Nr. 152 Dritter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 2.Zuli 1956
Aus der Provinzialhauptstadi
Sieg
Dein Pattjes.
S., 9. Juni 1936.
leicht falsch oder gar
wickeln lassen, den ich Dir einliegend zu senden ge-
bißchen damit!
Dein Pattjes.
ck t u n g
gesehen, wenn so ein ; seine Hütte kriecht,
Erdbewegungen auf dem Trieb.
preis- gehen dann, Men- ande-
Du, ich habe verstockt, das 'n Kerl, und Bauer. Und ich muß Dir
ich ein
ihn doch kleingekriegt. Ja, meint er war nicht so gemeint heute, bist doch reichte mir die Hand. So ist mein das hat mich mächtig gefreut, denn sagen, daß ich am Anfang enttäuscht
Gut. Ich habe eine ich schreibe wieviel, möchte ich nicht. Du nicht den Film ent-
nicht gern darüber, man wird nicht verstanden.
Wie es mir sonst geht? Menge zugenommen. Wenn lachst Du Dich tot. Aber das könntest dann auch schließlich
Landjahrlager
Lieber Piet, hast Du eigentlich schon mal । Aas von Köter knurrend in
werden besonders die Fohlen der Hengste „Vordermann", „Emigrant" und „Adler" hervortreten.
Auch die diesjährige Zuchtfohlenversteigerung in Limburg, welche von den nassauischen Pferdezüchtervereinigungen beschickt wird, hat mit 20 Fohlen eine recht gute Anmeldezahl erreicht. Die Versteigerung findet, wie die Landesbauernschaft Hessen-Nassau bekannt gibt, am Freitag, 3. Juli 1936, um 10 Uhr statt. Die Fohlen stammen durchweg von erstklassigen Dillenburger Hengsten ab.
wir ständen da wie ein Kriegerverein von Anno Toback. Er hat gelacht dabei, und wir haben feste mitgelacht. Hinterher sagte er noch, daß sich das alles schon legen würde, nur Ruhe dabei.
Na, und es hat sich dann auch alles gelegt.
Die Tage vergehen gleichmäßig, nicht etwa eintönig oder langweilig. Du würdest unser Leben vielleicht ein bißchen armselig finden mit der pünktlichen Gleichmäßigkeit. Aber da gibt es täglich Neues: Dorfabende; wir singen dann, und alles kommt heran, jung und alt. Ein andermal ist Volksfest, gewaltiges, großes Volksfest, mit Tamtam und einer Dorfmusike, bei deren Zuhören die Bremer Stadtmusikanten vor Neid erblaßt wären. Gewöhnlich gibt es Kuchen in rauhen Mengen, Apfelwein und manchmal kleine nette Keilereien, harmlos aber. Dann die abwechselungsreiche Arbeit im Stall, beim Kühehüten, Jäten und Graben. Der Bauer, bei dem ich bin, ist auch ein feiner Kerl, das muß ich zugeben. Er schimpft nie, wenn man etwas falsch macht, flucht auch nicht. O, wenn der Dir eine Mistgabel in die Hand drückt und zeigt, daß sie so angefaßt würde und hinterher fasse ich sie doch anders an — o, dann kann der so rührend erzählen, daß Du Selbstmord begehen könntest über Deine eigene Hilflosigkeit. Er erzählt Dir das so vertraut, daß man sich vorkommt, wie gerade auf einem Sandberg geboren, mit Schippchen und Eimerchen, und die ersten Gehversuche macht.
Gestern bin ich auch mit ihm auf den Acker gefahren, um ein wenig zu pflügen. Ich versuchte ein paar „sachverständige" Fragen. Aber er schweigt und übersieht mich absichtlich. Ein spöttisches Flackern liegt nur in seinen Augen. Oho, denke ich. Warte mal, mein Lieber, ich werde dir schon zeigen. Und hinterher schuftete ich wie ein Wilder, daß mir der Schweiß am Rücken herunterlief. Ha, äugle nur so mißtrauisch, denke ich.
Am Abend knallt er mit der Peitsche und scharrt etwas verlegen mit dem Fuß auf der Erde. Siehst
Landjahrlager S., 2. Juni 1936.
Lieber Piet,
siehst Du, beinahe wäre ich sogar Deinem Wunsch entsprechend hier gelandet, nämlich mit Hals- und Beinbruch. Nicht direkt, aber es hat nicht viel gefehlt. Da ist nämlich noch einer und ich aus der Bimmelbahn gefallen, weil die durchaus weiterfahren mußte, obwohl noch längst nicht alles ausgestiegen war. Du, das hättestDu sehen müssen, wie aus dem Fenster (darüber steht: Hinauslehnen, Abpflücken von Obst und Auf- und Abspringen während der Fahrt ist verboten!) so fünf, sechs Affen flogen, und vom Perron drei Leute hinterher.
Das war also unser Einzug in das nette dunkle Rhöndorf!
Ich muß sagen, daß die Stimmung anfänglich nicht gerade rosig war — später jedoch sind uns die Unmengen Kuchen, der Kakao in rauhen Mengen und die quietschende und zirpende Dorfmusike sehr gut bekommen. Ja — und dann kam die Nacht auf dem prallgestopften Strohsack. Und am anderen Morgen wurden wir durch so ganz seltsame Klagetöne geweckt. Es war so ein Klappern, so ein komisches Klappern, mit dem die Dorfjugend jetzt mitten im Sommer den Winter austrieb. Das war um fünf Uhr, und um neun liefen sie immer noch im Dorf umher. Sie haben Übrigens geklappert, bis es dunkel geworden war.
Wie das sonst so hier ist? Ganz prima, kann ich Dir sagen. So ein richtiges Bauernhaus, mit Scheune, Stall und viel Gärten mit Blumen und Obstbäumen. Es blüht hier alles und im Stall grunzt unsre „Wutzie", wie die Leute hier für Schwein lagen. Alles in allem ist sie unser einziges tierisches Lebewesen, aber sie macht bald Junge, sagt der Bauer, dem sie gehört hat. Und bis die Küken rausgekrabbelt wären, dauert's auch nicht mehr lange.
Och ja — und dann ist da noch soviel! Da ist die Milseburg und die Wasserkuppe, auf die wir übermorgen steigen werden. Es ist bombig, Du, und überhaupt die Rhön! Du weißt gar nicht, wie herrlich sie ist — und wie gern ich sie habe, die Rhön. Wir bekommen schon eine ganz braune Haut von all der Sonne und dem frischen Wind. Wir sind sehr zufrieden mit Allem, trotzdem manchem manchmal so'n bißchen Heimweh nach den großen Schornsteinen und den endlosen Steinquadern der Großstadt überkommt. Aber das legt sich auch noch, verlaß Dich darauf. Und nun Heil und
weil ihm — müde nach einer Rauferei, noch irgendetwas Blödsinniges über den holprigen Weg gekrochen kommt?
Hast Du das?
Ja, siehst Du, und gerade so bin ich gestern abend in meine „Blaukarierte" gekrochen, durchknetet vom Dienst und rechtschaffen müde von der Arbeit. Es hat keine Minute gedauert, bis ich süß, selig und sanft entschlafen bin. Vielleicht kriegen wir Regen, habe ich noch gedacht, es hat so danach ausgesehen, ach "Gott, hoffentlich kriegen wir Regen. Auch für den Bauern, bei dem ich arbeite, wäre es weiter nicht besonders schlimm. Nach dem ewigen Zackern der letzten Tage ist er auch froh, wenn er ruhigen Gewissens auspennen und ein bißchen faulenzen könnte.
Du, und dann der Dienst draußen! Ein wenig ungewohnt, aber nötig. Wie ein dunkelgrauer Gerümpelhaufen haben wir ausgesehen beim ersten Antreten vor dem Flaggenmast Auch Heini, der Lagerführer — ein feiner Kerl übrigens — meinte,
Gegenwärtig werden, wie wir gestern bereits berichteten, auf dem Trieb unter starkem Einsatz von Arbeitskraft und Hilfsmaterial Erdbewegungen vorgenommen. Der vordere Trieb wird um einen Meter abgehoben und das gewonnene Erdreich für den Unterbau der Schla- geter-Straße verwandt.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
welche Zufälle in einzelnen Haushaltungen ganze Warenlager aufgefunden wurden, die sich diese hamsternden Volksgenossen für die „schlechten Zeiten" hingelegt hatten. Diese Menschen sind zu bedauern. Ihre unglückliche Charakterveranlagung läßt sie nicht Freude am Heute empfinden. Vor lauter Sorge um die Zukunft wird ihr Blick getrübt. Wie glücklich sind dagegen die Menschen, die, ohne die Sorge um die Zukunft ganz zu vergessen, auch Freude am Heute empfinden. Es gibt zum Beispiel viele Hausfrauen, die, wenn mal dieser oder jener Artikel nicht auf dem Markt ist, eben etwas anderes einkaufen und darüber nicht gleich
machen.
Ein praktisches Beispiel: denken wir nur einmal an die jetzige Erntezeit für Weichobst und Steinobst. Hausfrauen, die eine gesunde häusliche Dorratswirtschaft betreiben, nutzen das jetzige große Angebot aus, um das Obst einzukochen und aufzubewahren, damit sie auch in den Wintermonaten, wenn es keine Frischware gibt, ihren Küchenzettel damit bereichern können. Eine solche gesunde Vorratswirtschaft liegt im wohlverstandenen Interesse des einzelnen und der Gesamtheit. Wenn alle Hausfrauen danach handeln, braucht jetzt nichts umzukommen, während das Eingemachte im Winter viel Freude bereitet. Eine gesunde Vorratswirtschaft aus dem Segen der erntereichen Monate hat nichts
der erstklassiges Fohlenmaterial von den besten oberhessischen Stammbuchstuten zusammenbringen. Der Versteigerung geht eine Prämiierung voraus. Wiederum finden sich in diesem Jahre unter den Anmeldungen die im letzten Jahre besonders teuer bezahlten Fohlen des bekannten Fuchshengstes „Albion". Außerdem sind Nachkommen der ebenfalls bewährten Hengste „Emir", „Ambos", „Cali- gula", „Tourist", „Fels" und „Christof" zur Anmeldung gekommen. Unter den Warmblutfohlen
Go oder So?
ZdR. Man kann das Problem, für die Zukunft zu sorgen, auf verschiedene Weise lösen. Ja nach seiner Veranlagung wird der eine sorglos in den Tag hineinleben, sich keine Gedanken machen über das Morgen, der andere vor lauter Angst um die Zukunft nicht zur Ruhe kommen. Wie überall ist der goldene Mittelweg auch hier der beste, und glücklich sind die Menschen, die neben einer vernünftigen Vorsorge für die Zukunst auch nicht das Heute vergessen. Auf dem Gebiete der Ernährung haben wir im Laufe der Jahre die verschiedensten Arten von „Vorsorge" kennengelernt. Wir erinnern uns alle noch der Kriegszeit, in der der Begriff des Hamsterns geprägt wurde. Damals und bis in die heutige Zeit gab es Menschen, die vor lauter Sorgen um ihren Bauch alles Erreichbare „für schlechte Zeiten, wo es nichts gibt", aufbewahrten.
Nicht allein alle möglichen Lebensmittel, sondern Kleider, Schuhe, Wäsche usw. wurden gehamstert. Und warum? Weil diese überängstlichen Gemüter nicht mit offenen Augen durch die Welt gingen, sondern einzig und allein ihr Ohr jenen Einflüsterungen und Unkereien liehen, die ständig von Verschlechterungen und Verknappungen flüsterten.
So konnte es vorkommen, daß durch irgend-
pattjes schreibt aus dem Landjahr
Ein Hitterjunge erzählt von seiner Arbeit beim Rhönbauern.
Leistungsschau beffen-naffauischer Pferdezucht.
NSG. Der oberhessische Zuchtfohlenmarkt in Reichelsheim i. d. W. hat im Laufe der Jahre immer mehr wachsende Bedeutung erfahren. Lagen im letzten Jahre bereits 70 Anmeldungen vor, so wird die Veranstaltung in diesem Jahre mit rund
wert erhalten. Ja, diese klugen Hausfrauen sogar noch einen Schritt weiter und kaufen wenn einzelne Artikel in besonders großen gen vorhanden sind, auf Vorrat, um sich in ren Monaten unabhängiger von der Marktlage zu
Diese klugen Hausfrauen handeln nicht allein nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern nehmen auch Rücksicht auf ihren Geldbeutel. Sie werden stets nur die Ware einkaufen, die gerade am Markt ist und die sie infolgedessen besonders
war. Ich habe von „Schollenduft" geträumt und „Sonnenglanz über den Aehrenfeldern". Das wurde mir dann gründlich ausgetrieben, als ich anpacken mußte. Man lernt die Erde anders kennen, als sie in vielen schönen Büchern beschrieben ist. Ich kann Dir ein Liedchen fingen von Dreck, Kälte, Schlamm und Schweiß, von Rückenschmerzen und zerrissenen Händen.
Aber das Komische ist: man beginnt, die Erde zu lieben, ja, man liebt sie dann doch, trotz der Qualen, die man um sie erleiden muß. Ich rede
denke. Und das wäre doch schade. Momentan habe auch kein Geld für einen Kranz — also wart'
ist beliebt bei öen Hausfrauen.
Er erinnert sie an alles, was nötig ist, 3. 8. an Or. «vekker-Puddingpuloee für die Großreinemachetage. Wie schnell ist so ein Pudding gemacht! Und wie schmeckt dann alles - auch wenn es gewärmtes Esten gibt.
ausfehneiöen! Preisaufgabel
90 Fohlen beschickt. Die Zuchtfohlenverstei- etwas anderes einkaufen uni gerung am Dienstag, dem 7. Juli 1936, wird wie-! in Hamsterpfychose verfallen.
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Fenenerlebnis mit Lora, Minka und den Fischen.
Von Mare Stahl
Die Papageiin Lora war nach der Versicherung ihrer Besitzerin ein Turteltäubchen. Sie in Pflege zu haben, bedeutete ein unschätzbares Vergnügen, das sich nur ein Tor entgehen lassen würde, denn sie war, wenn man es wünschte, stummer als ein Fisch; wenn man sie darum bat, melodienreich wie eine Nachtigall und gab, wenn niemand es erwartete, die weisesten Ratschläge.
Darum nahm ich Lora in Ferienvertretung. Sie wurde in einem Bauer angeliefert, das auf einem Taxi stand. Ich wurde darauf aufmerksam, weil sich eine Menschenansammlung vor dem Hause staute, die auf das Taxi starrte. Lora fluchte. Sie war anscheinend auf dem Punkt angelangt, wo sie weise Ratschläge zu geben pflegte, denn sie sagte: „Das kommt davon!"
Der Chauffeur trug Lora die Treppen hinauf und auf jedem Absatz sagte Lora: „Das kommt davon!" Als wir sie in dem Zimmer niederstellten, in dem sie fortan wohnen sollte, sagte sie noch einmal nachdrücklich: „Das kommt davon!" plusterte sich verdrießlich auf und schwieg.
Lora war in der Mauser, sie sah nicht besonders dekorativ aus, ich wußte nur aus Beschreibungen, daß sie einstmals ein grüner Kakadu gewesen war. Jetzt war sie stoppelig wie ein alter Seefahrer, der sich vier Wochen nicht rasiert hat. Sie sang weder wie eine Nachtigall, noch gab sie weiter weise Worte von sich. Sie pfiff einfach. Sie pfiff durchdringend wie ein Pfeifkessel, am liebsten, wenn jemand telephonierte, Schreibmaschine schrieb oder wenn sich zwei Leute unterhielten.
Zu gleicher Zeit mit Lora nahm ich Fische und eine Zimmerlinde in Pension. Ich wollte durchaus nicht, aber man versicherte mir, daß von diesen kein Lärm zu befürchten sei, weder die Fische noch die Zimmerlinde machten Skandal. Die einen fraßen Wasserflöhe, die andere nur Wasser ohne Flohe.
Wasserflöhe bekommt man in jeder Zoologischen Handlung für ein paar Pfennige. gwt M schen, die davon leben, daß sie nur Wasserflohe für hungrige Aquariumsfische fangen, em sehr beschaulicher und netter Beruf. Ich brauchte nicht an den Rand der heimischen Gewässer auf tue Wasserflohjagd zu gehen, ich nahm nur ein abgetakeltes Honig- glas und bekam eine Masse rostfarbener, kribbeln- oer Etwasse hineingetan samt dem notwendigen
Wasser, denn diese Sorte Fische huldigte dem Kannibalismus und genehmigte nur lebende Ware.
Lora sah mir zu, wie ich mit einem Mullnetz bewaffnet die Flöhe fing, legte den Kopf auf die Seite, kratzte sich hinter dem Ohr und sagte: „Das kommt davon!" Dann kletterte sie triumphierend auf eine Stange, plusterte sich auf und pfiff.
Ich hielt mir die Ohren zu und schimpfte, worauf mich Lora mit Erfolg überschrie. Ich nahm sie mit dem Käfig, stellte sie auf den Balkon und schloß die Tür. Sie raste vor Wut und markierte so täuschend die Feuerwehr, daß alle Einwohner an die Fenster stürzten und mir mit Lynchjustiz drohten. Dann nahm ich Lora wieder herein. Sie war eine gute Pädagogin, sie schwieg, als sie wieder im Zimmer war, sie erzog mich ausgezeichnet.
Die Fische im Aquarium vermehrten sich fabelhaft. Ich beherbergte die neue Fischgeneration in Kompottschüsseln und fütterte sie mit Wasserflöhen, die Nachwuchs von den alten Wasserflöhen waren. Zu diesem Zweck mußte ich einige neue Züchtungsbehälter aus Suppenschüsseln anlegen, in denen drei Generationen von Wasserflöhen nach der Größe geordnet hausten.
Als Lora mich einigermaßen erzogen hatte, kam
Ich glaube nicht, baß ich böse Absichten gehabt habe als ich die Katze Minka für den Sommer in Pflege nahm. Erstens schon, weil ich schlimmen Gerüchten über Katzen nicht glaubte und zweitens, weil ich eine Tierfreundin bin. Darum leugne ich heftig, daß ich die Hoffnung hegte, Minka würde zwischen Lora und den Fischen aufraumen.
Sie tat es auch nicht, denn sie war eine wohlerzogene Katze. Sie saß stundenlang vor dem Aquarium und starrte ins Wasser. Vorsichtshalber hatte ich es mit einem Drahtgeflecht zugedeckt Sie wollte nicht angeln, sie sah nur ins Wasser ihrer Nerven wegen, die in etwas angegriffenem Zustand waren, denn die Abreise ihrer Familie hatte sie heftig erregt. Manche Aerzte sagen, daß es gut fei für aufgeregte Nerven, ins Wasser zu starren, und darum starrte Minka in das Wasser Sie verfolgte auf- rnerksam die Fortentwicklung der Wasserflohe, die schon als sechste Generation in der sechsten Suppen- chüssel hausten, und klopfte nur manchmal zart wie ragend mit der weihen ^fote an bie Glaswand bes Aquariums, als wollte sie die Fische auf etwas aufmerksam machen. Alle Fische saßen dann in einer Ecke wie Kinder, wenn der schwarze Mann vor der Tür steht, und graulten sich, Dann machten wir Minka freundliche Vorstellungen, daß sie selbst als Nervenkranke Rücksicht auf die Nerven der
Aquariumsbewohner nehmen müsse, und sie folgte, wenn auch zögernd, unsere Ermahnungen.
Lora hatte von Anfang an einen Pik auf Minka gehabt, sie kletterte tückisch von ihrem Käsig herunter, auf dem sie saß, und kniff Minka vorsätzlich in den Schwanz.
Minka kreischte und Lora pfiff, die Leute unter uns drohten auszuziehen.
Eines schönen Tages wurde Minka sehr krank. Wir riefen einen Arzt, und als er kam, hatte Minka sieben reizende Junge bekommen, in weiß, schwarz, grau, rot, weiß-schwarz, grau-weiß und gefleckt. Es war eine ganz seltene Musterkollektion.
Wir überlegten, ob wir vielleicht für unseren Tierpark ein Extrazimmer mieten sollten. Wir beobachteten Lora jeden Tag mißtrauisch, ob sie vielleicht auf den Gedanken käme, Eier zu legen und Junge auszubrüten.
Aber Lora war gegen eine solche Vermehrung. Sie schüttelte mit dem Kopf wie eine alte Jungfer und wunderte sich über den vielen Nachwuchs. Es war ein ausgesprochenes Glück, daß die verschiedenen Besitzer unseres Zoo allmählich zurückkamen.
Zuerst wurde Minka samt Nachkommenschaft abgeliefert, dann die Fische mit der Serie von Kompottschüsseln, die inzwischen auf zehn angewachsen waren. Die Zimmerlinde verschwand stumm und unauffällig.
Zuletzt wurde Lora abgeholt. Sobald sie unten im Taxi war, fing sie wieder an zu fluchen. Sie schimpfte zu uns herauf, wie wir ihr nachwinkten. „So ein Dromedar!" sagte sie. Ihre Besitzer erröteten und warfen schamhaft ein Tuch über den Bauer.
Lora sagte erstickt: „Das kommt davon!", dann fuhr sie ab.
Wieder ein Geheimnis des Meeres.
In London wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit einem neuen Geheimnis des Meeres zu, das augenscheinlich noch dunkler als das der viel beredeten „Girl Pat" ist. Man erinnert sich, daß, ehe dieses Schiff wirklich wiedergefunden wurde, die Mannschaft eines anderen kleinen Schiffes, des „Dove", ein halb zerstörtes Schiff auf einem Riff der Insel Samana, die zu den Bahama-Jnseln gehört, entdeckte. Im Sande, neben den Schiffsresten, wurden drei Leichen von Weißen, einige nautische Instrumente und eine Bibel gesunden. Man glaubte einige Tage lang, daß die hier ums Leben Gekommenen die Seeleute von der „Girl Pat" wären, eine Annahme, die bann burch bie Wieberauffin-
bung bes wirklichen Schiffes dieses Namens widerlegt wurde. Indessen wurde doch ein Kommissar zu dem Fundort des anderen Schiffes geschickt, damit er Näheres über den Namen und die Umstände des Untergangs ermittelte. Der Kommissar ist nun zurückgekehrt, ohne Spuren des Schiffes gefunden zu haben, außer einigen Holzstücken und Rettungsgürteln. Er hat jedoch Spuren der Schiffbrüchigen aufgefunden, von denen eine eine Frau gewesen sein muß, da man einige Frauenkleider entdeckte. In einem Paar Beinkleidern fand der Kommissar ein zerbrochenes Halsband und ein Kruzifix. Keins dieser Gegenstände enthielt den geringsten Hinweis, der zur Feststellung des Schiffes ober ber Schiffbrüchigen dienen konnte. Von den umliegenden Inseln ist auch, soviel man weiß, fein Schiff als vermißt gemeldet worden, und es sind auch keine weißen Einwohner verschwunden. Man hat in diesen Gewässern auch niemals ein englisches Schiff beobachtet, das ber Beschreibung entsprach, das die Mannschaft des „Dove" von dem zerstörten Schiff gegeben hat, und so steht man vor einem neuen Rätsel.
Merkwürdige Berufe.
Ein Artist arbeitet seit Jahren als „Affenmensch". Seine freie Zeit bringt er mit Vorliebe in den Zoos vor Affenkäfigen zu, um den Tieren ihre Bewegungen abzulauschen, die er dann abends im Zirkus naturgetreu nachahmt. Der Chinese Tai Luang hat für ganz USA. das Monopol, marinierte Haifischflossen zu verkaufen. Antonio Castelloni ist Löwen- frffeur, der in USA. von Zoo zu Zoo reift und den Tierkönigen die Haare schneidet, was nicht ungefährlich ist. Frau Florence Harding verdient monatlich 400 Dollar dafür, daß sie bei Erstaufführungen tragischer Filme in ihrer Loge herzzerreißend weint. Ein Koch Garrieck Lenglein ist Speisenkoster bei Rockefeller. In Texas lebt ein Arzt, der viel Geld mit künstlichen Muttermalen und Leberflecken verdient.
Zeitschriften.
— Langenscheidt's English Monfhly Magazine trifft in seinem Juliheft „The Holiday Number“ die Ferienstimmung dieses Monats. Alle» ist auf Unterhaltung eingestellt; der Humor herrscht vor. Selbst an den heißesten Tagen wird man diese Nummer mit Genuß lesen und feststellen, daß matt durch gute Unterhaltung wieder ein gutes Stück Ifl feinem Englisch vorwärtsgekommen ist.


