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Nr. 22 Zweiter vlaü

Gießener Anzeiger (General-AnzeigerfürGberheffen)

Samstag, 26.Zanuar 1955

Geschichten aus aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Freundliches Schreiben im Feruen Osten.

(ht) Charbin.

Also lautet der Brief, den Herr Kan-Fün-Tschi kürzlich einem deutschen Kaufmann in Charbin ge­schrieben hat:Sie leben in China und haben Chi­nesen betrogen und bitten jetzt die Behörden, Sie iu verteidigen. Eine solche Handlungsweise ist völlig unzulässig. Ich, der Held Kan-Fün-Tschi, habe Sie überall gesucht, um Sie zu erschlagen ... zweimal habe ich Sie im Laufe eines Monats gesehen! Das erste Mal sah ich Sie auf der Kitaiskafastraße, aber dort steht ein Polizist, so daß ich Sie nicht erschlagen konnte. Das zweite Mal sah ich Sie im Laden der Firma Wan-Tschang-Ia-Han, aber dort waren noch andere Leute, weshalb ich wieder nicht die Möglichkeit hatte, meinen Plan zur Ausführung zu bringen. Dank dieser Umstände werden Sie noch einige Tage leben. Aber schließlich werden Sie doch nicht dem Tode von meiner Hand entgehen. Held Kan-Fün-Tschi." Ueberflüssig zu bemerken, daß nicht der deutsche Kaufmann Herrn Kan-Fün-Tschi (mit dem EhrentitelDer Held") betrogen hat, son­dern daß der Fall gerade umgekehrt lag.

Die Fallschirmspringer streiken.

(th) Neuyork.

Einen Streik, wie er wahrscheinlich noch nicht dagewesen ist, erlebten kürzlich die Besucher des Flugplatzes von Miami in Florida. Anläßlich eines dort stattfindenden Luftsportfestes sollten auch meh­rere Fallschirmkünstler gemeinsam aus einem Rie­senflugzeug abspringen. Der Manager des Festes, der auch diese Fallschirmkünstler verpflichtet hatte, stieg selbst in dem Riesenflugzeug mit auf, um oben in der Luft seine letzten Anweisungen zu geben, erlebte jedoch eine nicht unbeträchtliche Enttäu­schung: oben, in einer Höhe von rund 1000 Metern, erklärten ihm die Fallschirmkünstler plötzlich über­einstimmend, nicht eher abspringen zu wollen, bis er, der Manager, das vereinbarte Honorar von 15 Dollar je Absprung auf mindestens 25 Dollar erhöht habe. Da der Manager nicht darauf ein­ging, mußte das Flugzeug wieder landen und das Publikum kam um die erwartete Sensation ...

.Heuschrecken als Briefboten.

() London.

Es klingt wie ein Aprilscherz oder wie eine Münchhausensche Erfindung. Aber es ist tatsächlich keine, denn diese Geschichte wird verschiedenen gro­ßen englischen Blättern übereinstimmend von ihren südafrikanischen Korrespondenten berichtet: In Süd­afrika, das zeitweise bekanntlich von Heuschrecken­schwärmen heimgesucht wird, hat man begonnen, aus dieser Rot eine Tugend zu machen und Heu­schrecken als Briefboten verwendet. Allerdings nicht aus ernsthaften Verkehrsrücksichten, sondern auf Grund privater Wetten. Man fängt eine be­sonders kräftige Heuschrecke ein, bindet einen win­zigen Brief an eines ihrer Beine und läßt sie dann wieder los. Diese Botschaft verliert sich selbstver­ständlich in dem ungeheuren Schwarm der Tiere ins Ungewisse wie eine Flaschenpost im Ozean, immer- hin aber hat kürzlich erst ein Engländer in Durban (Natal) seine Wette gewonnen, denn sein auf diese merkwürdige Art verschickter Brief kam wunsch­gemäß auf Umwegen in Prätoria an. Ein Neger, der in der Nähe von Paulpietersburg in Trans­vaal unter einem Heuschreckenschwarm eine Aus­lese für sein Frühstück hielt, fand nämlich das mit dem winzigen Brief behaftete Tier und beför­derte den Brief weiter ...

Das Opfer eines Schneemauns.

(z) Paris.

So paradox das auch klingen mag: Fräulein Yvonne Godard, eine in der Gesellschaft bekannte junge Dame, ist in den savoiischen Alpen das Opfer eine Schneemanns geworden. Yvonne befand

sich seit einigen Wochen in dem kleinen Gebirgs- dörchen Aröche, um dort mit einigen Bekannten dem Wintersport zu huldigen. Kürzlich baute sie, um ihre Freunde zu überraschen, in der Nacht vor der Tür des Gasthofes, in dem die Sportgesellschaft logierte, einen riesigen Schneemann vonüber Le­bensgröße". Als man am nächsten Morgen das Kunstwerk gebührend bestaunt halle, schlug ein Teilnehmer vor, von der Gesellschaft rings um die­sen Schneemann herum eine Gruppenaufnahme zu machen. Die Schöpferin selbst ließ sich zu Füßen ihres Schneemanns nieder, während die anderen sich malerisch um ihn herumgruppkerten. Plötzlich, aus unbekannter Ursache, sackte der Schneemann zu­sammen und begrub Fraulein Godard unter seiner Schneelast. Erst nach mehreren Minuten konnte die Verunglückte bewußtlos unter den Trümmern ihres Werks hervorgsschaufelt werden und mußte sofort nach Chambery in Krankenhaus überführt werden, wo die Aerzte mehrere Rippenbrüche und eine Ge­hirnerschütterung feststellten.

Intermezzo im Kaffeehaus.

(u) Madri d.

Eine tolle Szene ereignete sich kürzlich auf der Kleinkunstbühne eines großen Madrider Kaffeehau­ses. Kaum war auf der Bühne die junge und

hübsche Tänzerin Teresa Ribo erschienen, als ein junger Mann aus dem Publikum von seinem Sitz aufsprang, sich auf das Podest schwang und die ver­blüffte Tänzerin mit den Worten:Jetzt habe ich dich endlich, Treulo e! Ich lasse dich nicht mehr!" an sich riß. Ein unbe chreiblicher Tumult war die Folge. Künstler, Musiker, Bühnenarbeiter und Gäste stürmten auf die Bühne, um den Angreifer von der ohnmächtig gewordenen Tänzerin zu trennen. Und schließlich erschien auch im Sturmschritt das eiligst herbeizitierte Ueberfallkommando.

Den Beamte erzählte der junge Mann folgende Geschichte: Er sei der Landwirt Manuel Galera aus Esparraguera und verfolge schon seit einem Viertel- jahr seine Gattin Antonia, geborene Lopez, die ihm ohne jeden Grund durchgebrannt sei. Hier, unter dem Pseudonym der Tänzerin, habe er sie nun end­lich wiedergefunden und werde sie unter allen Um­ständen wieder mit nach Hause nehmen. Die in­zwischen wieder zu sich gekommene Tänzerin sowie ihre zufällig anwesende Mutter schworen dagegen Stein und Bein, mit einer Frau Galeras nichts ge­mein zu haben. Und der Polizei blieb schließlich nichts anderes übrig, als die ganze Gesellschaft mit zur Wache zu nehmen. Aber auch dort blieben die beiden Parteien fest bei ihren Behauptungen. Der die Untersuchung führende Polizeioffizier war schon nahe daran, sich die Haare auszuraufen, als plötz­lich, wie der an die Wand gemalte Teufel, die rich­tige Frau Galera erschien, die von dem Vorfall ge- I hort hatte und keine Unschuldige leiden lassen wollte.

Erstaunlich aber war die Aehnlichkeit zwischen ihr und der Tänzerin. Die richtige Frau Galera erzählte der Polizei, sie habe ihren Mann wegen seiner blinden Eifersucht verlassen, die einfach un­erträglich gewesen sei. Sie habe bisher in einer Madrider Fabrik gearbeitet, sei aber auch bereit, ihrem heißblütigen Manuel wieder nach Esparra« guera zu folgen, wenn er hier vor der Behörde das heilige Versprechen abgebe, sie hinfort nicht mehr durch unbegründete Eifersuchtsszenen quälen zu wollen. Das Versprechen wurde gegeben, die Parteien versöhnten sich wieder, und bestell auf­atmend nahm der Polizeioffizier das Protokoll die­ser südländischen Komödie zu den Akten ...

22 Jahre aufs Glück gewartet.

(d) Neapel.

Eine müde, abgehärmte, 45 Jahre alte Frau be­kam dieser Tage aus Amerika ein Telegramm: Ich bin frei und kehre heim. Hast du Wort ge­halten?" Sie antwortete ihm, daß sie Wort hielte und noch immer seiner harre, lieber 22 Jahre lang. Kann große Liebe beständiger sein?

Im Jahre 1912 warMike" Gentilcore nach fünfjähriger schwerer Arbeit beim amerikanischen Bahnbau so weit, daß er heimkehren konnte, um seine Maria Pia zu heiraten. Da wurden ihm in einer Nacht seine gesamten Ersparnisse gestohlen. Er fand den Dieb, der das Geld längst verspielt hatte. Schlug ihn nieder und traf ihn jo unglück­lich, daß er starb.Mord", sagten die Richter und verurteilten ihn im Mai 1912 in Minnesota zu lebenslänglichem Zuchthaus.

Mike schilderte Maria Pia genau, was alles und wie es geschehen war. Sie antwortete ihm: Halte den Kopf hoch, harre aus. Ich werde auf dich warten."

Jetzt hat man ihn begnadigt. Und nun kehrt er heim zu der Frau, um derentwillen er fast zum Mörder wurde, und die auf ihn wartete, über die Jugend und volle zwei Jahrzehnte hinweg ...

Nach zwanzig Jahren den Vater wiedergefunden.

(Dr. D.) Warschau.

Als 1915 die polnische Stadt Stanislau von österreichischen Truppen erstürmt wurde, erlitt ein fünfjähriger Junge eine Verwundung. Man pflegte ihn im Militärlazarett gesund und bemühte sich, seine Angehörigen wiederzufinden. Das gelang aber nicht, und weil man den Kleinen seinem Schicksal nicht überlassen wollte, blieb er bei dem Regiment es war ein ungarisches und wurde nach dem Krieg von einem Soldaten adoptiert. Das Kind be­kam den ungarischen Namen Laszlo.

Sein Adoptivvater war Schneider und ließ den Knaben in seiner Werkstatt arbeiten. Der Ortsgeist­liche bemerkte aber, daß in dem Kind echte Be­gabung steckte und brachte ihn in einem Internat in Budapest unter. Der Junge entwickelte sich glän­zend, er besuchte die Universität und später die Diplomatenschule und bestand alle Examen mit Auszeichnung.

Eines Tag^s begann er mit seinem Pflegevater in verschiedenen polnischen Städten nach dem Ver­bleib von Bruder und Vater zu suchen, konnte aber nur erfahren, daß fein Vater nach Amerika aus- gewandert war. Don drüben war aber keinerlei Auskunft zu holen.

Drei Jahre später bekam der junge ungarische Diplomat einen Sekretärposten bei einer für Ame­rika bestimmten ungarischen Handelsdelegation. Als er die Farbwerte in Detroit besichtigte, kam et mit einem Ingenieur ins Gespräch, der, wie sich her­ausstellte, aus Stanislau in Polen stammte und im Kriege zwei Söhne verloren hatte. Einige Mi­nuten später hatten sie sich wiedergefunden, Vater und Sohn, sie gaben sich die Hand und konnten im übrigen nur englisch miteinander sprechen. Der Diplomat suchte um Urlaub nach und reifte mit seinem Vater nach Europa, wo sie heute noch nach dem zweiten Sohn forschen. Wer weiß, wo sie den finden werden!

Zwei deutsche Fliegerinnen.

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Der Aero-Club von Deutschland veranstaltete in Berlin einen großen Empfangsabend für die deutschen Fliegerinnen E l l y B e i n h o r n und T h e a R a s ch e, die in den letzten Tagen von großen Propagandareisen nach Deutschland zurückgekehrt waren.' Präsident Wolfgang von Gronau be­grüßte die Fliegerinnen, die wir in angeregter Unterhaltung sehen. Rechts mit dem Blumenstrauß Elly Beinhorn.

Die magische Kuh.

Von Peter Bamm.

Als Cäsar den Rubikon überschritt, war ein stiller Frühlingsmorgen. Die Esel schrien auf den Wiesen, der Nebel zog in zarten Streifen durch das Flußtal. Es war ein wunderbarer Manövertag, und die Legionäre gingen über den Fluß, als ob es ein Spaziergang wäre. Es ist nicht gerade schwer, fünf­zig oder hundert Jahre später die Bedeutung dieses Tages zu erkennen. Alle späteren Historiker haben sie erkannt. Aber der Unterschied zwischen einem Historiker und einem großen Feldherrn ist gerade der, daß der Feldherr vorher genau weiß, was jene später nur mit Mühe zu erkennen vermögen. Das Alea jacta est" (der Würfel ist gefallen), das der große Cäsar an diesem stillen Morgen sprach, ist die bewundernswerteste Aeußerung, die uns von diesem Manne überliefert ist. Aus den zarten Nebeln des Frühlingsmorgens sah er das Imperium Roma- num heraufsteigen, während seine Soldaten nur bas Schreien der Esel hörten.

Als Kepler vom Turm von Pisa kleine Steine hinunterwarf, war ein heißer Mittag. Selbst die Esel waren still vor Hitze. Niemand beobachtete diesen unscheinbaren Mann, der sich mit einer dieser jugendhaften Albernheiten zu beschäftigten schien, die den Männern bis in ihr höchstes Alter hinein o viel Spaß machen. Mit einem kleinen Klax prangen die Kiesel unten auf. 2lber mit leöem aufte eine großartige physikalische Erkenntnis m die Tiefe. Und diese kleinen Kieselsteine die der kleine Mann da hinunterwarf, haben posiere Ver­wüstungen in der mittelalterlichen Welt ungerichtet, als es die größten Fliegerbomben in der heutigen Welt vermöchten. .....

Die umstürzenden Ereignisse in der Geschichte der Menschheit spielen sich in aller Stille ab. So hat das Zeitalter des sterbenden Rationalismus, m dem wir zu leben das Glück haben, einen fürchterlichen Schlag bekommen in einem kleinen Dorf in Palen.

Im Dorfe Strzalkow sollte einem Bauern seine Kuh gepfändet werden. Es kann nichts Gewöhn­licheres geben als das. Manchmal natürlich stirvl eine Kuh, bevor der Gerichtsvollzieher zürn äußersten geschritten ist. Manchmal auch stirbt eine Kuh, wenn sie in den Besitz des Staates übergegangen ist. Niemand würde sich darüber wundern. Aber m Strzalkow trat etwas ganz anderes ein. 2» dem­selben Augenblick, in dem der Gerichtsvollziehee der Kuh das Siegel auf den Achtersteven klebte, brach die Kuh zusammen und war tot.

Nun, die Rationalisten werden überlegen lächeln und werden sagen, daß man nach der Wahrschein­lichkeit ausrechnen könne, daß das immer einmal

wieder eintreten müsse. Viele Kühe sterben, viele Kühe werden gepfändet. Also warum soll nicht einmal eine Kuh sterben in dem Augenblick, in dem sie gepfändet wird? Aber ihr Lächeln hat etwas Oahles und Verzerrtes. Sie befinden sich in der age der falschen Propheten, die fühlen, daß sie vor der Entlarvung stehen. Tatsächlich, niemand glaubt ihnen mehr.

Nichts ist aufschlußreicher, als daß die Nachricht vom Tode der Kuh in Strzalkow durch alle Gazetten der Welt gegangen ist. Sie stand unterVermisch­tes", der eigentlich mystischen Rubrik des Welt­geschehens. Wir alle haben das Empfinden, daß die Pfändung einer Kuh eine ruchlose Tat ist. Wir wollen nichts davon wissen, daß die Kuh an Zufall gestorben ist. Wie ziehen es vor, zu glauben, daß sie an der Ruchlosigkeit gestorben ist. Und niemand von uns würde die Geschichte auch nur das kleinste biß­chen überraschender finden, wenn statt der Kuh der Gerichtsvollzieher tot zu Boden gestürzt wäre.

Es kommt nicht auf die Beweise an. Es kommt darauf an, welche Beweise geglaubt werden. Die magischen Zusammenhänge haben etwas, was den Menschen leichter einnimmt, als die rationalen Zu­sammenhänge. Geister sterben da nicht aus, wo an sie geglaubt wird. Freilich, warum die Menschen von irgendeinem Augenblick an lieber an das eine als an das andere glauben, das ist eines der Geheimnisse des Weltgeistes, das nicht einmal die Magier ,)u erklären vermögen, geschweige denn die Rationalisten.

Seltsame Welt.

Von Sans 3. Wagenseil.

Von den tausend Kriegsandenken des Londoner Kviegsmuseums ist eines der merkwürdigsten das sogenannteS chränkchen von Le Cateau . Nahezu vier Jahre lang hielt sich in diesem Schränk­chen, das in einem von deutschen Truppen besetzten Haus stand, ein englischer Soldat verborgen, wobei ihn die in dem Hause wohnende Französin heimlich mit Esten versorgte.

Während des Weltkrieges gelang es Hunderten von Frauen, als Soldaten verkleidet, an die Front zu gelangen, und ihr wahres Geschlecht verborgen zu halten, bis sie verwundet wurden ober fielen. Deutschland zählte 421 solcher Amazonen, von denen eine das Eiserne Kreuz für eine so tapfere Kampfhanblung erhielt, daß sie es auch nach ihrer Entlarvung weitertragen durfte.

Vor einem Jahrhundert galt der Freit a g in England für einen derartigen Ungluckstag, daß die

Admiralität beschloß, diesen Aberglauben durch den Bau einesFreitag-Schiffes" auszurotten. Freitag war der Tag, an dem feine Kiellegung erfolgte, und der Tag seines Stapellaufs. Freitag war sein Name und der Name seines Kapitäns. An einem Freitag stach es in See ... Und nie wieder hat man etwas von ihm gehört. *

Die umwälzendste Neuentdeckung, die auf dieser Welt gemacht wurde, war nicht die des Gebrauchs des Feuers, die des Rades ober ber Schrift, fonbern die Entbeckung von ber Nutzbarmachung des Pflanzensamens. Sie führte zum Ackerbau und befreite die Menschheit von ber Notwenbigkeit ununterbrochener Nahrungssuche.

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Da bie Dattelfrüchte nur auf weiblichen Dattel­palmen wachsen, treffen in ben arabischen Dattel­hainen oft an bie taufenb weibliche Bäume auf einen männlichen. Die weiblichen Bäume werben von ben Eingeborenen künstlich befruchtet, inbetn sie auf ihnen hinaufklettern unb Blütenstaub über die blühenben Dolben ausstreuen.

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Auf ben Philippinen wirb fast alle Feldarbeit mit Musikbegleitung getan. Die Musiker gehen hinter den Arbeitern her, und alle Handgriffe klingen rhythmisch mit ber Musik zusammen, ein für ben Fremben oerblüffenber Anblick.

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Gemäß den mathematischen Wahrscheinlichkeits­berechnungen belaufen sich bie Aussichten, von einem Blitzschlag getötet zu werben, auf etwa 7000 zu 1 bei einer siebzigjährigen burchschnittlichen Lebens­dauer unb nur 500 000 zu 1 im Verlauf eines Jahres. Aber die Blitze hielten sich, was Herrn Caesar Beltrarn aus Lyon betrifft, nicht an diese Abmachung. Monsieur Beltrarn wurde nicht weniger als fünfmal vom Blitz getroffen, ehe er starb unb zwar an einer Lungenentzünbung, nicht etwa infolge eines Blitzschlags. *

Der luxuriöseste Palast ber Welt ist basSchloß ber Winbe" in Jaipur (Indien). Dieser richtige Marmorbau enthält jebe nur erbenkliche Bequemlich­keit unb bem Vergnügen bienende Einrichtung. Seinen Namen hat es daher, daß an jedem der 3462 Fenster freischwebende Musikinstrumente so ange­bracht sind, daß sie im Zugwind singen.

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Eines der romantischsten Denkmäler der Welt ist dieQuelle der Tränen" in Bakhschiserai in Rußland. Von einem Tartarenkhan zum Zeichen der Trauer anläßlich des Todes einer gefangenen pol­nischen Prinzessin errichtet, hat eg in den letzten drei­

hundert Jahren jebe Minute eine Träne nämlich einen Wassertropfen vergossen.

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Eine ber größten Ehrungen, die wohl je einem Hunde widerfahren ist, wurde dem kleinen Draht- h a a r t e r r i e rCäsar" zuteil. Dieser Lieblings­hund Eduards VII. von England durfte bei der Bei­setzung seines Herrn unmittelbar hinter bem Sarg einhergehen und genoß so ben Vortritt vor neun Königen unb Prinzen aus fast allen Länbern der Erde.

Der boshafte Arahms.

Der Musiker Johannes Brahms befand sich häufig und gern in Gesellschaft einiger weniger guter Freunde unb erwies sich bann in der Unter­haltung durchaus nicht als Griesgram. Auf größeren Gesellschaften, bei denen ihm unsympathische Gäste zugegen waren, konnte jedoch leicht derböse Geist" über ihn kommen. Brahms war dann mißgestimmt, und man mußte immer auf Ueberraschungen von seiner Seite gefaßt sein. Auch seine besten Freunde blieben bann von seinem Spott nicht verschont. Auf einem solchen Abend soll sich der Komponist einmal von der Hausfrau, die er selber sehr schätzte, mit den Worten verabschiedet haben:Wenn ich jemand aus der Gesellschaft zu beleidigen vergessen haben sollte, bitte ich, mich zu entschuldigen."

Zeitschriften.

Soeben kommt im Propyläen-Verlag, Berlin, das erste Heft derK u n st k a m m e r" heraus, einer illustrierten Monatsschrift, bie vorn Präsiden­ten ber Reichskammer ber bildenden Künste heraus­gegeben wirb. In berKunstkammer" erscheinen die amtlichen Mitteilungen für die Mitglieder der Reichs- kammer, aber bie Zeitschrift will weit darüber hin­aus dem ganzen Volk Mittler deutscher Kunst sein. Die Aufsätze sollen fern von grauer Theorie jedermann verständlich sein. Die Kunstwerke sollen in guten Wiedergaben für sich selber sprechen. Der bescheidene Preis von 20 Pfennig gibt derKunst­kammer" die äußere Möglichkeit, dieBahn frei zu machen für eine gesunde Verständigung zwischen Kunst, Künstler und Volk", wie es Prof. H ö n i g, ber Präsident der Reichskammer, im Geleitwort for­muliert. Von den Beiträgen bes ersten Hefts feien erwähnt:Entdeckung der Lanbschast",Fünf Kunst­handwerker arbeiten gemeinsam an einem Werk" unb berBrief eines Architekten an seinen Bau­herrn". lieber 40 Bi Iber zeigen alte unb neue Pla­stik, Malerei, Architektur, Kunstgewerbe unb Ver­wandtes,

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