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Hr.162 Erster 8M

185. Jahrgang

Montag, 15. Juli 1935

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Paris, 14. Juli (DNB.) Die Radikal- herzlicheren Empfang gefunden habe, als fozialisten von Lyon haben am heutigen bei den französischen Sowjet lungern. Nationalfest ihrem Beschluß gemäß nicht m i t (Er molk weiter gegen ben®ur9ertr,e9 unb gegen her Volksfront zusammen, sondern für den auswärtigen Krieg wirken. Nicht wer am lau ich eine Kundgebung abgehalten, bei der Eduard' testen schreie, verteidige am besten die Republik.

Große Vesriedigung der presse

blieb unverletzt, eritn aoer einen c i u s.. w - Die Gattin des Bundeskanzlers, Frau,

Paris, 14. Juli. (DNB.) Der Nationalfeiertag hat in ganz Frankreich in den Abendstunden des Samstags mit dem üblichen Tanz auf offener Straße und allerhand Volksbelustigungen begonnen. Sonntag vormittag fanden große Truppen­paraden in Paris und in allen bedeutenderen Garnisonstädten des Landes statt. Die Truppen­schau in Paris hatte eine riesige Menschenmenge angelockt. Die Militärattaches der verschiede­nen Länder wohnten in Uniform dem militärischen Aufmarsch bei, währenddessen mehr als 60 0 Flugzeuge in sieben Geschwaderkolonnen über der Hauptstadt kreuzten.

In Paris haben in den ersten Nachmittagsstunden die Massenaufmärsche der Volksfront

Frau Schuschnigg, die am Samstag tödlich ver- unglückte, mit ihrem neunjährigen Sohn Kurt, der verletzt wurde. (Scherl-Bilderdienst, Berlin Sw 68.)

bei Linz einen schweren Krastwagenun- fall erlitten. Der Wagen des Bundeskanzlers stieß gegen einen Baum. Der Bundes­kanzler wurde aus dem Wagen geschleudert, blieb unverletzt, erlitt aber einen Nervenchok.

Herriot sprach. Der Staatsminister wurde wiederholt von kommuni st ischen (Ele­menten unterbrochen und ausgepsis - s e n. Herriot betonte seine und seiner Freunde Ver­bundenheit mit der Republik und v e r u rt e i 11 e den Faschismus von rechts und den Faschis­mus von links. Er behauptete, daß er un­bedingt weiter für den Frieden arbeite. Auf kom­munistische Zwischenrufe wußte der Redner keine andere Antwort zu geben, als die, daß er die Annäherung an d i e Sowjets verwirk­licht habe und in Sowjetrußland einen

Wien, 13. Juli. (DNB.) Bundeskanzler Dr. S ch u f ch n i g g hat auf der Fahrt nach feinem Urlaubsort in der Nähe von Ebelsberg

tag um 15 Uhr statt.

Schuschniggs Wagenführer vernommen.

Versagen der Steuerung die Ursache des Unglücks.

Wien, 14. Juli. (DNB.) Der Generalsekretär der Vaterländischen Front, Oberst Adam, gab in der Nacht zum Sonntag ergänzend bekannt, daß der Lenker des Autos, mit dem Bundeskanzler Schuschnigg verunglückte, vernommen werden konnte. Er stellte entschieden in Abrede, von einem Unwohlsein befallen worden zu fein. Es ist, wie Oberst Adam mitteilte, mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß e i n Steuerungsdefekt des Kraftwagens die Ursache des Unglücks ist. Der zertrümmerte Wagen wird von der Versuchsstation der Wiener Polizeidirektion für das Kraftfahrwefen untersucht werden.

Oie Teilnahme des deutschen Gesandten.

Der deutsche Gesandte von P a p e n , der Sams- tagmlttag um 14.40 Uhr nach Berlin abge­wogen ist, hat noch kurz vor dem Start des Flug­zeuges die Nachricht von dem schweren Unfall er­halten und vom Flugplatz aus ein Beileids- telegramm an den Bundeskanzler gerichtet.

Vizekanzler Fürst Starhemberg wurde te­legraphisch aus Italien, wo er zur Zeit auf Urlaub weilt, nach Wien z u r ü cf g e r u f e n. Ein für Samstag angesagter Ministerrat brauchte nicht mehr stattzufinden, da sich das Befinden des Bundeskanz­lers Schuschnigg soweit gebessert hat, daß er in den verschiedenen staatlichen Angelegenheiten selbst An­ordnungen treffen kann.

Glück, daß eine Wagentür aufsprang, und er auf eine Wiese neben der Straße geschleudert wurde.

Frankreichs Nationalfeiertag reibungslos verlaufen.

Gute Disziplin bei den Massenaufmärschen beider Fronten in Paris.-Hiesige Beteiligung. Gröhes Interesse für die Militärparade.

Schweres Autounglück des österreichischen Bundeskanzlers Frau Schuschnigg ein Opfer des Unfalls.

von der Feuerkreuzlerkapelle beim Abmarsch ge­spielt, wurde von der Menge begeistert mitgesun­gen. Der Name de la Rocque wurde wiederholt im Chor gerufen, und die im Marschtritt abziehenden Feuerkreuzkolonnen stimmten ein in den Ruf: Frankreich den Franzosen!"

Das Bündnis mit Moskau.

Herriot wird in Lyon von Kommunisten ausgepfiffen

Herma Schuschnigg, wurde schwer verletzt, der Sohn leicht. Don den Begleitpersonen trug| der Fahrer lebensgefährliche Verletzungen da- j von; ein Kriminalbeamter wurde leicht verletzt. Die' Verunglückten wurden dem Krankenhaus in Linz zugefuhrt, wo Frau S u f ch n i g g i h r e n schweren Verletzungen erlegen ist. Ge aen abend hatte der Bundeskanzler sich fowett er­holt, daß man ihm Mitteilung von dem Tod seiner Gattin machen konnte. Der Bundeskanzler hat jede Erinnerung an den Hergang der Ereignisse, a sogar an die Tatsache des Unfalls selbst, ver- loren Der Sohn des Bundeskanzlers, der starke Verletzungen im Gesicht erlitt, wurde operiert. Die Untersuchung des Kraftwagenlenkers durch die Aerzte ergab die Abstellung eines Sonnenstiches. Bundeskanzler Schuschnigg hat sofort nach Erhalt der Nachricht vom Tode seiner Frau den Wunsch geäußert, sogleich zu der Leiche feiner grau gefahren zu werden. Er fuhr dann nach Ebelsberg bei Linz und verweilte etwa eine Vier- telstunde an der Bahre. Daraus kehrte er in das Krankenhaus nach Linz zurück. Das Kraftwagen- Unglück ereignete sich gegen 13 Uhr Bei bem Wagen handelt es sich um einen geschlossenen 8-Zy- linder-Austro-Daimler-Wagen. Frau Dr. Schusch­nigg war, wie jetzt bekannt wird, auf der ©teile tot. Der Bundeskanzler hatte das

3n Men.

Wien, 14. Juli. (DNB.) Nachdem in Linz für die verunglückte Gattin des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg Trauergottesdienste abgehalten worden waren, an denen auch Bundespräsident M i k 1 a s teilgenommen hatte, erfolgte die lieber» ührung der Leiche nach Wien. Aus dem Wiener Bahnhof hatte sich die gesamte Bundes­regierung unter Führung des Vizekanzlers Fürst Starhemberg eingefunden. Als erster entstieg dem Zuge Bundeskanzler Dr. Schusch­nigg, dem Vizekanzler Starhemberg erneut das Mitgefühl der österreichischen Bevölkerung zum Ausdruck brachte. Auf dem Bahnhof fand sodann eine stille Einsegnung statt. Darauf wurde der Sarg in einem Galaleichenwagen durch ein dichtes Spa­lier der vaterländischen Verbände Wiens zur Pfarrkirche nach Hietzing übergefuhn. Hinter dem Sarge schritten nächst dem Bundeskanz­ler und seiner Familie die Mitglieder der Regie­rung. Aus dem ganzen Wege stand die Menge dicht gedrängt und grüßte den Trauerzug entblößten Hauptes. Die B e i s e tz u n g der -sterblichen Ueberrefte von Frau Schuschnigg findet am Diene-

Paris tanzt.

Paris, 15. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Pa- ttser Presse beglückwünscht Frankreich, daß der Na- üonalfeiertag des 14. Juli mit den großen politischen Kundgebungen der Linken und der Rechtsverbände würdig und ohne Zwischenfälle verlausen ist. Die Erleichterung ist um so spürbarer, als bis in bie letzten Tage hinein mit der Möglichkeit ernster Zusammenstöße gerechnet wurde, so daß die Re­gierung allein in Paris 10 0 0 0 0 Mann Militär und 50000 Polizisten in Be­reitschaft gehalten hatte. Das Militär hat über­haupt nicht einzuschreiten brauchen und die Poli­zei konnte sich auf den üblichen Ordnungs- d i e n ft bechränken. Sie wurde dabei sowohl bei der Kundgebung der Volksfront wie bei dem Aufmarsch der Feuerkreuzler tatkräftig von dem Orb - nuiia. sdienst der Veranstalter unter« stützt, die augenscheinlich Wert daraus legten, das der Regierung gegebene Wort zu halten und keine Zwischenfälle herbeizuführen oder zu begünstigen. Die zahlenmäßige Beteiligung an den beiden Um­zügen zeigte ein bedeutend größeres Aufgebot der Volksfront. p ......

Unter dem Eindruck der beiden aroßen politischen Kundgebungen, die im ganzen Lande Zweigver­sammlungen auslösten und unter dem Eindruck der Militärparade, die von der Bevölkerung mit Be­geisterung ausgenommen wurde, versuchen die Blätter, Schlußfolgerungen für die Weiterentwick­lung der Innenpolitik zu ziehen. Die Links- presse triumphiert. Sie sieht den Faschis­mus geschlagen. Leon Blum, der Sozialistenfuh- rer, will ihr nur noch einige Wochen Lebenszeit in Frankreich zubilligen, solange nämlich, bis Laval und seine deflationistische Politik Schriffbruch er­litten haben würden. Die Zeit bis dahin müsse ge­nutzt werden, um ein positives Werk vorzubereiten, womit Leon Blum wohl an die Regierungs­übernahme feiner Partei denkt.

Die radikalfozialistifcheRepublique" stellt Be­trachtungen darüber an, ob d i e beiden ver­schiedenen Fronten, die am Sonntag m Frankreich demonstriert haben, unabänderlich seien, oder ob es nicht eine Vereinigung geben könnte. In beiden Lagern gebe es arbeitslose und hoffnungslose junge Menschen, gebe es Geschäfts­leute, die vor dem Ruin stehen und notleidende Bauern. Man solle sich nicht hassen und gegenseitig zerfleischen, sondern einen gemeinsamen Plan ausstellen und ein neues Frankreich bauen.

Matin" sieht in dem diesjährigen 14. Juli eine Etappe in dem W i e d e r e r w a ch e n Frank­reichs. Seit Jahren habe man nicht mehr den Ruf gehört wie am Sonntag auf dem Champs ElyfäesEs lebe die Armee! (Es lebe Frankreich!"Journal" hält die Militärparade vom Sonntag für dieerhebendste feit 1919". Wo soll man das wahre Frankreich suchen? fragt das Blatt, bei der Volksfront ober bei der nationalen Front? Das wahre Frankreich fei eben in der Armee zu stnden. die in der Parade Macht und Ruhe ausgestrahlt habe. Der rechts­stehendeJour" meint nüchtern, man müsse die aus d e r Provinz herbeigeholten An­hänger der Volksfront erst wieder nach Hause zurückkehren lassen, ehe die Regierung l>ie neuen Gesetzesvorlagen veröffentliche. Würde man die Verordnungen sofort bekanntgeben, fo be­deute das eine gefährliche Unvorsichtigkeit, denn man wisse, daß die extremen Elemente sich gegen jede Lohn- und G e h a l t s o e r m i n d e- r u n g wenden würde, und ebenso gegen jede Herabsetzung ber Pensionen, unb zwar mit bem Abwehrmittel bes Generalstreiks

Währenb bie Politiker ihre Aussätze schrieben, tanzte ganz Paris auf ben Straßen bei ber vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellten Musik bis zum Morgengrauen.

am Bastille-Platz begonnen. Die Feuer- kreuzler unb anbere rechts st ehenbe Verbände waren gegen 16 Uhr am Denkmal des unbekannten Soldaten aufmarfchiert. Die Be­teiligung auf beiden Seiten ist außergewöhnlich groß. Nach ben ersten Schätzungen sinb allein mehrere hunberttaufend Kunbgeber zum Bastille- Platz geströmt. Der starke polizeiliche Orbnungs- dienst brauchte nicht einzugreifen, ba die Leiter ber Kunbgebung von sich aus für bie Aufrechterhaltung der Ordnung sorgten.

Als ber Abmarsch vom Bastille-Platz zum Platz der Nation begann, würben zahlreiche Rufe gegen den Faschismus, besonders gegen ben ftüfjrer ber Feuerkreuzler, Oberst be la Rocque, laut. Die Ord­ner schritten jedoch sofort ein. Unter dem der Marseillaise unb ber Internationale bewegte sich ein riesiger Zug burch bie von Polizeiketten stark gesicherten Straßen. Die Teilnehmer, bie den ver- schiedensten politischen unb gewerkschaftlichen Rich­tungen von ben Kommunisten bis zu den Radikal- sozialisten angehörten, führten viele Plakate mit, auf benen ihre Forberungen verzeichnet waren. Gegen 20 Uhr mar ber Abmarsch ber Volksfront vom Bastille-Platz beenbet. Abgeorbneter Dala - bi er hielt von der Terrasse eines CafShauses eine kurze Ansprache an bie Teilnehmer. Er beglück­wünschte sie zu ber imposanten Kunbgebung, die der Welt beweise, daß der Faschismus in Frankreich nicht durchkommen werde. Als Daladier eine Auto­droschke bestieg, wurde er begrüßt mit dem Rus: Daladier an die Regierung!" Im JBup salo-Stadion fand eine von Tausenden besuchte Versammlung statt, die sich alsHort des Friedens und der Freiheit" bezeichnete. Vertreter sämtlicher Linksgruppen aus ganz Frankreich ergriffen das | Wort, um bemFaschismus" ben Kampf anzu­sagen uirb um ihren Willen zu betunben, bie Er­gebnisse ber großen Revolution nicht zu lassen.

Dem Aufmarsch ber nationalen Verbände am Triumphbogen wohnte u. a. der Kriegsminister Fabry bei. Hinter den Schwerkriegsverletzten marschierten die Feuerkreuzler unb anschlie­ßend in Blauhemden die Mitglieder der S o l l - barit^ Francaife. Der Zug wurde von der Menge die die Straße säumte, mit Beifall begrüßt. Großen Anklang fand besonders der Aufmarsch der Feuerkreuzler amTriumphboaen.wo Oberst de la Rocque Flammen auf bem Grabe Des unbekannten Soldaten anfachte. Die Marseillaise,

Die Säule auf bem Platz ber Bastille in Paris, die zum französischen Nationalfeiertag mit leuchtenben Dekorationen geschmückt würbe. An biefer Stelle ftanb einst bie Bastille, bie an jenem schicksalsschweren 14. Juli 1789, bem Beginn ber Revolution, von ben Volksmassen erstürmt würbe. (Weltbilb-M.)

Eine deutsche Ehrung für das portugiesische Heer. Rückgabe einer im Weltkrieg erbeuteten

Fahne.

Lissabon, 13.Juli. (DNB.) Der deutsche Ge- sandte Freiherr von Hoyningen-Huene überreichte in Begleitung bes Militärattaches, Kor­vettenkapitän Wever, im Schloß von Belem bie auf bem Schlachtf elb von Armen- tiöres am 11. April 1918 inmitten toter portu­giesischer Solbaten aufgefunbene Fahne bes 4 portugiesischen Infanterie -Regi­ments in feierlicher Aubienz bem Staatspräsi­denten, General Carmona. An bem Empfang, bei bem eine Kompanie Infanterie bie Ehrenbezeu­gungen erwies, nahmen Kriegsminister Pasfos e Souza, Außenminister Arminbo Monteiro unb eine eigens aus Sübportugal eingetroffene Offiziersaborbnung bes 4. Jnfanterie-Re- j giments unter Führung bes Regimentskomman- i beurs teil.

Bei ber Uebergabe ber Fahne führte ber Ge- fanbte u. a. aus, bie beutfche Regierung unb ms- befonbere ber Reichskriegsminister erachteten es als eine soldatische unb ritterliche Pflicht, diese Fahne, bie zwischen toten Solbaten bes Regiments aufgefun« ben unb mit bereu Blut benetzt war, 1 Dem Laube z u r ü ck z u g e b e n , bem biefe tapfe­ren Krieger angehörten. Präsibent Carmona dankte sichtlich bewegt für diesen Akt deutscher Ritterlich­keit, der lebendigen Widerhall im portugiesischen Volk finden werde, und übergab die Fahne feier­lich bem Kriegsminister. Anschließenb lud der deut­sche Gesandte die Mitglieder der portugiesischen Re­gierung, bie Regimentsaborbnunq, sowie führende Persönlichkeiten ber beutschen Kolonie unb ber NSDAP, zu einem Essen ein.

Die Fahne ist am Sonntag in feierlicher Form von bem portugiesischen Kriegsminister an ben ! Kommanbeur bes 4. portugiesischen Infanterie- \ Regiments übergeben worben. Bei ber Uebergabe ber Fahne hielt ber Kriegsminister eine Ansprache, in ber u. a. ausführte, baß bie Rückgabe ber Fahne durch bie deutsche Regierung nicht nur von großer Höflichkeit unb Ritterlichkeit i e u g e, fonbern auch einen Beweis für bie guten sreunbschastlichen Beziehun« gen zwischen Deutschlanb unb Portugal barfteöe. Eine Offiziersaborbnung wirb bie Fahne bem Militärmuseum in Lissabon übergeben.