tärische, sondern auch das wirtschaftliche Rückgrat von Malta.
Das Innere der Hauptinsel ist ein wasserarmes Hochland mit Geröll und öden Flächen. Die Bevölkerung drängt sich auf einem engen Raum zusammen, so daß diese Inseln wahrscheinlich die prozentual stärkste Bewohnerschaft Europas aufweisen. Da sie hauptsächlich von Landwirtschaft und Gartenbau lebt, ist die Besitzzersplitterung sehr groß. Auf kunstvoll gebauten Terrassenanlagen erfolgt der Anbau der Feldfrüchte: schon im April reift das Gemüse im Freien, und die berühmten Maltakartofseln finden ihren Weg in die europäischen Hauptstädte. Diese Kartoffeln machen etwa ein Drittel der Ausfuhr aus. Im übrigen ist Malta auf die Einfuhr fast aller gewerblichen Erzeugnisse angewiesen, die passive Handelsbilanz wird aber durch die Gelder ausgeglichen, die das englische Beamtentum und die Besatzung ins Land bringt.
Die Malteser, ein Mischoolk, das aus arabischen und italienischen Elementen entstanden ist, sind auch als Händler und Seefahrer tüchtig. Die lieber- pölkerung der Heimat zwingt sie zu steigender Auswanderung. Man wird sie in allen Küsten der Levante oorfinden. Wenn Malta, abgesehen von seinen innerpolitischen Zwistigkeiten, für die große Welt in den letzten Jahren keine wichtige Rolle spielen konnte, so daß auch der Strom des Fremdenverkehrs an ihm vorüberging, so steht es jetzt plötzlich im Mittelpunkte großer Interessen und Entscheidungen.
Konflikt der Interessen.
Eins hat der Verlauf des abessinischen Streites in den vergangenen Wochen mit aller Deutlichkeit erkennen lassen: der britische Löwe schläft nicht. Er hat seine Pranke erhoben und ist bereit, zuzuschlagen, wenn die Lage gefährlich wird. Auch die Italiener werden nicht bestreiten können, daß sich die Position der britischen Politik in kürzester Zeit erheblich verstärkt hat. Nicht nur ist es den Engländern gelungen, die französische Diplomatie mehr und mehr auf ihre Seite zu ziehen, sondern auch der Aufmarsch der britischen Flotten st reitkräfte im Mittelmeer und die Truppentransporte nach Gibraltar, Malta, Aegypten und anderen Schlüsselpunkten des Empire beweisen, daß die Militärmacht der Vereinigten Königreiche sich den faschistischen Streitkräften gewachsen fühft. Die Pranke des britischen Löwen hat blitzartig ihre scharfen Krallen gezeigt, um sie dann allerdings gleich wieder einzuziehen. Denn auch dem Foreign Office liegt nichts daran, einen Krieg zwischen zwei europäischen Großmächten vom Zaune zu brechen. Erst wenn die sanfteren Metho- der der Diplomatie versagen, erst wenn der äußerste Notfall eingetreten ist, und die Lebensnerven des Britischen Reiches unmittelbar bedroht sind, wird die englische Regierung auch vor kriegerischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.
Zwar leugnen die mit der Vertretung der eng» llischen Krone beauftragten Diplomaten noch auf Idas hartnäckigste, daß es sich um eine italienisch- »englische Auseinandersetzung handele. Sie be- rtonen nachdrücklichst, daß die englischen Dor- fsichtsmaßnahmen nur dem Schutze der Völ- ikerbundsgrundsätze dienen sollten. Diese loffizielle These, die auch der britische Botschafter iin Rom dem italienischen Unterstaatssekretär Suvich rund gewiß auch dem Duce selber bei seinem Besuch zzum Ausdruck brachte, steht allerdings im harten »Gegensatz zu den Tatsachen, die eine sehr viel deutlichere Sprache reden. Alle schönen Beschwichti- zgungsversuche in Genf können nicht darüber hin- aoegtäuschen, daß es in Abessinien um sehr reale tu n b lebenswichtige Dinge geht, die weniger mit den Theorien des Völkerbundes als mit Len machtpolitischen Interessen der bei» Iben Großmächte England und Italien zu tun haben.
Das unrühmliche Ende des vom Völkerbundsrat «ingesetzten Fünfer-Ausschusses hat noch «inmal den scharfen englisch-italienischen Gegensatz in der abessinischen Frage enthüllt. Mussolini hat tote Ablehnung der Völkerbundsvorschläge nach fol- ggenden Gesichtspunkten erläutern lassen: Italien ergebt Anspruch auf das gesamte abessinische Geriet mit Ausnahme der amharischen Kernprovinzen. LEs fordert die Abrüstung ganz Abessini- sns unt/r italienischer Kontrolle. Es jforbert die Abschnürung bes Restlanbes wom Meer und bie Anerkennung seiner gebietsmäßigen Rechte auf Grunb bes Dreiervertrages von 11906.
Diese Forderungen, bie Baron Aloisi inoffiziell n Genf vorbrachte, find klar genug, um zu zeigen, vaß Mussolinis Behauptung, er wolle bie Interessen Englands nirgends verletzen, auch nur eine diplomatische Redensart ist. Denn wenn es Italien erlaubt würde, auch das gedachte Rest-Abessinien, das )o i e Gebiete um den Tanasee umfaßt, po- iitisch und militärisch zu kontrollieren, bann wäre i*5 in ber Tat in bie Hand römischer Behörden gegeben, die Nilquellen, das Wasserschloß des Sudans und Aegyptens, nach ihrem Willen zu lenken und schließlich ganz zu beherrschen. Eine solche Eventua- ■ ität aber darf die englische Regierung niemals blassen. Die britische Regierung muß immer darauf gestehen, daß das QueÜgebiet des Nils uneinge- ihränft in ihrer eigenen Hand bleibt oder nicht den Einflüssen einer rivalisierenden Macht uusgesetzt ist. Das Letztere aber würde ber Fall sein, wenn ber Völkerbund den Italienern irgendeine Einwirkungsmöglichkeit im abessinischen Zen- iralgebiet zugesteht.
Wenn daher der Friede zwischen Italien und England erhalten bleiben soll, so bleibt nur bie Möglichkeit, baß ber Duce erhebliche Abstriche :oon seinem ursprünglichen (Eroberungsprogramm macht unb sich bamit begnügt, bie c b e f f i n i ■ chen Ranbgebiete, bie den italienischen Kolonien Somali und Erythräa benachbart sind, in seine Hand zu bringen. Das wäre ein klarer, einwandfreier Rückzug. Mussolini hat erst kürzlich einem inglischen Journalisten gegenüber die ironische Bemerkung gemacht, daß er fein „Sammler von Wüten" fein wolle. Tatsächlich aber sind die abessinischen Provinzen Dankali, Ogaden usw., deren Be- Ltzung England allenfalls zugestehen würde, weder äin geeignetes Siedlungsland, noch enthalten sie die berühmten Bodenschätze, auf die man in Rom so erpicht ist. Es muß bezweifelt werden, daß die Erwerbung eines verhältnismäßig wertlosen Landes !iem Duce genügen wird, um den ungeheuren Aufwand an menschlicher Energie und materiellen Mit- isln aufzuwiegen, der bisher in Ostafrika eingesetzt Dorben ist. So bleibt ber Gegensatz zwischen den tieiben Stresa-Mächten nach wie vor offen, unb alle Lemühungen des Völkerbundes werden es nicht verhindern können, daß entweder eine der beiden Mächte einen klaren Rückzug antritt ober baß eine 2useinanberfetzung mit kriegerischen ober friegs- chnlichen Mitteln bas künftige Schicksal bes Schwär» «v Kaiserreichs entscheibet.
Tagung -er Reichswohnungskonferenz.
Keine ungerechtfertigte Mietpreissteigerung aber Rentabilität des Hausbesitzes.
Der Reichsarbettsminister über die WohnungspoM des Reiches.
Berlin, 24. Sept. (DNB.) Auf Einlabung bes Reichsarbeitsministers traten am Dienstag Vertreter ber Reichsrefsarts, sämtlicher ßanbesregierungen unb ber Sieblungsbeauftragte im Stabe bes Stellvertreters bes Führers zu einer R e i ch s w v h - nungskonferenz zusammen. Reichsarbeitsminister S e l b t e leitete bie Sitzung unb machte babei falgenbe Ausführungen:
„Die Tagesorbnung der heutigen Reichswvh. nungskonferenz enthält Punkte, oie von außerordentlicher Tragweite für den deutschen H aus - besitz, für bie Mieterschaft, aber auch für bie Neubautätigkeit unb bie gesamte beutsche Wirtschaft sinb. Die Auswirkungen zwangswirtschaftlicher Maßnahmen beschränken sich nicht nur auf bie unmittelbar Betroffenen, auf Hausbesitzer unb Mieter. Bei ber engen Verbunbenheit von Hausbesitz unb Realkredit müssen falsche Maßnahmen, müssen (Eingriffe, welche bie Rentabilität bes Hausbesitzes erschüttern, von stärkster Rückwirkung auf ben Real- k r e b i t sein. Dies kann aber weiterhin eine Ge- fährbung ber ganzen Wohnungsbaupolitik ber Reichsregierung zur Folge haben' Nur burch genügenden Wohnungsbau wird aber schließlich eine Wohnungsnot vermieden und die vorhandene Wohnungsknappheit wieder beseitigt wer- den können.
Die Reichsregierung hat in diesem Jähr den hohen Betrag von 185 Millionen RM. zur Förderung des Wohnungsbaues zur Verfügung gestellt. Sie hat darüber hinaus durch eine Reihe weiterer Maßnahmen — ich nenne nur die Uebernahme der Reichsbürgschaft — versucht, aus dem Kapitalmarkt Mittel dem Wohnungsbau zuzuführen und bie private Initiative anzuregen. Die erfreuliche Zunahme ber Neubautätigkeit zeigt, daß dieser Weg der richtige war. Unbedingt notwendig ist es daher, alles zu unterlassen, was die gün
stige Entwicklung unterbrechen unb bamit nur bie Wohnungsknappheit weiter verschärfen würbe. Ich bitte, biefe wirtschaftlichen Gesichtspunkte ganz besonbers .zu berücrsichtigen.
Dies heißt keineswegs, baß notwendige Maßnah. men unterlassen werden sollen Ich denke hierbei vor allem an die Unterbindung ungerechtfertigter Mietpreis st eigerungen. Es ist Ihnen bekannt, daß die Reichsregierung entscheidenden Wert darauf legt, das gegenwärtige Preisniveau zu halten. Nur wenn dies gelingt, wird es auch möglich fein, Lohnerhöhungen zu vermeiden, die ihrerseits unsere Konkurrenzfähigkeit im Auslande vermindern und die Möglichkeit ber Ausfuhr einschränken würben.
Ich habe erklärt, baß ungerechtfertigte Mietpreissteigerungen verhinbert werden müssen. Dies heißt nicht, daß jede Mieterhöhung schematisch unterbunden werden soll. Die Rentabilität des Hausbesitzes muß erhalten bleiben. Soweit sie, wie vielfach bei Grundstücken mit Großwohnungen in der Zeit der Wirtschaftskrise verloren gegangen ist, soll ihre Wiederherstellung nicht unterbunden werden. An dem Grundsatz bes Reichsmietengesetzes, baß bie Miete zur Deckung ber U n k o st e n bes Hausbesitzes unbedingt ausreichen muß, wird auch weiterhin festzuhalten fein.
Es ist das Ziel der heutigen Beratungen, einen Weg zu finden, der den berechtigten Interessen der Mieterschaft, vor allem der minderbemittel- t e n Schichten unseres Volkes, Rechnung trägt, der über auch die Interessen des Hausbesitzes und die Grundsätze einer gesunden Wirtschaftspolitik nicht außer Acht läßt."
Im Anschluß daran wurde in eine eingehende Beratung verschiedener grundsätzlicher, mit der Wohnungswirtschaft zusammenhängender Fragen eingetreten. Insbesondere wurden auch die Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Miet- preis ft eigerungen erörtert.
Der Voiksschuilehrer als VevöikerungsstaMker.
Das, was im ganzen deutschen Volk im großen geschieht, spiegelt sich in den einzelnen Städten und Dörfern im kleinen, und oft ist der Eindruck dieser kleinen Spiegelungen stärker als die unpersönliche Reichsstatistik. Wenn du z. B. von der drohenden Gefahr des Geburtenrückganges und der blutsmäßigen Verschlechterung des deutschen Volkes hörst und liest, berührt dich das erst bann ganz persönlich, wenn bie entsprechenden Zahlenbeispiele aus deiner persönlichen Umgebung, etwa aus deinem Heimatort stammen. Ebenso wird dir die bevölkerungspolitische Bedeutung des Bauerntums und des Erbhofgesetzes erst dann wirklich klar, wenn die gegensätzlichen Beispiele von Stadt und Land und von Anerbenrecht und Realteilung aus Bezirken stammen, die dir persönlich bekannt sind.
Deshalb ist neben den großen Berechnungen der Statistischen Aemter die Kleinarbeit, die etwa ein einzelnes Dorf nach bestimmten Gesichtspunkten wie Crbgesundheit, Bevölkerungsdichte und Verstädterung erfaßt, und die aus diesem Dorf selbst heraus geleistet wird, sehr zu begrüßen. Ein vorbildliches Beispiel solcher Arbeit zeigt der Aufsatz „Vom Blutstrom Wolkenburgs" in der Monatsschrift „Die Volksschule. Beilage zur politischen Erziehung" (1935/36).
Hier hat ein Dolksschullehrer vom Lande in seinem Dorf eine Erhebung angestellt, die die blutsmäßige Lage des ganzen Volkes widerspiegelt. Aus den verschiedenen sorgfältigen Zahlenreihen, die zum Teil bis 1876 und 1834 zurückgehen, seien nur einige herausgegriffen:
Jahr
Geburten
1880
22
1890
45
1900
50
1910
34
1920
32
1930
21
1931
13
1933
17
Daraus geht hervor, wie rasch und stark die Geburtenzahl durch den Liberalismus des 20. Jahrhunderts gesunken ist und wohin das führen muß: zur Vergreisung und zum freiwilligen Aussterben. Früher waren Familien mit fünf und sieben Kindern die Regel. Aber heute besitzen von den 265 Familien in Wolkenburg nur:
1 Familie 7 Kinder
1 6 „
5 Familien 5 „
8 „ 4 „
26 „ 3 „
55 „ 2 „
109 „ 1 Kind
60 „ kinderlos
Das entspricht im Durchschnitt einer Zahl von 1,4 Kindern je Familie: 3,4 ist aber die Zahl, die zur nackten Bestandserhaltung des deutschen Volkes notwendig ist. Die Wolkenburger können sich beinahe auf dem Papier ausrechnen, wann sie ausgestorben sind! Deshalb werden sie jetzt, nachdem sie diese furchtbare Statistik ihres eigenen Schicksals gesehen haben, sich gegen alle zersetzenden Einflüsse wappnen und sich wieder auf ihre eigene Art besinnen und auf die Erhaltung dieser Art.
Gerade der Landschullehrer ist für solche bevölkerungspolitischen Erhebungen geeignet. Er kennt alle Leute im Dorf und er kann vielleicht mit dem Ortsbauernführer zusammen auch die Ergebnisse am besten auswerten: in der Heimatzeitung, in Schu- lungsoorträgen und mit der Weiterleitung an ein Statistisches Amt oder eine Fachzeitschrift. Besonders gut — und das ist wohl das Wertvollste — kann Der Lehrer solche Ergebnisse, die er vielleicht sogar mit den Schülern gemeinsam erarbeitet hat, in der Schule auswerten, um an diesem praktischen Beispiel aus dem allernächsten Leben die Blutsfragen des deutschen Volkes und ihre Bedeutung sinnvoll und erfolgreich zu lehren.
Selbstverwaltung der Elektrowirtschaft.
In dem Aufbauplan der gewerblichen Wirtschaft bildet die Energiewirtschaft die Gruppe VI. Sie besteht aus zwei großen Untergruppen: der Elektrizitätsversorgung sowie der G a s» und Wasserversorgung. Beide Untergruppen sind ihrer Natur nach gemeinnützig, was sich schon aus ihrer Funktion als Versorger der Allgemeinheit mit den lebenswichtigen Kräften Strom, Gas und Wasser ergibt. Diese Versorgung liegt weitgehend in der Hand öffentlicher Körperschaften. Trotzdem ist es keineswegs die Absicht des nationalsozialistischen Staates, diese Versorgungs- Wirtschaft unmittelbar in feine Hand zu nehmen, also sie zu verstaatlichen. Staat und Wirtschaft haben nach nationalsozialistischer Auffassung zwei ganz verschiedene Ausgaben. Der Staat lenkr die Wirtschaft, damit sie der Lebenserhaltung des deutschen Volkes dient. Die Wirtschaft hat sich ihrerseits in die vom Staate ihr gesetzte Ordnung freiwillig einzuordnen und die ihr übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Im übrigen aber verwaltet s i e sich s e l b st. Die Elektrizitätswirtschaft, die der gemeinnützigen Versorgung und der Vervollkommnung der Gesamtwirtschaft dient, muß in ganz besonderem Maße die Beziehungen zur übrigen Wirtschaft pflegen, um so eine Gemeinschaftsarbeit zu ermöglichen, die allein schon die Grundlage für ein System der wirtschaftlichen Selbstverwaltung bildet. Denn es kann der übrigen Wirtschaft und daher auch dem Staate keineswegs gleichgültig fein, ob und in welchem Maße Haushalt und gewerbliche Erzeugung zur Verwendung des elektrischen Strom übergehen, und in welchem Grade ihr das erleichtert wird. Der gewerblichen Selbstverwaltung ist hier eine Aufgabe übertragen, die von größter Bedeutung für die Allgemeinheit ist. Es besteht daher die Absicht, durch ein Energiegesetz den Ausbau der Elektrizitätserzeugungsanlagen zu regeln und zu fördern. Aber auch dieses Gesetz wird nur die grundsätzlichen Fragen lösen und ordnen, also Richtlinien geben, deren Durchführung in die Hand der Selbst- oerwaltungsträger gelegt werden wird.
Die Wirtschaftsgruppe Elektrizität gliedert sich ihrerseits in 15 B e z i r k s g r u p p e n, die sich
an die Treuhänderbezirke anlehnen und von je einem Leiter geführt werden, lieber den Bezirksgruppenleitern steht der Beirat der Wirtschafts- aruppe, dem sämtliche Bezirksleiter angehören. Ihre Aufgabe ist die Weiterentwicklung der Elektrizitätswirtschaft in ihrem Bezirk. Ganz besonders soll ihnen die Erschließung des ländlichen Haushalts und des landwirtschaftlichen Betriebes für eine ausgedehntere Elektrizitätsverwendung am Herzen liegen. Aber auch eine Reihe anderer Probleme, wie z. B. die Förderung der Elektrowärmeanwendung in der Industrie, die Sorge für eine stärkere Verwendung des Aluminiums beim Bau elektrischer Leitungen, die Herstellung einer Zusammenarbeit bei der Messung und Bekämpfung von Rundfunk st örungen u. a. m., unterstehen ihrer Regelung. Auf allen diesen Gebieten sollen die Wirtschaftsaruppen aufklärend, anregend und ordnend einwirken, im übrigen aber die Initiative der einzelnen Träger ber Elektrizitätswirtschaft nicht efwa unterbinden, wohl aber diese zu einer Zusammenarbeit führen. Dieser Gemeinschafts- arbeit gehören natürlich auch die Gemeinden und G e m e i n d e v e r b ä n 0 e an, die [a die Verträge mit den Trägern der Energiewirtschaft über die Versorgung ihrer Einwohner mit Elektrizität abzuschließen haben, und die daher ebenfalls in dem Beirat der Wirtschaftsgruppe vertreten sind.
Auch auf diesem Gebiet wird wohl eine weitgehende Neuordnung und Vereinheitlichung in dem Energiegesetz durchgeführt werden. Um aber bis zum Erlaß dieses Gesetzes Bindungen und Festlegungen der Gemeinden nach Möglichkeit zu verhindern, hat der Reichsinnenminister kürzlich einen Runderlaß über den Abschluß von Verträgen auf dem Gebiete der Energiewirtschaft durch Gemeinden und Gemeindeoerbände veröffentlicht. Der Erlaß umfaßt genaue Hinweise für den Abschluß solcher Verträge, um zunächst eine vorläufige Regelung zu schaffen. Grundsätzlich sollen die Gemeinden Zurückhaltung beim Abschluß neuer Verträge üben, um ber späteren gesetzlichen Regelung nicht vorzugreifen.
Die Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung wird demnächst in Saarbrücken ihre erste
Tagung abhalten, auf ber alle diese Probleme und Aufgaben ber Gemeinschaftsarbeit eingehend erörtert werden sollen. Es ist kein Zufall, daß aerobe Saarbrücken zum Tagungsort gewählt wurde. Denn in bem zum Reiche zurückgekehrten Saargebiet gibt es ein besonberes Elektrizitätsproblem, bas mit ber Saarkohlenfrage aufs engste zusammenhängt. Das Reichswirtschaftsministerium hat soeben darauf hingewiesen, daß der deutsche Inlandskohlenmarkt noch erheblich größere Mengen Saarkohle als bisher aufnehmen muß, da Frankreich seine Saarkohlenbezüge seit der Rückgliederung des Saarlandes auf weniger als die Hälfte eingeschränkt hat. (Ein besonders wichtiges Derwendungsgebiet für bie Saarkohle ist aber die Erzeugung von elektrischem Strom. Man kann daher dem unter der zu großen Zahl der Feierschichten leidenden Saarbergmann auch dadurch helfen, daß man das Absatzgebiet ber Saar- elektrizität nach Möglichkeit erweitert. Sicherlich wird sich die Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung in Saarbrücken auch mit diesem Teile des Saarproblems beschäftigen, da es ja nur durch eine planmäßige nationalwirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit gelöst werden kann.
Nie Wirtschafisnot in Neutschböhmen.
Die Tschechoslowakei hat durch die im vorigen Jahre oorgenommene Abwertung ihrer Krone zwar eine vorübergehende Belebung der Wirtschaft erreicht. Aber diese hat sich als wenig nachhaltig erwiesen. Zwar ist bie Ausfuhr auch mengenmäßig um 5 bis 10 o. H. gestiegen. Doch diese Zunahme reichte bei weitem nicht aus, um die ungeheure Arbeitslosigkeit zu beheben ober wenigstens bebeutenb zu Derminbern. Jetzt steht bie tschechoslowakische Regierung bereits roieber vor ber Frage, ob sie eine nochmalige Abwertung ber Krone vornehmen soll, wie das namentlich von den tschechischen Agrariern gefordert wird. Der Finanzminister hat eine solche Maßnahme entschieden abgelebt und dafür Zins« s e n f u n g, Entschuldungsmaßnahmen und Renten- konoersionen vorgeschlagen. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht erfolgt, so daß zur Zeit niemand weiß, welchen Weg Die tschechoslowakische Wirtschaftspolitik künftig gehen wird.
Die Hauptlast der Wirtschaftsnot in der Tschechoslowakei wird von den industriell hochentwickelten deutschen Landesteilen, also insbesondere von den beutschböh mischen Bezirken getragen. Gerade ihnen hat die Devalvation nur eine sehr geringe Hilfe gebracht, und heute ist die Wirt- schaftsnot hier wieder aufs Höch st e gestiegen. Die Gablonzer Industrie steht z. B. in einem verzweifelten Existenzkampf. Der Porzellan-, Glas- und Wollindustrie Deutsch- böhmens geht es nicht viel besser, und auch die anderen Industriezweige leiden schwer unter dem großen Absatz- und Beschäftigungsmangel. Der Fürsorgeminister Dr. N e t s ch a s hat kürzlich ekschüt» ternbe Zahlen über bas soziale (Elenb in ben fube- tendeutschen Industriegebieten mitgeteilt, und das Wort von ben „I n b u st r i e f r i e b h ö f e n", bas kürzlich gefallen ist, zeigt deutlich, für wie hoffnungslos die Lage auch in Regierungskreisen gehalten wird.
Wirksame Hilfsmaßnahmen müßten also vor allem in diesen Elendsbezirken Deutschböhmens einsetzen. Die Frage ist aber, ob der tschechische Nationalismus diese bringend notwendigen Maßnahmen zur Rettung der deutschen Industrie und der deutschen Arbeiterbevölkerung zulassen wird. Die Hoffnungslosigkeit, die weite Kreise dieser Bevölkerung ergriffen t)at, wurzelt vor allem in ber Tatsache, daß Deutschböhmen einem Staate angehört, ber bisher seinen beutschen Bevölkerungsteilen die G l e i ch - berechtigung auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiet praktisch stets verweigert hat. Voraussetzung für eine Behebung ber katastrophalen Wirtschaftsnot Deutschböhmens wäre also, baß ber tschechoslowakische Staat künftig seinen deutschen Landesteilen mindestens bie gleiche wirtschaftliche Fürsorge wie den übrigen angedeihen läßt.
Gegen Mißbrauch von GA.-Ausweisen.
München, 25. Sept. (DNB.) Der Chef des Stabes Lutze veröffentlicht folgende Anordnung:
Der SA.-Ausweis hat nur dann Gültigkeit, wenn er auf der Rückseite ordnungsgemäß für den laufenden Monat abgestempelt ist. Ein ungestempelter Ausweis oder ein Ausweis, auf dem die Beglaubigung in anderer Art, beispielsweise handschriftlich, vorgenommen ist, ist ungültig. Jeder, der einen ungültigen Ausweis vorzeigt, wird der Polizei übergeben, die gebeten ist, in solchen Fällen den Ausweis abzunehmen, die genauen Personalien festzustellen und der Obersten SA.-Führung Mitteilung zu machen. Gegebenenfalls werden die Inhaber falscher ober unzureichenber Ausweise zur Anzeige gebracht unb zur Rechenschaft gezogen.
Die Streifen ber SA. sinb ausbrücklich befugt, in Ausübung ihres Dienstes von jebem Mann ohne Ansehen ber Person unb Stellung benSA. - Aus- weis zu verlangen, wenn SA.-Dienstanzug ober bas Zivilabzeichen getragen werben. Träger des SA. - Sportabzeichen s können gleichfalls jederzeit durch die Streifen der SA. auf die Berechtigung zum Tragen des SA.-Sportabzeichens hin kontrolliert werden.
Rübrerfagimg in München.
München, 24. Sept. (DNB.) Die „Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" teilt mit: Heute fand in München wieder eine Führertagung der Partei statt, sie wurde einberufen, um die Amtsleiter der Bewegung in Kenntnis zu setzen von den Ausführungsbestimmungen der neuen Reichsbürgergesetze. Nach einem Vortrag des Pg. Dr. Wagner, der die erbbiologischen Grundlagen der neuen Verordnungen beleuchtete, sprach der Führer selb st über bie grundsätzliche Seite des in Frage stehenden Problems. Pg. Heß beendete die Zusammenkunft mit einem Sieg-Heil auf den Führer und mit einem Dank für die in den neuen Verordnungen geleistete Arbeit.
Die Flaggenführung auf Binnenschiffen.
Der Präsident bes Reichsausschusses ber beutschen Binnenschiffahrt ersucht unter Hinweis auf bas Reichsflaagengesetz vom 15. September 1935 Die Reeoer unb Kleinschiffer, in Zukunft bie deutschen Binnenschiffe nach folgenden Grundsätzen zu flaggen: 1. Am Heck (bei Dampfern hinter bem Ruberstuhl) wird bie Hakenkreuzflagge gesetzt; 2. die schwarzweißrote Flagge sowie die


