Dienstag, (5. Oktober (935
Nr.2§l Drittes vlatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nachdruck verboten!
17 Fortsetzung
fand sich Bet-
Sonntagsrock, neben Ihnen
Gier
wir beide. Wie ein Waldzwerg im der 'mal Ausgang hat, werde ich aussehen.
Wunderschön? Nein, wunderschön
Das Konzert begann. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Dem Geiger Pauli ging ein großer Ruf voraus, er stand dicht vor der Pforte, durch die man zur Weltberühmtheit hindurch muß. .
Der Geiger war schlank und sehr jung. Sem Spiel riß zu großem Beifall hin. Aber noch größeren Beifall durfte Bettina buchen. Wie sie so dastand in dem hellgrünen Samtkleide, schlank und rank, das schmale Gesicht wundersam belebt von den großen schimmernden Augen, und die Rheinlieder sang mit jubelnder Stimme und lachendem Mund, da packte sie die rheinischen Menschen bei allem, was ihnen im Blut lag. Rheinländer waren sie ja fast alle, die hier saßen und den warmher
ganz recht gehabt, mein verehrter Herr Wilderling, eine bessere Verkünderin Ihrer Lieder dürften Sie kaum finden."
Er dankte Bettina: „Ein Genuß war das eben für mich, und ich bin doch so Überladen mit Musikhören. Es ist mein Beruf. Ein Musikoerleger muß viel hören, viel verdauen. Manchmal wird mir flau davon, zu viel Ueberspanntes, aber auch zu viel Seichtes drängt sich heran. So was wie Wilderlings Lieder ist goldecht, volkstreu. In seinen Liedern pulst warmes Rheinlandblut, und Sie fühlen jedes Wort und jede Note im Herzen nach, das übt die besonders starke Wirkung auf den Hörer aus."
„Sie fühlt jedes Wort nach und jede Note, weil sie ein echtes Rheinlandmädel ist", sagte Konrad Wilderling und nickte Bettina Wilderling zu. „Ihre Vorfahren bis in die fernste Vergangenheit sind Rheinländer gewesen, die Männer und die Frauen, genau wie meine Vorfahren, und wir hängen an unserm Stück Vaterland wie die Kletten. So lieb wir auch das ganze Deutschland haben, wir beide, Bettina und ich, gehören hierher wie der Ahmanns- häuser und der Rüdesheimer und wie die Loreley und meinetwegen wie der Mäuseturm."
Alle mußten lachen, und dann erzählte Konrad I Wilderling von der alten Sage der Hochwalds, und । Bettina sang noch das seltsame Lied ihres alten Lehrers. Peter Starke, der breitschultrige Hüne, fröstelte ein wenig.
Er fragte: „Sie sind noch nicht zwanzig Jahre?
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, erst um Ostern herum werde ich zwanzig."
Sie dachte, sie würde nicht sterben, falls der alte Fluch wirklich Kraft gehabt und man daran glauben wollte, sie hatte ja einen Herzmann vor Tod be- ro(%orirab Wilderling sah still vor sich nieder und Peter Starke schwieg auch. Die beiden sannen wohl dem alten Sagenfluch nach.
Sie lächelte: „Ich hab geträumt, der Fluch hätte ferne Macht mehr, ich fürchte mich nicht", und sie dachte, es gina ja niemand außer ihr etwas an, daß sie einen ,Herzmann vor Tod bewahrt'.
Eine Stunde später ging Bettina heim und sie wurde begleitet von den beiden Herren, dem jüngeren riesengroßen und dem graulockigen alten Herrn. Beide wollten mit ihren Eltern etwas besprechen. Das Ergebnis war ganz in ihrem Sinne, die Eltern ; machten keine Einwendungen.
' Schon in vierzehn Tagen sollte das erste Kon- . zert stattfinden in Köln. Peter 'Starke arrangierte ■ das zusammen mit der Konzertdirektion Nobelmann i in Köln, die ihm ein paar Programmnummern frei
zigen volkstümlichen Liedern des alten Wilderling lauschten. Worte und Melodie waren so echt, so rheinisch, als hätte man sie schon ein ganzes Leben lang in der Brust mit sich herumgetragen, hätte sie selbst längst tief gefühlt, so wie man das Pochen des Herzens fühlt und die frische Luft, die man in die Lungen einzieht. Viele Lieder waren dabei, die konnten schon vor 100 Jahren am Rhein gesungen worden sein, die mochte der rheinische Wind schon über das sonnige Land geweht haben, als da droben auf den Burgen noch stolze Ritter zum Streite auszogen und schöne Edeldamen vor dem Bildstock der reinen Gottesmutter um gute Heimkehr der liebsten Männer beteten. Es waren Lieder, die kaum an eine Zeit gebunden schienen, die immer alt und immer neu waren. Man lauschte, man fühlte die Wärme des Volkstümlichen wie etwas, das zu einem gehörte, und der Beifall war wie ein Sturm, der die schlanke Bettina fortreißen wollte von der Seite ihres Begleiters, mitten hinein in das Publikum.
Bettinas Wangen erglühten vor Freude, weil Konrad Wilderlings volkstümliche Lieder so sehr gefielen. Sie lächelte ihn an, der sich immer wieder dankbar verneigte und mit leuchtenden Augen ihrem Lächeln begegnete.
Es ward ein ganz großer Erfolg, ein größerer, als ihn selbst der geschäftstüchtige Verleger erwartet, der sich die Propagandareise für die bisher ungedruckten Lieder Konrad Wilderlings ausgedacht und sie in die Wege geleitet.
Und die schlanke junge Sängerin, die sich so damenhaft vor dem Publikum verneigte, bevor das erste Lied erwachte, wurde eine andere, während sie sang. Sie verwandelte sich in ein einfaches, liebliches Rheinlandmädel mit frohem Lächeln und blitzenden Augen.
Beifall folgte den beiden überall, wohin sie auch kamen.
In Frankfurt am Main las Hans Syden die Ankündigung des Konzertes. Er las sie mehrmals und schüttelte den Kopf. Unglaublich schien es ihm, daß Bettina Hochwald als Sängerin im Konzertsaal vor die große Oeffentlichkeit trat. Und es ging ihr schon ein Ruf voraus, das las er auch.
Er nahm sich vor, das Konzert nicht zu besuchen, obwohl es ihn reizte. Er hatte noch eine große Dankesschuld gegen Bettina von jenem Frühlingstag her, als Dr. Diendorf die Waffe gegen ihn «• hoben. Sein Leben dankte er ihr. Die Schuld drückte ihn plötzlich schwer.
(Fortsetzung folgt!)-
Syden saß dann vielleicht unten im Saal, würde sie kaum wunderschön finden — nein, nicht.
20. Kapitel.
Bettina fängt alle Herzen ein.
tina nicht, aber fremd erschien sie sich. Doch Peter Starkes elegante Schwester hatte sie auch wunderschön genannt.
Sie sann: In dem hellgrünen Kleid, mit den tiefen Wellen im Haar, würde sie auch eines Abends vor das Frankfurter Publikum treten und Hans
gehalten hatte im Konzert des Geigers Pauli. Nobelmann war Peter Starkes Schwager. Alle Vorbereitungen klappten gut.
Drei Tage vor dem Konzert bestiegen Bettina Hochwald und Konrad Wilderling den Zug nach Köln, wo Peter Starkes Schwester, Frau Nobelmann, Bettina behilflich war, die Konzerttoilette zu besorgen. Ein bekanntes Schneideratelier verkaufte ein Modellkleid an Bettina. Es war weder weiß noch schwarz, wie es sich der alte Musiker vorgestellt, es war aus mattgrünem Schimmersamt und kein Zierat war daran, außer einer großen Silberschleife, die unterhalb der linken Brust das feine Gefältel der Taille zusammenhielt. Das Haar wurde in tiefere Wellen gebannt, die nun den schmalen Kopf erst richtig umrahmten.
Als sich Bettina dicht vor dem ersten Konzert dem alten Musiker in dem teuren Abendkleid mit der veränderten Haartracht zeigte, schaute er sie fast hilflos an. Er hatte Bettina immer schon sehr hübsch gefunden, aber daß sie so wunderschön sein konnte, bereitete ihm beinahe Sorge.
Er brummte endlich: „Na, ein feines Paar sind
Konrad Wilderling ging um die Vorstellung herum. .
„Namen brauche ich wohl nicht mehr nennen lächelte er, „jeder weiß ja vom andern, wer es ist."
Eine Riesenhand umspannte Bettinas Rechte und eine tiefe Stimme sagte: „Ich habe von Ihrem Lehrer schon so viel Lobendes über Sie gehört, Fräulein Hochwald, daß ich äußerst gespannt bin, ein Lied von Ihnen zu hören."
Ein paar flüchtige Sätze wurden noch gewechselt, dann nahm Peter Starke Platz und Bettina trat neben Wilderling, der sich an das Klavier gesetzt Noten waren nicht nötig, keiner von beiden brauchte Noten bei den oft gesungenen Liedern. Schon präludierte der alte Musiker, eine Melodie drängte sich leicht betont hervor. Die sagte Bettina schon, welches Lied sie fingen sollte. Nun wogten Akkorde auf, es I war, als rausche der Rhein gegen felsige Ufer, und in die Akkorde hinein fang jetzt eine weiche Altstimme von bezauberndem Klang eine Jubelhymne auf den stolzen herrlichen Strom.
Peter Starke, der Platz genommen, hielt förmlich den Atem an. Es schien ihm unbegreiflich, daß eine Künstlerin wie Bettina Hochwald noch hier in dem alten kleinen Städtchen lebte und gar nicht zu wissen schien, wieviel sie konnte. Mit dem Wort „gottbegnadet" wird oft Schindluder getrieben, dachte er, aber das Mädel mit dem seltenen Haar war gottbegnadet.
Das eine einzige Lied genügte, um sich darüber ftar zu werden. Und wie natürlich sie fang. Kein Zieren, kein Kopfoerdrehen, ganz wunderbar waren Haltung und Stimme und Vortrag.
Er rieb sich die Hände. Bettina Hochwald war die richtige Sängerin für die Lieder des alten originellen Kauzes, dem er zur Herausgabe feiner Lieder erst hatte zureden müssen wie einem Schwerkranken der Medizin einnehmen soll, der aber, nachdem er sich zur Herausgabe entschlossen, ganz aus Rand und Band geraten mar bei der Aussicht auf das Beriihmtmerden, auf Reifen und Selb. Noch zwei Lieder fang Bettina Hochwald ehe Peter Starke zufrieden schmunzelnd lobte: „Sie haben
SmelKWoW
Roman von Anny von panhuys
Urheberrechtsschutz Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
Alles Hilst dem WHW!
Erfreulicherweise zeigt sich überall in Stadt und Land volles Verständnis und größte Bereitwilligkeit zur Mitarbeit für die Aufgaben des Winterhilfswerks 19 3 5/36. Die Werbung für dieses edle Hilfswerk zum Besten der notleidenden Volksgenossen ist rege im Gange. Die Sammler für d i e Eintopfspende am vorigen Sonntag gaben durch ihren persönlichen Einsatz beim Sammeln der Spenden treppauf und treppab erneut ein vorbildliches Beispiel dafür, wie man sich mit ganzer Kraft für die große Sache des WHW. betätigen kann. Daneben warben be-
Einzahlungen für dasWmter- hilfswerk 1935/36 sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Dlskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 7N. 16114 zu tätigen.
Kreisamtsleitung Gießen der NSv.
kannte Redner der Partei in unserer engeren Heimat für das Hilfswerk: so sprach Kreispropagandaleiter Schmelz (Gießen) bei der Eröffnung des Winterhilfswerks in Klein-Linden, bei der in der Kundgebung unter dem Vorsitz des Ortsgruppenleiters Dr. Crößmann auch der Männergesangverein „Arion" und die Nationale Sängervereinigung durch prächtige Liedvorträge mitwirkten; in Allen-
dorf (Lahn) sprach in einer Versammlung unter dem Vorsitz des Ortsgruppenleiters Dr. Crößmann aus dem gleichen Anlaß der Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront, Hermann Wagner (Gießen), ferner wurden bei dieser Veranstaltung Gedichte zu Gehör gebracht, Reigen und turnerische Darbietungen des Turnvereins gezeigt sowie von dem Gesangverein „Einheit" einige Chöre vorgetragen. Beide Kundgebungen stärkten den Willen zur opferfreudigen Mitarbeit am WHW. und brachten die Treue zu Führer und Vaterland durch begeisterte „Sieg - Heil!"-Rufe zum Ausdruck. In Mainzlar ergab die Sammlung vom Eintopf am vorigen Sonntag den Betrag von 46,50 Mark, in Dau bring en die Summe von 62,20 Mark und in Großen-Linden 177 Mark.
Eintopf-Ergebnis
ans drei (Siebener Ortsgruppen.
Das Ergebnis der Sammlung vom Eintopfgericht am vorigen Sonntag in Gießen liegt bisher aus drei Ortsgruppen vor. In der Ortsgruppe Oft wurden 749,90 Mark, in der Ortsgruppe Süd 881,90 Mark und in der Ortsgruppe Nord 882,70 Mark gespendet. Das Ergebnis der Ortsgruppe Mitte steht noch aus. Das bisherige Ergebnis beläuft sich demnach auf den stattlichen Betrag von 2514,50 Mark.
NSV., Ortsgruppe Giehen-Nord.
Die für Oktober durchzuführende Pfundfamm- l u n g wird nicht am Dienstag und Mittwoch, sondern nur Mittwoch, 16. Oktober, durchgeführt.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie alte Andres-Wirtin t-
Heute nachmittag wird auf dem Gießener Friedhof eine Frau zur letzten Ruhe getragen, die ein Stück Alt-Gießen verkörpert hat: Frau A u g u ft e Weidig. Hunderten von Studenten war sie jahrzehntelang eine treu sorgende Mutter, und zahllosen Gießener Bürgern wird ihr Bild aus jenen Jahren wieder lebendig werden.
Frau W e i d i g war am 22. Juni 1853 in Gießen geboren. Ihr Elternhaus ist das alte Fachwerkhaus Ecke Neuen Bäue und Sonnenstraße, an dem die Gedenktafel für Friedrich Gottlieb Welcker hangt. Sie verheiratete sich mit Karl Weidig, dem Sohn des bekannten Brauereibesitzers Andreas Weidig, und leitete die mit der Brauerei verbundene Gastwirtschaft „Zum Andre s". Freilich sah der „Andres", nach dem Frau Weidig den Namen „die Andrea" führte, damals anders aus als heute. An der Ecke 'Sonnenstraße und Erlengasse stand das Haus des Tapeziers B e p p - l e r. Daneben zog sich das Weidigsche Haus hin, das ob feiner Länge und geringen Breite von nur wenigen Metern von den Gästen als „R i e m e n" bezeichnet wurde. Hinter diesen beiden Gebäuden war Weidigs Brauerei errichtet. Nach 1880 wurden beide Häuser abgerissen und an ihrer Stelle der heutige „Andres" erbaut.
Außer den Studententischen, z. B. der beiden Burschenschaften „Germania" und „A l e m a n - n i a", später auch noch der „F r a n t o n i a" und anderen Verbindungen wie der „A d e l p h i a" gab es dort den Tisch der „Zwölf 21 p o ft e l", echte alte Bürger Gießens — sie hießen so, weil sie mit der Pünktlichkeit einer Uhr sich von der „Andrea" verabschiedeten, wenn es 12 Uhr schlug — und den berühmten „Viereckig-Runden", einen viereckigen Tisch, an dessen einer Ecke ein Stück runder Tischplatte angefügt war; an ihm saßen meist Beamte und Offiziere.
Einmal im Jahr braute Weidig des „Ale" genannte Bier. Der Ale - Anstich wurde von den Stammgästen und Studenten gefeiert, ein Fest, bei dem es hoch herging. Dazu kamen sogar Marburger Burschenschafter herüber, um die sog. „Schlacht bei Hanau" mitzuschlagen, bei der man im Reitsitz auf den Stühlen hockend durch das Lokal ritt. An solchen Tagen wurden riesige Mengen von „R i p p ch e n" und „H ö s ch e n" verzehrt. Finanziell Bescheidenere begnügten sich mit einem „h a l - 6en Hahn" — d. i. einem halben Handkäs — oder einer „Z i n n o b e r k i st e" — d. i. ein Brötchen mit Leberwurst für 15 Pf. An Markttagen saßen Bauern im blauen Kittel, Studenten mit Mütze und Band, Beamte und Handwerker am Tisch. Der Gehilfe der „Andre a" war der vor einigen Jahren verstorbene Besitzer des „Lotze- tagens" auf dem Seltersweg, Emil Freund.
Semester für Semester hat „die Andrea" die Studenten betreut, die bei ihr verkehrten. Wenn einer Sorgen hatte, nicht nur wegen etwaiger Schulden, konnte er immer Rat und Beistand bei ihr finden. Noch bis in die letzte Zeit hinein stand mancher in Briefwechsel mit ihr und hat sie wohl auch gelegentlich in Kassel auf der Durchreise einmal besucht. Und dann freuten sie sich beide und sprachen von der Vergangenheit, von gemeinsamen Bekannten und Freunden, von jenen sagenhaften Friedenszeiten.
Von ihren Kindern verheiratete sich die Tochter mit dem Rechtsanwalt Dupont, während der Sohn Karl ein Gastwirtschaft in Kassel betreibt. Dort lebte Frau Weidig von 1922 an.- Alle Kasseler, die in der alten Gaststätte von Jean Meister am Garde-du-Corps-Platz verkehrten, kannten „die G r v ß m u t t e r". Ungeachtet ihres Alters half sie hinter dem Schanktisch, ging zu den Gästen, um mit ihnen ein Weilchen zu plaudern, und wußte Bescheid um die besonderen Wünsche der Stammgäste. Wie ehedem in Gießen zu den jufigen und alten Gästen des „Andres", so verstand es nun in Kassel „die Großmutter" zu den Gästen ein ver- DertrauensDoUes, ja manchmal freundschaftliches
Verhältnis anzubahnen. Selbst als in der letzten Zeit, .nachdem ihr von allen Seiten im Jahre 1933 zu ihrem 80. Geburtstag Glückwünsche zugegangen waren, körperliche Beschwerden ihre Beweglichkeit zu hindern begannen, ging sie noch von Tisch zu Tisch, um die Gäste zu begrüßen.
In dem Buch der Bücher heißt es, wenn ein Menschenleben köstlich gewesen sei, dann sei es Mühe und Arbeit gewesen; dieses Wort gilt auch für Frau Auguste Weidig. In dem Raum, den ihr Lebensschicksal ihr zugewiesen hatte, hat „d i e Andrea" der Gießener, „die Großmutter" der Kasseler Zeit in nie versagender Pflichterfüllung Jahrzehnt um Jahrzehnt gearbeitet. Und ihre Arbeit war gesegnet, weil sie mithalf ihr Leben reich an Liebe und Seaen zu machen. Alle Gießener, die im „Andre s® ihren Schoppen tranken, werden an diese prächtige Frau zurückdenken, die für ihre Erinnerung ein Stück Alt-Gießener Geschichte darstellt. Dr. Wa.
Vornoinen
Tageskalender für Dienstag.
DAF., Äreisroaltung Gießen, Reichsfachgruppe Hausgehilfinnen: 20 Uhr im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, Heimabend. — NSG. „Kraft durch Freude": 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Holzappel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das leuchtende Ziel". — Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung Friesische Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König.
Stadttheater Gießen.
Heute, 20 Uhr, als 3. Vorstellung im Dienstag- Abonnement der Uraufführungserfolg „Holzappel", ein luftiges Volksstück von H. A. Weber. Spielleitung Intendant Schultze-Griesheim. Ende 22.15 Uhr.
Oberheffifche Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde.
Morgen, Mittwoch, 16. Oktober, Vortrag von Dr. Anke! über „Die Nordseefahrt und das Ferienlager Gießener Biologen" Dazu Lichtbilder und eine Ausstellung. (Siehe heutige Anzeige^)
AusparteiamtlichenBekanntmachungen
Der NSLB. des Bezirks Lich gibt bekannt, daß am 19. Oktober eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft „Körperliche Ertüchtigung" um 14 Uhr in der Turnhalle zu Lich ftattfinbet. Anschließend um 15 Uhr hält Lehrer H i l d im Rahmen der Fachschaft „Volksschule" einen Vortrag im „Holländischen Hof".
Deutsche Arbeitsfront.
Gau Hessen-Nassau. Verwaltungsstelle 19 Gießen.
Betr.: BNtgliedsbuchumschreibung der R. B.G. 14 „Landwirtschaft".
Laut Anordnung des Schatzamtes Berlin werden sofort sämtliche alten Bücher des ehemaligen Landarbeiter-Verbandes bzw. der Reichs-Betriebsgemeinschaft „Landwirtschaft" zur Umschreibung und Erstellung der neuen DAF.- Bücher eingezogen. Die einzelnen Ortsgruppen haben Anweisungen erhalten, sofort mit dem Einzug der Bücher zu beginnen und zugleich die 50 Rpf. Umschreibegebühr zu erheben. In den Büchern muß bis einschließlich Oktober 1935 geklebt fein. Sollten Mitglieder von einer Reichsbetriebsgemeinschaft in eine andere übergegangen fein und somit zwei Bücher besitzen, so sind beide abzuliefern. Für die abgelieferte Karte bzw. das Buch erhalten die Mitglieder eine Ersatzausweiskarte mit Unterschrift der Ortsgruppe.
Reichsfachgruppe Hausgehilfinnen.
Am Dienstag, 15. Oktober, 20 Uhr, findet im großen Saal des Hauses der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Schanzenstraße 18, ein Heimabend aller vier Gießener Ortsgruppen statt.
Es spricht Kreiswalter der DAF., Pg. Wagner.
Zu diesem Heimabend laben wir alle Hausgehilfinnen ein.
Um den Abend gemütlich auszugestalten, werden wir Kaffee und Kuchen verabreichen. Der Unkostenbeitrag beträgt 30 Pfennig.
Wir bitten Sie, die Hausgehilfinnen, die der Deutschen Arbeitsfront nicht angehören, zu diesem Abend mitzubringen.
Im Interesse aller Hausgehilfinnen bitten wir um restloses Erscheinen.
40 Zahre im öffentlichen Oienff.
(Aufnahme: Photo-Pfaff)
Von der Polizeidirektion Gießen wird uns geschrieben:
Am 15. Oktober vollendet der Polizeihauptwachtmeister der Schutzpolizei Wilhelm Naumann seine 40jährige Dienstzeit. Naumann trat am 15. Oktober 1895 beim damaligen 1. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 115 ein und wurde am 10. Februar 1903 nach 8jähriger Militärdienstzeit beim Polizeiamt Gießen als Schutzmann übernommen. Der Jubilar hat sich während seiner nunmehr 40jährigen Dienstzeit als ein treuer, sehr gewissenhafter und zuverlässiger Beamter erwiesen, der gleicherweise bei seinen Vorgesetzten, wie bei seinen Kameraden im besten Ansehen steht. Sein Pflichtgefühl und immerwährender Fleiß, Eigenschaften, die Naumann besonders auszeichnen, waren bestimmend, ihm die Poften eines Gefängnisverwalters und Hausmeisters zu übertragen. Dem verdienten und allzeit beliebten Beamten, der noch in jugendfrischer Kraft seinem Amte vorsteht, wird für seine weitere Zukunft nur das Beste gewünscht.
Konzertvereins-Winter 1935/36.
Der Gießener Konzertverein bringt im Winterhalbjahr 1935/36 zunächst im November zwei Symphonie-Konzerte des verstärkten städtischen Orchesters unter Leitung von Prof. Dr. Temesvary, ferner ein Soliften-Konzert mit Gustav Bley (Bariton). Im Januar wird die Kammermusikvereinigung des städtischen Orchesters ein Konzert bieten, ferner ein Symphonie-Konzert des verstärkten städtischen Orchesters unter Leitung von Obermusikmeister Krauße folgen. Der Februar bringt Solisten- Konzerte von Georg K u I e n f a m p f f (Violine) und Wilhelm Backhaus (Klavier). Im März wird „Die Schöpfung" von Haydn vom Akademischen Gesangverein, dem städtischen Orchester und Solisten unter Leitung von Prof. Dr. Temesvary aufgeführt. Den Abschluß bildet im April ein Symphonie-Konzert des verstärkten städtischen Orchesters unter Leitung von Prof. Dr. Temesvary.
NIVEA
schaumend, ganz wundervoll im Geschmack
Z2Q


