3n wessen Vesstz ist Adua?
Oie Abessinier melden die Zurückeroberung der Stadt.
Oie Italiener melden Ruhe an der Front.
Addis Abeba, 9. Ott. (DNB.) Nach den letz, ten in der Hauptstadt von der Nordfront eingetroffenen Meldungen sollen in der vergangenen Nacht Adua und Adigrat von den abessinischen Truppen nach einem blutigen Einzelkampf zurückerobert worden sein. Die italienischen Truppen waren bereits damit beschäftigt, sich in den von ihnen besetzten Städten einzurichten, als die abessinischen Soldaten angriffen. Die Verfassung der abessinischen Truppen sei „aus- gezeichnet", ihre Führer seien kaum in der Lage, sie zurückzuhalten, da sie ständig angreifen wollen. Es hat demnach den Anschein, als ob die aus der Hauptstadt an die Truppen ergangenen Weisungen sich zurückzuziehen und den Gegner ins Gebirge zu locken, von den örtlichen Befehlshabern nicht immer durchgeführt werden können. Die Nachricht von der Einnahme der Adi C a i e in Eritrea ist bisher un- bestätigt.
InRorn werden die Nachrichten über eine Rückeroberung Aduas durch abessinische Truppen dementiert mit dem Hinweis auf den heutigen italienischen Heeresbericht, der feststellt, daß am Dienstag auf der ganzen Front Ruhe herrschte. Bei der Unwegsamkeit des ohnehin schwierigen Geländes sei es im übrigen mehr als natürlich, daß nach dem erfolgreichen ersten Vorstürmen der italienischen Truppen zuerst die rückwärtigen Verbindungen ausgebaut und in der Zwischenzeit alle technischen Vorbereitungen für die zweite Etappe des Vormarsches getroffen
würden. Nach dem heutigen Stand dieser Vorbereitungen gelte der Fall von Akuam als unmittelbar bevorstehend. Der Vormarsch werde auf jeden Fall fortgesetzt und sei an- gesichts der Lage in Genf nur noch notwendiger geworden. Nach italienischer Ansicht seien alle Möglichkeiten eines gütlichen Vergleiches erschöpft, so daß der italienisch-abessinische Streitfall nur noch mit den Waffen ausgetragen werden könne. Das schließe freilich eine weitere Aussprache Italiens mit den beiden Hauptinteressenten Frankreich und England nicht aus. Durch eine solche Aussprache könnte aber die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Italien und Abessinien nicht aufgehalten werden.
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„Times" meint, daß die bisherigen italienischen Erfolge in Abessinien nicht sehr überzeugend seien. Das englische Publikum sei höchst überrascht, daß der italienische Vormarsch nicht schneller vor sich gegangen sei. Man sei der Ansicht, daß Italien wenig Ursache habe, sich seiner militärischen Leistungen zu rühmen. „Daily Telegraph" meldet aus Rom, die Tatsache, daß bisher keine italienischen Verlust Ziffern veröffentlicht worden seien, habe bei vielen Italienern die Befürchtung erweckt, daß die Verluste der italienischen Truppen schwer seien. Seit der Erstürmung von Adua am Sonntag habe die italienische Armee s o g u t wie keine Fortschritte gemacht.
Ausreise zum Kriegsschauplatz.
Von unserem Or. Ho.dZonderberichterstafter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
An Bord Dampfer „Saturnia", 30. Sept. 1935.
Ein Aufenthalt von fast vier Wochen i n R o m sollte wahrlich genügen, dem unbefangenen Beobachter ein einigermaßen klares Bild vom Werden, Wollen und den ausgesprochenen oder nicht ausgesprochenen Hoffnungen des neuen Italien zu vermitteln. Und doch: erst an Bord eines der in sich steigerndem Rhythmus nach Ostafrika auslaufenden Truppentransportschiffe erhält man einen unmittelbaren Eindruck von dem, was heute in den Herzen und Hirnen der Nach- tahren Altroms vorgeht. Erst dort verdichtet sich der Einblick, den man in Rom in die politische und diplomatische Seite einer Bewegung zu nehmen vermochte, diese umrahmt von einem Aufgebot ansprechendster Mittel, nicht nur der Welt sondern auch den breiten Dolksmassen zu beweisen, und immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, daß ein Volk wieder Geschichte zu machen berufen sei, daß ein Volk ohne Raum neue Siedlungsgebiete zu suchen habe, daß eine Jugend ohne Zukunft nur auf den Spuren der altrömischen Eroberer ihre Hoffnungen verwirklichen könne.
Vier Wochen Wartens in Rom — Auswirkung der Genfer Verhandlungen — dann endlich kommt der Befehl: „Presse zur Ausreise bereit machen!" Vierundzwanzig ausländische und ita- lienische Sonderberichterstatter verlassen am Samstag, dem 27. September die italienische Hauptstadt, noch ganz unter dem Eindruck der letzten Erklärungen des Duce, daß Italien den Völkerbund nur verlassen werde, wenn ... Ein ,Wenn", über das verschiedene Ansichten herrschen mögen, obwohl die Mehrzahl der Stimmen der Annahme zuzuneigen scheint, daß dieses „Wenn" in greifbare Nähe zu rücken scheint.
Durch die Nacht rollt der Zug nach Tarent, dem süditalienischen Hafen fast griechischen Gepräges, in dem der Luxusdampfer der Consulich-Linie „S. S. Saturnia" zur Aufnahme von rund 4000 Mann der norditalienischen Division „Gran- fass o" unter Führung des Herzogs von Bergamo bereit liegt.
Ueberall Sonne, die Sonne Homers, die uns bis Port Said ihr Geleit geben wird. Ueberall auch Anzeichen jener Unruhe, die die Ausreise sämtlicher Truppentransportschifte kennzeichnet. Besondere Ausweise sind für das Betreten des Marinearsenals notwendig, wo an einem Quai die weiße Silhouette der „Saturnia" aufblinkt. Liebenswürdig die Hafenkommandantur, noch liebenswürdiger der Militärkommandant der „Saturnia", der sich die pflegliche Behandlung der Pressevertreter besonders angelegen sein läßt. Wir hatten erwartet, als Streiter der Feder irgendwie mit den Truppen kampieren zu müssen. Stattdessen sind wir zu zweit in den Luxuskabinen des Ozeanriesen untergebracht, umgeben von allen Annehmlichkeiten einer Mittelmeerreise.. Wären nicht die vielen fast regelwidrig anmutenden Ausrüstungsgegenständen, angefangen mit den Tropenhelmen bis zu den Seesäcken und Seekisten, die von vormittags 10 Uhr ab an Bord zu wandern
beginnen, dann könnte man glauben, für zwei oder drei Wochen sei eine Vergnügungsreise anzutreten.
Um 10 Uhr beginnt auch d i e Einschiffung der Truppen. In verschiedenen Abteilungen rücken sie, kriegsmäßig ausgerüstet, vom Bahnhof an: alles handfeste, braungebrannte Kerle. Am Quai herrscht ein ununterbrochenes Gehen und Kommen, aus dem die südländischen Pferdedroschkenkutscher möglichst Nutzen zu ziehen versuchen. Reibungslos wickelt sich die lieber nähme an Bord ab. Um 14 Uhr sind die letzten Mannschaften untergebracht. 30 Minuten später ertönt der Befehl: „alle Mann an Bord!" Die Zugbrücken gehen hoch die Maschinen fangen langsam an zu fingen, fast unmerklick gleitet das Schiff unter den Hochrufen der im Arsenal weilenden Marinesoldaten und Arbeiter und unter dem Tücherschwenken und dem Winken der wenigen zugelassenen Zivilpersonen dem Binnenhafen zu.
Einige Barkassen rauschen heran. In der vordersten Kronprinz Umberto, der an Bord steigt, um dem Herzog von Bergamo, den Offizieren und Mannschaften die letzten Grüße und Wünsche der Heimat, des königlichen Hauses und der Reaie- rung zu überbringen. Brausende Hochrufe auf den König und den Duce sind die Antwort. Als der königliche Gast von Bord gegangen, nimmt die „Saturnia" unter den Klängen der Giovinezza langsam Kurs auf den ins offene Meer führenden Einfahrtkanal. Wasserflugzeuge beginnen über dem Schiff zu kreuzen, einige Torpedo- boutsjäger geben ihm das Geleit, während auf allen im Hafen liegenden Kriegsfahrzeugen die Besatzungen Paradeaufftellung genommen haben.
Dann die Fahrt durch den kleinen Kanal. Die Quais und ihre Zufahrtsstraßen sind schwarz von einer riesigen Mens chenmenge, deren Jubel kein Ende nimmt. Musikkapellen der faschistischen Verbände grüßen vom Ufer her mit vaterländischen Liedern, von Bard erwidert die Kapelle des „Gransasso". In den Masten hängen wie Bienenschwärme Tropenhelme schwenkende Gestalten. Am Horizont will die Sonne bereits ihre Bahn vollenden. Noch ein letztes Aufbrausen der begeisterten Massen, noch ein letztes Winken und Rufen von hüben und drüben, schließlich eine im Abenddämmer verhallende Abschiedsfalve eines Torpedobootjägers. Noch ein letztes Aufblinken des Molenleuchtturmes ... dann rauscht das auf Tourenzahl gebrachte Schiff feiner Bestimmung entgegen.
Die erste Fühlungnahme mit den Offizieren beim gemeinsamen Abendessen, anschließend ein zwangloses Beisammensein in den von einstiger Pracht zeugenden Räumen des Luxusdampfers. Gruppen bilden sich, Gespräche bahnen sich an, Freundschaften werden geschlossen, Zukunftspläne erörtert. Ein herzlicher kameradschaftlicher Ton herrscht zwischen allen, ein Gefühl innerer Verbundenheit unter den Offizieren und Mannschaften. Unter den ersteren sind viele Freiwillige, welche es nicht nötig gehabt hätten, ihren Beruf aufzugeben oder ihre Berufsausbildung zu unterbrechen. Sie alle wollen Neuland ent
decken aus der Ueberzeugung heraus, daß der Mensch nicht um seiner selbst willen lebt, sondern um eines großen Zieles willen; und dieses Ziel heißt für sie alle: das größere Italien. Ein jeder gibt auf die Frage, ob er gern „nach unten" gehe, die gleiche von Siegeswillen getragene Antwort: „Und wie!" Viele wollen unten bleiben, dort eine neue Heimat gründen, wollen pflanzen und ernten, Pioniere fein gleich jenen altrömischen Legionären, die in den eroberten Gebieten mit Pflug und Schwert in der Hand Grenzwacht hielten. Diele Studenten mit dem Transport, einige A b - geordnete, eine Reihe von Wissenschaftlern und Technikern. „Wir wollen kämpfen" ruft mir ein junger Student der Rechte zu. „Der Krieg ist der Vater aller Dinge"--Erster Ein
druck, den ich von meinem ersten Tag an Bord in die Kabine mitnehme.
Die Lichter verloschen, am Bug rauschen die langziehenden Wellen des Mittelmeeres. Eine sternüber- fäte Nacht bringt Ruhe ins Schiff, das am Morgen des kommenden Tages die letzten westlichen Ausläufer der griechischen Inselgruppen passiert.
Die Tage bis Port Said, das wir in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch erreichen, vergehen wie im Fluge. Man wird an Bord heimisch. Die See fordert von einigen Fahrgästen ihren Tribut. Unter der liebenswürdigen Führung eines Hauptmannes der Artillerie kann ich die Mannschaftslogis besichtigen und mit den Leuten, darunter auch einigen aus Südtirol, sprechen. Sämtliche an Bord befindliche Soldaten sind im Frühjahr eingezogen worden. Sie haben d i e Manöver bei Bozen hinter sich und hatten vielleicht gehofft, anschließend zu ihren Berufen zurückkehren zu können. Aber keinerlei Unwille, keinerlei Unzufriedenheit, im Gegenteil: auch bei ihnen, die zumeist zum ersten Male das Meer sehen ober gar befahren — die meisten stammen aus den norditalienischen Provinzen — und deshalb von der Seekrankheit nicht völlig verschont bleiben, eine frohe Stimung, eine fast rührend anmutende Anhänglichkeit an ihre Vorgesetzten und der unbedingte Wille, mit ihnen durch dick und dünn zu gehen. Abessinien mag für viele von ihnen ein ziemlich verschwommener Begriff sein, aber von der Ueberzeugung, daß sie für eine große Auf» gäbe sich einsetzen sollen und werden, sind alle durchdrungen.
Kreuzfahrer st immung an Bord, — das scheint mir die treffendste Bezeichnung zu sein, Kreuzfahrer nicht nur nach dem Willen des obersten Lenkers der politischen Geschicke Italiens, sondern auch aus innerer und eigener Ueberzeugung. Dieser Eindruck wurde bestätigt durch die am Dienstag-, vormittag abgehaltene B o r d m e s s e. Unwillkürlich schweiften die Gedanken nach Deutschland, nach der engeren östlichen Heimat, von den Deutschrittern dem deutschen Pflug zurückgewonnen. Kreuzfahrer- ffimmung auch damals, als wir jungen Freiwilligen 1914 gen Osten zogen. Ein Volk war im Aufbruch, wurde niedergerungen und ist wieder auferstanden. Ein anderes Volk ist heute im Aufbruch. Man glaubt in Italien den Tritt der römischen Legionen zu vernehmen: „Gebt Raum, ihr Völker, unferm Schritt!"
Oie Entwicklung des Arbeitseinsatzes.
Berlin, 9. DEL (DNB.) Die Zahl kier bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen ist im September leicht, und zwar um rund 7000 auf 1713 693 gestiegen. Während von den Außen- berufen die Landwirtschaft in fast allen Bezirken mit Ausnahme Bayerns und Südwestdeutschlands noch Kräfte aufnehmen konnte und auch im Baugewerbe trotz des außerordentlich hohen Befchäftigungsstandes der Vormonate sich noch keine nennenswerte faisonmäßige Abschwächung zeigte, brachte der Saison- abschluß im Fremdenverkehr Zugänge an Arbeitslosen im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe, in der Gruppe des Gesundheitswesens und der Körperpflege (Friseure und Badewärter) und bei den häuslichen Diensten. Demgegenüber wiesen die konjunkturabhängigen Berizfsgruppen eine bemerkenswerte Festigkeit des Beschäftigungsgrades auf. In der Eisen- und M e t a l l e r z e u g u n g und Verarbeitung blieb der hohe Beschäftigungsstand voll erhalten. Im Bergbau besserten sich die Unterbringungsmöglichkeiten im Arbeitseinsatz gegenüber den Vormonaten. Auch das Holz - und Schnitz st affgemerbe, die Le- dererzeugung und -Verarbeitung, die Papiererzeugung und -Verarbeitung und das Bekleidungsgewerbe waren recht aufnahmefähig und hatten teilweise einen beachtlichen Abgang an Arbeitslosen.
Bei Wertung der jetzigen Zunahme der Arbeitslosenzahl ist zu beachten, daß weitere Notstandsarbeiten beendet und die dort beschäftigten Arbeiter entlassen worden sind. Der Zugang “ an entlassenen Notstandsarbeitern betrug 12 765 und ist für sich allein erheblich großer als die gesamte Steigerung der Arbeitslosenzahl. Hinzu
kommt, daß die Entlassung der Arbetts- männer aus dem Arbeitsdienst unmittelbar vor dem für die Zählung der Arbeitslosen maß- gebende Stichtag war und sich deshalb die natür- liche kurze Spanne bis zur Einstellung in die Wehrmacht oder den Uebergang in eine Arbeitsstelle in der Arbeitslosenzahl ausdrücken mußte. Zum ersten Male seit 1929 ist die Zahl der Arbeitslosen in der Reichshauptstadt Berlin unter 200 000 gesunken. Das bedeutet gegenüber dem Höchststand am 31. Januar 1933 einen Rückgang um mehr als zwei Drittel.
Oberste SA.-Führung und Kösener OG.
München, 9. Oft. (DNB.) Auf die wieder- holten Eingaben von Angehörigen des Kösener SC., ob sich die Einstellung der Dberften SA.- Führung nach der Auslösung des Kösener SC.-Verbandes geändert habe, wird mitgeteilt:
Eine Veranlassung zur Zurücknahme des Verbots der Zugehörigkeit ist nicht gegeben. Daran ändert auch die inzwischen erfolgte Auflösung des SC.^Derbandes nichts. Für die Oberste SA.-Füh- rung handelt es sich nicht darum, ob das eine Korps mehr oder weniger nationalsozialistisch eingestellt ist, sondern darum, daß es den Korps in ihrer Gesamtheit nicht gelang, sich innerhalb der zweieinhalb Jahre nach der Machtübernahme aus sich selbst zu einer klaren Stellung zum Judentum aufzuschwingen. Es ist nicht Aufgabe der Obersten SA.-Führung, Richter über jedes einzelne Korps zu spielen und sich in Streitigkeiten aller gegen alle einzumischen. Die Korps mögen erst im eigenen Hause Ordnung schaffen und entsprechend la n ge 3 eit unter Beweis ft eilen, daß alles im Sinne des Nationalsozialismus geregelt ist. Vorher wird an der Verfügung der Obersten SA.-Führung nichts geändert.
Bor Neuwahlen in England.
London, 10. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die Presse rechnet damit, daß die englische Regierung bereits Ende November — man spricht vom 21. oder 28. November — die Neuwahlen für das Parlament ausschreiben wird. Die endgültige Entscheidung darüber wird voraussichtlich davon abhängen, ob die Entwicklung in Gens im Sinne der englischen Regierung verläuft. Die Aussichten der nationalen Regierung Baldwins bei den Wahlen werden in der gegenwärtigen Lage, in der die überwältigende Mehrheit des englischen Volkes sich hinter die außenpolitischen Entscheidungen stellt, als besonders günstig betrachtet.
Der „Daily Telegraph" meldet, man sei der Ansicht, daß die Wählerschaft Gelegenheit Haden müsse, zur A u f r ü st u n g s p o l i t i k der Regierung Stellung zu nehmen. Die Regierung werde wahrscheinlich unter dem Schlagwort „Verteidigung und wirt- schriftliche Entwicklung" in die Wahlen gehen. Eine Neuwahl wird die Entschlossenheit der britischen Nation beweisen, den Frieden durch kollektives Zusammengehen aufrechtzuerhalten, und die Bereitschaft zu jedem Opfer, 'das eine solche Politik verlangt. „Daily Mail" sagt, eine baldige Neuwahl sei unvermeidlicher als je, um der Regierung aus- gedehnte Vollmachten zur Wiederaufrüstung zu er. teilen. Die Oppositionspresse ist wenig erfreut und spricht von einem „Erpressungs- m a n ö d e r", das in einem Augenblick eingeschla- gen werde, in dem die Opposition durch die Umstände zu einer Unterstützung der Außenpolitik der Regierung gezwungen werde.
Aus aller Wett.
Das Todesurteil gegen Hauptmann bestätigt.
Das höchste New Jerseyer Gericht „Court of Errors and Appeals" bestätigte das Todesurteil gegen Hauptmann, der, wie erinner- lief), beschuldigt worden ist, das Kind des Ehepaares Lindbergh entführt und getötet zu haben. Es wird betont, daß trotzdem für Hauptmann noch drei Berufungsmöglichkeiten offenstehen. Erstens kann Hauptmann sich an den New Jerseyer Gerichtshof „Court of Pardons" wenden, der aus dem Gouverneur und sechs Richtern des „Court of Errors and Appeals" besteht. Dieses Gericht verweigert jedoch gewöhnlich derartige Anträge, falls nicht mildernde Umstände vorliegen; es kann Höch- ftens die Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umwandeln. Ferner kann Hauptman eine neue Verhandlung vor dem New Jerseyer Gericht beantragen auf Grund neuen Beweismaterials, wozu feine Der- leidiger bereit find. Schließlich steht es Hauptmann frei, das Oberste Bundesgericht in Washington anzurufen, wenn seine Verteidiger nachweisen können, daß die verfassungsmäßigen Rechte des Angeklagten verletzt worden sind.
Für die uns beim Ableben unseres lieben Entschlafenen erwiesene herzliche Teilnahme, insbesondere für die ehrenvollen Nachrufe und herrlichen Kranzspenden, sagen wir hiermit unseren herzlichen Dank.
Katharine Hannawacker und Sohn.
Gießen (Seltersweg 75), den 9. Okt. 1935.
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