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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Wanderfahrten

doe.

liegt, so unvorstellbar weit.

Geschichten aus alter Welt

Bei

Inseln sind voller Geheimnisse und Ueberraschun- gen. Die Kuppel des Himmels wölbt sich über ihnen und macht sie zum Mittelpunkt einer eigenen Welt mit ihren großen und kleinen Besonderheiten. Auf der anderen Seite liegt das Festland, und wenn der Wind es will, treibt er die Wellen von dort an den Jnselrand. Ringsum ist unbegrenzte Weite Was­ser bis an den fernen Horizont. Das Wasser schließt ein und umhegt, es umbrandet bedrohlich die Küste oder streichelt zärtlich den Sand. Jnselleben hat sei­nen eigenen Pulsschlag, seinen eigenen Atem.

Auf Rügen begegnen sich Nord und Süd, ve» schwenderische Fülle und still in sich gekehrte Karg­heit. Im Mönchgut weiden die Schafe auf den klei­nen Hügelketten zwischen den Buchten der Ostsee, die tief in das Land hineinschneiden. In den Mul­den glüht die Sonne über einem Meer von Blüten. An der Küste im Osten gehen mächtige Buchen­wälder bis hart an die See. Kühle rieselt von den glatten Bäumen, und das Licht fällt nur gedämpft ein wie durch die Fenster eines gotischen Doms. Dünen mit spärlichem Gras säumen die Erde gegen die See, dahinter ziehen sich durch Moor und Heide kaum ausgetretene Pfade zu einsamen Gehöften. Bon dem Feldern werden die letzten hochgetürmten Erntewagen eingefahren. Nur im Bannkreis der Badeorte, deren Namen auf bunten vielverheißen­den Prospekten weit hinausgetragen werden, ist der Lebensrhythmus der Zauberinsel für einige Monate im Jahr ein wenig hastiger, um dann, wenn sich die ersten Herbststürme über der weiß aekräuselten See ankünden, in seine schöne Abseitigkeit zurückfallen.

In dem langgestreckten Dorf am Wiek sehen die strohgedeckten Häuser weit hinaus auf das Wasser. Hier leben die Menschen wie seit Jahrhunderten: halb Fischer, halb Bauern. Einige von ihnen die ältesten, die sorgsam ihren Fischerbart, die Fräse", pflegen halten noch an der alten Mönch- guter Tracht fest. In den weiten, weißen Hosen, die nur wenig über das Knie reichen, der dunklen hand­gewebten Jacke und der roten Weste stapfen sie ge­mächlich die Straße entlang, blicken auf das Meer und sind verwundert, daß die Fremden so große

Zaubermsel in der Ostsee

Schöne Hochsommertage auf Rügen.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Der tierfreundliche Straßenbahner.

(ku) Sidney.

Die Zukunft wird zeigen müssen, ob die An­hänglichkeit zum Straßenbahnerberuf bei Francis Harris stärker ist, als die zu den Tieren. Denn wohin Harris auch kam mit seinem Straßenbahn­wagen, überall hielt er nach Hunden oder Katzen Ausschau, hatte hier ein Brot für den verhungerten Straßenköter und dort einen Bücking für einen einsamen Kater. Diese Liebe zu den Tieren ging schließlich so weit, daß Harris immer magerer wurde und daß außerdem die Hunde und Katzen ihm in solchen Scharen nachliefen, daß sogar der Straßenverkehr gestört wurde.

Man hat Harris setzt in em anderes Stadtviertel versetzt und ihm das Füttern von Tieren im Dienst untersagt. Ob das erfolgreich fein wird, bleibt ab- zuwarten.

Speziell für Gäste ohne Gepäck.

(th) Neuyork.

Eg kann bekanntlich vorkommen, daß jemand seinen letzten Zug oerpaßt oder aus sonst einem Grunde ohne Gepäck dasteht. Im Hinblick auf diese Möglichkeiten hat jetzt ein großes Hotel in Newyork folgende Neuerung getroffen:

Wer ohne Gepäck, aber mit den nötigen Aus­weisen über seine Personalien und den nötigen Dollars das Hotel betritt, der bekommt, sofern er männlichen Geschlechtes ist, ein versiegeltes Päck­chen ausgehändigt. Darin findet er: ein Paar Haus­schuhe, einen Pyjama, eine Zahnbürste, einen Kamm, einen Rasierapparat nebst neuer Klingen und sonst noch einige Kleinigkeiten.

Ist das gepäcklose Erdenwesen aber eine Dame, dann enthält das Paket: ein schönes seidenes Nacht­kleid, ebenfalls Kamm und Bürste, außer der Zahn­bürste aber auch noch Lippen- und Augenbrauen- sttfte und schließlich sogar eine Zellophanhaube, falls die Dame eine Dusche nehmen möchte.

Creme, Puder und Seife dürfen die Gäste mit­nehmen. Die anderen Leihgaben gehen durch ein großes Sterilisierverfahren und erleben ihre Auf­erstehung in einem neuen Päckchen für denjenigen, der ohne Gepäck kommt.

Mechanisches Bettenmachen für Junggesellen.

(th) Washington.

Dor einigen Tagen hat man in den Vereinigten Staaten das 2 000 000. Patent für eine Erfindung ausgegeben. Es betraf eine sehr nüchterne Sache: die Verbesserung einer Luftdruckbremse, Mit der

Endlich dürfte es in diesem Zusammenhänge der Erwähnung auch für weitere Kreise nicht unwert sein, daß derRömer", aus dem der Pfälzerwein getrunken wird und getrunken werden soll, eine andere Gestalt hat, als die bekannten gewöhnlichen Römer. Er ist ohne Stiel, von der Höhe etwa eines halben Wasserglases, und hat eine bauchige, gewölbte Wand, entweder pang glatt, oder mit einfachen, waagerechten Streifen.

Wenn zum Schlüsse noch erwähnt wird, daß die Rheinpfalz in dem Bade Dürkheim eine Stadt mit einer trefflichen Arsen-Sol-Quelle besitzt, die nicht nur ein bedeutender Weinhandelsplatz ist, sondern als Badeort auch verwöhnteren Ansprüchen, wie reizvoller Lage, genügt, und in dem Dorfe Brücken bei Kusel den Sitz einer ganz befände- ren Industrie, nämlich der allerdings erst seit 1888 bestehenden Diamantenschleifereien, so dürfte das am meisten Fesselnde aus der schönen Pfalz we­nigstens berührt sein, was der Durchschnittsdeutsche nicht weiß, und das ihn anziehen könnte. Die Pfälzer sind ein heiterer, gastfreier, dabei kern­deutscher Menschenschlag. Ihr Wahlspruch ist:

Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!

Gießen Fernewald Ganseburg Vergwald Rödgen.

Für den größten Teil dieser Wanderung geben uns blaue Punkte, die bei der Universitätsbibliothek beginnen, das Geleite. Wir gehen den Schreiberweg entlang durch dasNizza", hierauf den Alten Stein­bacher Weg durch bis zum Waldende, halten uns hier links, überschreiten die Licher Straße und ge­langen nun in den Fernewald. Auf stillen, wenig begangenen Waldpfaden durchschreiten wir den aus­gedehnten Forst und erreichen bei der Ganseburg die Grünberger Straße. An dieser Stelle haben wir einen freien Blick nach den Höhen des Vogelsbergs. Nach einer Erholungspause in dem einfachen, aber guten Gaschaus wandern wir auf der Landstraße in der Richtung Gießen weiter bis zur Rechten der Wald beginnt, in den wir einbiegen. Bald darauf kommen wir auf einen Feldweg und auf diesem zum Bergwald oberhalb Rödgen, zu dem uns der neu­errichtete hohe Blinkturm die Richtung angibt. Dor diesem Turm, wo auch einiae Ruhebänke stehen, bietet sich eine herrliche Aussicht über Gießen und das Lahntal nach unseren Nachbarburgen und dem

schen Vaterlandes und im übrigen erst wieder etwa am Nordufer des Genfer Sees oder an den Ober- italienischen Seen antrifft.

Und nun erst die ausgedehnten, berühmten Weingelände der Pfalz! Daß es in diesem Son­nenlande nicht nur geradezu unzählige Weinlagen aibt, die äußerst trinkbare, sehr bekömmliche, wohl­schmeckende Weine liefern, sondern auch solche, wo in guten Jahren wahrhaft erlesene Göttertränke gewonnen werden, weiß jeder Weinkenner. Und es gibt Feinschmecker, die den pfälzischen Spitzen­weinen vor allen anderen den Vorzug geben. Um derartige Spitzenweine dieses Landstrichs kennen­zulernen, muß man allerdings das Glück haben, die Gastfreundschaft eines der großen pfälzischen Weinbarone" genießen zu dürfen. Dadurch wird man denn auch von den gewaltigen Kellereien eine Anschauung bekommen, die katakombenartig einen weinberühmten Ort wie Deidesheim unterminieren. Einen dieser Herren zu nennen darf ich mich na» türlich nicht unterfangen, wohl aber sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß das Historische Museum der Pfalz zu Speyer in sechs Sälen einWein­museum", zur Geschichte des Weinbaues und der Weingewinnung besitzt, das in seiner Art einzig ist.

Augen machen über eine Kleidung, die ihnen im­mer als das Selbstverständlichste in ihrem Fischer­beruf erschien.

Der Fischfang gibt nicht mehr so reichen Ertrag wie in früheren Zeiten. Die Alten wissen von fabel­hafter Beute zu erzählen.Ja, damals..sagen sie, und um ihren Mund ist ein nachsichtiges Lächeln. Aber die Jungen lassen sich den Mut nicht aus den Segeln nehmen. Wo die Kräfte des einzelnen zu schwach sind gegen die Launen des Fischerglücks, haben sie sich zusammengetan. Gemeinsam ziehen die Manner des Dorfes auf den Fang, rammen die Pfähle für die großen Reusen in dsn Meeresgrund und holen gemeinsam die Netze ein, um die Beute bann an einen Händler zu verkaufen oder sie auch selber an den nächsten Markt zu brii'gen. Gerade jetzt werden die Reusen für den Aalfang gerichtet, und der Kutter derReusen-Kompanie" kreuzt eif­rig an der Küste der Insel.

Abends, wenn die Sonne hinter den Horizont sinkt, übergießt sie die See im Westen mit einer Flut von roten, goldenen, gelben und violetten Far­ben. Das Spiel der Lichter berauscht noch in seinem Abglanz das Land; es breitet seine Wiesen und Felder wie Märchenschwingen aus, als wollte die Erde sich lösen von ihrer Schwere und mit den ruhig gleitenden Möwen aufsteigen in die unend­liche Weite des dämmernden Raumes. Während die letzten Strahlen der Sonne wie eine Aether- musik verklingen, besänftigen sich die Wellen. Nur noch leise klatschen sie in langen Abständen an das Ufer.

Die Nächte haben hier im Spätsommer eine selt­same Ferne. Alles Verschwommene, Unklare ist ab­gestreift. Der Mond macht die Dinge durchsichtig. Dom Berge bei der alten Mühle, die schon lange schläft, sehen wir ringsum auf die faltenlose Scheibe des Meeres. Don ihr steigt eine Leiter von Glanz und Schimmer bis zu dem blassen Gestirn. Südlich milde streift der Wind an das Land. Mit ihm kommt der würzige Geruch von Salz und Tang und ein Ahnen von der Welt, die weit dahinten

Leuchtender Vodenseesommer.

Denn in den Millionenstädten die grelle Sonne heiß in dumpfe Straßenschluchten brennt, bann ist am Bodensee die schönste Jahreszeit, lieber silber­glitzernden Wasserflächen erhebt sich am frühen Morgen das Gestirn und überschüttet die herrliche Landschaft der grünen Ufer mit seinem überwältt- genden (Slan3. Don draußen, wo ganz fern hinter dünnen Lichtschleiern die Fischerboote liegen, kommt der Seewind und läßt die Pappeln in einer frischen Brise aufrauschen. Und je höher die Sonne in den klaren Himmel steigt, desto schöner wird das Land. Settsam still, wie mit satten Farben auf blauen Grund gemalt, liegt es in brütender Mittagsglut. Draußen auf den Wassern aber wird es lebendig. Da ziehen die blinkweißen Dampfer in blaue Fer­nen, kreuzen die Segelboote, wandern die Paddel­boote den fernen Ufern zu, und in den Strand­bädern lärmt zwischen Wasser und Sonne die kernige Heiterkeit, die aus dem überschäumenden Kraftgefühl gesunder Körper kommt. In den Schilf­buchten des Ueberlingersees und um die Insel Mainau tummeln sich geräuschvoll die Wildenten und Taucher. Im Untersee schaukeln sich weiße Wildschwäne auf dem sanften Gewell und kreisen die Möven über dem Ried. Im heißen Mittags­traum befangen scheint die Landschaft kaum zu atmen, ganz yingegeben der festlichen Stunde, und die Zeit scheint still zu stehen. Aber wenn dann die Schatten tiefer werden, die Berge am lichtblauen Himmel deutlicher hervortreten, geht in der Land­schaft eine seltsame Wandlung vor. Die grünen Hügeln mit ihren Wäldern, Wiesen und Obstgärten leuchten im gelben Schein des Abends und auf dem Wasser entfaltet die sinkende Sonne ein herr­liches Farbenspiel. Tiefblau dehnt sich im Osten der Obersee, wie himmelblaue Seide spannt sich der Ueberlingersee von Ufer zu Ufer. Und der west­wärts liegende Untersee gleicht einer herrlichen Palette, auf der die ganze Pracht des Regenbogens in zartesten Uebergängen ineinanderflieht. Das Schauspiel des Sonnenuntergangs am orangenen Himmel hinter den violetten Hegaubergen strahlt in den Wassern um die Reichenau noch stundenlang fort, bis in die späte Dämmerung hinein. Leuchten­der Bodenseesommer! Man kann ihn nicht erleben, ohne vom Morgen bis zum Abend vom tiefen, klaren Glück bewegt zu sein, das einem aus seinem heißen Glanz entgegenstrahlt.

Anmeldung des Patentes 2 000 001 erschien aber eln Mann as Lang Island, der sich stolz rühmte, eines der wichtigsten Probleme aller Junggesellen in zu» friedenstellender Weise gelöst zu haben: das Betten­machen.

Er hat nämlich einen Rahmen konstruiert, in den die Bettücher eingespannt werden. Erhebt sich morgens der Junggeselle von seinem Lager, dann braucht er nur an einem Strick über sich zu ziehen, um auf diese Weise den Rahmen in die Höhe zu recken und gleichzeitig das Bettzeug zu strecken. Läßt er dann den Strick wieder los, so ist das ganze Bett spiegelglatt in Ordnung und der Jung­geselle kann sich auf den kommenden Abend freuen.

Wie man hört, hat diese Erfindung lebhaftes Mißfallen der Mütter unverheirateter amerika­nischer Töchter erregt: Mit derartigen Erfindungen werde die Frau nicht nur in ihrer Arbeit herab­gesetzt und entwertet, sondern es würden auch die jungen Mädchen um eine bedeutende Heiratschance gebracht. Das Patent hat der Mann aus Lang Island aber dennoch bekommen.

In einen alten Taxameter verliebt.

(u) Liverpool.

Diese Zukunft hätte sich der uralte Taxameter, der gut 20 Jahre durch die Straßen von Liverpool ratterte und dem die Menschen nur noch spöttisch nachsahen, gewiß nicht träumen lassen. Doch da­kam eines Tages ein merkwürdiger Amerikaner aus Boston (Mass.). Er fuhr in dem Auto und kaufte den Wagen, als die Fahrt zu Ende war, für die runde Summe von sechs englischen Pfunden als sein Eigentum. Der Wagen wird nun mit einem erheblichen Kostenaufwand per Schiff nach Amerika gebracht. Dieser Transport kostet mindestens das Zehnfache des Gesamtwertes. Und mit jenem Wa­gen will dann jener Mr. Angier in Zukunst durch die Straßen von Boston fahren. Man hat versucht, aus ihm die Gründe für diesen merkwürdigen Kauf herauszufragen. Er wußte nur eine Erklärung: Wenn ich schon fahre, dann will ich es auch fühlen. In solch einer alten Schaukel hat man wenigstens etwas davon."

Trapper-Schicksal.

B. D. Stockholm.

Einen furchtbaren Streich hat das Schicksal einem schwedischen Trapper in Kanada gespielt. Gustaf Nyman war bei seiner Tätigkeit als Pelzjäger und Fallensteller in der kanadischen Provinz Saskatche­wan alt und grau geworden. Immerhin brachte ihm sein schwerer und nicht ungefährlicher Beruf so viel ein, daß er bescheiden davon leben konnte. Vor etwa einem halben Jahr fand er auf seinem Jagdrevier einen merkwürdig goldig glänzenden Stein, den er bei Gelegenheit einem Goldgräber zeigte. Dieser erkannte sofort den Wert des Stei­nes, untersuchte den Boden, auf dem er gefunden wurde, und ritt davon.

Allein er kam bald mit vielen anderen Gold­gräbern wieder und zefgte dem verdutzten Trap­per ein amtliches Dokument, wonach ihm und fei­nen Kollegen das Schürfrecht m dem Jagdrevier des Schweden eingeräumt sei. Der Betrieb wurde bald mit den modernsten Maschinen aufgenommen, und die Ergebnisse übertrafen selbst die höchsten Erwartungen. Das Wild aber, von dessen Jagd der Trapper lebte, wurde durch den Schürfbetrieb verscheucht. Der alte Schwede beging aus Ver­zweiflung Selbstmord.

Photographie genügt!

(ha) Amsterdam.

Der junge Herr von Asten war vor gut einem Jahr nach Niederländisch-Jndien ausgereist. Wäh­rend der letzten Tage seines Aufenthaltes in Am­sterdam hatte er ein Mädchen kennengelernt, das er offenbar nicht mehr vergessen konnte. Da dieses Mädchen ihm nur ihr Bild, nicht aber auch die Adresse und den Namen anvertraut hatte, wandte sich Der junge Holländer, der sich eines schönen Tages mit Heiratsabsichten trug, an die Amster­damer Postbehörde, die mit Hilfe einiger Zeitungen und der Polizei die Dame ohne Namen endlich er­mittelte.

Man stellte das Bild öffentlich aus und erlebte eines Tages die befriedigende Ueberraschung, daß sich ein junges Mädel meldete, das nachweisen konnte, daß es die gewünschte Schöne vom ver­gangenen Jahre sei. Dem ferneren Glück steht nun nichts mehr im Wege.

Fingerspitzen zu verkaufen.

(z) Paris.

Vor längerer Zett hörte man aus Amerika, daß sich dort Chirurgen dazu hergegeben hätten, Ver­brechern die Haut der Fingerspitzen, soweit sie für die Fingerabdrücke in Frage kamen, zu beseitigen. Nun erfährt man, daß in Frankreich und auch in England schon feit drei Jahren in aller Stille ein ganz ähnlichesHandwerk" im Schwange ist.

Es gibt nämlich einigeFachleute" die eine regelrechte Kunst daraus entwickelt haben, Men­schen, die Grund haben, ihre eigenen Fingerspitzen zu scheuen, dort die Haut zu entfernen und ihnen die Fingerspitzenhaut anderer Menschen aufzu­setzen. Die Verwachsung soll im Laufe von drei 1 bis vier Monaten vollkommen narbenlos vor sich i gehen. Dabei wird freilich der Operierte Bedacht ' nehmen müssen, daß jeder, dessen Fingerspitzen er - auf diese Weise erhält, kein noch schwererer Junge - ist als er selbst ...

Ein reizender Stratzensänger.

(z) Marseille.

, Im Gymnasium einer kleinen Stadt in der Nähe - von Marseille wurden in diesen Tagen die Schluß- > Prüfungen abgehalten, die von allen Examinanten - vorzüglich bestanden wurden. Besonders die schrift- , lichen Arbeiten zeichneten sich durch ihre Güte aus.

Erst nachträglich kam man dahinter, daß die Sache > etwas faul war: Ein alter Student hatte es gegen l ein festes Honorar übernommen, die ihm, auf einen Zettel geschrieben, auf die Straße geworfenen Auf- , gaben zu lösen und dann den in Examensangst flöhenden Schülern Antworten zuzusprechen. Er sang ein paar baskische Lieder als Bänkelsänger. Der prüfende Professor war selbst kein Baske und verstand mithin keinen Ton von dem, was dort unten immer wieder gesungen wurde.

i Aber einer der Geprüften konnte den Mund nachher nicht halten, und so kam alles heraus. Da» : Examen wird demnächst in schallsicherer Kammer, fernab von allen Bänkelsängern, wiederholt werden.

Dünsberg. Die Fortsetzung unseres Weges bringt uns alsbald nach unserem Endziel Rödgen. Wander- zeit vier Stunden.

Garbenleich Pfahlgraben Jägerpfad Arnsburg Lich.

Vom Bahnhof Garbenteich (Sonntaaskarte Lich) durchschreiten wir das ansehnliche Dorf und folgen roten Strichen, die uns auf breitem Weg, eine ehe­malige Römerstrahe, zum Walde bringen, wo wir uns links wenden. Etwas abseits der Markierung finden wir noch etliche frcigele^te Fundamente von römischen Wachttürmen. Wir überqueren die Dorf- Giller Straße, kommen in der Nähe des Bahn­wärterhauses Fuchsstrauch in schönen Hochwald und gehen ein großes Stück den Pfahlgraben entlang, der hier noch sehr gut erhalten ist. Später wenden wir uns rechts und gelangen auf dem Jägerpfad mit hübschem Blick auf Burg Münzenberg nach dem Kloster Arnsburg mit guter Wirtschaft. Nach Be­sichtigung der interessanten Klosterruine leiten uns blaue Ringe durch das reizvolle Wetter- oder Gottes­ackertal nach unserem Endziel Lich. Dauer der Wan­derung 3^ Stunden.

Fröhlich Pfalz..

Von Or. Stephan Kekule von Stradonih.

Zu den reizvollsten, gar vieles bietenden, aber, völlig zu Unrecht, wenigst bekannten Reisegebieten unseres schönen deutschen Vaterlandes gehört die Bayerische ober Rheinpfalz. Sie bringt köstliche Weine hervor; das weiß man. In ihr liegt die hochbedeutsame Industriestadt Ludwigshafen. Das ist ebenfalls allgemein bekannt. Daß diese für Dergnügungs- und Erholungsreisende wenig bietet, daneben aber auch. Don der alten Kaiser­stadt Speyer und ihren Reichstagen hat ziemlich jeder einigermaßen Gebildete von der Schule her noch eine gewisse Erinnerung, die sich vielleicht so­gar mit der Vorstellung verbindet, von demgewal­tigen Kaiserdom zu Speyer" einmal gehört zu haben. Daß dieser in seiner Kaisergruft eine der großen Sehenswürdigkeiten der Erde birgt, wissen schon nur ganz wenige. Und das, obwohl acht deutsche Kaiser und Könige, darunter die bedeu­tendsten Männer aus der mittelalterlichen Geschickte des alten Deutschen Reiches, hier ihre letzte Ruhe­stätte gefunden haben, während in einer Kapelle des Domes die höchst kostbaren Funde aus den Gräbern selbst, Schmuckstücke, Waffen, Rü­stungsteile, Reste von Kleidungsstücken, Stoffteile usw. ausgestellt sind. Dom und Kaisergruft lohnen allein schon einen Aufenthalt in Speyer, d. h. in der Rheinpfalz. Wer reist deshalb hin? Englän­der, die in diese Gegenden kommen und es kom­men doch alljährlich so viele nach dem nahen Heidelberg müßten sich in erster Linie von der von dieser nahen Neckarstadt aus leicht erreich­baren Reichsburg Trifels bei Annweiler angezogen fühlen, weil in dieser ihr berühmter König Richard Löwenherz aus dem Hause Plantagenet, als Gefan­gener Kaiser Heinrichs VI., gesessen hat, bis er gegen ein ungeheures Lösegeld freigelassen wurde. Noch eine andere Stätte von weltgeschichtlicher Bedeutung besitzt die Rheinpfalz: Göllheim in der Nord­ostpfalz, am Fuße des Donnersbergs, wo am 2. Juli 1298 die beiden Gegenkömge Adolph von Nassau und Albrecht von Oesterreich ihren Streit um die Kaiserkrone in offener Feldschlacht zur Entschei­dung gebracht haben, und Adolph ritterlich kämpfend gefallen ist. Das zu seinem Gedächtnis errichteteKönigskreuz", ein Kruzifix aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts, ist somit em geschichtliches Denkmal ersten Ranges, wenn auch künstlerisch ohne Bedeutung.

Aber nicht diese und andere geschichtlichen Denk­mäler der Rheinpfalz machen diese zu einem wür­digen Reiseziele für Ruhe-, Erholungs- und Kur- bedürftige, sondern die Herrlichkeit der Landschaft mit den waldgekrönten, dabuo|e Burgenreste tragenden, größtenteils recht hohen Bergen der Ausläufer des Wasgenwaldes und der Haardt, mit den überaus anmutigen Tälern da­zwischen, malerischen alten Städten und Dörfern usw., sondern vor allem das bevorzugte, warme Klima und der dadurch bedingte südliche Pflanzen­wuchs. Weite Mais- und Tabakfelder, stellenweise Hopfenanlagen, Haine von Edelkastanien, gewaltige Nußbäume erfreuen das Auge allenthalben. An bevorzugten Plätzen, so in dem weinberuhmten Deidesheim, reifen sogar Mandeln und Fei­gen. In einem Garten des uralten Klingen­münster gereifte Feigen habe ich selbst in diesem Spätsommer daselbst zu essen bekommen. Es ist ein Klima und dadurch ein Pflanzenwuchs, wie in den südlichen Teilen der Alpen, etwa in Wallis.

Es ist im weiteren Deutschland sehr wenig be­kannt, daß die Rheinpfalz sogar einen gegen die Nord- und Ostwinde durch Berge geschützten und dadurch klimatologisch ganz besonders bevorzugten Erdensleck besitzt, der hierin der weltberühmten Insel Mainau im Bodensee ähnelt, die Kuranstalt Gleisweiler bei Landau. Hier herrscht sub­tropisches Klima und auch subtropische Vegetation, und im berühmten Parke von Gleisweiler kann der Pflanzenfreund Seltenheiten feststellen, die er sonst nur an ganz wenigen Stellen unseres lieben deut-