Nr. (yy r.uer Blatt
Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)
Dienstag, rr.August (935
Die
Fahnen für die Fliegerstürme
Spaziergang durch deutsche Tabakfelder.
Besuch im Tabakforschungsinftitut in Forchheim. - Auf die Qualität kommt es an. Erste Großernte aus nikotinfreiem Tabak.
23cm unserem H.d.-Sonderberichterfkatter.
st eh e n. Natürlich sind die Felder noch derartig klein, daß sie auf dem Tabakmarkt nicht erheblich in Erscheinung treten. Ist auch die Ernte dieses Jahres mit voraussichtlich 2500 Zentnern deutschorientalischen Zigarettentabaks im Vergleich zu dem Ergebnis des Vorjahres und der weiter zurückliegenden Jahre ganz bedeutend — im Jahre 1933 wurden 50 Zentner geerntet! —, so treten solche Mengen gegenüber dem deutschen Tabakbedarf (39 Millionen Kilogramm allein für Zigaretten im Jahre 1928!) vorläufig noch nicht wesentlich in Erscheinung.
Wesentlich ist im Augenblick nicht die mengenmäßig bedeutende Erzeugung von feinem Zigarettentabak, sondern die Hochzüchtu,ng der Qualität. Daß diese Frage schon weitgehend gelöst ist, geht aus einem drastischen Beispiel hervor. Das Tabakforschungsinstitut gab eine kleine Menge auf deutschem Boden gezüchteten und hier fermentierten Zigarettentabak aus der Hand. Der neue Besitzer dieses rauchfertigen Tabaks legte den Tabak mazedonischen Sachverständigen zur Begutachtung mit dem Ersuchen vor, ihm große Mengen der gleichen Sorte nachzuweisen und auf seine Anforderung eventuell zu beschaffen. Das Urteil der
Auf dem diesjährigen Reichsparteitag in Nürnberg wird Reichsluftfahrtminister General der Flieger Göring neue Flieger- und Segelfliegersturmfahnen weihen. Diese Fahnen werden künftig von den Flieger- und Segelfliegerstürmen geführt. Jede der beiden Fahnen zeigt das DLV.-Abzeichen auf blauem Grunde. Die Flieger-Sturmsahne ist silbern umrandet und trägt einen Adler auf dem Fahnenschaft, während die Segelflieger-Sturmfahne (links) mit einem roten Rand eingefaßt ist und auf dem Fahnen- fchaft eine Lanzettspitze trägt. — (Weltbild-M.)
lichem nikotinfreien Tabak ist da. Aus Tabak der Ernte von Forchheimer Feldern. Aber die ol9a' rettenschachteln tragen noch den Vermerk: „Je ur versuchsweise h e r g e st e l l tIn den Gondel kommen die natürlichen nikotinfreien Zigaretten vorerst noch nicht, erst müssen ausreichende Tabak- mengen geerntet werden.
Gewöhnliche Zigaretten- und Zigarrentabake enthalten 1,2 bis 2,5 v. H. Nikotin. Der nikotinreiche Tabak enthält 6 bis 8 v. H. Nikotin. Die log. nikotinarmen Zigaretten, deren Nikotingehalt dem Tabak künstlich nach der Reife in erheblichem Grade entzogen worden ist, weisen noch etwa 0,5 v. H. Nikotmreichtum auf. Der natürliche nikotinfreie Tabak dagegen enthält kein Nikotin.
Der Mann, der seinem Lande in dem deutschorientalischen und in dem nikotinfreien Tabak neue Rohstoffe schenkte, weiß dem Besucher mit Selbstverständlichkeit der Wunder so viele zu zeigen, daß man sie nur lose aneinanderzureihen vermag. Da sind sonderbare Pflanzen, die Linnö noch nicht in seinen botanischen Büchern verzeichnen konnte: oben Tomate, unten Tabak. Da sind die Urtomaten, klein wie Stachelbeeren, an Geschmack aber so reich, daß erst drei oder vier der uns bekannten großen Tomaten eine der kleinen „Tomatenbeeren" auf- wiegen dürften.
Ein Hunderte von Metern langes Feld stellt das „S o r t e n r e g i st e r " aller deutschen Tabakpflanzungen dar, eine Kartei, die nicht in das größte Archiv hineinpassen würde. Dieses Sortenregister gehört dem Reichsnährstand, die Samen und Blatter werden später sorgfältig nach Namen und Art aufbewahrt, um Vergleiche anstellen zu können und einen Ueberblick zu haben, welche Tabakarten in , Deutschland mit Erfolg angebaut werden.
Zum Rüstzeug des Tabakforschungsinstiwtes ge- hören mustergültig eingerichtete Laboratorien. Mikroskopische und Reagenzversuche gehören ebenso !zur praktischen Arbeit der Tabakforscher rote Die
anbau ausgenommen worden ist, haben englische Sachverständige ein Tabakforschungsinstitut nach 1 dem Vorbild von Forchheim eingerichtet. Die britische Regierung machte daraufhin dem Forschungsinstitut von Forchheim zum Dank für die deutsche Unterstützung der Arbeiten in Salisbury ein wahrhaft „weltumspannendes" Geschenk: Don sämtlichen Tabaksorten, die in den britischen Dominions und Kolonien angebaut werden, wurde dem Institut in Forchheim eine bedeutende Samenmenge zur Verfügung gestellt.
Seltsam erscheint das riesige Tabakfeld im Gesamteindruck. Das wogende Bunt der Farben wird immer wieder unterbrochen von dem Weiß kleiner Leinenbeutel, die auf bestimmte Pflanzen aufgesetzt worden sind
Die so sorgsam in weiße Mützen eingehüllten Blüten haben die Aufgabe, für die Fortpflanzung der Tabaksorten zu sorgen. Man will hier im Pflanzenreich ganz reine Tabakrassen erzielen, deshalb wird die Fortpflanzung der Samen für die künftigen Felder mit noch besserem, edlerem Tabak durch Inzucht und Selbstbestäubung durchgeführt. Alle die buntblühenden Tabakpflanzen, die ganze Armeen von Bienen und Hummeln anlocken, werden dagegen abgeerntet. Eins der Geheimnisse der großen Erfolge von Forchheim verkörpern in gewissem Sinne die aber Tausend kleiner weißer Beutel über den Blütendolden der Tabakfelder: Aus 1000, manchmal aus 2000 Pflanzen wird eine einzige für würdig erachtet, Samen herzugeben für die nächstjährigen Kulturen. Nur das Ällerbeste bleibt erhalten. Daneben sind natürlich noch andere Faktoren von Bedeutung zur Erzielung wertvoller Tabaksorten, Fragen der richtigen 'Bodenbehandlung, der vorsichtigsten Düngung mit ganz bestimmten Stoffen, Schutz vor d en Schädlingen der jungen Pflanzen und richtige S a tz w e i t e spielen beispielsweise Rollen von Bedeutung.
Der Leiter des Tabakforschungsinstituts, Dr. Paul Koenig, kann heute schon mit vollem Recht behaupten, was vor kurzer Zeit noch ganz märchenhaft geklungen haben würde, daß wir in Deutschland heute schon orientalische Tabaksorten züchten, die den besten mazedonischen und türkischen Tabaken in nichts mehr nach-
Sachoerständigen, die ahnungslos waren, daß sie auf deutschem Boden gewachsenen Tabak vor sich hatten, ging dahin, daß es in den ihnen bekannten Tabakanbaugebieten des Balkan und des nahen Orient keinen derart hochwertigen Tabak gäbe, mit einer einzigen Ausnahme, aber die dort herkommenden Mengen seien so geringfügig, daß sie auf Jahre im Vorhinein verkauft wären! .
Direktor Koenig gewährt in die neuen, vor der Einrichtung begriffenen Räume des Tabakforschungsinstituts Einblick, und dann wandern wir hinüber in die großen Dorbereitungs- und Trockenräume. Arbeiter des Instituts sind damit beschäftigt, ganze Bündel von Blättern teils in die natürlichen luftigen Trockenräume zu bringen, teils in die Heißluft- Trockenkammern zu befördern. „Dies alles sind Blätter von nikotinfreiem Ziga
rette n t a b a k ", erklärt Direktor Koenig.
„Wann darf man die ersten Zigaretten aus natürlichem nikotinfreien Tabak im Handel erwarten?" Direktor Koenig bittet, aus einem Karton eine Zigarette zu entnehmen und zu fagen, was dies für Tabak fei. Sieben Besucher, darunter zwei Sachverständige aus dem Reich, veranstalten eine Viertelstunde lang ein „Proberauchen" mit mehreren Zigarettensorten. Blumig wie eine hochwertige ägyptische Zigarette schmeckt die eine, kräftiger in der Art und bulgarischem Tabak ähnlicher ist die andere Sorte. Alle beiden Tabakssorten sind b e i pfälzischen und badischen Tabakbauern gepflanzt und geerntet worden. Jetzt kommt die dritte Zigarette an die Reihe. Auch sie trägt einstweilen nur die Aufschrift: „Tabakforschungsinstitut für das Deutsche Reich", sonst kein Wort Mehr. „Könnte griechischer Tabak sein", sagt der eine der beiden Sachverständigen, „ ... und ist deutscher nikotinfreier Tabak", ergänzt Direktor Koenig das Rätselraten...
deutsche nikotinfreie Zigarette aus natür-
(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) .
Soeben geht derNeubaudesTabak- ' f o r s ch u n g s i n st i t u t s für das Deutsche 1 Reich in Forchheim bei Karlsruhe seiner : Einweihung und Inbetriebnahme entgegen. Damit erhalt dieses für den Tabakanbau ungeheuer bedeutungsvolle Forschungsinstitut ; jein endgültiges Heim. Gleichzeitig vermag das Institut mit einem ganz außerordentlichen Erfolg seiner Arbeiten aufzuwarten: Die Ernte 1935 wird bei rund 500 deutschen Tabakbauern 2500 Zentner deutsch-orientalischen Zigaretteptabak erbringen. Ein erheblicher Teil der diesjährigen Ernte besteht aus natürlichem nikotinfreiem Tabak!
Ein Besuch auf den ausgedehnten Tabakpflanzungen von Forchheim kommt einem Spaziergang durch alle Erdteile gleich, soweit überall in der Welt edler Tabak angebaut wird, sind die betreffenden Sorten in mehreren Pflanzenreihen auch in Forchheim auf badischem Boden vertreten. Fast möchte man bisweilen glauben, wenn man durch die rot, weiß, rosa und gelb blühenden Tabakfelder geht, daß man sich irgendwo in den Tabakplantagen der Balkanländer oder in den großen orientalischen Pflanzungen befindet. Kleine Markierungsschilder sagen uns, daß wir soeben die Tabakfelder Asiens durchschreiten. Mehrere Meter hohe Pflanzen tragen das berühmte „Sumatra-Deckblatt", ebenso ist der „Java-Tabak" in unserem Klima bereits heimisch geworden. Ein paar Dutzend Schritte weiter, dicht benachbart den asiatischen Tabaksorten, sehen die Pflanzen etwas mickrig und klein aus: Eine berühmte nordamerikanifche Tabaksorte hat sich bei uns noch nicht eingewöhnt. Während die Pflanzen in der Heimat dieses Tabaks bis drei Meter hoch werden, find sie bei uns kaum halb so hoch. Vereinzelt sieht man allerdings auch in diesem „Amerikanerfeld" groß geratene, schöne, vielblätterige, hellfarbige Pflanzen. Diese werden für die Fortpflanzung bestimmt, weil sie sich schon an unseren Äoden und an unser Klima gewöhnt haben.
Der Mann, dessen ureigenste Schöpfung das Tabakforschungsinstitut ist, und der es der nationalsozialistischen Regierung dankt, daß sie seinen für die deutsche Volkswirtschaft so wichtigen Arbeiten weitestgehendes Verständnis entgegenbringt, D r. Paul Koenig, berichtet von einer Reihe beachtenswerter Erfolge, die Deutschen in aller Welt zugute kommen: „Sie könnten mich fragen, was Samoa mit Forchheim zu tun hat, oder aus welchem Grunde ein Pflanzer aus Rhodesia Tabak- pflanzer zu uns schickt! Hochgezüchteten Samen haben wir an deutsche Tabakpflanzer in Brasilien und Paraguay, in Argentinien und Südwestafrika, in Ostafrika und auf der Süsee-Jnsel Samoa abgegeben. Deutsche Tabakpflanzer haben sich mit Tabak, der in Forchheim in mühsamer Auswahl- Hochzucht zu einem ertragsfähigen Erzeugnis gemacht wurde, in den verschiedensten Teilen der Welt eine Existenz geschaffen."
Vielen deutschen Kolonisten konnte durch die Forschungsarbeiten in dem kleinen badischen Dorf entscheidend geholfen werden. International genießt das Tabakforschungsinftitut für das Deutsche Reich bedeutenden Ruf. Sachverständige aus allen Kulturländern der Erde sind nach Forchheim gekommen und haben sich hier Rat geholt und Ergebnisse von Arbeiten tennengelernt, die bis dahin für sie unbekannt und unerreichbar waren. In Salisbury in Südrhodefien, wo bisher Mais in weiten Plantagen angebaut wurde, und jetzt der Tabak-
Der Phönix (Spaniens.
Lope de Vega zu seinem 300. Todestage.
Von Hans efurm.
Am 25. November 1562 wurde Lope de Vega, der erste große Dramatiker Spaniens und der fruchtbarste Dichter der Weltliteratur, in Madrid als Sohn eines altspanischen Adelsgeschlechtes geboren. Mit fünf Jahren konnte er bereits lesen und sogar Verse machen. Den auch hin und wieder sich dichterisch versuchenden Vater freute dies, und er nahm den Knaben oft mit in die stumme Weltverlorenheit der kastilischen Hochebene, wo in der Nähe des Dorf» (eins Toboso die Trümmer des uralten Bergschlosses der Ritter de Vega von vergangenen Zeiten kündeten. Hier scheint dem Kleinen schon der Sinn für Rittertum und Abenteuer aufgegangen zu fein; seine oft recht schauerlichen Verse und feine lateinischen Übersetzungen tauschte er bei Nachbarskindern gegen Spielgerät ein. Als Elfjähriger verfaßte er die ersten Komödien, die er zum größten Teil anderthalb Jahre später auf einer Schiffsreise nach Nord- afrifa verlor.
Nach dem frühen Tode des Vaters wurde er von feinem Oheim Don Miguel bei Carpio erzogen und konnte später mit Hilfe einer reichen Verwandten und des Bischofs von Avila die Hohe Schule von Salamanca besuchen. Fünfzehnjährig kämpfte er auf der Azoreninfel Terceira gegen die Portugiesen und setzte „nach ruhmreicher Heimkehr in Alcale de Henares seine philosophischen Studien fort. Zwischenher fand er Zeit, seine Jugendstreiche und „frühen Liebeshändel" in einem Roman „D o - r o 11) e a" feftzuhalten. Wegen verschiedener Händel wurde er mehrere Male aus der Stadt ober gar aus der Provinz verwiesen, störte sich jedoch nicht baran unb nahm, ber trockenen Stubien mübe, bei bem Herzog von Alba Dienste als Sekretär; für biefen schrieb er auch in Alba be Torres ben ränkereichen Schäferroman „Arcabia".
Im Jahre 1587 heiratete er Jfabel b e 0 r b i n o. Neunzehn Tage nach ber Hochzeit segelte er mit seinem Bruber an Bord bes „San Juan", einem Flaggschiff ber unüberwindlichen Armaba, gegen bie Engländer. Sein Bruber blieb in ber Seeschlacht, er konnte sich mit ben Trümmern 1588 nach Spanien retten unb vollenbete hier bas epische Gebicht „L a Hermosura de Angelica“, in bem biefe Miegssahrt geschildert ift
Wegen einiger satirischer Dichtungen erneut aus Kastilien verbannt, ging er nach Valencia, wo Isabel bei ber Geburt bes zweiten Kinbes starb. Durch ben Umgang mit mehreren bramatischen Dichtern begann er sich roieber mit Komöbienstvsfen zu befassen; seine Technik blieb burch fast zwei Iahrhunberte hin vorbildlich: von ihr sagt Graf von Schack:
„Wesentlich ist der Komödie die Abteilung in drei Akte ober, wie sie im Spanischen heißen, Jornabas, unb ber Vers, ber sich bem größeren Teil nach in vierfüßigen, halb gereimten, halb affonierenben Trochäen, daneben aber auch in den Formen der Italiener, besonders in Ottave rime, bewegt." Lope de Vegas Neuerung auf diesem Gebiete sind die Intrigenstücke, die sogenannten Mantel- und Degen ft ürfe, die er unterschied in heroische und historische. Bedeutsame Heldengestalten behandelte er: Ner», Beiisar, die sieben Jnfanten von Lara, Cola Rienzi, Ottokar von Böhmexi, Demetrius, Boris Godunow und viele andere Gestalten der Geschichte und Volkssage.
Lope be Vega war zum Dolksbramatiker geboren. In ihm würbe bas Soldatisch-Heroische, bas Kind- Haft-Religiöse unb bas Abenteuerlich-Leidenschaftliche von einer starken, doch gezügelten bichterischen Begabung gemeistert; hinzu kam feine tiefe Kenntnis ber spanischen Seele. In seinen Stücken sah sich das Volk wie im Spiegel, und zwar so, wie es sich selbst gern sah. Der Dichter wußte, woraus es ankam, dem Volke mundgerecht zu jchreiben, wußte, daß er (vor allem um des Beifalls willen) den Schwank mit dem Ernst mifchen mußte: „... man will nun einmal keine anderen Stücke sehen, als die halb ernsthaft und halb luftig sind." Daß ein Dichter unter diesen Umständen nicht zur letzten Vollendung kommen konnte, ist nicht verwunderlich, verwunderlich ist aber der ungeheure Fleiß, den Lope de Vega besessen haben muß, um sein kaum übersehbares Lebenswerk zu schaffen. Die spanischen Akademien bereiten eine möglichst vollständige Biographie vor, von deren Umfang man sich eine kleine Vorstellung machen kann, wenn man bedenkt, daß der Dichter weit über 1800 Dramen, viele große Romane, mehrere größere epische Dichtungen, unzählige Gedichte und Romanzen, ein Buch über „Dramatische Technik" und Sonstiges verfaßte; natürlich sind uns nicht alle Werke erhalten. In den Jahren 1620 bis 22 schrieb der Dichter nach eigener Angabe jede Woche ein Bühnenstück. Bei der letzten wissenschaftlichen Nachprüfung feines literarischen Nachlasses fand man 140 neue Dramen und etwa 80 fertige Szenarien, zu denen aus Privatarchiven und -bibliotheken immer noch Unbekanntes kommt.
Unermüdlich war Lope de.Vega tätig bis zu feinem Tobe am 27. August 1635, hochgeehrt von seinem Volke und in den Nachbarländern. Viele, vor allem Italiener, besuchten Spanien, um dieses „Wunder der Natur" zu sehen. Als ihm die zweite Gattin und bald daraus der älteste Sohn starben, ließ er „den eitlen Glanz der Welt", trat in den geistlichen Stand und kam auch hier zu hohen Ehren. Selbstverständlich blieben die Neider nicht aus, und besonders der geistvolle Dichter ünd Spötter Congora hat ihn oft und heftig angegriffen; dagegen fetzte
Lope be Vega nur feinen Wahlfpruch: „Ich liebe, die mich lieben; aber ich hasse nicht, die mich hassen!" Er sandte dem Neider seinen Schäferroman „Die Hirten" und strich die Stelle an, in dem vom gegenseitigen Sichachten die Rede ist, zumal, wenn man eines Volkes, eines Stammes fei. In diesem Werk findet sich auch ein Wiegenlied der Muttergottes, das in fast allen christlichen Sprachen gesungen wird:
Die ihr dort wallet Unter den Palmen, Heilige Engel! Sehet, es schlummert Lieblich mein Kind: Haltet die Zweige, Sänftigt den Wind!
Das spanische Volk nannte „seinen" Dichter den „Phönix Spaniens" und bereitete ihm ein Leichenbegängnis, wie es einem Dichter wohl weder vorher noch nachher zuteil geworden ist. Diese Volksfeier whrte neunä volle Tage, die Straßen und Kirchen ertranken in Blumen und festlichem Schmuck, von weit und breit waren die Menschen gekommen zum letzten Geleit. Drei Bischöfe amtierten bei der Totenfeier
„Es gibt nur eine Liebe/'
Die Deutsche Fox Film AG. hat sich eine hübsche lustspielhaste Unterhaltung ausgebucht: der Tenor unb ber Ballettmeister einer Berliner Oper werben, bieroeil sie, etwas romantisch, ungeniert unb unrasiert, in einer roilben Gebirgslanbschaft Südosteuropas ihre Ferien verbringen, von harmlosen Reisenden für Banditen gehalten, denen die Polizei auf ben Fersen ist. Eine kleine Stenotypistin, die sich trotz allem Schrecken gleich in die melodische Stimme bes vermeintlichen Räuberhauptmanns verliebt hat, weicht den beiden nicht mehr von der Seite und ift auch nicht loszuwerden, als der Irrtum längst aufgeklärt und die Handlung in die große Welt des hauptstädtischen Theaters hinübergewechselt ist. Es gibt hier noch eine ganze Reihe aufregend-komischer Episoden — teils auf der Bühne, teils im eleganten Privatleben des berühmten Sängers —, bis der, von ber Anhänglichkeit unb wirklichen Neigung bes Mäbchens überwältigt, bie einzig mögliche Konsequenz zieht, und mit ihr auf die Hochzeitsreise fährt — ziemlich weit weg, so daß dann das Abenteuer genau an ber gleichen Stelle der einsamen Gebirgsstraße im Südosten endet, wo es begann. Das Ganze ist vorn Regisseur Johannes Meyer mit Humor und anmutiger Leichtigkeit inszeniert, von Eduard K ü n n e k e , dem bekannten Operetten-Komponisten, geschmackvoll instrumentiert. Louis Graveure in der männlichen Hauptrolle hat eine Menge zu singen („Ach, wie so trügerisch" sogar am Telephon
und beim Rasieren) und bringt seine Stimme, etwa auf der Mitte zwischen lyrischem und Heldentenor, sympathisch und in großer Form zur Geltung; darstellerisch wirkt er angenehm zurückhaltend, nur gelegentlich ist im Dialog der fremde Akzent zu hören. Jenny Jugo, sehr niedlich als die Stenotypistin Müller, gibt ein enfant terrible von entwaffnender Naivität und Verliebtheit. Drollig ift Heinz Rüh - mann als Ballettmeister mit gutsitzenden Redensarten und trockener Schnoddrigkeit. Auch der Komiker Ralph Arthur Roberts als verstörter Geschäftsreisender in der Räuberhöhle ist durchaus in seinem Element und seinem Fahrwasser. — Der Film läuft seit gestern im neuen Programm des Lichtspielhauses; im Beiprogramm sieht man die jüngste Wochenschau und einen aktuellen Kulturfilm unter dem Titel „Erntezeit".
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Den Seinen gibts der Herr im Schlafe.
Wer kennt nicht das Bild von der Fortuna, die auf einer goldenen Kugel schwebend aus ihrem Füllhorn ihre Gaben den Menschen zuwirft, die sich überstürzend, hindernd, schlagend bie Fortuna vergebens zu halten suchen. — Aber ben Seinen gibts ber Herr im Schlafe, und zu diesen gehört offenbar ein vierzehnjähriger Junge aus Lissabon, der sich als Waise schon selbst durchs Leben schlagen fnußte unb burch ben Verkauf von Lotterielosen kaum so viel verdiente, daß er sich satt essen konnte; so gering war die Provision, bie er für bie verkauften Lose erhielt. Die unverkauften aber mußte er abends wieder abliefern. So hatte er auch eines Abends wieder einige Lose zurückbehalten, die abzugeben um so notwendiger war, als am nächsten Tage die Ziehung stattfand und er im Falle die nicht rechtzeitig abqelieferten Lose aus seiner Tasche bezahlen mußte. Müde von dem Stehen tagsüber setzte er sich auf eine Bank, er hatte noch zwei Stunden Zeit für die Lose, gähnte krampfhaft — und schlief ein. Er schlief ben Schlaf ber Jugend, und als er endlich erwachte, war es tiefe Nacht. Das Büro ber Lotterie war natürlich geschloffen, er mußte also sehen, wie er sie am nächsten Tage bezahlte, wollte er nicht seinen Posten als Losverkäufer verlieren. Verzweifelt schlich er nach Hause, warf sich auf sein Bett und schlief in den hellen Tag hinein. Als er sich zum Lotteriebüro begab, warf er einen Blick in das Schaufenster, bas bie Liste der schon gezogenen Lose enthielt. Ei» Schreck fuhr ihm durch die Glieder, er verglich nochmals bie Nummer eines feiner Lose, bas auch auf ber Liste mit einem Gewinn von 100 000 Eskudos bezeichnet war. Im Büro war bas Erstaunen nicht gering, als er sich als Besitzer bes Glücksloses aus» wies. Währenb er schlief, hatte sich die launische Glücksgöttin bei ihm eingestellt


