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Lm Herzen Finnlands.

Von unserem H. v. G.-Äenchierstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Helsingfors, im Herbst.

Wald und Wasser Wasser und Wald?

Eine Hügelkette hinter der anderen überwuchert der ewige Tann, schwarzgrün im Vordergründe, silbergrau verdämmernd in äußerster, lichtübergosse­ner Ferne. Und dazwischen ein Wirrsal spiegelblan­ker Wasserflächen, in Buchten verästelt und von Tanneninseln durchwirkt.

Wald und Wasser Wasser und Wald.

Mitten darinnen, seeumglitzert und tannenum- blaut, auf sanftem Birkenhügel ein mächtiger weißer Dom und um ihn herum eine große, helle Stadt: Kuopio.

Kuopio ist der ruhige und behäbige Mittelvunkt eines großen, einsamen Landgebietes und seiner weit in den Wäldern verstreuten bäuerlichen Be­völkerung. Die Straßen sind breit, nur sehr wenige Autos verkehren in ihnen, zwischen den Kopfsteinen des holprigen Pflasters wächst Gras. Die weißen, einstöckigen Holzgebäude sind meist Einfamilien­häuser, und zu jedem gehört ein stiller Garten und ein geräumiger Hosplatz mit allerhand Nebengebäu­den. So kommt es, daß diese Stadt, die nur etwas über 20 000 Einwohner hat, ebenso ausgedehnt ist wie das viermal größere Abo, und daß sie infolge­dessen auch einer wohltuenden Stille Raum gibt.

Kuopio hat eine Eisenbahn und außerdem einen lebhaften Binnenhafen. Durch ein unentwirrbares System von Seen kann man von hier aus zu Schiff den Finnischen Meerbusen erreichen. In so günstiger Verkehrslage hat sich denn auch eine blühende Holz­verarbeitungsindustrie in Kuopio gesammelt. Unter anderem rollen jährlich viele Millionen Garnrollen von hier aus in die Welt!

Für das geistige Wohl der Stadt sorgt in Ver­bindung mit den auffallend vielen Lehranstalten aller Art, die hier ihren Sitz gesunden haben eine ausgezeichnete Bibliothek.

*

Aber Kuopio ist mehr als das alles. Kuopio ist das Herz Finnlands, in geographischer und kultu­reller Hinsicht.

Helsingfors ist die Hauptstadt, Abo die älteste Stadt, Tampere das Industriezentrum des Landes. Aber Kuopio ist der Brennpunkt altfinni­schen Kulturlebens.

Es liegt zwischen Nord und Süd. Die Natur ist hier noch nicht so rauh, daß der zähe, unermüd­liche Kampf um das nackte Dasein jede geistige

Entwicklung unmöglich gemacht hätte, wie es in | Lappland der Fall ist. Und die moderne Haupt­stadt Helsingfors ist zu fern, als daß Kuopio unter ihrem Einfluß von beengtem Zeitgeist gezeichnet sein könnte.

Kuopio liegt zwischen Ost und West. Ebensoweit von Rußland wie von Schweden entfernt, hat die hiesige Gegend Über die langen Zeiten der schwe­dischen Uebermacht und Über das Jahrhundert der Russenherrschaft hinweg finnische Eigenart un­beeinflußt bewahrt.

Aber was ist denn Finnland eigentlich? E i n kleines, deutschfreundliches Land, das in tapferem Freiheitskampf gegen den Bolschewis­mus seine Unabhängigkeit errungen, zwei kleine Inflationen durchgemacht hat und im übrigen in der Weltgeschichte eine herzlich geringe Rolle spielt? Allerdings. Aber darüber hinaus ein Land, mit einer uralten Geisteskultur, die irgendeinmal' vor Jahrtausenden aus der innerasiatischen Mensch­heitsquelle hervorgesprudelt ist, nicht viel von sich reden macht, aber sich vielleicht gerade darum durch alle Zeitenstürme hindurch erhalten und ihren klingenden Ausdruck in den poetischen, heroischen und doch milden Tönen des finnischen Volksepos, der Kalevala, gefunden hat.

Natürlich ist es nicht möglich, das innerste Wesen dieser alten Geisteskultur in kurzer Zeit zu erfassen, und noch viel weniger, es auf beschränktem Raume darzustellen. Man muß sich damit begnügen, die äußeren Denkmäler zu betrachten, und auch die finnische Kultur hat ihre Pyramide! Sie ist sogar wahrscheinlich älter als die Pyramide Aegyptens, nur ist sie nicht aus Steinen erbaut, sondern aus Silben.

Es ist die finnische Sprache! *

Sie ist In der Tat älter als Sanskrit. Sie hat die indogermanischen Sprachen des europäischen, die semitischen des vorderasiatischen Altertums und gleichzeitig die mongolischen Sprachen Ostasiens be­einflußt. Aber während jene und diese sich dann selbständig weiterentwickelten, blieb die finnische Sprache über die Jahrtausende hinweg fast unver­ändert bestehen und ist somit unüberschätzbares Gut, Fundgrube und Wegweiser der Sprachforschung ge­worden.

Ja, eine ururalte Sprache. Diese oftchinesisch" anmutenden Wortbildungen! Diese übergriechisch verschlungene Grammatik! Dieser wahrhaft cicero- nische Schachtelsatzbau! Dabei diese treffsichere Schärfe und starre Genauigkeit des Ausdrucks! Eine Sprache, die dem Ausländer (soweit er sich über­haupt an sie heranwagt) zunächst nur für klas­sisches Schrifttum geeignet scheint, die aber in

Wirklichkeit so sprühend lebendig ist wie jede an­dere lebende Sprache.

Der russische Einfluß hat ihr keinen Abbruch ge­tan; dazu waren die Russen sprachlich zu internatio­nal eingestellt. Eher der schwedische Einfluß. Bis zum finnischen Freiheitskriege war das ganze Land zweisprachig, heute wird auch auf den Behörden nur noch in beschränkten Gebieten der Süd- und Westküste schwedisch gesprochen.

Uusi Suomi"Jungfinnland" kämpft um die Erhaltung seiner jahrtausendealten Sprachpyramide, und der Ausgang dieses Kampfes ist nicht zweifel­haft. Er ist schon entschieden. Vor allem im Her­zen Finnlands: in Kuopio.

Von einem Marienkäfer entführt.

Von Max Iungnickel.

In einem kleinen Nest, zwischen Weimar und Erfurt, saß ich nachts fest, hatte den Anschlußzug versäumt und mußte nun bis morgens drei Uhr warten. Das Nest schlief schon. Der Bahnhof war eine bessere Wellblechbude, lieber mir, wie fun­kelnde Schwertspitzen, die Herbststerne. Endlich ent­deckte ich ein rötliches, verschwommenes Licht. Eine kleine Schenke. Drei Reisende, die Skat droschen. Am Schenktisch eine junge Frau, die die Zeitung las. Eine schläfrige Stimmung schwelte durch das Gastzimmer. Da saß ich nun bei einer Petroleum­lampe. Plötzlich lief über den Tisch ein Marien­käfer. Eine winzige, rote, schwarz punktierte Halb­kugel lief hin und her. Da öffnete sie sich, schwirrte los, dorthin, wo die Frau saß. Und setzte sich ge­radewegs auf das Zeitungsblatt, das unter ihren Augen lag. Die Frau lachte hell auf. Ich deutete an, daß dieser Marienkäfer vor einigen Minuten erst über meinen Tisch spaziert sei. Sie fand das höchst sonderbar und setzte sich zu mir:Es gibt", meinte sie, das Gespräch einleitend,überhaupt manchmal Sachen, die so selbstverständlich sind und so sonderbar ausjehen. Sehen Sie, ich heiße mit Vornamen Anna. Man spricht den Namen so hin und denkt sich nichts dabei. Aber wissen Sie denn auch, daß man den Namen Anna von hinten lesen kann? Und was kommt dabei heraus? Immer Anna." Ich mußte gestehen, daß ich das zum ersten­mal erfuhr. Sie sprach weiter:Mein Mann heißt Otto. Von hinten gelesen, kommt immer Otto her­aus. Aber es geht noch weiter. Wir beiden, Otto und Anna, sind eine Ehe. Nun lesen Sie mal Ehe von hinten. Es bleibt immer Ehe. Auf unserem Hause steht eine Esse. Sie bleibt auch eine Esse, menn sie von rückwärts gelesen wird. Wenn ich Stoff abmesse, nehme ich die Elle. Mein Mann hat ein« Egge, weil wir noch Landwirtschaft haben. In

Das Wunder an der Weichsel.

Oer polnisch-sowjetrussische Krieg von 1920 in den Erinnerungen pilsudskis

In der Fülle der diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der Nachkriegszeit, die das Geschick der Welt ständig veränderten und an das Gedächtnis und an die Nerven der Miter­lebenden fast noch größere Anforderungen stellten, als der Weltkrieg selbst, ist die Erinnerung an den sowjetrussisch-polnischen Krieg im Jahre 1920 fast vollkommen verblaßt, obwohl sein Ausgang für das Schicksal Europas von ent­scheidender Bedeutung war. Die am Anfang glück­liche polnische Offensive, die in die Ukraine vorgestoßen war mit dem politischen Ziel, die weißrussischen Gebiete von der Sowjetrepublik zu lösen, war bald ins Stocken ge­raten, und im Sommer wälzten sich die bolschewi­stischen Massen unter der Führung des Reiter­generals Tuchatschewsky bis vor die Tore Warschaus, so daß die Sache Polens, seine Existenz als Staat ernstlich gefährdet schien. Im letzten Augenblick gelang es der polnischen Füh­rung unter dem Marschall Pilsudski, den An­griff aufzuhalten, und der so nahe bolschewistische Sieg verwandelte sich schnell in eine vernichtende Niederlage und in einen eiligen Rückzug aus Polen.

DiesesWunder an der Weichsel" ist von der französischen militärischen Geschichtsdarstellung, noch mehr aber von einer nicht immer taktvollen poli­tischen Propaganda auf das Eingreifen des fran­zösischen Generals W e y g a n d zurückgeführt wor­den, der in seiner Eignschaft als technischer Berater der Polen zur Verfügung gestellten englisch-franzö­sischen Militärmission dem Stabe Pilsudskis ange­hörte. DieDankesschuld" Polens an Frankreich, die nach französischer Auffassung in einer dauernden und blinden Unterwerfung Polens unter die fran­zösische Politik abzustatten ist, wurde vorwiegend mit dieser angeblichen Rolle des französischen Gene­rals bei der Rettung Polens begründet und bei jedem Anlaß ohne Rücksicht auf die nationale Emp­findlichkeit präsentiert. Pilsudski s e l b st hat sich zu seinen Lebzeiten aus begreiflichen Gründen

an dem Streit nicht beteiligt, aber in dem zwei­ten Band der von ihm hinterlassenenErinne­rungen und Dokument e", der soeben in deutscher Uebersetzung bei der Essener Verlagsan­stalt in Essen erscheint (Das Jahr 1920", Preis 8,50 Mark 532), ist die Frage der Verantwor­tung für die entscheidenden Befehle nun authen­tisch und restlos geklärt, die in derGefahrsekunde" gegeben wurden und die historische Wendung des Krieges herbeiführten.

Auch hier geht natürlich Pilfudski auf diese Frage nicht direkt ein, aber er erwähnt die Mitarbeit W e y g a n d s lediglich neben der seines polnischen Generalstabschefs R o z w a d ow s k i und des Kriegsministers S o f n o w s k i und bemerkt außer­dem, daß General Weygand mit dem polnischen Ge­neralstabschef nur durchdiplomatische Noten" ver­kehrt habe, die von einem in das andere Zimmer getragen wurden! Daß bei einem so gezeichneten Mitarbeitsverhältnis" die entscheidenden Beschlüsse nicht auf den französischen Ratgeber zurückgeführt werden können, ist nurzwischen den Zeilen", aber um so deutlicher zu lesen. Tatsächlich gingen sie auf die militärische Entschlußkraft und das rasche Erkennen einer noch gegebenen Chance des pol­nischen Marschalls zuruck, der sich mit dieser Tat in die erste Reihe der Feldherren aller Zeiten ge­stellt hat. Sie rettete nicht nur die junge, kaum be­gründete Selbständigkeit des polnischen Staates, sondern auch Deutschland und damit Europa vor der Ueberflutung durch die bolschewistische Revolu­tion, die die Sowjetarmeen sozusagen im Tornister mit sich führen. In dem Vorwort, das der Ober­befehlshaber der deutschen Wehrmacht, Generaloberst v. Blomberg, diesem zweiten Bande derErin­nerungen und Dokumente" des Marschalls Pilsudski vorausschickt, wird diese weltgeschichtliche Bedeutung desWunders an der Weichsel" ausdrücklich aner­kannt und aus dem niederen Niveau einer politischen französischen Legende in das höhere der geschicht­lichen Bedeutung erhoben.

Kalender und Almanache.

Hessischer Landkalender für das Jahr 1936. 217. Jahrgang. Ein hessisches Jahr­buch, herausgegeben von Karl Esselborn, Darm­stadt, C. F. Wintersche Buchdruckerei. Preis 60 Pf. (468) Auch mit diesem neuen Jahrgang hat uns der Herausgeber, der sich uns diesmal beson­ders als stimmungsvoller Dichter vorstellt, einen echten Kalender beschert. Köstlicher Humor (so z. B. in derPredigt ohne Hosenträger" und den Kriegs­erlebnissen bei den Mainzer Fünfzigern), Lebens­erinnerungen, gleich dem GlanzstückDie komische Alte", zu Herzen gehend und richtungsgebend fürs eigene Handeln, Skizzen aus dem Volksleben (tref­fend die Erinnerungen eines oberhessischen Land- geistlichen und Karrillons Silvesternacht), Schilde­rungen hessischer Landschaft (vor allem Alt'-Nidda) aufs glücklichste miteinander abwechselnd, im Tone alle gleichermaßen herzenswarm, werden uns gar oft zu dem Hefte greifen lassen, vielleicht auch noch, wenn 1936 herum ist. Den Bildschmuck bestreiten diesmal der am 8 Februar 1935 in Frankfurt ver­storbene Künstler Karl Friedrich Lippmann (beson­ders Porträts und Landschaften) und Luise Pätow mit neun Bildern aus Alt-Nidda. Hoffentlich fin­det der Kalender die verdiente Aufnahme und Ver­breitung. Er wäre auch eine nette Weihnachtsgabe.

Der Jahrweiser Volkstum und Heimat 193 6. Herausgeber: Landschaftsleiter Ringshausen. Bearbeitet von E. S t e i n i k e. Preis 1 RM. Verlag: Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen e. V., Darmstadt. (437) Dieser schöne Ka­lender, dem Landschaftsleiter Ringshausen ein Geleitwort vorausgeschickt hat, will jeden Volksge­nossen in unserer Landschaft durch das kommende Jahr 1936 begleiten und ihn in Bild und Wort, im Geiste des Führers, zurückführen Tag für Tag und Monat für Monat zu den ewigen Quellen un­

seres Lebens und unserer Kraft: zum deutschen Volkstum und zur deutschen Landschaft. Eine An­zahl unserer besten Photographen wie Hans Retzlaff, Walter Jacobi, Herbert Rost, H. K. E. Steinike, Luise Brockmeyer haben die 32 pracht­vollen Bilder geschaffen, die in ihrer künstlerischen Wiedergabe ein Spiegel unserer Landschaft und sei­nes Volkstums sind. Wir sehen da Kinder aus der Schwalm, Trachten aus dem Marburger Land, Bauern und Handwerker, Winzer und Soldaten, eine schöne Aufnahme des Führers auf der Reichs­autobahn bei Darmstadt, Landschaften von der Ronneburg, vom Odenwald und vom Rhein, Aus­schnitte aus dem Leben des Volkes, Erntebrauch, Wochenmarkt, Totenfest, Mutter und Kind. Der wertvolle und wohlfeile Kalender, von dem jedes Blatt ein beherzigenswertes Wort unserer führen­den Männer enthält, sei zur Anschaffung und wei­ten Verbreitung aufs wärmste empfohlen.

Der Köhlersche Heeres-Kalender 19 3 6 (208 Seiten Text, Preis 1,30 Mk. Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W. 435) wird eröffnet von zwei Aufsätzen, von denen der eine das Wesen des deutschen Volksheeres im Dritten Reich, der andere, aus der Feder von Generalleutnant von Metzsch, die Leistung der alten Armee behandelt. Dann finden wir u. a. interessante biographische Aufsätze über Mackensen und Blomberg, über Fah- nenschicksale im Völkerringen, über die militärische Jugendausbildung bei fremden Staaten und über den Sowjet-Militarismus, Kriegserinnerungen von, Verdun und von Langemarck, spannende Erzäh­lungen, ernste und heitere Erlebnisse. Und dann die vielen anschaulichen Schilderungen vom Leben und vom Dienst des heutigen deutschen Soldaten! Zu allen Waffen werden wir geführt, gewinnen Ein­blick in ihren Dienstbetrieb. Weit über 100 Bilder beleben den vielseitigen Inhalt.

Der Lahrer Hinkende Bote 1936. Preis geh. 50 Pf. Der Große Dolkskalender des Lahrer Hinkenden Boten 1936. In Leinwand geb. 1,20 Mk. Verlag Moritz Schauenburg, Lahr in Baden. (293) Im 136. Jahrgang erscheint der Lahrer Hinkende Bote, einer der ältesten deutschen Volkskalender. Sein äußeres Gewand ist in seiner kraftvoll-deutschen und treuherzig-volkstümlichen Art noch das gleiche, wie das, in dem schon unsere Urgroßväter ihn kannten. Die Pflege wertvoller Ueberlieferung in vaterländischem Geist läßt sich auch der neue Jahrgang angelegen sein; dazu kommt eine herzhafte Einstellung zu all dem, was unsere lebendige Gegenwart bewegt und eine freu­dige Mitarbeit an den Aufgaben unseres neuen Staates und im Dienste der Volksgemeinschaft. Nach dem wie immer reich ausgestatteten Kalen­darium und allerhand anregenden oder nützlichen Tabellen und Uebersichten eröffnet sich dem Leser der unterhaltende und belehrende Teil des Kalen­ders. In den mit Bildern geschmückten Weltbegeben­heiten werden die Geschehnisse des vergangenen Jahres erzählt. Außerdem, wie üblich, eine Reihe von volkstümlichen Erzählungen größeren und kleineren Umfanges.

Gartenlaube-Kalender 1936. Her­ausgegeben von Dr. Robert R o f e e u. Geb. 1 Mk. 266 Seiten. Verlag Scherl, Berlin SW 68. (356) Der neue Jahrgang dieses Kalenders wird, dauerhaft gebunden, mit zahlreichen Bildern Zeichnungen und Photographien illustriert, seinen Lesern frohe Stunden, Unterhaltung und Rat in den Fragen des täglichen Lebens bringen. Der erste Teil enthält neben einem Kalendarium eine Fülle beratender und statistischer Angaben, sowie einen Rückblick auf die bedeutendsten Ereignisse des Jah­res. Neben dem reichhaltigen praktischen Teil kommt auch die Unterhaltung zu ihrem Recht. Bekannte Schriftsteller wie Wilhelm von Scholz, Manfred Hausmann, Fred A. Angermayer und viele andere haben mitgearbeitet. Mit zahlreichen Beiträgen aus den verschiedensten Wissensgebieten ist für die Be­lehrung und Anregung der Leser gesorgt.

Der Deutsche Kalender 1936, heraus­gegeben von der Reichsbahnzentrale für den Deut­schen Reiseverkehr, Berlin (Verlag Carl Gerber, München), liegt jetzt im 15. Jahrgang vor. (491) Der Kalender bietet auf 122 Blättern charakte­

ristische Aufnahmen aus dem schönen Deutschland. Mit der Bildanordnung wird eine eindrucksvolle Wirkung erzielt, und es erwacht Reisesehnsucht, wenn man diese stimmungsvollen Landschaftsbilder, die alten Tore, Gassen, Türme und Kirchen, die stol­zen Schlösser und Burgen betrachtet. Auch diesmal enthält der Deutsche Kalender ausschließlich neue Aufnahmen, Bilder, die drucktechnisch ausgezeichnet wiedergegeben sind und in der Auswahl der Motive wie in ihrer Anordnung größte Sorgfalt und siche­ren Blick für das künstlerisch Wesentliche erkennen lassen. Der Preis beträgt 2,50 Mark.

Rundfunkprogramm.

Donnerstag, 12. Dezember:

6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Zeitangabe, Nach­richten. 8.15: Gymnastik. 8.45: Bauernfunk. 10.15: Schulfunk Volksliedsingen. 11.20: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert l 13: Nach­richten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittaqs- konzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht: Die Zucker- Kampagne. 15.15: Kinderfunk. Weihnachtsvorberei­tungen. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde. Von Wilhelm Gulde. 18.40:Neues Sportschrifttum" 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Mozart-Zyklus (VI). Die Salzburger Symphonien. 21: Kämpfende Wissenschaft (III)Propeller überm Bodensee" Hörbild von Anton Betzner. 21.45: Kam­mermusik. Kleine Musik für Violine und Klavier. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sende- bezirk. 22.20: Konzert: 22.30:Deutsch-Polnische Aus­tauschsendung der Jugend. Polnische Jugend singt und musiziert in Berlin. 23: Neue deutsche Musik. 24 bis 2: Nachtkonzert.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, den 11. Dezember.

Gießen. Kapelle des Allen Friedhofs. 20.15 Uhr: Katechismusgottesdienst (3. Gebot).

WMchweiujagd zugunsten des Winterhilfswerks

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In dem berühmten Saupark Springe im Deister bei Hannover veranstaltete Reichsjägermeister Ministerpräsident Göring mit zahlreichen Gästen, unter ihnen der polnische Botschafter Exzellenz L i p s k i, eine Saujagd zugunsten des Winterhilfswerkes. Das Bild zeigt den Reichsjägermeister während der Jagd. Links neben ihm Reichsaußenminister Freiherr von Neurath und hinter diesem der Stabschef der SA. Lutze. (Presse-Illustration Hoffmann-M.)

unserem Holzstall wohnt ein Uhu. Er geht auch nicht raus, wenn er von rückwärts gerufen wird. Immer bleibt er als Uhu sitzen."

Nach all diesen Sprachmerkwürdigkeiten, die mir die Frau auftischte, konnte ich nur Oho sagen. Aus einmal merkte ich, daß dieses Oha von vorn und hinten immer gleich klingt. Noch nicht genug, die Frau schien einen ganzen Sack voller Sprachsonder­heiten bereitzuhalten. Immer, wenn sie ein neues Wort nannte, beugte sie sich ein wenig vor, in den Lampenkreis. Ihr blondes Haar leuchtete auf. Ge­heimtuend meinte sie: Aus Tor können Sie Rot machen. Immer rückwärts lesen! Aus Gras wird Sarg, aus Lese kommt Esel heraus."

Skatkarten klatschten. Ab und zu ein Lachen, ein Fluch, eine dicke Rauchwolke, dann wieder ein Ruf nach Bier und einem Korn. Wir saßen da, ver­folgten die Purzelbäume, das Lächeln und das Ver­steckspielen der Sprache, nahmen von diesem Wort die Maske herunter, sofort stand ei anderes Wort da. Und so ging das weiter. Die alte, verräucherte Uhr hinkte, von der Wand herunter, auf die dritte Morgenstunde los. Ich wollte zahlen. Die Frau lehnte ab:Lassen Sie nur! Die Stunden von Mitternacht bis morgens wollen mir sonst gar nicht vergehen. Sjeute sind sie' wie ein Reittier gelaufen."

Das war mein Abschied Auf der Straße fiel mir noch ein, daß ein Reittier von vorn und von hinten immer ein Reiltier bleibt.

O, dieses Marienkäferchen! Es hatte mich richtig in einen Wortkarneval entführt. Es gibt doch selt­same Begegnungen, wenn man einsam und frie­rend, in einem eingeschlafenen Nest plötzlich ein blaues Schenkenlicht entdeckt. An der Wellylechbude, wo ich in den Zug stieg, hing ein Spinngewebe, das war von schwerem Tau überzogen und flim­merte im Scheine einer alten Laterne.

Fernlenkung durch Eisgefahren.

Als sich dieTower Bridge" bei ihrer Fahrt durch den Nordatlantik von Eisgefahren bedroht sah, sandte sie überall hin SOS -Rufe aus. Und wirklich antwortete ihr ein unbekannter Dampfer in weiter Ferne, der auf derselben Strecke gefahren fid) sofort erbot, durchFernlenkung" die n^r ^rjbge" sicher durch die Gefahren zu steuern. Der Kapitän des bedrohten Schiffes war damit ein­verstanden, und so richtete er sich genau nach den Weisungen, die in kurzen Zeitabständen von jenem Schiff kamen, das er nie zuvor gesehen hatte. Jetzt ist dieser Helfer in der Not in dem DampferNeu­fundland" ermittelt worden, und die Reederei des auf diese Weise geretteten Schiffes hat eine beträcht­liche Belohnung unter Kapitän und Mannschaft der Neufundland" verteilen lassen.