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Nr. 191 Erster Blatt

185. Jahrgang

§amrtag, 17. August 1955

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geschlossen habe, gäben eine genügend breite recht- Itzeute aller Kontinente geteilt haben? Welche Nation liche Grundlage, um nicht nur einen ausge- roäre bereit, alles auf das Spiel zu setzen für eine

daß Laval nach der ersten Rücksprache mit Eden ein recht saures Gesicht gemacht hat, wie die Pa­riser Journalisten betrübt feststellen mußten. Denn England droht mit nicht mehr und nicht minder als der Rückkehr zur splendid Isolation, die die britische Politik wahrend der ganzen zweiten Hälfte der viktorianischen Aera charakterisiert und erst nach dem Scheitern der Verständigung mit dem Deut­schen Reich durch die französisch-englische Entente abgelöst wurde. Es wird klar ausgesprochen, daß England sich vom Völkerbund lösen und seine Mit­wirkung in europäischen Fragen künftig überhaupt versagen müsse, wenn Frankreich es zulasse, daß der Völkerbund durch einen italienischen Krieg gegen Abessinien unheilbar diskreditiert werde. Diese Vor­stellungen werden Herrn Laval gewiß sehr nach­denklich gemacht haben, aber es liegt nahe, daß Frankreich sich ein Eingehen auf die englischen Wünsche, falls es glaubt, diese durch den vereinten britisch-französischen Druck bei Italien durchsetzen zu können, mit engeren Bindungen der britischen Politik an seine Paktpläne in Nordosteuropa und im Donauraum, für die England bisher jede eigene Verpflichtung abgelehnt hat, bezahlen lassen wird.

Wie man dann freilich mit Italien ins Reine kommen will, liegt noch völlig im Dunkeln. Musso­lini hat sich weder durch die Ratstagung in (Senf, noch durch die Wiederaufnahme der Schlichtungs­verhandlungen oder die Pariser Dreierkonferenz auch nur einen Augenblick aufhalten lassen, die Rüstungen für einen Herbstselbzua in Qftafrifa mit aller Ener­gie fortzusetzen. Auch die finanziellen Schwierigkei-

dere Haltung ein.

Der offiziösePetit Parisi en" unterstützt wiederum die italienischen Forderungen. Die ver- chiedenen Verträge, die Italien über Abessinien ab-

Frage, die Europa nicht interessiert und die Lebens­interessen keiner Macht mit Ausnahme Italiens be­rührt? Ein ungeheurer Irrtum wurde in Versailles begangen und Fehler-nüssen bezahlt wer- d e n.Tribuna" erklärt, die Eroberung Abessiniens,

fetten Brocken allein örei Jahrzehnte am ------- , . , _

obwohl die Voraussetzungen dazu immerhin an­fechtbar waren (Sklaverei, keine festen Grenzen, feine starke Zentralregierung), 1923 als vollberech­tigtes Mitglied in den Völkerbund geführt und wird, so hofft man wenigstens mit einiger Berech­tigung in Addis Abeba, auch diesmal Abessinien davor schützen, von Italien allein verspeist zu werden.

dehnten wirtschaftlichen Einfluß in Abessinien zu fordern, sondern auch eine terri­toriale Verbindung zwischen seinen beiden

Mailand, 17. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Der Popolo d'Jtalia" schreibt: Italien hat das stärkste Heer in Europa, wenn im Septem­ber eine Million Mann unter den Waffen stehen. Es ist wunderbar eingeteilt, ausgerüstet und aus­gebildet. Abessinien muß entwaffnet und kontrolliert werden. Die mit Kolonialrechten

ten, die in England bereits zur Kreditsperre für ita­lienische Heereslieferungen geführt haben, vermögen ihn anscheinend in seinem Enschluß nicht wankend zu machen, sich nach Ablauf der Regenzeit mit be­waffneter Hand das zu nehmen, was man ihm in Genf und Paris versagen möchte. Man läßt auch durchsehen, daß im Falle eines ergebnislosen Aus­gangs der Pariser Konferenz der Abessinienkonflikt auf Englands Betreiben auf der für den 4. Septem­ber anberaumten neuen Tagung des Völkerbunds­rats grundsätzlich aufgerollt werde, dies ohne Ita­lien geschehen werde. Wie man sich allerdings in Rom den weiteren Gang der Dinge denkt, wenn England in feinem Widerstand gegen den Abcssinien- feldzug von Worten zu Taten schreiten sollte und zum Beispiel den Suezkanal sperren würde, darüber hat man bislang nichts verlauten lassen. Daß die italienische Flotte im Ernstfälle nicht in der Lage wäre, den britischen Widerstand zu brechen, wie in italienischen Blättern mit großem Selbstbewußtsein dargelegt wird, hat vor kurzem erst ein so guter sachverständiger Beurteiler wie Konteradmiral G a - d o w an dieser Stelle überzeugend nachgewiesen. Wenn es freilich Italien nach den gewaltigen Kriegs­oorbereitungen nicht leicht fallen dürfte, das Schwert in der Scheide zu lassen, ist es vielleicht doch gut beraten, in Paris alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um eine Formel zu finden, die ihm ohne das große Risiko eines kostspieligen Kolonial­krieges die wirtschaftliche Durchdringung Abessiniens bei Erhaltung der politischen Unabhängigkeit des Landes sichert. Bis Abessinien wieder aus der welt­politischen Erörterung verschwunden fein wird, wer­den freilich die Zeitungen noch oft Gelegenheit haben, in dicken Balkenüberschriften ihre Leser für den Streit um diesen letzten freien Zipfel des Hnrnrci Erdteils zu interessieren.'

unter welcher Form sie auch erfolge, sei es.Mandat, Protektorat ober direktes Dominion, fei für das ita­lienische Volk eine Lebensnotwendigkeit.

Information" bringt folgende Aeußerungen einer einflußreichen italienischen Persönlichkeit: Wir spielen in Afrika ein großes Spiel. Alle Folgen unseres Vorgehens find vorher von uns überlegt worden. Sie schrecken uns nicht. Wir müssen vor allem die Substanz unseres Volkes durch eine gerechtfertigte Ausdehnung sichern. Wie kann man glauben, daß wir 200 000 Mann an di« afrikanische Küste schicken und riesige Ausgaben nur für eine kindische Inszenierung gemacht haben. Für Italien ist der Augenblick gekommen, a l s Großmacht zu handeln. Unsere Jugend hat Wagemut. Wir sind glücklich, die Freundschaft Frankreichs gefunden zu haben. Niemals wird sich ein günstigerer Augenblick finden, um die wahrhafte lateinische Brü­derlichkeit zu besiegeln. Im vergangenen Ja­nuar haben wir in Rom einen Ehevertrag unterzeichnet. Heute handelt es sich um die Hoch -

rungen Englands unterrichtet habe.Oeuvre meldet, man trage sich sogar mit dem Gedanken, gegebenenfalls nach Rom z u reifen, um Mus­solini dazu zu beftimmeg» ein Abkommen anzuneh­men, bas der Völkerbunb am 4. September unter seinen Schutz nehmen könne. Vorläufig herrsche je­doch in allen drei Lagern ziemlicher Pessimismus. Der Bericht, den der englische Minister am Freitag­abend über den Sitzungsverlauf abgesandt habe, sei wenig zuversichtlich gewesen. /

AuchTimes" teilt mit, Baron Aloifi habe sich darauf beschränkt, in allgemeinen Wendun- gen die bekannte italienische Forderung nach ko­lonialer Ausdehnung und freier Hand in Adelst- nien zu wiederholen. Die Abneigung des italie­nischen Vertreters' gegen eine deutliche Erklärung sei den beiden anderen Abordnungen nicht recht ver­ständlich. Baron Aloifi habe keine Vollmacht und müsse daher ständig telephonische Weisungen in Rom einholen.

z e i t s n a ch t. Ich hoffe, daß Italien nicht enttäuscht wirb.

Gesellschaftliche Epannungen in Nom.

Lonbon, 16. Aug. (DNB.)Star" behauptet, baß bie Mitglieber ber britischen Ko­lonie in Rom einschließlich ber Botschaft seit ber Zuspitzung ber englisch-italienischen Ausein- anbersetzung einem völligen gesellschaft­lichen Boykott ausgesetzt seien. In gesellschaft­licher Hinsicht lebe bie Kolonie w i e a uf einer einsamen Insel unb nur noch bei offiziellen Gelegenheiten unterhielten sich bie Italiener mit ben Engländern. Ein zur Zeit in Englcmb auf Ur­laub befindliches Mitglied der britischen Botschaft berichtet, baß selbst alte italienische Freunbe jebe Verbinbung mit ber biplomati- schen Vertretung Großbritanniens abgebrochen hätten.

E ne Million für Afrika mobilisiert.

Rom, 16. August. (DNB.) Bei ben soeben bekanntgegebenen Mobilmachungen ber Jahrgänge 1911, 1913 unb 1914 hanbelt e<5 sich nur um bie bisher Zurückge st eilten, wie einzelne Söhne, Stubenten, Familienerhalter unb sonst aus wirtschaftlichen Grünben nicht Ange- forberte ber bereits seit längerer Zeit unter bie Waffen gerufenen Jahrgänge Insgesamt beläuft sich bie Zahl ber jetzt Einberufenen auf 150 000. Durch biefe Maßnahme wirb bie Zahl ber für Afrika mobilisierten italienischen Truppen auf 1 Million erhöht.

Entdeckung eines Diamantenfeldes en der abesfimfchen Gren e.

Rom, 16. Aug. (DNB.) In ber Nähe von Ubbur, 150 Kilometer von der abessinischen Grenze, hat ein Kapitän Frattini ein Dia­mantenfeld entdeckt. Die zuständige Regie­rungsstelle in Mogadiscio (Somali) ist sofort von dem überraschenden Fund unterrichtet worden. Sie wird unverzüglich Sachverständige an Ort und Stelle schicken, die sich von der Wahrheit der An­gaben und von der Ergiebigkeit des Vorkommens überzeugen wird.

Oie Aufgabe -er pariser Konferenz.

Auf der Ratstagung des Völkerbundes in Genf hatten die drei am Abessinien-Problem vorwiegend interessierten europäischen Großmächte England, Frankreich und wohl oder übel auch Italien ver­einbart, zu einer Konferenz in Paris zusammen­zutreten, um zu versuchen, auf der Grundlage des zwischen ihnen im Jahre 1906 über ihre gegenseiti­gen Interessen in Abessinien abgeschlossenen Ver­trages Italiens Wünsche nach einer Ausdehnung feiner Machtsphäxe in Abessinien zu befriedigen, ohne die Interessen der andern beiden Mächte zu

Kolonien Eritrea und Somali.

Der Vertrag von 1906.

Wirtschaftliche

ober politische Durchdringung?

DerMatin" kommt auf ein Zwiegespräch zwi- chen Baron Aloifi und Eden über bie Aus­legung bes Abkommens von 1906 zu sprechen. Wäh­rend man von italienischer Seite behauptet, daß bas Abkommen von 1906 bie Aufteilung Abes­siniens ausbrücklich vorsehe, erkläre man eng­lischerseits, bie Artikel 1 bis 4 bieses Abkommens behanbelten lebiglich e i ne wirtschaftliche unb nicht eine politische Aufteilung. Baron Aloisi bürste hierauf geantwortet haben, es handele sich babei um eine Verklauselierung, wie sie in berartigen Verträgen üblich sei. Englischerseits werde man erwidert haben, daß der italienische Standpunkt über bie juristische Auslegung bieses Abkommens, seihst wenn er richtig sei, n ich t an­erkannt werben könne, ba ber Artikel 20 bes Völkerbundspaktes ausbrücklich bar auf Hinweise, baß alle Verträge, bie vor ber Schaffung

belabenen Mächte bürfen uns ben Weg nicht versper­ren: sie tragen bie Verantwortung bafür, uns ber Früchte bes Sieges beraubt zu haben. Ein Wiberstanb gegen unsere Lebensbedürfnisse wäre ein Verbrechen gegen bie Geschichte und Zivilisation. Was würden morgen die Völker sagen, wenn ein grausamer europäischer Krieg durch die unerhörte Anmaßung verursacht wurde, daß Großmächte Italien ein fernes Land in Afrika streitig machen, nachdem sie sich bie fette Kriegs-

Die Anregung, in Paris auf ben Vertrag von 1906 zurückzugreifen, geht bezeichnender- töeife von Italien aus, bas in dem Vertrag eine Handhabe zu besitzen glaubt, feine im Grunde auf eine nackte Annexion Abessiniens hinauslaufen- den Forderungen rechtlich begründen zu können. Der Vertrag enthält tatsächlich allerdings das Zu­geständnis an Italien, durch einen von Norden nach tzüden gerichteten Gebietsstreifen westlich ber Lime von Addis Abeba die beiden italienischen Kolonien Eritrea im Norden und Somali im Süden mitein­ander zu verbinden. Aber er sicherte auch England das Gebiet des für bie Bewässerung bes Sudan unentbehrlichen Tanasees und Frankreich einen Ge­bietsstreifen in Mittelabessinien, der durch den Öa= mals begonnenen Bahnbau von Addis Abeba nacy dem französischen Roten-Meer-Hafen Dschibuti ein­deutig bestimmt wird. Unb, worauf England heute mit befonberem Nachbruck hinweift, ber Vertrag garantierte in seinem ersten Artikel bie poli­tische Unabhängigkeit Abessiniens, be­schränkte also bie Teilung in Interessensphären aus­drücklich auf bie wirtschaftliche Betätigung und de- stimmte ferner, daß niemand der Vertragspartner berechtigt sein solle, allein vorzugehen, um eine Aenderung ber 93ertragsgrunblagen burchzufetzen. Es hatte also für Italien immerhin feine Zwei Seiten, an biefen Vertrag von 1906 zu erinnern, den Abessinien übrigehs niemals ratifiziert hat und den es, inzwischen zum Mitglieb bes Völkerbundes avanciert, berechtigt sein bürste, als unmoralisch zu verwerfen, wenn er ihm nicht in ber Hand Des britischen Freundes Möglichkeiten zur Verteidigung feiner politischen Unabhängigkeit böte. Die Erinne­rung an den Vertrag hat auch insofern die Lage nicht erleichtert, als Frankreich, das bisher zugunsten einer unbedingten Unterstützung seiner Paktpolitik in Nordosteuropa und im Donauraum durch Italien seine Uninteressiertheit in Ostafrika proklamiert hatte, nun anscheinend sich eines ande­ren besinnt. Es hat bereits ben früheren englischen Vorschlag eines Gebietsaustausches ber abessinischen Provinz Dgaben (im Süden an Italienisch-Somali stoßend) an Italien gegen den britischen Roten- Meer-Hafen Zeyla als unerträgliche Konkurrenz feines Eisenbahnunternehmens Addis Abeba-Dschi­buti empfunden und scheint nun sogar die Besatzung seiner Roten-Meer-Kolonie beträchtlich zu verstär­ken, um für alle Fälle gewappnet zu sein.

Die losen Vorbesprechungen der gestern erst offiziell begonnenen Pariser Dreierkonferenz haben nach ben Berichten ber französischen unb englischen Presse offenbar wenig neue Möglichkeiten für eine frieblidje Beilegung bes Konflikts eröffnet. Durch bie einbeutig ablehnende Haltung Englands gegenüber jedem Unterfangen Italiens, sich mit Waffengewalt in den Besitz Abessiniens zu setzen, nimmt die Pariser Konferenz schon am ersten Tage . die Form einer englisch-italienischen Auseinander- fetzung an, die Frankreich sehr wider Willen in die

zwischen zwei ihm gleich befreundeten Großmächten hineindrängt. Laval wird also von beiden Seiten unter Druck gesetzt und es erwächst ihm bie fast unlösbare Aufgabe, einen- Weg zu finden, der Ita­

lien ohne Krieg wenigstens annähernd das gibt, was es haben will, ohne einmal die in letzter Zeit sehr deutlich betonten materiellen Interessen Eng­lands zu gefährden und zweitens ohne durch eine allzu krasse Verletzung der politischen Unabhängig­keit Abessiniens das Prestige des Völkerbundes aufs Spiel zu fetzen. Tut er nach der einen oder anderen Seite zu wenig, so muh er Gefahr laufen, sich ent­weder die noch recht junge, wenig erprobte unb ganz auf benmateriellenGrunbsatzbes aoutdes aufgebauten Freunbschaft Italiens zu verscherzen, bie er ja grabe mit bem Hinweis auf bie freie Hanb in Ostafrika zur Unterstützung seiner europäischen Pakt­politik gewonnen hatte, ober was ihm vielleicht noch schmerzlicher sein würbe er müßte eine Lockerung bes trabitioneüen engen Vertrauensver­hältnisses z u Englanb in Kauf nehmen, bas ja bisher alle Belastungsproben oft überraschenb über­standen hat und dessen Ende für die französische Politik eine ganz neue und zweifellos sehr unbe­queme Lage schaffen würde. Es steht also für Laval weit mehr auf dem Spiel als die Schlichtung eines Kolonialstreits oder die Rettung des Völkerbunds, und grabe aus biefer Perspektive ist ber Ausgang ber Pariser Konferenz von gerabezu weltpolitischer Bebeutung unb auch für uns Deutsche, bie an bem Abessinienkonflikt an sich materiell ganz uninteres­siert sind, der aufmerksamsten Beachtung wert.

Der britische Delegierte, Völkerbundsminister Eden scheint ja schon in den Vorbesprechungen mit Laval und Aloisi keinen Zweifel darüber gelassen zu haben, daß England nicht gewillt ist, dem Abessi- nienkonslikt lokalen Charakter zuzubilligen, sondern

des Völkerbundes abgeschlossen worden seien, den Statuten des Völkerbundes angepaßt oder gekündigt werden müßten.

Im übrigen, so schreibt ber Matin weiter, dürfe man wohl annehmen, baß Englanb, falls es nicht gelingen sollte, Italien zur frieblichen Lösung ber Abessinien-Frage zu bewegen, zu minbest eine m o - ralische Verurteilung ber italienischen Hanblungsweise in Genf forbern werbe. Man wisse jeboch in Englanb sehr gut, baß Frankreich biesem Vorschlag nicht folgen würbe, selbst wenn Englanb auf wirtschaftliche Sanktions­maßnahmen verzichte.

Excelsion" meint, baß ber Fortgang ber Dreier- Besprechung am heutigen Samstag noch nicht ti ch e r sei. Alles hänge vielmehr baoon ab, welche Anweisungen Mussolini bem italienischen Vertreter geben werde, der am Freitag den italieni­schen Regierungschef telephonisch von den Forde-

Italien zu allem entschlossen.

Hom hat vorher alle Folgen überlegt. - Dir italienisch-französische Freundschaft vor die Feuerprobe gestellt.

Oer erste Tag der pariser Konferenz.

Wenig zuversichtliche (Stimmung. Italien hält mit klarer (Stellungnahme zurück

verletzen oder durch Ueberspannung der italienischen Forderungen einen Krieg Mischen zwei Dölker- bundsmitgliedern heraufzubeschwören, der dem Pre­stige der Genfer Institution einen tödlichen Schlag versetzen müßte. Den Hauptbeteiligten Abessinien als Partner zu dieser Pariser Konferenz hinzu­zuziehen, hat Italien strikt abgelehnt mit der etwas fadenscheinigen Begründung, daß Abessinien ja auch nicht den Vertrag von 1906 mitunterzeichnet, ihn sogar niemals anerkannt habe. So wird Abessinien also von den Besprechungen, die über sein Schick­sal als souveräner Staat entscheiden sollen, nur so­viel erfahren, als der eine oder andere Teilnehmer der Konferenz ihm mitzuteilen für zweckmäßig hält. Der Vertrag von 1906 ist ein eindeutiges Dokument des krassen Kolonialimperialismus der Dorkriegs­ära, der wie so viele andere Abkommen dieser Zeit über Persien, Aegypten, China ober Samoa, San­sibar unb Kongo einem Konflikt mehrerer an ein und demselben Gebiet in gleicher Weise interessier­ten Kolonialmächte verdankt, die, um es nicht zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen zu lassen, das strittige Gebiet über den Kopf der Be­troffenen hinweg in Interessensphären aufteilten, die nur eine Verschleierung ober eine Vorstufe der tatsächlichen Besitzergreifung zu sein pflegten. Mit Abessinien, bas sich 1896 durch den Sieg von Adua unter Kaifer Menelik des italienischen Protektorats hatte entledigen können, war es bann 1906 soweit gekommen, baß bie drei an ihm interessierten Kolo­nialmächte zu einer Aufteilung schreiten konnten, die das Ende der Unabhängigkeit des äthiopischen Kaiserreiches hätte bedeuten können, wenn nicht die Rivalität der Mächte ihm gestattet hätte, weiter zu leben. Und diese Eisersucht, keinem der andern den " * " ' zu gönnen, hat Abessinien die

Leben erhalten, hat es sogar,

ihm höchst unbequeme Rolle bes Schiedsrichters 1 ihn nach grundsätzlichen Gesichtspunkten zu behandeln imot «hm nfoi<4i hotroxtvthoion fRrn&mäfhtpn wünscht. DerDaily Telegraph hat diese bereits im einzelnen bargelegt, sie haben fast ultimativen Charakter unb wenn Englanb, wie es scheint, ent­schlossen ist, in Paris seine Auffassung bis zur letz­ten Konsequenz zu vertreten, glauben wir wohl,

Paris, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der all­gemeine Einbruck, ben man in Paris nach ber er ft en Fühlungnahme zwischen ben Mit- güebern ber Dreimächte-KcMferenz hat, ist am Samstag eher pessimisti s.ch. Niemanb hatte zwar vom ersten Tage greifbare Ergebnisse er­wartet, aber eine genaue Ueberprüfung ber oerschiebenen Verträge, bie die Be­ziehungen der drei Länder zu Abessinien regeln, hat den Beweis erbracht, daß zwischen den italie­nischen Forderungen und den englischen Vorschlä­gen eine Kluft besteht, die zu überbrücken fast unüberwindliche Schwierigkeiten machen wird. Baron Aloisi hat es bisher ver­mieden, die Forderungen seiner Re­gierung in allen Einzelheiten darzu­legen, obgleich der englische Minister Eden aus­drücklich darum gebeten hatte. Man glaubt, Italien halte sich absichtlich vorsichtig zurück, um zunächst einmal abzuwarten, was die anderen Mächte im Höchstfälle anzubieten be­reit seien. Mussolini habe keinerlei Veranlassung ich zu beeilen; denn jeder Tag bringe für ihn neue Angebote, er habe Zeit ois zum 4. Sep­tember. Es scheine immer mehr, als ob zwischen Italien und England eine Kraftprobe ftatt- finbe, beren Ausgang sich notgedrungen auch auf die französische Politik auswirken müsse.

DasJournal" unterstreicht, daß der erste Ver­handlungstag die großen Schwierigkeiten, die einer Einigung entgegenstehen, ins rechte Licht gerückt habe. Auch in englischen Kreisen sei man sehr pes­simistisch. Eden habe versucht, Italien dazu zu be­wegen, seine Forderungen in klarer Form vorzubringen. Aber man wisse noch nicht, ob Baron Aloisi die Erlaubnis erhalten werde, die italienischen Karten aus den Tisch zu legen. Das Blatt bestreitet die Auffassung, als ob Italien einer französisch-englischen Einheitsfront gegenüberstehe. Jede der drei Parteien spiele ihr eigenes Spiel. Und jede nehme eine an-