Nr. 44 Dritter Blatt
Donnerstag. 21. Februar 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Von Hauptmann bis Shakespeare.
Klassisches und modernes Theater in der Reichshauptstadt.
Gerhart Hauptmann erlebte eine Art bescheidener Auferstehung. Nach dem „Florian Geyer" in der Vorstadtbühne der Plaza fand sein „College Crampton" mit Paul Wegener im Theater in der Saarlandstraße, wohlwollende Zustimmung, und, hierdurch ermutigt, bringt das Kurfürsten- dammtheater seinen „Biberpelz" neu heraus, und siehe, auch diese Diebskomödie gehört zu den glücklichen Schöpfungen, denen die Jahrzehnte wenig angetan haben. Wohl spielt die Handlung zu Zeiten Wilhelms II., dessen Bild natürlich auch in dieser Amtsstube des Amtsvorstehers von Wehrbahn hängt, wohl tragen die Menschen das Kostüm der Jahrhundertwende, aber das Ganze hat nichts von seiner Schlagkraft und seinen theatralischen Wirkungen verloren, die Gestalten des Stückes bewähren sich wiederum als glänzende Rollen — hier ist Hauptmann aus der märkischen Landschaft und aus dem Verkehr mit den Menschen der Berliner Peripherie wirklich ein Stück Volkskomödie gelungen. Kommt hinzu, daß Ida W ü st — wer kennte sie nicht aus vielen Filmen? — neben vielen anderen komödiantischen Fähigkeiten auch die behagliche Breite für die Waschfrau Wolff mitbringt, daß sie so wackere Partner findet wie Fritz Ode mar (von Wehrhahn) und Eduard W e n ck (Krüger) und dgß ein Spielleiter wie Jürgen von Alten die Komödie frisch und flott herausstellt: auch dieser Hauptmann wird sich einer längeren Lebensdauer erfreuen dürfen.
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Das Deutsche Theater stellte mit „G r i - selda" ein Werk Gerhart Hauptmanns heraus, in dem naturalistische Elemente mit tieferen Symbolen uneinheitlich vermischt sind. Wenn dem Schauspiel, gemessen an seinem bisherigen Bühnenschicksal, eine herzliche Aufnahme beim Publikum zuteil wurde, so war das in gleichem Maße ein Verdienst der Aufführung, die unter Heinz Hilperts Leitung den inneren Bruch der Dichtung möglichst zu überbrücken versuchte, indem der lust- spielhafte Grundton stärker als früher angeschlagen wurde. Auf diese Weise wurde der Markgraf Ulrich kein Psychopath, sondern ein Uebermann, der das zur Markgräfin erhobene Bauernmädchen Griselda allzu leidenschaftlich liebt und „den Brutalitäten des Lebens nicht gewachsen" ist. Aber seine Eifersucht auf das noch ungeborene Kind wurde immer wieder durch das schalkhafte Durchbrechen der eigenen Kindlichkeit im Mann gemildert. So ergab sich ein dramatischer Ausgleich zwischen der vom Dichter mit strotzendem Leben angefüllten Griselda und dem echt und tief, nur übermäßig die Gattin liebenden Mann, ein psychologischer Konflikt, der tiefen Eindruck hinterließ. Da zwei überragende Künstler die ganze Stufenleiter schauspielerischer Menschengestaltung für die Hauptrollen einzusetzen hatten, wurde die leichte Verblichenheit, die dieser rein individualistischen Dramatik und ihrem Umherirren zwischen den Stilen heute anhaftet, wirkungsvoll überspielt. Käthe Dorsch stattete die Griselda mit dem fortreißenden Temperament und den tiefen Herzenstönen ihres Künstlertums aus. Ihr ebenbürtig, bot Ewald Balser als Markgraf Ulrich eine vollendete Leistung, in der elementare Männlichkeit und äußerste Zartheit durch humorvoll gleitende Ueber- gänge zu einer beispielhaften Geschlossenheit verbunden erschienen. Paul Otto gab einen geschmeidigen, bis ins Letzte durchgefeilten Grafen Eberhard, und Eduard von W i n t e r st e i n verlieh dem Pater Helmbrecht die ergreifende Wärme seiner schlichten Menschlichkeit.
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In die vorderste Reihe der Vorkämpfer für junge deutsche Dichtung trat Heinz Hilpert, indem er für die K a m m e r s p i e l e seines Theaters „Die Front unter Tage" von Josef W i e s s a l l a zur Uraufführung annahm. Selten wurde in Berlin
Seefahrt ist not!
Von Hans Friedrich Blunck.
Im neusten Heft der von Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow herausgegebenen bekannten Zeitschrift „Das Innere Reich" findet sich ein grundlegender Vortrag Hans Friedrich Bluncks „Land am Meer, Volk am Meer", dem wir mit Erlaubnis des Verlags Albert Langen-Georg Müller, München, den folgenden Abschnitt entnehmen.
Das Größte, was das Reich immer wieder vom Volk am Meer will und verlangen wird, ist Seefahren und wiederum Seefahrt und Erhaltung der fast unermeßlichen Erfahrung und Ueberlieferung, die unsere Volkschaft auf den Reisen rund um den Erdball gewonnen und erworben hat. Brauche ich zu schildern, wie die Namen unserer niederdeutschen Städte bis in die entferntesten Dörfer und Bergtäler aller Weltteile gelten — für Deutschland gelten ihre Namen! Brauche ich daran zu erinnern, was es heißt, wenn das neue Banner, das über Deutschland weht, von unseren Schiffen bis in die fernsten Häfen getragen wird; soll ich erzählen, wie die Seeleute in der Fremde werben, wo unser Handel Zugang gewinnt, wie draußen in der Welt das Reich Gesandtschaften und Konsulate für sein wanderndes Polk errichtet, wie aber die Entscheidungen von Freundschaft und Abneigung in der Beziehung von Mensch zu Mensch über die Ausbreitung des deutschen Buches, der deutschen Sprache, der deutschen Siedlungen, der deutschen Seefahrt gewonnen werden? Hier mahne ich aus leidenschaftlichem Herzen alle Deutschen, den Blick nicht nur nach innen zu richten, sondern auf den immer wiederholten Ruf der Landschaft am Meer zu hören und zu vernehmen, daß wir nicht allein leben in der Welt, sondern daß auf Schiffen und Flugzeugen unsere Seemänner und Reisenden die Verbindung nach draußen halten. Wir stehen ja nicht in einem vermauerten Turm, wie einige Nachbarn wohl möchten; an uns ist es, die Tore offen zu halten und von den Fahnen auf unfern Zinnen zu erzählen, zu denen die andern staunend hinüberblicken. Die Jugend rufe ich auf, nicht nur zu wandern, sondern zu seefahren. Die Arbeiter wie den Schiffsführer mahne ich: Jeder von euch, der die Glut und den Glauben vom Dritten Reich im Herzen hat, ist da draußen Träger eines neuen Lebens und Erlebens der Menschen, jeder von euch ist Gesandter, jedermanns Botschaft wird behorcht, ob Freund oder Feind sich dahinter verbirgt.
Zugegeben, nicht jeder Deutsche ist tauglich, unter fremden Völkern und in fremden Erdteilen von uns
der Einsatz eines Theaterleiters für zeitgenössische Dramatik so dankbar belohnt, wie dieser mutige Vorstoß. Das Bergwerksstück Wiessallas hat eine Idee und eine große Rolle. Beide sind vom Dichter erlebt. Selbst ein Kind des oberschlesischen Grubenreviers, war er längere Zeit Hüttenarbeiter und fand während der Arbeitslosigkeit den Weg zur Literatur. Daß er streckenweise noch in ihren Bezirken verweilt, ist angesichts des spürbaren Durchbruchs zur Dichtung dem dramatischen Anfänger nicht zu verübeln. Die Vertreter der Grubenverwaltung, die mit Rücksicht auf die Kosten und die Aktionäre die Rettungsarbeiten für die von einem Gebirgsrutsch eingeschlossene Belegschaft vorzeitig als aussichtslos abbrechen wollen, sind zweifellos zu schwarz geraten. Aber die Welt unter Tage ersteht in anschaulicher Echtheit des Bildes und des Ethos. Von dieser Kameradschaft, die unter der Führung des Chefingenieurs für das Leben und die Lebensrechte der Kumpels kämpft, springt der zündende Funke ins Parkett. Er schlägt zur dichterischen Flamme empor, wenn der Bergmann Cyrus, der den Krieg nicht vergessen kann und die Front unter Tage weiterlebt, betrunken und besessen von der unbekannten Welt derer erzählt, die das Feuer aus der Hölle holen und von ihm vergiftet find. Hier wächst Bruno Hübner als Darsteller über sich selbst hinaus. Neben ihm als mitreißende Führergestalt der Ingenieur von Paul Dahlke und als Gegenspieler mit scharfen Umrissen als ein gewissenloser Büromensch Gerhard Hinze. Dieses Bergwerksstück wird seinen Weg durch das Reich antreten, wie einst „Die endlose Straße" von Graff, von dessen Ideenwelt und Atmosphäre es fühlbar beeinflußt ist.
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Als einer von den unbekannten Bühnendichtern steht auch Hanns G o b f ch auf der Bühne des Theaters in der Saarland st raße mit feinem Schauspiel „Josephine", das als großes geschichtliches Drama zu beginnen scheint, wenn Napoleon im Kreise seiner Familie, der Murats und Beauharnais, die Geschichte Europas entscheidet. Aber gar bald verengt sich die historische Weite zu der privaten Auseindersetzung des Kaisers mit seiner Gemahlin Josephine, von der er sich trennen will, weil sie ihm den Erben versagt, den er zur Befestigung seiner Herrschaft braucht. Josephine sträubt i'id) dagegen und wehrt sich mit allen Mitteln weiblicher Künste, aus dem geschichtlichen Schauspiel wird ein Boudoirstück in Empire, das — mehr episch als dramatisch — in vielen Abwandlungen immer um das gleiche Thema kreist. Daß diese Wiederholungen nicht ermüden, ist das Verdienst einer so großen Darstellerin wie Leopoldine Konstantin, die dem Hin und Her der Handlung schillernde Lichter aufsetzt. Der Napoleon Hans H a l d e n s, vorzüglich in der Maske des Korsen, kann nicht viel mehr als eine Nachzeichnung der äußeren Umriffe leisten, und Hermann Albert Schroeder, aus einer vorzüglichen Anzengruber- inszenierung der Volksbühne bekannt, bewährt sich mit dem Bühnenbildner Smetana auch hier als treuer Sachwalter des Werks.
War nicht das Star-Theater, bei dem schwächliche Stücke nur durch die Darsteller gehalten werden, schon einmal von der Bühne verbannt? In der Komödie feiert es seine charakteristische Auferstehung. Wenn uns schon ausländische Autoren vorgesetzt werden sollen, warum nicht solche, deren Bekanntschaft sich lohnt? Und sei es auch ein knalliger Reißer, immer noch besser als diese fade Geschichte des Engländers Sidney Philipps, die in der deutschen Übersetzung „G e n 11 e m e n" heißt. Einen langatmigen, zähen Akt braucht der Verfasser, um seine Gestalten ins Bild zu stellen.
zu sprechen. Wer ausfährt, soll nicht nur den Glauben, er muß auch das Wort beherrschen und es zugleich klug und ohne Hoffart führen können. Besser als früher muß jedermann wissen, um was es im neuen Deutschland geht, wie es stritt, litt, gedemütigt wurde und sich selbst wiedergewann. Wohlgeschult möge ein jeder ins Ausland gehen. Weiß er aber eine gute Rede zu führen, soll er auch die fremden Borde suchen und Stürme auf sich nehmen und Fieber und Freuden fremder Länder, um für feine Heimat und für das neue Reich einzustehen.
Das ist die größte Aufgabe, die ich der Jugend des neuen Reichs stelle, zumal aber der Jugend des Volkes am Meer. Hundertfach hat sie sich über alle Erde verschwendet. In diesen Jahren zum erstenmal vertritt sie unterm Zeichen von Kreuz und Sonne ein einiges Reich, in diesem Jahre zuerst steht in jedermanns Paß das Wort von der deutschen Staatsangehörigkeit, während wir bis dahin vor den lächelnden Augen Fremder nur Hamburger, Preußen, Bayern, Schwaben oder auch Sachsen-Weimar-Eisenacher fein durften. Von diesem Jahr an ist es wieder ein herrliches Glück, für Deutschland nach draußen zu gehen.
Wehe dem Volk, welches nicht weiß, daß die großen Wege der Menschen über See führen, daß die Erde dem Kühnen offen steht; wehe dem Deutschen, der nicht weiß, daß es an unserer Klugheit liegt, uns die Fremde zu erschließen, das Reich im Herzen.
Vor vier- oder fünfhundert Jahren hat der Engländer, hat der Franzose seine Nation zusammengeschmolzen. Wir Deutsche kamen spät. Es ist nicht zu spät. Glauben Sie mir, soviel an Vergeblichem wir vertan haben in diesen Jahrhunderten, so wenig ist endgültig verloren, nun da wir im Innern die Einheit gewannen. Denn der Glaube und die Liebe, mit der wir die weite Schöpfung Gottes in unser Herz schließen, mit unfern Händen umspannen, ist ohne Ende von Geschlecht zu Geschlecht.
Merkwürdige Einladung.
Von K. 3V Neuberi.
Es mußte sich etwas ereignet haben. Eine Menschenansammlung vor dem Haus, haltende Taxis, ein Schupo, lebhafte Debatten, wie es mir aus einiger Entfernung schien — neugierig trat ich näher. .
„Was ist denn hier los?" fragte d) einen Mann, der am Rande der kleinen Ansammlung stand. „Einer überfahren worden?"
Der Mann zuckte bei meiner Frage zusammen, er mir ganz in^ Gedanken gewesen, nun sah er
am Ende des zweiten erfahren wir endlich, daß es um das Berufsgeheimnis des Arztes geht, und der verworrene dritte bringt — gottlob — das glückliche Ende, bei dem es sich erweist, daß alles gar nicht so ernst gemeint war; und über dieses Un-Stück kommt ein so erfahrener Theatermann wie Ernst Legal und streckt es mit „psychologischen" Dehnungen ins Unendliche, und für so unwahrscheinliche Gestalten wie den Professor und die Operndiva (wie Philipps sie sich vorstellt) werden Kräfte wie Paul Wegener und Asta Nielsen bemüht, die das Unglaubliche vermögen: sie hauchen den Puppen des „geistvollen Gesellschaftsstückes" (sagt das Programmheft) eine Art Leben und Blut ein, und neben ihnen tritt Inge L i st als ansehnliches Talent hervor. Star-Theater in Reinkultur.
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Als ter ruhende Pol in der Flucht der Theatererscheinungen erweist sich der ewige Shakespeare auch — wie im Theater des Volkes
— in der Bearbeitung Hans Rothes. Der Intendant Walther Brügmann, der hier „D i e lustigen Weiber von Windsor" gibt, hat wiederum den Kampf mit dem Raum des riesigen Hauses auszutragen. Um die Geschehnisse möglichst nahe an das Parkett heranzubringen, erweitert er den Bühnenrahmen nach beiden Seiten, stellt dort Mauern und Häuser von Windsor auf und läßt aus den Tiefen der Bühne die Dekorationen bis nahe an die Rampe rollen: so gewinnt die Szene wirklich beinahe einen intimen Charakter. Auf diesem Schauplatz vollzieht sich das alte und immer wieder neue Spiel vom dicken Ritter Falstaff — den Heinrich George in überlebensgroßer Grandezza mit dem Aufputz eines bunten Gockelhahns vorstellt — und den lustigen Weibern — Catharina Reichert, Gerda Müller, Amanda Lindner — und es zündet wie immer. Wieder wird ein Shakespeare lange Zeit im Theater des Volkes beheimatet sein.
Bo.
HandballimKreisLahn-OilL(AauXII)
Dezirksklasse.
Tv. Münchholzhausen — Nurhessen Marburg.
Als einziges und wichtigstes Spiel dieser Klasse steht diese Begegnung in Münchholzhausen auf dem Programm. Das Spiel entscheidet die Meisterschaft dieser Gruppe bei einem Sieg der Gäste zu dessen Gunsten Bei einem Sieg der Platzmannschaft hat diese Elf noch geringe Chancen, aber nur dann, wenn die Marburger noch ein Spiel verlieren sollten, was allerdings nicht anzunehmen ist. Das Spiel am kommenden Sonntag sollte seine Anziehungskraft nicht verfehlen.
Kreis kl ässe II: Tv Wißmar — Tv. Launs- bach.
Handball im VfB-Reichsbahn.
Weilburg — Vfv.-Reichsbahn I 4:9 (2:7).
Am Mittwochnachmittag spielte die 1. Mannschaft in Weilburg gegen die Hochschule für Lehrerbildung. Da die Gießener ohne Herrmann antreten mußten, war der Ausgang des Spieles offen. Das zeigte sich auch zu Anfang des Treffens. Weilburg führte schon mit zwei Toren bis die VfBer durch Langenohl zu ihrem ersten Erfolg kamen. Jetzt wurde die Mannschaft besser. Krämer führte den Sturm in gewohnter Weise. Bis Halbzeit konnten die Gäste auf 7:2 Tore erhöhen. In der zweiten Halbzeit waren die Gießener Stürmer vom Schußpech verfolgt. Was nicht daneben ging, kam an die Latte. Die Studenten wurden dann wieder besser und kamen oft in Tornähe. Fischer hielt die wohlgezielten Bälle aber sehr sicher. Beide Mannschaften waren noch zweimal erfolgreich.
Die Oeutschlandriege der OT. in Hamburg.
In einer ganz hervorragenden Besetzung wird die Deutschlandriege der DT. am 17. Mai in Hamburg antreten. Männerturnwart Martin Schneider (Leipzig) hat für die Hamburger Veranstaltung das Erscheinen der besten deutschen Geräteturner zuqesagl. Die Riege wird sich aus so ausgezeichneten Heuten wie Schwarzmann (Fürth), Winter (Frankfurt a. M.), Sandrock (Immigrath), Steffens (Bremen), B e ck e r t (Neustadt), Frey (Bad Kreuznach), B e z l e r (Göggingen), Stadel (Heidelberg), S ch m e l ch e r (Mannheim) und Stangl (München) zusammensetzen.
IuverlässigkeitSfahrt des Gaues Hessen
Für die am Wochenende stattfindende Zuverlässig- keitsfahrt des Gaues 3 im DDAC. wurden etwa 70 Meldungen abgegeben, die sich wie folgt verteilen: Krafträder bis 250 ccm 8, bis 500 ccm 12, über 500 ccm 4; Beiwagenmaschinen bis 600 ccm 7, über 600 ccm 2; Kraftwagen bis 800 ccm 4, bis 1100 ccm 12, bis 1500 ccm 10, bis 2000 ccm 6, über 2000 ccm 4. Diese Gauzuverlässigkeitsfahrt, die als Nachfolge-Veranstaltung der bisherigen Winter- fahrten im Gau Hessen anzusehen ist und dieses Jahr zum 12. Male durchgeführt wird, wird am Samstag um 19 Uhr mit der Startprüfung und anschließender Beleuchtungsprüfung eingeleitet. Um 20 Uhr erfolgt der Start, dem kurz darauf in der Nähe Frankfurts eine Bergprüfung folgt. Die Nachtfahrt führt über insgesamt 500 km zum Zwischenziel Kassel und dann wieder zurück nach Frankfurt.
Treibt Leibesübungen in den Kursen der AEG. „Kraft durch Freude". Ein Aufruf.
Anläßlich der Sport-Werbewoche der NSG. „Kraft durch Freude" veröffentlicht „Jndie" den folgenden gemeinsamen Aufruf des Leiters der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley und des Reichs- sportführers von Tfchammer und Osten:
Männer und Frauen der deutschen Arbeit!
In diesen Tagen treten die Sportämter der NSG. „Kraft durch Freude" mit einer großen Werbeaktion vor die Oefsentlichkeit. Dem ganzen Volke gilt es, das Ziel dieser neuen sportlichen Organisa
tion innerhalb der Deutschen Arbeitsfront in aller Eindringlichkeit vor Augen zu führen, nämlich: den Feierabend des deutschen Arbeiters durch fröh- liche Leibesübungen zu einem Quell der Freude und gesunder Lebenskraft werden zu lassen.
Im ganzen Reiche ist diese Organisation im Laufe des letzten halben Jahres emporgewachsen und ihre Arbeit ist reich gesegnet worden.
Am ersten Jahrestag der Gründung der NSG. „Kraft durch Freude" konnten wir erfreut feststellen, daß bereits Hunderttausende deutscher
mich an. Nein; er ließ seinen Blick erst an dem Haus entlangschleifen, bis zum Dach und wieder hinunter, dann sah er mich an.
„Nee!" sagte er. Er machte eine Bewegung, als wäre ihm kalt. Dann berührte er plötzlich mit seiner Hand meine Schulter, wie bei einem guten Bekannten. „Wollen Sie nicht einen Schnaps mit mir trinken?" fragte er. Ich sah ihn erstaunt an.
„Nanu! Kennen Sie mich denn?" wollte ich wissen.
„Nee!" meinte er. „Aber —"
„Oder haben Sie in der Lotterie gewonnen?"
Er holte tief Atem. Dann machte er wieder jene fröstelnde Bewegung. Er hatte ein merkwürdiges Gesicht dabei. Ich hatte ihn nun genau betrachten können; er war vielleicht Schlosser oder ein Dachdecker, in Arbeitskleidung, und nicht mehr jung.
„Einen Schnaps —" murmelte er. Dann ging er auf die kleine Kneipe drüben zu, und ich — nun ja, es war eine seltsame Einladung — ich ging mit.
„Prost!" sagte der Mann, als der Schnaps auf dem Tisch stand. Als er das Glas leer zurückgesetzt hatte, machte er: „Ah!", lehnte sich im Stuhl zurück, AÜnöefe sich eine Zigarette an, und nun lief ein befreiendes Lächeln über seine ernsten Züge.
„Mir ist nämlich was passiert — vorhin!" begann er.
„Ich ahnte so etwas!" warf ich ein. „Etwas Seltsames!"
„Seltsam? Ja! Möcht' die letzte Viertelstunde nicht noch mal erleben! Donnerwetter! Ist mir die ganzen Jahre nicht passiert in meinem Beruf! Daß mir der Hammer 'runterfallen mußte! Wo ich so aufpasse! Ja, aber diesmal... Ich hatte 'ne Reparatur auf dem Dach, und plötzlich rutscht mir doch der Hammer weg, immer das schräge Dach ’runter, ich starre ihm erschrocken nach, so rascb kann ich ja nicht hinterher, wie der Hammer da 'runterfuüert, meine Hoffnung ist die Regenrinne am Dach, ich reiße die Augen auf, als könnte ich den Hammer damit dirigieren, er plumpst jetzt in die Regenrinne, einen Augenblick denke ich, er bleibt liegen, kippt nicht über, da macht er eine letzte Bewegung, und — drüben ist er ’runter ist er. Auf die Straße.
Ich sitze wie ein Schornstein dort auf dem spitzen Dach. Klang nicht ein Schrei nach oben, ein entsetzlicher Schrei? Es kann nicht sein, sage ich mir, ich sitze so hoch über der Straße, dumpf nur dringen die Geräusche des Verkehrs herauf, ein Schrei würde erstickt fein, ehe er nach oben kommen könnte. Aber ich sitze da in der schrecklichen Angst und lausche und wage mich nicht zu rühren, wohl zehn Minuten lang. Ich dachte, daß sie nun heraufstürmen würden, daß sie mich endlich entdeckt hätten, aber es blieb still. Auch diese Stille war unheimlich. Schließlich kroch ich durch die Luke
zurück, schlich über den Boden und riß ein Fenster auf. Da sah ich tief unten vor dem Haus... mir schwindelte — Menschen, aufgeregte Menschen und Autos, die stehenblieben, und einen Schupo.
,Dein Hämmerst dachte ich.
Glauben Sir mir, als ich da auf dem Boden die Haken sah, die von den Frauen für die Wäscheleine benutzt werden, kam mir der Gedanke, daß es nun das Veste wäre, mich an einem solchen Haken aufzuhängen. Aber ich kam dann doch herunter, Treppe für Treppe. Du mußt dich jetzt verantworten, sagte ich mir, du gehst zum Schupo, sagst, daß du es gewesen bist, dein Hammer... So trat ich auf die Straße, kam langsam näher, mischte mich unter die Leute. ,Was ist hier denn Io5?‘ fragte ich einen, so, wie Sie mich gefragt hatten, aber meine Stimme war heiser/ es war gar nicht meine Stimme, Herr. Und die Augen hielt ich am Boden, wagte nicht aufzuschauen. Da sagte der Mann: ,Ach, ’ne kleine Karambolage, ein Privatwagen mit einem Taxi, ist weiter nichts passiert, nur einem Radfahrer, dem haben sie die Karre verbogen*."
Hier schwieg mein Erzähler, aber in seinem Gesicht stand alles, was er nun noch hätte berichten können. Ich sah die große Erlösung seines Herzens. Und schon waren der Humor wieder da und das Lachen über die „große Duffeligkeit", wie er seine Angst nun nannte.
„Und der Hammer?" wollte ich noch wissen.
„Der wird wohl nur auf einen Balkon gefallen sein!", lachte er. „Jedenfalls, getan hat er keinem was!"
Dann stand er auf und ging wieder an feine Arbeit. Aber ich hatte nun begriffen, daß er diesen Schnaps hatte trinken müssen, daß er ihn mit irgendeinem, der ihm gerade in den Weg kam, hatte trinken müssen. Mit welch einfachen Mitteln rettet sich der Mensch manchmal nach großen Erschütterungen in das gewohnte Gleichgewicht!
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Hans Mortensen, Ordinarius für Geographie an der Universität Freiburg i. Br., hat einen Ruf an die Universität Göttingen als Nachfolger von Professor Dr. M e i n a r - d u s erhalten.
Professor Dr. Richard Dietzel, Extraordinarius an der Universität München, hat einen Rus auf den ordentlichen Lehrstuhl für angewandte Chemie an der Universität Erlangen erhalten.
Professor Dr. Hermann S t i e v e, Ordinarius für Anatomie an der Universität Halle-Wittenberg, hat einen Ruf an die Universität Berlin als Nachfolger von Professor Dr. Fick angenommen.


