m. 3 viertes Blatt _____________Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Samstag, 4. Zanuar (936
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Was für Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke im Stadt- und Ueberlanbverkehr, was für Eisenbahn Augzeug und Zeppelin gilt, das gilt in übertragenem Sinn auch für das Geld. „Safety first * (auf deutsch „Sicherheit zuerst") pflegt der Engländer schlagwortartig kurz und klar zu sagen, wenn es sich um diese beiden Arten von Verkehr handelt Der Verkehr auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft interessiert in diesem Zusammenhang ober weniger Um so mehr die Sicherheit für das Geld
Die Zeiten, da Reichtümer geprägten Goldes oder Silbers in Strickftrumpf und Vettftroh aufbewahrt wurden, find endgültig vorbei. Auch sollte den Ziegen keine Gelegenheit mehr gegeben sein, ihren Hunger an Hundertmarkscheinen zu stillen. Wenngleich das nicht heißen soll, daß nun jeder Bauer einen schneidbrennsicheren Tresor haben müßte! Für ihn gibt es Sparkassen und Banken, die ihm Geld und Gut aufbewahren.
Aber der Geldschrank gehört sicherlich zum Modi- liar eines jeden Geschäftsmannes und eines jeden Fabrikbesitzers, die nicht erst den erfolgreichen Besuch eines Einbrechers oder eine Feuersbrunst abwarten sollten, bis sie sich zur Anschaffung eines Geldschrankes entschließen. Aber der feuer- und
diebstahlsichere Geldschrank ist nicht nur wertvoll für die Aufbewahrung von Geldmitteln, sondern er ist auch für die Sicherung von Dokumenten oder unersetzlichen Patentschriften notwendig. Die Technik der Geldschrank- und Tresorfabrikation ist hoch entwickelt worden. Es werden in der Spezialindustrie Anlagen geschaffen, die schlechterdings für Unberufene unangreifbar sind.
Um so interessanter ist es, einmal dem Betrieb einer Geldschrankschlosserei einen Besuch abzustatten. Derartige Betriebe sind nicht allzu häufig. In Gießen jedoch existiert eine Geldschrankschlosserei, die zwar in den Jahren vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus schlecht beschäftigt war. jetzt jedoch, dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs, nicht weniger denn 20 Facharbeiter dauernd beschäftigen kann.
Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß die Her- stellung eines Geldschrankes irgendwie etwas zu tun hätte mit Geheimniskrämerei. Vielmehr ist es
der Konstruktion werden einzelne Teile miteinander verschweißt oder vernietet. Die größeren Schränke werden jedoch so bearbeitet, daß sie zerlegbar sind, da sonst ihr Transport des hohen Gewichts und der Ausmaße wegen unüberwindliche Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Selbstverständlich wird der Schrank in der Werkstatt fix und fertig montiert, auf das sorgfältigste überprüft, Schlösser und Handgriffe werden ein- und angefügt und ebenfalls ausprobiert, alle vorgesehenen Fächer (ebenfalls aus Stahl hergestellt) werden eingebaut, das Füllmaterial in die Hohlräume eingefügt und der Schrank bis auf den Oelfarbenanftrich fertig- gestellt.
Das Herzstück eines neuzeitlichen Kassen- und Dokumentenschranks ist jedoch das eigentliche Geld- fach. Es besteht in allen seinen Teilen aus besonders starken, schweren und schneidbrennsicheren Panzerplatten. Diese Panzerplatten sind Spezialanfertigung. Auch dieses Geldfach wird naturgemäß mit einem besonderen Schloß versehen, so daß also allen Eingriffen von unberufener Seite her denkbar größte Widerstände entgegengesetzt sind. Daß dieses Geldfach hundertprozentig feuersicher ist, versteht sich von selbst. Aber auch der gesamte Schrank ist durch besondere Falze, die dem Feuer das Durchschlagen verwehren, gesichert. Moderne Schränke, insbesondere solche breiteren Formats, werden mit Schiebetüren ausgestattet. Der Feuersicherheit ist damit kein Abbruch getan, denn die Türen schließen in tiefen Falzen. Die Türen sind dabei sehr leicht zu bewegen; sie laufen auf Kugeln. Darüber hinaus
durch den Widerstand im Schloß) ist der Schließriegel zu betätigen. Interessant ist außerdem, daß der Schlüssel aus einem solchen Schloß nicht zu entfernen ist, sofern nicht zuverlässig zugeschlosien ist. Hier handelt es sich also um eine Kontrollkonstruktion! Für die großen Tresore der Spar- taffen und Banken kennt man Kombination von Schlüssel- und Stichwortschlössern. Wie weitgehend die Sicherung von Geldschränken und Tresoren als zuverlässig zü erachten ist, geht allein schon daraus hervor, daß die Einbruchsspezialisten nur selten einen Schrank oder einen Tresor vom Schloß meist mit dem Schneid-
Zu unseren Bildern:
Oben rechts: Vor geschlossenen und geöffneten Tresoren der Bezirkssparkasse Gießen.
Mitte links: Schloßmontage an einer Kassenschranktür. Darunter Ueberholung mit dem Schleifgerät.
Mitte rechts: Boden- und Deckenmontage für einen breiten Kassenschrank.
Unten links: Montage der Fächer. Daneben: Bei der Arbeit am eingebauten Tresor.
Unten rechts: Der Kassenschrank erhält die Oelfarbenauflage
(Aufatzmea [9J: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Dann werden die Platten nach den erforderlichen Maßen geschnitten, denn Kassenschränke werden, obgleich es natürlich Standardformate gibt, nach den verschiedensten Bedürfnissen (breit und wenig tief, oder schmal und tief, oder aber breit und tief usw.) gebaut; häufig auch bestimmt der Raum, in dem der Schrank zur Aufstellung kommen soll, seine Ausmaße und eventuell auch das höchstzulässige Gewicht. Dieses ergibt sich in erster Linie und elbstverständlich aus der Größe des anzufertigenden Schrankes, dann aus der Stärke des verwandten Plattenmaterials, schließlich aus dem Gewicht der Füllung.
Von der schweren Schere aus wandern die Stahlplatten in eine breite Falzmaschine, in der in einem langsamen mechanischen Arbeitsgang Winkel von verschiedenen Breiten angebogen werden. Diese Arbeit muß unter heftigem Druck, deshalb langsam vor sich gehen, weil eine raschere Verarbeitung Veränderungen in der Struktur des Stahles Hervorrufen könnte, die die Widerstandsfähigkeit beeinträchtigen würden.
Jeder einzelne Teil des Schrankes wird auf diese Weise geschnitten und gebogen, Stahlschienen als Verbindungsteile werden vorgerichtet, und je nach
her angreifen, sondern brenner versuchen, zum Erfolg zu kommen.
Ein Gang durch den Betrieb der Gießener Geld- und DokumentenschrankfabrikKrogmann läßt erkennen, wie sich der Arbeitsprozeß vollzieht Das Rohmaterial sind die Stahlplatten, wie sie vom Walzwerk geliefert werden. Zur Verarbeitung für Geldschränke gelangen Stahlplatten von 3 bis 15 mm Stärke. Da diese Platten nicht immer völlig plan, manchmal auch etwas verzogen sind, so geht erst der „Richter" gegen sie vor. Er legt die Platten aus eine völlig ebene und feste Unterlage und klopft sie an den verschiedensten Stellen ab, dabei achtet er sehr genau auf den Klang, den die Platte unter leichten Schlägen gibt. Mit kräftigeren, aber wohlabgewogenen Hammerschlägen wird bann die Platte solange bearbeitet, bis sie völlig gleichmäßig plan aufliegt. „Richter" kann nicht jeder sein. Diese Arbeit setzt ein feines Einfühlungsvermögen in das Material und große Sachkenntnis voraus.
beit entsteht und nur wenige Arbeitsgänge von der Maschine übernommen werden können.
So ist es denn auch kein Wunder, daß der Besucher einer solchen Kassenschrankfabrik beim Betreten der Werkstätten von einer Fülle der heftigsten Geräusche überfallen wird. Hier zischt das Schweißgerät und verbreitet ein grelles blaues Licht, dort sprüht ein Schleifapparot einen Funkenregen und kreischt über das rauhe und harte Metall, schwere Schläge erfüllen den Raum und lassen das eigene Wort unverständlich werden, hier wird geschraubt und dort genietet und eine ganze Anzahl von Schränken sieht man in den verschiedensten Stadien ihrer Entwicklung.
Aus all der Arbeit, die hier für den Laien im Gesamtüberblick etwas Unorganisches an sich zu haben scheint, ersteht Schrank um Schrank, glatt und sauber alle, groß und klein, breit und tief, in allen Gewichtslagen, sichtlich geeignet, all das, was ihnen anvertraut ist, sicher zu bewahren.
haben diese Schränke ein besonders kompaktes Schloß. Bei einer anderen Art von Kassenschränken sind die Türen seitlich versenkbar. Die Türflügel stehen also nicht im Wege. Bei beschränkten Raumverhältnissen kann dieser Umstand sehr wichtig sein. Unser Bild links unten zeigt einen Schrank mit Schiebetüren, das Bild rechts daneben einen solchen mit seitlich versenkbaren Türen. Sofern solche Schränke der Aufbewahrung besonderer Dinge (Pläne, Matrizen, großen Büchern usw.) bienen sollen, werben sie auch in ihrer Innenausstattung bementsprechenb gehalten.
Die kleineren unb deshalb leichteren Schränke werden in der Fabrik sofort nach ihrer Montage mit einem Rostschutz- und einem Oelanstrich versehen. Mit Hilfe von Preßluft wird Oelfarbe durch eine Düse, fein verstäubt, auf die bereits mit Rostschutzfarbe oorbehandelten Flächen aufgetragen. Alle, auch die geringfügigsten Ungleichheiten, wie sie sich aus dem Verarbeitungsprozeß ergeben können, werden mit einem Füllmaterial vorher ausgeglichen, so daß sich der Schrank in fertigem Zustande glatt und sauber als eine deutsche Wertarbeit darbietet. Beachtenswert ist, daß ein Geld- und Dokumentenschrank fast völlig in handwerklicher Ar-
so, daß die Konstruktion eines solchen Schrankes oder eines Tresors in seinen Elementen fast einfach zu nennen ist. Das Haupterfordernis ist lediglich die Widerstandsfähigkeit des Materials, dessen fachgemäße handwerkliche Verarbeitung und — für den Fall der heute meist geforderten Feuersicherheit — die Einfügung einer Zwischenschicht von Eisen-, Beton- oder Kieselgur, Buchenholzasche, Kreide ober Kaolin. Gegen Angriffe von feiten ber Geld
schrankknacker wirb unter Umständen bie Rückseite ber Schränke mit einem Gasgemisch gefüllt, bas, sofern ein Unberufener mit bem Schneidbren- ner vorgehen will, explobiert unb ben Verbrecher unfchäblich macht.
Das Einzigartige und bas Komplizierte an einem Geldschrank ist lebiglich bas Schloß. Hier gibt es wahre Wunderwerke einer nwbernen Technik. Während man in Amerika dem Schloß den Vorzug gibt, bas bie Kenntnis eines Stichwortes voraussetzt, zieht man in deutschen Fachkreisen immer noch bas Schloß vor, bas mit einem Schlüssel geöffnet unb geschlossen wird. Diese Schlösser sind naturgemäß so gestaltet, baß ihnen mit einem Dietrich niemals ' beizukommen ist. Ein solches Schloß wirb meist erst über eine ganze Anzahl von Scheiben betätigt unb ber Schlüssel hierzu hat einen Bart, ber sich in viele Teile gliebert, deren wiederum eine ganze Anzahl in sich beweglich ist. Erst im systematischen Ablauf der Bewegung ber einzelnen Bartstellen (ausgelöst
Sicherheit für Geld und Dokumente
Besuch in einer Gießener Kassenschrank-Zabrik.


