Deutsche im Ausland.
^"^sonders am Herzen liegt uns das Schicksal der außerhalb der Reichsgrenzen lebenden Deutschen, die durch Sprache, Kultur und Sitte mit uns verbunden sind und um diese Güter schwer kämpfen. Die nationale Regierung ist entschlossen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die den deutschen Minderheiten international garantierten Rechte einzutreten."
Adolf Hitler
am 23. März 1933 in Berlin.
^Welche Aufgaben und Ziele sind unseren deutschen Volksgenossen im Ausland gesteckt, wie sind ihre Lebensverhältnisse in den einzelnen Ländern, was wird getan, um die Verbundenheit dieser Ausländsdeutschen mit ihrer angestammten Heimat aufrechtzuerhalten und zu fördern? Hätte man diese Frage noch vor wenigen Jahren an irgendeinen beliebigen Deutschen gerichtet, so hätte man in den seltensten Fällen eine ausführliche und umfassende Antwort erhalten. Es wäre jedoch verkehrt gewesen, lediglich diesem Unkundigen und Unwissenden daraus einen Vorwurf zu machen, denn die Schuld an dieser oft geradezu erschreckenden Unkenntnis traf einzig und allein ein Regierungssystem, dessen Vertreter es nicht verstanden, diesen für das Volks- aanze so ungeheuer wichtigen Fragen ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Deutsche im Ausland, das war ein heißes Eisen, das man am besten nicht anrührte, um keine „internationalen Verwicklungen" hervorzurufen. Diese „Gründe" konnte man zu jener Zeit in den verschiedensten Variationen hören, und die sie vorbrachten, zeigten damit zur Genüge, wie sie in ihrer ganzen volksfremden Einstellung all diesen Fragen ratlos und ohne Verständnis gegenüberstanden.
Gehen wir zur Gegenwart über und stellen wir einen Vergleich an, der so recht den Unterschied Zwischen der Zeit vor 1933 und dem Heute zeigt! Was hätte wohl vor vier, fünf Jahren eine Regierung getan, wenn in Spanien ein so furchtbarer Bürgerkrieg, wie wir ihn jetzt mit Schaudern erleben, getobt hätte und das Leben vieler Tausende deutscher Volksgenossen in Gefahr gewesen wäre? Die Antwort auf diese Frage ist nicht schwer! Eine papierene Erwiderung in vorsichtig protestierender Form wäre abgegangen, und es ist überflüssig zu betonen, daß sie nicht den geringsten Erfolg gehabt hätte. Die Regierung Adolf Hitlers schickt — und sie weiß, daß sie damit das ganze deutsche Volk hinter sich hat — Panzerkreuzer und Torpedoboote diesen bedrohten Deutschen zu Hilfe, setzt weiterhin Passagierdampfer zum Abtransport der deutschen Flüchtlinge ssin, und wir konnten nicht einmal, sondern in Hunderten von Fällen die für uns so erfreuliche, aber doch wieder in gewisser Beziehung erschütternde Feststellung machen, daß zahlreiche dieser Deutschen, die fern ihrer Heimat sich noch kein richtiges Bild von dem Umschwung in Deutschland seit 1933 machen konnten, in tiefster Seele gepackt und ergriffen waren, als sie nun am eigenen Leibe erfuhren, wie ihnen die Heimat hilfreich zur Seite steht und ihnen jeden Schutz angedeihen läßt. Und der herzliche Empfang, den diese Deutschen dann in dem Reiche Adolf Hitlers fanden, hat ihnen mit aller Deutlichkeit und Klarheit gezeigt, daß ihnen nicht nur die deutsche Regierung, sondern bas ganze deutsche Volk zu Hilfe gekommen ist. Das war für diese auslandsdeutschen Volksgenossen das stärkste Erlebnis in ihrer Heimat und hat ihnen die Volksgemeinschaft richtig vor Augen geführt. —
In diesen Tagen werden anläßlich der Tagung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart — bekanntlich hat der Führer und Reichskanzler der schwäbischen Landeshauptstadt die Berechtigung gegeben, für alle Zukunft den Namen „Stadt der Ausländsdeutschen" zu führen und der in den ersten Septembertagen in Erlangen stattfindenden großen TagungderAuslands- organifation der NSDAP., unsere Blicke sich wieder auf die vielen Millionen deutscher Volks-1 genossen richten, die in allen Ländern der Welt^ ihrer friedlichen Arbeit nachgehen und die jetzt roie-
der stolch aus ihr Deutschtum geworden sind, weil ße wißen, daß sie nicht mehr auf verlorenem Posten stehen, denn über 60 Millionen Deutsche im Mut- terland stehen jetzt in geschlossener Front hinter ihnen. Der Weg, der zu dieser Entwicklung geführt yat, ist hart und steinig gewesen, und es' bedurfte oes ganzen Einsatzes bester Deutscher, National- sozialisten, die von ihrer hohen Aufgabe durchdrungen waren, um den Zusammenschluß der Deutschen im Ausland zu erzielen. Gewiß, es gab schon ^^der Zeit, da die Auslandsorganisation der NSDAP, ihre Arbeit aufnahm, deutsche Verbände und Vereine, die auch viel Gutes getan haben, es fehlte eben jener Zusammenhalt, der allein die Gewähr für geschlossenen und erfolgreichen Einsatz gibt. Leider nahmen auch viele Jahre lang in zahlreichen Ländern die Juden deutscher Staatsangehörigkeit eine besonders einflußreiche Stellung sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein, und es ist kein Wunder, wenn nach ihrem Verhalten, das mehr als einmal Anstoß erregte — galten sie doch damals in falscher Einstellung als Deutsche —, oft der Stab über das gesamte Deutschtum des betreffenden Landes gebrochen wurde.
So wird man es verstehen, daß der 30. Januar 1933 auch für die Deutschen im Ausland von entscheidender Bedeutung wurde. Mit neuer Hoffnung und Zuversicht wurden sie erfüllt, und die Arbeit der Auslandsorganisation der NSDAP., die am 1. Mai 1931 in Hamburg von Ausländsdeutschen gegründet worden war, nahm unter der zielbewußten Leitung ihres Gauleiters Bohle einen besonders erfolgreichen Verlauf. Wenn die verschiedensten deutschen Vereine, die gar oft ein Sonderleben geführt hatten, sich zusammenschlossen, wenn es möglich wurde, daß zu den Feiern des 1. Mai Tausende, ja Zehntausende (in Sao Paulo in Brasilien sogar 28 000) von Deutschen zusammenströmten, so zeigen diese Angaben wohl zur Genüge, welche Wandlung das Deutschtum im Ausland durchqe- macht hat. Groß ist die Freude immer, wenn führende Persönlichkeiten des neuen Staates an den großen Feiertagen der Nation ins Ausland fahren und hier zu unseren Volksgenossen sprechen, so jene Verbundenheit zum Ausdruck bringend, deren Pflege sich das Dritte Reich stets ganz besonders angelegen sein läßt. Welches Endziel die Auslands- organifation verfolgt, hat einmal Gauleiter Bohle treffend mit folgenden Worten umriffen: „Unser Ziel ist erst dann erreicht, wenn jeder einzelne Deutsche draußen derartig von der nationalsozialistischen Weltanschauung innerlich gefangengehalten ist, daß er niemals sein Deutschtum vergessen kann."
Von manchen böswilligen Kreisen des Auslandes wird die lügnerische Ansicht verbreitet, daß — wir entsinnen uns dieser Hetze noch genau anläßlich der Ermordung des Landesgruppenleiters Schweiz der NSDAP., Wilhelm Gustloff — die Auslandsorganisation sich in die Politik der einzelnen Länder e i n m i s ch e, ja auf sie Einfluß zu nehmen versuche und daß dabei die Parteigenossen mit allen Mitteln bestrebt sein müßten, auf jede Art und Weise dieses Ziel zu erreichen. Es ist überflüssig, daß diese Behauptung eben nichts als Lüge rtnb Verleumdung ist, denn das erste der zehn Gebote, die die Auslandsorganisation für die Ausländsdeutschen aufgestellt hat, lautet: „Befolge die Gesetze des Landes, dessen Gast du bist!" und das zweite lautet: „Die Politik deines Gastlandes lasse dessen Bewohner machen' Dich gebt die innere Politik eines fremden Landes nichts an! Mische dich nicht in diese, auch nicht gesprächsweise!" ^n diesen Punkten heißt es dann weiter: „Bekenne dich stets und überall als Parteigenosse, mache dem neuen Deutschland Ehre, sieh in jedem Deutschen draußen deinen Volksgenossen und Hill ihm, sei nicht nur Mitglied, sondern auch Mitkämpfer, schließe dich deinen Parteigenossen an!" Diese Programmpunkte umreißen wohl zur Genüge die im Sinn und im Geist des Friedens geleistete nationalsozialistische Arbeit für das Auslandsdeutschtum.
Angesehen und geachtet steht jetzt wieder das Auslandsdeutschtum in der Welt da, es erfüllt auf vorgeschobenem Posten seine friedlichen Aufgaben dient mit allen Kräften dem neuen Deutschland, dem
allein es seine jetzige Stellung wieder verdankt. Und wie hoch neben den übrigen Leistungen des Auslandsdeutschtums auch gerade seine kulturelle Arbeit eingeschätzt wird, geht zur Genüge auch daraus hervor, daß, vor allem in einigen Staaten Südamerikas, Eltern des betreffenden Landes ihre Kinder in deutsche Schulen schicken, weil sie wissen, daß ihren Kindern hier eine in jeder Hinsicht vorbildliche Erziehung und Ausbildung zuteil wird. 4 0 0 0 Deutsche aus aller Welt werden vom 2. bis 7. September in Erlangen zur 4. Tagung des Auslandsdeutschtums zusammenkommen und anschließend am Reichsparteitag teilnehmen. Diese Tage in Erlangen werden angefüllt fein mit ernster und verantwortungsvoller Arbeit. Zahlreiche führende Persönlichkeiten des Auslandsdeutschtums werden zu den verschiedenen Fragen das Wort ergreifen und über die Fortschritte, die
allenthalben zu verzeichnen sind, berichten. Alle diese Deutschen, die mit dem Luftschiff, der Eisenbahn und zu Schiff den Weg nach Erlangen führt, fühlen sich verbunden durch das gemeinsame Erleben des Kampfes, durch die Schicksalsgemeinschaft des Auslandsdeutschtums. Und sie wissen, daß sie jetzt, im Dritten Reich Adolf Hitlers nicht mehr allein stehen, sondern daß das ganze deutsche Volk in der Heimat an ihrer Arbeit den stärksten Anteil nimmt, denn jetzt hat jeder Deutsche daheim begriffen, wie wichtig und verantwortungsvoll die Arbeit der deutschen Brüder draußen in der Welt ist. Und wenn diese 4000 nach dem Abschluß des Reichsparteitages wieder Deutschland verlassen und an ihren Aufgabenkreis zurückkehren, dann wissen sie das eine: Wir Deutsche draußen im Ausland und Deutschen in der Heimat, wir gehören für immer zusammen!
Neue Mitglieder des Gießener Gtadttheaters stellen sich vor
Irmgard Zenner:
1913 in Potsdam geboren. Neben dem Lyzeum Besuch der Tanzschule des Deutschen Opernhauses, Berlin, von 1920 bis 1928. Von dort als Tänzerin an das Landestheater Schneidemühl. Dann eigene
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Schule in Polsüam, Darauf Engagement als Solotänzerin am Oberschlesischen Landestheater Beuthen. Dann Ballettmeisterin in Neisse i. Schl, und zuletzt am Neuen Schauspielhaus 'in Wilhelmshaven. In meiner freien Zeit Studium des klassischen und modernen Tanzes an bekannten Berliner Tanzschulen. Für die kommende Spielzeit freue ich mich auf die schöne und verantwortungsvolle Aufbauarbeit der Tanzgruppe in Gießen.
Hildegard Zachnow
Ich bin wohl erblich belastet, denn schon mein Großvater sana und anscheinend nicht schlecht, da er den Titel „Herzoglicher Kammersänger" bekam. Mein Irpum, Gesang zu studieren, wurde eine manchmal harte Wirklichkeit, ich siedelte nach dem schönen Zürich über und war auch schon während meines Studiums am Züricher Stadttheater tätig, engagiert damals von Direktor Paul Trede; ich fang zunächst kleinere, durfte später aber ■
auch anspruchsvollere Partien fingen. Gießen ist nun die erste Etappe nach meinem Studium, wo ich als Altistin zeigen darf, ob sich alles auch gelohnt hat. Ich freue mich sehr auf meinen neuen Wirkungskreis und hoffe recht oft fingen zu dürfen zu meiner und auch zur Freude meiner Zuhörer.
Alfons Forstner:
Nach mehrjährigem Studium bei erften Sängern bin ich erstmalig in meiner Heimat München gestartet. Mein weiterer Weg als Fachsänger, seriöser Baß, ging die Kreuz und die Quer. Meran, Bozen, Altenburg, Luzern, Rostock. Und nun, lieber Gießener, eile ich zu Dir, mich in Dein Herz zu fingen. Leicht haben wir's nicht, wir Bässe mit unseren Dollbartrollen. Aber ich hoffe stetig, daß Vollbärte wieder Mode werden (bei den Witzen hat's schon begonnen!) und der Baß als einzige echt männliche Stimme anerkannt wird. Wenn beim tiefen K sämtliche Frauenherzen in Unruhe geraten und die Männer einen brunnentiefen Schluck nehmen. Dann find Tenöre einfach Luft für uns. Mein Kollege Greif und ich werden Heuer diese Aera heraufbeschwören.
Paulus Kuen:
Ich heiße tatsächlich so, Paulus Kuen. Es ist kein Bühnenname, sondern mein richtiger Name, übernommen von meinem Herrn Vater, Oberlehrer und Bundesmusikdirektor usw., aus Sulzberg bei Kempten. Ich bin ein tapferer Schwabe. Ein singender Schwabe, der schon seit feiner Kindheit singt und musiziert. Konzertsänger Ebner aus Augsburg, dessen Flügel ich richten sollte, sagte: Sie sind Tenor, und schon ging die Singerei los. Ein Jahr später bei Kammersänger Knote-Mün- chen. Don dort wurde ich nach Konstanz verpflichtet und mußte eine gründliche Lehre durchmachen, denn der „tapfere Schwabe" hatte wenig Ahnung von dem Theater. In Bamberg und ganz besonders m St. Gallen hatte ich großes Glück. Jetzt gehts als Svieltenor nach Gießen, trotzdem ich an ein aroßes Theater in Oesterreich hätte abfchließen können, aber mein geliebtes Deutschland habe ich durch meine Tätigkeit im Auslande besonders lieb gewonnen.
Günther Winkel:
Es war nicht ganz einfach, meinen Lieblings- wunfch, zur Bühne zu gehen, Wirklichkeit werden 3ii lassen. Ich wurde Buchhändler mit der festen Absicht, daß ich das hier Erlernte einmal künstlerisch verwerten wollte. Als ich 21 Jahre alt war — türmte ich. In Berlin rutschte ich in die Film- Branche hinein und war Aufnahmeleiter bei Trick- unb ReklameFilmen. Aber diese Arbeit befriedigte mich nicht. Da hatte ich das Glück, als Regiefchüler von Detlef Sierck an das Alte Theater-Leipzig zu kommen. Gleichzeitig arbeitet ich in der Drama-
Das rechst VerhMms zur liatur.
Von Hans Brandenburg.
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e nen Bergen, die jeden Tag seines früheren ^eoen o fern unb nah vor ihm gf^den hatten^und von denen er doch nicht einmal mpmußtfein ein
Der Bauer braucht also nicht nnt B V
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doch etwas anderes: Er ist em Menschen
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glücklich zu nennen, denen das aus Mädchen,
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der, erhaben über jene froyu^ ö beneidete die glaubte einheimsen zu 2'rinnerung sich das glückliche Schar, in deren mjt dem unbeschwärmerische Erlebnis fur lmm ^^ Landschaft wußt eingesogenen Bilde der yer^^.^^ verbinden würde. Em ande @rüncn Heinrich
Gottfried Keller, laßt stmen ber Um,
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Bor dem Krieg« lernte ich im bayerischen Alpen- vorlande einen jungen Bauern kennen Er stand vor der Tür seines Hases, der, "erschauender Anhohe, Berge und Täler beherrschte. „Echan ist es heroben!" sprach ich ihn an, um nur I" Nicht in städtischem Ueberschwang zu Diel ju schon diese trockene Fe tstellung brachte ihn zum Lachen- Er wisse wirklicki nicht, was da oiel Schönes sei - ja, Arbeit genug, Sach genug Tag^ werk genug und zwanzig Stuck Vieh. Der Zusau walltet, daß ich ihn im Felde wteberir« . (Er war der Tapsersten einer, und den Tod furzte er chwistern, aber-er »ar tranl t vt £ebe*
Leben nie dazu tarnen, fühlten wir alle doch ganz die Natur, und das um so mehr, als wir mit unserem Freudenzuge eine würdige Staffage der Landschaft bildeten, selbst handelnd darin auftraten und daher der empfindsamen Sehnsucht untätiger Naturbewunderer enthoben waren. Denn ich habe erst später erfahren und eingefehen, daß das müßige und einsame Genießen der gewaltigen Natur das Gemüt verweichlicht und verzehrt, ohne dasselbe zu sättigen, während ihre Kraft und Schönheit es stärkt und nährt, wenn wir selbst auch in unserem Erscheinen etwas sind und bedeuten, ihr gegenüber."
Allein dies, was Keller meint, sind und bedeuten wir nicht, indem wir durch die Natur dahinrasen oder wann wir in ihr gröhlen und schwitzen und trinken ober wenn wir über unserem Handeln in der Natur vergessen, die Augen für sie offen zu halten. Andererseits läßt sich die Natur erjagen, und wer in feiner nächsten Nähe keine Wunder entdeckt, der entdeckt auch in der fernsten Fremde keine. Wir kennen die buntzusammengewürfelten Reifegesellschaften, die in der Natur sogenannte Sehenswürdigkeiten suchen und sie nach einem vorbestimmten Plane „abfloppen", denen immer etwas „geboten" werden mußte, so daß sich ihnen nichts mehr von selber anbietet und entgegenkommt. Welcher Teilnehmer wenigstens noch der Ehrlichkeit fähig ift, muß am Ende gestehen, daß er zwar alles gesehen, aber im Grunde nichts gesehen hat. Denn wir können eine uns noch unbekannte Landschaft nicht in wenigen Stunden zusammenraffen wie eine Handvoll Geld, und jene hätten besser daran getan, ihre kurzen Urlaubstage etwa an ein und demselben See wandernd, rudernd, schwimmend und in der Sonne brütend zu verbringen. Ich lebte schon über fünfundzwanzig Jahre in München und seiner Umgebung, als mich der Auftrag einer Zeitung, Schilderungen der bayerischen Landschaft zu schreiben, in große Derleg-n- heit fetzte, denn ich traute mir nicht zu, dies zu können' Aber gerade weil ich die Natur nicht mit der Feder in der Hand erlebt, sondern den Schatz meiner Eindrücke Jahrzehnte keusch gehütet hatte, entstanden mir nun Bilder, die tausenden die Augen für die Heimat öffneten und für die mir ein berühmter Musiker mit den Worten dankte, diese Bilder gäben dem Gefühl wahrhaft einen Körper. Mit dem beliebten Ausruf der Dichter und Nichtdichter: „O Welt, wie bist du schön!" ist es freilich nicht getan. Ich mußte, tätig ausnehmend, hunderte von Pflanzen und Tieren jetzt erft näher kennen lernen, aber meine zehnjährige Tochter half mir dabei und so wurde dies Lernen eine Lust. Doch gern verrate ich, daß ich als weitbekannter Darsteller
der bayerischen Landschaft zwar auf vielen Berggipfeln, aber bis heute noch nie auf der Zugspitze gewesen bin. Vielleicht habe ich es noch vor mir, und man muß immer noch etwas vor sich haben, vielleicht soll es mir nicht beschieden sein, bann schadet es auch nichts. Gerade in der Natur kommt es tausendmal mehr daraus an, auf eigenen Wegen zu gehen und zu suchen, als die Allerweltsstraßen zu ziehen.
Das, was wir Naturgefühl nennen, ist eine späte Erscheinung. Die römischen .Kaiser ließen sich in ihren Sänften mit verbundenen Augen über die Alpenpässe tragen, um das „schreckliche Engadin" nicht sehen zu müssen, und noch Goethe spricht von den „formlosen Gebirgen". Die Landschaftsmalerei entstand in Europa erft lange nach Beginn der Neuzeit, und die charakteristische Naturschilderung der Dichter ist noch weit jünger: erft der junge Goethe hat in seinen „Briefen aus der Schweiz" das genaue Bildnis einer Landschaft gegeben, und die Dichter ließen jeden Bach nur einfach rauschen, bis etwa Liliencron einen jeden besonders sah, entweder z. B. „Ein Bächlein kullert kindlich über Kiesel" ober „Ein Wasser schwatzt sich selig burchs Gelänbe". Dabei ift bas Naturgefühl einem steten Wechsel unb Wanbel unterworfen Vor hunbert Jahren meißelte man in eine Steinbank bes Münchener Englischen Gartens bas Wort: „Hier, wo ihr nun wallet, ba war sonst Walb nur unb Sumpf." Freilich wissen auch wir noch eine schöne Park- lanbschaft zu schätzen, allein wir sinb bennoch geneigt, solche Stätten aufzusuchen unb vorzuziehen, wo wir jenes Sprüchlein umkehren können, glücklich, enblich einmal nicht mehr „wallen" zu brauchen, weil es hier gottlob noch Walb gibt unb Sumpf. Naturschutz ist notroenbig geworben, aber notroenbig ist es auch geworben, bie Einheit von Natur- unb Menschenwerk neu zu erobern, also nicht jebes technische Werk innerhalb ber Lanb- schaft wehleibig zu bejammern, sonbern bas Men- schengebilbe roieber in bie Natur mit einzubeziehen, baß es sie nicht nur zerstört, sonbern sich ihr mit- unb umgeftaltenb ein- unb unterorbnet. —
Man soll bie Natur nicht begaffen, aber man soll sie betrachten. Die rechte Naturbetrachtung ist An- bacht unb, wie jebe Anbacht, auch eine Tätigkeit, nämlich Ernährung unb Aufbau ber Seele. Gewiß muß man es begrüßen, baß viele Stäbter roieber Gärtner unb Siebter werben, aber nicht allen kann bas beschieben fein, unb auch biejenigen, benen es gelingt, gewinnen baburch keineswegs im Schoße ber Natur bie erste Unfchulb bes Bauern roieber unb sollen es auch nicht, sonbern müssen eine zweite Unschuld gewinnen. Ein so energisches, technisches unb politisches Volk wie bie Japaner hält doch an
seiner alten Naturfrömmigkeit fest unb stellt an eigenen Feiertagen blühenbe Kirschzroeige auf, um in ihrem Anschauen ftunbenlang zu versinken. Unb auch uns Deutschen ist Naturliebe ein religiöses Bebürfnis. Unsere norbischen Vorfahren sahen bas Walten ber Elemente als Gottheiten unb versammelten sich zu Beratung, Gericht unb frohem Fest unter Bäumen, benn ben Baum hielten sie heilig. Die frommen Denker unseres Mittelalters suchten Gott in ben Dingen unb meinten mit ben Dingen nicht tote Sachen, sonbern bas Ursprüngliche unb Urbilbliche, bas Leben, bas Wesen. Wir sprechen von ber Natur als ber Schöpfung, weil wir in ihr ben Schöpfer fühlen, anschauen, berounbern, verehren, ja, wir nennen sie gerabe bie Gvttesroelt.
Alles, was unsere Volkslieber, was unsere Dichter unb Maler von ber Natur verkünbigen, ist uns geblieben, wenn es ber Kraft unseres Herzens gelingt, bie verloren gegangene Einheit mit ber großen Mutter auf bem beglückenben Umweg bes bewußten Gefühls, ber frommen Hingabe unb Anschauung roieberzufinben. Eine tätige Frau unb Mutter schreibt mir zu meinem Thema: „Die Naturbetrachtung barf keine Betrachtung bleiben, sonbern muß ein in ihr Cingeschlossensein werben, ein Mitatmen, Mitwachsen, Mitreifen, ein Mit- überguetten unb -überlaufen mit ihr, ein Zerzaustwerben, ein Glühen unb roieber in sich Verschließen, wie es bas Jahr burch alle Tierkreiszeichen burch» macht unb wie man es selbst im Leben so oft burch» machen muß, bis man Eins mit ber Schöpfung ist." Unb Goethe, als er in einer Reformationskantate ben beutschen Glauben auszubrücken versuchte, schrieb in seinem Entwurf bie Verse:
«LVenn wir in bas Freie schreiten, auf ben Höhen, ba ist Gott!"
Kanadas höchster Berg ist bezwungen.
Zum erften Male ist soeben Kanabas „Mount Everest", ber Mount Wabington in ben Eascabe-Mountains, ber bisher als unbefteigbar galt, von ben beiben amerikanischen Alpinisten Fritz Meißner aus Neuyork unb William House aus Pittsburg bezwungen worben. Der Gipfel, ber eine Höhe von 13 260 Fuß (ber Fuß gleich 0,305 Meter) erreicht, hat in ben letzten Menschenaltern schon sechzehn gutvorbereiteten Versuchen, ihn zu besteigen, getrotzt. Gleichzeitig teilt bie „National Geographie Socrety" mit, baß es einer besonderen Expedition zunx ersten Male gelungen ist, Pboto- unb Filmaufnahmen von Norbcnnerikas höchstem Gipfel, bem Mount Mac Kinley in Alaska, vom Flugzeug aus zu machen.
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