Nr. 2 Erster Blatt
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle
Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen
Postscheckkonto:
Zrankfurt am Main 11686
186. Jahrgang
Zreitag, 3. Januar 1956
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüts Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer
bis 8*/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm höhe
für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite
50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/^ mehr.
(Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel 6
25 Jahre Krieg.
Don unserem römischen E.-Korrespondenien.
Vatikan und Abessinienkonflikt.
Rom, Anfang Januar.
Sieht man vom Mächtekrieg in China und vom Burenkrieg ab, den Kämpfen, die unser unruhiges Jahrhundert einleiteten, so hätten wir bei Ausbruch des afrikanischen Krieges den dreißigjährigen Krieg „feiern" können, denn im September 1095 rourb der russisch-japanische Krieg beendet, der Japan das Sprungbrett zu seinem gegenwärtigen kriegerischen Vorgehen verschaffte. Da aber für Rußland auch das große Ringen in Ostasien schließlich nur ein Kolonialkrieg war, sind wir, wenn wir uns auf Europa beschränken wollen, erst bei einer fünfundzwanzigjährigen Kriegsdauer angelangt: 1911 begann der italienisch-türkische Krieg und damit der moderne Kampf ums Mittelmeer, der den Rest unseres Jahrhunderts ausfüllen wird.
Krieg, nichts als Krieg. Das eben ist der Fluch dieser bösen Macht, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Der italienisch-türkische oder Tripoliskrieg zeugte den B a l k a n k r i e g, der Balkankrieg den Weltkrieg, der Weltkrieg den türkisch-griechischen Krieg, den russisch-polnischem Krieg usw. Ein böses Undsoweiter.
Seit 25 Jahren sind die italienischen Waffen in Afrika nicht mehr zur Ruhe gekommen. Unmittelbar nach der endgültigen Unterwerfung Libyens, die in den letzten Jahren auch südtiroler Blutopfer forderte, begann der Aufmarsch in Abessinien. Als Kriegsgrund wurde der gleiche angegeben wie 1911: Gefährdung der italienischen Kolonien. Damals wie heute verleibte Italien die eroberten Gebiete ohne weiteres dem Königreich ein, ohne den Friedensschluß abzuwarten, und behandelte die trotzdem noch weiterkämpfenden Eingeborenen als Rebellen. Immerhin hat man von dem Galgen, der damals in Europa so böses Blut machte, in Abessinien bisher keinen Gebrauch gemacht. Rom führt den Krieg mit starker Betonung als Befreiungskrieg, als zivilisatorischen Kreuzzug und ist am meisten darüber erbittert, daß der Völkerbund diesen christlichen Charakter nicht anerkennen will. Umgekehrt wirft man Italien Heuchelei vor und Rom erblickt nichts anderes in der englischen Behauptung, der Sanktionskrieg werde nur um des Genfer Rechtes wegen geführt. Praktisch wird in keinem Falle ein X aus dem U, e s herrscht eben Krieg.
Das Jahr 1936, das nicht minder als das vergangene ein Anno cruciale oder Anno fatale sein wird, ein Schicksalsjahr blutigen Ranges, beginnt mit einem Doppelkrieg, wenn nicht einem dreifachen: dem abessinischen Feldzug, den Italien als reines Privat- und Kolonialunternehmen betrachtet wissen möchte, dem S a n k t i o n s - krieg des Völkerbunds und dem — je nach dem Standpunkt — schon lange, seit zwei oder 20 Jahrhunderten im Gange befindlichen oder erst in den Geheimkabinetten rumorenden Kampf ums M i t t e l m e e r. Im Grunde genommen natürlich alles einunddasselbe. Ist es als traditionelle Hebung noch begreiflich, wenn die Staatsmänner in Fensterreden feine Unterschiede machen, so versteht man schlecht, daß es immer noch Leute gibt, die daran glauben. Für die armen Teufel, die ihre Spargroschen durch großzügige Währungsmanipulationen verloren haben, kommt es auf das gleiche heraus, ob die Ursache als Inflation, Devalvation deklariert wird. Deklariert — ach, lassen wir es einmal bei dem Fremdwort, es klingt so hübsch geschäftsmäßig. Und was läßt sich nicht alles unter dem Deckmantel „Sanktionen" verstecken, während „Sühne" doch von einer zu brutalen Offenherzigkeit wäre. Immer taktvoll, wir wissen es ja von den „Reparationen" her. Wenn damals die Entente Lösegeld verlangt hätte, man denke!
So hübsch verschleiert geht es nun auch im Mittelmeer zu. Frankreich und Italien scheinen am gleichen Strang zu ziehen, die Riesenfestungen Korsika und Sardinien aber richten ihre langen Rohre gegeneinander. Denn was auch an Augensand für harmlose Zeitungsleser auf den Pariser Boulevards erzeugt werden mag, es bleibt dabei, daß Frankreich immer Abessinien sagt und Deutschland meint. Wie übrigens nicht wenige Engländer auch. In allen Gesprächen, die Mussolini mit den Botschaftern der Stresafreunde führen muß, um eine Formel für die Weiterführung der Beendigung des afrikanischen Feldzuges zu finden, beginnt der entscheidende Abschnitt stets mit den Worten „i m Falle, daß —Und dann ist von der unbeteiligten, schweigenden und wachsenden Großmacht die Rede. Der Negus ist nur ein Bauer auf dem
F^^^daß"'— zieht aber Frankreich doch, w'nn auch schweren Herzens, die enge Freundschaft mit England dem Herzensbündnis mit der lateinischen Schwester vor. Und der Duce merkt bei jedem Blick auf die Landkarte, daß trotz aller schönen Worte die Welt halt doch in Suez und Gibraltar verrammelt bleibt. Schicksalhaft ist sein Ringen um Freiheit. Der Mann auf der Straße macht sich so seine Gedanken, wenn er vor den riesigen Landkarten stehenbleibt, die zur Erläuterung des Sanktionenkrieges aufgestellt sind: Alles schwarz ringsum, nur nach dem Nordmeer geht, über Oesterreich und Ungarn hinweg die weiße, die freie Bahn. Und umgekehrt beneiben jetzt alle Politiker das aus den Fesseln des Völkerbunds befreite Deutschland: Ihr könnt wählen wie chr wollt, ihr habt Handlungsfreiheit, aus den Verfemten oder Geduldeten von gestern seid ihr die Umworbe-
n66o8ege°bebnn!6i8 Gespräche am Drehpunkt der
Mittelmeerachse, in Rom. . ,,
Hingegen ist das Gespenst eines o f f e n en
Mittelmeerkrieges, eines kriegerischen Zusammen-
Hoffnung auf gegenseitiges Entgegenkommen.-Sanktionen bedrohen päpstliche Finanzen.
Paris, 3. Januar. (DNB. Funkspruch.) Der römische Sonderberichterstatter des „Jour" übermittelt seinem Blatt die überraschende Behauptung, daß man in zuständigen Kreisen des Vatikans mit der Möglichkeit einer Regelung des abessinischen Streitfalles rechne. Bereits während der Weihnachtstage habe man im Vatikan eine ganz neue Hoffnungsfreudigkeit an den Tag gelegt, nachdem man dort seit Monaten pessimistisch gewesen sei. Im Vatikan glaube man, Mussolini habe sich davon überzeugen lassen, daß die Regelung auf jeden Fall über Genf erfolgen müsse. Man glaube dort gleichfalls, daß Eden sich nicht einem neuen Plan widersetzen werde, der „bescheidener" als der vorn 8. Dezember sein werde, und der als Gegenleistung für die Sicherheit der italienischen Grenzen und der italienischen Unternehmungen einen Gebietsaustausch nicht vorsehe.
„Oeuvre" schreibt, daß auch der Vatikan stark von den Sühnemaßnahmen betroffen werde. Die Zahl der Pilger und Besucher sei sehr zurückgegangen. Vor allem aber hätten d i e Finanzen des Vatikans einen schweren Schlag erlitten. Obwohl der Vatikan ein souveräner Staat sei, verfüge er nämlich nicht über eigene Banken. Seine Gelder würden von italienischen Staatsbanken verwaltet, die aber kein Geld mehr vom Ausland erhielten. Ein päpstlicher Abgesandter sei deswegen bereits zweimal in Genf vorstellig geworden. Man versichere in Rom, daß Laval versprochen habe, sich für den Fall zu interessieren, um dem Vatikan eine Sander st e l lu n g zu sichern. Trotz eines Dementis des „Observatore Romano" behaupte man in Rom, daß Italien und der Vatikan eine Art Clearing-Abkommen getroffen hätten. Italien werde darin gestattet, den im Ausland fest gefrorenen Peter-Pfennig zu Ankäufen zu verwenden. Der Vatikan erhalte dafür vom italienischen Staat Lire. Das Blatt glaubt sicher zu sein, daß diese Finanzmaßnahme bereits mindestens einmal durchgeführt sei. Sicher sei auf jeden Fall, daß die katastrophale Verminderung der Einnahmen des Vatikans einen Grund mehr bedeutete, die Versöhnungsbemühungen fortzusetzen.
*
Der Peterspfennig ist* bekanntlich das finanzielle Rückgrat des Vatikans. Er war im Mittelalter eine zuerst in England dem Untertanen auferlegte Abgabe an den Papst. Die Abgabe betrug 300 Mark Silber. Jeder Freie, der Vieh im Werte von 30 Pfund besaß, mußte einen Pfennig (Denar) zahlen, den Denarius oder Census Sankti Petri. In England blieb diese Abgabe bis zur Reformation bestehen, wenn sie oft auch unregelmäßig ober auch nur zum Teil entrichtet wurde. Nach dem Vorbilde Englands wurde eine solche Abgabe seit dem 12. Jahrhundert auch in Dänemark, Polen, Schweden und Norwegen, später vorübergehend auch im Ordenslande Preußen erhoben. Der heutige Peterspfennig war anfangs eine freiwillige Liebesgabe für den bedrängten Papst, als 1860 ein großer Teil des Kirchenstaates an das geeinte Italien verloren ging. In Oesterreich, dann auch in Irland wurde er damals aufgebracht. Er ist dann allgemein geworden und diente feit dem Ende der weltlichen Herrschaft des Papstes und der Ablehnung der im italienischen Garantiegesetz vorgesehenen Rente für den päpstlichen Haushalt und die Kirchenverwaltung. lieber die Höhe der aufgebrachten Summen gehen die Meinungen stark auseinander. Seit dem französischen Kulturkampf sind die Einnahmen stark zurückgegangen und sollen nur noch 2 bis 3 Millionen betragen haben.
Nach den Lateranoerträgen zwischen dem faschistischen Italien und der Kurie ist zwar der Vatikanstaat von Italien in jeder Hinsicht unabhängig und bildet ein Staatswesen mit eigener Hoheit. Aber der Staat, der nur etwas mehr als 500 Einwohner zählt, besitzt keine eigene Bankverbindung. Bisher war es die Banca Com- merziaie Italiana in Rom, die sich mit den ausländischen Transaktionen des Vatikans beschäftigte, ein Unternehmen, das unter der Kontrolle des
italienischen Staates steht. Im Innern Italiens war die Banca di Santo Spirito (Die Bank des Heiligen Geistes) mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vatikanstaates betraut. Auch diese Bank liegt jedoch außerhalb der Mauern des Vatikans und gehört völkerrechtlich zu Italien. Die Tatsache nun, daß es den Völkerbundsstaaten untersagt ist, Zahlungen nach Italien zu überweisen, hat automatisch auch die Zuwendungen an den
Heiligen Stuhl betroffen, dessen Einnahmen seit dem 15. November geradezu katastrophal zu- sammengeschmolzen sind. Der päpstliche Nuntius in Bern' soll bereits beim Völkerbundsekretariat vorstellig geworden sein, um eine Milderung der bestehenden Bestimmungen durchzusetzen. Jedoch scheint seine Aktion bisher vergeblich gewesen zu sein, obwohl gerade Laval sich für die Interessen des Heiligen Stuhles eingesetzt haben soll.
Erhöhte Aufmerksamkeit an der ägyptisch-libyschen Grenze.
Britische Verstärkung der Grenzgarnison.— Eine kriegerische Neujahrsfeier.
London, 3. Jan. (DNB. Funkspr.) In einer Meldung aus Sollum berichtet Reuter über die m i - litärischen Vorsichtsmaßnahmen aus b ei b e n Seiten der ägyptisch-libyschen Grenze. Danach sollen italienische Wachen Tag und Nacht auf den Dächern der Forts stehen und Ausschau nach irgendwelchen Bewegungen auf der ägyptischen Seite halten. Truppen des ägyptischen Kamelreiterkorps, die auf den Hügeln verteilt seien, beobachten ihrerseits die italienischen Drahtverhaue. Jedesmal wenn in der Nähe von Sollum eine Truppenbewegung vor sich gehe, steige ein italienisches Erkundungsflugzeug auf, das sich jedoch sorgfältig auf der libyschen Seite der Grenze halte. Der Korrespondent meldet weiter, daß am Neujahrsmorgen
Hebungen britischer und ägyptischer Truppen mit Panzerwagen und Lastwagen stattgefunden hätten. Den italienischen Grenzposten sei auf eine Anfrage gesagt worden, daß es sich nur um eine Neujahrsfeierlichkeit handle. Das Schicksal von Sollum im Falle eines Angriffs vom Westen fei ungewiß. Bisher fei Sollum nur von einem ägyptischen Infanterie-Bataillon bewacht worden. Man habe angenommen, daß ein italienischer Vormarsch aus der Cyrenaika erst bei Mersa Matruh, also 240 Kilometer von der Grenze entfernt, auf Widerstand stoßen würde. Während der letzten 14 Tage feien jedoch britische Verstärkungen in Sollum eingetroffen.
Das Bombardement von Doklo.
Staatssekretär Suvich spricht mit dem schwedischen Gesandten.-Die römische presse droht den Abessiniern mit verschärften Vergeltungsmaßnahmen.
Rom, 2. Jan. (DNB.) Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat Staatssekretär Suvich am Neujahrstag den schwedischen Gesandten zu sich gebeten, um ihm von den italienischen Feststellungen über das in der Gegend von Dolo durchgeführte Luftbombardement, bei dem der Direktor der schwedischen Roten-Kreuz-Abtei- lung verwundet worden sei, Mitteilungen zu machen. „Eine Aktion zur Bombardierung der abessinischen Somalifront", so heißt es in dem amtlichen Bericht, „war als Vergeltungsmaßnahme gegen die von Abessiniern an italienischen Gefallenen und Gefangenen verübten Grausamkeiten angeordnet worden. In der Umgebung von Dolo hatte das Bombardement eine Gruppe bewaffneter Abessinier und einige Zelte zum Ziel, die, wie sich ergeben hatte, dem abessinischen Kommando gehörten. Es scheint, daß eine Bombe in der Nähe des Feldlazaretts eingeschlagen und dessen Direktor Dr. Fritz Jlander verletzt hat." Unter dem Ausdruck des Bedauerns über die Verwundung des Lazarettarztes hat Staatssekretär Suoich die Aufmerksamkeit des schwedischen Gesandten auf die tendenziösen Darstellungen gelenkt, die von dem Vorgang gegeben worden sind, um die öffentliche Meinung Schwedens irre zu führen.
*
Aus einer weiteren amtlichen Mitteilung geht hervor, daß das Bombardement von Dolo als Vergeltungsmaßnahme dafür gedacht war, daß die Abessinier den in Gefangenschaft geratenen italienischen Fliegerleutnant M i n n i t i geköpft hatten. Deshalb wurde gleichzeitig mit den Bomben ein Flugblatt folgenden Inhalts abgeworfen: „Ihr habt ein en unserer Flie- a e r, der in Gefangenschaft geriet, getötet, indem Ihr ihm den Kopf abgeschlagen habt. Ob der Mißachtung aller menschlichen und internationalen Gesetze, auf Grund deren Gefangene un- ! verletzlich sind und mit Achtung behandelt wer
den müssen, erhaltet Ihr dafür das, was Ihr verdient." — „Giornale d'Jtalia" schreibt: Da das Leben der Italiener und ihrer Schützlinge in keiner Weise von den Abessiniern geschont werde, könne es für das Leben der Abessinier keine Gnade mehr geben. Die heutige Vergeltungsmaßnahme für die Ermordung eines italienischen Fliegers genüge nicht mehr. — „Lavore Fas- cifta" spricht dann offen von der Anwendung der „modernsten und mörderischsten Kriegsmittel", von denen bisher Italien Abstand genommen habe.
Sm Bericht
des schwedischen Konsuls.
Stockholm, 2. Jan. (DNB.) Vom schwedischen Konsul in Addis Abeba traf Donnerstag mittag im Auswärtigen Amt folgendes Telegramm ein. Die letzten amtlichen Nachrichten besagen, das das schwedische Rote-Kreuz-Lager, das It. der Konvention gekennzeichnet war, am 30. Dezember bombardiert wurde. Die Krankenzelte wurden mit Maschinengewehren beschossen. Dr. Hylander erlitt rechtsseitige Verletzungen, ein anderer Schwede erlitt Kieferver- letzungen. Die übrigen Landsleute sind u n - verletzt.
Nach dem jetzt in Addis Ab e b a eingetroffenen Bericht des Ras Desta über die Bombenabwürfe am 30. Dezember, bei denen auch das Lager des schwedischen Roten Kreuzes getroffen wurde, waren an dem Angriff zwölf italienische Flugzeuge beteiligt. Der Verbandplatz wurde in 300 Meter Höhe überflogen. In dem Bericht wird ferner mitgeteilt, daß 28 verwundete Abessinier, die dort gepflegt wurden, getötet worden sind. Die Zahl der verwundeten abessinischen Krieger wird mit etwa 50 angegeben.
stoßes mit England, nirgends aufzuspüren. Merkwürdig, daß es im englischen Unterhaus so oft an die Wand gemalt wird, von der Weltpresse ganz zu schweigen. So fehl am Platze im vorigen Jahr der Optimismus war, so unberechtigt scheint heute diese Schwarzseherei. Es müßte erst noch bewiesen werden, daß Mussolini die Verhängung der Oel- sperre als einen feindseligen Akt bezeichnet habe, und wenn es so wäre, warum 'dann das Festbeißen auf die Formeln der Kriegsetikette, die doch durch die Abschaffung des Ultimatums und der Kriegserklärung gänzlich beseitigt wurde?
Auch übersehen die Kriegsgläubigen, daß Italien schwerlich einen Krieg in Europa führen könnte, wenn seine Heere schon durch Oelmangel in Afrika lahmgelegt werden. Und gar einen Krieg gegen England und Abessinien? Womöglich noch dazu gegen einige Völkerbundsstaaten? Das heißt denn doch die Wehrkraft Roms über- und die Klugheit Mussolinis unterschätzen. Wenn schon Staatsmänner den Teufel hinmalen, um einen Ruckzug ZU verschleiern ober die Wirkungslosigkeit einer Maßnahme zu beschönigen, so sollte wenigstens der 'äeitunqsleser nüchtern bleiben. Kein Grund »ur Panik vorhanden! An den Krieg als Dauerzustand werden wir uns wohl oder übel gewöhnen
müssen, und daß aus den 25 Jahren 30 werden, ist auch möglich, aber mit dem Gedanken einer nahen Wiederholung der europäischen Katastrophe braucht man deswegen noch nicht zu spielen.
Militärische Unterstühung nur für den besonderen Fall des Abessinienkonflikts.
London, 2. Jan. (DNB.) In London wird i n Abrede gestellt, daß die französische Regierung das britische Kabinett um die Versicherung militärischer Unter st ützung für Fälle ersucht hat, die nichts mit den Möglichkeiten zu tun haben, die sich unter Umständen aus der Erzwingung de r Sühnemaßnahmen im italienisch- abessinischen Konflikt ergeben könnten. Die Besprechungen zwischen den französischen und britischen Behörden bezögen sich einzig und allein auf den erwähnten Konflikt und auf den Fall, daß ein Land, das die Entscheidung des Völkerbundes ausführe, für Vergeltungsmaßnahmen heraus- gesucht werde.
„Vernunft gegen Leidenschaft."
Eine französische Mahnung an Italien.
Paris, 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Vor- sitzende des großen linksstehenden französischen Frontkämpfer-Verbandes „Union Föderale", Henry Pichot, richtet in einem Zeitungsaufsatz einen Appell an die italienische Vernunft. Aus Italien kämen Warnungen, wenn nicht gar Drohungen verhüllter oder unverhüllter Natur an die Adresse Frankreichs. Dies sei weder korrekt noch vornehm und könne keinen Erfolg haben. Man müsse sich weniger oft fragen, ob Frankreich seine Freundschaft gegenüber Italien halte, sondern vielmehr, ob Italien zur Freundschaft gegenüber Frankreich stehe. Die Frage, ob es möglich sei, daß Mussolini der Mann sei, der sein Land, Frankreich und weitere Staaten i n einen europäischen Krieg stürze, wobei Italien ein ungewöhnliches Risiko eingehe, könne heute mit „Ja" beantwortet werden. Ein großes Kolonialland, wie z. B. Frankreich, könne nicht glauben, daß die Eroberung Abessiniens für Italien eine Frage auf Leben ober Tod sei. Die Italiener trieben seldst das Drama auf


