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Nr. 287 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)

Montag, 9. Dezember (935

SJl.-tfpOTt

und Lebendigkeit mehr als alles andere die mei­sten Kinder beschäftigt. Schon längst gibt es wohl keine Abart und Sonderform des Kraftfahr­zeuges mehr, die nicht im Kleinen für das Kind nachgebaut wird, von der einfachsten und billigsten Blechausführung bis zum stabilsten Wagen, an dem auch nicht die kleinsteSchikane" fehlen darf. Besonders beliebt sind neuerdings ganz kleine, schwere motorlose Wagen, die, vermöge ihrer vor­züglich gelagerten Achsen, schon mit dem kleinsten Schwung viele Meter weit fahren können. Einem anderen kleinen Auto mit Federmotor ist durch eine wirklich geistreiche eingebaute Vorrichtung die Fä­higkeit verliehen, niemals vom Tisch zu fal­len. Es gibt eine kleine Garage mit einer im Dach verborgenen elektrischen Batterie. Der Wagen wird eingeschoben und an der Rückwand durch einen kleinen Elektro-Magneten festgehalten; man klopft auf den Tisch, und selbsttätig rollt der Wagen aus der Garage. Es gibt auch eine Auto-Repara­tur w e rk st a t t, in der nichts fehlt, nicht der Werktisch und die Hebebühne noch die batteriebetrie­bene elektrische Handlampe. Auch die Autobahn ist vorhanden, mit einer und zwei Fahrbahnen, mit Ueberführungen und nach Wahl für Wagen ohne Antrieb oder mit Federmotor oder auch mit elek­trischem Antrieb. Kleine Rennboote fahren mit eingebauten Federmotoren unvorstellbar schnell, und U-Boote mit Uhrwerken, mit Tiefrudern, mit Kommando-Turm und Periskop, mit Geschütz­türmen und Rettungsboot tauchen unter und kom­men wieder an die Oberfläche. Flugzeuge alle? Größen und Ausführungsformen find nach wie vor sehr beliebt, und ein Zeppelin-Luft­schi ff haben wir sogar schon mit eingebautem

Maurermeister-Baukasten, der Steinchen in Ziegelsteinform enthält, die wesentlich kleiner sind als die des bekannten Anker-Steinbaukastens. Mit Hilfe zwischengelegter Papp-Streifen und eines bei­gegebenen Bindemittels kann man die Steinchen zu richtigen Häusern zusammenkleben und so bauen, wie der Maurer in der Wirklichkeit baut. Natürlich ist der Leim in Wasser auflösbar, fo daß man die Steine immer wieder verwenden kann. Unter den Baukästen darf auch nicht das L e h r s p i e l z e u g vergessen werden, die Sonderbaukästen für Elektro­technik, Rundfunk, Optik und Chemie, mit deren Hilfe das Kind spielend manches bisher nicht ein­nehmbare Hindernis der Wissenschaft nehmen kann, indem es sich scheinbar recht komplizierte Dinge zu­sammenbastelt oder mit deren Hilfe es sich chemische Kenntnisse verschafft, die dem alltäglichen Leben nicht fernstehen, wie etwa die der Herstellung von Seife oder Kunstseide.

Hübsch ist ein K l e i n k i n o zur Wiedergabe von Trickfilmen. Die Filme sind nur 25 Zentimeter lang, sie laufen trotzdem fünf Minuten. Sie haben zwei Bildreihen, eine oben und eine unten, die, während der Film durch den'Preßstoff-Projektor läuft, abwechselnd durchleuchtet werden, wobei zwei Lichtquellen und zwei Linsensysteme ab­wechselnd eingeschaltet werden. Als Antrieb dient ein Federmotor, als Stromquelle eine Taschenlam­penbatterie. Selbstverständlich ist der Film unoer­brennbar. Schließlich sind auch die kleinen Mädchen beim technischen Spielzeug nicht ganz vernachlässigt; außer dem elektrischen Backofen und dem elektrischen Küchenherd gibt es heute schon das elektrische Waffeleisen, und für die P Up­pen st u b e haben wir die Heizsonne und die elek­trische Krone mit drei und mehr Beleuchtungskör­pern, alles angetrieben von der Lampen-Batterie, ja, es gibt sogar eine kleine Brotschneidemaschine.

dreimal zur Kapitulation. Die Spielvereinigungs­leute waren zwar nicht müßig, hatten jedoch am gegnerischen Wurfkreis reichlich Wurfpech. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang es endlich Hammann, eine 5:4-Führung herzustellen.

Große zweite Zpielhälfte der 1900er.

Nach der Pause zogen die 1900er alle Register ihres Könnens. Die Hintermannschaft, in der Cre­mers und gegen Schluß auch der Torwart Enders hervorragten, zeigte sich fast allen Situationen ge­wachsen. Auch der Sturm, der durch die erstmalige Mitwirkung von Göing nicht unwesentlich an Durch­schlagskraft gewann, nahm die Gelegenheiten besser als in der ersten Halbzeit wahr. Oft blieb der geg­nerischen Hintermannschaft nur die regelwidrige Behinderung übrig. Die verhängten Strafwür,e wurden mit manchmal geradezu verblüffender Sicherheit von Krüger und Göing verwandelt. Da­neben wurden geschickte Kombinationszüge noch er­folgreich von Schüler und Hammann abgeschlossen. Bettenhausen, zumeist in die eigene Spielhalfte zurückgedrängt, konnte sich nur noch auf Durch­brüche verlegen. Bei einem davon konnte der Rechts-

Goethes Enkel spielen Eisenbahn.

In einem der vielen neuaufgestellten Schränke des jüngst erweiterten Goethe-National-Museums zu Weimar steht die Spielzeugeisenbahn, mit der englische Freunde Goethes seine Enkel zu Weih- nachten 1829 erfreuten. Sie ist aus Pappe gearbei­tet und mit Zinnrädern versehen und in vortreff­lichem Zustand und wird, zum erstenmal farbig wiedergegeben, im Dezemberheft von Velhagen 6- Klasings Monatsheften gezeigt. Ihr Vorbild ist derRocket", die Rakete, die Stephen- son im gleichen Jahre 1829 gebaut hatte. Der kleine Spielzeugzug besteht aus der Lokomotive, dem Sen­der und einem Personenwagen, der noch ganz der Postkutsche gleicht. Den Kindern hat das zierliche Spielzeug viel Freude gemacht:Sie kamen, um zu danken, sehr fröhlich." Bewundernswert ist, daß es trotzdem heil geblieben ist. Der weise Großvater erkannte das Gute und Böse der neuen Erfindung. Zu König Ludwig von Bayern, der die erste deut- sche Eisenbahn erbaute, äußerte er:Das Innere der Städte umgeht sie, als wenn sie nicht bestän­den, und vom Genuß der schönen Natur kann nicht mehr die Rede sein; einer eingepackten, willenlosen Ware gleich, schießt durch die schönsten Naturschon- heiten der Mensch, Länder lernt er keine mehr kennen." Doch zu Eckermann pries er im gleichen Jahre 1828 die künftigen Eisenbahnen als die Mit- tel zu einem einigen Reich. In diesem Zusammen­hang fiel das denkwürdige Wort:Vor allem sei Deutschland eins in Liebe untereinander! Unbim­mer sei es eins geg^n den auswärtigen Feind.

werke der Feinmechanik dar. Unter den neuen Wagenarten seien Kesselwagen mit Füllschrauben und Ablaß-Hähnen, Bremserhäuschen und Drehge­stellen, 4-achsige Gepäckwagen und Großgüterwa­gen mit Entlade-Vorrichtung genannt. Eine Eisenbahnbrücke kan durch Zwischenstücke be­liebig verlängert werden. Signale zeigen grü­nes oder rotes Licht, je nachdem, ob im Stellwerk aufFreie Fahrt" eingestellt ist oder aufHalt" (wobei der Zug natürlich vor demHalt"-Signal stehen bleibt).

Der elektrische Antrieb wird von Jahr zu Jahr besser durchgebildet. Er soll ja nicht nur den Strom für die Kleinbahn oder für den Baukasten­motor möglichst aus der Lichtleitung liefern und ihn auf die erforderliche niedrige Spannung um­spannen, sondern er soll auch vollkommen unge­fährlich und berührungssicher und radiostörsrei sein. Die Leistung der Transformatoren, der kleinen Um­spannwerke für Wechsel- und Gleichstrom, ist ge­steigert worden und ihr Regelbereich erweitert. Mit Hilfe einer vorgeschalteten neuen Drosselspule kann man den Motor ein- und ausschalten und ihm nach Belieben mehr oder weniger elektrische Kraft zu- führen. Es gibt einen kleinen Transformator, der nicht größer ist als eine Taschenlampen-Batte- rie und der den Lichtstrom auf etwa 4 Volt um­spannt. Regulierwiderstände mit Schnellschalter, Kurzschlußsicherung und Feinregelung erlauben eine Einstellung von 15 verschiedenen Geschwindigkeiten der Kleinbahn.

Elektromotor.

Im Jahr des 100jährigen Geburtstages der deut­schen Eisenbahn fehlt natürlich nicht der Jubi­läums-Zug, eine Nachbildung desAdlers", der vor 100 Jahren zwischen Nürnberg und Fürth fuhr. Es gibt ihn in allen Größen, mit Uhrwerk und mit elektrischem Antrieb, mit der Lokomotive mit dem langen Schornstein, mit offenen und ge­schlossenen Wagen und mit den dazugehörigen Bie­dermeier-Fahrgästen. Fast grotesk wirkt neben die­ser Erinnerung an eine längst vergangene Zeit die neuzeitliche Lokomotive, an der jede Einzelheit sorgfältigst nachgebildet ist. Wir haben die 6- achsige, ferngeschaltete S t r o m l i n i e n - L o ­rn otioe mit einem 4-achsigen Tender, mit elek­trischen Stirnlampen und Steckanschluß für Wagen­beleuchtung. Wir haben Schnelltriebwagen, durch Uhrwerk oder elektrisch betrieben, vor- und rückwärtsfahrend, wir haben v-Zug-Dampf-Loko- motiven mit richtigen, doppelt wirkenden Zylindern und Schiebersteuerung, mit Sicherheits-Ventil, Dampf-Pfeife, Wasserablaßhahn, Federpuffern, Ma­nometer, Wasferftands-Anzeiger und Speisepumpe. Wir haben den dreiteiligen Diesel-elektrischen Trieb­wagen mit Jnnenbeleuchtung. Wir haben die Zahnradbahn mit Böschungen und Brucken. Nicht nur jede kleinste Einzelheit des Zug- und Bahnhof betriebes ist für das Kind nachge­bildet worden, sondern vom Stellwerk aus wird

Oer Held.

Im Jahre 1849 war's, im Kriege gegen Däne- mark. Deralte Wrangel",Papa Wrangel , wie er allgemein vom Heere genannt wurde, hatte den Oberbefehl über die preußischen Truppen. Eines Tages leitete er, mit seiner Suite auf einer Anhöhe haltend, das Gefecht. Da fiel ihm ein blut­junger Leutnant durch feine außerordentliche Bravour auf. Er bewahrte im stärksten Kugelregen Umsicht und Kaltblütigkeit und wußte feinen Zug meisterhaft zu führen. Nach beendigtem Kampfe ließ ihn Wrangel zu sich rufen und redete ihn mit folgenden Worten an:Du haft dir heute red)t brav gehalten, mein Sohn. Das freut mir. Wie heißt denn du eijentlich?"Zu dienen, ExMenz , war die Antwortmein Name ist Hase! ,,Was? rief erstaunt der alte Eisenfresser,ooch noch Hase? Na, bann freute mir um fo mehr, mein Sohn!

Auto und Eisenbahn, Baukasten und Puppenherd

Allerhand technisches Spielzeug zu Weihnachten.

Von Dipl.-Zug. A. Lion.

10000 Handballsieg über Kassel-Hettenhausen

1900 - Tuspo Kassel-Bettenhausen 12:5 (5:4).

Die Handballanhänger, die gestern auf dem Mtv - Platz Zeugen des Treffens Gießen 1900 Kastel- Bettenhaufen waren, bekamen wieder ausgezeich­neten Sport zu sehen. Während sich die Gäste als die erwartet gefährliche , Mannschaft entpuppten, warteten die 1900er mit einer Leistung auf, mit der sie in die vorderste Reihe der nordhessischen Gau- ligavereine gestellt werden können. Die Gießener Farben vertraten: Enders; Cremers, Funke; Mann, Knop, Hofmann; Göing, Betz, Hammann, Kruger, Schüler.

Ausgeglichene erste Halbzeit.

Die Gäste legten sich sogleich mächtig ins Zeug und erwirkten einen Freiwurf, der sie durch Menkel in Führung brachte. Die Freude währte jedoch nicht lange, denn bald hatte 1900 durch Krüger ausge­glichen. Die Einheimischen kamen nun besser ins Spiel, und als sie durch weitere Tore von Ham­mann und Krüger einen 4:1-Vorsprung herausge­holt hatten, schienen sie den Bettenhäusern davon- gehen zu wollen. Diese Meinung wurde jedoch bald Lügen gestraft. Die Gäste machten sich wieder mehr frei und zwangen Enders im 1900er Tor noch

Gitterträger-Brücken.

Die besonderen Baukästen für Uhren, Beleuch­tung^ und Fernfprecher-Anlagen, für Telegraphie werden immer weiter durchgebildet, ebenso die für Kanonen, für Flugzeuge und Kraftfahrzeuge. In die Flugzeuge können zum Teil richtig arbei­tende Steuerungen eingebaut werden; mit einem Baukasten kann man bis zu 50 Flugzeug- Modelle zusammensetzen. Die bekannten Maschi­ne n - B a u k ä st e n für Drehbänke, Bohrmaschinen, Laubsägen' sind verbessert worden und, abgesehen von dem V-o-PZ-Elektromotor, durch Sonderte,le für besondere Zwecke ergänzbar. Eltzenartig ist em

Das spielende Kind will das, was es täglich sieht oder auch was es einmal gesehen hat, nach­bilden und miterleben, will gleichzeitig seine Einbildungskraft sich ausleben lassen und lernt durch beides. Die Umgebung des Kindes un­serer Zeit, die es spielend im Kleinen nachformen unö erleben will, ist aber an allen Ecken und En­den mit Technik durchsetzt, und von Jahr zu Jahr wird deshalb das Spielzeug technischer, wird gleichzeitig aber auch das spielende Kind, was die Angleichung an die technische Wirklichkeit be­trifft, anspruchsvoller. Und die Industrie folgt gern diesen vielfältigen Ansprüchen.

Da ist es der Verkehr, der in feiner Vielfalt

Aufwärts im Iugend-Spielbetrieb des Gaues Nordheffen.

Eine erfreuliche Entwicklung der Jugendabteilun­gen hat sich nach den neuerlichen Feststellungen des Jugendwartes im Gau Nordheffen ergeben. Im Spieljahr 1934/35 beteiligten sich an den Pfücht- fpielen 276 Jugendmannschaften und rund 117 Knabenmannschaften mit rund 5650 Spielern. Das Spieljahr 1935/36 sah in den bisherigen Pflicht- spielen 477 Jugend- und 155 Knabenmannschaften mit rund 8800 Spielern. Dieser Aufschwung ist im wesentlichen auf die Neuorganisation des Jugend­wesens im Deutschen Fußballbund zurückzufuhren.

DerGlub" wurde Pokalmeister.

Schalke 04 verdient mit 2:0 (0:0) geschlagen.

Das erste Pokalendspiel des Deutschen Fußball- Bundes, das am Sonntag vor 55 000 Zuschauern im Düsseldorfer Rheinstadion stattfand, hatte ziem­lich unter der unfreundlichen Witterung zu leiden. Durch Schnee und Regen zeitweise schneite es auch während des Spieles war der Boden sehr glatt geworden und stellte an die Spieler große Anforderungen in bezug auf Körperbeherrfchung und Ballkontrolle. Unerwarteterweise fanden sich aber die Nürnberger damit weitaus besser ab als die Schalter, die von der Mitte der ersten Halbzeit ab mehr und mehr in die Verteidigung gedrängt

Selbst kleinste Holzklotz-Baukästen haben heute schon ein Laufwerk. Neuartige Baukästen ver­suchen wieder mehr die Flächenwirkung zu erzielen, die bei den meisten Metallbaukästen fehlt, die mehr das Grundsätzliche der Konstruktion und der Bewegung zeigen. Einer dieser Baukästen ent­hält neben Rädern und Klötzchen bemalbare und abwaschbare, mit Löchern und Schlitzen versehene Platten und gelenkige Verbindungsteile aus Metall. Häuser, Maschinen, Möbel, Schiffe und Flugzeuge können mit großer Aehnlichkeit und entsprechender Wirkung nachgebaut werden. Ein anderer Bau­kasten besteht hauptsächlich aus Platten mit Schar­nieren und kleinen Stangen; er ist einfacher und nicht fo vielgestaltig. Zum Bau von besonderen Maschinengattungen gibt es heute besondere Zu­satz k ä st e n ; so solche für Transport-Anlagen, also Bagger, Becherwerke, Elevatoren oder für Brücken­bau. Uebrigens gibt es auch einen besonderen Brückenbaukasten zum Bau von langen

Wesentliche, auf die großen Limen und Zusammen- hänge der europäischen Staats- und Kirchenpolitik I jenes 12. Jahrhunderts bedacht, in ein Dutzend Ka- . pitel, deren jedes eine für Konftanzes Leben als i Frau, als Mensch, als Fürstin und Repräsentantin des Reiches wesentliche, ja entscheidende Station < und politisch-diplomatische Konstellation umschreibt. Dabei hat Benrath, wie er gleich im voraus be­merkt, auf alle Milieuschilderung verzich et; und seine Gestalten sprechen, wie ebenfalls einleuchtend begründet wird, durchaus die Sprache unserer 3eit Es klingt zunächst befremdend, in einer, roenn auch politisch-psychologischen, Gestaltung der Stauferseu, auf Begriffe wie Nichtangriffspakt Reichswehr- fteuer, neutrales Schiedsgericht, Weftmachte, Auf­rüstung und nationales Arbeitsprogramm zu stoßen, das klingt wie aus der Tageszeitung von heute, aber man gewöhnt sich daran, sobald man über­haupt erst einmal über die erften fünfzig Seiten hinweg und zu den eigentlichen Problemen des Buches vorgedrungen ist. Daß dies ohnehmi für den durchschnittlichen Leser eine nicht ganz leichte, leden- fallr Hingabe und Sammlung erfordernde Lektüre ist, braucht kaum betont zu werden, denn den meisten Lesern wird nicht nur der Stoff an sich seit ihrer Schulzeit ziemlich ferngerückt oder allenfalls nur: m den gröbsten Umrissen noch gegenwärtig Jem und das Eindringen in diese gewiß fesselnde, bunte►, bc- roeqte romantische, von dramatischer Spannung bebende Welt wird bestimmt nicht erleichtert wenn man anfangs immer wieder unterbrechen und bald vor- ba b zurückblättern muß, um sich erft einmal biedramatis personae ein,prägen, dw der kaiserlichen, der sizilischen, der päpstlichen, der wel- ischen oder der englischen Partei angeboren, und beren namentliche Aufzählung allein fast vier Sei­ten bean prucht; ober um sich auf ber Stammtet ber normännisch - hohenstaufischen Verwanbtschaft di- genealogischen Verhältnisse klarzumachen deren K-nntnss zum Verständnis des Buches unerläßlich ist Erst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, wird der Leser die Leistung überschauen und wur- :Jen können, wird er begreifen, wie hier der Stil der erwähnten Vorläuser sich wiederholt und m der Anwendung auf eine historische Gegebenheit auch : hier war vielleicht nur diese ->nz-g°

: Sorm möglich, und da diese Form von Anfang b,s aanr zuletzt im Einklang bleibt Mit dem großen, weltgeschichtlich wie menschlich-seelenhast b^euten- ; "en Gegenstand-, läßt das Buch von der Kaiserin

Konstanze die beiden modernen Romane Benraths weit hinter sich: es bietet keine Angriffsflächen wie diese und verliert nirgends an Niveau, fonbern es behält die Krast der Durchdringung bis zuletzt.

* §°nry F/n^^einen° 8,5° "Deutsche und Berlin. - (368) -

Durchbringung bebeutet hier nicht nur äußere Be­herrschung bes Stoffes, bie ja selbstverstänbliche Vor­aussetzung ist, fonbern Sichtbarmachung ber Zusam­menhänge unb Verbinbungslinien im politischen Raum, Ersühlung unb (Erhellung ber Kräfte unb Gegenkräfte im Innern, im Menschlichen unb Seeli­schen ber hcmbelnben unb leibenben Gestalten. Das führte ganz folgerichtig zurück zur Form vonKo- bolnow": bie entscheibenben Szenen entwickeln sich im Gespräch, aus Rebe unb Gegenrebe, also im eigentlichen Sinne bramatisch, wie es ja ber inneren unb äußeren Situation ber Fabel entspricht. Brief­stellen, Tagebuch-Aufzeichnungen unb sparsamste direkte Schilberung ergänzen bas Grunbgefüge ber Romanarchitektur, wenn man überhaupt von diesem Buche als von einem Roman sprechen kann, in dem ja boch nichtserfunben", fonbern nur Ge­gebenes, einmalig Unverrückbares nachgezeichnet, zufammengefchaut unb in feinen innersten Beweg- qrünben unb Triebkräften freigelegt würbe: Hein­richs Kampf um Sizilien, Konftanzes Kampf um ihr Erbe, beiber Kampf um ben ersehnten, spat geborenen Sohn, ben nachmaligen Kaiser Frieb- rich ii., vor allem aber Konftanzes Kampf roiber Heinrich: hier wirb in zwei äußersten menschlichen Gegenkräften ber Sinn aller Kämpfe biefes Staufer- jahrhunberts zusamengefaßt:wie eine übernatio­nal-imperiale, ibeegeborene Staatsauffassung burch- brochen unb schließlich gesprengt wirb durch ein na­tionales, artgeborenes Staatsgefühl". Es sinb bannt nur ein paar Stichworte für jene erwähnten unb durch bie offizielle Geschichtsschreibung längst be­glaubigten Gegebenheiten festgehalten. Das Buch selbst entwickelt mehr, als in einem räumlich be­grenzten Referat beschrieben werben könnte. Es mag genügen, bie Bebeutung bes Buches bann zu erkennen, baß es einen gewichtigen Bestandteil mittelalterlicher beutscher Kaisergeschichte nicht nur neu unb mit neuartigen Mitteln nachgestaltet, son- bern ihn geistig-seelisch durchdringt erhellt unb so dem späten Betrachter aus unserer Zett beglaubigt.

Hochstkuinacknchien

Der Dozent für Physiologie an ber Universität Frankfurt, Prof. Dr. E. Lehnartz ist m , gleicher Eigenschaft in bie Mebizinische Fakultät ber

Universität Göttingen überaetreten .

Der Reichs- unb Preußische Wisienschaftsmimster r hat ben ao. Professor Dr. Hubert S ch r a b e an ber i Universität Heibelberg mft 2k"kung vom 1. November b. I. mit ber vertretungsweisen Wahr- nehmung des neuerrichteten Lehrstuhls für neuere . Kunstgeschichte beauftragt.

würben. Die 55 000 Zuschauer, unter benen sich auch zahlreiche Nürnberaer befanben, sahen biese Sensation" mit wachsenbem Staunen, hatte man boch allgemein unb nicht nur in Westbeutschlanb mit einem klaren Erfolg berKnappen" gerech­net. DerClub" aber, bie beutsche Traditions- Mannschaft, machte alle Hoffnungen ber Westdeut- schen burch eine glänzenbe Leistung zunichte unb entführte mit einem klaren unb oerbienten 2:0- (O.O)-Sieg ben ersten beutschen Pokalmeifter-Titel nach Sübbeutschlanb.

Gin tragischer Todesfall.

Herzschlag des Vereinsführers von Union Niederrad.

Der Sübwest - ©auligaoerein Union Niederrod mürbe am Sonntag von einem herben Geschick betroffen. In ber Halle auf bem Sportplätze würbe vor bem Meisterschaftsspiel gegen ben FK. Pirma- fens ein von ben Spielern ber 1. Mannschaft bem Verein gestiftetes Bilb des kürzlich verstorbenen Spielers Arthur Bonfig enthüllt. Der Veremsfuh- rer Gewerbeschul-Direktor Bobe übernahm bas Bild mit Worten bes Dankes in bie Obhut bes Vereins. Mitten während seiner Ansprache brach Direktor Bode plötzlich zusammen und herbei­gerufene Aerzte konnten nur noch ben Tob feft- steilen. Die Niederräber Union hat mit dem Ab­leben von Direktor Bode einen schweren Verlust erlitten.

Die Kaiserin Konstanze.

Ein neues Buch von Henri, Benrath.

Benrath, dessen früher erschienene Romane ^Ball auf Schloß Kobolnow" undDie Mutter der Wels- beit" wir seinerzeit ausführlich besprochen Haven, legt mit berKaiserin Konftanze" ein drtttes Buch vor bas von ben beiben Vorläufern stofflich im gleichen Maße unb fchlechterbings unvergleichbar geschieben ist, wie es sich formal mit: i$neni berührt; das heißt: es setzt stilistisch mit erstaunlicher Kon­sequenz bie bort begonnene Linie fort. Erstaunlich auf den ersten Blick, weil eine Form, die ganz aus das Gegenwärtige einer Fabel geachtet zu fern schien, hier auf einen sehr fernen, völlig Asturischen unb historisch zu roertenben Stoff bezogen unb auf ein geschichtliches Thema projiziert würbe. Einen Stoff übrigens, wie man gleich dugeben muß, von sehr großem, ja entmutigenbem Umfana un^ Aus­maß. Benraths Vorwort beginnt:Dieses Buch ist die bichterisch-gebrängte Darstellung ejnes h^mschen Frauenlebens, welches in ber zweiten Halste des zwölften Jahrhunberts verlief unb bie Kampfe dieser Zeit spiegelt." Das ist nicht zu viel gesagt unb sogar mit Bescheibenheit gesprochen, benn m Der Tat ist in ber Darstellung Konstanzes, ber Tochter König Rogers II. unb Erbin von (Selten, ber ben ­schen Kaiserin unb Gemahlin Heinrichs VI., emi meit- gefpanntes und sehr sigurenreiches Bild großer mittelalterlicher Politik und Geschichte entwickelt worben bergeftalt, baß zwar Äonftanae tmmer im Mittelpunkt unb Hauptträgerin ber Hanblung bleiot, daß aber zugleich auch bas Generalproblem Der mittelalterlichen Deutschen Geschichte, ber na ur- gegebene Gegensatz Zwischen Kaisertumiunb Rum, zu einem wesentlichen Bestanbtett solcher Ledens Beschreibung wirb. Von nicht geringerem Gewicht ist im Gefüge ber Szenen, im Neben- unb Gegen- einanber ber Gestalten ber eigentliche innere Mo­tor alles besten, was geschieht: bie romantische Staufersehnsucht nach Dein ©üben, der Italien unb D-uttschlanb umgreifenbe Kaisertraum Heinrichs V Man sieht: eine Fabel von außerorbentlicher Svannweite; es lohnt sich, zu betrachten wie sie künstlerisch bewältigt würbe. Wir haben schon an- neheutet' es geschieht mit Mitteln, die Benrath zu- "j'iSiKr- * ?*-

ber Verkehr auch wirklich geregelt burch ben elek­trischen Strom, ber geheimnisvoll Stellwerk unb Triebwagen oerbinbet. Aufsteckbare Fernumschal­ter schaffen heute bie Möalichkeit, Lokomotiven mit Hanbschaltung auf elektrische Fernschaltung umzu­stellen. Auf bemfelben Gleis können sogar zwei Züge, unabhängig ooneinanber, gesteuert werben: Die Stromzuleitung erfolgt auf verschiedenen Schienen, unb bie Stromabnehmer unter ben Lo­komotiven können so versetzt werben, baß sie auf biefen verschobenen Schienen Kontakt haben. Kleine elektrische Miniatur-Bahnen bis zur Spur­weite von 16,5 mm herunter stellen kleine Kunst-