stift, z. B. 10.3.1935. Arbeitgeber, die es unterlassen, rechtzeitig für ihre Beschäftigten die richtigen Marken zu verwenden, können mit Geldstrafen bis zu 1000 Mark belegt werden. Auch der Versicherte hat das Recht, das Marken- Heben s e l b st vorzunehmen. In diesem ffalle hat ihm der Arbeitgeber bei der Lohnzahlung den auf ihn fallenden Beitragsteil auszuzahlen, jedoch muß in der vorzuzeigenden Karte die Marke bereits vorschriftsmäßig entwertet sein. Auch hier ist der Anspruch auf den Beitragsteil des Arbeitgebers den gleichen Bedingungen unterworfen wie oben.
Bedeutung der Quittungskarte.
Die Quittungskarte dient als Nachweis der Beitragszahlung und zur Unterlage für die Rentenabrechnung. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich die Karte ausstellen zu lassen und sie zum Einkleben und Entwerten der Marken rechtzeitig vorzulegen. In der Regel verwahrt der Arbeitgeber die Karte, die er bei Antritt der Stellung abfordert. Hat der Versicherte beim Dienstantritt keine Quittungskarte oder weigert er sich, sie vorzulegen, so kann sie der Arbeitgeber beschaffen und etwaige Beschaffungskosten bei der nächsten Lohnzahlung abziehen. Die Ortspolizeibehörde kann den Versicherten sogar durch Zwangsstrafen in Geld zum Ausstellenlassen und zur Vor- leguna der Karte anhalten. Im übrigen liegt die Beschaffung und Vorlegung der Karte im eigenen Interesse des Versicherten. Am Ende der Beschäftigung ist die Karte dem Versicherten nach vollständiger und richtiger Markenverwendung wieder auszuhändigen. Niemand darf Quittun gs karten gegen den Willen des Inhabers zurück- behalten, sonst ist er ihm für ent« stehenden Schaden verantwortlich. Bei widerrechtlicher Vorenthaltuna der Quittungskarte kann der Arbeitgeber mit Geld- oder Haftstrafe belegt werden. Straffällig macht sich auch derjenige, der Quittungskarten mit besonderen Vermerken versieht. Die Quittungskarte ist spätestens innerhalb zweier Jahre, vom Ausstellungstage an gerechnet, umzutauschen. In dieser Zeit müssen mindestens zwanzig Beitragsmarken verwendet sein. Beim Umtausch läßt man sich Krankheitszeiten, die mit Arbeitsunfähigkeit verbunden waren, auf der Auftechnungs- befcheinigung vermerken, denn diese Zeiten rechnen als Wochenbeiträge zur Erhaltung der Anwartschaft. Ist eine Karte verlorengegangen, so muß die Erneuerung unter Vorlage der letzten Aufrechnungsbescheinigung bei der Ausgabestelle beantragt werden. Sind Aufrechnungsbescheinigungen verlorengegangen, so beantrage man bei der auf der Quittungskarte vermerkten Landesversicherungsanstalt eine Aufstellung über die bisher verwendeten Beitragsmarken.
Leistungen der Invalidenversicherung.
Gewährt werden Invalidenrenten, Witwen-, Witwer- und Waisenrenten unter bestimmten Voraussetzungen. Voraussetzung dafür ist besonders die Leistung einer Mindestzahl von Beiträgen (Wartezeit). Diese Wartezeit dauert 250 Beitragswochen. Sind weniger als 250 Beitragswochen geleistet, so dauert die Wartezeit 500 Beitragswochen. Für die Erlangung der Invalidenrente auf Grund des vollendeten 65. Lebensjahres beträgt die Wartezeit 750 Beitragswochen.
Eine wichtige, jedoch freiwillige Leistung der Landesversicherungsanstalten ist das Heilverfahren. Die Versicherungsanstalt kann ein solches einleiten, wenn zu erroarte-n ist, daß dies die drohende Invalidität eines Versicherten abwendet oder den zum Bezug einer Rente Berechtigten wieder erwerbsfähig macht.
Freiwillige Versicherung.
Wer aus der versicherungspflichtigen Stellung ausscheidet, hat das Recht, sich freiwillig weiter
zu versichern. In diesem Falle muß er während 3tt>eier Jahre nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage m i n d e st e n s zwanzig Beitragsmarken entsprechend seinem letzten Einkommen, mindest jedoch Lohnklasse II zu 60 Pfennig verwenden. Eine B e i • tragserstattung bei Heirat kennt die Invalidenversicherung nicht.
KinnischeZugend im Gau Hessen-Nassau
Frankfurt a. M., 20. Juni. (LPD.) Seit zwei Wochen weilt eine 16köpfige finnische Jugendgruppe auf Einladung der Frankfurter Hitlerjugend in Frankfurt. Bekanntlich war im vorigen Jahr deutsche HI. bei ihren Freunden in Finnland zu Gast. Als Austausch und zum Dank für die erwiesene freundliche Aufnahme traten nun die Mitglieder der „Sinnimustat" die Reise
nach Deutschland an, um in Frankfurt ihre Ferien zu verbringen. Während der Pfingstfeier- tage unternahm die Gruppe eine Rheinreise und lebte anschließend einige Tage in einem Zeltlager im Spessart. Das bedeutete für sie ein besonderes Vergnügen, da in ihrer Heimat ein Zeltleben wegen der ungünstigen klimatischen Verhältnisse kaum in Frage kommt. Am gestrigen Mittwoch fuhr die aus Schülern und Studenten sich zusammensetzende Gruppe unter Führung der HI. und eines Vertreters des VDA. über die Reichsautobahn nach Darmstadt und weiter über die Bergstraße nach Heidelberg. Nach eingehender Besichtigung der Universitätsstadt besuchte man anschließend das Werk Oppau der IG.-Farbenindustrie. Arn Donnerstagabend verlassen die finnischen Jungen Frankfurt und fahren über Hamburg und Lübeck in ihre Heimat zurück.
Handball-Städte-Epiel Wetz'ar—Gießen.
Am Samstagnachmittag fährt die Gießener Stadtmannschaft zum Rückspiel nach Wetzlar. Das Vorspiel konnten die Wetzlarer in Gießen 9:6 gewinnen. Nachdem die bekannten Handballspieler Acker und Kissel (Universität), Krüger und Cremers (1900), Schmidt und Berg (Mtv.) nicht zur Verfügung stehen, werden die Gießener eine eingespielte Mannschaft nach Wetzlar entsenden. Der VfB.-R. wird mit seinen besten Handballspielern die Stadt Gießen vertreten.
Kleinkaliberschießen in Bieber.
reichs Mittelstürmer, glich 11 Minuten später unhaltbar aus. Bis zum Spielschluß hatten dann die Nordfranzosen mehr vom Spielgeschehen, ohne aber an dem Unentschieden etwas ändern zu können. Grutemeyer (Holland) leitete einwandfrei.
Weinkötz vierfacher (Sieger.
Westdeutsche Hochschul-Leichkalhletikmelsterschaften in Köln.
In d'er Hauptkampfbahn des Kölner Stadions wurden am Fronleichnamstage die Westdeutschen Hochschul-Leichtathtetikmeisters'baften ausgetragen. Als erfolgreichster Teilnehmer erwies sich der deutsche Hochsprung-Rekordmann Weinkötz (Köln), der sich im Hochsprung mit 1,85 Meter
und im Weitsprung mit 6,95 Meter siegreich durchsetzte, den Fünfkampf mit 3448 Punkten gewann und außerdem durch fein gutes Laufen als Schlußmann der Kölner 4-mal-100-Meter-Staffel dieser 3um Siege verhalf. Weinkötz brauchte sich in raum einer der von ihm bestrittenen Konkurrenzen völlig auszugeben. Sehr gut ließ sich noch der Kölner D e b u s an, der das Diskuswerfen und den Dreisprung gewann und im Kugelstoßen hinter dem Frankfurter Junker den zweiten Platz belegte. In der Gesamtwertung belegten die Kölner Studenten ebenfalls den ersten Platz.
Bei den Frauen bewährte sich die Frankfurterin Eck sehr gut. Sie setzte sich im Dreikampf und im Speerwerfen erfolgreich durch, belegte im 100- Meter-Lauf den zweiten Platz und stand außerdem ebenfalls in der 4-mal-100-Meter°Staffel der Frankfurter Universität, die sich siegreich durchsetzte.
Deutschlands Länderkampf gegen Norwegen.
Der am 27. Juni in Oslo stattfindende Länderkampf gegen Norwegen gibt Anlaß, einen kurzen Rückblick auf die bisher zwischen den beiden Nationen zum Austrag gekommenen sieben Länderspiele zu werfen. Deutschland hat in diesen Spielen bisher keine Niederlage hinnehmen müssen, ist aber auch seit 1930 gegen die norwegische Nationalmannschaft nicht mehr zu einem Siege gekommen, denn die Länderspiele in Breslau, Oslo und Magdeburg endeten jedesmal unentschieden. Die bisher erreichten Ergebnisse zwischen den beiden Nationalmannschaften sind: 4. November 1923 in Hamburg 1:0; 15. Juni 1924 in Oslo 2:0; 23. Oktober 1927 in Altona 6:2; 23. September 1928 in Oslo 2:0; 2. November 1930 in Breslau 1:1; 21. Juni 1931 in Oslo 2:2; 5. November 1933 in Magdeburg 2:2.
Das Gesamttorverhältnis aus diesen 7 Kämpfen lautet 16:7 für Deutschland.
Am Sonntag, 16. Juni, fand der dritte Wettkampf der Kleinkaliber-Schützenvereine Krofdorf, Bieber, Wilsbach, Launsbach in Bieber statt. Geschossen wurde mit Fünfermannschaften je drei Schuß liegend, knieend und stehend freihändig ohne Anzeigung. Sieger wurde die 1. Mannschaft Bieber mit dem guten Ergebnis von 410 Ringen vor Krofdorf (377 Ringe) und Launsbach (355 Ringe). Einzelsieger wurde Rudolf Müller, Launsbach, mit 91 Ringen. Einen schönen Erfolg hatten die Jungschützen von Launsbach, die den Schießsport erst seit einigen Wochen pflegen und sich an vierte Stelle setzen konnten. Der letzte Kampf und die Siegerehrung finden in Wilsbach statt.
Westdeutschland—Nordfrankreich 1:1 (0:0).
Vor nur 5000 Zuschauern trafen am Donnerstag in Essen „am Uhlenkrug" die Fußballmannschaften von Nordfrankreich und Westdeutschland aufeinander. Der den ganzen Tag über niedergegangene Regen, der auch dem Besuch sehr abträglich war, hatte den Boden glatt und weich gemacht, so daß die Spieler einen schweren Stand hatten. Das Treffen endete wie schon das Vorspiel in Lille mit einem gerechten Unentschieden; beide Parteien schossen diesmal je einen Treffer.
Vor der Pause hatte es zunächst ausgeglichenes Spiel mit gleichverteilten Torchancen gegeben. Aber auf beiden Seiten waren die Torwächter — Jürif- fen und Desfoffe — ausgezeichnet in Laune. Auch die Pfosten wehrten einigemale gutgemeinte Schüsse ab. Die letzte Viertelstunde vor dem Wechsel wurde der Westen zwar leicht überlegen, aber zwei von Ganski bzw. Winkler erzielte Tore wurden wegen Abseits bzw. Handspiel nicht gegeben. In der 6. Minute nach dem Wechsel schoß dann Lenz den ersten gültigen Treffer für die Westmannschaft, der allerdings der einzige bleiben sollte. Jgnace, Nordfran^
Gegel-Rekor-flüge in Hirzenhain.
Am zweiten Tage des Hirzenhainer Segelfliegertreffens war das Wetter ungünstig. Schwere Regenschauer und wechselnde Winde erschwerten die planmäßige Durchführung des Wettbewerbs. Trotzdem wurden nicht weniger als 14 Starts durchge- führt und dabei einige beachtliche Leistungen, fo Dauerflüge bis zu drei Stunden und ein Streckenflug von über 80 Kilometern ausgeführt. Am dritten Tage mußte der Flugbetrieb wegen andauernder heftiger Regenschauer und dichter Nebel gänzlich ruhen.
Für diesen Ausfall wurden die Flieger am Mittwoch reichlich entschädigt. Endlich trug der Himmel wieder eine freundliche Miene zur Schau, und ein echter Hirzenhainer Nordwest hatte die Nebelbänke in entlegene Fernen verjagt. Diese günstige Wendung wurde von den Fliegern zu außergewöhnlichen Leistungen benutzt.
Sämtliche Hirzenhainer Rekorde wurden an diesem Tage gebrochen.
Die Wettbewerbsleitung hatte eine Tagesprämie für die erfte Umrunbung des Dillenburger Wilhelrnsturrns mit Rückkehr zum Startplatz ausgefchrieben. Da der Wind der Durchführung dieses Unternehmens günstig war, setzte bald ein großes Wettfliegen nach Dillenburg ein. Wie ein Mückenschwarm erhoben sich in kurzer Zeit sämtliche wettbewerbsfähigen 18 Maschinen, und in breiter Front wurde der Angriff auf das Wahrzeichen der alten Oranier-Stadt unternommen.
Um 13 Uhr hatten bereits sieben Maschinen das Ziel erreicht, als erster der Pilot Falsche- Frank- b u r t a. M. auf Rhön-Bussard „Eugen von
Lössel", ihm folgten Heiderich-Dühmen und Opitz- Fulda. Die Leistung des letzteren ist um so höher zu bewerten, als Opitz sein Flugzeug ohne jegliche Hilfe in feiner freien Zeit selbst gebaut hat.
Am Nachmittag konzentrierte sich das Interesse der Wettbewerbsteilnehmer auf die zweite Tagespramie, die den ersten Streckenflug über 20 Kilometer in gerader Linie zur Aufgabe hatte.
Auch diese Aufgabe wurde von den Fliegern in glänzender^ Weife gelöst. Zahlreiche Maschinen gingen auf Strecke, von denen nicht weniger als neun Flüge über 20 Kilometer hinter sich brachten. Die größte Entfernung erreichte Der Flieger Svilger - Darmstadt auf Rhön-Bussard „Richt- Hosen", der nach Schlüchtern flog, eine Strecke, die 94,5 Kllometer beträgt. Verschiedene andere Flieger landeten in Oberhessen, so einer bei Stein» heim, ein anderer bei Großen-Buseck, ein dritter in Grünberg. Drei Flieger gingen in der Gegend von Oberwalgern im Kreise Marburg nieder, ein anderer landete in Groß-Altenstätten im Kreise Wetzlar.
Aber auch die Hirzenhainer Bestleistung im Dauerflug wurde an diesem Rekordtag, an dem nicht weniger als 40 Starts ausgeführt wurden, weit überboten.
Der Flieger Ruhl auf Rhön-Bussard „Stadt Detmold", der um 9.47 llhr aufgestiegen war, hielt sich wahrend des ganzen Tages in der Luft und landete erst am Abend bei ein- brechender Dunkelheit, nachdem er von der
Nachdruck verboten!
15 Fortsetzung
Wamm verkennst im mich, Varbara?
Roman von Liane Sanden.
llrheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
„Die sollten Sie lieber noch drin lassen!" meinte Mackenroth. Er Deutete nach dem Himmel über Dem Wasser. „Das Unwetter kommt ja noch einmal zuruck!" v _
„Ach Gott, ach Gott!" jammerte Der alte Franz unD sah Mackenroth ängstlich an. „Noch einmal zurück? UnD Dabei ist Die gnäDige Frau noch nicht zu Hause!"
Mackenroth erschrak:
„Die gnäDige Frau noch nicht zu Hause? Wie ist Das möglich? Sie ritt ja, ehe wir vom FelDe kamen, schon wieder nach Hause!"
Franz' Gesicht bekam einen Ausdruck noch tieferen Schreckens: , __ _
„Ja — ich weiß ja auch nicht, Herr von Mackenroth! Aber sie ist eben noch nicht da!"
Eckehard von Mackenroth sprach nicht weiter. Das Gesicht des treuen Dieners zeigte schon eine so furchtbare Augst, daß er ihn nicht unnutz be- unruhigen wollte. In diesem Augenblick horte man einen schnellen Schritt von der Treppe her. Magdalena Gerwig kam eilig herab.
Ihr zartes, weiches Gesicht trug gleichfalls den Ausdruck großer Sorge:
„Um Gottes willen, Herr von Mackenroth, was soll man tun? Ich höre soeben, daß Barbara bei Dem Unwetter ausgeritten ist. Ich habe bereits überall herumtelephoniert, ob sie auf einem Der Güter ist Aber niemanD hat sie gesehen.
Da berichtete EckeharD von Mackenroth in gedrängten Worten, was er von Barbara wutzte.
„Ich bin selbst in größter Sorge Fräulein Gerwig! Ich glaubte nichts anderes, als daß d e gnädige Frau von der Karpenstemer Mese aus direkt nach Hause geritten wäre. Ich war noch so froh, daß sie vor Dem schlimmsten Unwetter Daheim angelangt sein mußte. Ich bin wirklich sehr stürzt." .. ,
Magdalena preßte die Hände 3ufammen_
„Was soll man tun? Helfen Sie, Herr von Mackenroth! Ich bin in solcher Angst um Barbara.
„Ich werde sie suchen", gab Eckehard kurz zur Antwort. „Vielleicht ist sie in einer Schutzhutte im Walde." .
Er unterbrach sich, ein dumpfes Grollen, Das näher kam, ließ sie alle auffehen.
„Das Gewitter kommt näher!" sagte Magdalena angstvoll. , ,
,Lch werde Anordnung geben, Daß mehrere Leute Den Weg von Der Karpensteiner Wiese hierher abgehen, Fräulein Magdalena! Ich selbst reite voraus. Seien Sie ruhig, sicher hat sich Frau
von Stechow vor Dem Regen irgendwohin geflüchtet unD wartet wohlbehalten, bis sie in allem FrieDen Heimreiten kann."
EckeharD sagte es beschwichtigenD, aber in ihm selbst saß Die Angst. Doch vor MagDalenas Der- ftörtem Gesicht mußte er sich bezwingen. Er wollte Das arme kleine Dinge nicht in noch größere Unruhe versetzen.
18. Kapitel.
Magdalena sah ihm nach, wie er jetzt durch den wieder niedersprühenden Regen durch den Vorhof des Schlosses eilte, um zu den Wirtschaftsgebäuden und den Stallungen zu kommen.
„Gott, laß ihn Barbara finden!" betete sie lautlos, und ihre Hände falteten sich wie im Gebet. Alles Weh, das Barbara ihr heute angetan, versank in der Angst um die geliebte Freundin. Wenn ihr etwas zugestoßen wäre — sie zitterte am ganzen Körper bei Diesem furchtbaren GeDanken. Am liebsten wäre sie EckeharD nachgelaufen, Der jetzt in Dem ftiebenben Regen über die Brücke drüben verschwand. Aber wo sollte sie suchen? Sie würde den Männern nur im Wege sein.
Eckehard war inzwischen wieder am Wirtschafts- Hofe angelangt. Er rannte, des wolkenbruchartig herniederprasselnden Regens nicht gchtend, hinüber in die Leuteküche. Dort saßen noch einige der Knechte beieinander. In kurzen Worten unterrichtete Eckehard die erschreckten Männer davon, daß die Herrin noch im Regen und Gewitter unterwegs wäre. .
,'Wir müssen sie suchen!" schloß er. „Wer macht m (Sofort erhoben sich Die meisten wie ein Mann. Barbara war bei Den Leuten unenDlid) beliebt. Sie war immer gerecht und hatte ein Herz für die (Sorgen und Nöte ihrer Untergebenen. Wie aus einem Munde sagten die vier Knechte:
„Wir suchen mit!" Nur ein paar Neue standen zögernd und unentschlossen da. Eckehard in seiner Aufregung hatte es kaum gesehen, zum mindesten fiel es ihm jetzt nicht auf.
„Also los, Leute!" befahl er. „Zwei gehen den Waldweg nach Karpenstein, zwei die Chaussee. Zwei Leute, die ich noch draußen beordern werde, folgen mit einer Tragbahre."
Die Knechte sahen betroffen und erschrocken aus.
„Meinen Sie wirklich, Herr Inspektor, daß etwas geschehen sein kgnn?"
Ich hoffe nein! Aber man muß auf alles ae aßt (ein!" gab Eckehard zur Antwort Nun los, Kinder! Wer die Herrin zuerst findet. bekommt von mir einen Zehnkronenfchein. Ich selbst reite voraus. Beeilt euch!"
Er eilte hinaus, feiner Wohnung zu um sich regenfest umzuziehen. Auf dem Wege sah er noch in den Stall für die Reitpferde hinein, da war Emil gerade damit beschäftigt, das Futter frisch in die Raufen der Tiere zu streuen Eckehard gab befehl, seinen Hengst sofort zu satteln und vor
Bei "dem Wetter, Herr?". fragte Emil „Es geht ja wieder richtig los mit Dem Gewitter!
„Tut nichts, Junge! Ich muß Die Herrin suchen!" „Ist Die nicht zu Hause? Ich hab' geDacht, Das Pserb ftänDe längst Drüben im Herrschaftsstalle?" fragte Emil erschrocken. Als EckeharD verneinte und ihm nochmals höchst Eile anbefahl, nickte der Junge ganz verstört. Schnell legte er Eckehards Reitpferd Zaumzeug und Sattel auf. Dann lief er in die letzte Bvx, wo eines der Pferde stand, das man für Besucher von Schedlowitz hielt. Auch dieses Tier sattelte er in aller Eile. Sein Entschluß war gefaßt: er ließ den Inspektor nicht allein hinausreiten. Vier Augen sahen besser als zwei — und er würde nicht ruhen, bis man die Herrin gefunden hatte. Sollte er den Herrn Inspektor bitten, daß er ihn mitnähme? Ach, besser nicht. Wer viel fragt, bekommt viel Antwort!, dieser Ausspruch seiner Mutter kam ihm in den Sinn. Er würde sich auf eigene Faust der Suche nach der Herrin anschließen.
Als Eckehard von Mackenroth im Reitanzug mit der wasserdichten Pelerine aus feiner Wohnung kam, stand das Reitpferd gefältelt und gezäumt vor feiner Tür. Es warf den Kopf nervös hin und her, wenn ein greller Blitz herniederging, dem ein krachender Donner folgte. Nur dem sanften Zureden Emils gelang es, das Tier immer wieder zu beruhigen. Eckehard schwang sich elastisch in den Sattel. Drüben kamen schon die Leute, die er für die Erkundung bestimmt hatte. Sie trugen Lederjoppen und Schirmmützen. Ihnen folgten zwei Männer mit einer Tragbahre.
Emil ließ die Kolonne aus dem Hoftor hinausgehen. Dann rannte er in den Stall, schwang sich auf das bereitgestellte Reittier und galoppierte nach. Der Herr Inspektor, das wußte er, war schon weit voraus. Er selbst würde einen Ab- kürzungsweg einschlagen; er kannte das Waldgelände hier wie seine Hosentaschen. Der Herr Inspektor war doch noch nicht so mit allen Wegen und Stegen hier vertraut wie er, der hier aufgewachsen war.
Barbara war nach der Unterredung mit Eckehard sinnlos vor Zorn davongeritten. Jede kühle Heben legunq wurde erstickt vor diesem zornigen Haß. Es ging ihn nichts an, was sie tat. Er war Der Untergebene, sie Die Gutsherrin! Noch keinem Menschen gegenüber war Dieser sinnlose, heiße Trotz in ihr hochgestiegen wie gegenüber diesem Manne. Er sollte sie nicht ansehen, er sollte nichts anderes mit ihr sprechen wie das, was seine Dienstobliegenheiten erforderten. Und vor allem sollte er nicht sich den Anschein geben, als wenn er sich um sie sorgte. Seine Augen hatten sie vorhin so bittend und mahnend angeschaut. Sie wollte diesen Blick nicht sehen. Sie wußte ja, dies alles war nur Täuschung. Alle um sie herum täuschten sie ja; auch die Freundin, auf deren Wahrhaftigkeit sie ge- schworen hätte.
Barbara war seit Dem furchtbaren Erlebnis in ihrer Ehe von einem geradezu krankhaften Miß- trauen beseelt. Seitdem Albert von Stechow ihr gläubiges junges Gemüt so bitter getäuscht, hatte
sich das Gift des Zweifels immer tiefer in sie hineingefresfen. Das Benehmen der Gesellschaft hier hatte sie in ihrer mißtrauischen Menschenverachtung nur bestärkt. So glaubte sie von Eckehard von Mackenroth nichts Besseres als von anderen Menschen. Ja, sie wollte nichts Besseres von ihm glauben, gerade weil sie ihn liebte. Niemals mehr wollte sie einem Manne vertrauen!
Sie war davongeritten in einem wahnsinnigen Tempo, wie um durch die äußere Bewegung die innere Verzweiflung zu betäuben. Arabella spürte mit Unlust und Erschrecken, wie hart die geliebte Herrin heute die Zügel hielt. Sonst empfand sie den Ruck am Zügel nur wie eine leise Liebkosung, und den Schenkeldruck ohne Sporen nur wie eine leise Mahnung. Heute schnitten ihr die Zügel, von Barbaras Händen krampfhaft gehalten, in das weiche Maul. Die Füße Barbaras1 mit den Sporen an den hohen Schuhen drückten sich scharf in die Seiten des empfindlichen Tieres. Dazu das immer wilder hereinbrechende Wetter — Die zuckenDen Blitze, Der krachenbe Donner: Das nervöse Tier geriet außer sich.
Eine Weile war es gleichmäßig Dahingestürmt, von Barbaras Willen gelenkt. Solange Barbara noch auf Der Chaussee auf ebenem Wege Dahinritt, behielt sie Arabella noch in Der Gewalt. Je- Doch um Dem wohlkenbruchartigen Regen zu entgehen, ritt sie in Den WalD hinein. Das rourDe ihr zum Verhängnis. Unter Den im Sturm des Gewitters sausenden Bäumen wurde Arabella immer unruhiger. Sie versuchte rechts und links auszubrechen. Doch Barbaras Reitkunst gelang es immer noch, das Tier in der Gewalt zu behalten. Sie faßte die Züael kurz, drückte die Beine hart an Arabellas feuchten, glänzenden Leib und zwang das Tier, auf der Bahn zu bleiben.
Keinen Augenblick kam ihr der Gedanke, in welcher Gefahr sie schwebte. Im Gegenteil: dieser Kampf mit dem Tier und der Kampf mit den Elementen war ihr im Augenblick wie eine Erlösung. Da — ein krachendes Donnern — ein Knacken und Brechen — eine lodernde Flamme. Dicht vor ihnen war der Blitz in einen Baum gefahren. Nun glühte es in feuriger Lohe auf. Aeste brachen knisternd. Arabella, von einem furchtbaren Schreck erfaßt, stieg empor, daß sie fast auf den Hinterbeinen stand. Und bann jagte sie in rasendem Tempo davon über Stock und Stein — wie gepeitscht von ihrer sinnlosen Furcht.
Barbara hatte im Augenblick des Blitzeinschlags vor Schreck die Zügel locker gelassen. Nun ver- mochte sie nicht mehr das rasende Tier zu bändigen. Sie umklammerte den Hals der Stute, um sich festzuhalten. Aber sie fühlte, wie ihr Kräfte nachliehen, wie sie abrutschte. Ein neuer Donnerschlag — ein greller Blitz — Arabella sprang seitlich. Der Weg fiel hier ziemlich steil ab. Ein Back floß unten über bemooste Steine. Arabella sprang — stürzte in die Knie, lieber den Kopf des Pferdes hinweg flog Barbara.
(Fortsetzung folgt!)


