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WM

Mittwoch, U. September 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr. 212 Drittes Blatt

Unfallgefahren im Arbeitsleben

Deutschlands Vertretung in Abessinien

Aus der provinzialhaupistadi

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raschesten und besten sich der Kohl entwickelt. Von Darwin sagte sein Vater:Der Bengel hat nichts anderes im Kopf als Schießen, Hunde und Ratten fangen. Er wird noch einmal die Schande der gan­zen Familie bilden", und dieserungeratene Sohn" wurde nicht nur einer der größten Gelehrten, son­dern auch ein vorbildlicher Mensch, der sein Ehren­grab in der Westminster Abtei verdient hat.

Was kosten Schwalbennester?

In einer für Feinschmecker bestimmten Plauderei, die sich mit sonderbaren Leckerbissen beschäftigt und die wir im Septemberheft von V e l h a g e n & Klasings Monatsheften finden, wird auch erwähnt, daß die Schwalbennester in China für etwas besonders Erlesenes gelten. Sie bestehen fast ausschließlich aus dem Speichel der Vögel und werden oft genug mit Lebensgefahr von waghal­sigen Fängern von den Felswänden losgebrochen, an die sie die Vögel hinkleben. Von diesen Vogel­nestern gehen nämlich etwa hundert Stück auf ein Kilo, und vor noch nicht langer Zeit, als der Dollar noch fest und unerschütterlich schien, wurde das Stück, das einzelne Nest, mit einem halben Dollar bezahlt. Das macht also einen Pfundpreis von fünfundzwanzig Dollar. Wenn man von solchem Preis hört, muß man sich die Ergiebigkeit dieser Speise vorstellen: Die Nester lösen sich beim Kochen in eine zähe Masse von fadem oder schwachsalzigem Geschmack auf, und nur durch entsprechenden Ge­würzzusatz kann man einige Schmackhaftigkeit er­zielen. Aber Delikatesse bleibt eben Delikatesse, ob ein Sinn dahintersteckt oder nicht; in diesem Fall wurde und wird wohl auch jetzt noch um so mehr Wert auf den Leckerbissen gelegt, als die Vogelnester als anregend gelten. Die feinsten Sor­ten wurden, solange es einen chinesischen Hof gab, nur nach Peking geliefert.

Berühmte Männer waren schlechte Schüler

Viele große Männer sind in ihrer Jugend Tauge­nichtse oder Träumer gewesen, die sich für die An­forderungen des Unterrichts am wenigsten eigneten; erst allmählich erfaßte ihre Begabung das für sie passende Gebiet und entfaltete sich dann zu un­geahntem Höhenflug. So bildete der Begründer des englischen Reiches in Indien, Robert Clive, die Verzweiflung seiner Lehrer. Jede Anstalt, die er besuchte und er versuchte auf vier Schulen sein Glück, wies ihn wegen seiner schlechten Leistun­gen fort. Schließlich schickte ihn sein Vater, weil er mit demDummkopf" nichts anzufangen wußte, nach Indien, und in dieser fremden Umgebung ent­faltete der Junge rasch sein Genie. Auch Nelson, der Abgott der englischen Geschichte, galt auf der Schule für höchst unbegabt, und von Napoleon wird berichtet, daß seine Leistungen auf der Mili­tärakademie weit hinter denen seiner Kameraden zurückstanden. Der große Gegner des Korsen, der Herzog von Wellington, zierte in der Schule die letzte Bank, und von dem anderen Ueberwinder Napoleons, von Blücher, wissen wir, daß er es nie so weit gebracht hat, einen orthographischen Brief zu schreiben Andere bedeutende Heerführer, so die beiden Oberbefehlshaber der feindlichen Armee im amerikanischen Bürgerkrieg, General Grant und Stonewall Jackson, entwickelten sich als Knaben überaus langsam und kamen auf der Schule nicht fort. Carlyle erzählt, daß in derselben Klasse des Edinburgher Gymnasiums zwei Jungen saßen, van denen der eine die Zierde der Schule war und stets als Erster versetzt wurde, der andere aber immer sitzen blieb und die Ver­zweiflung seiner Lehrer bildete. Der Musterschüler wurde ein einfacher Mr. John Hunter, van dem die Geschichte weiter nichts zu berichten weiß; aus dem Dummkopf und Faulpelz wurde der große Dichter Walter Scott. Carlyle fügt die Bemer­kung hinzu, daß ja auch unter allen Pflanzen am

Unser Bild zeigt die deutsche Gesandtschaft in Addis Abeba, die ähnlich wie die anderen ausländischen Niederlassungen etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt liegt. (Scherl-Bllderdienst-M.)

tzochscbulnachricbten.

Die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medi­zin, Naturwissenschaft und Technik verlieh bei ihrer diesjährigen Tagung die Sudhoff-Medaille an den Professor für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Akademie zu D ü s s e l d o r f, Dr Wil­helm Haberling für seine hervorragenden Ver­dienste um die Geschichte der Medizin.

Dr. Walter B r o u w e r, Dozent für landwirt­schaftlichen Pflanzenbau und Pflanzenzucht an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, ist zum ordentlichen Professor in der Mathematisch­naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena ernannt worden

Nachigang durch Nürnberg.

Don Wilhelm Kunze.

Es ist spät geworden, die Nacht ist über die Stadt gekommen, ohne daß ich es bemerkte. Aber ich will den Gang noch tun, ich will noch durch die Altstadt gehen und den Brief, den ich geschrieben habe, am Bahnhof zur Poft geben. Ich habe einem Freund geschrieben, der viele Jahre nicht mehr in unserer Stadt gewesen ist; ehedem sind wir oft zu zweien so durch die nächtlichen Straßen ge­gangen, in Gespräche vertieft, in Gedanken ver­sunken; es ist lange her! Aber die Straßen sind noch dieselben, noch zieht sich um die Altstaät der Graben, dessen Mauerwerk in der Nacht an Große gewinnt, an Größe und Geheimnis. Es ist, als ob das mittelalterliche Gepräge der Stadt in den Nächten zu seiner Wirklichkeit erwachte; wenn Le­ben und Lärm der Gegenwart ruhen, haucht das alte Gemäuer den Atem vergangener Jahrhunderte über die stillen Straßen und Plätze, plötzlich horst du Brunnen rauschen, plötzlich vernimmst du den Schlag uralter Uhren, in entfernten Gasten den Schritt eines Menschen, in schlafenden Häusern das Weinen eines Kindes. Es ist, als wären hun­dert Jahre zu Nichts zerronnen, als gäbe es keine Autos, keine Eisenbahnen, keine Flugzeuge und Verkehrsschutzleute. Die Nervosität, die Hast und Unrast des Tages sind dahin, eine tiefe Beruhi­gung strahlt von den Quadern dieser Mauern und Türme aus, unberührt und unbewegt steht die schöne alte Kaiserburg auf ihrem Felsgrund über der Stadt, unerregt leuchtet das kleine Licht des Wächters vom Veftnerturm in die wolkenlose Nacht, wie ein Stern unter Sternen, ein wachen­des Auge aus verlorener Vergangenheit, wissend um alles, was ist und war. Drunten aber drängt sich Haus an Haus, die steigenden Dächer und ra­genden Giebel schimmern im bleichen Licht der Sternennacht, ein weithin gebreitetes Meer, aus dem nur die machtvollen Umrisse des Rathauses, die Türme und Dächer der großen Kirchen aufra­gen. Weit drüben, noch mitten im Häusermeer, zieht sich die Perlenkette der Lichter der Bahn­linien hin und verschattet den Horizont.

Ich bin oft hier oben auf derFreyung" der alten Kaiserburg in Nächten gestanden, in Sommer­nächten und Winternächten, einsam oft und oft mit jugendlichen Sorgen, die sich im Anblick der schla­fenden Stadt verloren. Ich bin ungezahlte Male denBurgberg" hinuntergegangen, wie ich ihn jetzt wiederum hinuntergehe, angerührt von der leisen Melancholie, die aus der Traum-Vergangen­heit der alten, von Schicksalen der Jahrhunderte er­

Die Gießener SA. sähtt zum Aeichsparieiiag.

Die Teilnehmer der SA. der Standarte 116 am Reichsparteitag verlassen am Freitag, 13. September, um 17.40 Uhr, mit Sonderzug Gießen.

Antreten: 17 Uhr auf dem Standartenplah.

Marfchstrahen: Platz der SA., Sonnen­straße, kreuzplah, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigftrahe, Bahnhofstraße zum Bahnhof.

Rürffunfl:

Der Sonderzug verläßt Montag, 16. Sep­tember, 15.15 Uhr, Nürnberg und trifft um 21.48 Uhr auf dem Bahnhof Gießen ein.

Der Einmarsch erfolgt durch Bahnhofstraße, Liebigftrahe, Frankfurter Straße, Seltersweg, Son- nenstrahe zum Standartenplah.

SA.-Standarte 116.

Beine häßlich gedreht und verschnörkelt find, auf einfachen, schlichten Stuhlfüßen anbringen lassen. Oft ist auch eine Ueberpolfterung von Sitz und Lehne anzuraten.

Alte Bilder kann man mit einfachen, schlichten Rahmen versehen, so daß sie sich dem heutigen Stil einfügen. Die Bilder gewinnen oft, wenn man sie aus den überladenen, riesigenGold"-Rahmen, die meist bloß aus bronciertem Gips bestehen, erlöst.

Im Ganzen sollen wir das Erbe unserer Vor- fahren möglichst liebevoll zu erhalten suchen und auch etwas von dem Gewohnten, Liebgewordenen der Kindheit und Jugend mit hineinnehmen in das neue Leben und neue Heim.

Oie Pilze sind da.

Nach dem regenarmen Sommer schießen jetzt, nach dem Eintritt des Regenwetters, die Pilze zum Teil massenhaft aus dem Boden. Beim Pilzsam- meln ereignen sich alljährlich noch immer viele Unglücksfalle, die vermieden werden können, wenn man die nötige Vorsicht beim Sammeln von Pilzen, aber auch bei ihrer Zubereitung walten läßt.

Man präge sich ganz allgemein folgendes ein: In den weitaus meisten Fällen werden die Pilz­vergiftungen durch jelbftgefammelte Pilze verur­sacht. Wer Pilze sammelt, sollte nur solche Arten nehmen, die ihm sicher als eßbar bekannt sind. All- gemein gültige Erkennungszeichen und Prüfungs­mittel zur Unterscheidung von eßbaren und giftigen Pilzen gibt es nicht. Allein die genaue Kenntnis der besonderen Merkmale der einzelnen eßbaren und giftigen Pilze schützt vor schädlichen Folgen des Pilzgenusses.

Besonders hüte man sich vor den gefährlichsten aller Giftpilze, den Knollenblätterschwämmen, von denen der grüne Knollenblätterschwamm die meisten tödlichen Vergiftungen verursacht. Es gibt aber auch noch eine Reihe anderer Giftpilze, deren Genuß recht verhängnisvolle Folgen haben kann. Hierher gehören z. B. der Ziegelrote Rißpilz, der Satans- röhrling, Speitäubling, Schwefelritterling, Fliegen­pilz und der Pantherpilz. (Letzterer verursachte im Herbst vorigen Jahres in Plauen Massenoergiftun- gen von sonst noch nicht beobachtetem Umfang. Allein in dieser Stadt erkrankten 55 Personen so

NIVEA

mild, leicht schäumend.

ganz wundervoll im Geschmack

wiederkehrender Ursachen fehlen. Wir geben einige Erfahrungsbeispiele: Der Fahrer unterhält sich mit einer Begleitperson; er ist übernächtigt infolge Teilnahme an einer Familienfeier; das Wetter ist unsichtig; der Wagen kommt eben aus der Repa­ratur und zeigt kleinere Mängel; durch unerwartete Verspätung ist eine Unordnung im Fahrplan ein- getreten. Oder: Die Signale der Strecke sind ge­ändert: ein neuer Fahrer, dem die Strecke unbe­kannt ist, wird eingesetzt; das Fahrzeug, das er

Alte Möbel im neuen Heim.

Die Entrümpelung, die im Vorjahre auf den Bodenkammern durchgeführt wurde, hat neben sehr viel wertlosem Plunder auch manches noch gut brauchbare Möbelstück zu Tage gefördert und wie­der seiner Bestimmung zugeführt. Bei Dachstuhl­bränden in früherer Zeit konnte man oft die Be­obachtung machen, daß sehr viele alte Einrichtungs- gegenstände ein Raub der Flammen wurden. Die Besitzer hatten sich neueingerichtet und die alten Sachen, statt sie zu verkaufen oder zu verschenken, auf dem Boden aufgestapelt. Gebraucht wurden sie aber fast nie mehr, denn damals wollten junge Ehe­paare keine alten Sachen in ihrem neuen Heim haben, alles mußte funkelnagelneu sein und noch nach Tischlerleim und Farbe riechen. Seit dem Kriege ist das ganz anders geworden. Fast jedes junge Paar ist froh, wenn es ältere Sachen erbt, -die man sich von einem geschickten Tischler zurecht­machen lassen kann. Während man sonst ein paar tausend Mark für seine Aussteuer ausgeben muß, genügen in solchen Fällen ein paar hundert. Aller­dings muß man selber etwas Stilgefühl besitzen und unter Umständen angeben können, wie man alles haben möchte. Meist sind die alten Sachen ja vorzüglich gearbeitet, so daß sie noch eine lange Lebensdauer vor sich haben. Stammen sie aus den Jahrzehnten nach 1870, so wird allerlei überflüssi­ger Zierat entfernt werden müssen, während die noch älteren Sachen heute wieder als unbedingt schön empfunden werden, zum Beispiel große Kom­moden, Truhen, Schränke und dergleichen._________

führt, zeigt abweichende Einrichtungen, denen er noch nicht völlig gewachsen ist."

,Lusammenfassend kann daher nur immer wieder betont werden, daß jede voreilige Verallgemeine­rung und Ueberroertung bestimmter Arten von Ur­sachen für Unfallgeschehen nicht am Platze ist, son­dern daß jeder Einzelfall seinen Sonderumstanden nach kritisch auszuwerten ist. Die fortschreitende tech­nische Entwicklung sowie die Aenderuna aller Ar­beitsumstände bedingen auch eine Aenderung des Zusammenspiels verschiedener Ursachenketten, die unter gewissen tragischen Umständen Verletzung ober Tod der Beteiligten herbeiführen können und auch herbeiführen werden."

füllten Gassen und Häuser herüberweht. Kein Mensch ist in den Gassen zu sehen, bisweilen schlei­chen Katzen an den Wänden hin, bisweilen brennt noch ein Licht hinter einem der Fenster, und ich denke an durchwachte Nächte, an nächtliche Ge­spräche, an nächtliches Kranksein und nächtliches Sterben. Die steinernen, in hohem Bogen geführ­ten Brücken bieten Ausblicke auf Häuserreihen und Häusergruppen, die in der Nacht erst ihre Roman­tik erweisen. Dennoch ist es nicht die Stimmung eines Idylls, was sie ausstrahlen; sie stehen wie Kulissen, die von einem großen geschichtlichen Schau­spiel überiggeblieben sind. Hier ist alles voll von Erinnerungen. Wenn Häuser träumen in ihrem Schlaf, so träumen diese nicht von zärtlichen, hei­teren Dingen, sondern von Menschen, die mit bei­den Beinen fest auf der Erde und in ihrer Welt standen, die sich mit sehr realen Dingen abgaben, eine sehr reale Geistigkeit pflegten und ehrenfeste Bürger waren. Kaiser und Reich, Handelsgeschäfte und Gewerbefleiß müssen in ihren Träumen noch heute den Mittelpunkt bilden, um den alles kreist. Sie haben vielleicht manches derbe Wort vernom­men, aber sie haben auch manches einfache Wort gehört, das in feiner Einfachheit groß war.

Nun bin ich unterdessen die kleine Steigerung zur St.-Lorenzkirche hinaufgegangen und stehe vor dem erstaunlichen Portal des Doms, das, im Licht der hellen Bogenlampe großartig vereinsamt, den stillgewordenen Platz beherrscht, der untertags im Hauptverkehr liegt. Welcher Nürnberger findet je­mals Zeit und Muße, sich dieses Portal zu besehen? Vermutlich werden die Fremden es besser kennen, wenn sie den Lärm und Aufruhr nicht scheuten, der zu allen Stunden des Tages hier mächtig ist. Aber im Lärm des Tages und in der Nacht steht hier, zwischen den beiden großen Türen des Portals, eine der schönsten Figuren unter den schönen aus Stein: Eine große Madonna, die in die Straßen hinaus­blickt, in die nächtlichen stillen Straßen, aufgewacht aus dem Schlaf der Jahrhunderte, aufgerufen vom Glanz des Sternhimmels vielleicht, der über Häu­sern, Dächern und Bogenlampen seine undenkbaren Jahrtausende durchwandert. Ihr Auge hat vieles gesehen in fünf Jahrhunderten, vieles, das ihr zu lächeln ermöglicht, wenn Autos und Straßenbah­nen über den Platz treiben. Wie lange denn ist es her, daß selbst diese Altstadt noch kleiner, enger, winkliger gewesen ist als heute?

Jetzt gehe ich eine breite Straße zum Bahnhof hinaus, erleuchtete Schaufenster rechts und links, zwischen Hotels und Geschäftshäusern, fremde Men­schen um mich im Lampenlicht. Wie lange denn - ist es her, daß der Bahnhof fast am Rande einer > Stadt lag, die sich heute nach allen Seiten dehnt

Im Grunde ist es bedauerlich, daß wir Heutigen von einem solchen Modernitätstaumel erfaßt wur­den und unsere Wohnung lange nur nach dem Ge­sichtspunkt ansahen, ob sie auch dem allerletzten Modeschrei entspräche. Als ob es darauf in der Hauptsache ankäme! Die Hauptsache liegt auf einem ganz andern Gebiet. Alte Möbel können eine un­endliche Behaglichkeit ausströmen, wenn sie richtig ausgewählt und zusammengestellt sind. Die früher verwendeten Hölzer, Mahagoni, Birke, Kirsch u. a. müssen allerdings vom Fachmannüberholt" wer­den, damit sie wieder in alter Schönheit zur Gel­tung kommen. Ebenso ist es mit Polstermöbeln. Alte Sessel und Sofas können durch entsprechende Umarbeitungen und Ueberpolfterungen vollkommen wie neue Stücke werden, so daß sie voll gebrauchs­fähig find

Aus alten Sprungfedermatratzen aus den Betten unserer Großeltern läßt sich mit geringen Zutaten eine hochmoderne Couch anfertigen, je breiter, desto besser. Mit ein paar schönen, großen Kissen hat man auf diese Weise im Wohnzimmer die bequemste und hübscheste Sitzgelegenheit, die man sich nur wünschen kann. Aus alten Sosa-Umbauten kann man Kredenzen und Vitrinen anfertigen lassen, alte Büfetts, die hoch und schmal sind und uns gar nicht mehr gefallen wollen, können mit weißem Schleif­lackanstrich versehen werden und tun bann als Küchenschränke vorzügliche Dienste. Sehr viel ge­winnt man, wenn man bei alten Tischen und Stüh­len die Beine etwas verkürzen läßt, um alles etwas flacher zu bekommen, was unferm Geschmack mehr zusagt. Rohrsitze und Lehnen kann man, wenn die und die Altstadt wie ein Kleinod in sich schließt? Es ist nicht lange, es ist keine hundert Jahre her. Aber der mächtige Torturm stand auch früher schon, wie er heute noch steht, ein runder, massiger Bollturm, der riesige Schatten einer machtvollen Vergangenheit!

Ich eile über den Platz, ich gebe den Brief zur Poft, und vielleicht ist nun auch der Nachtschat­ten dieser Stadt über ihn gefallen. Wenn du ihn öffnest, Freund, haucht dich ein Gedanke an, Er­innerung an einen Nachtgang durch Nürnberg...

Einer der wichtigsten Abschnitte auf dem Gebiet -er Maßnahmen zu Schutz, Erhaltung und Steige­rung der Arbeitskraft ist die Unfallverhü­tung. Um eine möglichst hohe Betriebssicherheit zu erreichen, müssen die Unfallverursachungen fest- gestellt und Gefahrenquellen, ob sie nun in der Person des Arbeiters oder in technischen Unzuläng­lichkeiten begründet liegen, beseitigt werden. Aus Untersuchungen in einem großen Industrieunter­nehmen, die Professor Walther M o e d e vorgenom­men hat und über die er in seinem soeben im Ver­lag Ferdinand Enke, Stuttgart, erschienenen Buch Arbeitstechnik" berichtet, hat sich ergeben, daß die Ivergleichsweise höchsten Unfallziffern auf solche Ar­beiter entfielen, die i m ersten D i e n st j a h r -standen. Von 560 ermittelten Unfällen kamen 40 v. H. auf Werktätige im ersten Dienstjahr, 22 v. H. auf Arbeiter dis zum dritten Jahr, 19,5 v. H. bis zum zehnten Jahr und 18,5 v. H. auf Arbeiter, die in ihrem Betrieb schon länger als zehn Jahre tätig waren. Eine Betrachtung der Un­fall-Alterskurven zeigt, daß der jugendliche Mann irotz größerer Leistungsfrische und größerer Beweg­lichkeit der Unsckllmöglichkeit stärker ausgesetzt ist als der ältere. Neben Gefahrunkenntnis spielen Un­vorsichtigkeit und Leichtsinn, ja eine gewisse Freude an Gefahrumständen in der Geschichte der Betriebs- nnfälle eine bedeutende Rolle. Man denke nur an den Geschwindigkeitsrausch jugendlicher Fahrer.

Aufschlußreich ist auch der Verlauf der Tages- nnt) Stunden-Unsallkuroen. Es ist beobachtet wor­ben, daß die größte Unfallhäufigkeit vielfach i n bet zweiten Hälfte des Vormittags liegt, also zu einer Zeit, in der in Betrieben mittel« schwerer Arbeit ein Leistungshöchststand erreicht wird. Der Arbeiter ist dann bei seiner Tätigkeit so warm geworden" und versieht die meisten Hand­griffe wie automattsch, daß hier zugleich auch die Voraussetzungen für Fehler entstehen. Um Er- wüdungserscheinungen handelt es sich bei dieser Tageszeit nicht. Innerhalb der Arbeitswoche weist 3) e r Montqg vielfach die größte Unfallhäufigkeit auf, was damit zu erklären fein dürste, daß sich Körper und Geist nach der sonntäglichen Ruhepause erst wieder auf die Arbeitsverhältnisse umstellen müssen.

Die Untersuchung ergibt nicht selten, daß die Fälle höherer Gewalt unter den Unsallur- sachen überwiegen. Aus dem Bericht des Betriebs­sicherheitsausschusses der Deutschen Reichsbahn über bie Ursachen der Entgleisungen und Zusammenstöße sowie des Ueberfahrenwerdens von Fuhrwerken ist zu entnehmen, daß auch ein erheblicher Teil auf Gründe zurückzuführen ist, für die Personen nicht unmittelbar verantwortlich gemacht werden konn­ten. Bei den Entgleisungen wurden für etwa 4 v. H. Naturgewalt und böswillige Handlungen, für rund 28 v. H. Mängel der Einrichtungen und nur für 215 v. H. Fehlhandlungen im Fahrdienst ange­geben.Auch in einem gut geleiteten Betrieb wer­den Unfälle eintreten durch eine Mehrheit, Mannig­faltigkeit und Verflechtung von Ursachen, dagegen sollten Unfälle durch eine Einförmigkeit stets

Der Bereich des Arbeits- und Berufslebens im Betrieb ist von der Wissenschaft erst verhältnis­mäßig spät erschlossen worden, eine Tatsache, die um so erstaunlicher ist, als sich ein großer Teil unseres Daseins im Arbeitsraum, an der Arbeits­stätte abspielt. Eine Sorgfältig durchdachte und prak­tisch erprobte Lehre von der handwerklichen und geistigen Arbeit mit ihren mannigfaltigen Einzel- fragen ist erst im allmählichen Ausbau begriffen. Jedenfalls wird heute nicht mehr bestritten, daß es zur zweckvollen Gestaltung der Arbeitsplätze und zur Erzielung von Höchstleistungen unumgänglich notwendig ist, die Beschaffenheit der Werkzeuge und Maschinen, den Leistungsablauf der Arbeiter, die Möglichkeiten der Schulung und Uebung, sowie Er­müdungserscheinungen und andere Störungs- oder Gefahrenmomente genau zu kennen.