nunmehr als die allein entscheidende Vertreterin und Verhandlungspartnerin des Sudetendeutschtums der Prager Regierung gegenüber legitimiert ist, hat mehr als einmal deutlich erklärt, daß er bereit sei, mit den Tschechen loyal zusammenzuarbeiten. Das Sudetendeutschtum kennt seine Lage, seine politischen Möglichkeiten und Ieine Kraft. Es ballte seine politische Macht zu- ammen, um sie in die Waagschale der Entschei- mngen zu werfen. Es bietet dem Tschechentum die Hand zum Frieden auf dem Boden der nationalen und politischen Gleichberechtigung. Die Sudetendeutsche Partei ist nicht aus dem Haß, sondern aus der Liebe und der Verantwortung für die sudetendeutsche Heimat entstanden, und wenn man ihr auch den Namen der „Heimatfront" verweigerte, so ist sie durch das Bekenntnis der Hunderttausende, durch den Millionensieg des Sudetendeutschtums zur Front der Heimat in einem Umfange geworden, die nur als Aufbruch eines Volkes verstanden werden kann.
Im tschechischen Lager hat sich nicht allzu viel geändert, wenngleich ein deutlicher Ruck nach rechts zu verzeichnen ist. Es scheint, als ob die Prager Regierung auch dem Sudetendeutschtum gegenüber aus dieser klaren Haltung keine Konsequenzen ziehen wollte. Noch am Sonntagabend ließ sie erklären, daß die Wahlergebnisse nichts an der bisherigen Regierungskoalition ändern werden, und daß der innerund außenpolitische Kurs der Regierung der gleiche bleiben werde. Noch am Samstag veröffentlichten die Prager Blätter den Text des Abkommens der Tschechoslowakei mit Sowjet-Rußland, der die Tschechoslowakei in ein Militärbündnis mit Rußland bringt. Rasch hat Dr. Benesch noch eine fertige Tatsache geschaffen ...
Denoch wird, wenn auch nicht außenpolitisch, so doch im Innern des Landes der gewaltige Wahlsieg der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins die tschechoslowakische Regierung neuerdings vor das Problem des Zusammenlebens mit den anderen Völkern und insbesondere mit den Sudetendeutschen stellen. Man wird sich in Prag sehr bald entscheiden müssen, ob man bereit ist, mit dem intelligenten, an Volkszahl großen und politisch geeinigten Sudetendeutschen einen Frieden zu machen — oder ob diesem Volk neue schwere Prüfungen bevorstehen sollen. Die Sudetendeutschen haben ihre Lage aus eigener Kraft gestärkt und strecken die Hand zum Frieden hin. Wie wird Prag auf dieses Friedensangebot antworten?
Das amtliche Ergebnis.
Prag, 20. Mai. Die Wahlen zum tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus hatten folgendes amtliches Ergebnis:
Deutsche Parteien:
Deutsche Sozialdemokraten 299 925 (506 761) 11 Mandate (Verlust 10)
Bund der Landwirte 142 388 (396 454)
5 Mandate (Verlust 7)
Deutsche Lhristtich-Soziale 162 797 (348 066) 6 Mandate (Verlust 8)
Sudetendeutsche Partei
Henlein 1 249 497
44 Mandate (1929 hatten die aufgelöste Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und die eingestellte Deutsche Nationalpartei zusammen 15 Mandate)
Deutsch-Ungarischer Wahlblock:
291 828 (257 372) 9 Mandate
Slowakische Katholische Bolkspartei Pater Hlinkas einschl.Polen undRuthenen.
564 267 (425 051)
22 Mandate (Gewinn 3)
Tschechische Parteien.
Tschechische Agrarier 1 176 517 (1 105 498) 45 Mandate (Verlust 1)
Tschechische Sozialdemokraten 1 034 804 (963 462) 38 Mandate (Verlust 1)
Tschechische Nationalsozialisten 755 931 28 Mandate (Verlust 4)
Tschechische katholische
Volkspartei 615 851
22 Mandate (Verlust 3)
Tschechische Gewerbepartei 448 004
17 Mandate (Gewinn 5)
Tschechische Faschistische
Partei Gayda 167 440
6 Mandate (Gewinn 6)
Tschechische Beamtenpartei 10 212
kein Mandat
Gesamtstaatliche Schuldnerpartei 5 961 kein Mandat
Tschechische Nationalvereinigung 456 358
17 Mandate (Verlust 1)
(767 328)
(623 340)
(291 209)
(-)
(-)
H
(430 367)
Kommunisten.
849 455 (753 220) 30 Mandate.
Die Wahlen zum Senat hatten ein verhältnismäßig gleichartiges Ergebnis, nur daß eben 150 Senatoren gewählt wurden. Diese Ergebnisse können durch die amtliche Schlußzählung noch eine unwesentliche Aenderung erfahren. Fest steht, daß die Sudetendeutsche Partei Konrad Henlein nunmehr die stärkste Partei in der Tschechoslowakei geworden ist. Wenn das in den Mandaten nicht zum Ausdruck kommt, ist das lediglich den Z u f ä l len der Wahlordnung zuzuschreiben.
Konrad Henlein an Präsident Rasaryk.
Prag, 20. Mai. (DNB.) Der Präsident der Republik, Masaryk, erhielt vom Vorsitzenden der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein, folgendes Telegramm:
„Herr Präsident! Der gestrige Wahltag hat der Sudetendeutschen Partei einen W a h l e r f o l g be- schieden, wie er in der jungen Geschichte des öffentlichen Lebens unseres Staates einzig dasteht. Wenn mich überhaupt ein Gefühl des Stolzes und der Freude erfüllen darf, dann nur deshalb, weil dieses Ergebnis lediglich die Antwort der Wählerschaft auf den Appell zur Verantwortung darstellt. In dieser Stunde, Herr Präsident, drängt es mich, Ihnen als dem Präsidenten des Staates und dem Bürgen der verfassungsmäßigen Grundlagen unsere Gefühle der Hochachtung und Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen. Seien Sie überzeugt, daß ich selbst das Ergebnis des gestrigen Tages nur als Aufgabe empfinde, deren Lösung entgegen allen Unterstellungen von parteigegnerischer Seite von mir und meinen Mitarbeitern nur auf dem Boden der Verfassung unseres Staates angestrebt wird. Mich beherrscht jetzt nur ein Gedanke: der historischen Verantwortung, die mir und meinen Mitarbeitern vom Schicksal auferlegt worden ist, gerecht zu werden. Möge diese Wahlentscheidung auch von jenen, die nach Verfassung und Geschichte als unsere Partner in der Verantwortung stehen, als erste Voraussetzung jür die Sicherung eines harmonischen Zusammenlebens der Völker unseres Staates im Gei st e der gegenseitigen Achtung, des Friedens und der menschlichen Wohlfahrt empfunden und praktisch gewertet werden.
Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner besonderen Verehrung und Ergebenheit.
gez. Konrad Henlein, Vorsitzender der Sudetendeutschen Partei." Der österreichische Außenminister bei Benesch.
Prag, 20. Mai. (DNB.) Der österreichische Außenminister v. Berger-Waldenegg ist im Auto in Sezimovo Usti bei Tabor zum Besuch des Außenministers Dr. Benesch eingetroffen. Gegenstand der mehrstündigen Unterredung waren zahlreiche politische und wirtschaftliche Fragen, die
Die Augenquette.
Von Johan Luzian.
Jürgen hielt das Motorrad an und bat Anna, abzusteigen und mit ihm aus der Quelle zu trinken, die ein wenig abseits von der Straße unter einem moosgrünen Stein hervorsprang.
Es war die Quelle, deren Wasser die Augen von allem Bösen heilt, von Kummer und Mißmut, von der Blindheit der Seele, vom Neid und von der unerfüllbaren Sehnsucht, die das Herz verzehrt. Aber es war auch eine Wunschquelle, und wenn die Erdmütter einen Menschen lieben, der daraus trinkt, so lassen sie ihn durch das Wasser stark werden, daß seine Wünsche Macht werden und seine Sehnsucht zu einem starken Willen. Ja, so sagt man von dieser Quelle, und die Wallfahrer, die nach dem Heiligen Berg wandern, knien hier nieder und trinken das heidnische Wasser, tragen es dann auf den Lippen zu der Mutter Gottes von Andechs, dem Gnadenbild.
Jürgen reichte Anna die Hand, sie mußten eine steile Böschung hinuntersteigen, und er führte sie zu dem klaren, blanken Quellwasser.
Und es geschah, daß sie sich beide gleichzeitig niederbeugten, um aus dem Wasser zu trinken. Sie knieten zusammen am Rande der Quelle und küßten den kühlen Spiegel mit ihren trockenen, heißen Lippen. Sie sahen still in die Augen, die sie aus der Quelle anblickten. Ihre Gesichter waren nahe bei,- einander, und tief im Grunde lag der Widerschein des großen Himmels, der sie umschloß.
Da wirbelte Anna mit der Hand rasch durch das Wasser und löschte die Augen der Liebe fort, wischte die Blicke, die sie an sich ziehen wollen aus und sprang wieder auf die Füsse.
Das ist Zaubergrund! rief sie. Vielleicht wohnt eine Hexe in dem Wasser, die mich alt und häßlich machen kann!
Ach, was denken Sie nur! Nein, nein, die Erdmütter sind von ewiaer Jugend, wie sollten sie Böses tun können. Aber nun haben sie meinen Wunsch mit Ihrer Hand ausgelöscht! Wenn er sich nun nicht erfüllt?
Dann war es kein starker Wunsch. Starke Wünsche brechen allen Zauber. Wir müssen sie mit unferm Leben nähren, nicht mit Wunderwasser, oder meinen Sie nicht?
Freilich, sagte Jürgen ernst, und wie gut, daß Sie es sagen, ich will es nicht wieder vergessen.
Ach, ich weiß doch gar nichts ... Anna war rot geworden, als sie Jürgen ansah.
Man braucht nicht viel zu wissen, wenn man nur etwas Gutes weiß.
Sie sahen schweigend das Wiesenbachtal hinunter, das von dieser Quelle ausging, rings umstanden von Wald und umwuchert von verwildertem Unterholz, Hageldorn und Brombeergerank.
Im Wiesenbachtal blühte der Löwenzahn, diese gemeine Blume, die Gott mit dem herrlichen Goldgelb ausgezeichnet hat. Er blühte und wucherte und flammte mit seiner unglaublichen Leidenschaft in der Sonne, er war ganz Widerhall des tönenden, summenden, regnenden Lichts über den Wäldern, war der strahlende Dank dieser Wiese. Wollte man solche Farben malen, jeder würde sagen: welch eine Uebertreibung, welch eine haltlose Schwärmerei! Und doch wäre alles nur ein schwacher Abglanz, ein matter Versuch. Man muß ja bedenken, woher dieses Gold kommt. Nicht nur von der Sonne, nicht nur aus der geheimnisvollen Verwandlung des Erdreichs. Nein, auch die kleinen Tupfen im Gras, auch die nichtssagende Miere, das blasse Löffelkraut, der rötliche Sauerampfer, der blaue Günsel und die lila Salbei, Mehlprimeln, Lolch und Trespe, Zitterkraut und Schachtelhalm, alles Große und Kleine, Prahlende und Schlichte dient nun diesem überhandnehmenden, alles überschwemmenden, tollköpfigen, berauschten Löwenzahn, es gibt ihm den Rahmen, e$ erhöht ihm die Leuchtkraft, ihm, dem Geringen, der für ein paar Wochen König ist und bald lächerlich dastehen wird mit seinen weißen Pusteköpfen.
Der Löwenzahn beherrschte die Welt am Wiesenbachgrund. Ihm zu Ehren klickerte das Bächlein, ihm grünte der Wald, ihm blaute der Himmel.
Anna lehnte sich gegen einen Eschenstamm, und Jürgen hockte auf dem Quellenstein. Sie schlossen die Augen bis auf einen schmalen Spalt. Nun war alles Gold und Grün vor ihnen, sie standen da in ein Farbenmeer getaucht, in ein Meer von Odem und Glanz.
Die Lerchen sangen hoch in der Luft über dem Tal. Sie waren Bälle, leichte, federleichte Bälle, die auf einem Lichtspringbrunnenstrahl tanzten, auf und ab. Wie von einer Wasserkunst wurden sie hochgetragen, sanken ein wenig herab und tanzten von neuem empor. Immer wieder und immer erneut in Trillern und Läufen jubelte ihr Vogelherz, ihre kleine unscheinbare Kehle. Singende Punkte in der Höhe, näher zu Gott als wir.
Ach nein, die ganze Erde strömte ihm ja entgegen, dem ewigen Gärtner. Die Erde nährte keinen schlechten Gedanken. Es stieß der Sperber nicht aus Bosheit auf die Finken herab, und die Schlange im Kraut lag nicht aus Schlechtigkeit auf der Lauer»
beide Staaten betreffen. Dabei wurde besondere Aufmerksamkeit der beschleunigten Vorbereitung der Konferenz von Rom gewidmet. Die im Geiste aufrichtiger Freundschaft geführte Unterredung zeigte, daß beide Minister alle Ziele übereinstimmend auffassen, die die politische und wirtschaftliche Beruhigung Mitteleuropas, sowie die Mittel, die auf diese Ziele gerichtet sind, im Sinne haben.
Dem christlich-sozialen „Neuigkeitsweltblatt" wird dazu von „besonderer Seite" geschrieben, daß Dr. Benesch gerade in der jüngsten Zeit wiederholt auf
die Notwendigkeit eines guten Einvernehmens mtt Oesterreich verwiesen habe. Wenn daher gerade gcgenroärtig vor der römischen Konferenz eine Aussprache zwischen den Außenministern Oesterreichs und der Tschechoslowakei stattfinde, so liege darin keinerlei Ueberraschung. Die Aussprache liege im Rahmen einer Entwicklung, die im Laufe der Zeit betontere Züge im Sinne einer roieberaufbauenoert Donaupolitik nach den Grundsätzen aufweisen werde, wie sie die Konferenz von Stresa und das Donau-Memorandum Mussolinis festlegten.
Emsöhnmg des Arbeitsbuches zum l.Jimi.
Berlin, 18. Mai. (DNB.) Durch Verordnung vom 16. Mai 1935 hat der Reichs- und Preußische A r b e i t s m i n i st e r den Personenkreis bestimmt für den das Arbeitsbuch eingeführt wird. Das Arbeitsbuch wird vom Arbeitsamt ausgestellt. Der Arbeiter oder Angestellte hat das Buch feinem Unternehmer zur Aufbewahrung zu übergeben, der Beginn, Art und Ende der Beschäftigung in das Arbeitsbuch einzutragen und dem Arbeitsamt von der Eintragung Anzeige zu machen hat. Der Arbeiter oder Angestellte hat das Buch nur im Falle der Arbeitslosigkeit selbst in Gewahrsam. In einer ersten Bekanntmachung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung sind diejenigen Betriebsgruppen bestimmt, für die ab 1. Juni 19 35 zunächst mit der Ausstellung des Arbeitsbuches begonnen wird. Es handelt sich um folgende: 1. Industrie der Steine und Erde, 2. Eisen- und Stahlgewinnung, 3. Metallhütten und Metallhalbzeugwerke, 4. Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metallwaren, 5. Maschinen- Apparate und Fahrzeugbau (auch mit Gießerei), 6. Elektrotechnische Industrie, 7. Optische und feinmechanische Industrie, 8. Chemische Industrie, 9. Papierindustrie, 10. Leder- und Linoleumindustrie, 11. Kautschuk- und Asbestindustrie, 12. Baugewerbe und Baunebengewerbe, 13. Großhandel, 14. Einzelhandel, 15. Verlagsgewerbe, Handelsvermittlung und sonstige Hilfsgewerbe des Handels, 16. Geld-, Bank-, Börsen- und Versicherungswesen.
Das Arbeitsbuch soll als amtlicher Ausweis über die Berufsausbildung und die berufliche Entwicklung die zweckentsprechende Verteilung der Arbeitskräfte in der Wirtschaft gewährleisten. Aus diesem Grunde ist der Personenkreis, für den Arbeitsbücher ausgestellt । werden müssen, sehr weit gefaßt. Arbeitsbücher er-!
halten alle Arbeiter und Angestellten — und zwar sowohl beschäftigte als auch Arbeitslose — einschließlich der Lehrlinge und Volontäre. Die Ausnahmen erstreckten sich lediglich auf einige Sondergruppen: Besonders hochbezahlte Kräfte, ausländische Arbeitskräfte, die ihren Wohnort im Auslande beibehalten, Seeleute, Heimarbeiter und Hausgewerbetreibende, volksschulpflichtige Kinder sowie Personen, die sonst berufsmäßige Lohnarbeit nicht verrichten, bei gelegentlichen kurzfristigen Dienstleistungen. Die A u s st e 11 u n g des Arbeitsbuches geschieht auf Antrag ausschließlich durch die Arbeitsämter. Anderen Stellen ist die Ausstellung von Arbeitsbüchern und ähnlichen Ausweisen bei Strafe untersagt.
Sowohl den Arbeitern und Angestellten als auch besonders den Führern der Betriebe, den Leitern der Verwaltungen und den H a u s h a l - tungsvorständen fallen wichtige Aufgaben zu. Sie betreffen oor, allem die Aufbewahrung des Arbeitsbuches, die vorgeschriebenen E i n- tragungen in das Arbeitsbuch und die laufenden Anzeigen an das Arbeitsamt über Beginn und Beendigung der Beschäftigung, über wesentliche Aenderungen der Beschäftigungsart und über Wohnungsänderungen der beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Die neuen Aufgaben machen es erforderlich, daß sich alle Beteiligten unverzüglich über das geltende Recht des Arbeitsbuches unterrichten. Auskünfte werden von den Arbeitsämtern bereitwilligst erteilt. Wenn der von der Reichsregierung mit der Einführung des Arbeitsbuches beabsichtigte Zweck der Sicherung eines planmäßigen Arbeitseinsatzes erreicht werden soll, so muß den mit der Durchführung dieser Aufgabe beauftragten Arbeitsämtern von allen in Frage kommenden Stellen die erforderliche Hilfe zuteil werden.
Oie Demfserziehung in -er OAF.
Schulung der Mitglieder zur fachlichen, weltanschaulichen und charakterlichen Berufselite.
Die große Aufgabe der Berufserziehung der 22 Millionen Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront ist nunmehr durch Anordnung des Leiters der DAF., Dr. Robert Ley, auf eine endgültige Grundlage gestellt worden. Als große Zentrale der Berufserziehungsarbeit der DAF. wird das Amt für Berufserziehung bestimmt, das alle bisherigen Bestrebungen und Einrichtungen zusammenfaßt, einschließlich der gesamten Arbeiterfachpresse, die die Berusserziehungs- arbeit trägt. Das Schwergewicht der Berufserziehung liegt bei den Reichsberufshauptgruppen, die in der Anordnung Dr. Leys in folgender Zusammenfassung genannt werden:
1. Berufe in Land und Forst, 2. Berufe in Nahrung und Genuß, 3. Holzwerker, 4. Bauwerker, 5. Stein- und Erdwerker, 6. Bergleute, 7. Metallwerker, 8. Ingenieure und Techniker, 9. Chemiker, 10. Textilwerker, 11. Bekleidungs- und Lederwerker, 12. Buchdrucker- und Papierwerker, 13. Berufe in Schiff- und Luftfahrt, 14. Kaufleute, 15. Berufe im Verkehr, 16. freie Berufe.
Durch die Berufserziehung soll jeder arbeitende Deutsche ein wertvolles Mitglied seines Berufs st andes werden und sowohl fachlich wie weit anschaulich und charakterlich
die A r b e i 15 e I i t e darstellen, die wir heute im Kampf um unsere Lebensrechte in der Welt brauchen. Im Vordergrund steht naturgemäß die Berufsausbildung durch besondere Schulungseinrichtungen. Um jeden Menschen an den Arbeitsplatz zu stellen, für den er am besten geeignet ist, wird die Berufsberatung, die Berufskunde und die Berufsgestaltung besonders ausgebaut, die Umschulungsarbeit sehr stark gefördert unter Beachtung der jeweiligen Bedürfnisse der Wirtschaft und in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsgruppen und der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.
Eine besondere Abteilung für Jugenderziehung wird u. a. sich mit der Gestaltung der Lehrpläne in Lehre und Schule gemeinsam mit Wirtschaft und Schule beschäftigen, die Uebungs- wirtschaft fördern usw. Der Berufswe11 - kampf soll ausgebaut werden und über den Kreis der Jugendlichen hinaus für Gesellen und Meister Möglichkeiten schaffen, sich in regelmäßigen Zeit- abstanden einer Prüfung ihres Könnens und Wissens zu unterziehen. Eine eigene wissenschaftliche Abteilung im Amt für Berufserziehung hat als Aufgabe die Erforschung der Geschichte und Entwicklung der Berufe.
Sie mußten es tun aus Daseinslust, der Räuber mußte jagen, die Lerche mußte singen, es war ganz in der Ordnung, es war alles in großer, stiller Ordnung.
Im Verborgenen entstand hier der Bach aus der Wunderquelle. Das fußbreite Wässerchen lief dahin durch die Schwertlilien und das Springkraut und füllte sich immer mehr und rann dahin durch sumpfiges Gras. So leise kam der Bach hier auf die Welt, und dort hinten füllte er schon den Weiher, in dem vor kurzem ein Mann ertrank, ein baumlanger Kerl, ein betrunkener Knecht.
Ja, was wäre der schöne Weiher dort hinten und der blitzende Forellenbach, in den er ausläuft, und was wäre selbst der große See dort unten im Tale hinter den Buchen, wenn hier unter diesem Stein und unter hundert solchen Steinchen nicht still und unermüdlich die Erdmütter Wasser, frisches, neues Wasser aus der alten Tiefe schöpften. Und dort oben im Blauen segnet der himmlische Vater, dem wir diesen Kindernamen geben, weil wir keinen andern für ihn wissen, ihr Tun und läßt regnen und wärmen und wachsen und vergehen, alles zur rechten Zeit.
Ja, man durfte hier wohl eine Weile stehen in der Allheit, in der Mitte der Welt, an einer kleinen Quelle und sich über den Ursprung der Dinge seine Gedanken machen.
„Der Gchlafwagenkonirolleur."
Manche werden hinter diesem Titel gewisse Anzüglichkeiten vermuten: es ist aber nicht an dem: vielmehr ist die Hauptsache dabei eine sehr nüchterne, technische Erfindung, das Modell eines Auto- Dergafers. Daß diese Erfindung, nebenberuflich sozusagen, von einem Schlafwagenkontrolleur auf der Dienstreise gemacht wird, gibt nur den willkommenen Anlaß zur Abwandlung des im Film noch immer beliebten Motivs der rollenden Räder, auch Gelegenheit zu mancherlei Situationswitzen und Personen-Verwechslungen, die sich im Laufe der Ereignisse zu einem gewaltigen Tohuwabohu steigern. Natürlich ist auch eine kleine Liebesgeschichte dabei, wie es sich gehört. Aber das Nette an dieser harmlos-lustigen Unterhaltung (Manuskript von H. Fischer, W. K o r t w i ch und Hertha von Gebhardt) ist die originelle Aufmachung und Einkleidung: das Stück spielt nämlich im Jahre 1910 und wirkt daher auf den gegenwärtigen Beschauer wie ein Kostümulk: eine Ballettrevue, ein Maskenball, ein Autorennen vor fünfundzwanzig Jahren — das reist heute unwiderstehlich zum Lachen, und der Re
gisseur Richard E i ch b e r g hat sich dieses Mummenschanzes mit Verständnis und Laune angenommen. Daß die Musik dazu den verschollenen Schlager von den kleinen Mädchen vom Ballett bringt („die sind zu jedem lieb und nett") und „Mein Herz, das ist ein Bienenhaus", paßt durchaus in den Stil. Es wird außerdem sehr munter und angeregt gespielt: Georg Alexander ist der Erfinder, Olly von Flint eine reizende Statistin, Gustav Waldau ein scharmanter Bonvivant der alten Schule; Theo Lingen, Erich K e st i n, Erna F e n t s ch und Margarete Kupfer nicht zu vergessen. — Dazu gibt es im Lichtspielhaus ein hübsches Beiprogramm: einen Bildbericht vom Kurbetrieb in Bad Ems; zwei Mickymaus-Scherze (einer sogar farbig) und die neue Wochenschau. —r—
Oie teure Gattin.
Gesellschaftlicher Ehrgeiz ist schon oft teuer bezahlt worden, und so mancher Ehegatte hat seufzend Klage darüber geführt, daß seine Frau in dieser Hinsicht Ansprüche stellte, die er nach feinem Einkommen nicht befriedigen konnte. So ist es auch dem Herrn Ratsgerbermeister Valentin Gierth in Liegnitz ergangen, der offenbar eine sehr hochfahrende Gattin hatte, die es sich zur höchsten Ehre anrechnete, einmal zum Hof eingeladen zu werden. Als sie am Ziel ihrer Wünsche angelangt war, stand die Kleiderfrage zur Debatte, über deren Ausgang ein merkwürdiges Dokument berichtet. Am 12. Mai 1619 schrieb nämlich der Herr Ratsgerbermeister in sein forgfältig geführtes Hausbuch folgende Kosten aus Anlaß einer „Einladung zum Vesperbrot" ein, die seine Ehefrau von der Herzogin Dorothea Sybilla erhielt: „19 Ellen Damasch- ken zum Kleide 18 Thaler, 18 gute Groschen, silberne Posamenten zum Besatz 11 Thlr. 9 g. Gr.; einen güldenen Lazz 4 Thlr.; Handschuhe, seidenes Strumpfwerk mit silbernen Zwickeln 3 Thlr. 8 g. Gr. 9 Heller; ein Paar niederländische Schuhe mit silbernen Röslein 5 Thlr.; ein Fächer 1 Thlr. 18 g. Gr.; eine neue Haubenkappe mit silbernem Deckel 13 Thlr.; allerlei Gebänderich und Spitzenzeug 7 Thlr. 14 g. Gr.; Macherlohn des Kleides samt Auslagen 6 Thlr. 3 g. Gr. 4 Heller; gemacht« Blümelein auf den Lazz zu heften 1 Thlr.; die gut« bene Kette nebst den Armringen auffrischen lassen 13 g. Gr.; der Susanne auf die Hand gegeben 3 Thlr.; Summa 75 Thaler 11 g. Gr." Zur Würdigung dieser Zahlen ist noch zu berücksichtigen, daß ein Taler damals einen wesentlich höheren Wert hatte ote heutet


