mtnAo ntft Me des Gummffeiles in die Luft ge- schnellt, über den Platz. Nach der ersten, etwas harten Landung (der Pilot hatte das Segelflugzeug auf eine Höhe von etwa 8 Meter gebracht) folgten drei weitere Flüge mit eleganten flachen Landungen. Die Zuschauer dankten den mutigen Fliegern mit starkem Beifall. Dem Jungvolk imponierten diese Vorführungen ganz besonders. „Noch — einmal!" klang es denn prompt vielmals über den Platz. Die Flieger erfüllten den Wunsch und fügten ihren drei vorgesehenen Starts einen vierten hinzu.
Nach einem Schlußappell der Hitlerjugend und nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Vorwärts, vorwärts" wurde die Veranstaltung auf dem Sportplatz geschlossen.
Abschluß.-Singenvordem AttenSchloß
Einen schönen und erhebenden Abschluß des Bannsportfestes bildete das Singen der HÄ. und des JV. auf dem Platz vor dem Alten Schloß. Tausende von Volksgenossen hatten sich zur vorgesehenen Zeit eingefunden und bildeten um die aufmarschierte Jugend einen dichten Kreis. Die Fahnenträger und die Spielleute nahmen auf der Mauerbrüstung vor dem Schloß Aufstellung und Serben damit den Blickpunkt. Unmittelbar nach dem Aufmarsch der Einheiten der Staatsjugend begann nach einem einleitenden kurzen Marsch der Fanfaren das Singen der Gefolgschaften und der Fähnlein. Den zahlreichen Liedern, die über den von Fackeln erhellten Platz hallten, gingen jeweils Rezitationen von Gedichtworten voraus, in denen das Wollen der deutschen Jugend um die deutsche Zukunft in schöner und beschwingter Sprache ausgedrückt war. Die vielen Lieder, die man zu hören bekam und die die Jugend immer wieder mit Begeisterung singt, wurden sehr frisch vorgetragen und machten den Tausenden der Zuhörer große Freude. Die start rhythmisch betonten Melodien mit der Klangfarbe der Landsknechtslieder aus dem Mittelalter machten in Verbindung mit den unterlegten Texten, aus denen immer roieber unerschütterliche Lebensbejahung spricht, starken Eindruck.
Mit einem Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler und mit dem gemeinsam gesungenen Horst-Wessel- Lied und dem Liede der Hitler-Jugend fand das Singen sein Ende. Während zum großen Abschluß von den Fanfarenbläsern noch ein schneidiger Marsch über den Platz geschmettert wurde, leuchtete die Front des Alten Schloßes im magischen Glanze roten bengalischen Lichtes auf und überflutete die Jugend mit flammendem rotem Schein. Die Feier auf dem Brandplatz bildete einen glücklichen Abschluß der ereignisreichen beiden Tage.
Aus der provinzialhaupistadt.
3n der Kiesgrube.
Als Beifahrer war ich, ein Außenseiter dieser Arbeit, einem Lastwagen zugeteilt. Es werden Häuser gebaut, irgendwo im lieben Vaterland. Wir fuhren mit zwei Wagen Kies, Ziegel und anderes Baumaterial heran. Anfangs war die Arbeit etwas ungewohnt. Die Schultern taten am Abend reichlich weh, aber bann gewöhnte ich mich an die Arbeit.
So waren sechs schwere Wochen vergangen. Tag für Tag holten wir aus einer Kiesgrube den groben Betonkies. Dann begann im November der Regen. Aber auf gut Wetter warten konnten wir nicht, und unermüdlich wurde der nasse schwere Kies weitergeschippt.
In der Grube war infolge des Regens eine starke Veränderung vor sich gegangen. Ein Mergelblock, schwer und wuchtig, wurde frei und ragte drohend in die Lust. Er mochte einige Tonnen wiegen. Wir hatten uns jedoch schon so an diesen niedlichen Brocken gewöhnt, daß wir kaum mehr hinschauten, wenn wir in der Nähe arbeiteten. Steine wurden in der Gegend des Blockes gesprengt, aber er ließ sich durch die Erschütterungen nicht aus der Ruhe bringen. Da er uns gefahrlos schien, blieb er oben hängen. —
Morgens um 6 Uhr brausten wir wieder aus der Garage. Mein Fahrer, ein breiter, stämmiger Junge, machte ein verregnetes Gesicht. „Nanu, Bruno, was
Oie Deutsche Arbeitsfront.
„Kraft durch Freude".
NG-Gemeinschast
Sonderzug an den Rhein am 15. September.
Wir veranstalten am Sonntag, 15. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kastel nut dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesheim wirb den Teilnehmern Gelegenheit geboten zur Besichtt- gung der Stadt. Von Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzug nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Mittag- essen 5,50 Mark. Anmeldungen werden noch entgegengenommen, müssen aber umgehend erledigt werden.
Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle.
An diesen Tagen findet das diesjährige Winzerfest statt, das voriges Jahr so großen Beifall gefunden hat. Dieses Jahr ist noch der Montag hinzugenommen worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Für Humor und Heiterkeit wird bestens gesorgt, denn namhafte rheinische Künstler sind an diesen Tagen vertreten und sorgen für Stimmung. Die Preise der Getränke sind äußerst niedrig gehalten, daß es jedem Dg. möglich sein wird, das Winzerfest zu besuchen.
Aordseefahrt mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September.
Nachdem bei den letzten beiden Seefahrten nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, wurde jetzt noch eine Urlaubsfahrt nach der Nordsee mit Dampfer „Der Deutsche" eingelegt. Die Fahrt geht über Bremerhaven. Die Kosten betragen, wie bisher, 59,50 Mark. Anmeldungen werden noch entgegengenommen und sind umgehend zu erledigen.
♦
Für die Ausstellung „Rhein-Mainische Wirtschaft" in Frankfurt a. M. vom 24. August bis 8. September sind uns 100 Stück verbilligte (Eintritts-
ist los? Mensch, heute gibt's Geld, sei nicht so bedripst", sagte ich zu ihm. Aber er läßt sich nicht umstimmen. „Paß mal auf, heute haben wir noch Pech." — „Sicker", erwiderte ich, „haben wir fast jeden Tag." Wir bezeichneten mit „Pech" eine Reifenpanne. Aber bis zum Mittag war nichts Schlimmes eingetreten, und mein Kamerad wurde langsam guter Laune.
Wir fuhren nachmittags wieder in die Grube und hielten fast unter dem Mergelblock. Dort war das Laden fabelhaft bequem. Fünfzig Schritte von uns entfernt waren vier Mann mit Ausbefserungsarbei- ten am Wege beschäftigt. Wir hatten den Wagen halb voll, als wir eine kurze Atempause einlegten. „Bruno", sagte ich so nebenbei, „wenn uns von dem kleinen Brocken ein Stückchen auf den Wagen fällt, bann haben wir gut zwei Meter oben." Er lachte.
Weiter! Ich stand beim Laden genau unter dem Block. Da, als ich gerade die Schaufel heben wollte, hörte ich über mir ein Geräusch, es klang fast, als würde Stoff zerrissen. In Sekundenschnelle spielte sich nun alles ab. Ick) sah einen Teil des Blocks sich lösen, sah, wie sich die Masse auf mich senken wollte und sprang instinktiv rückwärts mit einem Riesensatz auf den Wagen. Da löste sich in diesem Augenblick ein zweites Stück und traf mit Wucht meinen seitwärts stehenden Kameraden an den Kopf. Diesen „Boxhieb" hielt sogar Bruno nicht aus. Er taumelte nach meiner Richtung hin und — da hatte ihn der Mergelblock gefaßt. Ein Kreischen, ein gellender Schrei, dann stak mein Kamerad bis an den Hals zwischen der festen, steinharten Masse und dem Wagen eingeklemmt. Blut strömte aus seinem Munde. Ich schrie, brüllte nach den vier Männern, und als die sahen, was passiert war, kamen sie windschnell heran. Wir arbeiteten fieberhaft, aber es dauerte doch eine endlose Zeit, wie es uns schien, bis mein Kamerad befreit war. Wir legten ihn vor
karten zur Verfügung gestellt worden, die statt 1 Mark 30 Pf. kosten. Auf Grund dieser Karten gibt die Reichsbahn Sonntagskarten auch an Wochentagen aus, die dreitägige Gültigkeit haben. Die Karten können auf der Geschäftsstelle abgeholt werden.
Sportkurse „Kraft durch Freude".
Reue kdF.-Sportkurse!
Schwimmen. •
Am Mittwoch, 28. August, beginnen um 20 und um 21 Uhr neue Schwimmkurse im Dolksbad. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 6 Sportmarken zu 30 Pf. = 1,80 Mark; für Nichtmitglieder 6 Sportmarken zu 60 Pf. — 3,60 Mark. Anmeldung auf dem Sportamt oder vor Beginn der Kurse im Dolksbad.
Reichssportabzeichen.
Für diejenigen Volksgenossen, die noch in diesem Jahre das Reichssportabzeichen erwerben wollen, beginnt am kommenden Donnerstag, 29. August, ein weiterer Vorbereitungskursus um 18.15 Uhr auf dem Universitätssportplatz. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 8 Sportmarken zu 30 Pf. = 2,40 Mark; für Nichtmitglieder 8 Sportmarken zu 50 Pf. = 4 Mark.
KdF. -Sportkurfe am Montag.
Tennis von 18 bis 19 und 19 bis 20 Uhr, Städt. Tennisplätze am Schützenhaus. Reiten von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Fröhliche Gymnastik und Spiele von 19.45 bis 20.45 in Großen-Buseck, Gasthaus Wagner.
Tennis an Sonntag Vormittagen.
Sonntags vormittags ist zu folgenden Zeiten Spielgelegenheit: Von 8 bis 9 Uhr uebungsftunbe ohne Lehrer, Städt. Tennisplätze Schützenhaus; von 9 bis 10 Uhr Uebungsftunbe mit Lehrer, Städt. Tennisplätze Schützenhaus.
sichttg auf die Erde. Langsam kehrte die Besinnung zurück und er wollte hoch. Ein Knirschen der zerbrochenen Knochen war zu hören, stöhnend gab er den Versuch auf. Bald war ein Auto bei uns, und vorsichtig hoben wir Bruno hinein. Langsam fuhr der Wagen ab.
Still machten wir uns an die Arbeit, den Lastwagen aus den Trümmern und den Kiesmengen auszugraben. Er sah bös aus; Kotflügel verbogen und zerrissen, die Bretter des Kastens zerdrückt, eine Tür mit Scheibe entzwei, so daß wir uns wunderten, daß mein Kamerad nicht total zerdrückt worden war. Dann sahen die anderen erst, daß die größten Stücke sich an der Stelle aufhäuften, an der ich sonst beim Laden stand. Dann fuhr ich unseren zerknitterten Wagen aus der Grube raus. Der Motor war ja intakt, und spielend überwandt er die letzten Hindernisse.
Am nächsten Tage ging ich zum Krankenhaus, um meinen Kameraden zu besuchen. Na, er war böse zugerichtet. Drei Rippen, Schulter, Schlüsselbein und Arm waren gebrochen und die Rippen auch noch in die Lunge gedrungen. Der Arzt hatte ihn aufgegeben, aber Bruno kam wieder hoch. Weihnachten war er wieder zu Haufe.
Wenn ich später in der Gegend des restlichen Mergelblockes arbeitete, wurde ich doch noch manchmal an jenen denkwürdigen Tag erinnert, an dem ich durch Zufall so gut davongekommen war, an dem aber auch die Arbeitskameradschaft sich voll bewährt hatte. Ö. J.
Ettern!
Nun ist es grab noch eine Woche, dann haben wir B D M. - M ä d e l aus Hessen-Nassau unseren Sporttag in allen Untergauen. Lange haben wir uns schon auf diesen Tag gefreut, weil wir an ihm euch einmal etwas aus unserer Arbeit zeigen wollen. Nun bitten wir euch alle, kommt zu uns
shinaus auf den Sportplatz und seid zwei Stunde» einmal bei uns, erlebt unsere Arbeit und unfetf Mädelsein. Oft habt ihr uns gefragt, was wir abends im Sportabend machen und treiben, warum wir das tun, anstatt uns nach der schweren Feldarbeit, dem langen Stehen hinter der Maschine und dem Sitzen hinter den Schularbeiten uns nicht lieber in den Garten legen und ausruhen. Wir haben versucht euch zu erklären, daß uns der Sport frisch und froh macht und uns neue Kraft zur Arbeit gibt und daß wir auch die Pflicht haben, unseren Kör* per gesund und frisch zu erhalten. Aber wir reden nicht gern und wir scheuen uns auch davor, immer von Zukunft und Volk und Aufgaben zu reden, denn das ist uns selbstverständlich. Nun ist einmal ein Tag gekommen, an dem wir in aller Öffentlichkeit ein Stück unserer Arbeit zeigen, nicht reden. In jedem Jahr werden wir an einem Sporttag zeigen, was wir im letzten Jahr geschafft und geleistet haben. Rechenschaftsbericht wollen wir ablegen, nicht vor denen, die unsere'Arbeit boykottieren und stören wollen und sich selbst dadurch richten, nein vor denen, die wie wir mitten im Volk, in der Arbeit und im Kampf stehen. Ueberall sind die großen blauen Plakate angeschlagen und rufen zum Sporttag. Wir Blauben, daß alle Eltern und alle, die uns als
ugend nahestehen, an diesem Tage bei uns draußen auf den Sportplätzen sind und wir freuen uns alle darauf. Ein BDM.-Mädel.
Aus parteiamf(id>en3Setanntmad)ungen
Der N S. Lehrerbund, Kreis Gießen, gibt bekannt, daß die für Mittwoch, 28. August, vorgesehene Kreisversammlung ausfällt. Der Zeitpunkt der Abhaltung der Kreisversammlung wird noch bekanntgegeben werden.
Die Ortsgruppe Gießen-Ost (Abteilung Kasse) teilt hinsichtlich des Umtausches der Mitgliedskarten mit, daß Parteigenossen, deren Namen mit den Anfangsbuchstaben G, rl, I, J, K beginnen, letztmalig aufgefordert werden, ihre Mitgliedskarte mit aroei Paßbildern und 1 RM. Ausfertigungs« gebühr zum Umtausch gegen das Mitgliedsbuch ein« zureichen. Der letzte Termin dafür ist Dienstag, 27. August (20 bis 22 Uhr, Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Kaiserallee).
NSLB., Kreis Gießen.
Fachschaft „körperliche Erziehung".
1. Betr. Ehrengabe des NSLB. km Schwimmen. Die Ausschreibungen zum obigen Wettkampf hat jede Schule, die dafür in Frage kommt, erhalten. Alle Anfragen sind zu richten an Kreisfachberater Turnlehrer Mohr, Gießen, Wil- sonstraße 8. Dorthin auch Abgabe der Punktwertungslisten bis zum 20. September 1935.
2. Betr. Fußschlagball und Grenz« b a l l s p i e l e. Infolge des Deutslchen Jugendfestes sind die Spieltermine hinausgeschoben worden. Es muß jetzt in aller Kürze mit den Spielreihen begonnen werden. Die Bezirksleiter sorgen dafür, daß in ihren Bezirken Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die einwandfrei als Schiedsrichter eingeteilt werden können. Die Spielregeln müssen jetzt zur Genüge bekannt sein, lieber den genauen Spielbeginn ergeht in den nächsten Tagen Bescheid.
»Rindfleisch im eigenen <5afP auch im Einzelhandel.
Die im Auftrage der Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse hergestellten Fleischkonserven „Rindfleisch im eigenen Saft" werden nunmehr außer bei den Fleischern auch in den Einzelhandelsgeschäften zum Verkauf kommen. Auch bei der Abgabe durch die Lebensmittelgeschäfte konnte ein Kleinverkaufspreis von 1,50 RM. für die Kllsdose vorgesehen werden, weil sich die Lebensmittelgeschäfte ebenso wie die Fleischer mit einer geringen Unkostenspanne begnügten.
Preisauszeichnungen nur in Pfund.
Fwd. Nach Mitteilung der Landesbauemschast Hessen-Nassau wurde in letzter Zeit beobachtet, oaß in einigen Lebensmittelgeschäften im Gegensatz zu der üblichen Pfund auszeichnung die Preisauszeichnungen teilweise für ein halbes Pfund stattgefunden haben, was die Käufer irreführte. Die
Was bedeutet das Wort „Kamerad"?
Don Or. Johannes Günther.
„Kamerad" — was bedeutet das eigentlich, schärfer gefragt: was will es ursprünglich ausdrücken? Wer nur die deutsche Sprache zur Verfügung hat, kommt dem Worte schon annähernd auf die Spur, er versucht einen Zusammenhang mit dem Worte „Kammer", besonders unterstützt dadurch, daß man sich in der Gemeinsprache daran gewöhnt hat, das Wort auf der ersten Silbe zu betonen. Es kann aber nichts schaden, wenn man sprachwissenschaftlich dem Worte nachgeht. Man findet bann im Italienischen — wenn auch nicht b i e Quelle, aber doch eine wichtige Quelle. „Game- rata" bedeutete im Italienischen soviel wie „Zirn- mergenossenschaft" — wohl gemerkt nicht soviel wie einzelner Stubengenosse, sondern wie die ganze Stubengenossenschaft. Wenn wir aber „Kamerad" sagen, dann meinen wir nicht mehr die ganze Zimmeraenossenschaft, sondern den einzelnen Stu- bengenossen, den einzelnen Gesellen, den einzelnen Freund. Der Begriff hat sich also verengt, die Form ist beibehalten worden. Zum Vergleich sei daran erinnert, daß es innerhalb des Deutschen unserm Worte .»Bursch" ebenso ergangen ist. Das ursprüngliche Wort hieß: „die Burs" und bedeutete eine ganze Schar von Gesellen, besonders von Studenten, und auch ihren Bewirtungsart; aus diesem umfassenden Begriff ist dann unter Beibehaltung der Wortform der engere Begriff, der Begriff „Bursch" für den einzelnen Mann geworden. Auch das Wort „Frauenzimmer" bedeutete anfangs eben wörtlich den Aufenthaltsraum der Frauen, bis dann der engere Begriff „Frau" daraus wurde, ja der Begriff hat sich noch mehr verengt: heute Der- steht man unter Frauenzimmer eine tadelnswerte leichtsinnige Person. Auch bei den Wörtern Herr- schäft, Gesellschaft, Nachbarschaft kann man manchmal eine Verengung des Begriffes auf den einzelnen Menschen beobachten.
Im Dreißigjährigen Kriege wurde das romanische Wort in Deutschland gebräuchlich. Es verdrängte die älteren Ausdrücke „Landsknecht", ,Lriegsgesell", „Gutgesell". Ganz streng genommen ist also das Wort Katnerad ein Fremdwort. Nun lautet eine Forderung mit Recht: meidet die Fremdwörter! Sollen wir darum auch auf das Wort Kamerad verzichten? Das Wort wurde ja im Dreißigjährigen Kriege bewußt in die deutsche Sprache hereingelas- fen. Zinkgraf schrieb 1639 „... Rott- und Spieß- gesellen, die fetzt auf neudeutsch Gameraben heißen..." und sogar ein Spracheiferer hat, 1644 bereits, bas Wort als „füglich teutsch" anerkannt.
Aber all solche Gründe dürfen uns noch nicht endgültig bestimmen. Wenn wir das Wort „Kamerad" oeibehalten, dann müssen wir dazu wichtigere Veranlassungen haben.
Zu Grunde liegt eine indogermanische Wortform, die sich in romanischen und germanischen Sprachen ganz ähnlich lautende Formungen gefallen ließ. Wenn also der deuffche Kriegsmann des siebzehnten Jahrhunderts das Wort camerata hörte, dann spürte er höchstwahrscheinlich sein deutsches Wort Kammer darin (stärker als etwa das Wort Saal in Gefell). Er übernahm das Wort gewiß auch aus einem Hang zur Protzerei, er schmückte sich gewiß recht gern, dem Zuge der Zeit entsprechend, mit der fremden Feder, aber dem deutschen Herzen, bas selbst in ber rauhen Solbatenbrust saß, sagte wohl vor allem bie nahe Verwandtschaft mit dem Worte Kammer zu: bas war ein tröstlicher Ton in ber Welt bes Krieges, von ber Max Piccolomini klagt:
„ ... biefes Lagers lärmendes Gewühl,
Der Pferde Wiehern, der Trompeten Schmettern, Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, Die Waffenübung, das Kommandowort, Dem Herzen gibt es nichts, dem lechzenden."
Im „Simplicisfimus" von Grimmelshausen, wo das Wort in dichterischem Zusammenhänge am frühesten auftaucht, wird es mit Doppel-rn geschrieben, und „Äammerab" ober .Kanunerath" lieft man in Schriften bes siebzehnten und beginnenden achtzehnten Jahrhunderts gewöhnlich. Mitten im rauhen Kriegestreiben einen Vertrauten zu haben, bei dem man sich gleichsam zu Hause fühlte, der einem den harten unfreundlichen Lagerplatz zur heimatlichen Kammer machte, mit dem man Worte wechselte, wie sie etwa in Rilkes „Weise von Liebe und Tod" aufklingen, um fernsten Jugenderinnerungen für kurze Minuten wieder wohltuendes Leben zu schenken — das ist ber Segen biefes Wortes gewesen.
Das ist ber Kammerad — ja, wir sollten ihn getrost auch gerade heute mit Doppel-m schreiben und vom „einfachen" Manne gern die doch sehr sinngemäße Betonung auf ber ersten Silbe übernehmen. Dann bliebe bloß noch bie undeutsche Endung. Aber sie soll bleiben: Zum Gedenken daran, daß hier ein deutsches Gefühl auf einem Umweg (der wohl auch für den Deutschen bezeichnend ist) zu uns kam, als Ausweis feiner langen Fahrt trägt es die fremdländische Silbe. Kammerad — das Wort ist wie ein Talisman: auch fern von Haus und Hof (— das Fernsein ist in ber End- silbe angezeigt —) umgibt bich ein Hauch ber Hei- mat; ober: ber Kammerad ist dir so treu, baß er zu bir ftunbe, selbst wenn dich bie Heimat verließe.
In bas Wort Kamerab unb seine Anwendungen wirkt noch das spanische Wort camarada unb bas
französische camarade hinein. So finden wir auch als „deutsche Form nicht bloß: ber Kamerad, sondern auch der Kamerade, z. B. bei Goethe:
„... wer will mein Kamerade fein, der stoße mit an, ber stimme mit ein." und Lenaus „Postillon" bekennt
„Keiner blies bas Horn so hell wie mein Kamerabe!"
Ist dieses ganze Gedicht schon eine kaum ver- gleichliche dichterische Weihe bes Wortes Kamerab und seines Wesens, so ist ja natürlich bas eigentliche Hohe Lieb des Kameraden Uhlands volkslied- haft markiges Gedicht vom „Guten Kameraden". Es kann nicht mehr und nichts Tieferes vom Sinn schlichter menschlicher Verbundenheit gesagt werden, als es in diesen drei Strophen ausgedrückt wird. Das Gedicht hat ja dann auch die schönste Ehrung empfangen, bie ein poetisches Werk empfangen kann: es ist aufgegangen im Volke, bas Volk singt es (übrigens nach einer Volksweise, von ber also kein „Komponist", höchstens ein Bearbeiter, Silcher, bekannt ist) unb das Volk empfindet es, tatsächlich unb mit Recht ja auch in jedem einzelnem Verse, als Ausdruck seines Gefühls so stark unb innig, daß es darüber den Dichter vergißt. Wohl bir, bu zweiunbzwanzigjähriger Ludwig Uhland, baß bir das gelang! Schon in diesen jungen Jahren leistetest bu genug, würbest ein Dichter ber Volksgemeinschaft!
Kamerabschaft ist einbringlichste Empfinbung ber Volksgemeinschaft. Das Wort ging aus vom Kriegsleben, von ber Heerfahrt, vom Abenteuer; von ber Kampfgemeinschaft überträgt es sich auf bie Gemeinschaft aller echten Tat. Wir erleben heute biefe schöne Verbreitung bes Wortes. Heute fühlen sie sich als Kameraden unb nennen sich Kameraben — seien sie Sturmabteilungsmänner, seien sie Arbeiter, seien sie Künstler!
Zeitschristen.
— Architektur unb Lcmbschaft werben, wie die „I l l u st r i r t e Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) an Hand eines ausgezeichnet bebilderten Artikels zeigt, durch eine neue Wohnauffassung organisch miteinander verbunden. Dieser Beitrag enthätt viele wertvolle Beispiele für bie Gestattung bes mobenien Wohnraumes. — „Karlshoxst in Kleinasien" Mßt eine launige Photoreportage, bie bas durchaus europäisch anmutenbe Treiben auf einem Rennplatz in Ankara schilbert, währenb ein Bildbericht „Land- ralten lernen segeln" Ausschnitte von einem beut- schen Hochfeesegelkursus bringt. — Außer einer Fülle der verschiedenen Beiträge fallen in diesem Heft die ausgezeichnet wiedergegebenen, zum Teil farbigen Kunstbeilagen auf. Auch ber reiche Moden- unb Literatur teil verbient hervorgehuden zu werben.
Schäfer als Rechenkünstler.
Unsere Rechenkünste gehen, wenn nicht beruflich •befonbere Leistungen auf diesem Gebiet von uns gefordert werden, nicht über einen bestimmten Rahmen hinaus. Wir dürfen sogar wieder einiges von dem vergessen, was wir in der Schule an arithmetischen Künsten gelernt haben, unb emp- finben nicht, dadurch irgendwie benachteiligt zu ein. Um so größeres Erstaunen rufen darum Men- chen hervor, die aus dem Rechnen einen Sport machen und imstande sind, schwierige Rechenaufgaben, wie das Multiplizieren fünf- und mehrstelliger Zahlen und das Kubikwurzelziehen, ungewöhnlich schnell aus dem Kopf auszuführen. Diese Rechenkünstler bedienen sich dabei beftimmter „Tricks", unb sie kennen einige „Zahlengeheim- nisse", die den gewöhnlichen Sterblichen unbekannt sind. Seltsamerweise haben die Schäfer mehrmals in der Geschichte solche Rechenkünstler gestellt. Zwar sind die Rechengenies mit wenigen Ausnahmen nie ausgebildete Mathematiker gewesen, aber baß gerade die Schäferei zu solchen Einblicken in das Zahlengeheimnis verhilft, das bleibt merkwürdig. Doch verschiedene Beispiele sprechen für die Richtigkeit dieser Behauptung. So war der arm« und beinlose „Zahlenzauberer" Grandemange von Beruf ein Schäfer und der Rechenkünstler Henri Mondeux stammte aus einer Bauernfamilie und konnte weder schreiben noch lesen; auch er hatte, bis er entdeckt wurde, in seinem Dorf die Herden gehütet. Als er aber dann vor der Pariser Akademie der Wissenschaften erschien, löste er ohne Feder und Papier in wenigen Sekunden Rechenaufgaben, zu denen andere Wochen gebraucht hätten, um sie heraus- zubekommen. England hat drei große Rechenkünst- ler hervor gebracht: Ellennette Betts, George Bid- der, ber als Zivilingenieur sich eine geachtete Stellung eroberte, und Jedediah Buxton, der im 18. Jahrhunbert das größte Aufsehen erregte. Bidder roar der Sohn eines Maurers und konnte bereits, bevor er noch schreiben konnte, so vorzüÄich rech- n€ILf Männer ber Wissenschaft auf ihn aufmerksam wurden. Er verwertete seine erstaunliche Naturbeaabung im praktischen Leben und brachte es schließlich zum Präsidenten des Institutes der Zivilingenieure. Mit den geheimnisvollen Geisteskräften solcher Rechengenies hat sich die Psychologie in neuester Zeit verschiedentlich beschäftigt. Wenn sich bie Rechenkünstler auch Gedächtnishilfen zurechtlegen, so ist diese ungewöhnliche rechnerische Begabung doch ein „Naturgeschenk". Ihre Entfaltung wird begünftigt durch die Entwicklungsbediqß gungen in der Frühzeit, und es scheint, daß gerate ber Beruf des Schäfers mit feiner Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt und ber Notwendigkeit, größere Ziffern zu behalten, die Gntftefcung des Rechengenies begünstigt.


