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Nr. 81 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

5amrtag, 4. April 1936

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Aus der Werkstatt des Osterhasen

Das Hühnervolk ist immer hungrig. (Aufn. [7]: Neuner, Gieß. Anz.)

des Schrankes hin-

Schöne Arbeit vor dem Osterfest. (Aufnahme: E. Haase.)

Aber nicht nur der Osterhase nimmt

es für die

Jedes Huhn hat ein Nummernschild am Flügel.

Die sortierten Eier werden gestempelt.

als

Kücken im Auslauf und unter der künstlichen Glucke.

Schlüpfende Kücken in einem Kasten des Brutschrankes.

Die Eier werden nach Größe und Gewicht sortiert.

Das, Fallennest, sine sinnreiche Einrichtung zur Legekontrolle.

bischen Spaß daran) dann , würde er, Hase, schon manches der hübschen Eier zeug für seine Kinder zurückbehalten

der Oster- als Spiel­haben.

mit bunten Farben ganz ulkige Gesichter zustande. Wenn nicht die Kinder am Ostermorgen mit so gro­ßer Freude und mit ebenso großem Eifer in Wie­sen und Gärten suchen würden (er hat seinen die-

kommenden Festtage mit seiner Pflicht sehr genau. Die Hühner find sich ebenso ihrer hohen Verant­wortung bewußt. Es ist nicht schwer, sich davon zu überzeugen. Ueberall in den Bauernhöfen und auf den Gütern sieht man sehr darauf, daß jedes. Huhn sooiele Eier legt, als es nur kann. Wenn eine Henne glauben sollte, daß sie alleine mit Mist- kratzen ihre Existenzberechtigung nachweisen könnte, so kann ihr dies teuer zu stehen kommen. Noch sehr viel mehr wird aber in der Hühnerfarm daraus gesehen, daß sich jedes Huhn im Eierlegen fleißig zeigt. Eine solche Hühnerfarm, in der viele Hunderte von Hühnern gehalten und herangezogen werden, ist ein sehr interessanter Betrieb.

Der Geflügelzüchter Herr D e e g der eine große Hühnerfarm imNizza" unterhält, ließ uns einen Einblick in das große Reich seiner Hühner gewinnen. Die große Hühnerhaltung im Nizza dient in erster

andere den lichtgelben wunderbar zarten Flaum, der in der warmen Luft des Schrankes rasch trock­nete. Bald stehen sie auf ihren Beinen, bald kommen sie in einen besonderen Käfig, erhalten kräftiges Futter (mit Lebertran) und es dauert nur wenige Wochen, dann dürfen sie mit vielen anderen in den Auslauf, der sich allerdings zunächst in einem geschlossenen und geheizten Raum befindet. Eine künstliche Glucke forgf für die nötige Wärme.

Lange bleiben aber die winzigen und zarten Tierchen nicht im Hause des Züchters. Viele kommen

Linie der Zucht von Rasse- Hühnern, die eine mög­lichst hohe Legeleistung erreichen, über die Zeit der Zuchtmöglichkeit hin­aus (Februar bis Juni) aber der Eiererzeugung. Von den fünf Arten der in Deutschland anerkann­ten Rassehühner hält Herr Deeg das Amerikanische Leghorn (tüchtige Eier­leger), dann die rebhuhn- farbigen Italiener und die Rhodeländer.

Am unterhaltsamsten und am lehrreichsten ist die Aufzucht anzusehen. In einer Geflügelfarm muß die Aufzucht in gro­ßem Maßstab geschehen, da sie sonst unwirtschaft­lich wäre. Deshalb hat auch der Brutschrank die Glucke längst verdrängt. Zwar vermag der Brut­schrank die Natur nicht zu ersetzen das Brut­ergebnis der Glucke ist prozentual besser als das

verfolgen, belauscht man das geheimnisvolle Schaf­fen der Mutter Natur. Der Brutschrank ist während der Aufzuchtzeit immerin Betrieb". Während der Geflügelzüchter hier frische (sorgfältig nach vielerlei Gesichtspunkten ausgewählte) Eier einlegt, piept es an einer anderen Stelle in den Regalen des Schrankes vernehmlich aus den von innen ange­pickten Eiern. Während sich unmittelbar daneben frisch geschlüpfte Kücken mühsam, mehr oder weni­ger energisch, ihrer Schalen entledigen, plustern

Der Weg unserer Ostereier führt dann weiter über den Sortierapparat, eine ganz besonders sinn­reiche Einrichtung, in der die Eier die für den Verkauf und den Verbrauch in der Küche bestimmt sind, entsprechend ihrem Gewicht verlesen mcrh'm. Schließlich erhält dann jedes Ei seinen Sfemve'

Wenn sich der Osterhase dann noch auf feine Weise mit den Eiern beschäftigt bat, wenn die bunt- gefärbten Eier zum hoffentlich schönen Ofterfonntaq- morgen in Gärten hinter Busch und Hecken liegen und auf ihre Entdeckung warten dann muß man sich nicht unbedingt tiefsinnige Gedanken machen. Vielmehr soll man sich freuen über all das was Gott und Natur immer wieder dem Menl^-m schenken, über Eier, Hühner und Kücken, die uns die Eier legen oder sie uns legen wollen, und über den Züchter und den Geflügelhalter, der sich mit d-'m lieben Federvieh viel Mühe geben muß Mit dieser Freude erst ist Gottes Gabe recht gewürdigt!

Der Gießener Oster­hase hatte sich kürzlich mit dem von Watzen­born-Steinberg unterhal­ten; sie tauschten ihre Er­fahrungen aus und muß­ten dabei die gemeinsame Feststellung machen, daß die Hühner in letzter Zeit häufig fast wissenschaftlich nennende Gespräche füh­ren, in denen immer wie­der von Züchtung und Leistungssteigerung, von Ein- und Ausfuhr die Rede ist, sie reden auch von Devisen . . . und mancherlei Dingen, die man früher gar nicht ge­kannt hat. Ein rechtschaf­fener Osterhase kann da ja fast nicht mehr mit...

Aber dem Osterhasen kann es nur recht sein, wenn es in Zukunft mehr Eier gibt, als es sonst um die Osterzell üblich war. Er hat dadurch um so we­niger Sorge und die Menschen kommen nicht mehr auf den Gedanken, ihm, dem Osterhasen/zu­zumuten, daß er die Eier selber legen soll ... Es war ihm schon immer etwas peinlich, zumal die Lehrer in den Schulen den Kindern gegenüber behaupteten, die Hasen legten gar keine Eier ...

Im übrigen: mit den erwachsenen Menschen ist im Grunde ganz gut ar­beiten! Insbesondere die jungen Mädchen helfen dem Osterhasen gerne. Manche.liefern ihm wun­derhübsch bemalte Eier, so daß er sie am liebsten gar nicht hergeben möchte. Manche bringen dabei

Die Zeit ist nun nicht mehr ferne, da der Oster­hase in wichtiger und geheimer Mission die Gärten und Wiesen der menschlichen Behausungen aufsuchen soll. Er, der Osterhase, wird sicherlich auch in diesem Jahre sehr darauf bedacht sein, daß er bei seiner Arbeit in den Gärten und Wiesen hinter den Häu­sern nicht gesehen wird. Insbesondere die Kinder dürfen ihn dabei nicht beobachten. Tatsächlich ist es ihm bisher stets gelungen, unbeobachtet zu bleiben. Manche Kinder, insbesondere die größeren, haben deshalb, weil sie ihn noch nie zu Gesicht bekommen hatten, Zweifel in seine Existenz gesetzt. Aber jenen ist ja nicht zu helfen! Meister Lampe ist weitaus zu stolz dazu, jene Ungläubigen zu überzeugen. Er weiß ja, daß alle jene, die an ihn glauben, sehr viel glücklicher sind.

Nur von einem ist er, der Osterhase, abgekom­men. vom Eierlegen! Es macht ihm doch etwas zu viel Umstände! Er überläßt es nun ganz den Hühnern, die sich in letzter Zeit besonders wichtig tun, seitdem sie wissen, daß jedes ihrer Eier ge­wogen wird, daß es einen Stempel erhält und sorg­fältig verpackt wird. Sie sind ordentlich stolz darauf, daß die Menschen ihrer Arbeit mehr Aufmerksam­keit schenken, als es bisher der Fall war. Den Hähnen der einzelnen Hühnervölker ist das auch in den Kopf gestiegen und es wird immer schwerer, sich mit ihnen zu besprechen.

sichtlich der Menge und des Aufwandes an Arbeit ist der Schrank wirtschaftlicher. Ein Brutschrank vermag mehrere tausend Eier zu fassen. 21 Tage lang bleiben die Eier im Schrank, 37,8 Grad Celsius beträgt die sorgfältig gehaltene Temperatur, ständig wird frische Luft zugeführt, erwärmt, verbrauchte Luft aus- geschieden und unter den sorgfältig der Natur nach­gestalteten Bedingungen wächst das Kücken im Ei heran. Ueber einer Lampe, mit der das Ei durch­leuchtet wird, kann man den Entwicklungsprozeß

Eintagskücken zum Versand, ein großer Teil aber erst dann, wenn das Geschlecht zu erkennen und künstliche Wärme nicht mehr notwendig ist. Die Kücken werden in besondere Schachteln verpackt und kommen dann zu den Bauern in die Höfe, um dort, ihren ererbten und gepflegten Anlagen entsprechend, zu Leistungshühnern heranzuwachsen. Die Kücken, die jetzt die Farm verlassen, werden im kommenden Winter- vorausgesetzt, daß sie gut gehalten wer­den Eier legen. Es ist ein besonderes Ziel, dafür zu sorgen, daß die Eierversorgung in unserem Vaterland durch diese frühzeitige Zucht auch für den Winter gesichert wird

Während der Frühjahrsmonate hat der Züchter immer viele Kinder vor feinem Kückenauslauf zu Gast. Alle möchten sie die niedlichen Geschöpfe sehen, die mit einer ganz erstaunlichen Fixigkeit in dem ihnen zugemessenen Raum herumsausen und fast den ganzen Tag am Fressen sind.

3ti den Ausläufen der ausgewachsenen Hühner zeigt sich aber das gleiche Bild. Da die meisten der Hühner über 150 Eier im Jahre zu legen haben, viele aber weit mehr Eier erreichen, so findet man die Tiere ständig an den Freßrinnen oder an den automatischen Futtergeräten.

Unter dem Hühnervolk findet man in den meisten Farmen auch einige Perlhühner. Sie sind als Wächter angestellt. Sie eignen sich für diese Posten sehr gut, denn sobald sich irgendein Raubtier oder ein Raubvogel nähert, stürzen sie mit einem lauten und aufgeregten Geschrei herbei und verjagen ent­weder den Räuber oder machen den Menschen darauf aufmerksam. Sie zeigen sich dabei auch sehr mutig und greifen den Feind mit Schnabelhieben an.

Jede Henne der Farm trägt übrigens ihren Steck- brief mit sich herum: einen Fußring, auf dem ihr Geburtstag eingetragen ist! Außerdem tragen sie alle ein kleines Schild am Flügel, auf dem eine Num­mer verzeichnet ist. Jedes Ei eines jeden Huhnes, das zur Zucht verwendet werden soll, wird mit der betreffenden Nummer des Huhnes versehen. Jedes Ei wird in die Legeliste eingetragen und als Ab- schluß die Jahresleistung festgestellt. Die Henney müssen dabei ihre Eier in sogenannte Fallennester legen, in die sie wohl hineingelangen aber nicht wieder heraus können. Erst wenn der Geflügel­halter das Tier befreit, die Nummer des Huhns ablieft und auf das Ei übertragen hat, kann die Henne wieder ins Freie