedigt war:Jetzt könne Rußland", sagte er, am 13. Mobilmachungstage 13 Armeekorps gegen Deutschland werfen". Aber damit war man noch nicht zufrieden. Neue Bahnen sollten zur Verbindung Westrußlands mit dem Zentrum und dem Osten geschaffen, bestehende ausgebaut und ge­waltige Mengen von rollendem Material bereit­gestellt werden. Das Geld mußte Frankreich liefern: im Juni 1913 ging ein Vertrauensmann der großen Pariser Banken nach Petersburg, um ein Abkom­men zu verhandeln, wonach Rußland in den näch­sten Jahren alljährlich Anleihen von 400 bis 500 Millionen Franken in Frank­reich unterbringen durfte. Grundsätzlich war man bald einverstanden, und Joffre arbeitete schon mit dem russischen Generalstab den neuen Bauplan aus, aber der russische Finanzminister und Minister­präsident K o k o z o w hatte Bedenken, die neue Last, die wirtschaftlich durchaus unproduktiv war, da die Bahnen allein nach strategischen Rücksichten gebaut werden sollten, auf sich zu nehmen. Es handle sich nicht mehr, sagte er, um einige hundert Kilometer wie bisher, sondern umein wirk- liches Netz" von 5 3 0 0 Kilometer etwa ein Zehntel der Eisenbahnen im damaligen euro­päischen Rußland überhaupt. Indessen die fran­zösische Regierung war unerbittlich.Unsere Auf­gabe ist es, darüber au wachen, daß die von den beiden Generalstäben formulierten Forderungen für die Vergrößerung der Kräfte unseres Vebundeten nicht platonische Wünsche bleiben", sagte der fran­zösische Geschäftsträger in Petersburg, und die Re­gierung war entschlossen, die Anleihe nur gegen die positive Verpflichtung zum Bau der verlangten Eisenbahnen zuzulassen. Sie setzte ihren Willen durch, denn die russische Regierung mußte die Folgen ihrer seit 1906 ergriffenen auswärtigen Politik tragen.

In Petersburg erwartete man den Ausbruch eines europäischen Krieges binnen kurzer Zeit, mochte er sich nun an dem Gegensätze Oesterreichs zu den von Rußland aufgehetzten Balkanstaaten entzünden oder aus dem russischen Begehren nach der Herrschaft über Konstantinopel und die Darda­nellen hervorgehen: es wäre also widersinnig ge­wesen, die Rüstungen gegen die Mittelmächte nicht so intensiv als möglich zu betreiben. So verpflich­tete sich Rußland jene Bahnen sofort in Angriff zu nehmen und sie binnen vier Jahren fertigzu­stellen. Und zugleich sollte das Heer gewalttg vermehrt werden. 1913 waren die Truppen in West- rufjlanö schon um 75 000 Mann vermehrt worden, in den nächsten drei Jahren sollte die Effektivstärke abermals um je 90 000 Mann erhöht werden.Man kann sagen, daß das Jahr 1913 für die militärische Stärke unseres Bundesgenossen nicht verloren ge­wesen ist", schrieb der französische Botschafter D e l c a s s 6 befriedigt bei einem Rückblick auf alle diese Maßregeln und Pläne. Bis zum Jahre 1917 sollte alles vollendet sein: Man darf annehmen, daß um diese Zeit nach russisch-französischer Be­rechnung der große Schlag gegen die Mittelmächte geführt werden sollte.

Im Prozeß um das B e r [ i n e r Baugruben- Unglück wurde Reichsbahn-Bauwart Schmitt vernommen. Er berichtete u. a. von einem Hohl­raum, der von Arbeitern in 6 bis 7 Meter Tiefe unter der Oberfläche hinter der Außenwand ent­deckt und mit Sand ausgefüllt worden fei. Diese Aussage steht in einem gewissen Zusammenhang mit der Theorie Roths, der den Einsturz auf öas Zusammensacken eines unterirdischen Hohl­raumes auf der Tiergartenseite zurückführen will. Aus der Vernehmung Schmitts ergab sich wei­ter, daß Reichsbahnrat Weyher die Verwendung von Konsolkonstruktionen verboten hat. Diese Kon­solen sollten ähnlich wie die aestoßenen, d. h. zu­sammengestückten Streifen die Verwendung der zu kurzen Bohlen ermöglichen. Man einigte sich schließ­lich dahin, daß die Konsolen wenigstens in einem Teil der Baugrube nicht angebracht werden sollten.

Schließlich wurde noch einmal die Frage der Aussteifung erörtert. Der Sachverständige Professor Walter stellte an Hand der kurz vor dem Unglück in der Baugrube aufgenommenen Lichtbilder fest, baß sich einzelne Rammträger in der östlichen Außenwand gegeneinander verzogen haben; es habe

den können. Diese Möglichkeit bilde die größte Ge­fahr für die serbische Zukunft, gestand der serbische Gesandte in Wien seinem französischen Kollegen, und um ein gutes Verhältnis zwischen der Regie­rung und den Südslawen nicht aufkommen zu lassen, arbeitete die serbische Propaganda unermüd­lich in Bosnien und Ungarn und scheute auch vor Attentaten auf hohe österreichische Beamte nicht Zurück. Erzherzog Franz Ferdinand, der sich leben- big für die Gewinnung der Südslawen einsetzte, galt daher als Üobfeinb in Serbien.

Im Jahre 1913, nach dem Ende des Balkan- krieges, in dem Serbien weite mazedonische Ge­biete erobert hatte, glaubte die serbische Regierung allerdings die Agitation gegen Oesterreich, die im­mer mit Kriegsgefahr verbunden war, einstellen zu müssen: Die Notwendigkeit, die Wunde des Krieges zu heilen und die neuen Landschaften mit dem alten Staatskörper zu verschmelzen, erforder­ten Ruhe und daher ein gutes Verhältnis zu Oester­reich, sagte der serbische Ministerpräsident P a fitsch dem französischen Gesandten. Mit zynischer Offenheit erklärte er sogleich, wie dies gute Ver­hältnis gemeint fei, denn, setzte er hinzu, fein Trost fei, daß Oesterreich doch zu ungeschickt sein werde, diese Pause zu benutzen und die südslawische Frage zu lösen, solange Serbien verhindert sei, sich ein­zumischen.

Rußland und Frankreich kannten diese friedens­feindlichen Absichten der Belgrader Regierung genau unb taten nichts, um sie zu dämpfen. Im Gegen­teil: bald wird Serbien Bosnien und die Herzego­wina erhalten, sagte der Gesandte Hartwig öffentlich (November 1913), und kurz darauf sagte der Zar vertraulich dem Ministerpräsidenten das­selbe. Frankreich stand nicht zurück. Als Serbien nach dem Balkankriege (Herbst 1913) eine Anleihe von 250 Millionen in Paris begehrte, war die Regierung sogleich bereit und stellte der russischen sogar vor, daß die finanzielle Notlage des ser­bischen Freundes die Zulassung der Anleihe noch vor der russischen erwünscht erscheinen lasse: Der- Weigerung der Anleihe und ein daraus hervorgehen- der serbischer Staatsbankerott würden einen großen Triumph für Oesterreick darstellen.Oesterreich soll nichts zu lachen haben^ erwiderte der russische Mi­nister Sasonow und erklärte sofort sein Ein­verständnis. So wurde Serbien als Sturmbock gegen Oesterreich betrachtet und gefördert: es ist kein Wunder, daß der serbische Fanatismus im Vertrauen auf diese mächtige Protektion von Verbrechen zu Verbrechen weiter schritt und schließ­lich durch Ermordung des gefürchteten Thronfolgers die Wiener Regierung zur kriegerischen Abwehr zwang.

Von allen Regierungen der Länder des Welt­krieges hat die französische am längsten mit der Herausgabe der Vorkriegsakten ge- zögert. Deutschland und England haben längst ihre Archive über 1914 und die Zeit vorher geöffnet, Rußland folgte, Frankreich begann etwa ein Fuhr- Zehnt nach Deutschland mit einer Aktenpublikation, aber sie schritt langsam voran. Oft ist daher die Vermutung geäußert worden, daß man erst den Tod der für die Vorkriegspolitik Verantwortlichen abwarten wolle, ehe man die intimen Quellen der Öffentlichkeit Augänglich mache. Diese Annahme scheint zuzutreffen, denn seit de Tode von Clemen- ceau, Poincarä, Pichon, Joffre und Viviani hat das Werk einen neuen Aufschwung genommen und nähert sich dem Kriegsanfang, schon ist es bis zum Schluß des Jahres 1913 gediehen.

Jene Rücksichtnahme wäre verständlich, denn die neusten Bände bringen in der Tat eine starke Be- lastung für das Andenken der maßgebenden fran­zösischen Staatsmänner. Wir erfahren z. B. aus den Dokumenten, daß die französische Regierung Pichon-Barthou im Frühling 1913 der englischen und russischen eine Denkschrift vorlegte, die, wie sie angab, vom deutschen Generalstabe für den deutschen Reichstag oder Bundesrat verfaßt war und die wildesten Angriffs- und Eroberungspläne enthielt. Tatsächlich war aber diese Denkschrift i m Auftrage de r französischen Regie­rung, vermutlich in Zusammenarbeit des Mini­steriums des Auswärttgen und des Generalstabs, angefertigt worden, um durch die Fälschung die deutsche Politik in Petersburg und London z u verleumden und zu diskreditieren.

Noch eine andere französische Unehrlichkeit deckt der neuste Aktenband auf. Um den deutschen Kriegs­willen zu beweisen, hat P o i n c a r 6 im Jahre 1914 in einer Anklage gegen Deutschland behauptet und die Anklage nach dem Kriege in seinen Me­moiren wiederholt, der Kaiser habe sich schon im November 1913 aegen den König der Belgier überaus kriegerisch ausgesprochen: der Krieg gegen Frankreich sei notwendig und unver­meidlich; er werde binnen kurzem ausbrechen und mit rascher Niederwerfung und Zerschmetterung Frankreichs enden. Tatsächlich hat der Kaiser, wie wir jetzt aus dem Bericht des französischen Bot-

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Kraftwagen sind sehr unterschiedlich, Die einen groß, die andren niedlich!