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Montag, 19. August 1935

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)

Nr. 192 Zweiter Statt

empfang wirklich etwas Selbstverständliches wurde,

Sas tönende Eofakiffen.

VDM.beim Sport

Wer.

welche Geschäfte überhaupt

wir daran in Betracht

denken, kamen, liefern, kennen, ter von

den die Sendungen nicht eines Tages wieder ganz eingestellt werden, weil es nicht genug Musiker und Konzertsänger gibt, die sich dazu hergeben, vor Menschen zu singen und zu spielen, die ihnen unsicht- bar bleiben?"

Eines Tages ging man selbst auf die Suche nach einem Rundfunkempfänger, denn es sollte doch etwas dran sein an der ganzen Sache", die Pro­gramme wurden täglich eingehalten, und was da übertragen wurde, warrichtige Musik", und man

können, wenn sich der heisere Ansager räusperte ...

Heute lächeln wir darüber, wenn

um den gesuchten Rundfunkempfänger zu Die Rundfunkgeschäfte, wie wir sie heute waren damals erst im Entstehen, im Win-

Spiel des Kindes, über das Verhalten der Mutter am Krankenbett berichtet. Allen jungen Müttern ist

schädigt werden?"Muß man weit weggehen vom Apparat, wenn es Gewitter gibt?'"

Schaufenstern ausgestellt: , ,

mitgeliefert!" Dieses kleine Werkzeug sollte aller­dings nicht dazu dienen, den Apparat auseinander- zunehmen, sondern den kleinen Neutralisationskon- densator hin und wieder nachzustellen.

»Schraubenzieher wird mifflelieferf!*

Damals wurde es schon als großer Fortschritt bewertet, daß die Abstimmspulen eines Tages in den Apparat hinein verlegt wurden und dann wie­der alle Röhren gemeinsam von einem einzigen Heizregler aus bedient werden konnten. Gleich zar­ten frühreifen Pflänzchen vertrugen doch die Röhren der Frühzeit des Rundfunks nicht das plötzliche Ein- schalten der ganzen Stromspannung. Dementspre- chend gab es Rundfunkempfänger mit drei Röhren, die nicht weniger als fünfzehn verschiedene Bedie- nungsköpfe aufzuweisen hatten, die alle sorgsam betätigt fein wollten.

Durch das versehentlich falsche Anschließen einer der bunten stromführenden Schnüre gingen hin und wieder die Röhren Hopps für die neue Röhre mußte pro Stück ein Preis von 8 bis 14 Mark erlegt werden, ein einziger Abstimmknopf kostete da­gegen nur die Kleinigkeit von 2 Mark, während es die Lautsprecher auf 60, ja 120 Mark brachten!

Das Hören einer einzigen Station im Lautspre- cher kostete mithin, wenn man die Leistungen der Empfänger von 1924 mit denen der Geräte von 1935 vergleicht, runde 200 bis 250 Mark. In einem Dreirohrsuper von heute mit Netzanschluß und ein­gebautem Lautsprecher, der einen einwandfreien Abendempfang von 70 Stationen bringt und eben- falls für 250 Mark, rund gerechnet, geliefert wird, kostet die einzelne Station nur noch etwas mehr als 3 Mark!

Fahre später, 1929 war es, als die ersten Neutro- dyn-Empfänger auf den Markt kamen und Fern-

Zwei im Zett.

Don Heinz Ulrich.

Wie dieser Streit gekommen ist? Nun, sehr ein- fach, das Paddelboot war daran schuld, es fuhr nicht schnell genug. Aber das tat es natürlich nur, weil Hans zu sehr auf Erika zu achten hatte. So war es Abend geworden, und mit dem Abend zu- gleich hatte es zu regnen begonnen. Den ganzen Tag lang hatten dunkle Wolken gedroht und doch war kein Tropfen gefallen, sie hatten die Wolken nicht mehr ernst genommen. Nun saßen sie im Nas. sen, es regnete, um sie herum war Wasser. Das Gras, als sie endlich ausstiegen, weil es wirklich nicht mehr schön war zu fahren, dieses Gras war mehr als feucht und der Boden aufgeweicht, ja, sie waren zu allem Unglück noch an einer Sumpf- wiese gelandet.

Doch was tat das schon, sie hatten ja das Zelt, und das Zelt hatte einen Gummiboden, man hatte dicke, warme Decken und einen Spirituskocher, und Tee hatten sie sich heute gekauft, weil sie ihn gestern vergessen hatten, und ein kleines Fläschchen mit Rum war ebenfalls da.

Sie stiegen an der Wiese aus, weil Erika er- klärte, sie wolle nicht weiter. Da war nichts mehr zu sagen, und Hans fügte sich seufzend über ihren Unverstand. Die Wiese war sehr grün, er ging einige Schritte, es quarrte unter seinen Fußen. Er fand ein Plätzchen, wo es weniger feucht zu sein schien und bestimmte es zum Zeltplatz. Als er zu- rück zum Boote ging, dachte er schon mehr an den kommenden Schnupfen, als an Erika, und Erika, da sie nicht einmal sich selbst eingestehen wollte, wie sehr ihr dieser Platz mißfiel, nahm sein mur- risches Gesicht zum Vorwand, sich beleidigt zu fühlen.

. 1'923 und 1924 gab es in ganz Berlin kaum ein halbes Dutzend von ihnen. Die wenigen Fabriken hatten es nicht einmal leicht, Ladenbesitzer zu fin­den, die sich mit dem Verkauf ihrer Erzeugnisse

sollte es sogar deutlich im Kopfhörer vernehmen einmal leise

Auch in den Jahren seiner Jugend ging der Rund­funk noch auf Abwege. Der Verbilligungsfimmel hat den Gerätebau jedenfalls um Jahre zurückge- warfen, aus der Sucht heraus, um jeden Preis bil­liger zu sein als der andere, verwendeten viele Fa- brikeu Material, das geradezu eine Fehlleitung in der Entwicklung bedeutete. Um billiger zu sein, wur­den Spulen mit schlechter Dampfung in die Appa- rate hineingebaut und Drehkondensatoren mit Glim­mer als Dielektrikum, obschon im Jahre 1925 die Güteverhältnisse der Luftkondensatoren im Vergleich zu den Glimmerkondensatoren bekannt waren. Für Frontplatten und Röhrensockel wurde Material per» wendet, das die Kriechströme begünstigte, und eines Tages kehrte man allen Ernstes zum Detektor- Apparat mit zweimaliger Niederfrequenzverstärkung 1

Mit dem Zelt begann der Streit. Erika wollte es aus dem Bootsinnern zerren, ohne die Sachen, die vor ihm lagen, herauszunehmen, denn sie hatte es eilig, ins Trockene zu kommen. Sie brachte das Päckchen in Verwirrung, so daß sich die Zeltschnüre in den Spanten des Bootes verfingen und ver­geblich an dem Ende, das sie in der Hand hielt. Zu allem Ueberfluß bemühte sich Hans gleichzeitig, das Boot auf Land zu ziehen, denn auch er hatte Eile. Alle zärtlichen Worte vom Tage vorher waren verweht und waren ertrunken im Regen, und es schien den beiden, als gieße es starker. Sie schaue- gen und bemühten sich, aneinander vorbeizusehen. Sie zuckten zusammen, wenn sie bet der Arbeit an Boot und Zelt einander berührten und ruckten von

lassen! Im Gegenteil, die letzten Tage war es gar zu drückend; es ist ja eine Wohltat für die aus­getrocknete, verbrannte Erde, daß sie einmal tüchtig gegossen" wird.

Tröpfelnd kommen wir an. In den Schuhen bringen wir die reinsten Pfützen mit, wir stehen kaum ein paar Minuten, und schon hat sich zu unseren Füßen ein kleiner See gebildet.

Schnell ziehen wir uns um, und binnen kurzem tehen alle in Reih und Glied und harren der Dinge, die da kommen werden. Und bald merken wir Jungmädel schon, daß es in einer Turnhalle absolut nicht öd und langweilig zu sein braucht. Da wird zunächst auf allen Vieren durch den Saal gekrochen, dann ahmen wir die Gänse nach, die Häslein" hüpfen bald darauf im Kreis herum, und dann geht es an die Ringe. Das gibt ein Ver­gnügen, Lachen und Jauchzen! Nun teilt die Leni uns in zwei Abteilungen ein, denn zum Abschluß soll noch ein Wettspiel starten. Die beiden Riegen stellen sich auf, und jede einzelne muß nun über eine Ki te springen, unter einer Bank durchkriechen, eine Le ter bis zu einer markierten Sprosse hinauf- klettern und möglichst flink wieder herunterrutschen und auf den Ausgangspunkt zurücklaufen. Und dann muß die nächste dieselbeTour" machen. Welche Abteilung zuerst fertig ist, hat gewonnen. Dieses Spiel macht einen Mordsspaß. Anfeuernde Rufe und begeisternde Zustimmungen schallen durch die Turnhalle. Nach einem großen Hallo der Sieger« Partei muh die Leni leider Schluß machen lassen.

Strahlend ziehen wir ab. Fein war die Turn­stunde in der Halle. Ob den Eltern und allen Leuten am 1. September, am Sporttage, unsere lustigen Hebungen wohl auch gut gefallen? Wir glauben es bestimmt. Bis dahin scheint auch sicher wieder die Sonne.

Ein Hanauer Jungmädek.

kanten zurückzuführen.

Am Rande der Entwicklung liegenNebenstatio­nen". Noch im vierten Jahr des Rundfunks, 1926, gab es in den Läden hölzerne und blecherne Trich­ter zu kaufen, dieaus dem Kopfhörer durch ein­faches Aufsetzen des Trichters einen erstklassigen Lautsprecher machen" sollten. Gleichzeitig entdeckte dosSofakissen mit einebautem Kopfhörer" das Licht der Welt. Ein Fabrikant brachte eineZim­merantenne" heraus, die hinters Klavier gespannt werden mußte. Dann spukte dieFernabstimmung" eine Weile herum, die es möglich machen sollte, den Apparat im Nebenzimmer vom Bett aus zu be­dienen. Nebenher kamen dietönenden Blumen- Dafen" und dieLausprecher im Aschbecher", die Vorläufer der tönenden Möbel.

. bloß nicht am Detektor wackeln!" Aus des Hundfunls Kindertagen. Merkwürdigkeiten zwischen Gender, Antenne und Lautsprecher.

Berichtet von Hermann Dembeck.

abgeben" würden. Friseure und Schreibwaren. Händler ließen sich darum bitten, einen Teil ihrer Schaufenster für die neuen Apparate zu reservieren und Plakate sowie ganze Aqlagen auszustellen. Jn- stallationsgeschäfte und Verkaufsläden für elektrische Beleuchtungskörper, Staubsauger und Taschenlam- pen-Batterien ließen sich etwas später herbei, Rund- funkgerätenebenbei" zu führen.

Der Friseur, der den gesuchten Detektorapparat im Schaufenster zu stehen hatte, bat den Kunden, einen Augenblick zu warten:Bin gleich fertig, der Herr dort mit dem Haarschnitt wird sicher zwei Minuten warten?" Und weil der Herrmit dem Haarschnitt" selbst den neuen Apparat gerne mal hören wollte, hatte der Fiseur Zeit, zwei Paar Kopfhörer anzuschließen und dann mit siegessicherer Miene zu sagen:Sehn Sie, jetzt hören Sie was! Aber Sie dürfen nicht an dem Detektor wackeln, sonst müssen wir erst wieder neu einstellen!"

EinOetektorapparat-160Rentenmark!

Der Detektorapparat, den man damals als den besten ansah, weil er viele Abstimmknöpfe hatte und viele Griffe, an denen man drehen konnte, kostete mit der ganzen Installierung soviel wie heute ein erstklassiger Einkreiser. Die alte Quittung aus dem Jaunar des Jahres 1924 verrät, welchen Einbruch der bescheidene Detektor-Empfang in die Ziffern des Sparkontos bedeutet hat:

Sommerlager.

Turnstunde bei den Zuncmädeln.

Heute hat der Himmel feine Schleusen geöffnet. Ununterbrochen rinnt der Regen. Was kann man da schon groß dagegen anfangen?!

Es ist heute nachmittag Turnstunde bei den Jung­mädeln, und es ist heute das erstemal in diesem Sommer, daß das Spielen nicht auf dem Sportplatz stattfinden kann! Aber nur den Mut nicht sinken lassen, der liebe Herr Petrus braucht sich gar nicht einzubilden, daß wir darüber den Kopf hangen

nicht, Erika mußte es wissen, sie hatte ihn gekauft, vielleicht hatte sie ihn wieder liegen gelassen, wie diese Mädchen waren, alles vergaßen sie. Aber konnte man ihnen böse sein? Das war eine schwie­rige Frage. Aber konnte man Enka böse fein? Hans orakelte an seiner Jacke. Nein, man konnte nicht, die Knöpfe sagten es ganz klar. Hans setzte ich ganz aufrecht, er wunderte sich nicht einmal über die strahlende Laune, die ihn plötzlich über­nommen war. Nun war nur noch eines zu be- denken, etwas Schweres. Wie war sie wieder zu versöhnen?

Das Wasser kochte und kein Tee war da, den man hineinschütten konnte, wenn er jetzt Erika darum befragte, würde sie nicht meinen, er wolle ihr schon wieder Vorwürfe machen? Wie schwer doch solch eine Versöhnung war. Dann fiel ihm der Rum ein. Das war eine gute Idee. Man konnte Glühpunsch machen, einen steifen Grock, und er holte die kleine Flasche hervor und goß ein. Glück­licherweise war Zucker da.

Erika lag auf ihrer Seite und hatte die Augen schon wieder offen, ein guter Duft drang in ihre Nase und löste Schnupfen und Trotz langsam auf. Da fiel ein Schatten über ihr Gesicht und der Duft ward stärker. Hansens Hand erschien und trug ihr ein Glas zu. Sie richtete sich halb auf, stützte sich auf die Ellenbogen und schlürfte den Trank, ge­horsam wie ein gutes Kind und sah tief in das Glas. Als es leer war, fchlug sie die Augen auf. Dom Magen aus verbreitete sich die Wärme des Punsches über ihren Körper und gelangte bis über ihr Herz.

Sie sahen sich beide an und mußten lachen. Gut geworden, was?" fragte Hans glücklich. Han/', sagte sie nur zur Antwort. Der Regen trommelte auf das Zelt. Es war ihnen fast, als fei der Streit nötig gewesen, um ihnen wieder ein­mal neu zu beweisen, wie groß ihre Liebe war.

sitzen?

Sie wickelten sich in ihre Decken und lagen da. Sie starrten über sich an die Decke des Zeltes und horchten auf die Tropfen, die einförmig auf das Zelt nieder trommelten und doch nicht so laut waren, wie ihre Herzen. Die Zeltlaterne schwang hin und her und warf mehr Schatten als Licht. Das hielten sie eine Weile lang aus, dann drehte sich Erika zur Seite und bemühte sich einzuschlafen, sie brufelte vor sich hin, doch es gelang ihm nicht. Und sie hatte Hunger. Auch fror sie ein wenig trotz der dicken Decken. Der Proviant lag neben Hans lieber wollte sie nicht essen, als ihn bitten, ihn ihr herüberzureichen. Die Tropfen trommelten, zwischendurch hörte sie, daß Hans etwas tat. Er bewegte sich hin und her, es klapperte und raschelte im Zelt, sie lauschte schärfer dorthin und bemühte sich yerauszubekommen, was es war.

Hans hatte sich aufaerichtet ujib den Kocher in Betrieb gefetzt, er fuchte den Tee und fand ihn

Ein Detektor-Apparat, Fabrikat R . . 39, Mk.

Ein Detektor hierzu, kompl. m. Stein . 4, Ein Ersatz-Kristall, Marke N..... 2,50

Zwei Paar Kopfhörer ä 16, Mark . 32, Eine Hochantenne einschl. Material . . 82,50

Summa: 160, Mk.

Die Entscheidung über die Frage, ob man sich eine Hochantenne anlegen lassen oberbloß mit ber Gasleitung hören" solle, förderte der Friseur, der mit einem Jnllallateur Hand in Hand arbeitete und von diesem wahrscheinlich eine Provision für bas Anlegen ber Antenne bezog, burch ben Hin­weis barauf, baß man bie Hochantenne ja immer gebrauchen könne, benn eines Tages würben bie Röhrengeräte, mit benen man bann einen Laut­sprecher betreiben kann, ja billiger werben.

Einstweilen {ebenfalls, im Jahre 1924, waren bie Röhrenapparate noch ebenso teuer wie sie unschön aussahen. Der Nachfahre bes schlichten Detektors, ein schwarz aussehenber greulicher Kasten mit ganz erheblichen Ausmaßen, aus besten Oberteil bret Röhren hervorblickten, unb von dessen Rückseite eine Vielheit von bunten Schnüren zum Akkumula­tor und zur Anodenbatterie führte und andere Mi­niaturkabel zum Lautsprecher, zur Antenne und zur Erde, dieser Dreiröhrenapparat des Jahres 1924 kostete 240 Mark.

Dafür brachte ergarantiert" ben Berliner Sen- ber in ben komischen quarrenben Trichterlautspre- cher, unb auherbem bot er bie Möglichkeit, Königs- wusterhausen zu hören. So einfach war bie Sache allerbings noch nicht, erst mußten grüne Honig­wabenspulen umgesteckt werden unb offene Hebel für bie Rückkoppelung oeränbert werben. Dann quietschte es erst mal im Lautsprecher, banach würbe abgehackte Musik hörbar, unb nach abermaliger Feineinstellung mit Fingerspitzengefühl" war bie Musik schlagartig klar vernehmbar. Ein gewisses Knarren unb Zittern hat sich biefer Lautsprecher- Trichter jeboch währenb seiner ganzen Lebensbauer nicht abgewöhnt. Die Techniker sagten bazu schon fachmännisch:Er verzerrt bie Tone."

einanber fort, als fei bie Berührung schon schäblich ür sie unb förbere ben Schnupfen.

Hans brachte es nicht über bie Zunge, Erika um ben Hering zu bitten, ber neben ihr lag, lieber tanb er unb lieh bas Zeltenbe an feiner Seite los, um ben Hering selbst zu holen. Ja krachte bas Zelt nach ber Seite zusammen, an ber Erika verbissen zog. Sie stieß einen Schrei aus, wie ein gefangenes Vögelchen unb schluckte mit Mühe ihre Tränen hin­unter. Sie war überzeugt, baß er bas mit Ad- icht getan hatte, ach, wie sie ihn haßte! Nicht nur deswegen, bewahre! Nein, baß er überhaupt lebte, bas war schon unerträglich genug. Sie starrte aus schwimmenben Augen auf bas graue Seinen, bas o verknittert unb naß ba vor iyr lag, ein lächer­liches Häufchen Unglück, bas ein Zelt werben sollte. Wie bitter boch bas Leben war.

Willst bu nicht gefälligst roieber anfangen?" murmelte Hans mit bumpjer Stimme, währenb er an Rheumatismus unb Lungenentzünbung bachte, er muhte an sich halten, um nicht laut loszubrüllen. Aber enblich war bas Zelt boch fertig gespannt unb sie kletterten hinein. Auf einer Wiese einen Bock haben ist nicht so schlimm, ba ist ber große Him­mel über einem, ober bie großen Wolken ziehen, unb weit kann man über ben See sehen, ba kann ber Trotz verwehen. Aber im Zelt, einen Meter mal zwei, unb so hoch ober niebrig, baß man nicht ein­mal mehr stehen kann, sonbern nebeneinanber sitzen ober liegen muß, wie können barin zwei Menschen leben, bie sich nicht sehen, obwohl sie nicht blinb finb, bie nicht miteinanber sprechen, obwohl sie nicht stumm finb, unb bie sich bemühen, keiner vom anbern etwas zu hören, obwohl sie recht gute Ohren be­

ll.

»Bin gleich mit basieren fertig!"

Zunächst braucht man durchaus nicht bis in die Anfangstage ber drahtlosen Versuche zurückzugehen, bie Zeit vor zwölf Jahren brachte ber Merkwür- bigfeiten genug. Dinge, bie uns heute fonberbar urib beinahe unwirklich vorkommen.

Der erste Senber in Berlin war im Betrieb, unb die ersten paar hundert Rundfunkhörer sahen abends mit Kopfhörern beschwert um ben Familien­tisch herum, währenb Kupferbrähte gleich Spinnge­weben burch bie Wohnräume gespannt waren. Und aus purer Neugier betrat mancher von uns, der heute den Rundfunkempfänger nicht wegzudenken vermag aus dem Alltag, einen ber wenigen Lüben, in benen es bie Wunderapparate zu bestaunen gab. Gespräche wie bieses waren alltäglich:Sagen Sie mal, geht benn das nun wirklich drahtlos?" Kann man durch die drahtlosen Wellen nicht be­

Frühsport 1

Frisch unb froh macht bie Bewegung \ unb stählt unb kräftigt ben Körper." Daß bas wirklich so ist, soll ber DDM.-Sport- tag am 1. September unb biefer Bericht vom Frühsport im Sommerlager zeigen.

Raus aus bem Bett unb hinein ins Tumzeua geschlüpft. Es war 7 Uhr, unb so Knall aus Fall aus bem Bett heraus fiel manchem Mäbel ein bißchen schwer. Hu, ber Schlaf wollte sich nicht austreiben lasten. Aber raus mußte man. In 5 Minuten waren alle BDM.-Mäbels unten ange­treten. Hie unb ba aüerbings mit recht ver- schlafenen Augen. Doch ber Sport treibt auch bie ärgste Mübigkeit raus. Im Laufschritt ging es nun erst einmal burch ben Garten. Der feuchte Rasen blinkte in ber Morgensonne. Die Luft war rein unb ber Dauerlauf bereitete allen großes Vergnügen. Wenn man sich jetzt nur in bie kühlen Fluten stürzen konnte, zuckte es burch man­chen Kopf. Aber Kneifen gad's nicht. Der Mor­gensport war noch nicht zu Enbe. Erst mußten noch Uebungen gemacht werben. Hopp, hopp, hopp, so tönte es zu ben Langschläfern herüber. Arme, Beine, ber ganze Körper kam in Bewegung. Hei, war bas eine Lust. Es versprach heute sehr heiß zu werben. Die Langschläfer hatten sich nun auch aus ben Betten gemacht unb beobachteten neu­gierig, wie die Mädels turnten. Es war eine Freude, ihnen zuzusehen. Der Schlaf war ge­flohen vor so viel Temperament unb Bewegung. Die Augen ber Mäbels blickten hell unb lachenb in bie Welt. Frühsport hatten sie alle gern. Sie fühlten sich noch einmal so frisch. Ader Hunger gab es auch babei. Der Kaffee ober bie Schleim­suppe schmeckte bann viel besser. An ben Früh­sport bachte noch jebes Mabel, als es schon längst roieber zu Hause war. Wenn man nur auch in ber Stabt bie frische Luft hätte. Die Arbeit ging ihnen jetzt noch schneller von ber Hand. Sie muß- ten ja, nächstes Jahr konnten sie roieber ins

Mit dem Motorrad tödlich v- r mglückt.

LPD. Pfungstadt, 18. August. In der Eber- ftäbter Straße in Pfungstadt ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall, der ein Men­schenleben forderte. Vorn Besuch eines Ar­beitskameraden aus Lorsch zurückkehrend, fuhren der 26jährige Edelmann und fein Begleiter Stickert aus Klein-Krotzenburg mit dem Motor- rab in einer Kurve zu weit nach links unb rannten gegen ein Haus. Ebelmann, der Führer bes Mo- torrabes, würbe babei fo schwer verletzt, baß er nach wenigen Stunden verstarb. Sein Soziusfahrer kam mit leichteren Verletzungen davon.

solche eindringliche Darstellung gefunden.Man sollte bei Hindenburg nicht so viel von Mythus und Symbol sprechen, sondern schlicht darum wissen, daß er ein Christ gewesen ist, auf dem in Hoheit und Güte ein Abglanz der Welt Gottes gelegen hat." Damit ist der Grundakkord angeschlagen, der sich durch das ganze Heft zieht. Professor D. Dr. Hel- muth Schreiner nimmt ihn auf, wenn er sich in einem packenden, lebensvollen Essay ,Lur Wieder- entbecfung Arndts" äußert unb ben ganzen Arnbt für unsere Zeit zurückforbert, nicht einen zum Vor­läufer germanischen Glaubens zurechtgestuhten, fon- bem ben Erneuerer des evangelischen Chorals, ben Sänger tiefster Glaubenslieber ebenso wie ben Er» mecker nationalen Willens, ben Rufer im Streit gegen Napoleon. Wehrkreispfarrer Albrecht Schü­bel erzählt anschaulich unb einbringlich vomSol- batenglauben", von ber christlichen Gottesfurcht, bie seit bem Großen Kurfürsten bas Rückgrat bes preußisch-deutschen Heeres und seiner heldischen Kraft gewesen ist und noch in denPflichten des deutschen Soldaten", die der verewigte Generalfeld­marschall als letztes Vermächtnis an bas fommenbe beutfche Dolksheer unterzeichnet hat, ihren unüber­hörbaren Ausbruck finbet. Welche Kraft zum Kämpfen unb Sterben, welche Opferbereitschaft sie auch im Weltkrieg auslöste, zeigt Richarb Eckstein in einem BeitragHelben ober Heroen?" an ben erschütternben Selbstzeugnissen aus ben ,Kriegs- briefen gefallener Stubenten". Unsere gefallenen Kamerabenwußten sich nicht als Erlöser unb Heilbringer, sonbern als Menschen, bie ber Er­lösung unb bes Heiles von Gott her bebürftig finb", unb gerabe barin liegt ihre Größe, baß sie als Menschen, nicht als Halbgötter, Hebermensch- liches leisteten unb bulbeten. Daß biefelbe Hal­tung auch bie Kämpfer von 1870, zumal bas Füh­rerkorps, beseelte, zeigt bie feine Betrachtung von Dr. Wilhelm Kohlhaas überDie Kameraben ber Reichsgrünbung". Im Hintergrunb steht bas Bild Kaiser Wilhelms I., das in so vielem an das Hin­denburgs erinnert.

Wie gewinne ich das Vertrauen meines Kin­des? Dies ist eine Frage, über die Clariste Meitner im neuesten Heft ber ZeitschriftM utter unb Kinb (Verlag E. Staude, Berlin W 30) plaubert. Heber bre Ernährung bes Kleinkindes enthält bat Heft einen wertvollen Beitrag mit Angaben von Rezepten unb allgemeinen Ratschlägen. Heber Wäsche unb Wäscheschäden berichtet ein anberer Ar- titel. Weiter wird über Kindergymnastik, über das

Zeitschriften.

__ Es war ein glücklicher Gedanke der Heraus­geber der Zeitwende" (Wichern-Derlag, Ber- lin-Spandau), uns im August, im Gedenken an den großen Feldmarschall des Weltkrieges, ein in sich geschlossenesS o l d a t e n h e f t" vorzulegen. Em ergreifendes Bildnis des verewigten Reichspräsi- benten leitet zu der von D. Karl Witte geschriebe­nen Betrachtung hin, die die menschliche Gestalt des Toten in ihrer monumentalen Größe heraus- arbeitet und bis in ihre Tiefe hinein erfaßt. Selten hat der beinahe wortlose, unpathetische, schlichte Glaube, aus dem Hindenburg gelebt und die Ruhe um"7*

feines Lebensabends für fein Volk geopfert hat,!diese Zeitschrift cm zuverlässiger Ratgeber.

" stverständliches wurde, zurück, allerdings nur für kurze Zeit. Es wurden gab es noch kuriose Dinge im Rundfunkhandel. Eine Reflexempfän"er gebaut, ohne daß Die Rohren schon Apparat-Type wurde mit der Ankündigung in ben für bie hoppelte Ausnutzung geeignet waren. Sogar Schaufenstern ausgestellt:Schraubenzieher wirb bie Kontakte würben zu Quellen ber Storung, wett ' " statt Silber unb Platin einfache Messing- unb Neu­

silberkontakteaus Ersparnisgrünben" eingebaut würben. Jahre ber Enttäuschung von vielen tausend Hörern finb auf bieVerbilligungsmaßnahmen" ge­wisser langst von ber Bilbfläche abgetretener Fabri-