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Montag, 25.8ebruar 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 47 Drittes Blatt

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Gchäferiag in Lich

Traditioneller Schäferlauf. Diesmal im Regen!

Oberhessische Schäfer. Links der bekannte Schäfer Wirth von Wetterfeio.

besuchten

Kundaebma.

Schäferkönig und Schäferkönigin 1835.

Die Schäfer im Festzug.

Aus dem Festzug. Die Schafschur.

von (der Ta-

* L i ch, 25. Febr. Die oberhessischen Schäfer, die am gestrigen Sonntag hier zu Gast weilten, gaben unserem Städtchen ein besonders festliches Gepräge. Sie waren in ihrer Tracht erschienen, mit ihren großen Lammfellmützen, ihren Hirtenstäben und dicken Mänteln.

Mit dem Treffen der oberhessischen Schäfer war die Hauptversammlung des Landesverbandes der

Der GesangvereinCäcilia" Lich eröffnete mit zwei Liedern. Der Landesverbands - Vorsitzende Büchsenschütz hieß auch hier die Teilnehmer willkommen, begrüßte insbesondere den Landes­bauernführer Dr. Wagner, die Mitglieder der PO., den Vertreter des Kreisamtes Gießen und die Mitglieder des Reichsnährstandes. Rach einem Vorspruch, von einer Tochter des Schäfers Wirth (Wetterfeld) gesprochen, hielt der

Landesbauernführer Dr. Waqncr eine kurze Ansprache. Er betonte, die nationalsozia­listische Regierung habe das größte Interesse daran, daß die deutsche Schafhaltung vermehrt werde und wir zur Unabhängigkeit auf dem Gebiete der Woll­erzeugung kämen. Der Führer habe vor zwei Jah­ren erklärt, daß der Bauer, der einer der natur­gegebenen Träger der Schafzucht sei, herausgerissen werden müsse aus seiner Verelendung. Wenn der Bauer Geld habe, gehe es allen gut.

Der Bauer werde eines Tages einsehen, daß es für ihn unter bestimmten Voraussetzungen besser und wirtschaftlicher sei, statt einer Kuh vier Schafe zu halten. Der Neuaufbau der Schafzucht könne unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Renta­bilität der Wirtschaft des Bauern nur steigern.

Für die Steigerung der Schafzucht sei es nötig, daß vor allem geeignete Schäfer vorhanden seien. Der Reichsnährstand werde auf die Schafhaltung ein wachsames Auge haben. Wo Hütungsflächen feien, müsse gehütet werden. Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung sei gesichert. Der Bauer bekomme einen festen Preis für die Wolle. Angesichts dieser Versammlung, so betonte der Landesbauernführer, fei es ihm um den Nachwuchs im Schäferstand

Hauptversammlung des Landesverbandes der Gchafzüchter in Heffen-Naffau. Oer traditionelle Gchäferlaus.

für das gesteckte Ziel! Alles für Deutschland!" An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an.

Es wurde dann mitgeteilt, daß für die Abhal­tung des Schäfertages 1936 Anträge Büdingen und Wetzlar gestellt feien Beirat hat über die Festlegung des nächsten gungsortes zu entscheiden).

Schäfer Wirth von Wetterfe'd

Metzger beschloß den Festzug. Verschiedene Licher Vereine hatten sich mit ihren Fahnen dem Festzug angeschlossen. .

Auf dem Fetzplatz hinter der Turnhalle wurde dann der traditionelle

Schä-eNauf

ausgetragen, zu dem sich zahlreiche Teilnehmer meldeten. Der Laus stellte an die Schäfer und Schäferinnen starke Anforderungen, denn der Boden war infolge des Regens sehr weich. Sieger im Lauf wurden Karl Etzel von Eichen an der Nidda und Lisbeth Theiß von Ober-Widdersheim.

Nach dem Schäferlauf vereinigte man sich in der Turnhalle wieder zu einer außerordentlich stark

Schäfer in historischer Tracht zu Pferde. Auf dem Wege zum Sammelplatz für den Festzug.

Schafzüchter von Hessen-Nassau verbunden. Die Gäste wurden an der Bahn von der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich empfangen und mit schneidigen Märschen zur Turnhalle geleitet

Der Schafzucht werde in Hessen und Hessen- Nassau allgemein großes Interesse entgegengebracht. Für die Zukunft feien Reichszuschüsse zu erwarten, wenn die Schafhaltung bald und wesentlich ver­mehrt werde. Der Gutsbesitz vor allem könne mehr Schafe halten. In vielen Gemeinden sei die Schaf­haltung ebenfalls möglich. In Genossenschaftsschäfe­reien sei eine Basis zur Gründung neuer Schaf­herden gegeben. Der Ausbildung der Schäfer müsse besondere Sorgfalt gewidmet werden. Ein Schäfer müsse unbedingt eine ordentliche Lehr- und Gehil­fenzeit hinter sich bringen. Neben der Steigerung der Zahl der Schafe müsse auch eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Fruchtbarkeit und der Wollqualität erreicht werden. Eine Vereinheitlichung der Schaffrassen sei anzustreben. Der national­sozialistische Staat habe die Bedeutung der Schaf­zucht erkannt und durch die Schaffung von Fest­preisen die Zukunft der Schafzucht gesichert.

Einen sehr aufschlußreichen Vortrag hielt im weiteren Verlaufe der Versammlung

Direktor Burger Lllm

von .der Reichswolloerwertung, Abteilung Ulm. Die deutsche Schafzucht könne heute nur 7 o. H. des deutschen Bedarfs decken. Die nationalsoziallstl^e Regierung lasse, im Gegensatz zu allen früheren Re­gierungen, der Schafzucht stärkste Förderung ange­deihen. Die Reichswolloerwertung, eine völlig un­eigennützige Einrichtung, habe die Aufgabe, alle an­fallende Wolle zu erfassen. Der Umtausch von Wolle

gegen Fertigwaren sei im Interesse des Schckfers verboten worden. Der Erzeuger solle etnen

Preis für (eine Ware erhalten. Die neuen Festpreise allein sicherten dem Schafhalter eine Rentabilität. Der Schafhalter solle mcht vergessen, daß man mitten in der Erzeugungsschlacht Aer

Schäfer eine vornehme Aufgabe 3U erfüllenJjabe. Die Arbeit des Schafhalters und des Schäfers dienen der Volksgemeinschaft. Die Parole laute:Einstehen

Die Jahreshauptversammlung j i fand mit dem Sängergruß und mitSchäfers ' Sonntagslied", gesungen von der Sangerverelmgung Cäcilie" Lich unter Leitung von Dirigent I l g e , eine freundliche Eröffnung. «.

°lm Namen des Landesverbandes der Schaf­züchter Hessen-Nassau und gleichzeitig irn Namen des Reichsnährstandes der Landesverbands

Vorsitzende Büchsenschutz (Hosgut oie

s.*h s, s,»<*-- Oberlandwirtschastsrat Or. Wagner

erstattete dann Zunächst den Kass en mitÄÄÄ'X mit einem Überschuß 7on H&Ä °ie Rechnung war °o den Herren H. B ° ch (Lang-Gons, und H °^g y lLauback) Geprüft und m Ordnung befuno den. Dem Rechner konnte Entlastung ertei wer

Sodann erstattete Dra g n e r audI «

lcbäitsbericht für das Jahr 1934. Er gao 3 nächst Ausschluß über die Art der Verwendung de - Rechnungsüberschusses und wies aus d e Möglich teilen der Vergebung von Zuschüssen für d Reu einrichtunq von Schä ereien, sur d e Anschas ung von Böckkn usw. hin. Sodann gerichtete er über die Neuorgani ation der Schafzuchter und betont daß man grundsätzlich dieser «~±Xne wie sie zur Durchführung gelange. zustimm-n könne. ct,|, d Ausbau des Landesverbandes je vlsyer viel Arbeit zu leisten gewesen. In der Reichswoll- viel 2iroeu 3u ie ijun » ' ber Scha Halter ms

Verwertung, die tm xUuerene

Leben gerufen worden fei, gehöre der ^?"oe band der Abteilung Ulm zu. Insgesamt seien durch

sprach dann noch zu den Schäfern. Er sprach über den Beruf des Schäfers, forderte zur Hochhaltung der Berufsehre auf und zur Einigkeit unter den Schäfern. Ferner sprach noch Herr Müll e r (Stangenrod), der die Anregung gab, daß die Schäfer sich jährlich einmal einen Tag freihalten sollten, um an diesem Tage, in Tracht selbstverständ­lich den Führer in Berlin zu besuchen und damit für die Schafzucht zu werben. Nachdem man noch der verstorbenen Kameraden mit einer Minute stillen Gedenkens und mit dem gemeinsam gesun­genen ersten Vers des LiedesIch hatt einen Kame­raden" gedacht hatte, fand die Versammlung ihren Abschluß.

Der Festzug.

Nach kurzer Mittagspause sammelte man sich auf dem Platz am Bahnhof zum Festzug. Für die Gestaltung des Festzuges hatte man zwei Grund­motive gewählt:Ehre dem Schäfer" und Die wirtschaftliche Bedeutung der Schafzucht".

Reiter in Schäfertracht eröffneten den ersten Teil des Zuges. Der Spielmannszug der HI., die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, die Vertreter der Partei und der Behörden, der Kreis- und Orts­bauernschaft und die SS. folgten den Reitern. Aeltere Schäfer sowie Schäferkönigin und Schäfer­könig des vergangenen Jahres fuhren in Wagen mit Dann folgte die stattliche Schar der oberhesft- schen Schäfer mit Kind und Kegel. Auf dem Marsch durch die Stadt wurde von ihnen manches schone alte Volkslied gesungen. Den Schäfern folgten em Teil der Trachtengruppe aus Ebsdorf, ein Wagen mit lustigen Rekruten, schließlich noch einige Reiter in der Uniform des alten Heeres.

Der zweite Teil des Zuges war der wirtschaft­lichen Bedeutung der Schafzucht gewidmet. Man sah u. a. die Schafschur dargestellt auf einem anderen Wagen saßen Mädchen und Burschen der Trachtengruppe Ebsdorf in einer Spinnstube bei­sammen, der Handwebstuhl wurde gezeigt, schließ- ; lich folgte auch die Strickmaschine. Ein Wagen der

die Wollannahmestellen 650 Zentner Wolle gesam-1 melt worden. In Zukunft dürfe es unter den Bauern keineSchaf-Feinde" mehr geben. Wer sich der Schafzucht entgegenstelle, handle gegen den Willen des Führers. Schafhaltung fei nationale Pflicht. Neue Schafhaltungen sollten aber nur dann errichtet werden, wenn die Futterbasis gegeben sei. Im vergangenen Jahre seien durch den Landes­verband verschiedene für die Schafzucht forderliche j Erleichterungen erreicht worden. Waldungen seien zur Weide freigegeben und bei den Straßenbau­verwaltungen erreicht worden, daß der Schäfer an der Versteigerung der Grasnutzungen an den Böschungen teilnehmen könne; die Reichsbahn habe den Frachtsatz für Wolle um 25 v. H. niedriger gesetzt. Einen Antrag auf Herabsetzung der Umsatz­steuer um 1 v. H. sei stattgegeben worden.