Nr. 63 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag.lS.März MS
Aus der Provinzialhauptstadt.
Der blühende Saselnußstrauch.
Der Haselnußstrauch galt schon bei unseren Vorfahren, den alten Germanen, als ein heiliger Strauch: sie hatten ihn dem Donar, ihrem Donnergotts, geweiht. Selbst in den Jahren, nachdem das Christentum bei ihnen Eingang gefunden hatte, war man seiner Zauber- und Wunderkraft immer noch bewußt. Aus seinen Zweigen und Rutentrieben schnitt man vor allen Dingen das unentbehrliche Werkzeug der Schatzgräber, die Wünschelrute. Man alaubte mit ihrer Hilfe Quellen auffinden, Schätze heben, ja sogar Hexen und Diebe bannen zu können. Wenn auch heute dieser Aberglaube größten-! teils verschwunden ist, so sind es dennoch mancherlei Beziehungen, die uns mit diesem fast unscheinbaren Strauch in Wald und Flur verknüpfen. Wenn nämlich jetzt „die Hasel wieder stäubt", so ist un= । sere Brust wieder von Frühlingshoffen erfüllt: denn:
„Mit Eis bedeckt ist noch der See, Noch herrscht im Walde Winterschweigen, Sieh, da fällt Goldstaub auf den Schnee Von der blühenden Hasel Zweigen."
Der Axtschlag der Holzhauer ist kaum verklungen, so steigt die Sonne in immer größer werdenden Kreisen am Tage über den Horizont. Sie beginnt, die Mutter Erde anzuwärmen. Wenn dann noch, sei es nur an einigen Tagen, wieder die „linden Lüfte" erwacht sind, dann bleiben auch die Kätzchen unseres Haselnußstrauches, die bislang starr und steif in ihrer walzenförmigen Gestalt nach allen Seiten von den Zweigen abstanden, nicht mehr länger im Winterschlafe. Ihre Spindel beginnt, sich zu strecken, wird länger, weich und biegsam. Bald hängen die braunen Kätzchen troddelartig nach unten: sie schimmern in gelblich grünen Farbtönen und werden mit dem bereits knospenschwellenden, verträglichen Nachbar, dem Flieder, zu den ersten Verkündern des nahenden Frühlings. Beim leisesten Windhauche sehen wir die reifen Kätzchen an ihren kurzen Stielen sich bewegen, wie aus ihnen kleine Wolken gelben Blütenstaubes stieben, wie der Staub verweht wird und sich nach einiger Zeit auf Aeste, Zweige und Halme berabsenkt. Unser Haselstrauch blüht zu einer Zeit, in der noch die ganze Natur unbelaubt ist, denn sonst würde das Blätterdach dem Winde den Zutritt zu den schmiegsamen Kätzchen verwehren, die Narben der weiblichen Blüten verdecken und den Staub somit von ihnen obhalten. Sind die Kätzchen reif und zum Stäuben fertig, so warten sie bis milde Witterung herrscht, und eine etwaige Regenzeit zu, Ende ist. Bei völliger Windstille rieselt der gelbe Staub aus den Staubbeuteln, jedoch nicht zur Erde, da sein Zweck sonst unerfüllt blieb, sondern lagert sich jeweils auf der Rückseite der wagrecht stehenden Kätzchenschuppen ab, die nach oben tellerartig ausgehöhlt sind. Hier bleibt er liegen, bis ein Windhauch sie abholt und ausstreut. Dann können wir sehen, wie lichte, gelbe Wölkchen trockenen Dlütenstaubes durch die Zweige des kahlen Haselstrauches in die klare Winterluft hinaus wirbeln. Dann heißt es im Volksmunde: „Die Hasel stäubt."
Unseren Frühlingsboten hat die Natur nicht mit reichen Gabeü ausgestattet, wie die meisten Blüten und Blumen. Ihm fehlt eine weithin leuchtende Dlütenfarbe, der süßschmeckende Nektar und der berauschende Duft. Sie alle sind ja auch für den Haselstrauch nicht notwendig, denn kein Bienlein oder irgend ein anderes Insekt vermag zur Dorfrühlingszeit sein warmes Winterlagen zu verlassen, um als Gegengabe des Bestäubens mit Honig oder Blütenstaüb reichlich belohnt heimzukehren. Heftige Winde oder gar Stürme liebt die Hasel !ur Blütezeit nicht; sie entführen ihr den Blütentaub nur nach der einen Windrichtung. Er soll ich doch nach allen Seiten verbreiten. Auf ihn war-
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Szenenbild aus der Erstaufführung der Oper „Salambo" von Lukas Böttcher unter der musikalischen Leitung des Komponisten am Gießener Stadttheater Titelrolle: Maria Perry (Mitte oben); Spielleitung: Paul Wrede: Bühnenbild: Karl Löffler. — (Aufnahme: Winterhoff.)
ten schon die weiblichen Blütenteile, Die mittlerweile aus der Knospenspitze hervorgebrochenen, schön hochroten Griffel, mit pfriemenförmigen, umgebogenen Narben, die verhältnismäßig sehr groß und mit winzigen Härchen dicht besetzt sind, so daß man sie als „Staubfänger" gar nicht besser bezeichnen konnte. Nur. beim genauen Hinsehen kann man sie erst erkennen. Jede, der bis zu einem Dutzend zusammengeballten weiblichen Blüten treibt zwei genannte Fäden nach oben, die alle wie ein kleiner Büschel erscheinen. Wir sehen also, daß Staubgefäße und Stempel auf verschiedene Blüten verteilt sind, die sich, wie beispielsweise beim Kürbis, auf derselben Pflanze befinden.
Aus diesem Grunde bezeichnen wir den Haselnußstrauch als eine einhäusige Pflanze. Wie schon gesagt, gelangt ein großer Teil des Blutenstaubes nicht an seinen Bestimmungsort. Aber je mehr Staub erzeugt und vorhanden ist, um so größer ist doch auch die Möglichkeit, daß er beim Niederfallen die Narben trifft, sei es nun die des eigenen oder des benachbarten Strauches, denn gewöhnlich kommt der Haselnußstrauch in Wäldern oder Hecken in größeren Beständen vor. Die weiblichen Kätzchen bewahren den männlichen Staub im Innern während der oft noch kalten, regnerischen Zeit auf, bis der ersehnte Frühling endgültig eingezogen ist. Dann erst geht die eigentliche Befruchtung vor sich: Die am Grunde der Knospenschuppen schlummernden rundlichen Fruchtknoten schwellen unter dem Einfluß der Frühlingssonne an. Ihre Wand wird zur holzigen Schale und die Samenknospe zum Kerne der Haselnuß.
Deutsche Arbeitsfront.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Urlaubszug in die Pfalz vom2 3. bis 3 0. März. Fahrtkosten 29,50 Mark. Schlußtermin für die Anmeldung: 16. März. Die Pfalz hat bekanntlich das wärmste Klima in Deutschland, und so wird diese erste Frühlingsfahrt zweifellos den Teilnehmern viel Freude bereiten. Während in anderen deutschen Gebieten noch hoher Schnee liegt, melden sich hier in dem größten Weinbaugebiet Deutschlands bereits die ersten
Boten des Frühlings. Besonders die Dorderpfalz hat ein geradezu tropisches Klima, und so kommt es auch, daß hier alljährlich Mandeln und Feigen unter der warmen Sonne zur Reife kommen. Edles Obst aller Art wird in großen Mengen geerntet. Die Bäder und Heilstätten der Vorderpfalz sind wegen ihrer klimatischen Vorzüge so beliebt und wirkungskräftig. Die Pfalz hat das größte zusammenhängende Waldgebiet Bayerns. In dieses Gebiet führt die Fahrt nach dem bekannten Städtchen Neustadt a. d. Hardt und Hambach. Neustadt a. d. Hardt ist der Mittelpunkt des pfälzischen Weinhandels. Weinlandschaft und Waldgebiet vereinigen sich hier zu einem harmonischen Bild. Schöne alte Fachwerkbauten und die gotische Stiftskirche zeugen von der Tradition dieser Stadt. Die Pfalz ist das größte Burgenland Deutschlands und zahlreiche alte Burgruinen künden von längst vergangener Zeit und von einer hochstehenden Kultur. Ein Tag des Aufenthaltes in der Pfalz wird zum Besuch und zur Besichtigung der alten Dom- und Kaiserstadt Speyer benutzt. Speyer ist die älteste Siedlung am Oberrhein und sein Kaiserbom ist der älteste romanische Kirchenbau Deutschlands. Noch viel zu unbekannt ist dieses Land, und es ist eine dankbare Aufgabe, dieses Gebiet für den Urlaubsverkehr zu erschließen.
Urlaubszug insAllgäu vom3 0. März bis 7. April. F a h r t k o st e n 3 3,50 Mark. Schlußtermin für die Anmeldung: 15. März. Während in anderen deutschen Gebieten der Frühling schon seinen Einzug hält, ist im Allgäu noch immer Gelegenheit zum Wintersport gegeben. Wieder ist Pfronten das Ziel der Fahrt. Schon die Anfahrt wird hier für jeden Teilnehmer ein Erlebnis bedeuten. Durch den Schwarzwald geht es nach Friedrichshafen, wo die Zeppelinwerft besichtigt wird, dann am Bodensee entlang nach der schönen Jnselstadt Lindau im Bodensee. Erst nach diesen beiden Zwischenstationen wird die Fahrt in das eigentliche Urlaubsgebiet, das Allgäu, angetreten. Ausflüge an den Felshängen des Alpenlandes werden am Tage die Urlauber beschäfttgen, soweit sie nicht durch Wintersport ihre Erholung suchen. Heimatabende werden Bevölkerung und Urlauber
Landessielle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Bolksauf- klärung und Propaganda
im Adolf-Hitler-Haus in Frankfurt a.M.
Die Landesstelle gibt bekannt, daß sie ihre Dienst- räume jetzt nicht mehr in der Bürgerstrahe 9—11, sondern im Adolf • Hitler - Haus. Frankfurt a. 21L, Gutleutstraße 8—12. 2. Stock, hat. (Postschließfach Nr. 1685). Die Telephonanschlüsse 33336/37 bestehen weiter. Degen geschäftlicher Ueberlastung wird darum gebeten, notwendige dienstliche Besuche bet dem Leiter der Landesstelle und seinen Referenten im eigenen Interesse rechtzeitig telephonisch oder schriftlich anzumelden.
zusammenführen. Während die Hinfahrt durch den Schwarzwald erfolgt, wird die Rückfahrt über Ulm — Stuttgart — Heidelberg führen.
Amt für Beamte, Kreis (Hießen.
Während der dienstlichen Abwesenheit des Kreisamtsleiters Pg. Georg Heß übernehme ich ab 15. März 1935 die Leitung des Amtes für Beamte und des Reichsbundes der Deutschen Beamten, Kreis Gießen.
Sprechstunden (nur in dringenden Fällen, sonst die Ortswalter und Fachschaftsleiter zuständig): Dienstags und Freitags von 18 bis 20 Uhr, Gießen, Johannesstraße 15 p.
Meine Privatanschrift: Gießen, Liebigstraße 103, Heil Hitler! Gustav Ulrich.
Die Fachschaft Reichsbahn Gießen veranstaltet am Samstag, 16. d M, im Saale d-'s Restaurants Faulstich, Gießen, Bahnhofstraße 59, einen Schulungs- und Kameradschaftsabend. Erscheinen aller dienstfreien Kameraden ist Pflicht. Beginn 20 Uhr.
Michsbunb DolkStum und Heimat.
Ottering Gießen
Heute abend, 20.15 Uhr, im Kaufm. Vereinsbaus, Tierschutzversammlung mit Vortrag von Dr. Keller und D i p l o m v e r t e i - l u n g an treue Tierpfleger.
Unsere Mitglieder und Gäste sind willkommen. Eintritt frei!
Verfassunggebende Bezirkssynode der Bekenntnisgemeinschast Oberhessens.
Am 11. März fand in der hiesigen Friedhofskapelle die verfassunggebende Bezirkssynode der Bekenntnisgemeinschaft Oberhessens statt, an der Vertreter von etwa 50 Gemeinden teilnahmen. Ober- kirchenrat Daumiller aus München, der am Vorabend für Pfarrer A u s f e l d in der Johannes- kirche gepredigt hatte, und Pfarrer V e i d t (Frankfurt a. M.) sprachen zu Beginn der Synode herzliche Grußworte zur Synode, die von Landgerichtspräsident i.R. Neuenhagen eröffnet und geleitet wurde. Am Vormittag wurde in voller Einmütigkeit der geschäftliche Teil erledigt, indem nach einem vor- ausgegangenen Bericht Die Bildung der Synode unter Annahme einer ihr vorgelegten Satzung er-
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gegen spröde Haut
Nachdruck verboten!
5. Fortsetzung
Die Ifflandstöchter und ihre Freier.
Vornan von J. Schneider Foerstl
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa.
in der Woche. Dann kamen die Examina: Jedes bestand ich mit eins und Dem Vermerk: Vorzüglich. Die Stellung, die ich Dann auf Empfehlung hin bekam, war es weniger. Für Hochschule hat es nie gereicht. Ich wollte nicht wieDer sechs Freitische pro Woche.
Durch Zufall — ich habe einen Ertrinkenden aus einem Kanal geholt — hat ein Manager entdeckt, daß ich fürs Wasser nicht geschaffen sei. Na, und warum soll ich's nicht sagen — ich trete nächste Woche im großen Rekordwettschwimmen mit Nieß- ling an."
„So etwas", entfuhr es Margot verblüfft. „Eigent- lich schade." .
Seine Frage klang ebenso verblüfft. „Warum Denn?"
„Weil Sie Dann, wenn Sie als Sieger hervorgehen sollten, niemanD mehr kennen roerDen."
„Möglich", gab er zu. Sie suchte herauszuklügeln, wie es gemeint war.
„Der Mensch wirb zuweilen über Nacht ein anderer", ergänzte James.
Merkwürdig, dachte sie, nahm den Bademantel über und ging nach der Kabine. Wie sonderbar er manchmal war. Sie fand keinen Ausdruck für das Rasche, von einer Minute zur andern Wechselnde in seinem Charakter. Vielleicht hing das mit seinem baldigen Wetttampf zusammen Jeder hatte eben andere Sorgen.
Als Margot wieder zurückkam, saß James Pick auf dem Platze, den sie vorher eingenommen hatte und blinzelte in Die Sonne. Auch er war bereits fertig angekleidet. „Ihr Männer habt es gut", sagte sie, auf ihn herabsehenD, „Ihr braucht wenigstens keine SeiDenstrümpfe."
„Sonst haben Sie keine Sorgen?" scherzte er „Augenblicklich nicht. Aber das genügt ja " „Natürlich", meinte er mit leichtem Spott. „Sei- denstrümpfe sind ein vollkommen unentbehrliches Requisit für eine Dame von heute Meine Mutter hat noch gestrickte getragen Grob gestrickt, mit Doppelter Ferse und einem Rändchen in blauer, schwarzer oder roter Wolle, je nachdem. Ich weiß es noch ganz genau. Heute geht das nicht mehr."
Sie lachten beide und sahen etwas unsicher voneinander weg.
„Ich fahre nächstens mit meinem Vater an Den Rhein", erklärte Margot ihren Wunsch nach SeiDen- ftrümpfen. „Meine VerwanDten Dort sinD schwerreich unD vornehm unD weiß Gott was noch alles."
„UnD Der Vetter ist jeDenfalls reizenD!"
Sie hörte Den feinen Unterton heraus unD ließ Den Blick auf Der Wasserfläche ruhen. „Ja, er ist reizenD", sagte sie leichthin. „Es wäre eine glan- ienDe Partie für Klaudine."
„Warum nicht für Sie, Margot?"
Sie hob langsam Den Kopf und sah ihn voll an. ,Man soll nicht zu neugierig sein, James. Können wir morgen noch einmal trainieren?"
„Training! Training und wieder Training!" sagte James Pick und wickelte eine Binde um sein rechtes Fußgelenk. „Glauben Sie mir, Fräulein Iffland, jedes Königtum will erkämpft fein, auch das des Sportes."
Margot faß auf Der obersten Treppenstufe des großen Bassins und ließ entmutigt Den Kopf hangen.
Gestern habe ich Die Dreitausend Meter in zehn Minuten gemacht. Heute habe ich schon fünf Sekunden länger dazu gebraucht. Morgen werde ich's überhaupt nicht mehr auf dreitausend^ Meter bringen. Das Dumme ist, daß Rießling—'"
„Kennen Sie Rießling?" siel ihr James Pick lebhaft in Die ReDe. „Nicht? - Dann roerDen Sie eine große Überraschung erleben.
„Wegen seiner Tüchtigkeit?" .
Auch — Aber noch mehr wegen feiner Figur. Eigentlich müßte man lagen, wegen feines Figürchens: Wie Filigran. Zart, fern, kapriziös Mehr Frauen- als Männertyp. Aber Muskeln hat er unD eine AusDauer unD ein Training, einfach fabelhaft.
Margot nahm Die blaue Gummihaube ab und strich das feuchte Haar zurecht. Hande und Gesicht waren sehr rot. Die Temperatur des Wassers betrug infolge der letzten kalten Tage kaum dreizehn <sraö. Das Mädchen blickte James Pick an, der auf Dem unteren Absatz Der Bassintreppe ftanD unD feine breite Brust Der Vormittagssonne Darbot. „So, wie Nießling, von Beifall umrauscht unD einem halben Hundert Photographen abgeknipst aus Dem Waffer geholt zu roerDen, fein wäre Das, James!"
Er sagte nichts und Drehte nun Den Rücken Der Sonne zu. n
„Sie erreichen'- sicher noch, James!" stachette sie ihn auf. „Ich bin überhaupt Der Ansicht, Daß Sie das Glück gepachtet haben."
Er wandte sich langsam nach ihr hin und zeigte ein müdes, abgespanntes Gesicht. „Das Glück gepachtet haben — das ist anders, Margot. Ich habe nicht einmal in einer Wiege gelegen. Es war nur ein Waschkorb. Mit fünf Jahren habe ich Zündhölzer verkauft und Die Karussells auf Den Jahrmärkten in Gang gesetzt. Mit acht rourDe ich an Die Straßenecken gestellt, um Zeitungen feilzubieten. Ich verschlang sie selbst, wie nur eben ein Achtjähriger Den (Stoff einer Zeitung verschlingen kann UnD auf- sallenDerweise verDaute ich ihn auch.
Dann verschaffte mir ein Gönner einen Platz am Gymnasium mit SchulgelDerlaß und sechs Freitischen
„Nein! Ich reife heute abend."
Das herrisch Brüske in seinem Ton verletzte sie. Mit einer raschen Drehung wandte sie ihm den Rücken, besann sich und kehrte ihm noch einmal Das Gesicht zu.
„Dann auf Wiedersehen, James!"
„Auf Wiedersehen", sagte er und nahm behutsam ihre Rechte zwischen seine schon wieder warm gewordenen Hände. „Darf ich um eine kleine Erinnerung bitten?"
Die Art, wie er das sagte, versöhnte sie augenblicklich, „Was soll es denn sein?" fragte sie lächelnd. „Ich habe nicht eben viel."
„Vielleicht doch", meinte er, ohne den Blick von ihr zu wenden. „Frauen haben so viel zu schenken — vorausgesetzt, daß sie wollen", fügte er hinzu.
„Und wenn ich wollte?--" Margot wußte,
daß sie jetzt mit dem Feuer spielte. Aber es reizte sie, zu wissen, was hinter seiner kühlen Maske lag.
Da war es schon geschehen! — Da hatte James Pick sich schon genommen, wonach sein Sehnen ging. Ihren schlanken Körper in seine muskulösen Arme zwi»genD, preßte sich sein Mund, der noch nie den einer Frau berührt hatte, immer und immer wieder auf ihre zuckenden Lippen.
Als er sie endlich wieder freigab, war ihr Gesicht ganz weiß. Das seine aber glühte, und bas Flackern seiner Augen erfüllte sie mit Angst. „Was haben Sie denn getan, James?" sagte sie. leise ihr Haar zurechtstreichend. „Ich habe mich immer so sicher bei Ihnen gefühlt." , r
„Und jetzt nicht mehr?" fragte er knabenhaft schüchtern. „Sagen Sie, Margot, werden Sie mich deswegen meiden?"
In ihre Wangen kehrte wieder das feine Rot, Das sie so anmutig machte. „Sie fahren ja ohnedies heute abend."
„Aber ich komme wieder!" entgegnete er. „Darf ich wiederkommen, Margot?"
Sie dachte an zu Hause, an Den Vater, an Henriette Pöttmes, unD daß James Blick vielleicht hoffte, eine reiche Partie zu machen.
Er deutete ihr Zögern anders und lachte bitter auf. „Daß man doch zeitlebens der gleiche Narr bleibt! Als Gymnasiast habe ich die Tochter eines Bankdirektors geliebt, bei dem ich einen Freitisch hatte. Es ist nicht einmal bis zu einem Kuß gekommen, bin ich schon geflogen. Und jetzt liebe ich dich, _ Immer wieder greife ich nach etwas, das für mich unerreichbar ist!"
„Das geht es Ihnen so wie mir. Margot ver- suchte mit einem Scherz ihre Erregung zu meistern.
Aber er verstand es falsch. „Du spottest noch!" rief er außer sich. „Aber so seid ihr Mädchen von heute: Schwimmen, Fechten, Reiten, Rudern, alles könnt ihr--nur lieben könnt ihr nicht!"
,Wer sagt denn dgs?" Während sie ihre Wange an" feine Schulter legte, stahl sich ihr Arm durch
den seinen. „Mach' doch kein solch böses Gesicht, James. Ich habe mir's ja schon oft gewünscht, in so zwei Arme genommen zu werden, wie es die deinen sind und so von einem Mund, wie dem deinen, geküßt zu werden.--Nicht--Oh,
nicht!"
Aber sie hatte schon zu viel verraten. James Pick faßte sie unter Schultern und Kniekehlen und hob sie hoch über sich der Sonne entgegen. Welche Kraft! oachte Margot erschauernd, als sie zwischen Himmel und Erde schwebte. Langsam ließen seine Arme sie wieder herab, bis sie Wange an Wange mit ihm lag.
„Du!"
„Habe ich denn fein Gewicht?" sagte sie verwundert, als er sich mit ihr in die Knie ließ und sie in den gelben, warmen Sand bettete. „James, wie bist du stark!" brach sich die Lust in ihr Bahn.
Er kniete vor ihr. „Du hast alles wettgemacht, Margot."
„Was denn?" fragte sie und wandte das Gesicht zur Seite. Sie hatte seine Augen noch nie in diesem dunklen, grünlichen Schimmer gesehen, der jetzt aus ihnen hervorbrach. „Was denn, James?" Dabei kosten ihre Finger fein gebräuntes Gesicht, auf dem dunkle Flecken fieberten.
„Noch einmal", bat er, als sie im Streicheln inne- hielt. „Du weißt ja nicht, Margot, wie das ist: Die erste Frau, die mich lieb hat. Meine Mutter hat so wenig Zeit gehabt für mich. Nun bin ich entschädigt. Ich bin immer Dein Geliebter gewesen, immer nur dein Geliebter, Margot!"
„Ja!" stammelte sie zwischen seinen Küsten. „Ja, James!"
„Und wenn ich den Rekord an mich reiße — und ich werde es tun,— dann soll dich mir keiner mehr nehmen. Wir bauen uns ein Haus — irgendwo. Du brauchst nur zu sagen, wo es stehen soll. Unsere Kinder werden einmal nicht Zündhölzer verkaufen müssen."
Sie legte bittend die Hand auf feinen Mund^ „Das ist gewesen, James!"
„Ja, es ist gewesen", lächelte er und bettete sein Gesicht an ihre Schulter. „Schließ einmal die Augen, Liebste." Und als sie seinem Wunsche willfahrte, streichelte sein Mund darüberhin. „Weißt du, daß deine Wimpern blaue Schatten werfen? Und Deine Brauen wie feine Sicheln sind? Weißt du das? — Wenn du atmest — nein, nicht auf- machen", wehrte er und legte die Finger leicht über ihre Lider „So muß es sein, wenn Blumen am frühen Morgen erwachen. Dieses leichte Beben über Deinen Körper hin ist bas schönste, Das ich je gesehen habe."
„Mein großer Knabe!" Sie hob die Hände unb zog fein Gesicht ganz nahe an das ihre, und sa, eng an ihn gedrückt, sagte sie: „Ich muß Dick enb täuschen, James. Ich bin nicht reick "
(Fortsetzung folgt!)


