Nr. 134 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen) Mittwoch, 12. Zum 1935
Kür den Büchertisch.
Lebendige Natur
Philosophie und Pädagogik
einmünden. So
Politik und Geschichte
Sohn unmerk- an denen ihr
überlegener Lebenserfahrung ihren lich um die Gefahren herumlenkt, Mann zugrunde ging.
einem Nordlanddampfer beginnt und auf einem Bauerngut endet, schildert die Sorgen und die Schwierigkeiten der neuen Generation in einer Welt neuer Werte und Wertungen. Er gestaltet neben den Hauptpersonen eine Fülle reizvoller Randfiguren, Pelzjäger und Tänzerin, Landarzt und Schiffsarzt, eine Mamsell und ein Landedelfräulein mit lebendigem Humor und vor allem die Gestalt einer Mutter, die ganz unsentimental mit
Teubner in Leipzig. — (104) — In diesem Buche werden die entscheidenden 15 Jahre unserer jüngsten Geschichte packend dargestellt, wobei die Höhepunkte des Geschehens in sorgfältig ausgewählten Bildern hervorgehoben werden. Die Darstellung läßt sich überall von dem Grundgedanken leiten, daß das deutsche Volk seit Jahrhunderten um die Gestaltung seiner politischen und kulturellen Eigenart gerungen hat, daß die Vollendung immer wieder von innen und außen verhindert wurde, daß der Nationalsozialismus diese Vollendung bewirkt, indem er einen unserer Eigenart entsprechenden deutschen Staat und ein deutsches Volkstum neu gegründet hat.
eigenen Erlebnissen des Autors, die er mit den Fremdenlegionären gehabt hat, behandelt.
Ergebnisse aller Einzelwissenschaften erhält der Leser über das Erwartete hinaus mit der Neugestaltung des Wörterbuches ein vom modernsten Standpunkt unseres Wissens aus geschriebenes Gesamtbild von Natur und Kultur. Das Wörterbuch ist so in seiner Neugestaltung ein moderner, praktischer Helfer für jeden, der an einer dem Leben gewachsenen Weltanschauung arbeitet.
— Aristoteles: Hauptwerke. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Wilhelm Nestle. (Kröners Taschenausgabe Bd. 129.) 460 S. Leinen 4 Mark. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. — (65) — Der große Vollender der griechischen Philosophie, der umfassende Geist, dessen Fragen und Lösungen erregend bis in die Gedankengänge unserer Zeit hereinwirken, galt vielen bisher nach Ausdehnung und Schwierigkeit seines Werkes als ein kaum zu bewältigendes Hochmassiv. Die vorliegende Ausgabe enthält in durch Zwischenberichte zusammenhängender Form alle wesentlichen Partien der philosophischen Hauptwerke: der Schrift über die Seele, des Protreptikos, der Schriften über Philosophie und über die Ideen, der ältesten und jüngeren Metaphysik, der Psychologie, der Endemischen und Ni- komachischen Ethik, der beiden Politiken und der Poetik. Daneben stehen die bestimmenden Abschnitte aus der Physik und Naturwissenschaft, der Religions- und Staatsphilosophie. Professor Nestle (Tübingen) stellt in einer stets gemeinverständlichen Einleitung das Leben, die Schriften und die Entwicklung des aristotelischen Denkens dar.
— Rudolf Kayser: Kant. 288 Seiten. Im Phaidon-Verlag, Wien 1935. — (4) — Dieses Buch über den Königsberger Philosophen geht von einer neuartigen Problemstellung aus: „Am Anfang alles Denkens", sagt Kayser in der Einleitung, „steht das Problem des Denkens selbst. In seiner Mitte aber steht der Philosoph: als Träger und Gegenstand, als Schöpfer und Beispiel der Philosophie. Dies verschafft ihr die einzigartige und hohe Stellung in der Welt des menschlichen Geistes." Und später: „... somit wird die Deutung des Philosophen auch zur Deutung der Philosophie: als der kühnsten Bemühung unseres Denkens um Einheit und Ganzheit." Indem also dieses Buch eine großzügige Biographie des klassischen deutschen Philosophen gibt, entwickelt es zugleich — hinauswachsend über das rein Biographische — eine Schilderung des Höhepunktes deutscher Philosophie. Durch Sine tiefgründige Kommentierung aller seiner Schriften bietet Kayser überdies eine gründliche und anregende Einführung in Kants geistige Welt.
— Hans Richter: Schwester Sibylle und der Flieger. Roman. Geheftet 2,70 Mark, Ganzleinen 4 Mark. Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin SW 68 — (48.) — In diesem Roman steckt ein echtes Männerproblem: wie schwer es für einen Mann ist, den Ausgleich zu finden zwischen Abenteuerdrang, Lebenshunger und Lebensgestaltung, zwischen Fernweh und Heimataebundenheit, zwischen Tradition und Eroberung. Aber es steckt auch ein echtes Frauenproblem drin: wie leicht es für eine Frau ist, einen Mann zu gewinnen und wie schwer, ihm zu Helsen. Der Roman, der auf
Volk und Nasse.
— Gerhard Raabr Ewiges Germanien. 358 Seiten. Ganzleinen 7,80 Mark. Koehler & Amelang Verlag. Leipzig 1935. — (66) — G. Raab setzt die germanisch-deutsche Vorgeschichte und die Dichtungen de's germanischen Altertums zueinander in Beziehungen und untersucht auf Grund der Forschungsergebnisfe von Kossinna, Neckel, Wilhelm Teudt, Herman Wirth u. a. ihre geistigen und religiösen Inhalte und erschließt aus ihnen den Sinn und vor allem die Sinnwandlungen unseres altdeutschen Mythos, das ewige Germanien. Ausgangspunkt für diese Untersuchungen ist die aus den stein- und bronzezeitlichen Felszeichnungen wieder entzifferte Urreligion des Nordens. Die Spaltung dieser Religion in zwei Zweige, die der spät- und nacheiszeitlichen Ausbildung der nordischen und der fälischen Rasse entspricht, und dann die Wiederverschmelzung dieser Zweige und ihrer verschiedenen Götterwelten am Ausgang der jüngeren Steinzeit, das daraus erwachsende Germanentum, seine Kultur und ihre Entwicklung bis zur Selbstzersetzung im früheren Mittelalter bilden den Hauptinhalt des Buches. Außer den. Felszeichnungen, den vorgeschichtlichen Funden, dienen Tacitus, vor allem aber die Edda und die Jsländersagas, ferner Märchen und Sagen, Volkskunst und Brauchtum der germanischen Völker als Quellen.
— W. H. Riehl: Die Naturgeschichte des deutschen Volkes. Zusammengesaßt und herausgegeben von Prof. Gunther Jpsen. (Kröners Taschenausgabe Bd. 122.) Leinen 4 Mark. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. — (69) — Riehl ist der Vater der Volkskunde. Die „Naturgeschichte des Volkes", sein Hauptwerk, ist als farbenvolle Gesamtdarstellung des deutschen Volkes, seines Landes und seiner Leute, seiner Stämme und Stände, seiner wirtschaftlichen und geistigen Kräfte, seiner Geschichte und Kultur ohne Seitenstück. Wir Heutigen haben es erst so recht wieder entdeckt, daß hier der Versuch einer umfassenden Volkslehre vorliegt, die der Gesamtheit der politischen Wissenschaften eine neue Grundlage geben soll, ausgehend von der Familienverfassung und dem geschichtlichen Gefüge des deutschen Lebensraumes, hinführend zu einer Ständelehre, die in der Parole gipfelt: vom Proletariat zum Arbeitertum! Und hier ist ein Bild des deutschen Volkes erwandert und erspäht und geschrieben in der frischen, an Anschauung ungemein reichen Sprache des Wanderers. —■ Die vorliegende Ausgabe, von Prof. Jpfen (Königsberg) betreut, hebt die heute unvermindert geltenden und glänzenden Haupsteile des großen Werkes zusammenhängend heraus. Sie enthält außerdem die Vorträge Riehls „Die Wissenschaft vom Volke" und „Ueber den Begriff der bürgerlichen Gesellschaft". Riehls Buch ist eins der reichsten und reinsten Zeugnisse deutschen Wesens.
— Deutsche Rassenköpfe. 43 preisgekrönte Bilder der fünf in Deutschland vertretenen Hauptrassen. Herausgegeben von Dr. Bruno K. Schultz. I. F. Lehmanns Verlag, München. Preis 1,80 Mk. — (85) — Die vorliegenden, teilweise mit Preisen ausgezeichneten Rassenbilder zeigen Vertreter der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Raffen, also die nordische, fälische, mittelländisch-westische, ostische und dinarische Rasse. Sie bilden ein vorzügliches Anschauungsmaterial für jeden, der sich rassen- kundlich betätigt. Das Büchlein vertieft die Rassenkenntnisse und schärft den Blick.
Deutsche Erzähler.
— Warum Erziehung trotz Vererbung? Von Prof. Dr. G. Pfähler. Mit sechs Abbildungstafeln. Kart. RM. 3,20. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1935. — (74) — Deutschen Müttern, Vätern und Erziehern gesunder Kinder steht das Buch klare Rede: Was bedeutet — beim seelisch und leiblich gesunden Menschen — Vererbung, und was wirkt die Erziehung? Ist alles Wesentliche des Charakters fertiges Schicksal? Wo der Raum der Freiheit liegt für die Macht der Erziehung und wie weit das Feld der Gebundenheit durch das Erbe reicht, wird in dem Buche des Gießener Pädagogen und Psychologen eindeutig und mit strenger Verantwortung geklärt und an vielen Beispielen veranschaulicht. Es gibt eine durch Rasse und Erbcharakter fest bestimmte körperlichseelische Artung (das Verhältnis von Rasse und Erbcharakter — Konstitutionstyp — wird eingehend erörtert). Aber: „Trotz Vererbung und angeborener Wesensart breitet sich im Dasein des Menschen ein weites Feld, der Gestaltung und Freiheit..." Gutes und Böses, Wertvolles und Wertloses, Wahrheit und Lüge, Schönes und Häßliches, Tapferes und Feiges warten auf die Seele; lauter Saat, bereit, gesät oder nicht gesät zu werden. Weit dehnt sich dieser „Raum der Freiheit: für die Mütter — der Raum der Verantwortung!" — Warum Erziehung trotz Vererbung? Weil der Mensch nicht nur „Pflanze", sondern auch „Boden" ist, der Saat aufnimmt: Saat der Erziehung zum Wachsen der deutschen Volksgemeinschaft! — Ein notwendiges und zeitgemäßes Buch der Aufklärung verhängnisvollster Mißverständnisse und Irrtümer — beseelt von hinreißender Leidenschaft und Sprachgewalt: ein Buch, das in keiner deutschen Familie ungelesen bleiben sollte! .
— Pros. Heinrich Schmidt: Philosophisches Wörterbuch. 9., neubearbeitete und erweiterte Auflage, 1935. Mit Zeittafel, einem Anhang „Wege zur Philosophie" und 40 Bildnissen (Kröners Taschenausgabe Band 13). 792 Seiten. Leinen 4 Mark. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. — (70) — Das Taschenbuch liegt in durchgehender Neubearbeitung vor. Die jüngste Philosophie des In- und Auslandes, die letzten Ergebnisse der Naturwissenschaften, der Geistes- und Sozialwissen- schaften sind in das Buch einbezogen. Die Literaturangaben spiegeln den neuesten Stand der Weltphilosophie wider. Die darstellerischen Vorzüge, die das Buch zu einer fesselnden Lektüre machten, sind voll erhalten. Dem Verfasser ist Philosophie die große Gesamtwissenschaft, in welche die für unsere Welterkenntnis und Lebensgestaltung wesentlichen
— Wilhelm von Scholz: Untergang eines Heldenvolkes. „Schriften an die Nation" Bd. 69/70. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunden RM. 1,60. — (118) — Wilhelm von Scholz' Werke sind der Ausdruck einer bestimmten Haltung gegenüber dem Leben und den Dingen, die unsichtbar hinter ihm stehen. Vn dieser Sammlung kleiner Erzählungen sind jedes Wort, jeder Satz, jede Handlung Zeugen jenes besonderen Begreifens. Die reife dichterische Kunst, den schlichten Vorgängen der Menschen- und Tierwelt ihre innere Ordnung und ihre Deutung zu geben, wirkt so unmittelbar und ergreifend, daß man diese Erzählungen zu den kostbarsten Erzeugnissen deutscher Prosa rechnen wird Die Sprache wird mit jener Meisterschaft und Wurde angewandt, die lange und bange Jahre hindurch verloren zu fein schienen. So erscheint diese Veröffentlichung als ein Teil jener Bestimmung die sich die „Schriften an die Nation gesetzt haben, nämlich vorbildlich und erzieherisch tn der Kunst der Darstellung und der Erzählung zu wirken und dabei deutschem Empfinden und deutscher Innerlichkeit den Weg zu bereiten.
— Ernst Wiechert: Hirten not) eil e. 90 Seiten. Albert Langen/Georg MMer, München, 1935 — (108) — Diese Erzählung, für Karl Benno von Mechow, den Dichter des „Abenteuers , des „Vorsommers" und des „Ländlichen Jahres, geschrieben, gehört zum Besten, was wir von Wiechert kennen- ist Zeugnis einer reifen, abgeklarten Er-
Zin f eines gütigen, überlegenen Humors, eine? warmen und weisen Menschlichkeit Es ist em einfaches junges Leben, von dem hier erzählt wird, das Leben eines armen Hirtenknaben in einsamer deutscher Landschaft an der Grenze. Aber diesem früh und jäh beschlossenen Dasein ist beschleden gewesen, „wozu die andern siebzig oder achtzigJahre zu brauchen pflegten: der Kampf, die Liebe und der tapfere Tod" Es sind nicht die schlichte Fabel und der ruhige, stille Klang der Erzahlerstimme allem, die der Geschichte etwas im fernsten Sinne Bibl sches, einen Hauch vom Wesen und Geiste der, alte und großen Dolksepen zukommen lassen: Wrech hat es vermocht, dem Ende seines kleinen ^^en m ersten, blutigen Feuerschein des her auf zieh end en Krieges eine Deutung zu geben, die dem Heroen, bukolischen Idyll eine strenge und männliche Wurde verleiht, und die das arme, franziskanische Hirlen- leben und das furchtlose Sterben des Knaben Michael mit einem tiefen und schönen Sinn verklärt. So darf mit Recht der alte Lehrer, der dem jungen Sorten die Totenrede hält, darauf vertrauen, das deutsche Land, „über dem nun die dunkle Wolke des Krieges und der bitteren Not ohne Erbarmen stehe, könne von Gott nicht zum Untergange bestimmt sein, nachdem" derselbe Gott in die Aermsten und Geringsten dieser deutschen Erde eine Seele gelegt habe, wie sie in tttesem jungen Hirten geleuchtet und gebrannt habe." " 1 y."
— Karl Alexander von Müller: Pro- Herne des Zweiten Reiches im Lichte des Dritten. Festansprache bei der zehnten Jahresversammlung der Deutschen Akademie in München am 16. Marz 1935. Geheftet 1,20 Mark. Verlag F. Bruckmann, München. — (138) — Dieser Dortraa forscht Problemen des Zweiten Reiches nach, deren Losung wir heute im Dritten Reiche erleben. Damals stand ein Mann auf, der den Deutschen Bund zerschlagen mußte, um seinen Staat der deutschen Einheit aufzubauen, einen Staat der Macht und Gröhe, aber keine letzte Erfüllung. Denn ihm fehlte die schöpfe- rische Idee eines einheitlichen Volkes. Der Gang der deutschen Geschicke war noch gewaltiger, als das alückliche Geschlecht der kleindeutschen Reichsgrun- dung ihn gesehen hatte. Erst jetzt beginnen wir die Maßstäbe zu erkennen, mit denen diese gewaltige nationale Bewegung zu messen ist, in der die geistige Erhebung eines Goethe, Kant und Beethoven nur eine Welle ist, wie Bismarck und Jem Reich eine zweite, wie der mächtige wirtschaftliche und technische Aufschwung eine dritte und die ßeiftun- gen und Heldentaten des Weltkrieges eine werte, jede von ihnen ein Ansturm zu der neuen gewaltigen Woge, die uns heute trägt.
__ D r. Walter Frank: „Hof Prediger Adolf Stoecker und die ch r i st l i ch, - so^z l a l e Bewegung". Muflage mit vier Abbildungen, kart 6 80 Mark. Hanseatische Derlagsanstalt, Hamburg. — (113) — Fxank, dem wir bereits mehrere volitische Biographien verdanken, erwirbt sich mit der Wiedererweckung Adolf Stoeckers, des großen Predigers und Volkstribunen, em Verdienst Der Kampf des kaiserlichen Staates gegen die sich an- kündigende Zeit der Massen erfahrt eine umfassende Darstellung. Seltsam nahe wird uns durch sie die Gestalt Adolf Stoeckers, der vom einfachen Sohn eines Schmiedes zum Hofprediger, zum Volkstn- bun aufstieg, der aus religiöser Verpflichtung n öie Politik ging und doch dem tragischen Konflikt zwischen Religion und politischer Aktion nicht aus- weichen konnte. Zeitnahe wird die Gestalt dieses Streiters, wenn wir von jener Ideenwelt erfahr n, die Stoecker der herannahenden marxistischen Flut entgegenstellte und die er in großen Massenversammlungen verkündete, bis er vom Haß feiner (Segn er verfolgt, von den Spitzen des Staates und der Kirche verlassen, die ihn einst m feinem'Kampf gegen Judentum und Demokratie als ihren ^Lan- zenbrecher" bezeichnet hatten, einsam stirbt. Sorg- sältia bat Frank alles zusammengetragen, was für die politische Wertung dieser Persönlichkeit und der von ihr geschaffenen Bewegung bedeutsam war Da durch ift ein wohlabgerundetes Bild jener Zeit entstanden das die herrschenden Strömungen und Fragen und die innere Krise des kaiserlichen Deutschland widerspiegelt.
— M. Edelmann: D o l k w e r d e n o e r Deutschen. Die letzten 15 Jahre Mt 51
Aus fremden Literaturen.
— Timmermans erzählt. Mit Zeichnun- gen des Dichters. 283 Seiten. Preis 3,75 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (110.) — Dieser schone Band, den der Insel-Verlag den immer zahlreicher werdenden Freunden des flämischen Dichters in Deutschland beschert, enthält Altes und Neues, Ernstes und Heiteres nebeneinander. Das Kernstück der Sammlung bildet die bis vor kurzem unbekannte große Erzählung „Beim Krabbenkocher", die in manchen Zügen an eines seiner besten Bücher, die „Delphine", erinnert; eine wunderliche, kleine Menschengesellschaft, die Timmermans' Phan- tasie und barocker Humor hier zusammengeführt hat, doch stammen sie alle, so verschieden sie untereinander sein mögen, aus der niederländischen Landschaft, die uns aus den früheren Büchern des Dichters feit langem vertraut ist. Vielleicht das schönste und dichterischste Stück des ganzen Bandes, der Timmermans aufs neue als einen ebenso volkstümlichen wie mit überquellendem Reichtum begabten, echten Erzähler bestätigt, ist die zarte und innige Weihnachtslegende von öir Flucht nach Aegypten, ein Gegenstück zum „Triptychon von den heiligen drei Königen", das besonders alle jene interessieren wird, die das gleichnamige Spiel (wie wir hier vor nicht langer Zeit) auf der Bühne gesehen haben. Als Einleitung lesen wir die köstliche Schilderung „Wie ich Erzähler wurde", die dem ganzen Buche den sinnvollsten Auftakt gibt; jeder, der es zur Hand nimmt, wird hier schnell alte Bekannte und neue Freunde finden, den rotnasigen, gewalttätigen Bäcker Ambiorix zum Beispiel ober den „Sankt Nikolaus in Not" ober „Gustav aus ber .Roten Katze'"; ben Beschluß machen „Das Schweinchen", „Die Eule" unb „Das Häslein", und es versteht sich, daß der Dichter auch diesmal wie- der Geschichten und Gestalten mit feinen eigenen Bildern geziert und begleitet hat, wie wir es von ihm gewohnt sind. Auf die tadellose Ausstattung und den wohlfeilen Preis des Buches möchten wir noch besonders aufmerksam gemacht haben. —y—
— Trygve Gulbranssen: Und ewig fingen bie SB ä Iber. Roman. Aus dem Norwegischen übersetzt von E. de B o o r. Leinen 5,50 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (130) — Gulbranssen ist ein echter Erzähler, der uns die Geschichte von den Bauern auf Björndal kündet. Er weiß trotz der Breite seines mehrere Generationen umfassenden Stoffes die Spannung wach zu halten, er stellt Gestalten vor dem Leser auf, die so leicht nicht wieder vergessen werden, weil sie wirklich lebendig sind, Menschen mit Leidenschaften und Widersprüchen — nicht Marionetten oder Schemen; Gulbranssen erzählt die Geschichte eines Bauerngeschlechtes aus dem norwegischen Bergwald. Ob ihres Stolzes und ihrer Kraft von den Leuten des „offenen Landes" gehaßt und gefürchtet und doch bewundert, führen die unbeugsamen Männer als echte Herren seit Jahrhunderten ihr Regiment im Bärental. Aber eine neue Zeit bricht an. Mit neuen Menschen bringen neue Bräuche in bie Abgeschlossenheit ber Wälber. An Konflikten reich unb gefährlich ist ber lieber« gang, boch ein Geschlecht von gesunben Männern unb frohen Frauen, stark burch ben nie aufgegebenen Zusammenhang mit ben ewigen Kraftquellen ber Wälber, geht ungebrochen, ja innerlich reicher unb kräftiger, einem neuen Jahrhunbert entgegen.
— Cherry Kearton: Mein Hund S i m b a. Die Abenteuer eines Foxterriers. Alleinberechtigte Ueberfetzung aus dem Englischen von Ernst Müncherath. Mit zwei Photos und Einbandbild. Geb. 1,80 Mark. I. Engelhorns Nachf. Stuttgart. — (67) — Von zahlreichen beliebten Hundebüchern, die wir haben, unterscheidet sich dieses reizende Werk des bekannten Naturforschers und Tierphotographen gründlich. Nicht allein, daß es die persönliche Handschrift dieses unvergleichlichen Beobachters und Tierfreundes trägt, der die Waffe nur in der äußersten Notwehr gebraucht, sondern auch die Schicksale des kleinen von Kearton einem Londoner Hundeasyl entrissenen Foxterriers und seine Abenteuer mit afrikanischem Großwild sind so erstaunlich, daß man bei jedem anderen Berichterstatter ungläubig die Schulter zucken wurde. Und der Leser versteht sehr wohl, daß dieser ritterliche „Bildjäger" eine rechte Freundschaft für diesen kleinen Kameraden mit seiner Munterkeit, Tapferkeit und Treue empfand. Kearton hat hier nicht nur einem unscheinbaren kleinen Hund, sondern Ich selber ein schöbe? Denkmal gesetzt.
— Prof. Dr. F. Metz: Die Alpen im deutschen Raum. Mit vielen Bildern. Kartoniert 0,70 RM. Verlag Grenze und Ausland, Berlin W 30. — (54) — Der Verfasser ist als Geograph und Hochschullehrer besonders durch seine Arbeiten und Veröffentlichungen auf volkspolitischem Gebiet bekannt geworden. Er wurde von der gegenwärtigen österreichischen ' Regierung im Zusammenhang mit einem Vortrag, den er vor der Innsbrucker Studentenschaft hielt und aus dem bie oorliegenbe Schrift entstauben ist, in ein Konzentrationslager überführt. Die Schrift gibt eine schlichte unb anschauliche Beweisführung für bie Einheit bes beutschen alpenlänbischen Raumes; '.hre Argumente werben burch zahlreiche Bilbern wirkungsvoll unterstützt. Monographien wie bie vor- liegenbe finb bie besten Wegbereiter gefamtbeut- schen Geschichts- unb Raumbewußtsein zu sein. Die Schrift wirb in ber volkspolitischen Erziehung ihren Platz finben.
H. Schiffers-Davringhausen. Menschen unter Allahs Sonne. Deutsche Augen sehen Norbafrika. Mit zahlreichen Zeichnungen unb Karten von H. G. Hofmann. In Halbleber 2,90 Mark. Dolksverbanb ber Bücherfreunbe, Wegwei- ser-Derlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. — (30) — Ein spannenbes unb phantastisches Buch, aufgebaut auf ben interessantesten Erleb- nissen bes Autors auf feiner gefahrenreichen Forschungsreise von Algier burch bie Sahara zum Niger. Schiffers-Davringhausen schilbert bie bie Lanbschaft bewohnenben Stämme, ihre Sitten, ihre geschichtliche Vergangenheit unb bie Naturgefahren, gegen bie hier Mensch unb Tier ihr Dasein zu ver- teibigen haben. Besonbers aufschlußreich finb auch bie Schilberungen bes Lebens ber Frembenlegio- näre, bie zu 60 v. H. aus Deutschen bestehen. Auch bieses aktuelle unb interessante Thema wirb aus
— Natascha Gvrjanowa: Russische Passion, Stubentin, Ingenieurin, Frau im roten „Ausbau". Im Nibelungenverlag, Berlin NW 40. Preis kart. RM. 4,50, in Leinen RM. 5,80. — (83) — Hier hat eine Frau, bie burch alle Schrek- ken ber bolschewistischen Revolution gegangen ist unb alle Brutalitäten ber kommunistischen Staatsorganisation am eigenen Leibe zu spüren bekommen hat, ihre Erfahrungen in einem Buch niebergelegt, besten leibenschaftslose Nüchternheit unb Sachlichkeit Don ber Fülle phantastischer Schilderungen unberufener und oberflächlicher Besucher seltsam absticht. Aber gerade der Verzicht auf jede Phrase und jede Uebertreibung, die nüchterne Sprache der harten Tatsachen macht dieses Buch zum schärfsten Ankläger gegen das seelenmordende System des Bolschewismus. Als 17jährige erlebt Natascha Gorjanowa bie Revolution, Kamps unb Untergang ber alten Mächte. Stärker als bie Angst um bas eigene Leben ist bie Liebe zu Heimat unb Volk, bie sie bleiben heißt, als Verwanbte unb Freunbe mit ben fliehenben Weißen bie Stabt verlassen. Als junge Frau eines Stubenten beginnt Natascha ihre Stubien im Chaos des Bürgerkrieges. Ihr Mann betrügt unb verrat sie aus Furcht vor ben Verfolgungen ber Tscheka. Ihre Ehe zerbricht, sie steht allein, eine ewig von Bespitzelung bebrohte „Ehemalige", zwischen ben roten „Eroberern" ber Wissenschaft. Sie wirb Ingenieurin unb geht in die Fabriken. Hier erlebt sie, wie in allen Zweigen der Wirtschaft sticht minder wie in den oberen Staatsbehörden das jüdische Element die Führung on sich genommen hat aber vom russischen Volk immer deutlicher als Fremdherrschaft empfunden wird. Eine Kriegsindustrie gewaltigen Ausmaßes wird aufgebaut, bie Armee die roten» Bonzen unb bie GPU. werben wohl versorgt unb leben glänzend — aber das Volk hungert unb darbt in einem unvorstellbaren Ausmaß. Die Verfasserin kommt schließlich in bas In- dustriekommissariat nach Moskau und erhalt als Dolmetscherin mit den ausländischen Spezialisten Der- binbunq. Durch f>eirat mit einem deutschen Inge- nieur wirb sie vor bem Schicksal bewahrt. Spitze - bienst- für bie GPU. leisten zu müssen Ihr er chut- ternber Bericht läßt bie Hoffnung aus die ruspsche Fuaend deren Blut einmal den Weg aus dem roten
Ä w.b.


