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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

bares Erlebnis. Man fühlt sich, und wäre man auch ein alter Griesgram und Stubenhocker, mit hinein­gerissen in das beschwingte und beseligende Genie­ßen, und man schließt schon in der ersten Stunde mit dieser weiten, klaren, sonnenüberglänzten Land­schaft einen Treubund fürs Leben. Wer den Bund recht besiegeln will, der lasse sich auf einer der fest­lichen Terrassen, wie man sie überall am See findet, oder im dämmerigen Zwielicht einer alten Schank­stube, den prächtigen rotenMeersburger" kreden­zen und vergesse nicht, dazu einen der köstlichen Bodenseefische zu verzehren seien es Forellen oder die berühmten Blaufelchen, die selbst das winzigste Gasthaus hier meisterhaft zu bereiten weiß.

gerade zur Zeit der« Baumblüte mit einem fast ins Ueberirdische verklärten Zauber lockt. Hier steht das alte Schloß, das Annette von Droste-Hüls- hoff, der großen, aus dem Westfälischen stammen­den deutschen Dichterin, eine neue Heimat gab; der stille Friedhof auf der Höhe birgt ihr Grab.

Zum östlichen Ufer des Sees hin, wo das öster­reichische Bregenz liegt, neigt sich Lindau, die blitzblanke, frühlingsfrohe Jnselstadt. Wer von Mün­chen oder Augsburg kommt, erreicht hier zuerst den See. Lindau ist anheimelnd und lebhaft zugleich, und der Frühling tummelt sich in seinen duftenden Gärten wie ein ausgelassener Zunge.

Bodensee im Frühling: hier wird er unmittel-

Wanderfahrten.

Lollar Wißmarbachtal Dicke Buche Attenberg Friedelhausen.

Vom Bahnhof Lollar gehen wir durch die linke Bahnunterführung und folgen schwarzen Strichen, die uns über die Lumda-, später über die Lahn­brücke und einen Teil von Wißmar in das Wiß­marbachtal bringen. Dieses stille, liebliche Tal mit seinen vielen Windungen, die immer wechselvolle Bilder erschließen, dürfte wohl das schönste in der näheren Umgebung Gießens sein. Das Tal auf­wärts gehend, stoßen wir später auf schwarze Punkte, denen wir jetzt nach rechts folgen und zur Dicken Buche gelangen, wo wir rote Keile antref­fen; diesen gehen wir in östlicher Richtung nach durch prächtige Waldungen. Kurz vor dem Ende des Waldes verlassen wir das Zeichen, gehen in gerader Richtung weiter und kommen an den Fuß des Altenbergs, den wir besteigen, um uns an der ungemein reizvollen Fernsicht zu erfreuen. Wir steigen nun hinab nach Odenhausen (gute Gasthäu­ser) und fahren von der jenseits der Lahn ge-

Seereise ins Land Peer Gynis.

Don Gerhard Ludwig Milau.

legenen Station Friedelhaufen nach Hause. Wander­zeit etwa 3^ Stunden.

Wetzlar Honigmühle Sloppelberg Dutenhofen.

Wir fahren mit Sonntagskarte nach Wetzlar, durchwandern die alte Reichsstadt, um alsbald das benachbarte Nauborn zu erreichen. Mitten im Dorf führt ein Pfad nach links in die Höhe, der sich als sog. Pfarrweg, parallel der Talstraße, am Berg­hang herzieht, immerzu schöne Blicke in das Sieben­mühlental bietend. Nach einiger Zeit steigen wir hinab auf die Straße und gelangen bald darauf nach der anmutig gelegenen Honigmühle mit guter Wirtschaft. Nunmehr folgen wir dem Lahnhöhen­weg (L), der uns, meist durch Wald, hinauf zum Stoppelberg führt, von dessen steinernem Turm sich eine herrliche Rundsicht erschließt. Schwarze Striche leiten uns von hier hinab durch Wald und Feld über Münchholzhausen nach unserem Endziel Duten­hofen. Wanderzeit 4 Stunden.

Frühling am Bodensee.

Don Hansjürgen Wille.

Den Bodensee in der Südwestecke Deutschlands umschließt eine Landschaft von seltener Milde und Anmut. Sie macht es auch dem flüchtigen Gast leicht, in jeder Jahreszeit hier heimisch zu werden. Noch die silbrige nebelverschleierte Kühle der Spät­herbsttage ist am Bodensee von einem seltsamen Zau­ber. Aber im Frühling hat dieser gesegnete Erd­strich etwas von der holden Traumseligkeit eines Märchens. Welch ein zartes Geglitzer und üppiges Prangen, wenn ringsum die Obstbaumblüte be­ginnt! In schimmernden Kaskaden, in lichten flam­menden Strömen flutet das Weiß und Rosa der Blütenzweige von den Höhen und Hängen dem sanft geschwungenen Ufer zu, und es ist, als ob selbst die weite Fläche des Sees zu blühen begänne. Romantiker genießen verträumt das einzigartige Schauspiel, aber es ist nicht einmal eine optische Täuschung, sondern echte, erklärbare Wirklichkeit: die Fülle des über den See verstreuten gelben Blü­tenstaubes bewirkt diese lieblich-geheimnisvolle Naturerscheinung. Wer einmal solchen Blütentag am Bodensee erlebt hat, vergißt ihn nicht wieder; den zieht es immer wieder zu dieser wunderbaren Land­schaft hin. Wieviele haben das schon an sich erfah­ren! Wieviele, die nur als flüchtige Wanderer hier Einkehr halten wollten, aber in einem der wie ein leuchtender Kranz sich rings um den See schmiegen­den Städtchen und Dörferortsansässig" wurden!

Es ist etwas Seltsames um die Bodenseeland­schaft. Mit südlicher Heiterkeit und dem beglücken­den Glanz einer sich verschwenderisch verschenkenden Natur verbindet sie einen Reichtum geschichtlicher Erinnerungen wie kaum eine zweite Landschaft. Es ist hier uralter historischer Boden, der schon in der Vorgeschichtszeit besiedelt wurde und im Laufe der Jahrhunderte Zeuge so manchen großen und schick­salhaften Geschehens war. Doch das Geschichtliche ist hier nicht nur Museumswert und Sinnbild geblie­ben; *5 hat bis auf den heutigen Tag feine zeu­gende Kraft bewahrt, und das gibt all diesen Städten etwas Feierliches, Unalltägliches, darum allerdings nicht weniger Lebendiges und noch im Kleinen Be­deutsames. Man braucht da nur an Friedrichs­hafen zu denken. Aus dem historischen Kern des Stadtbildes ist hier ein Zentrum weltumspannender Technik herausgewachsen. Wie in funkelnder Leucht­schrift stehen die Namen Zeppelin, Maybach und Dornier am Himmel dieser Stadt. Und den­noch hat sie nichts von ihrem anheimelnden Zauber verloren. Organisch fügt sich das eine zum anderen, und Friedrichshafen ist heute noch ein liebenswür­diger und vielbegehrter Kurort, von dessen groß­artiger Seeuferpromenade man einen herrlichen Blick auf das wie ein Amphitheater sich wölbende Rund der Schweizer Bergwelt hat.

Auch in K o n st a n z , der Stadt der großen Reichstage und jenes berühmten Konzils, auf dem der böhmische Reformator Johann Hus zum Feuertod verurteilt wurde, begegnet einem das Ge­schichtliche in vielerlei Gestalt, und doch ist auch dies keine romantisch-verschnörkelte, gleichsam nur zum Betrachten bestehende Stadt, sondern ein sehr heu­tiges, sehr waches, sehr blühendes Gemeinwesen, in dem Ahnenstolz und Zukunftswille sich zu einer lebendigen Einheit gefügt haben. Frühling in Kon­stanz: lächelnder Daseinstraum. Bunt und hell ist diese Stadt mit ihren alten Türmen und dem lodern­den Blütenrausch ihrer vielen Gärten. Aber wer in ihr einkehrt, darf auch nicht versäumen, die ihr nachbarlich verbundenen Inseln Mainau und Reichenau aufzusuchen. Die Mainau ist wie ein einziger Park, sagenhaft verwunschenes Eiland, das die seltsamsten Bäume und Pflanzen hütet, und die Reichenau, liebliche Obstkammer und stiller, trost­reicher Wunder- und Wanderqarten, birgt als kost­barsten Schatz das alte Münster und Benediktiner- klaster, das im frühen Mittelalter eine bedeutende Heimstätte des geistigen und künstlerischen Lebens war.

Fast unübersehbar ist die Fülle der gastlichen Orte, die am Bodensee den Wanderer zu besinn­lichem Verweilen laden. Da ist Ueberlingen z. B., freundliches Landstädtchen mit prächtigen alten Bauten, das sich terrassenförmig über dem Seegestade erhebt und als anmutiges Erholungs- paradies seit langem einen Namen hat. Oder Meersburg, ehemalige Bifchofsrefidenz, das

Haben wir nicht alle schon, wenn die Musik von Edward Grieg zu IbsensPeer Gynt" er­klang, etwas von der Sehnsucht gespürt nach der erhabenen Größe und Schönheit der nordischen Natur? Film und Photo zauberten uns den Sommer Norwegens mit seinen weißen Schnee- firnen, schäumenden Wasserfällen und bunten Dör­fern an stillen Fjorden so begehrenswert vor Augen, daß die Sehnsucht wiederum wuchs, das Land und das Meer, die so kraftvoll zum Herzen gerade der nordischen Menschen sprechen, einmal aus eigener Anschauung zu erleben und mit den stammverwandten Menschen, die dort wohnen, in unmittelbare Berührung zu kommen. Der roman­tische Charakter der Landschaft erschließt sich in seiner ganzen Wucht und Größe erst dem Reisen­den, der mit einem Schiff vom Meere kommt. Norwegen, Spitzbergen, Island, das Polargebiet haben noch keinen enttäuscht, der sich mit ganzer Seele dem Zauber dieser Länder und den Klängen und Freuden an Bord aufgeschlossen hat. Wie anders ist eine Seefahrt, als eine Reise mit dcr Bahn! Welche Fröhlichkeit, Beschwingtheit, fest­liche Stimmung überall.

Nordlandreisen sind so beliebt geworden, daß in diesem Sommer drei Schiffe des Norddeutschen Lloyd hinauffahren. Die große Polarfahrt über Schottland und Island, durch die erhabene Ein­samkeit der Gletscherbuchten Spitzbergens unter der magischen Mitternachtssonne wird vom Dampfer Berlin" ausgesührt. DampferGeneral von Steuben" macht die erste Nordkapfahrt. Für die zweite, dritte und vierte Nordkapfahrt ist der DampferSierra Cordoba" vorgesehen.

Auf solchen Fahrten findet man alle Reize des Hochgebirges vereint mit denen des gewaltigen Meeres. Sowohl der Bergsteiger als auch der in der Heilkraft der freien See Erholung Suchende kommt auf feine Rechnung. Es ist schwer zu ent­scheiden, was den Vorzug verdient. Die Schiffe gleiten auf den Fjorden bis tief in das wildzerklüf- tete Land hinein, an grünen Hochalmen und male­rischen Siedlungen vorbei, sie fahren weiter durch das Wunder der hellen Sommernächte zur Nord­

spitze Europas, bis an die Grenze des ewigen Eises. Das Gesicht dieser Reisen wechselt von einem Tage zum anderen. Ueberall werden Landausflüge ver­anstaltet, auf denen man einen lebendigen Einblick bekommt in das vielgestaltige Volksleben, in wel­chem sich, wie bei uns, noch viel edles Brauchtum erhalten hat. Aber auch an Bord findet man immer eine abwechslungsreiche Fülle von Freuden. Man wird alles vorfinden, was ein Mensch von Kultur braucht. Auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd ist man zu Gast wie bei guten Freunden. Wer diese Nordlandfahrten mit der richtigen Reise­lust beginnt, der wird erfrischt an Leib und Seele und um viele unzerstörbare Erinnerungen reicher in die Heimat zurückkehren.

Reifeltferafur.

Hundert Jahre Hessisches Staats­bad Bad-Nauheim. Unter diesem Titel und unter dem MottoAuf Gottes Geheiß aus der Tiefe geboren, der Lebenden Leiden zu lindern er­koren" hat die Leitung des Hessischen Staatsbades Bad-Nauheim anläßlich seiner Hundertjahrfeier (im Juli 1935) eine gut ausgestattete, reich bebilderte Festschrift herausgegeben. Reichsstatthalter Gau­leiter Sprenger und Hessischer Staatsminister Ph. W. Jung schrieben dazu die Geleitworte. Die Schrift gibt einen gründlichen Rückblick auf die Ge­schichte und Entwicklung des Bades und seiner An­lagen und mündet in eine Schilderung des neuzeit­lichen Nauheim mit feiner Landschaft, seinem Kur­betrieb, seinen modernen Einrichtungen, die der Erholung, Genesung und dem Wohlergehen seiner Besucher auf eine vorbildliche Weise zu dienen be­stimmt und geeignet sind. Die gut ausgestattete Festschrift ist mit interessanten Bildern aus der Geschichte des Bades und von Nauheim in feiner heutigen Gestalt (Zeichnungen: Heinz G e i l f u s) geschmückt und stellt eine großzügige und wirksame Werbung für das in diesem Sommer jubilierende Hessische Staatsbad dar.

^unhfunfprogramm.

Sonntag, 26. Mai.

6 Uhr: Hafenkonzert an Bord des Dampfers Hamburg" der HamburgAmerika-Linie. 8.05: Gymnastik. 8.45: Orgelchoräle von Johann Seba­stian Bach. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Deut­sches Schatzkästlein. 10.15: Chorgesang. 11: Bekennt­nis zu Deutschland. Von Barbra Ring (Norwegen). 11.15: Hausmusik von Bach und Händel. 12: 1. Platzkonzert der Reichsmarine. 2. Musik und Stimmungsbilder vom Start zum Rennen um das Blaue Band der Elbe". 14.30: Kinderfunk. 15: Stunde des Landes. 16: 1. Kundgebung vor dem Dammtor. 2. Feierabendklänge aus beliebten Er­holungsstätten in und um Hamburg. 18: Sugenb* funk. Wir gedenken Schlageter! Eine Lied-, Musik- und Sprechchorfolge von Hermann Schnepp. 18.30: Internationales Avus-Rennen 1935. 19: Heiteres Konzert. 19.30: Fußball-Länderkampf Deutschland- Tschechoslowakei. 20: Wenn's Mailüfterl weht ... Klingende Märchenidylle von Erwin Albrecht. 22.20: Festfahrt auf der Alster. 23: Salzspritzer und Sonnenschein. Kameradschaftsabend an Bord des DampfersHamburg". 24 bis 2: Nachtmusik.

Montag, 27. Mai.

6 Uhr: Frühkonzert I. 7: Frühkonzert II. 8.10: Von Stuttgart: Gymnastik. 10.15: Von München: SchulfunkDer Main". 10.50 Praktische Rat­schläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Von Hamburg: Aus Han­nover: Mittagskonzert I. 13.15: Von Hamburg: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Der Zeitfunk bringt Kurzgeschich­ten aus dem Leben. 16: Kleines Konzert Neuere deutsche Lieder. 16.30: Eine deutsche Mutter und Dichterin in: Helene Voigt-Diederichs. 17: Don Stuttgart: Nachmittagskonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzollern. 18: Chormusik aus Finnland. Es singt der finnische Chor Ylioppilas- tunnan Laulajat (Helsinki). 18.30: Von München: Weltpolitischer Monatsbericht. 19: Von Freiburg: Unterhaltungskonzert. 20.15: Bin ein fahrender Ge­sell. Deutsche Handwerker auf neuer Wanderschaft. 20.45: Volksmusik. 21: Von Leipzig: Zum Bach- Jahr 1935: Werke von Johann Sebastian Bach. 22.20: Vom Deutschlandsender: Eröffnung des Deutschlandfluges 1935.

Sitte, nicht erschrecken!

Ich kenn die Männer besser, als man glaubt, da sie bei mir sich ohne Maske zeigen.

Ich habe manchem schon die Ruh' geraubt;

ich will jedoch von Einzelheiten schweigen.

Ich habe ihre Launen in der Hand.

Ich kann sie fröhlich, traurig, zornig machen.

Ich bring sie, wenn ich will, aus Rand und Band, und alles dieses kurz nach dem Erwachen!

Ja, es geschah sogar, daß mich ein Mann einmal ergriff mit wilder Zorngebärde, er zitterte vor Wut und warf mich dann mit häßlich rohen Worten auf die Erde.

Und dann man weiß ja, wie die Männer sind, ließ er sich vor mir auf den Boden nieder, und kam zu mir auf Knien, wie ein Kind, und faßte mich von neuem immer wieder.

Ich aber glitt ihm dennoch aus der Hand.

Ein jeder hat nun mal sein eignes Köpfchen.

Ich lag dann unterm Bett ganz an der Wand.

Ja, ja, man hat's nicht leicht als Kragenknöpfchen'

Puck.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

A. Sch. in L. Grundsätzlich ist eine Kündigung des Versicherungsvertrags erst nach Ablauf der oer- traglich vereinbarten Zeit zulässig. Hat jedoch die Versicherungsgesellschaft einseitig die Versicherungs­bedingungen in wesentlichen Punkten geändert, was aus Ihrer Anfrage nicht hervorgeht, fo können Sie vom Vertrag zurücktreten und brauchen die Versicherungsprämie nicht mehr zu zahlen.

A. M. in AB. Es ist Ihnen zu raten, die unter Eigentumsvorbehalt verkauften Möbel beim Aus­zug des Mieters zurückzubehalten.

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