Arbeitsfront und Universität arbeiten zusammen.
Die Arbeitsgemeinschaft, die zwischen Mitgliedern der Deutschen Arbeitsfront und dem Betriebswirtschaftlichen Seminar der Universität unter Leitung des Professors Dr. A u l e r bereits längere Zeit besteht, wirkt sich immer mehr zum Nutzen der Beteiligten aus. Nicht allein, daß die Studierenden der Universität in diesem Seminar Referate halten, um diese zusammen mit den Männern der Praxis aus der Deutschen Arbeitsfront zu besprechen, wird durch das Heranziehen von in der Deutschen Arbeitsfront Tätigen die engste Bindung zwischen Wissenschaft und Praxis angestrebt. Im letzten Seminar-Abend sprach der Kreisberufswalter der DAF., Pg. Wilhelm M e r t e s über die Auswirkung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit auf die Leistungsfähigkeit im Betriebe.
Der Redner betonte — wie uns berichtet wird — daß sich der Führergedanke, so wie er sich in der Politik durchgesetzt habe, auch in der Wirtschaft durchsetzen muß. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit, dessen Wichtigkeit durch die Unterschrift des Führers betont wurde, bildet hierzu die Grundlage. Selbstverständlich ist es, daß die Machtstellung, welche dieses Gesetz dem Betriebsführer gibt, nicht für diejenigen geschaffen ist, welche aus dieser Machtstellung heraus nur eigennützige Ziele verfolgen. Während früher der Betrieb lediglich als Mittel zum Geldverdienen angesehen wurde und hierdurch den Widerstand der Arbeitnehmer hervorrief, der sich ausdrückte in dem von den Gewerkschaften gepredigten Klassenkampf, ist heute der Betrieb zu einer Ganzheit geworden, die wirtschaftliche Güter für die Gemeinschaft zu erzeugen hat. Der Betriebsführer ist der Gemeinschaft für die Erfüllung der Betrieosziele verantwortlich, und so, wie der Betrieb nicht Selbstzweck ist, ist es auch nicht die Wirtschaft. Während der Betrieb für die Güter der Gemeinschaft zu sorgen hat, hat die Wirtschaft dafür zu sorgen, den Menschen Arbeit und Brot zu geben. Zur Erreichung der großen Betriebsausgaben ist es notwendig, daß das Verhältnis zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft geordnet wird. Kameradschaftliches Gebundensein muß im Zusammenklang mit technischer und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit die Betriebsgemeinschaft als eng- verbundene Schicksals- und Leistungsgemeinschaft zu dem ersehrnten Erfolg führen. Erst dann, wenn sich der Glaube und das Vertrauen zur Führung in den einzelnen Zellen der Wirtschaft, dem Betriebe, genau so Eingang verschafft hat, wie in der Politik, muß jede Betriebsgemeinschaft, getragen
vom Sinne sozialer Ordnung, zu einer nach höchsten Zielen strebenden Gemeinschaft werden.
Der Redner streifte dann die Einrichtungen der Deutschen Arbeitsfront, insbesondere die NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude", die den Menschen die Möglichkeit gibt, ihren Urlaub außerhalb des Alltags zu verbringen, um neue Kraft für den Lebenskampf zu schöpfen. Die Forderung nach Ur* laub muß einstens von dem Betriebsführer laut werden, da dieser die Notwendigkeit des Ausspannens der Menschen erkennen muß.
Dann sprach Pg. Mertes eingehend über die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Deutschen Arbeitsfront. Gerade die Erziehung der Menschen im Beruf zur Höchstleistung ist eine Notwendigkeit für alle Berufsstände. Die Aufgabe der Berufsauslese ist es, die blutsmäßige Anlage des Menschen bei Eintritt in das Berufsleben zu erkennen. Die Berufswahl soll daher in Zukunft keine private Angelegenheit mehr sein. Der Leiter der DAF. sagte einmal: „Nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz, sondern jedem Menschen seinen Arbeitsplatz." Durch richtigen Arbeitseinsatz und vollkommene Berufserziehung wird eines Tages das Problem der ungelernten Arbeiter gelöst werden. Pg. Mertes sprach dann über den Reichsberufswettkampf, der in Zukunft nicht bei der Jugend stehen bleiben wird, sondern auch auf alle Menschen, die im Beruf stehen, ausgedehnt werden soll. Meister soll sich in Zukunft nur der nennen können, der auch immer wieder seine Leistung und sein Können unter Beweis zu stellen bereit ist. Dr. Ley schuf am 1. Mai 1936 das Leistungsabzeichen der DAF., welches an die Berufserziehungsstätten der Wirtschaft (Industrie, Handwerk, Handel) und der Oeffentlichen Betriebe (Reichsbahn, Reichspost usw.) und zwar an Lehrwerkstätten, Anlernwerkstätten, Werkschulen und Dauereinrichtungen für die berufliche Schulung Erwachsener, verliehen werden soll, die im Sinne nationalsozialistischer Berufserziehung vorbildlich sind und ihre Leistungen dauernd unter Beweis stellen.
Zum Schluß betonte der Redner, daß berufliche Ertüchtigung Pficht an der Gemeinschaft zum Wohle der Gesamtheit sei,
Professor Dr. Auler dankte für die Ausführungen des Pg. Mertes und erläuterte die Auswirkungen der Leistungssteigerung im Betriebe auf die Produktion und deren Absatz.
Jahk mlf Sonnenschein und Wärmö begonnen, da müssen schon die Gräser und die Blumen sterben. Wir wissen wohl, daß wieder neues Grün und neue Blumen auf den leeren Wiesen erstehen, aber die erste Pracht der Sommerwiesen wird nicht wieder erreicht. Die schönen Tage schwinden bald. Wohl steigt die Sonne noch, aber nicht mehr lange. Dann ist die Höhe des Jahres da. Es geht wieder abwärts.
Unbekümmert und sorglos aber freut sich unsere ländliche Jugend in der Zeit der Heuernte. Das ist leichte und doch so schöne Arbeit für sie. Die Kinder hellen beim Wenden, beim Kegelsetzen, beim Heimfayren. Auf dem hochbeladenen Wagen zu sitzen und hinaus in die Welt zu schauen, ist das nicht herrlich?
Woyl die schönsten Jugenderinnerungen knüpfen sich an die Zeit der Heuernte.
Und versunken in die Farbenpracht meines Wiesenblumenstraußes sitze ich hier an meinem Schreibtisch und lasse mich von ihm in die Vergangenheit zurücktragen. M. C.
Dornotizen.
Tr geskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Abenteurer von Paris". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anna Karenina".
Truppen-Einzug in Gießen.
Ein MG.-Bataillon (motorisiert), das am 10. Juni, 12 Uhr, in Gießen eintrifft, wird vorübergehend den Standort Gießen beziehen.
In der Frankfurter Straße wird eine Vorbeifahrt vor dem Standortälteften stattfinden.
Das Bataillon fährt dann über Hindenburgwall, Ludwigsplatz, Sicher Straße zur neuen Kaserne am Kugelberg, wo eine Begrüßung des MG.- Bataillons durch den Standortältesten, General O ß w a l d, stattfinden wird.
25 Lahre Leiter des Chemischen Unter* suchungsamtes.
Am 1. Juni waren es 25 Jahre, daß Direktor Karl Wrede als Leiter des Chemischen Untersuchungsamtes für die Provinz Oberhessen tätig ist. Aus diesem Anlaß hatten sich am Pfingstsamstag alle Mitarbeiter in den mit Blumen geschmückten Räumen des Untersuchungsamtes zu einer schlichten und herzlich-ehrenden Feierstunde zusammengefunden.
Zunächst überbrachten Kreisdirektor Dr. Lotz und Prooinzialrat Vogt mit einem wertvollen Geschenk und einer Urkunde dem Jubilar die besten Glückwünsche der Provinzial-Direktion. In einer kernigen und in warmen Worten gehaltenen Ansprache hob Kreisdirektor Dr. Lotz die großen Verdienste des Direktors Wrede besonders hervor, die er sich nicht nur um den Ausbau des Amtes, sondern auch durch seine Tätigkeit als Leiter dieses gemeinnützigen Institutes erworben hat und daß so sein Name und der des Amtes über die Grenzen der Provinz hinaus bekannt geworden sei.
Hierauf schilderte der Vertreter des Jubilars Dr. K l i n g id -kurzen Zügen den Werdeaang und den Ausbau des heute so angesehenen Institutes. Nach der Gründung im Jahre 1891 war es zunächst mit dem hygienischen Institut vereinigt, und wurde es später wieder abgetrennt. Als Direktor Wrede am 1. Juni 1911 das Amt übernahm, war es noch in den kleinen Räumen des Oktroi-Häuschens am Walltor untergebracht. Nach der notwendig gewordenen Verlegung in das jetzige Gebäude war es erst möglich, neue Arbeitsgebiete erfolgreich anzufassen und den Aufgabenkreis zu erweitern. Dies hatte zur Folge, daß die Räumlichkeiten auch hier zu eng wurden, so daß — allerdings erst unter der Regierung Adolf Hitlers — der notwendige Erweiterungsbau errichtet werden konnte. Der Jubilar könne mit berechtigtem Stolz und voller Genugtuung auf seine 25jährige leitende Tätigkeit zurückblicken. Denn es sei ihm gelungen, aus kleinen Anfängen heraus ein angesehenes Institut zu schaffen, ausgerüstet mit dem modernen Rüstzeug der Wissenschaft und dazu berufen, gemeinnützigen Zwecken zu dienen, der Erhaltung von Volksvermögen und der Volksgesundheit. Möge — so sagte zum Schluß sein Mitarbeiter — es Ihnen noch viele Jahre lang bei bester Gesundheit vergönnt sein, in bewährter und vorbildlicher Weise unser Amt zu führen, damit es als Wohlfahrtseinrichtung ein Baustein sei und
MmtWütiisw
Roman von Marlise Kölling.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
29 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Das war ja merkwürdig, dieser späte Besuch. Schließlich hätte es ja auch noch bis morgen Zeit gehabt.
Als sie die Haustür öffnete, lag alles dunkel vor ihr. Fräulein Giesecke und Josua waren offenbar schon schlafen gegangen. Wie unangenehm, Steffens jetzt hier ganz allein zu empfangen. Aber sie konnte schließlich nichts dagegen tun.
„Bitte, wollen Sie hier eintreten." Sie schaltete das Licht an, es erfüllte den kleinen behaglichen Raum bis in jede Ecke mit hellem Schein.
Steffens trat ein.
„Darf ich Ihnen irgend etwas anbieten, irgendeine Erfrischung?"
„Vielen Dank, nein, ich möchte nur Torssons Auftrag übermitteln."
Sie setzten sich beide an dem Tisch nieder. Steffens zog ein beschriebenes Blatt hervor.
„Herr Torsion möchte auf seine Kosten eine Ausstellung in Paris veranstalten, wo die Bilder Ihres Onkels besonders geschätzt worden sind. Er garantiert Ihnen zehntausend Mark. Wenn Sie mit dem Angebot einverstanden sind, werden die Bilder morgen bereits abgeholt."
Benedikte schwindelte es geradezu. So viel Geld für diese Bilder, sie konnte es einfach nicht fassen.
„Selbstverständlich bin ich einverstanden."
„Dann wäre nur eine kleine Formalität nötig, Fräulein Zedlitz. Sie müßten bitte einen Brief an den Kunsthändler schreiben, den Herr Torsion Ihnen hier vermerkt hat. In dem Brief müßten Sie versichern, daß die Bilder durch Erbschaft Ihr Eigentum geworden sind, und daß Sie den Kunsthändler, Herrn Dupont, damit beauftragen, die Bilder zu verkaufen."
„Das tue ich natürlich gern", erwiderte Benedikte, „aber warum übernimmt Herr Torsion das nicht?"
,Ein kleiner Geschäftstrick, Fräulein Zedlitz. Sowie man weiß, daß Torsion hinter der Geschichte steckt, werden die anderen Pariser Kunsthändler
bleibe in dem großen Aufbauwerk unseres genialen Führers.
Sodann überreichten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein künstlerisches Reliefbildnis des Führers und ein hübsches Album mit den Photobildern und mit launigen Versen der jetzigen und früheren Mitarbeiter.
Tief ergriffen dankte hierauf Pg. Wrede in bewegten Worten für die erwiesenen Ehrungen und Glückwünsche mit Geschenken. Er verlieh seiner herzlichen Freude Ausdruck, so ihm aus berufenem Munde und von seinen Mitarbeitern bestätigt wurde, daß er den Platz, auf den er vor 25 Jahren gestellt wurde, voll und ganz ausgefüllt habe. In diesem Zusammenhang betonte er, daß ihm die Hilse der Mitarbeiter und das harmonisch-ideale Arbeitsoer- hältnis unentbehrlich gewesen sei. —
Unter den Gratulanten, die überaus zahlreich sich gemeldet hatten, waren Behörden und Fach- genossen aus zahlreichen Städten Deutschlands; auch der Verein deutscher Chemiker, dessen Bezirksgruppe Oberhessen Pg. Wrede führt, war mit einem herrlichen Blumenangebinde vertreten.
Gegen Schluß der Feierstunde erschien Oberstaatsanwalt K n a u ß und überbrachte Glückwünsche und würdigte die wertvollen Verdienste des Jubilars auf gerichtschemischem Gebiet, die er sich wiederholt und in reichlichem Maße in gedeihlicher Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft erworben habe.
Zustizinspektor Ritter-Gießen.
Zu dem Dienstjubiläum des Justizinspektors Wilhelm Ritter beim Landgericht Gießen, der — wie wir am Samstag bereits berichteten — am 1. Juni auf eine 41jährige Dienstzeit zurückblicken konnte und aus diesem Anlaß von dem Führer und
rebellisch. Torsion hat in der letzten Zeit ein außerordentliches Glück mit seinen Verkäufen in Frankreich gehabt. Betraut nun aber ein Privatmann einen Händler mit den Verkäufen, dann bleibt die Meute still. Das ist der Grund."
„Also ich bin einverstanden, Herr Steffens."
„Ja, dann wären noch die Studienmappen Ihres Onkels. Mit der Prüfung ist Herr Torsion noch nicht fertig geworden. Sie lassen ihm wohl noch etwas Zeit? Ich hoffe, daß dabei auch noch eine schöne Geldsumme herauskommen wird/
Benedikte lachte:
„Ich bin gar keine Geschäftsfrau, Herr Steffens, und ich muß Ihnen sagen, ich bin ganz erschlagen von dem Angebot Torssons. Ich hatte nie gedacht, daß für die Bilder so viel Geld erzielt werden könnte."
Steffens lachte gleichfalls:
„Gut, daß Sie mir das sagen und nicht Torsion, sonst hätte er gleich etwas heruntergehandelt. Nun, Fräulein Zedlitz, so darf ich mich wohl verabschieden und morgen Herrn Torsion in diesem Sinne berichten. Halt, da fällt mir noch etwas ein, eine private Anfrage. Kennen Sie die Familie Krüger? Besonders die Tochter, diese Rosine Krüger?^
„Flüchtig, Herr Steffens. Warum denn?"
„Ja, Fräulein Rosine hat sich bei uns oben auf der „Burg" als Kindermädchen anqeboten für die Lonneschen Kinder in Dänemark. Sie macht soweit einen ganz guten Eindruck, aber Gräfin L nne hat Bedenken, sie zu verpflichten. Da war doch damals die eigentümliche Geschichte zwischen der älteren Schwester, der Marie--"
„Davon weiß ich nichts, Herr Steffens."
„Ach so, natürlich. Sie sind ja nicht von hier. Gräfin Lonne hat es auch erst durch Zufall von einem der Angestellten erfahren, die Marie Krüger hat sich doch vor drei Jahren im Bodden ertränkt, man sagte, wegen dieser Geschichte mit dem Lehrer Petersen."
Benedikte fühlte, wie ihr das Blut in einem jähen Schlag zum Herzen strömte und ebenso unvermittelt wieder abebbte.
„Davon habe ich keine Ahnung", brachte sie mühsam heraus.
„Nun, das tut auch nichts. Schließlich kann ja die jüngere Schwester auch nicht für das, was die ältere getan hat. Nur, Sie begreifen, da es sich
Reichskanzler geehrt wurde, wird uns von dem Pressedezernenten beim Landgericht Gießen noch folgendes mitgeteilt: Der Jubilar ist feit dem 1. September 1927 bei dem Amtsgericht Gießen tätig, nachdem er zuvor über 24 Jahre lang am Amtsgericht Lich beschäftigt war. Als Urkundsbeamter bei den Grundbuchämtern Gießen-Stadt und Gießen-Land ist er weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt geworden und erfreut sich sowohl als Mensch, wie als Beamter allgemeiner Wertschätzung. Seit 1. April d. I. ist Herr Ritter Bezirksrevisor (Kostenrevisor) für den Landgerichtsbezirk Gießen.
Verleihung von HZ.-Ehrenzeichen.
NSG Es häufen sich in letzter Zeit die Anfragen wegen der HJ.-Ehrenzeichen. Da die Prüfung sämtlicher Anträge naturgemäß lange Zeit in Anspruch nimmt, kann die Auslieferung der Ehrenzeichen bei der großen Zahl der Anträge nicht sofort und auf einmal erfolgen. Alle Anfragen sind daher zwecklos und können in Zukunft nicht mehr beantwortet werden.
Gießener Dochenmarktprelse.
* Gießen, 2. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Enteneier 9, Wirsing, % kg 10 bis 15, gelbe Rüben, das Bündel 15, Spinat 10 bis 12, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grün 45 bis 60, Spargel 30 bis 50, Erbsen 30, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 14, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,90 Mark, neue, kg 15 bis 18 Ps., Acpfel 30 bis 70, Blumenkohl, das Stück 25 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 35 bis 45, Oberkohlrabi 15 bis 18, Rettich,
gerade um eine Stelle bei Kindern handelt, muß man vorsichtig fein. Gräfin Lonne ist in diesen Dingen besonders ängstlich"---
*
Benedikte wußte später nicht, wie sie diese letzten Minuten ertragen hatte. Alles war ihr wie in Nebel gehüllt. Sie sah das Gesicht ihres Besuchers nur von fern, hörte seine Worte nur ganz undeutlich und verschwommen. Lediglich das eine lebte klar und deutlich in ihr, was Steffens von dieser Marie Krüger gesagt, und daß Jens mit all dem irgendwie zu tun haben sollte. Sie wollte es nicht glauben, es konnte nicht sein.
Und doch, jetzt fielen ihr taufend Einzelheiten ein, und jede einzige war wie eine feine spitze Nadel, die sich in ihr Herz bohrte. Einmal war sie mit Jens Petersen zum Güllen hinunter gewandert, ganz weit in die Heide.
Da waren sie an dem letzten Gehöft der Insel, einem stattlichen Bauernhof, vorbeigekommen. Eine alte Frau und ein junges Mädchen hatten vor der Tür gesessen. Ihr war es ausgefallen, wie diese beiden Jens Petersen mit haßerfüllten Blicken anstarrten und wie Jens Petersen feinen Kopf abwandte und sehr blaß und stumm an ihnen oor- überging.
Benedikte war es sonst gewohnt, daß sich alle Menschen hier auf der Insel einen Gruß boten, wenn sie sich trafen. Dieses stumme Vorübergehen Jens Petersens hatte sie etwas stutzig gemacht. Als sie sein verschlossenes Gesicht sah, hatte sie jedoch nicht zu fragen geroagi. Dann war ihr einmal durch Josua von der Feindschaft zwischen Jens Petersen und £em Hause des Fischers Krüger berichtet worden. Doch auch da hatte sie sich nicht erkundigen mögen. Jetzt aber ließen ihr die leicht hingeworfenen Worte Steffens' keine Ruhe mehr.
War jemals zwischen Jens Petersen und Marie Krüger irgend etwas vorgekommen? Warum hatte er ihr nichts davon gesagt? In ihrem Leben war kein Man je gewesen. Aber hätte sie auch nur einen Teil ihres Herzens irgendeinem geschenkt, in der Verlobungsstunde würde sie es Jens Petersen anoertraut haben. Alles mußte ja klar und wahr und offen zwischen ihnen sein. So forderte sie es für sich, so hatte sie es auch von ihm erwartet. Aber vielleicht würde er ihr noch davon erzählen, vielleicht war es etwas ganz Schweres, Trauriges gewesen, und er wollte die erste Stunde nicht damit belüften'
das Stuck 10, das Bündel 15 bis 30, Sellerie, Stück 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
**DiePfing st feiertags nahmen zum Teil einen Verlauf, den man nur als außerordentlich programmwidrig bezeichnen kann. Es ist ein starkes Stück von dem Wettergott, wenn er uns zu Pfing- ften, an der Wende vom Mai zum Juni, eine Außentemperatur beschert, bei der man sich gezwungen sieht, selbst am Nachmittag und in Den Abendstunden den Ofen im Zimmer wieder m Gang zu bringen, um eine wenigstens einigermaßen erträgliche Temperatur zum Sitzen zu bekommen. Diese ungewöhnliche Erscheinung zeigte sich am Pfingstsonntagnachmittag und -aoend in zahlreichen Wohnungen. Kein Wunder, daß bei dieser Stilwidrigkeit der Ausflüglerverkehr am ersten Feiertag allenthalben recht dünn war. Unseren Ausflugsgastwirten ist dadurch am ersten Feiertag manche Hoffnung enttäuscht worden. Auch am Vormittag des gestrigen zweiten Feiertages zeigte das Wetter noch verhältnismäßig wenig pfingstliche Eigenschaft, erst die gestrigen Nachmittagsstunden brachten ein Pfingstwetter, mit dem man sich einverstanden erklären konnte und das denn auch in reger Weise zu Spaziergängen benutzt wurde. Alles in allem also: ein PsinAten von recht mäßiger Beschaffenheit! Trotzdem war der Reiseverkehr insbesondere auf der Bahn recht lebhaft, zum Teil herrschte sogar Hochbetrieb. Dagegen konnte man bei der Straßenbahn viele schwach besetzte Wagen fahren sehen, erst am gestrigen Nachmittag und Abend steigerte sich auch hier die Frequenz. Bedauerlich ist es auch, daß in den Nächten, insbesondere auch in der verflossenen Nacht, die Temperatur einen sehr empfindlichen Rückschlag brachte, so daß wohl an den Gartenkulturen mancherlei Schaden entstanden sein dürfte. Zusammenfassend kann man sagen, daß wir alle uns den Verlauf der Pfingstfeiertaae erheblich anders und schöner und vor allem wesentlich sommerlicher vorgestellt hatten. Hoffentlich macht der weitere Verlauf des Juni die bisherige Enttäuschung wieder gut.
** Autozusammenstoß. Am gestrigen Pfingstmontagnachmittag stießen an der Ecke Gartenstraße und Hitlerwall ein größerer Kraftomnibus und ein Personenauto zusammen. Durch die Wucht des Zusammenpralls wurde das Personenauto einige Meter weit bis fast an den Bürgersteig zur Seite geschleudert, wobei eine Insassin des Wagens durch die zersplitternde Fensterscheibe Schnittwunden erlitt. Nach erster Hilfeleistung durch die schnell herbeigeeilte Sanitätswache wurde die Frau zur weiteren Behandlung der Klinik zugeführt, von wo fie jedoch nach ärztlicher Behandlung wieder entlassen werden konnte. — Ein weiterer Verkehrsunfall ereignete sich ungefähr zur gleichen Zeit an der Ecke Bismarkstraße-Ludwigstraße. Zum Glück verlief auch hier alles glimpflich.
♦* Kleine Unfälle. Der 13 Jahre alte Otta Bauer von hier mußte mit erheblichen Weichteiloerletzungen am linken Oberschenkel der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. — Beim Brotschneiden verletzte sich der 17 Jahre alte Hans Walldorf mit dem Messer so erheblich an der linken Hand, daß seine Ueberführung in die Ehirur-' gische Klinik notwendig wurde. — Der 30 Jahre alte Adolf Göbel aus Erda mußte wegen einer schweren Kopfverletzung ebenfalls die Chirurgische Klinik in Gießen aufsuchen.
Rundfunkproqramm
Dienstag, 2. Juni.
6.00 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: von Stuttgart: Gymnastik. 8.30: von Bad Salzschlirf: Bäderkonzert. 9.30 von Freiburg: Allerlei Unterhaltungsmusik. 11.30: Bauernfpnk. 11.45: Sozialdienst. 12.00 von Leipzig: Mittagskonzert I. 13.15 von Leipzig: Mittagskonzert II. 14.10: Wunschkonzert. 15.00: Volk und Wirtschaft. Die Technik auf dem Lande. 15.15: Wer kennt die Meister deutscher Erzählkunst? 15.30: Die deutsche Frau. Agnes Dürer. Lebensbild der Frau eines deutschen Künstlers. 16.00 von Freiburg: Unterhaltungskonzert. 17.30: Deutsche erfinden die moderne Handfeuerwaffe. Hörfolge. 18.00 von München: Erich Kloß nimmt Abschied von den Hörern. 19.00 von Kassel: „Es geht ein Liedchen im Volke". 20.10 von Saarbrücken: „Horrido und Weidmannsheil!" 22.30 von Hamburg: Unterhal- tungs- und Volksmusik. 24.00 bis 2.00 von Stuttgart: Nachtmusik.
Mittwoch, 3. Juni.
6.30 Uhr von Berlin: Frühkonzert. 8.10 von Stuttgart: Gymnastik. 8.30 von Freiburg: Bäderkonzert.
Ihr Herz war ihr schwer. Warum mußte Jens ausgerechnet heute abend fort fein? Sie hätte ihn so nötig gebraucht, um all diese Angst von sich abzu- schütteln. In ihrer großen Unruhe schämte sie sich doch, wie ein einziges Wort ihr die Zuversicht ihrer Liebe auch nur einen Augenblick hatte beeinträchtigen können.
Und von wem kam dieses Wort zudem? Von Steffens!
Die alte Abneigung gegen ihn wurde wieder lebendig. Nein, sie wollte nichts von all dem glauben, ehe sie Jens gesprochen.
15.
Hein Lüders und die Fischerfrauen hatten recht prophezeit.
Als die sternlose warme Nacht langsam in den Morgen hinüberdämmern wollte, kam ein grauer Schleier im Westen auf und überdeckte den ersten fahlen Tagesschimmer. Man fuhr bei Regen mit den gefüllten Netzen in den Hafen von Oeoens- höe ein.
Benedikte hatte die ganze Nacht nicht schlafen können. Immer wieder hatte sie sich von einer Seite auf die andere gewälzt. Kam der Schlummer für eine Stunde, dann brachte er wirre Träume mit sich, so daß sie gequält auffuhr.
Sie atmete auf, als endlich das Tageslicht fahl durch die Vorhänge brach. Fünf Uhr!
Sie lief ans Fenster, zog die Vorhänge zurück und öffnete es weit.
Feuchte Regenluft schlug herein. Meer und Bodden schienen in einem gleichmäßigen Grau ertrunken. Undeutlich zeichneten sich die Masten der Segelschiffe im Hafen ab. Jetzt sah sie ein paar Kutter langsam mit gerefften Segeln hereinlaufen. Kamen da die Männer schon vom Fischfang zurück? Gott sei Dank, dann war auch Jens dabei!
Hastig zog sie sich an, warf einen Regenmantel über, setzte die Regenkapuze aufs Haar und eilte hinaus. Als sie dem Hafen entgegenging, sah die letzten Fischer in ihren Häusern verschwinden. Nur Jens kam allein, den Kopf gesenkt, wie in tiefen Gedanken. Er sah Benedikte nicht, bis sie vor ihm stand.
„Guten lag, Jens!"
Er schrak auf, sein Gesicht war bleich und schien ihr irgendwie beunruhigt. (Fortsetzung folgt)


